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»Ich soll den Schriftsteller Ludwig Salé exklusiv interviewen?« Evelyn schaut ihren Chef überrascht an. Sie kann ihr Glück noch immer nicht fassen.
Claus von Herdeck nickt. »Er hat Sie für ein Wochenende auf seinen Hof eingeladen. Aber dass Sie mir nicht schwach werden«, warnt er eindringlich. »Salé steht in dem Ruf, ein großer Verführer zu sein!«
Evelyn versucht unbefangen zu lächeln, dabei schlägt ihr das Herz bis zum Hals. Die Vorstellung, ein Wochenende mit dem faszinierenden, überaus charmanten Künstler zu verbringen, ist mehr als aufregend für sie, doch das will sie nicht zeigen.
»Keine Angst, ich lasse mich nicht so leicht verführen«, antwortet sie betont gelassen. Sie ahnt nicht, wie sehr sie sich da irrt!
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Seitenzahl: 134
Veröffentlichungsjahr: 2022
Cover
Dich lieben – das ist Abenteuer!
Vorschau
Impressum
Dich lieben – das ist Abenteuer!
Mitreißender Roman um kleine Flirts und große Gefühle
Von Diana Laurent
Ich soll den Schriftsteller Ludwig Salé exklusiv interviewen?« Evelyn schaut ihren Chef überrascht an. Sie kann ihr Glück noch immer nicht fassen.
Claus von Herdeck nickt. »Er hat Sie für ein Wochenende auf seinen Hof eingeladen. Aber dass Sie mir nicht schwach werden«, warnt er eindringlich. »Salé steht in dem Ruf, ein großer Verführer zu sein!«
Evelyn versucht unbefangen zu lächeln, dabei schlägt ihr das Herz bis zum Hals. Die Vorstellung, ein Wochenende mit dem faszinierenden, überaus charmanten Künstler zu verbringen, ist mehr als aufregend für sie, doch das will sie nicht zeigen.
»Keine Angst, ich lasse mich nicht so leicht verführen«, antwortet sie betont gelassen. Sie ahnt nicht, wie sehr sie sich da irrt!
»Sie stand vor mir auf der Treppe, blickte mich mit diesem unvergleichlichen Blick an, der eine Mischung aus Spott, Überlegenheit und tief verborgener Unsicherheit war, und sagte kein Wort. Ich wusste, sie wartete auf eine Geste von mir, doch ich war in diesem Moment nicht mehr in der Lage dazu. Ich war leer, ausgebrannt und müde. Und so wandte ich mich ab und ging.«
Ludwig Salé ließ das Manuskript sinken und hob seinen Blick. Er schaute in das Publikum und schwieg. Einen Augenblick lang herrschte Stille, die gleiche Stille, die während seines gesamten Vortrags in dem kleinen, mit provisorischen Leichtwänden abgeteilten Raum in einer der großen Messehallen geherrscht hatte.
Dann brandete lauter, anhaltender Applaus auf. Der Autor, Mitte vierzig, groß, schlank und äußerst attraktiv, erhob sich von seinem Stuhl, verbeugte sich und lächelte geschmeichelt.
Ludwig Salé war es gewohnt, im Mittelpunkt zu stehen und bewundert zu werden. Seit beinahe zwanzig Jahren stand sein Name regelmäßig ganz oben auf den Bestsellerlisten. Er konnte vielleicht nicht besser schreiben als andere Autoren, die weniger erfolgreich waren, doch er hatte ein untrügliches Gespür dafür, welche Themen gefragt waren. Er schrieb immer das richtige Buch zur richtigen Zeit, und so war es ihm gelungen, ständig im Geschäft und erfolgreich zu sein.
Seine Lesungen auf der Frankfurter Buchmesse waren äußerst beliebt. Zahlreiche Besucher bemühten sich jedes Jahr aufs Neue um Einlass. Die Journalisten waren ausgesucht und wurden direkt von Salés Verlag eingeladen. Es war gewissermaßen eine kleine Auszeichnung, stand man als Mitglied der schreibenden Zunft auf der Einladungsliste.
In diesem Jahr hatte Salé aus seinem neuesten Buch »Die letzten Tage des September« gelesen, und wieder einmal sah es nach einem Erfolg aus. Das Publikum schien kein Ende mit seinem Applaus zu finden, doch Salé hatte sich bereits zurückgezogen. Hinter dem Vortragsraum am Stand des Verlags, wartete bereits der Verleger Matthias Wiesmann, um dem Autor zu seinem neuerlichen Erfolg zu gratulieren.
»Du warst großartig, Ludwig«, sagte er bewundernd und schüttelte dem Autor herzlich die Hand.
Salé lächelte und griff nach einem Glas Sekt.
»Zu warm«, murmelte er und richtete dann seinen Blick auf Wiesmann, der sich eben anschickte, in den Vortragsraum zu gehen.
»Können wir uns in diesem Jahr den Presserummel nicht sparen?«, fragte er in leicht gequältem Ton. »Ich verspüre nicht die geringste Lust, mir wieder tausend Fragen anhören zu müssen.«
»Bitte Ludwig, sei jetzt nicht unfair«, erwiderte Wiesmann, der stehen geblieben war. »Wir haben nur Fachjournalisten eingeladen, und ich denke mir, fast alle haben die ›Die letzten Tage im September‹ gelesen. Nun komm schon.«
Salé warf Wiesmann einen ärgerlichen Blick zu.
»Des September, Matthias, merk dir bitte wenigstens den korrekten Titel. Manchmal habe ich den Eindruck, aus dir ist ein echter Kaufmann geworden. Wo ist dein Kunstverständnis geblieben?«
Wiesmann verkniff sich eine bissige Bemerkung und trat dann wieder in den hell erleuchteten Vortragsraum. Das Publikum hatte sich deutlich gelichtet, nur ein Dutzend Reporter war noch anwesend. Ein Kellner reichte Sekt mit Orangensaft, dem die meisten Anwesenden zusprachen.
Als Ludwig Salé wieder auf der Bildfläche erschien, musste er gleich einige Autogramme geben. Seine eben noch grantige Stimme war einem routinierten Charme gewichen.
Matthias Wiesmann registrierte das mit einer gewissen Erleichterung.
»Meine Damen und Herren von der Presse, ich möchte mich zuerst für Ihr Interesse an dieser Veranstaltung bedanken«, begann der Verleger die kleine Pressekonferenz, die sich jedes Mal an Salés Lesungen anschloss. »Sie können nun Ihre Fragen stellen.«
Es folgten die üblichen Fragen nach der Idee zu dem Buchthema, nach Schreibtechniken, weiteren Plänen und nach Salés Privatleben.
Der Autor beantwortete freundlich die Fragen, ohne zu viel zu verraten, und eine halbe Stunde später beendete Matthias Wiesmann die Pressekonferenz mit einem Hinweis auf ein kaltes Büfett im Nebenraum.
»Ich werde mich auch noch kurz unters Volk mischen und mal vom kalten Büfett kosten«, sagte Ludwig Salé zu seinem Verleger.
Matthias Wiesmann blicke Salé sprachlos hinterher, als dieser durch eine Tür in den Nebenraum entschwand. Gerade wollte er nicht mal mit den Presseleuten reden, und jetzt stürzte er sich freiwillig ins Getümmel? Merkwürdig!
Ludwig Salés Gesinnungswandel hatte einen Grund. Als er den Nebenraum betreten hatte, schaute er sich suchend nach einer bestimmten jungen Journalistin um. Sie hatte ganz vorne gesessen und ihm einige überaus intelligente Fragen gestellt. Anschließend hatte er ein paarmal ihren Blick gesucht, doch ihr Interesse an seiner Person schien rein beruflicher Natur gewesen zu sein. Jetzt wollte er sehen, ob sie ihm auch bei einem persönlichen Gespräch die kalte Schulter zeigen würde. Doch sie schien bereits gegangen zu sein.
Ein Reporter, den Salé seit Jahren gut kannte, verwickelte ihn in ein Gespräch. Der Schriftsteller antwortete ein wenig geistesabwesend, während noch immer diese schlanke, braunhaarige junge Frau mit den großen meerblauen Augen in seinem Kopf herumspukte.
Sie schien tatsächlich schon gegangen zu sein. Nach zehn Minuten brach Ludwig Salé das Gespräch mit dem Reporter höflich ab und verließ die Veranstaltung. Matthias Wiesmann, der eben seinen Mantel übergezogen und seinen Aktenkoffer in die Hand genommen hatte, traf in der Halle mit Salé zusammen.
Die beiden hatten gemeinsam Germanistik studiert, bevor Matthias Wiesmann die Nachfolge seines Vaters angetreten und Ludwig seine Karriere begonnen hatte.
»Da war so eine Journalistin, Matthias«, sagte Salé, »mit dunklem Haar und sehr hübsch. Weißt du, für welche Zeitung sie arbeitet?«
»Darum also hast du dich noch unters Volk gemischt«, gab Matthias mit einem spöttischen Grinsen zurück. »Es könnte die neue Dame von ›PamPress‹ sein, die du meinst. Sie war für die ›Rundschau‹ hier. Ihr Vorgänger ist letztes Jahr in den Ruhestand gegangen.«
»Aha! ›PamPress‹ sitzt doch in München, oder?«
»Ja, ich glaube schon«, erwiderte Matthias. Er fand die unzähligen Affären seines Freundes befremdlich. Das war nicht sein Ding. Er selbst hatte vor Jahren seine Jugendliebe geheiratet. Als seine Frau ihn dann wegen eines Autors verlassen hatte, hatte Matthias das Kapitel Liebe in seinem Leben gestrichen. Seither lebte er nur noch für den Verlag.
Ludwig klopfte dem Freund auf die Schulter.
»Jetzt lass uns fahren, es ist ungemütlich kalt geworden.« Die beiden Männer trennten sich auf dem großen Parkplatz vor der Halle. Der Oktober brachte bereits empfindlich kalte Nächte mit sich.
Als Ludwig in seinen Wagen stieg, dachte er wieder an die schöne Unbekannte in dem sandfarbenen Hosenanzug. Er war noch immer auf der Suche nach der großen Liebe. Die Affären, in die er sich immer wieder stürzte, machten ihn nicht glücklich.
Seine Züge nahmen einen melancholischen Ausdruck an, als er den Motor startete und davonfuhr.
♥♥♥
Evelyn von Wildenfels stieg aus dem Taxi und lief leichtfüßig zum Eingang des Hotels »Vier Jahreszeiten«, in dem sie für die Dauer der Buchmesse auf Geschäftskosten abgestiegen war. Die junge Journalistin zog den Mantel enger um sich, denn es hatte sich erheblich abgekühlt seit dem Mittag.
Der Portier in dem etwas altmodisch wirkenden roten Mantel mit passender Schirmmütze, hielt ihr die Schwingtür auf und wünschte ihr einen schönen Abend. Aufatmend betrat sie das Foyer des noblen Hotels, in dem eine angenehme Temperatur herrschte. Sie trat an die Rezeption und verlangte ihren Schlüssel.
Die junge Dame mit der mondänen Hochsteckfrisur hinter dem Tresen reichte ihr den Schlüssel und einen weißen Briefumschlag mit einer Nachricht. Während Evelyn zum Lift ging und in den vierten Stock hinauffuhr, las sie die Zeilen, die in einer ihr vertrauten Schrift geschrieben worden waren. Peter war da!
Evelyn lebte seit drei Jahren mit dem Werbefachmann Peter Hartung zusammen, und sie waren sehr glücklich miteinander, auch wenn es nicht immer nur schöne Tage gegeben hatte. Peter war seit fünf Jahren geschieden. Seine Frau lebte mit dem gemeinsamen Sohn in der Schweiz. Evelyn hatte oft das Gefühl, dass Peter sich insgeheim nach seinem Sohn und seiner Exfrau zurücksehnte, auch wenn Ireen untreu und sehr egoistisch gewesen sein musste.
Vor allem vermisste Peter seinen achtjährigen Sohn Henry. Er liebte das Kind über alles, und es war ihm nach der Scheidung unendlich schwergefallen, das Kind bei der Mutter zu lassen.
Als Evelyn Peter begegnet war, hatte sein Leben nur aus Arbeit bestanden. Er hatte seine Werbeagentur zum Marktführer gemacht, war aber damals sehr unglücklich gewesen. Evelyn habe ihn wieder das Lachen gelehrt, sagte er oft. Sie beide verband eine zärtliche, vertrauensvolle Liebe.
Über Peters überraschenden Besuch freute Evelyn sich sehr. Mit wenigen Schritten war sie bei ihrem Zimmer, und Peter öffnete schon die Tür. Sofort bemerkte Evelyn, dass etwas nicht stimmte. Er sah blass und übernächtigt aus.
»Peter, was für eine Überraschung!«, rief Evelyn, trat ein und schloss die Tür hinter sich.
»Es hat mich ein gutes Trinkgeld und eine Menge Überredungskunst gekostet, damit mir jemand dein Zimmer aufschließt«, erwiderte Peter.
Er reichte ihr ein Glas Sherry, und dann setzten sie sich auf das bequeme Sofa.
Peter zog sie in seine Arme und gab ihr einen zärtlichen Kuss.
»Wie kommt es, dass du mich hier mit deinem Besuch überraschst?«, fragte Evelyn. »Du hast doch eine wichtige Konferenz morgen, oder wurde die abgesagt?«
»Nein, sie wurde nicht abgesagt. Es ist etwas geschehen, Evelyn, was mich zwingt, meine Pläne zu ändern.«
Evelyn stellte ihr Glas auf den Tisch und schaute Peter forschend und ein wenig beunruhigt an.
Er nahm ihre Rechte in seine Hände und legte sie an seine Wange.
»Es hat einen Unfall gegeben«, sagte er in ernstem Ton. »Ireen ist mit ihrem Sportflugzeug abgestürzt. Henry war bei ihr, als es geschah. Sie liegen beide im Krankenhaus. Die Hausdame hat mich informiert.«
»Oh, das tut mir so leid«, beteuerte Evelyn.
»Ich muss sofort in die Schweiz, um zu erfahren, wie es ihnen geht.«
Das ist der Abschied, ging es Evelyn durch den Sinn. Sie hatte es immer geahnt, dass es eines Tages so kommen würde. Sein Herz war noch immer dort, bei seinem Sohn und auch bei ihr.
»Du verstehst das doch, Evelyn, nicht wahr?«, fragte Peter bittend.
Natürlich verstand sie ihn. Sie wusste doch, wie sehr er an seinem Sohn hing. Und nun bangte er um das Leben des Jungen. Vielleicht würde diese Reise ihm auch Klarheit über seine wahren Gefühle bringen. Wenn er Ireen noch immer liebte, dann musste sie ihn gehen lassen, egal, wie weh ihr das tat.
»Ich verstehe dich, Peter. Du musst doch wissen, was genau passiert ist. Ich hoffe, die beiden sind nicht allzu schwer verletzt.«
»Danke«, murmelte er leise und küsste sie zärtlich.
Nachdem Peter gegangen war, empfand Evelyn die Stille und Einsamkeit ihres Hotelzimmers als bedrückend. Kurz entschlossen nahm sie ihre Handtasche, um noch auf einen Sprung in die Hotelbar zu gehen.
Hier herrschte zu dieser abendlichen Stunde reger Betrieb. Während Evelyn an der Bar an ihrem Glas Rotwein nippte, dachte sie über ihre Beziehung zu Peter nach. Sie hatte immer gewusst, dass es nicht die ganz große Liebe war, die sie verband.
Zudem war sie nie das Gefühl losgeworden, dass er noch an seiner Ex und an seinem alten Leben hing. Seine Reise in die Schweiz machte Evelyn nicht traurig, sondern sie spürte eher so etwas wie Erleichterung. Vielleicht würde Peter jetzt erkennen, ob Ireen ihm noch immer etwas bedeutete. Und wenn nicht, dann würde es in ihrer Beziehung endlich keine Zweifel mehr geben.
Evelyns Gedanken wandten sich nun der Autorenlesung von Ludwig Salé und der anschließenden Pressekonferenz zu. Es war ein anstrengender, aber interessanter Tag gewesen. Zum ersten Mal war sie für die »Rundschau« auf der Frankfurter Buchmesse gewesen, und Ludwig Salé hatte sie stark beeindruckt. Er war ein umwerfend gut aussehender, charmanter Mann.
Als Evelyn eine halbe Stunde später im Bett lag, sehnte sie sich nach Peters Nähe. Doch ehe sie einschlief, wurde sein Bild durch das des faszinierenden Schriftstellers verdrängt und zauberte ein Lächeln auf ihre Lippen.
♥♥♥
Am nächsten Morgen bescherte der Föhn München ein laues Lüftchen. Claus von Herdeck-Braunfels stand an diesem Morgen mit seiner Tasse Kaffee auf der Terrasse seines Bungalows. Er war gewissermaßen auf der Flucht vor dem »lieben Besuch«, der ihn in Form seiner Mutter vor zwei Tagen heimgesucht hatte.
Luise von Herdeck-Braunfels war eine Seele von Mensch, doch sie konnte ihre Fürsorge auch übertreiben, besonders wenn es um die Belange ihrer Familie ging. Claus erinnerte sich gut, wie erleichtert er gewesen war, dass seine Eltern in der Schweiz leben wollten, nachdem der Verlag dem Sohn übergeben worden war.
Dieser denkwürdige Tag lag nun etwa fünf Jahre zurück. Seither besuchte seine Mutter ihn zwar regelmäßig, doch in zumutbaren Abständen.
Claus seufzte und ließ seinen Blick über den Garten schweifen, der in herbstlicher Idylle vor ihm lag. Seine Mutter hatte es sich seit geraumer Zeit zum Ziel gesetzt, eine »passende Partie« ausfindig zu machen, denn schließlich wurde es für ihn mit fünfunddreißig Jahren langsam Zeit, in den Hafen der Ehe einzulaufen, wie Luise sich gerne ausdrückte.
All ihre Vorschläge waren bisher auf wenig Gegenliebe gestoßen, aber Luise war nicht bereit aufzugeben, ebenso wenig wie Claus gewillt war, die Bemühungen seiner Mutter ernst zu nehmen. Zum Glück neigte sich ihr Besuch seinem Ende entgegen.
»Würdest du mir ein Taxi rufen, mein Schatz?«, fragte Luise nun ihren Sohn, als sie neben ihn auf die Terrasse trat.
Sie lächelte und betrachtete ihren gut aussehenden Sohn mit mütterlichem Stolz.
Claus war ein hochgewachsener, schlanker Mann mit haselnussbraunem Haar und wachen grauen Augen. Seine Gesichtszüge waren klassisch männlich und doch sensibel. Sein jungenhaftes Lächeln wirkte ansteckend, auch wenn er meist eher ernst wirkte.
Luise war ein ganzes Stück kleiner als ihr Sohn, doch ebenfalls eine elegante, große, schlanke Frau, deren braunes Haar schon grau schimmerte. Ihre schönen grauen Augen strahlten noch immer einen Hauch von Jugend aus, auch wenn Luise die sechzig bereits überschritten hatte.
»Ich bringe dich zum Flughafen«, bot Claus an und begleitete seine Mutter zurück ins Wohnzimmer, wo sie gemeinsam das Frühstück eingenommen hatten.
»Unsinn, dafür hast du gar keine Zeit, Claus. Ich nehme mir ein Taxi«, erklärte sie in burschikosem Ton.
»Gut, wie du willst«, gab er nach und griff nach dem Telefon, das auf einer antiken Anrichte stand. Claus hatte den Bungalow vor einigen Jahren erworben und mit einer Mischung aus modernen und antiken Möbeln sehr gediegen ausgestattet.
Wenige Minuten später war das Taxi da. Claus trug den Koffer zum Wagen, gab seiner Mutter einen Kuss, und dann stieg sie sein.
»Viele Grüße an den alten Herrn und bis bald«, sagte Claus, ehe Luise die Wagentür hinter sich schloss.
Eine gewisse Erleichterung konnte er nicht verleugnen, als er dem Taxi nachsah. Dann stieg er in seinen Wagen und machte sich auf den Weg zum Verlag.
Claus liebte seine Mutter, doch die Beharrlichkeit, mit der sie versuchte, ihn unter die Haube zu bringen, ging ihm auf die Nerven. Und dabei hatte er sein Herz längst verloren, aber es war eine Liebe ohne Perspektive, die er nicht einmal offenbaren durfte.
Eine Viertelstunde später betrat Claus das Verlagshaus, das bereits seit drei Generationen im Familienbesitz war. Die Firma hieß nun »PamPress« und brachte außer einem breit gefächerten Bücherangebot auch mehrere Zeitschriften heraus. Der Verlag hatte sich auf dem kleiner werdenden Markt eine gute Position erkämpft, was nicht zuletzt auf das Talent und den Einsatz des jungen Chefs zurückzuführen war.
Claus hatte sein Büro im obersten Stock, doch dort hielt er sich wesentlich seltener auf als in den Redaktionsräumen.
