Silvia-Gold 155 - Paulina Peik - E-Book

Silvia-Gold 155 E-Book

Paulina Peik

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Beschreibung

Nein, es läuft nicht rund im Leben der Autorin Lisa Wunderlich. Und das liegt nicht nur daran, dass sie mit ihrem aktuellen Roman einfach nicht weiterkommt. Lisa ist unzufrieden, das ist der springende Punkt! Sie ist von Patrick geschieden, ihr pubertierender Sohn wird vielleicht am Ende des Schuljahrs nicht versetzt, und ihre heimliche Affäre mit einem evangelischen Pastor belastet zunehmend ihr Gewissen.
Wie soll es also weitergehen? Je länger Lisa darüber nachdenkt, wie ihre Zukunft aussehen soll, desto öfter wandern ihre Gedanken in die Vergangenheit. Und landen schließlich bei ihrem Ex-Mann ...

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Seitenzahl: 123

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

Cover

Mit voller Kraft zurück – ins Glück!

Vorschau

Impressum

Mit voller Kraft zurück – ins Glück!

Schaffen sie es, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen?

Von Paulina Peik

Nein, es läuft nicht rund im Leben der Autorin Lisa Wunderlich. Und das liegt nicht nur daran, dass sie mit ihrem aktuellen Roman einfach nicht weiterkommt. Lisa ist unzufrieden, das ist der springende Punkt! Sie ist von Patrick geschieden, ihr pubertierender Sohn wird vielleicht am Ende des Schuljahrs nicht versetzt, und ihre heimliche Affäre mit einem evangelischen Pastor belastet zunehmend ihr Gewissen.

Wie soll es also weitergehen? Je länger Lisa darüber nachdenkt, wie ihre Zukunft aussehen soll, desto öfter wandern ihre Gedanken in die Vergangenheit. Und landen schließlich bei ihrem Ex-Mann ...

»Ich – ich hasse dich! Ich hasse dich, hörst du?«

Miranda rannte hinter dem hellen Kombi her, so schnell sie konnte. Edward hatte Gas gegeben und brauste mit lautem Knirschen den Kiesweg in Richtung der Ausfahrt ...

Lisa zögerte. Bis zu diesem Punkt waren ihre Finger über die Tastatur geglitten wie die eines Pianisten über die Tasten eines Konzertflügels. Jetzt allerdings hielt sie zweifelnd inne und starrte vorwurfsvoll auf den Bildschirm ihres Laptops.

»›Ich hasse dich‹? Wem schreibst'n da?«

Julian, ihr fünfzehnjähriger Sohn, hatte sich angeschlichen und ihr über die Schulter gesehen. Er wusste, wie sehr seine Mutter es verabscheute, wenn er sie beim Verfassen ihrer Texte störte.

»Ich schreibe niemandem. Das ist ein Liebesroman«, erklärte die Autorin würdevoll.

»Krass, echt«, stieß der Junge grinsend hervor. »Liebesroman! Müsste da dann nicht stehen: ›Ich liebe dich‹?«

»Davon verstehst du erfreulicherweise noch nichts, Schätzchen«, erwiderte Lisa leichthin. »Wenn du erst mal in mein Alter kommst, dann weißt du, wie nah Liebe und Hass beieinander liegen. Hass ist ja nichts anderes als verschmähte oder enttäuschte Liebe, und Liebe ... also, wahre Liebe ... ach egal! Das kannst du noch nicht verstehen. Darüber reden wir mal in Ruhe. – So, jetzt lass mich bitte weiterschreiben. Ich muss diesen Roman hier fertig bekommen, sonst gibt's Probleme mit dem Verlag!«

»So wie bei dir und Papa, oder?«, erkundigte sich ihr Sprössling sachlich. »Verschmähte oder enttäuschte Liebe, meine ich.« Es hörte sich mehr wie eine Feststellung, denn wie eine Frage an.

Lisa wandte sich um und blickte Julian direkt ins Gesicht.

»Ja«, erwiderte sie ernst. »Genau wie bei mir und deinem Vater.«

Lisas Ehe war geschieden, in »gegenseitigem Einvernehmen«, wie man so sagte. Es hatte einiges Gerede gegeben, in der norddeutschen Kleinstadt. Immerhin war Lisa keine Unbekannte.

Patrick, als Webdesigner sehr erfolgreich, war ein wunderbarer Mann, attraktiv, liebevoll, mit viel Humor. Wehe jedoch, wenn es Probleme gab. Dann dekompensierte er, drehte am Rad und benahm sich wie ein verzogenes Kind.

Sie hingegen war es gewohnt, analytisch an die Dinge heranzugehen. Irgendeine Scheu, unangenehme Telefonate zu führen, mit der Bank, dem Finanzamt oder den Behörden, war ihr völlig fremd.

Patrick hingegen wich aus. Er öffnete ungern Briefe, die von außen so wirkten, als könnte der Inhalt amtlich sein. Er hasste es, wenn der Signalton seines Smartphones erklang, und nahm Gespräche nur an, wenn ihm die Nummer bekannt war. Klingelte es an der Haustür, traf sie regelmäßig ein flehender Blick.

»Geh du mal«, bat er dann im Flüsterton.

Nein, mit all dem hatte sie keine Probleme. Darauf verließen sich auch ihre Patienten. Die Frau Doktor war immer aufrichtig und direkt, auch bei unangenehmen Befunden. Immer. Beinahe. Einen Patienten allerdings hatte sie belogen: ihren Vater. Er war zu ihr in die Praxis gekommen, und bereits im Ultraschall hatte sie die Erkrankung, die sein Leben in Kürze beenden würde, erkannt. Während sie zu ihrer bereits verstorbenen Mutter nie ein inniges Verhältnis hatte aufbauen können, hatte sie ihren Vater abgöttisch geliebt, genau wie er sie.

Sie hatte gekämpft. Wie eine Löwin um ihr Junges hatte sie gekämpft, aber vergeblich. Was auch immer sie versucht hatte, die Operation, die Chemotherapie – nichts hatte den Verlauf ändern können. Kurz vor seinem Tod, anlässlich eines ihrer täglichen Besuche, hatte er ihren Unterarm ergriffen wie ein Ertrinkender den Rettungsring und sie zu sich herangezogen.

»Kind, sag mir die Wahrheit! Ich bin doch voller Krebs! Du bist meine Ärztin! Kann ich das denn überhaupt schaffen?«

Sie hatte ihre freie Hand beschwichtigend auf die seine gelegt, die ihren Arm weiter fest umklammert hielt.

»Ach Papa«, hatte sie leichthin geantwortet, »du bist doch ein Kämpfer! Gib nicht auf! Bleib tapfer! Du schaffst das schon!«

Sie hatte es nicht übers Herz gebracht. Sie hatte es einfach nicht gekonnt. Jedem Patienten hätte sie die Wahrheit sagen können, ihrem Vater nicht.

Sie hatten beide verloren. Ihr Vater den Kampf um sein Leben, Lisa den Glauben an die Medizin, an sich selbst und an Gott, auch wenn sie lange aktiv in ihrer Kirchengemeinde, der von St. Petri, gearbeitet hatte und immer noch arbeitete.

Angesichts der heraufziehenden Katastrophe hatte sie abermals keinen Halt in ihrer Ehe gefunden. Patrick hatte sich völlig überlastet gezeigt. Er hatte Probleme in seiner Firma, die ihn derart gefangen nahmen, dass er sich außerstande gesehen hatte, sich auch noch dem Leiden und Sterben eines alten Mannes zu widmen.

Aber es war ja nicht nur um den alten Mann gegangen, sondern auch um seine Frau, die er zu lieben behauptete und die ihn gebraucht hätte.

Nein, es war nicht nur Gleichgültigkeit. Er verdrängte eben gern unangenehme Gedanken.

Lisa hatte begriffen, dass sie etwas ändern musste. Julian war gerade zehn gewesen, als sie sich entschlossen hatte, die Praxis zu verkaufen und sich von Patrick zu trennen. Der Verkaufserlös hatte ihr ein beruhigendes finanzielles Polster verschafft, und – dem Himmel sei Dank! – es hatte keine langwierigen Gerichtsverhandlungen gebraucht.

Schon des gemeinsamen Kindes wegen war die Scheidung friedlich abgelaufen. Mit dem Unterhalt gab es keine Probleme, und die Eltern teilten sich alle Rechte. Patrick hatte darauf geachtet, dass in seiner neuen Wohnung ein Zimmer für Julian zur Verfügung stand, das dieser sich nach seinem Geschmack einrichten durfte. Auch wenn der Junge frei wählen konnte, wo er wohnen wollte, zog er meist sein Zimmer im Haus seiner Mutter vor.

So kam es, dass Lisa – vielleicht auch als eine Art Therapie – begann, Liebesromane zu schreiben. Und sie erwies sich als erstaunlich talentiert.

♥♥♥

»Du, Mama, Papa und ich wollen heute ins Kino und anschließend noch einen Cheeseburger essen. Ist das okay für dich, wenn ich heute in Altenwalde bleibe? Ich meine, du hast dann ja auch sturmfrei!« Er kicherte.

»Du Rübe«, schimpfte Lisa scherzhaft. »Als ob du Freder und mich stören würdest! Aber dem habe ich schon abgesagt. Ich muss den Roman zu Ende schreiben. Sag mal – hast du überhaupt Geld in der Tasche?«

»Nö, macht aber nix. Papa zahlt doch!«

»Ich möchte aber nicht, dass du so völlig von ihm abhängig bist. Hier!«

Sie kramte in ihrem Portemonnaie herum und schob ihm als Resultat ihrer Suche einen Zwanzig-Euro-Schein in die Brusttasche seines Hemdes. »Wenn du wiederkommst, bring die schmutzige Wäsche mit. Ich möchte nicht, dass du Papa damit belastest.«

»Aye-aye, Sir!« Julian salutierte.

»Madam, wenn ich bitten dürfte«, korrigierte Lisa ihn lachend. Sie umarmte ihren Sohn, drückte ihn und gab ihm einen Kuss auf die mit Gel gestylten blonden Haare.

»Mama«, tönte er vorwurfsvoll, sich hektisch die Frisur richtend. »Du ruinierst ja meinen Style!«

»Ach! Das ist ›Style‹? Das kann ich ja nicht wissen. Entschuldige bitte!«

Die Tür fiel hinter Julian ins Schloss, und Lisa war einen Moment lang ganz von dem Gefühl erfüllt, wie glücklich es sie machte, einen Sohn wie ihn zu haben.

So. Nun musste es aber weitergehen. Wo war sie stehen geblieben?

Edward, richtig. Er steuerte also seinen Kombi über den Kiesweg mit lautem Knirschen zur Ausfahrt ... lautes Knirschen? Konnte ein Geräusch wie Knirschen von Kies überhaupt laut sein? Maximal doch wohl das Aufheulen des Motors, oder? Aber Knirschen war Knirschen, und zwar ohne Nuancen, basta! Also: Edward hatte Gas gegeben und mit laut aufheulendem Motor den Kiesweg in Richtung der Ausfahrt passiert.

Die Szene gefiel ihr nicht. Edward war ein verzogener blonder Typ, der (außer seinem unglaublichen Aussehen und reichlich Muskeln an völlig sinnlosen Stellen) kaum Qualitäten hatte, die einer Frau imponieren konnten, wie beispielsweise Beständigkeit, Zuverlässigkeit und Humor. Deswegen floh er ja auch vor Miranda, diesem naiven Dummchen, jetzt, wo sie sein Kind unter dem Herzen trug.

Statt zu verhüten, hatten sich die beidem dem Rausch der Sinne hingegeben und zeigten sich nun außerstande, die sich daraus ergebenden Konsequenzen zu tragen.

Miranda hatte die Pille absichtlich »vergessen«, um Edward mit dem Kind an sich zu binden, und Edward hatte offenbar noch nie etwas davon gehört, dass gern auch mal die Männer die Verantwortung für die Empfängnisverhütung übernehmen durften. Allerdings nur, wenn sie intelligent genug waren.

Und mit solchen »Helden« hatte Lisa sich nun in ihrem Roman herumzuschlagen!

Sie ließ sich im Schreibtischstuhl zurücksinken und stöhnte leise. So ging das nicht. Sie tippte missmutig mehrfach hintereinander auf die Löschtaste, bis der Text verschwunden war. Was hatte ihr Lektor erst vor Kurzem zu ihr gesagt? Mehr Liebe, mehr Romantik! Nicht immer diese erschreckende Realität.

»Unsere Leserinnen sind statistisch ungefähr Mitte fünfzig und haben schon genug Probleme, glauben Sie mir, Frau Doktor Wunderlich. Wir erzählen moderne Märchen, in rosarot und himmelblau! Der Alltag ist trist genug!«

»Frau Wunderlich reicht, danke. Soll ich unsere Leserinnen denn anlügen, Herr Berger?«, hatte sie trotzig gefragt.

»Ja.« Die Antwort des Lektors fiel ungewohnt knapp aus. Na schön.

Edward fiel vor ihr auf die Knie, berührte zaghaft Mirandas Körpermitte und sah zu ihr auf. »Ein Kind?«, raunte er leise. »Unser ... Kind? Miranda, Darling! Was für ein Geschenk!«

»O Edward«, hauchte sie, leidenschaftlich seine Hand ergreifend, »ich liebe dich! Ich liebe dich so!«

Märchenhaft genug? Wenn der Verlag es so haben wollte, bitte schön. Warum fühlte sich bloß jeder berechtigt, ihr Empfehlungen zu geben?

Erst mal sichern, den Kram. Lisa erschrak. Ob Patrick mit dem Jungen schon über Verhütung gesprochen hatte? Das klassische Aufklärungsgespräch war heutzutage sicher nicht mehr nötig. Zu breit gefächert waren die Informationsangebote im Internet und den Medien. Aber Verhütung war immer ein Thema, vielleicht gerade in einer Zeit, wo man glaubte, ausreichend über alles informiert zu sein. Das jedoch war ein Trugschluss. Leider.

Solange die Datensicherung lief, konnte sie sich eine Tasse Tee zubereiten. Sie hatte gerade das heiße Wasser in die Tasse mit der blauen Eule gegossen, als das Telefon klingelte.

»Wunderlich!«, meldete sie sich.

Am anderen Ende der Leitung schien man sich eine Millisekunde lang unsicher zu sein, ob man seine Identität preisgeben sollte. Dann aber drang eine warme, volltönende, dunkle Stimme an ihr Ohr.

»Lisa, bist du das? Hier ist Ben Seitz!«

♥♥♥

»Kann ich noch'n Popcorn mitnehmen? Für heute Abend, zum Fernsehen!« Julian hatte seinen Vater am Arm festgehalten, als der gerade die Treppe zum Ausgang erklimmen wollte.

»Da stehen so viele Leute an. Reichen die Chips nicht, die ich besorgt habe?«

»Welcher Geschmack?«

»Smoked Bacon und Sour Cream and Onion!«

»Ja, okay. Aber ich kauf noch 'ne Tüte Gummibärchen. Ich hab Geld«, beugte der Junge eventuellen Protesten seitens des Vaters vor.

»Quatsch, ich zahle das«, erklärte Patrick in Geberlaune. »Und, wie fandest du den Film?«

»Übertrieben nice, oder?«, schwärmte der Junge. »Papa, kann ich auch in so ein Fitnessstudio gehen? Ich brauche unbedingt 'n paar Muskeln! Die Mädchen stehen auf Sixpacks!«

»Wer hindert dich daran?«

»Mama sagt, das ist Quatsch und dass sie dafür kein Geld hat. Dabei behauptet sie immer, dass ich mich zu wenig bewege. Ich will ja auch nicht in so einen Edelschuppen mit Vertrag, aber McMucki hat gerade so Angebote ... Du hast doch auch gesehen, wie klasse der Schauspieler aussah, oder?«

»Meinst du den, der den anderen die Nasen blutig gehauen hat, oder den, nach dessen Biss alle zu Zombies wurden?«

Julian blickte vom Beifahrersitz unsicher zu Patrick herüber. Machte sein Vater jetzt Spaß, oder wusste er wirklich nicht, wen er gemeint hatte?

Patrick sah mit einer gekonnten Mischung aus Unschuld und Konzentration auf die Straße vor sich, musste dann aber grinsen.

»Mann, Papa!«, schimpfte Julian.

Er liebte seinen Vater genauso wie seine Mama. Am liebsten wäre es ihm gewesen, wenn beide wieder zusammengekommen wären. Gerade im Augenblick war die Gelegenheit günstig für eine Reunion.

Mama und dieser Langweiler Freder – ja, der war ganz nett, gab sich auch voll Mühe, der Typ. Evangelischer Pastor, echt! Und verheiratet! Wen Mama da immer anschleppte! Dabei glaubte sie doch gar nicht an Gott ...

Wenigstens brachte Freder oft was Cooles mit für ihn. Und Papas Freundin? Ey, die war voll ätzend! Er war mit dieser Conny jedes Mal derart aneinandergeraten, dass Papa dafür gesorgt hatte, dass sie sich möglichst wenig in der Altenwalder Wohnung begegneten, wenn ein Vater-Sohn-Wochenende bevorstand.

Wirklich: Diese Conny war so faul, dass Papa noch eine Putzfrau brauchte. Na ja, Putzfrau traf es nicht wirklich. Papa sagte »Haushälterin« zu Irmchen. Irmgard Otto, genannt Irmchen, war ganz okay und immer gut drauf. Vor allem schmeckte ihr Essen.

»Sag mal, mein Sohn – hat deine Mutter eigentlich auch so einen Brief von der Schule bekommen?«

»Was den für einen Brief?«, fragte Julian erstaunt.

»Dein Klassenlehrer bittet um ein Elterngespräch. Es geht wohl um deine schulischen Leistungen, speziell in Englisch und Deutsch!«

»KP«, erklärte Julian, was, wie jedermann, der mit Halbwüchsigen zu tun hatte, wusste, »Kein Plan« bedeutete.

»Ich werde sie nachher mal anrufen. Wir müssen den Termin sowieso zusammen wahrnehmen, da wir ja das gemeinsame Sorgerecht haben.«

Das lief gerade voll in die falsche Richtung.

»Muss Mama da echt unbedingt mit? Dann regt sie sich bloß wieder auf und sitzt mir ständig im Nacken, dass ich lernen soll und Hausaufgaben machen und so.«

Patrick betrachtete ihn mit Sorge.

»Ich verstehe dich nicht, Junge. Du warst doch wirklich gut in der Schule. Kein Überflieger, aber gut. Und seit unserer Scheidung ... hat es damit etwas zu tun? Ich meine, wir sind doch beide für dich da, und dir ist doch hoffentlich auch klar, dass das allein unser Ding war – eigentlich, Mamas Ding war, dass wir uns getrennt haben. Mit dir hatte das nichts zu tun.«

»Nee, is' klar«, bestätigte sein Sprössling.

»Und warum bist du dann so abgefallen in deiner Leistung?«

»Pubertät?«, versuchte Julian grinsend als Antwort.

»Brauchst du Hilfe? Sollen wir dich bei der Nachhilfe anmelden?«

»Nee, Quatsch. Ich hab einfach Null Bock auf Schule.«

»Ah ja. Verstehe. Und wie, bitte, stellst du dir deine Zukunft vor?«

»KP«, tat Julian zum zweiten Mal an diesem Tag kund. »Vielleicht Maurer?«

Patrick Wunderlich verdrehte die Augen.

»Wer nix wird, wird Wirt, sagten wir in meiner Jungend immer. Du solltest das Gastgewerbe nicht außer Acht lassen«, stellte er sarkastisch fest.

»Ich könnte so'n Hamburger-Restaurant übernehmen«, strahlte der Junge hoffnungsvoll. »Da brauch' ich weder Deutsch noch Englisch!«

»Wenn du sicher bist, dass dich das auf die Dauer glücklich macht?«