Silvia-Gold 158 - Sandra Heyden - E-Book

Silvia-Gold 158 E-Book

Sandra Heyden

0,0
1,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.
Mehr erfahren.
Beschreibung

Frauen! Henrik van Doeren zieht verächtlich die Mundwinkel herab. Sie können ihm alle gestohlen bleiben, egal, ob sie Annelie, Melinda oder Jana heißen. Hinter dem Aussehen eines Engels verstecken sie die Seele eines Teufels. Alle sind sie da gleich!
Doch halt! Jana - sie sieht wahrhaftig nicht aus wie ein Engel, eher wie ein ...
Henrik beißt sich auf die Zunge. Dass Jana aussieht wie ein halber Junge könnte ja - natürlich nur rein theoretisch - bedeuten, dass sie dann tatsächlich ein Engel wäre.
Nein, nein, nein! Henrik ist fest entschlossen, sich nicht noch einmal einwickeln zu lassen ...


Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 107

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Cover

Jetzt erst recht!

Vorschau

Impressum

Jetzt erst recht!

Wenn das Wichtigste im Leben fehlt, gibt es nur einen Weg

Von Sandra Heyden

Frauen! Henrik van Doeren zieht verächtlich die Mundwinkel herab. Sie können ihm alle gestohlen bleiben, egal, ob sie Annelie, Melinda oder Jana heißen. Hinter dem Aussehen eines Engels verstecken sie die Seele eines Teufels. Alle sind sie da gleich!

Doch halt! Jana – sie sieht wahrhaftig nicht aus wie ein Engel, eher wie ein ...

Henrik beißt sich auf die Zunge. Dass Jana aussieht wie ein halber Junge könnte ja – natürlich nur rein theoretisch – bedeuten, dass sie dann tatsächlich ein Engel wäre.

Nein, nein, nein! Henrik ist fest entschlossen, sich nicht noch einmal einwickeln zu lassen ...

»Du wirst Melinda vergessen, Henrik«, sagte Hella van Doeren voller Überzeugung und trat hinter ihren Bruder, der vor dem Kamin kniete und mit finsterem Gesicht zerrissene Fotos in das knisternde Feuer warf. Den mitfühlenden Händedruck seiner Schwester bemerkte er kaum. »Sie ist es nicht wert.«

»Oh, mach dir um mich keine Sorgen«, erwiderte Henrik ernst und erhob sich. »Ich werde es überleben.«

»Sicher.« Sie nickte. »Es fragt sich nur, wie. Du hast sie geliebt, oder nicht?«

»Habe ich das?«, kam es derart kalt zurück, dass ein eisiger Schauer über Hellas Rücken lief.

»Henrik, bitte!«, rief sie verzweifelt und packte ihn an den Schultern. »Lass es nicht zu! Bitte! Du hast doch eben erst wieder angefangen, wirklich zu leben. Lass nicht zu, dass eine Frau wie Melinda dein Leben zerstört. Versteck dein Herz nicht wieder hinter einem Panzer aus Eis.«

Henrik van Doeren musterte seine besorgte Schwester aus hellen, ausdruckslosen Augen.

»Zum ersten Mal, seit Annelie mich verlassen hat, habe ich einer Frau wieder vertraut – nur, um ein weiteres Mal enttäuscht zu werden. Nein, Hella, so etwas wird mir nie wieder passieren.«

»Henrik, kein Mensch kann ohne Liebe leben«, widersprach Hella ihrem Bruder und wusste doch schon, wie sinnlos ihre Worte waren.

»Ich musste schon einmal ohne Liebe leben«, entgegnete er mit bitterem Lachen. »Und ich kann es wieder. Soll man mich doch für einen Eisklotz ohne Gefühle halten. Damit kann ich leben – mit immer neuen Enttäuschungen nicht!«

»Wenn es nur das wäre.« Seine Schwester seufzte niedergeschlagen. »Aber seit der Geschichte mit Annelie wirfst du alle Frauen in einen Topf. Du verachtest sie alle und begegnest ihnen auch so, selbst denen, die es gut mit dir meinen.«

Henrik lachte auf. »Gut mit mir? Mit sich selbst, meinst du wohl. Melinda ist doch der schlagende Beweis. Ich habe ihr vertraut, aber sie hat keinen Augenblick lang diese Gefühle erwidert. Sie wollte sich mit dem Eisklotz Henrik van Doeren schmücken. Du hättest den Triumph in ihren Augen sehen sollen, als ich ihr meine Liebe gestand.«

»Ja, sie hat dich enttäuscht«, stimmte seine Schwester seinen bitteren Worten zu. »Aber durch sie hast du doch auch erkannt, dass deinem Leben etwas fehlt, oder etwa nicht?«

»Durchaus nicht, Hella, durchaus nicht. Das alles hat mir nur gezeigt, wie recht ich hatte!«

»Du bist verletzt, das ist verständlich«, meinte Hella nachsichtig. »Vielleicht solltest du erst einmal etwas Abstand gewinnen. In ein paar Wochen siehst du sicher alles ganz anders, Henrik.«

Er lachte auf. Froh klang es nicht.

»Was soll ich tun? Mich in ein Mauseloch verkriechen und dann mein Schicksal beweinen?«

»Warum fährst du nicht für ein paar Tage nach Estersum, in deine Kate?«, schlug sie vor. »Dort hast du Gelegenheit, über alles nachzudenken und mit dir ins Reine zu kommen.«

Henriks Blick schien in eine weite Ferne zu gleiten.

»Estersum«, wiederholte er leise, und es klang beinahe sehnsüchtig. »Ja, das ist tatsächlich eine gute Idee. Estersum ...«

Die alte, schon recht windschiefe Kate mit den kleinen Butzenfenstern und dem tief herabgezogenen Strohdach lag einsam, den Blicken der Welt entzogen, zwischen einem ausgedehnten Waldgebiet und einem der letzten, noch intakten Moore.

Auf Kilometer im Umkreis gab es keine Nachbarn, nur ein kleines Dorf lag auf der anderen Seite des Waldes, fast schon an der holländischen Grenze. Niemand wusste mehr, wer diese Behausung einst errichtet hatte, denn die Gegend eignete sich weder für die Landwirtschaft noch für die Viehzucht.

Henrik van Doeren war das gleich. Er liebte diese Kate, gerade weil sie so einsam lag, so völlig außerhalb der Welt.

Und als er wenige Tage nach der Unterhaltung mit seiner Schwester den großen Schlüssel vom Balken nahm und in das Schloss des breiten Holztores schob, das fast ein Drittel der gesamten Hauswand einnahm, war er nur froh, endlich hier zu sein.

Hier konnte er sich verkriechen und versuchen, zu vergessen. Alles vergessen – vor allem Melinda Brink. Die schöne Melinda, die jetzt wohl im Begriff war, ein Star zu werden – und das nur, weil ihr gelungen war, was seit Jahren etliche Frauen vergeblich versucht hatten: sein Herz zu erobern.

Ja, Hella hatte recht, es würde gut sein, sich für eine Weile von allem zurückzuziehen, vor allem aus dem öffentlichen Leben, in das er als immens reicher Guts- und Gärtnereibesitzer so fest eingebunden war.

Es würde gut sein, sich hier zu verkriechen, wo nur wenige ihn kannten und diese wenigen seine Freunde waren.

♥♥♥

»Bitte?«

Jana Haagen vergaß vor Überraschung beinahe den Mund zu schließen, und nur langsam senkte sich die Gabel in ihrer Hand wieder auf den Teller zurück, während sie ihr süffisant lächelndes Gegenüber ungläubig anstarrte.

»Was sagten Sie eben, Roderich?«

Roderich Mellenbroichs Lächeln vertiefte sich ein wenig. Er war zweifellos ein attraktiver Mann und sich seiner selbst sehr sicher. Allerdings konnte Jana sich mit seinem arroganten Gehabe nicht sonderlich anfreunden, auch wenn sie ihn ansonsten recht nett und umgänglich fand.

»Ich bitte Sie, meine Frau zu werden, Jana«, wiederholte Mellenbroich die Frage, die Jana so erschüttert hatte.

»Guter Gott, Roderich«, entfuhr es seiner hübschen Begleiterin entgeistert, »wir kennen uns doch kaum!«

»Ich weiß.« Mellenbroichs Stimme blieb ruhig, und dass er auch sonst keine Gefühlsregung zeigte und sich nicht einmal beim Essen stören ließ, gefiel Jana überhaupt nicht. »Aber wir kennen uns gut genug, um zu erkennen, dass wir vom selben Schlag sind, nicht wahr?«

»Vom selben Schlag?«, wiederholte sie und hob in unnachahmlicher Art die linke Augenbraue. Im Gegensatz zu den meisten Männern, die bisher ihr Leben verunsichert hatten, beeindruckte Mellenbroich sie nicht im Geringsten.

Er lächelte weiter, als sei sie ein kleines Kind, dem er geduldig auf eine äußerst dumme Frage antworten sollte.

»Wir stehen auf der gleichen Stufe des Systems, und deshalb glaube ich, dass wir beide eine sehr gute Ehe führen werden, auch wenn ich etwas älter bin als Sie, Jana.«

Jana fegte die kleine Koketterie mit seinem Alter – immerhin war Mellenbroich fast fünfzig, wenn man ihm das auch nicht ansah – mit einer unwilligen Handbewegung beiseite.

»Ach, dann schwebt Ihnen also keine Liebesheirat vor?«, stellte sie lauernd fest.

»Natürlich nicht. Obwohl ich zugeben muss, dass ich Sie sehr reizvoll finde, meine Gute. Aber Liebe – du lieber Himmel, im Augenblick könnte ich Ihnen wohl nichts anbieten, was Sie weniger wünschten, nicht wahr?«

Jana wusste, dass er auf ihre unglückliche Liaison mit dem jungen Maler Stephan Freith anspielte, der in ihr von Anfang an nur die reiche Tochter eines noch reicheren Vaters gesehen hatte. Sie war verliebt genug gewesen, seinen Schmeicheleien und Liebesschwüren zu glauben, und hatte lange gebraucht, diesen Mann zu durchschauen.

»Allerdings«, gab sie zurück und konnte den enttäuschten und wütenden Unterton in ihrer Stimme nicht ganz verbergen.

»Eine sehr unangenehme Geschichte, ich weiß.« Mellenbroich nickte, ohne jedoch das geringste Mitgefühl zu zeigen. »Ich kenne diese Situation. Zu oft habe ich sie selbst erfahren müssen und deshalb sollten Sie mir glauben, wenn ich Ihnen sage, dass Sie Ihr Glück nur an der Seite eines Mannes finden werden, der wie Sie ist – der zu Ihnen passt. Wir beide, liebe Jana, haben vieles gemeinsam, und wir könnten einander viel geben.«

»Verzeihen Sie, aber ich kann Ihnen nicht ganz folgen, Roderich.« Jana hatte sich von ihrer Überraschung erholt und nippte an ihrem Wein.

»Nein?« Etwas verblüfft legte Mellenbroich endlich sein Besteck ab und sah sie an. »Aber mein liebes Kind, das ist doch ganz einfach. Sie sind nicht nur die Tochter einer meiner besten Geschäftsfreunde, Sie entstammen zudem auch noch einer erstklassigen Familie. Ihre verstorbene Mutter war, wenn ich mich nicht irre, sogar eine niederländische Baroness, oder nicht? Eine Verbindung mit Ihnen würde meinem Renommee also sehr gut bekommen, was wiederum auf eine Intensivierung profitabler Geschäftsabschlüsse hoffen ließe. Für einen Mann wie mich ist es immer von Vorteil, nicht nur eine schöne Frau, sondern auch eine mit erstklassigen Verbindungen zu heiraten.«

Jana nickte. »Das leuchtet mir ein. Und was hätte ich von dieser Verbindung?«

»Eine gesicherte Zukunft, meine Liebe – und vor allen Dingen wären die Stephan Freiths dieser Welt keine Gefahr mehr für Sie. Denn ich, das dürfen Sie mir glauben, bin an Ihren finanziellen Angelegenheiten nicht interessiert.«

Ihr Gesicht verfinsterte sich ein wenig, als Stephans Name fiel. Was Mellenbroich sagte, war so sehr wahr, dass es ihr fast das Herz abschnürte.

»Eine schöne Frau wie ich ist offenbar kein Mensch mehr, sobald sie Geld hat«, meinte sie verbittert.

»Sie werden Männer wie Stephan Freith nicht ändern. Sie werden nur Gefahr laufen, immer wieder auf einen von Ihnen hereinzufallen. Ich biete Ihnen einen sicheren Hafen, mein Kind.«

»Ein sicherer Hafen?« Eine verlockende Vorstellung für Jana in ihrer augenblicklichen Verfassung. »Ich sollte Sie warnen, Roderich. Ich bin fest entschlossen, mich nie mehr zu verlieben, mich nie mehr so demütigen und verletzen zu lassen.«

»Ich erwarte nicht, dass Sie sich in mich verlieben«, beruhigte Mellenbroich sie. »Mir schwebt da eher so etwas wie eine Vernunftehe vor, da wir beide Vorteile von einer Verbindung zwischen uns zu erwarten haben. Wir wären gleichberechtigte Partner und könnten dennoch jeder unser eigenes Leben führen. Und Sie, Jana, hätten endlich einen festen Platz im Leben und könnten Ruhe finden – und ein bisschen Zufriedenheit.«

»Ruhe und Zufriedenheit!«

Sehnsüchtig ließ sich Jana diese beiden Worte auf der Zunge zergehen. Wie sehr wünschte sie sich gerade dies: Ruhe und Zufriedenheit! Nie mehr betrogen werden, nie mehr Männer wie Stephan Freith, nie mehr unglücklich sein. Mellenbroichs Argumente waren bestechend und verlockend – und nicht nur das, sie waren auch absolut überzeugend!

Jana musterte ihn nachdenklich. Sie betrachtete das angenehme, schmale Gesicht des Mannes, in dem sie nur der arrogante Zug in den Mundwinkeln störte. Das Haar, glatt und dunkel, war streng zurückgekämmt.

Das Seidenhemd, der elegante Anzug, die passende Krawatte, die gepflegten Hände boten das Bild eines weltgewandten, perfekten Gentlemans.

Sie kannte ihn zwar kaum, eigentlich nur durch ihren Vater und gelegentliche Einladungen zum Abendessen – wie heute –, aber sie war plötzlich sicher: wenn sie sich gegenseitig respektierten, würde sie mit ihm leben können. Gut leben können sogar.

»Sie haben völlig recht, Roderich«, sagte sie langsam. »Ich brauche einen Platz im Leben. Also sollte ich wohl wirklich besser Ihre Frau werden.«

Anzeichen größter Zufriedenheit glitten über Mellenbroichs Gesicht, und er ergriff die schmale Hand der jungen Frau.

»Sie werden es nicht bereuen, Jana, das verspreche ich Ihnen!«

♥♥♥

Jana stand vor dem Spiegel und bürstete sich das lange, dunkle Haar, das dicht und glatt bis in die Taille fiel.

»Jana Haagen«, sagte sie zu ihrem Spiegelbild und schnitt eine Grimasse. »Ist dir klar, dass du jetzt verlobt bist? Bald wirst du Jana Mellenbroich sein und das ehrbare und geruhsame Leben als Gattin eines erfolgreichen Geschäftsmannes führen, und kein Stephan Freith wird dich je wieder verletzen können.«

Sie ließ die Bürste sinken, als das Bild eines lächelnden, äußerst gut aussehenden jungen Mannes aus ihrer Erinnerung emporstieg.

Im Laufe ihres jetzt siebenundzwanzigjährigen Lebens war sie schon oft enttäuscht worden und hatte häufig erleben müssen, dass Männer nur an ihrem Vermögen interessiert waren oder an Geschäftsverbindungen zu ihrem Vater.

Bei Stephan Freith war sie sich ihrer Gefühle, und vor allem seiner Gefühle für sie, so sicher gewesen! Sie hatte ihn geliebt – leidenschaftlich, verzehrend. Sein Verrat war der schlimmste von allen gewesen. Sein höhnisches Lachen würde sie bis an ihr Lebensende verfolgen.

Nein, es war gut so. Sie würde Mellenbroich heiraten und endlich Ruhe finden.

Sie lächelte. Ruhe und Zufriedenheit hatte Mellenbroich ihr versprochen, und sie war sicher, an seiner Seite würde sie finden, was sie brauchte, auch wenn er zwanzig Jahre älter war als sie.

Eigentlich hätte sie wohl ihren Vater anrufen und ihn von ihrer überraschenden Verlobung unterrichten sollen – aber das, so fand sie, als sie sich den seidenen Morgenrock von den Schultern streifte und ins Bett schlüpfte, hatte auch noch Zeit bis morgen.

Irgendwie ahnte sie, dass ihren Vater diese Heirat nicht begeistern würde.

Meta Haagen, ihre Großmutter, war bereits siebzig, und obwohl sie zierlich und zerbrechlich wirkte, war sie doch äußerst agil. Sie freute sich hörbar über den Anruf ihrer Enkelin am nächsten Tag.

»Jana, wie schön, dass du dich wieder einmal meldest. Wie geht es dir so in Berlin?«

»Gut, Großmama, das weißt du doch. Ich bin so leicht nicht kleinzukriegen«, erwiderte Jana am anderen Ende der Leitung munter.