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Es ist der erste Urlaub im Leben der jungen Arzthelferin Carlotta. Sie verbringt ihn in Irland, in einem einsamen Gasthof, in dem es auch ein paar Ponys gibt. So kann sie ihrem Lieblingshobby nachgehen.
Es ist alles wunderschön, bis Carlotta sich eines Tages in die Nähe eines halbverfallenen Schlosses verirrt. Dort trifft sie Lady Gwendolyn, die im Dorf als Hexe und Zauberin verschrien ist. Die alte Frau nimmt Carlotta mit ins Schloss, und eine neue, märchenhafte Welt tut sich vor ihr auf, in dem auch der Prinz nicht fehlt: Lady Gwendolyns Sohn Harold.
Doch er ist bereits an Jane Banton gebunden, die sofort ihre Krallen gegen die deutsche Rivalin ausfährt.
Schon ist Carlotta entschlossen, ihren Urlaub abzubrechen, da geschieht etwas Seltsames ...
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Seitenzahl: 96
Veröffentlichungsjahr: 2022
Cover
Hauptsache mit dir
Vorschau
Impressum
Hauptsache mit dir
Ein Schloss ist nicht der 7. Himmel
Von Julia Esch
Es ist der erste Urlaub im Leben der jungen Arzthelferin Carlotta. Sie verbringt ihn in Irland, in einem einsamen Gasthof, in dem es auch ein paar Ponys gibt. So kann sie ihrem Lieblingshobby nachgehen: dem Reiten.
Es ist alles wunderschön, bis Carlotta sich eines Tages in die Nähe eines halbverfallenen Schlosses verirrt. Dort trifft sie Lady Gwendolyn, die im Dorf als Hexe und Zauberin verschrien ist. Die alte Frau nimmt Carlotta mit ins Schloss, und eine neue, märchenhafte Welt tut sich vor ihr auf, in dem auch der Prinz nicht fehlt: Lady Gwendolyns Sohn Harold.
Doch er ist bereits an Jane Banton gebunden, die sofort ihre Krallen gegen die deutsche Rivalin ausfährt.
Schon ist Carlotta entschlossen, ihren Urlaub abzubrechen, da geschieht etwas Seltsames ...
Carlotta Faller lag auf dem Schafwollteppich in ihrem Apartment und blätterte in einem Stapel Reiseprospekte. Von Zeit zu Zeit stieß sie einen abgrundtiefen Seufzer aus.
Wie verlockend waren all die Angebote nach den langen Monaten der pandemiebedingten Einschränkungen!
Überall schien es nur Sonnenschein und blauen Himmel zu geben. Die Menschen auf den bunten Fotos waren alle jung, makellos schön und happy. Braun gebrannt lagen sie im weißen Sand am Meeresstrand oder besichtigten eindrucksvolle Altertümer oder tanzten in angesagten Beachclubs oder ...
Eines aber schienen alle diese im Urlaubsglück schwelgenden und für Reisen werbenden Leute gemeinsam zu haben: sehr, sehr viel Geld.
Gleichgültig, ob man nach Norden, Süden, Osten oder Westen fuhr: Man musste über ein zumindest solides Bankkonto verfügen.
Carlotta besaß andere Vorzüge. Doch mit denen konnte man keinen Flug und auch keine Hotelrechnung bezahlen.
Seit drei Jahren arbeitete sie als Arzthelferin in einem modernen Ärztehaus.
Ihre Eltern waren kurz hintereinander gestorben, als sie noch nicht einmal zur Schule gegangen war. Eine herzensgute alte Tante hatte sie aufgenommen.
Mit Hilfe ihrer eigenen Rente und der Unterstützung, die Carlotta vom Staat erhalten hatte, hatte sie das Kind erzogen, so gut sie konnte. Doch dann war sie gestorben, bevor Carlotta das Abitur gemacht hatte.
Zum Bedauern ihrer Lehrer hatte Carlotta sich entschlossen, die Schule vorzeitig zu verlassen und eine Ausbildung zur Arzthelferin zu machen, um wenigstens ein paar Euro zu verdienen.
Natürlich hatte es das junge Mädchen traurig gestimmt, ihre Schuldfreunde nun nicht mehr zu sehen, und sie hatte sich sehr einsam gefühlt. Zum Glück hatte sich Carlotta, die trotz ihrer schwierigen Kindheit und Jugend ein heiteres, liebenswürdiges Wesen besaß, auch mit den anderen Auszubildenden gut verstanden.
Die altmodische dunkle Wohnung, in der sie nach dem Tod ihrer Tante noch gelebt hatte, hatte sie bedrückt.
Nach drei Jahren hatte Carlotta ihre Abschlussprüfung bestanden und dank ihrer guten Noten und ihrer gewinnenden Art eine für eine Anfängerin relativ gut bezahlte Stellung bei einem freundlichen weißhaarigen Internisten gefunden.
Dr. Wöhrl und seine korpulente, gutmütige Frau hatten ihr sogar bei der Suche nach einer geeigneten Wohnung geholfen und ihr ein paar hübsche, moderne Möbel und einige Kleinigkeiten geschenkt, die nicht unbedingt notwendig waren, aber eine Wohnung zu einem persönlichen Zuhause machten.
Im ersten Jahr war Carlotta kein Cent von ihrem Gehalt übrig geblieben. Sie hatte alles in die Wohnung gesteckt.
Im zweiten Jahr hatte sie sich daran erinnert, dass sie ein junges Mädchen war und dass die Mode viele verlockende Dinge für sie bereithielt. Sie war auch manchmal mit Kolleginnen oder Freunden ins Kino oder ins Restaurant gegangen.
Zu einem Urlaub hatte es freilich auch jetzt noch nicht gereicht. Dafür hatte Carlotta sich nun aber ein Hobby zugelegt und Reitstunden genommen.
Sie war mutig, sportlich, lernte schnell und hatte rasch Fortschritte gemacht.
Nach einem Jahr konnte sie schon über Hindernisse springen und bei ihren sonntäglichen Ausritten über die abgeernteten Felder jagen. Und das bereitete ihr große Freude.
Leider war das Reiten ein teurer Sport. Carlotta konnte sich nicht mehr als zwei Stunden wöchentlich und den sonntäglichen Ausritt leisten.
Und deshalb hatte sie sich entschlossen, als ersten Urlaub ihres Lebens eine Art Reiterurlaub zu machen.
Bei der Durchsicht der Prospekte hatte sich allerdings bald herausgestellt, dass die Hotels, denen Reitställe angeschlossen waren, alle ihr Budget sprengten.
Carlotta rollte sich auf den Rücken, zog die langen Beine an, die in Jeans steckten, und verschränkte die Hände hinter dem Kopf.
In den Prospekten fand sich nichts Passendes für sie. Es musste doch Länder geben, die noch nicht so von Touristen überlaufen waren und wo ein Reiterurlaub noch erschwinglich war.
Sie verlangte doch gar kein modernes Luxushotel mit Wellnessbereich und allem Pipapo. Ein einfaches sauberes Zimmer, freundliche Menschen, ein zuverlässiges Reitpferd und einfache Hausmannskost würden ihr schon genügen.
Carlotta zog einen der Prospekte aus dem Stapel und schlug ihn dort auf, wo eine Landkarte Europas abgedruckt war. Sie starrte darauf, als erwarte sie eine himmlische Eingebung.
Dann schloss sie die Augen und tippte mit dem Zeigefinger auf eine Stelle. Vielleicht fand sie zufällig das richtige Land!
Ihr Zeigefinger wies auf Irland. Irland! Natürlich! Die grüne Insel!
War sie nicht berühmt für ihre Reitertradition?
Carlotta blätterte die Prospekte noch einmal in aller Ruhe durch und suchte nun in Irland nach einem erschwinglichen Reiterurlaub. Doch nach einer Weile resignierte sie.
Es gab zwar zahlreiche verlockende Angebote, aber die entsprachen alle nicht ihren Preisvorstellungen.
Plötzlich hatte Carlotta eine Idee.
Sie sprang auf, ließ alles stehen und liegen, zog sich einen Mantel über und machte sich auf den Weg zum irischen Konsulat.
Es war ein kalter grauer Märztag, und alle Menschen sehnten sich nach Sonne und milden Frühlingstemperaturen.
Hoffentlich hat das Konsulat nicht am Mittwochnachmittag geschlossen, dachte Carlotta. An den anderen Tagen konnte sie unmöglich von der Praxis weg.
Der Beamte wirkte genauso bescheiden wie die Konsulatsräume, die Carlotta betrat.
»Was kann ich für Sie tun?«, erkundigte er sich in gutem Deutsch, doch mit starkem Akzent.
Carlotta nannte ihren Namen und brachte ein wenig verlegen ihr Anliegen nach einem bezahlbaren Reiterurlaub in Irland vor.
»Wissen Sie, ich habe mir schon so viele Angebote ansehen, aber nichts Passendes gefunden. Ich suche kein Luxushotel, sondern eine einfache Pension mit der Möglichkeit zu reiten.«
»Aha, einen Reiterurlaub in Irland möchten Sie machen«, wiederholte der Mann voller Begeisterung und mit strahlenden Augen. »Mein Name ist Angus O'Foallain«, stellte er sich nun seinerseits vor. »Ich freue mich, Sie kennenzulernen. Es ist eine fantastische Idee, Ihren Urlaub in unserem Land zu verbringen. Sie wissen ja gar nicht, wie schön unsere Insel ist!« Er ergriff ihren Arm, führte sie zu einem Sessel und schüttelte ihr kräftig die Hand.
So viel Herzlichkeit verblüffte die junge Frau.
»Ja, aber es ist alles so schrecklich teuer. Und da dachte ich mir, ich frage einfach mal hier auf dem Konsulat nach, ob mir vielleicht jemand einen Geheimtipp geben kann«, sagte Carlotta.
»Das war eine sehr gut Idee!«, meinte Mr. O'Foallain. »Lassen Sie mich einmal nachdenken. Ich bin sicher, wir finden etwas Passendes. Sie sagten ja bereits, dass Sie kein Luxushotel suchen, nicht wahr?«
»Ganz genau. Ein nettes Zimmer in einer Pension oder einem Gasthof, meinetwegen auch privat bei freundlichen Leuten, das würde mir genügen. Und dann sollte es natürlich die Möglichkeit geben zu reiten, sodass ich die schöne Landschaft auf dem Rücken eines Pferdes erkunden kann.«
»Ja, bei uns ist es wirklich wunderschön«, sagte Mr. O'Foallain verträumt und dachte nach. »Vielleicht habe ich da etwas für Sie«, sagte er dann. »Unweit von Killarney ist ein kleines, altes Dorf namens Turenn. In grauer Vorzeit haben dort irische Kleinkönige geherrscht. Es gibt noch ein halb verfallenes Schloss, das von ihren letzten Nachkommen bewohnt wird.«
»Interessant«, murmelte Carlotta.
»Ja, das ist es. Die Leute dort sind arm und bescheiden, aber sehr gastfreundlich. Ich weiß das so genau, weil ich selbst aus diesem Dorf stamme. Dort gibt es einen sehr alten Gasthof.« Er legte den Kopf mit einem kleinen Seufzer schief und sah sie zweifelnd an. »Ob es Ihnen nicht doch zu einfach dort ist?«
Carlotta schüttelte den Kopf.
»Bestimmt nicht!«, beteuerte sie. »Alles, was Sie erzählen, klingt wunderbar! Es ist genau das, was ich mir vorstelle! Nun, was ist mit dem Gasthof?«
»Ein Onkel von mir ist dort Pächter. Ich rufe ihn heute Abend an und spreche mit ihm. Dann melde ich mich bei Ihnen.«
»Mr. O'Foallain!« Carlotta sprang auf und fiel ihm beinahe um den Hals. In letzter Sekunde ergriff sie seine Hand und schüttelte sie heftig. »Sie sind einfach wunderbar! Hat Ihr Onkel auch Pferde?«
»Ja, was man so Pferde nennt. Sie kennen die irischen Ponys? Schlanke, hübsche, zähe Tiere, aber natürlich keine Vollblüter, mit denen man Rennen gewinnen oder beim Turnierspringen antreten kann.«
»Genau das Richtige für mich!«, rief Carlotta fröhlich. »Oh Mr. O'Foallain, ich danke Ihnen.«
Sie besprachen noch ein paar Details, und dann verabschiedete Carlotta sich.
Als sie durch den Park zu ihrer Wohnung zurückkehrte, saßen die Amseln frierend in den Bäumen.
»Nun schaut doch nicht so trübsinnig!«, rief sie ihnen vergnügt zu. »Es wird Frühling! Und ich fliege Pfingsten nach Irland und mache dort Reiterurlaub!«
♥♥♥
Mitte Mai war es dann endlich so weit. Carlottas Urlaub begann, und sie flog nach Irland. Landen würde das Flugzeug auf dem Flughafen Shannon, nicht weit von Limerick entfernt.
»Waren Sie schon einmal in Irland?«, fragte die Flugbegleiterin sie während des Fluges.
»Nein, noch nie.«
»Es wird Ihnen dort ganz bestimmt gefallen. Sie könnten übrigens mit Ihrem Aussehen gut als Irin durchgehen.«
Offensichtlich sollte das ein großes Kompliment sein.
»Wirklich?« Carlotta war überrascht.
»Oh ja, wirklich. Nicht alle Iren haben rote Haare.« Die Flugbegleiterin schüttelte lachend ihre Mähne. »Es gibt sehr viele dunkelhaarige Iren so wie Sie. Schönes schwarzes Haar, dazu helle Augen zwischen dichten dunklen Wimpern. Lassen Sie mal sehen. Sie haben schöne grüne Augen! Und eine helle, zarte Haut, die haben Sie auch. Wie beneidenswert schlank sind Sie! Ich muss ständig aufpassen. Aber ich glaube, bei Rothaarigen ist da immer eine gewisse Gefahr.«
Als Carlotta schließlich von Bord ging, verabschiedete sich die Flugbegleiterin wie eine gute Freundin.
Ob wohl alle Iren so aufmerksam und freundlich waren, fragte Carlotta sich.
Im Flughafengebäude sah sie sich suchend um. Man hatte versprochen, sie abzuholen.
Mr. Erin O'Foallain hatte seine Einkäufe in Limerick extra auf den Tag ihrer Ankunft gelegt. Und tatsächlich entdeckte sie ihn da auch schon. Zwischen ihm und seinem Neffen bestand eine gewisse Ähnlichkeit.
Genau wie sein Neffe war er klein, vierschrötig und dunkelhaarig. Sein gutmütiges, großflächiges Gesicht war gerötet und von vielen Adern durchsetzt. Es sah ganz so aus, als wäre er, was den berühmten irischen Whisky anging, sein eigener, bester Kunde. Er hatte eine kräftige, fleischige Nase, volle rote Lippen und ein beachtliches Doppelkinn.
In zehn Jahren würde Angus O'Foallain wahrscheinlich genauso aussehen wie sein Onkel, besonders wenn er dem Whisky genauso zugetan war.
Mr. Erin O'Foallain begrüßte seinen Gast mit überschwänglicher Freundlichkeit.
»Dass wir einen so hübschen Feriengast bekommen!«, rief er. »Und dazu sehen Sie noch aus wie eine richtige Irin!«
Carlotta bedankte sich für das Kompliment, denn das sollte es ja wohl sein.
»Wie sehen denn typische Iren aus?«, erkundigte sie sich, während sie neben ihm her zu seinem Wagen lief.
»Nun, da gibt es schon Unterschiede«, erklärte der Gastwirt. »Die einen sehen aus wie ich: untersetzt, dunkelhaarig und mit blauen Augen. Die anderen sind mager, rothaarig und haben ebenfalls meist blaue Augen.«
Carlotta schwieg verdutzt. Eigentlich traf auf sie weder die eine noch die andere Beschreibung zu.
»Und dann gibt es die Ausnahmen«, fuhr Mr. O'Foallain fort. »Die sind schlank, schwarzhaarig, haben Augen so grün wie die irischen Seen, eine zierliche, kleine Nase, eine glatte, feine Haut und schmale Hände und Füße. So haben früher in alten Zeiten unsere Prinzessinnen ausgesehen.«
