Silvia-Gold 161 - Carina Clever - E-Book

Silvia-Gold 161 E-Book

Carina Clever

0,0
1,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Ein Zufall führt die temperamentvolle Abiturientin Merle Sommer in das Haus des Physikprofessors Trojan. Nur für ein paar Wochen soll die Achtzehnjährige dort wohnen. Doch schon am ersten Abend hat sie sämtlichen männlichen Hausbewohnern den Kopf verdreht.
Clarissa Trojan, die Frau des Professors, bleibt zunächst gelassen, ihre Schwiegertochter hingegen erkennt die Gefahr. Und sie soll recht behalten. Ungewollt bringt Merle das Glück der Hausbewohner ins Wanken. Bald gleicht das Leben im Haus der Trojans einem Tanz auf dem Vulkan ...


Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 136

Veröffentlichungsjahr: 2022

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Cover

Prickelnd wie Champagner

Vorschau

Impressum

Prickelnd wie Champagner

Ein faszinierender Roman voller Leidenschaft

Von Carina Clever

Ein Zufall führt die temperamentvolle Abiturientin Merle Sommer in das Haus des Physikprofessors Trojan. Nur für ein paar Wochen soll die Achtzehnjährige dort wohnen. Doch schon am ersten Abend verdreht sie sämtlichen männlichen Hausbewohnern den Kopf.

Clarissa Trojan, die Frau des Professors, bleibt zunächst gelassen, ihre Schwiegertochter hingegen erkennt die Gefahr. Und sie soll recht behalten. Ungewollt bringt Merle das Glück der Hausbewohner ins Wanken. Bald gleicht das Leben im Haus der Trojans einem Tanz auf dem Vulkan ...

In der Münchener Wohnung des Physikers Professor Gregor Trojan klingelte morgens um acht Uhr das Telefon.

Der Professor hatte gerade gefrühstückt und dabei die Zeitung gelesen. Seine Frau schlief noch, sein Sohn hatte bereits das Haus verlassen. Seine Schwiegertochter hielt sich stets sehr zurück und blieb in den Räumen, die dem jungen Paar vorbehalten waren.

Der Siebenundfünfzigjährige, eine imponierende Erscheinung mit meliertem Bart, ging zum Apparat und meldete sich.

»Hier spricht Ansgar Sommer«, hörte er die Stimme eines guten Bekannten. »Entschuldigen Sie diese frühe Störung, Herr Professor, aber die Umstände zwingen mich, Sie mit einer außergewöhnlichen Bitte zu überfallen.«

»Schon gut, Kollege Sommer«, antwortete der Physiker, der Dr. Sommer als tüchtigen Dozenten an der Universität schätzte. »Wo brennt es denn?«

»Die Sache ist die«, erklärte Sommer eilig. »Ich fliege heute für vier Wochen mit meiner Frau in die USA, wo ich mehrere Gastvorlesungen halten soll. Sie wissen, wir haben eine achtzehnjährige Tochter namens Merle, die gerade das Abitur gemacht hat und jetzt Tanzschülerin ist. Merle ist nicht gern allein. Außerdem haben wir einen Perserkater, der Betreuung braucht. Meine Schwester Selma, die in Garmisch wohnt, hatte eigentlich zugesagt, für vier Wochen in unsere Wohnung zu ziehen und Merle Gesellschaft zu leisten. Heute Morgen ist Selma beim Verlassen des Hauses gestürzt und musste mit einem Oberschenkelhalsbruch ins Krankenhaus gebracht werden.«

»Ach, du lieber Himmel, das ist aber ein Pech!«, unterbrach der Professor den Redefluss seines Kollegen.

»Ja, wirklich ein großes Pech«, bestätigte Dr. Sommer, »denn wir fliegen heute um zwölf Uhr ab Frankfurt. Eine Entscheidung darüber, was in den vier Wochen unserer Abwesenheit mit dem Mädchen geschehen soll, das nicht gern allein bleiben will, muss unverzüglich getroffen werden.«

»Das verstehe ich.«

»Vielen Dank, Herr Kollege, für dieses Verständnis. Wir kennen ja Ihr schönes Heim, diese große, geräumige Villa am Englischen Garten, und deswegen wage ich es, die Bitte auszusprechen, ob Merle und ihr geliebter Kater Friedo vielleicht vier Wochen lang bei Ihnen unterkommen könnten. Sie werden Ihnen beide nicht viel Mühe machen. Friedo liegt den ganzen Tag auf seinem Kissen und schläft, nur in der Nacht wandert er ein bisschen umher. Und Merle ist von morgens neun bis nachmittags um vier in der Tanzakademie restlos beschäftigt und ausgefüllt. Danach ist sie meistens müde. Außerdem ist unsere Tochter ausgeglichen und anpassungsfähig.«

»Sie brauchen uns Ihr Töchterchen nicht noch wärmer zu empfehlen, Kollege Sommer«, schmunzelte Professor Trojan. »Meine Frau und ich sind uns einig darüber, dass Ihre Merle ein reizendes Geschöpf ist. Die schwierige Situation, in der Sie sich befinden, verstehe ich vollkommen. Aber Sie werden begreifen, dass ich meine Entscheidung nicht allein treffen kann. Ich muss mit meiner Frau vorher darüber reden.«

»Selbstverständlich, Herr Professor. Darf ich in einer Viertelstunde wieder anrufen? Die Zeit drängt leider.«

»Nein, bemühen Sie sich bitte nicht, ich rufe an. Ich lege jetzt auf und gehe sofort zu meiner Frau, die sich noch in ihrem Zimmer aufhält. Sie ist ein sogenannter Abendmensch und pflegt morgens gern auszuschlafen.«

»Ach, du lieber Himmel, auch dieser heilige Rhythmus wird durch mich gestört! Es ist mir wirklich sehr peinlich, Herr Professor.«

»Machen Sie sich darüber keine Sorgen, bitte! Ich lege jetzt auf. In ein paar Minuten melde ich mich wieder.«

Gregor Trojan tat, was er gesagt hatte, und machte sich auf den Weg zum Zimmer seiner Frau. Er durchquerte die Halle und stieg die geschwungene Treppe empor, die mit einem roten Läufer belegt war.

Rechts und links der Treppe lagen im Obergeschoss je vier große, hohe stuckverzierte Räume. Die linken bewohnten der Professor und seine Frau Clarissa, die rechten gehörten seinem Sohn Henning und der Schwiegertochter Lara.

Der Professor und seine Frau schliefen getrennt in zwei nebeneinanderliegenden Zimmern. Außerdem hatten sie hier oben noch ein kleines gemütliches Wohnzimmer und ein Arbeitszimmer für den Professor.

Vor ihrer Hochzeit war Clarissa Trojan eine gefeierte Schauspielerin gewesen, doch ihr Mann hatte, als er um ihre Hand anhielt, zur Bedingung gemacht, dass sie ihre berufliche Tätigkeit bei der Heirat aufgeben müsse.

Bitter schwer war Clarissa von Ellweg, dieser Vollblutkünstlerin, der Abschied von dem geliebten Beruf gefallen. Aber sie hatte sich aus Liebe zu ihrem Mann gefügt und sich immer wieder gesagt, dass diese Forderung ja schließlich berechtigt war, und dass ein angespannt arbeitender Wissenschaftler, für den sein Heim der ruhende Pol und seine Frau die Seele des Hauses sein sollten, begreiflicherweise nichts mit der Hektik eines Künstlerlebens zu tun haben wollte.

Solange die Kinder, ein Sohn und eine Tochter, noch klein gewesen waren, hatten diese Clarissa sehr in Anspruch genommen. Jetzt aber waren sie erwachsen und lebten ihr eigenes Leben, und der Professor hielt sich fast den ganzen Tag in der Universität auf. Clarissas Dasein war also sehr leer. Sie empfand diese Leere manchmal als lähmend.

Als der Professor an die Tür seiner Frau klopfte, rief sie: »Herein!«

Er trat über die Schwelle und sah erleichtert, dass sie auf war. Sie saß im Bett, den Rücken von mehreren Kissen gestützt, und hatte vor sich auf einem kleinen Betttischchen das Frühstück stehen. Es gehörte zu ihrer Lebensweise, die erste Mahlzeit im Bett einzunehmen und sich auf diese Weise langsam auf den Tag einzustimmen.

Clarissa Trojan war eine sehr gepflegte dunkelhaarige Frau von vierundfünfzig Jahren mit einem ausdrucksvollen, apart geschnittenen Gesicht und herrlichen braunen Augen. Es ging eine starke Wirkung von ihrem Gesicht aus, und wenn sie mit ihrer weichen, klangvollen Stimme zu sprechen begann, schlug sie schnell alle Menschen in ihren Bann.

»Entschuldige, Liebste, dass ich dich zu so früher Stunde schon mit einem Anliegen überfalle«, begann Gregor Trojan hastig, »aber ich bin soeben um eine schnelle Entscheidung gebeten worden.«

»Du meinst den Telefonanruf, nicht wahr?«, erkundigte sie sich. »Ich habe den Apparat klingeln hören. Wer war es denn?«

»Ansgar Sommer.«

»Ach so, dieser sympathische Kollege, der eine Tochter hat, die Tänzerin werden will.«

»Ganz recht, um diese Tochter handelt es sich.«

»Was ist mit ihr?«

In kurzen Worten setzte der Professor seine Frau von dem Anliegen Dr. Sommers in Kenntnis.

Clarissa Trojan war sofort begeistert von der Vorstellung, dieses junge Mädchen in ihr Haus aufzunehmen.

»Aber selbstverständlich sagen wir Ja«, rief sie aus. »Merle ist ein bildschönes, kluges und kunstliebendes Geschöpf. Für mich wird es eine große Freude sein, einen Menschen in meiner Nähe zu haben, dem die Kunst genauso viel bedeutet wie mir.«

»Denk dran, meine Liebe, sie kommt nicht allein, sie bringt ihren Perserkater mit.«

»Na und? Sicher ist es ein braves Tier, das herrlich anzusehen ist.«

»Ein Mensch mehr im Hause bereitet Unruhe.«

»Mit dieser Art von Unruhe bin ich sehr einverstanden, denn du weißt, Gregor, dass mich mein Dasein langweilt. Mir ist bekannt, dass Merle in der Luxuswohnung ihrer Eltern in dem sehr großen Wohnraum nachmittags trainiert. Das kann sie auch hier tun, und zwar in unserem Gartensaal. Dieser Raum wird selten genug zu Festen und Familienfeiern gebraucht. Vielleicht erlaubt Merle mir, ihr bei ihrem Training zuzusehen. Das wäre ein ganz besonderes Vergnügen für mich.«

Wieder einmal hatte Clarissa ihrem Mann klargemacht, was sie entbehrte, und ihre Begeisterung zeigte ihm, wie sehr sie nach Erlebnissen dieser Art hungerte.

Doch solche Hinweise pflegte Gregor Trojan bewusst zu überhören. Er wollte es einfach nicht zur Kenntnis nehmen, dass seine Frau mit ihrem Dasein nicht zufrieden war und andere Ansprüche als er an das Leben stellte.

»Also gut, wenn du meinst, Liebes, dann lassen wir die Kleine kommen«, sagte er gönnerhaft. »Ich bitte dich, mich jetzt zu entschuldigen, ich muss zurück zum Telefon und den Kollegen Sommer anrufen. Er sitzt auf heißen Kohlen.«

»Bitte, besprich mit ihm noch, wie Merles Übersiedlung zu uns vor sich gehen soll!«, rief Clarissa ihrem Mann nach.

Dann schloss sich die Tür hinter ihm, und sie war wieder allein.

Sie legte jetzt den Kopf in die Kissen zurück und schloss für einige Sekunden die Augen. Ein Lächeln schwebte um ihren Mund, das nicht weichen wollte.

Jeden Tag wird nun Musik in unserem Haus erklingen, dachte sie. Vielleicht wird es mir vergönnt sein, ein paar gute Gespräche mit diesem jungen Mädchen zu führen und innerlich teilzunehmen an ihrer Arbeit. Ach, wie wundervoll ist das, endlich gibt es wieder etwas, worauf man sich jeden Tag ein wenig freuen kann!

♥♥♥

Der Professor besprach inzwischen am Telefon mit Dr. Sommer die praktische Seite der Sache.

Es wurde vereinbart, dass er Merle, deren Gepäck und Perserkater Friedo am späten Nachmittag zwischen siebzehn und achtzehn Uhr in der Wohnung der Sommers in Nymphenburg abholen sollte.

»Bis dahin wird unsere Tochter gepackt haben«, versprach Dr. Sommer. »Ich weiß gar nicht, wie ich Ihnen danken soll, Herr Professor. Meiner Frau und mir ist ein Stein vom Herzen gefallen.«

Hastig wurde dann das Telefongespräch beendet, denn für die Sommers wurde es höchste Zeit, und auch der Professor musste sich jetzt auf den Weg zur Universität machen.

In der Halle traf er Fanny Wedelmayr, das Hausmädchen, das im Dachgeschoss ein Zimmer mit Dusche hatte. Ihr trug er auf, seiner Frau mitzuteilen, wie die Sache ablaufen würde. Dann ging er hinaus zur Garage, vor der schon sein Wagen wartete.

Ewald Huber, der Hausmeister, der zugleich Gärtner und Chauffeur war, und mit seiner Frau Kathi eine Dreizimmerwohnung im Souterraingeschoss innehatte, sorgte jeden Morgen dafür, dass das Fahrzeug aufgetankt und in bester Verfassung bereitstand.

Mehr als zehn Jahre waren die Hubers schon im Hause. Es waren sehr tüchtige und brauchbare Leute. Kathi Huber fungierte als Wirtschafterin und Köchin. Sie dirigierte auch das Hausmädchen und die Putzhilfe, die zweimal in der Woche in die Villa kam.

Die Hubers hatten einen dreiundzwanzigjährigen Sohn namens Klemens, der die Technikerschule besuchte. Er war ein gut aussehender Typ, sportlich und temperamentvoll, sehr modern und aufgeschlossen und genau wie sein Vater ein talentierter Autofahrer. Ab und zu sprang auch er anstelle seines Vaters als Chauffeur ein und verdiente sich auf diese Weise etwas hinzu.

Das Hausmädchen Fanny ging jetzt nach oben, um der gnädigen Frau mitzuteilen, dass der Logiergast am späten Nachmittag gegen achtzehn Uhr zusammen mit dem Professor eintreffen würde.

»Welches Zimmer soll ich für die junge Dame zurechtmachen?«, erkundigte Fanny sich.

Clarissa stand unter der Dusche und rief von dort herüber: »Sie bekommt das Giebelzimmer, Fanny! Sie wissen doch, das Zimmer, das gleich neben der Wohnung unserer Tochter liegt.«

»Ja, ich weiß Bescheid, gnädige Frau.« Fanny machte sich an die Arbeit.

In dem geräumigen Dachgeschoss der Villa bildeten zwei schöne große Zimmer zusammen mit einem Duschbad eine Einheit. Diese kleine Wohnung gehörte Katherina Trojan, der sechsundzwanzigjährigen Tochter von Gregor und Clarissa, die jedoch von den Eltern, dem Bruder und der Großmutter nur Kitty genannt wurde.

Atelierhaft waren diese beiden Räume eingerichtet mit ganz unkonventionellen Möbeln und teilweise in Schockfarben. Es war ein Affront gegen den Stil dieses Hauses, der so ganz der Tradition verhaftet war.

Kittys ganze Lebensweise war ein solcher Affront. Schon mit zwölf oder dreizehn Jahren hatte sie sich gegen die konservative Atmosphäre in der Villa gewehrt. Nach dem Abitur hatte sie Medienwissenschaft studiert und war Journalistin geworden, besessen von diesem Beruf, immer unterwegs, sehr selbstständig und kritisch. Zuletzt hatte sie allem Widerstand gegen die Lebensweise ihrer Eltern die Krone aufgesetzt, indem sie zu einem Kollegen zog und dessen Wohnung mit ihm teilte.

»So etwas wäre zu meiner Zeit vollkommen unmöglich gewesen«, bemerkte dazu Mathilde von Ellweg jedes Mal, wenn die Rede darauf kam.

Die dreiundachtzigjährige Mutter Clarissas bewohnte im Erdgeschoss rechts der großen Halle zwei Räume. Aus ihrem Wohnzimmer führte hinter einer Glastür eine Rampe zum parkartigen Garten hinunter, denn die alte Dame konnte sich nur noch im Rollstuhl fortbewegen. Die Beine versagten ihr den Dienst, obwohl sie sonst kerngesund war.

Täglich kam eine Pflegerin ins Haus, um Mathilde von Ellweg zu waschen und anzukleiden. Geistig war sie vollkommen klar, und es gehörte zu den Vergnügungen ihres Alters, an allem, was ihre Angehörigen taten, scharfe Kritik zu üben.

Als Mathilde von Ellweg Witwe geworden war, hatte sie ihrer einzigen Tochter das Haus übertragen, sich aber die lebenslange Nutzung der beiden Räume im Erdgeschoss vorbehalten sowie ihrer Enkelin Kitty ein ebensolches Recht eingeräumt, das sich auf die kleine Wohnung im Dachgeschoss bezog.

»Man weiß nicht, ob das Kind eine solche Bleibe eines Tages brauchen wird«, hatte sie gemeint.

Einstweilen hatte Kitty aber wenig Interesse an dieser Wohnung. Allmonatlich machte sie einen Höflichkeitsbesuch in der Villa, der bei allen immer das Gefühl nicht zu überbrückender Wesensunterschiede hinterließ. Darum verschwand Kitty auch immer wieder recht schnell und meldete sich in den nächsten Wochen gar nicht. Dass sie lebte und arbeitete, entnahm man den Zeitungen.

Anders stand es mit Henning, dem achtundzwanzigjährigen Sohn des Professors und seiner Frau, einem technischen Kaufmann, der die Trojan-Röhren-Produktion leitete. Es handelte sich um eine Firma, die auf einer Erfindung seines Vaters basierte und mit dem Geld von Hennings junger Frau gegründet worden war. Lara war ein unscheinbares Wesen mit dunkelblondem Haar und blassblauen Augen, einer flachbusigen Figur, gehemmt und schüchtern.

Lara hatte eine blendende Erziehung genossen. Aber in ihrer Kindheit war sie von einem diktatorischen Vater ständig unterdrückt worden, sodass aus ihr ein ängstlicher, verkrampfter Mensch geworden war, der es trotz seines vielen Geldes nicht wagte, eigene Ansprüche anzumelden.

Die Ehe von Henning und Lara war kinderlos, zum Kummer der beiden, denn sie hatten sehr auf Nachwuchs gehofft. Clarissa pflegte von Henning zu sagen: »Henning ist ein Karrieremensch. Für ihn existieren nur die Arbeit in der Firma und der Erfolg.«

Sie hatte damit nicht unrecht. Tatsächlich war die Ehe zwischen Henning und Lara aus rein verstandesmäßigen Erwägungen geschlossen worden. Gefühle spielten im Leben von Henning überhaupt keine Rolle. Von den gelegentlichen Gefühlsausbrüchen seiner Mutter hatte er stets mit spöttischem Lächeln gesagt: »Die große Dramaqueen setzt sich in Szene.«

Lara litt ganz offensichtlich unter der Gefühlsarmut ihres Mannes, den sie herzlich liebte. Wahrscheinlich litt sie auch darunter, ganz und gar im Schatten ihrer Schwiegermutter zu stehen, denn dieses Haus wurde von Clarissa und ihrer machtvollen Persönlichkeit beherrscht, obwohl Lara die eigentliche Dame des Hauses war und die Arbeit leistete.

Aber Lara bewunderte ihre Schwiegermutter viel zu sehr, als dass sie fähig gewesen wäre, Clarissa zu hassen. Und außerdem wusste sie, dass ihre Schwiegermutter nun einmal von Natur aus dieses dominierende Wesen besaß, aber dass sie niemals boshaft, herrschsüchtig oder gehässig sein würde. Solche unvornehmen Regungen waren ihrer noblen Natur einfach unbekannt.

Zu ihrer Schwiegertochter begab sich Clarissa Trojan jetzt, als sie angekleidet war, um ihr mitzuteilen, was für eine Entscheidung sie über Laras Kopf hinweg getroffen hatte.

»Wir bekommen also für vier Wochen einen Gast«, sagte sie munter. »Ich hoffe, es ist dir recht, Lara.«

»Warum sollte es mir nicht recht sein?«, erwiderte Lara. »Dir wird es Freude machen, denn es kommt ein wenig Leben ins Haus.«

»Ja, das habe ich mir auch gedacht.«

»Und ich bin ganz einfach neugierig auf dieses junge Mädchen, das unbedingt einen so anstrengenden Beruf ergreifen will, obwohl sie es gar nicht nötig hat.«

Zuletzt suchte Clarissa ihre Mutter in deren Räumen auf und berichtete auch ihr von der bevorstehenden Veränderung des täglichen Lebens.

Jeden Morgen schaute sie bei der alten Dame herein und fragte: »Na, wie geht es? Wie war die Nacht, wie ist das Befinden?« Sie beeilte sich, die Wünsche ihrer Mutter zu erfüllen und ließ sie durch diese Gespräche an allen Ereignissen im Hause teilnehmen. Niemals sollte die alte Dame das Gefühl haben, ausgeschlossen zu sein.

Mit dem Entschluss, den ihre Tochter gefasst hatte, war Mathilde von Ellweg ganz und gar nicht einverstanden.

»Das führt zu nichts Gutem«, behauptete sie. »Du holst dir Probleme ins Haus, Clarissa. An meine Worte wirst du denken.«

♥♥♥

Als Professor Trojan am Nachmittag gegen siebzehn Uhr an der Tür der Wohnung in Nymphenburg klingelte, öffnete ihm die achtzehnjährige Merle.

Hingerissen betrachtete er ihre Erscheinung.