Silvia-Gold 38 - Carrie Roessler - E-Book

Silvia-Gold 38 E-Book

Carrie Roessler

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Beschreibung

Ihre Ehe steckt in einer Krise, als Renata sich entschließt, allein in die Toskana zu reisen. So eine Trennung ist sicher für beide Seiten gut, wenn man mit seinen Gefühlen ins Reine kommen will.
Renata ist ehrlichen Herzens entschlossen, die Zeit zu nutzen. Doch eine simple Autopanne kurz vor dem Ziel lässt all ihre guten Vorsätze ins Wanken geraten. Denn der Fremde, der ihr helfen will, weckt Gefühle in ihr, die so neu und so überwältigend sind, dass sie ihnen wehrlos ausgeliefert ist.

Renata fühlt sich innerlich wie zerrissen, als sie dem Mann folgt. Was soll nun aus ihrer Ehe werden? Für einen Weg zurück scheint es zu spät ...

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Seitenzahl: 96

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Inhalt

Cover

Impressum

... und plötzlich im Paradies

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2017 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: iStockphoto / PeopleImages

Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-5244-3

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

… und plötzlich im Paradies

Eine Frau macht Urlaub von der Ehe

Von Carrie Roessler

Ihre Ehe steckt in einer Krise, als Renata sich entschließt, allein in die Toskana zu reisen. So eine Trennung ist sicher für beide Seiten gut, wenn man mit seinen Gefühlen ins Reine kommen will.

Renata ist ehrlichen Herzens entschlossen, die Zeit zu nutzen. Doch eine simple Autopanne kurz vor dem Ziel lässt all ihre guten Vorsätze ins Wanken geraten. Denn der Fremde, der ihr helfen will, weckt Gefühle in ihr, die so neu und so überwältigend sind, dass sie ihnen wehrlos ausgeliefert ist.

Renata fühlt sich innerlich wie zerrissen, als sie dem Mann folgt. Was soll nun aus ihrer Ehe werden? Für einen Weg zurück scheint es zu spät …

Das Bild hing, seit sie denken konnte, über dem alten grünen Samtsofa. Es hatte Renata schon als kleines Mädchen ungeheuer fasziniert. Als Gemälde war es bloß mittelmäßig. Aber der darauf abgebildete Mann sah genauso aus, wie sich das fantasievolle Kind den Königssohn jener Märchen vorgestellt hatte, die Renatas Großmutter, ihre heißgeliebte »Nonna«, so wunderbar erzählen konnte.

Die Nonna war italienischer Herkunft und wurde deshalb so genannt.

»Er ist wunderschön!«, hatte Renata jedes Mal gesagt und war aufs Sofa geklettert, um das Bild aus der Nähe zu betrachten. »Wer ist er? Hast du ihn gekannt?«

Aber die Nonna hatte nicht über den Mann auf dem Bild sprechen wollen. Jedes Mal war ihre Antwort nur ein bedeutungsvolles Lächeln gewesen.

Der unbekannte Mann hatte ein kühnes, offenes Gesicht und große dunkle Augen. Eine verwegene Locke fiel ihm in die hohe Stirn. In der rechten Hand hielt er eine Reitgerte, und am vierten Finger dieser Hand funkelte ein merkwürdig geformter Ring: eine Schlange aus Gold mit glühenden Rubinaugen.

»Er ist so schön!«, hatte das Kind immer wieder geseufzt. »Wenn ich groß bin, suche ich ihn. Und dann muss er mich heiraten.«

»Märchenkönige heiratet man nicht«, hatte dann die Nonna erwidert, und das war das Einzige gewesen, was sie je dazu sagte.

Die Nonna war vor ein paar Wochen mit fünfundsiebzig Jahren gestorben, und Renata, inzwischen verheiratet – mit Volker Westhoff, nicht mit dem Märchenkönig – musste den Nachlass ordnen.

Sie war unglücklich und weinte viel. Volker bemühte sich sehr, sie zu trösten und abzulenken.

»Deine Großmutter hatte ein reiches Leben und einen sanften Tod«, sagte er und strich ihr übers Haar. »Du darfst es dir nicht so zu Herzen nehmen, Liebling. Sie hätte das nicht gewollt.«

»Ich weiß«, schluchzte Renata. »Aber sie fehlt mir so sehr! Sie hat mich ja praktisch aufgezogen. Meine Eltern sind so früh gestorben, dass ich keine Erinnerung mehr an sie habe. Die Nonna war der wichtigste Mensch in meinem Leben!«

Renata war die Haupterbin! Einige Dinge hatte die Nonna anderen Verwandten vermacht, aber das Märchenporträt, den »Märchenkönig«, hatte sie im Testament ausdrücklich für Renata bestimmt. Mit dem etwas merkwürdigen Beisatz: »Der Rahmen sollte erneuert werden. Aber lass es dabei bewenden.«

»Was kann sie damit gemeint haben?«, grübelte Renata.

Volker mochte das Bild nicht leiden. Am liebsten hätte er es auf den Dachboden verbannt.

»Es ist wertlos. Und es macht mich nervös, dass einem die Blicke des Mannes überallhin zu folgen scheinen. Man fühlt sich ständig beobachtet und geradezu verfolgt.«

Renata kam nicht gleich dazu, den Auftrag der Nonna auszuführen. Ihre Ehe schlitterte plötzlich in eine Krise.

Wenn ich abergläubisch wäre, dachte sie, würde ich das Bild dafür verantwortlich machen. Seit es in meinem Besitz ist, kriselt es zwischen Volker und mir.

Aber natürlich konnte das Bild nicht schuld daran sein. Auch Volker war nicht der alleinige Schuldige, bloß, weil seine Firma ihn für drei Monate zu einem Fortbildungskurs nach London schickte. Nur hätte er es Renata rechtzeitig sagen können, statt sie mit der Mitteilung zu überfallen: »Nächste Woche fahre ich.«

Und hätte er sie nicht bitten können, ihn zu begleiten? Oder wenigstens sein Bedauern über die Trennung ausdrücken? Nichts davon. Er schien sich sogar zu freuen!

Renata, statt die Missstimmung auszuräumen, zog sich verletzt zurück. Die Nonna hatte sie verlassen, und nun verließ sie auch noch Volker. Sie fühlte sich elend, einsam und hilflos. Sie wurde wieder zu dem Waisenkind, das die Nonna einst liebreich in ihr Haus und in ihr Herz aufgenommen hatte.

Doch diesmal gab es keine rettende Zuflucht.

Beim Abschied war Volker – vielleicht aus schlechtem Gewissen – lieb und zärtlich.

»Drei Monate vergehen schnell, Liebling. Und du kannst mich ja mal besuchen kommen. Wäre das nicht nett: ein Wochenende in London?«

»O ja. Sehr nett.« Renata hielt sich tapfer, bis das Flugzeug abhob. Aber danach fiel sie in ein tiefes schwarzes Loch der Depression.

***

Um auf andere Gedanken zu kommen, räumte Renata die Wohnung um, gab den von der Nonna geerbten Möbeln ihren Platz – auch dem grünen Samtsofa – und brachte das Bild in eine Galerie zum Rahmen. Es sollte in drei Tagen fertig sein.

Als sie es abholte, zog der Händler ein großes braunes Kuvert unterm Ladentisch hervor.

»Das hat hinter der Rückwand des Bildes gesteckt. Mit Klebeband befestigt.«

Renata nahm den Umschlag mit wild klopfendem Herzen entgegen. War es eine letzte Botschaft der Nonna? Hatte sie das gemeint, als sie ihr die Neurahmung des Bildes anempfohlen hatte?

Sie verstaute das verpackte Bild im Kofferraum und fuhr heim. Dort öffnete sie gespannt den braunen Umschlag.

Er enthielt ein schmales Briefbündel und ein winziges, versiegeltes Päckchen. Mit zitternden Fingern zerbrach Renata das Siegel – und hielt einen Ring in Händen. Einen goldenen Ring in Schlangenform.

Sie stieß einen leisen Schrei aus. Zuerst dachte sie, es wäre der Ring, den der »Märchenkönig« auf dem Porträt trug. Doch dann erkannte sie, dass es nicht derselbe Ring, sondern dessen Gegenstück war.

Auf dem Bild leuchteten die Schlangenaugen in tiefem Rot. Der Ring, den Renata in der Hand hielt, war ebenfalls wie eine Schlange geformt, aber die Steine waren keine Rubine, sondern Smaragde, und der Durchmesser des goldenen Schlangenleibes war kleiner. Ein Damenring. Renata konnte ihn mühelos überstreifen, und er passte wie angegossen.

Ihr war schwindlig vor Aufregung. Die Nonna schien leibhaftig neben ihr zu stehen und ihr zuzuflüstern: »Das ist mein Vermächtnis an dich, mein kostbarster Besitz!«

Und da waren die Briefe, alle adressiert an die Nonna: »Signorina Elisa da Salva«. Alle mit dem Absender »Adriano Conte, Castell’ bianco« oder »A. C. Firenze, Via Guelfa«.

Fast widerstrebend las Renata die in einer kraftvollen Männerschrift gezeichneten leidenschaftlichen Liebesbotschaften, deren Datum unfassbare fünfundfünfzig Jahre zurücklag.

Renata hatte sich durch ihre enge Beziehung zur Nonna perfekte Italienischkenntnisse angeeignet. Dadurch bereitete ihr die Brieflektüre keine Schwierigkeiten. Der Inhalt jedoch wühlte sie dermaßen auf, dass sie immer wieder unterbrechen und Atem schöpfen musste.

Eines war klar: Adriano Conte hatte die Nonna über alles geliebt, und diese hatte seine Liebe erwidert. Aber warum war sie dann nach Deutschland gegangen und hatte dort – zwei Jahre nachdem sie den letzten Brief des Geliebten empfangen hatte – Ludwig Hartmann, Renatas Großvater, geheiratet?

Wie war es möglich, eine solche Liebe zu verraten?

Renata wusste, dass die Ehe der Nonna glücklich gewesen war.

Die Nonna hatte ihren Mann geliebt und ihren Sohn – Renatas Vater – vergöttert. Aber die ganze Zeit waren Adriano Contes Briefe der heimliche Schatz der Nonna gewesen, und sein Bild über dem grünen Samtsofa – Renata wusste, dass es sein Bild war – hatte auf sie herabgeblickt.

Wie ließ sich so etwas ertragen? Wie erklären?

Renata drehte den Schlangenring an ihrem Finger. Adrianos Liebespfand. Ihr hatte es die Nonna zu treuen Händen anvertraut. Sie hatte als einziger Mensch die Briefe lesen dürfen, deren Feuer auch nach so langer Zeit noch nicht verglüht war. Ein Lufthauch hätte genügt, um es neu anzufachen. Noch ein Lufthauch, und es würde auf Renatas Herz überspringen und es in Flammen setzen.

***

Später dachte Renata oft, dass alles, was dann geschehen war, vermutlich nicht oder wenigstens nicht in diesem Ausmaß geschehen wäre, wenn Volker sich nicht im Ausland befunden hätte. Er rief zwar jeden zweiten Abend an, aber es war Renata nicht möglich, über die große Entfernung hinweg ihre innersten Gefühle auszudrücken.

Mehrmals begann sie deshalb, einen Brief zu schreiben. Aber auch da war ihre Hemmung stärker als ihr Mitteilungsbedürfnis. So blieben die Briefe ungeschrieben und die Worte ungesagt.

Volker wiederum war so erfüllt von den neuen Eindrücken, Aufgaben und Menschen in London, dass er praktisch nur von sich erzählte.

»Es wäre herrlich, dich dazuhaben, Renata. Aber im Moment hättest du nicht viel von mir. Tagsüber sitze ich im Seminar, und abends büffle ich. Es ist schlimmer als vor dem Abitur.«

Er lachte dabei, also war es wohl doch nicht ganz so schlimm. Im Gegenteil: Er schien es zu genießen, wieder Student zu sein, befreit von der Verantwortung und den Pflichten des Ehelebens.

»Und was machst du am Wochenende?«, fragte Renata einmal. »Auch büffeln?«

»Nein, nein, da stromern wir rum und erforschen die Gegend. London ist faszinierend. Und es gibt prachtvolle Parks, in denen man stundenlang umherlaufen kann. Manchmal gehen wir auch ins Theater.«

»Wir?« Gegen ihren Willen entschlüpfte ihr dieses Wort.

»Ja, wir sind ein netter Verein. Zwei Deutsche, ein Schwede und zwei Französinnen. Wir haben viel Spaß miteinander.«

Renata gönnte ihm den Spaß. Aber sie fand, er hätte ruhig mal fragen können, was sie so trieb. Gerade jetzt, nach dem Tod der Nonna.

Und eines Abends – sie hatte es nicht geplant, es war eine ganz spontane Eingebung – unterbrach sie Volkers begeisterte Schilderung einer Musicalvorstellung mit den Worten: »Volker, ich möchte eine kleine Reise machen. Nach Florenz und in die Toskana.«

»Auf den Spuren der Nonna? Eine Art Wallfahrt?« Volker lachte gutmütig. »Warum nicht? So eine Reise in die Vergangenheit kann recht spannend sein.«

Er ahnte nicht, wie spannend diese Reise sein würde. Und auch Renata ahnte es noch nicht. Sonst hätte sie sie vielleicht unterlassen.

»Wenn du mit dem Wagen fährst, sei vorsichtig«, mahnte Volker. »Nimm keine Anhalter mit! Und schick mir von jeder Station eine kurze Nachricht, ja? Aus Florenz kannst du mich ja anrufen. Wie lange willst du unterwegs sein?«

»Ein, zwei Wochen.« Renata bekam plötzlich Angst vor ihrer eigenen Courage. Sie war noch nie allein ins Blaue gefahren. »Findest du mich sehr leichtsinnig?«

Wenn er Ja sagt, lass ich es, nahm sie sich vor.

»Aber nein«, erwiderte Volker. »Du bist ja kein abenteuerlustiger Teenager mehr! Aber gib Acht auf dich! Versprich es mir!«

»Versprochen.«

Ein Versprechen zu geben, ist leicht. Es zu halten schwer, manchmal unmöglich. Aber noch wussten sie das beide nicht.

***

Viele Hundert Kilometer entfernt, stellte das Schicksal die Weichen.

Dabei stand das, was sich zum gleichen Zeitpunkt in einem luxuriösen Appartement des Florentiner Hotels »Minerva Basilea« in der Via Guelfa ereignete, in keinerlei Beziehung zu Renata. Und doch wäre alles Weitere unmöglich gewesen, hätte jene stürmische Auseinandersetzung im Hotel »Minerva Basilea« nicht stattgefunden.

Die schöne junge Frau im weich den Körper umspielenden Seidenkleid in verschwimmenden Blau- und Grüntönen stand am hohen Fenster und blickte über die Piazza San Annunziata hinweg, ohne etwas wahrzunehmen.