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Ihre Liebesgeschichte klingt wie ein Märchen: Der attraktive, erfolgreiche Architekt Markus Grothe verliebt sich auf den ersten Blick in die bildschöne Kinderbuch-Illustratorin Laura. Schon ein halbes Jahr später heiratet das junge Paar, und alle Hochzeitsgäste wünschen ihm ein langes glückliches Leben mit vielen Kindern. So weit, so gut ...
Ein Jahr später ... Nach außen wirken Markus und Laura noch immer wie ein Traumpaar, das ganz auf der Sonnenseite des Lebens steht. Niemand ahnt, was die beiden wirklich durchmachen, wie grausam das Schicksal bereits zugeschlagen hat. Laura ist todkrank - und schwanger. Ein Kind wächst in ihr, und sie ist verdammt zu sterben.
Nein! Laura will nicht ihrer ohnmächtigen Verzweiflung nachgeben, sondern beschließt, den scheinbar aussichtslosen Kampf aufzunehmen ...
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Seitenzahl: 91
Veröffentlichungsjahr: 2017
Cover
Impressum
Wofür du leben musst
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2017 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: kupicoo / iStockphoto
Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam
ISBN 978-3-7325-5818-6
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
Wofür du leben musst
Ihre Liebesgeschichte begann wie im Märchen, doch dann schlug das Schicksal zu
Von Marie Ahrens
Ihre Liebesgeschichte klingt wie ein Märchen: Der attraktive, erfolgreiche Architekt Markus Grothe verliebt sich auf den ersten Blick in die bildschöne Kinderbuch-Illustratorin Laura. Schon ein halbes Jahr später heiratet das junge Paar, und alle Hochzeitsgäste wünschen ihm ein langes glückliches Leben mit vielen Kindern. So weit, so gut …
Ein Jahr später … Nach außen wirken Markus und Laura noch immer wie ein Traumpaar, das ganz auf der Sonnenseite des Lebens steht. Niemand ahnt, was die beiden wirklich durchmachen, wie grausam das Schicksal bereits zugeschlagen hat. Laura ist todkrank – und schwanger. Ein Kind wächst in ihr, und sie ist verdammt zu sterben.
Nein! Laura will nicht ihrer ohnmächtigen Verzweiflung nachgeben, sondern beschließt, den scheinbar aussichtslosen Kampf aufzunehmen …
»Wunderbar!« Die Redaktionsassistentin war begeistert. »Der Entwurf könnte glatt schon als Reinzeichnung durchgehen.«
Laura Fischer, die ihre Illustrationen präsentierte, errötete vor Freude.
»Bei einer solchen Geschichte macht es ja auch Spaß. Ich hab schon lange kein so schönes Märchen mehr illustriert.« Sie strich sich mit der rechten Hand eine widerspenstige Strähne aus dem schmalen ebenmäßigen Gesicht, das von einer Flut kastanienbrauner Locken eingerahmt wurde. »Es ist einfach wunderbar.«
»Sicher, Laura, die Idee ist wirklich prima. Ein Märchen, in dem alle Figuren die Namen von Edelsteinen und Mineralien tragen: Opalia, Turmalin, Rubinio und so weiter. Aber trotzdem – entweder man hat es oder man hat es nicht.«
Die beiden Frauen blickten noch einmal zufrieden auf die Bilder, dann sammelte Laura ihre Bögen ein und steckte sie in eine Mappe.
»Was machst du eigentlich über die Feiertage? Fährst du in den Skiurlaub?«, fragte Michaela Burger jetzt und lehnte sich entspannt im Stuhl zurück.
»Nein, ich besuche meine Eltern. Und anschließend mache ich mich gleich an die Arbeit. Ich kann es kaum erwarten.«
Die beiden Frauen verabredeten einen Termin für die Abgabe der Illustrationen, dann verabschiedeten sie sich herzlich voneinander.
Laura Fischer fuhr mit dem Lift nach unten. Am Eingang des Verlags hielt sie noch einen kurzen Plausch mit dem Pförtner. Dann wünschten sie sich ein frohes Fest, und Laura eilte zum Auto.
In Gedanken war sie schon bei der Arbeit, die sie in den nächsten Wochen beschäftigen würde. Sie war mit Leib und Seele Illustratorin für Kinderbücher. Seit ihrer Schulzeit war es ihr größter Wunsch gewesen, das Zeichnen einmal zu ihrem Beruf zu machen.
Nach einem Kunststudium war sie mit ihren Arbeiten von Verlag zu Verlag gelaufen und hatte sie immer wieder vergeblich angeboten. Erst Michaela Burger, die Redaktionsassistentin des Schneewittchen-Verlags, hatte sich die Mühe gemacht, ihre Zeichnungen genauer zu betrachten. Und damit hatte sie einen Glückstreffer gelandet.
Das Buch mit Freddy, dem Eichhörnchen, und seinen komisch-verrückten Abenteuern war bald schon die Lieblingslektüre vieler Kinder geworden. Seitdem hatten sie viele Bücher zusammen gemacht, und jede hatte davon profitiert.
Laura summte leise vor sich hin, als sie vor dem Supermarkt hielt, um noch etwas fürs Abendessen zu kaufen. Sie holte sich einen Einkaufswagen und schob an den Regalen entlang.
»Hoppla! Können Sie denn nicht aufpassen?«, schimpfte der junge Mann und blickte betreten auf die Bescherung am Boden. Mit einer ungeheuren Geschwindigkeit war er um die Ecke gebogen, die Arme voller Lebensmittel, und direkt gegen Lauras Einkaufswagen gelaufen. Wütend bückte er sich, um den Schaden aus der Nähe zu betrachten und seine Milchtüten und Nudelpakete wieder aufzulesen.
»Es tut mir leid, aber es war nicht nur meine Schuld. Wenn Sie einen Wagen genommen hätten …«
»Blödsinn«, brummte der Mann und sah auf, um Laura ordentlich die Leviten zu lesen, als er mitten im Satz abbrach.
Sein Blick traf ihren, und er hatte das Gefühl, in ihren braunen Augen zu versinken. Rettungslos …
***
Benommen schüttelte er endlich den Kopf und meinte: »Ah, ist ja halb so schlimm, ist ja nichts kaputtgegangen.«
Auch Laura war empfänglich für den Zauber dieser Begegnung. Der Mann sah überaus attraktiv aus: groß und sportlich, mit leuchtenden grauen Augen in einem männlich-markanten Gesicht. Er strahlte eine unglaubliche Kraft und Energie aus.
Verlegen standen die beiden voreinander. Keiner wusste mehr, was er sagen sollte.
Am liebsten würde ich sie einfach einladen. Aber das geht nun wohl doch nicht!, dachte Markus Grothe.
Ich sollte wohl endlich weitergehen. Er muss mich ja für duselig halten. So oder ähnlich waren Lauras Gedanken.
Endlich rissen sie sich voneinander los. Sie griff zögernd nach ihrem Wagen.
»Kaufen Sie hier öfter ein?« Der junge Mann hatte keine Lust, sie so einfach weitergehen zu lassen, und gab daher das Nächstbeste von sich, was ihm einfiel.
»Nein, eigentlich nicht. Normalerweise kaufe ich im Süden der Stadt ein. Ich hatte beruflich hier zu tun.« Auch Lauras Erklärung war ausführlicher als notwendig.
Wieder war eine Minute gewonnen. Unschlüssig standen sie voreinander.
»Die haben hier eine ausgezeichnete Cafeteria.« Markus suchte verzweifelt einen Weg, noch länger ihre Gesellschaft zu genießen.
»Das wäre prima. Ein Kaffee, meine ich!« Laura fühlte sich wie auf Wolken.
Schüchtern gingen sie nebeneinander her. Aber als sie sich wenig später an einem der Bistrotische niederließen, da schwand langsam die Verlegenheit. Sie bestellten Kaffee, und nach wenigen Minuten unterhielten sie sich so vertraut miteinander, als würden sie sich schon ewig lange kennen.
Markus erzählte, dass er vor zweieinhalb Jahren mit zwei Studienkollegen zusammen ein Architekturbüro eröffnet hatte. Dass seine Eltern leider seit Jahren tot waren und er weder Geschwister noch andere nähere Verwandte hatte. Seit einiger Zeit lief das Architekturbüro bestens, sie bekamen beinahe mehr Aufträge, als sie bewältigen konnten.
Laura erzählte anschließend von ihrer Tätigkeit, und er war begeistert. Er fand, es passte wunderbar zu ihr, so etwas Ausgefallenes zu tun.
»Du musst nicht denken, dass ich ständig Frauen im Supermarkt anspreche«, wechselte er nach einer Weile ganz selbstverständlich zum Du über. »Aber ich hatte gleich das Gefühl, dass du etwas ganz Besonderes bist. Ich konnte dich einfach nicht so gehen lassen.«
Sie lächelte glücklich und warf den Kopf mit den braunen Locken zurück. Markus war hingerissen von ihrer Natürlichkeit.
»Ich war froh, dass du den Vorschlag mit dem Kaffee gemacht hast. Denn ehrlich gesagt, ich hätte mich nicht getraut, dich darum zu bitten«, gab sie mit ungewöhnlicher Offenheit zurück.
»Darf ich dich dann auch zum Essen einladen?« Seine Blicke umwarben sie ausdrucksvoll.
»Sicher, gerne. Aber ich fahre morgen weg und komme erst im neuen Jahr zurück.«
»Ich dachte sowieso nicht daran, so ewig lange darauf zu warten. Hast du heute Abend Zeit?«
Eine zarte Röte glitt über Lauras Gesicht. »Ich würde mich sehr darüber freuen.«
Als sie sich vor dem Supermarkt trennten, hatte Laura das Gefühl, dass heute ihr Glückstag war. Jawohl, sie war so glücklich wie lange nicht mehr. Ob sie sich in den jungen Mann verliebt hatte?
***
Seit zwei Jahren lebte Laura allein in einer sehr schönen Zweizimmerwohnung. Sie war zwar schon öfter verliebt gewesen, aber leider hatten sich die Märchenprinzen immer recht schnell als Frösche entpuppt. Für die Dauer war niemand dabei gewesen. Ihre Unabhängigkeit war ihr viel zu wichtig gewesen, als dass sie jemandem erlaubt hätte, sich häuslich bei ihr niederzulassen, von dem sie nicht wusste, ob er hundertprozentig zu ihr passte. Da musste schon der Mann fürs Leben kommen, nicht wahr?
Sorgfältig machte sie sich für ihre Verabredung am Abend zurecht. Nach einem ausgiebigen Bad öffnete sie den Kleiderschrank. Einen Bügel nach dem anderen nahm sie heraus, musterte das Kleid oder die Kombination mit kritischem Blick, um sie anschließend wieder zurückzuhängen.
Schließlich hielt sie sich einen weißen Plisseerock an die Hüften, der ihre Waden umspielte. Ein wollweißer Angorapullover mit einem großen, aufwendig bestickten Kragen ergänzte das Ensemble. Zufrieden bürstete sie sich die Locken und steckte sich gerade die Perlenohrringe an, als es auch schon läutete.
Laura griff nach ihrer Tasche und dem Mantel und eilte hinunter.
Markus stand mit einem Strauß roter Rosen vor der Haustür und strahlte sie bewundernd an. Mit einer ausladenden Bewegung überreichte er ihr die Blumen.
»Du siehst hinreißend aus. Fast zu schade für den Italiener.«
Er hatte sich ebenfalls in Schale geschmissen, das sah man gleich. Der lässige beigefarbene Mantel verdeckte halb das elegante Sakko und die klassisch geschnittene Hose.
Die beiden erregten dann auch einiges Aufsehen, als sie das Lokal in der Innenstadt betraten. Beim »Italiener« legte man nicht allzu viel Wert auf ein gestyltes Ambiente. Einfache blauweiß-karierte Tischdecken und ein Teelicht im bunten Glas schmückten die Tische. Die holzvertäfelten Wände waren mit italienischen Landschaftsbildern geschmückt, und das war es auch schon. Rustikal und urgemütlich.
Dafür war das Essen umso besser. Markus sah mit Freude zu, wie Laura herzhaft zulangte und sich offenbar wenig um Kalorien scherte. Der Fischtopf nach Art Ancona schien ihr zu schmecken.
»Ich habe noch nie jemanden wie dich kennengelernt«, sagte er und lächelte sie zärtlich an.
Sie erwiderte seinen Blick genauso intensiv.
»Das geht mir genauso. Ich habe das Gefühl, ich würde dich schon ewig kennen«, gestand sie.
Markus hob sein Glas. Der Bordeaux schimmerte im Schein der Kerzen. Ihre Gläser klangen leise aneinander.
»Darf ich dich wiedersehen?«, bat er verhalten.
»So oft du willst«, entgegnete Laura glücklich.
Als Markus sie Stunden später nach Hause brachte, standen sie sich plötzlich wieder ein wenig verlegen gegenüber. Er legte ihr die Hände auf die Schultern und beugte sich zu ihr. Sanft küsste er sie auf die Wange.
»Rufst du mich wirklich an, wenn du wieder zurück bist?«, fragte er unsicher.
»Ja, ich verspreche es.« Im Moment gab es nichts, was Laura von ihrem Versprechen hätte abhalten können.
»Gute Nacht. Träum was Schönes, Laura.« Die Art und Weise, wie er ihren Namen aussprach, ließ sie erschauern.
»Ja, gute Nacht, Markus. Träum auch du nur Schönes.«
Sie drehte sich um und betrat das Haus. Als sich die Tür hinter ihr schloss, spielte ein Lächeln um ihren Mund.
Ich bin verliebt, dachte sie verwundert. Ach, das Leben ist einfach wundervoll!
***
Ein halbes Jahr später stand Laura in einem weich herabfließenden weißen Kleid vor dem Priester der kleinen barocken Dorfkirche ihres Heimatortes und sagte mit klarer Stimme laut und deutlich: »Ja, ich will!«
Als die beiden Brautleute die Kirche verließen, regnete es Reis auf sie hernieder. Freunde und Verwandte umarmten sie und wünschten ihnen alles Glück der Welt.
Markus, der in seinem eleganten Frack fantastisch aussah, ließ den Arm der Braut nicht los. Mit lachenden Augen sah sie zu ihm hoch.
»Bist du glücklich, meine Liebste?«
»Ja, so glücklich wie noch nie in meinem Leben«, flüsterte sie bewegt. In seinen Augen las sie, dass sein Glück nicht minder groß war.
Das nachfolgende rauschende Fest, das Lauras Eltern in ihrem großen Garten ausgerichtet hatten, ging wie ein Traum an der jungen Frau vorbei.
