Silvia-Gold 54 - Monica Graven - E-Book

Silvia-Gold 54 E-Book

Monica Graven

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Beschreibung

"Angela!" Carina Schweer breitet die Arme aus und drückt ihr Töchterchen fest an sich. "Ich habe mir solche Sorgen um dich gemacht! Du darfst doch nicht einfach weglaufen."
"Das wollte ich nicht", flüstert das Kind zerknirscht. "Ich wollte bloß einen neuen Vati für mich finden. Und es hat geklappt! Schau nur!"

Angela winkt einem wildfremden Mann zu, und Carina schaudert entsetzt zusammen. Ihr Töchterchen meint doch nicht etwa diesen heruntergekommenen Kerl?

Und doch - wenn sie ihm nur in die Augen sieht, nicht auf den stoppeligen Bart, die zerschlissene Kleidung - dann, so sagt sich die junge Witwe, kommt da ein ganz anderer zum Vorschein. Ein Mann, der Vertrauen einflößt, der ...

Stopp! Weitere Gedanken verbietet sich Carina ...

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Seitenzahl: 99

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Inhalt

Cover

Impressum

Halt mich fest!

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Dean Mitchell / iStockphoto

Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-6379-1

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Halt mich fest!

Ein Herzensbrecher voll dunkler Abgründe wird zu ihrem Retter

Von Monica Graven

»Angela!« Carina Schweer breitet die Arme aus und drückt ihr Töchterchen fest an sich. »Ich habe mir solche Sorgen um dich gemacht! Du darfst doch nicht einfach weglaufen.«

»Das wollte ich nicht«, flüstert das Kind zerknirscht. »Ich wollte bloß einen neuen Vati für mich finden. Und es hat geklappt! Schau nur!«

Angela winkt einem wildfremden Mann zu, und Carina schaudert entsetzt zusammen. Ihr Töchterchen meint doch nicht etwa diesen heruntergekommenen Kerl?

Und doch – wenn sie ihm nur in die Augen sieht, nicht auf den stoppeligen Bart, die zerschlissene Kleidung – dann, so sagt sich die junge Witwe, kommt da ein ganz anderer zum Vorschein. Ein Mann, der Vertrauen einflößt, der …

Stopp! Weitere Gedanken verbietet sich Carina …

Heiß brannte die Sonne auf die historische Stadt an der Innerste nieder. Doch Carina Schweer schien die Hitze nicht zu spüren. Tief in Gedanken versunken, lief sie neben ihrer Freundin her, weder das zauberhafte Panorama noch Lilianes Geplauder beachtend. Bis die Freundin sie anstupste.

Carina machte ein Gesicht, als wäre sie gerade aus einem Tiefschlaf erwacht.

»Entschuldige«, stammelte sie. »Hast du gerade etwas gesagt? Ich glaube, ich habe nicht zugehört.«

»Das habe ich gemerkt«, entgegnete Liliane mit versöhnlichem Lächeln. »Ist nicht so schlimm. Es war ohnehin nichts Wichtiges. Hängst du wieder schmerzlichen Erinnerungen nach?«

Carina nickte. »Hier bin ich früher häufig mit Michael und Angela spazieren gegangen. Sie war damals gerade zwei Jahre alt.« Nach einer kurzen Pause fügte sie leise und stockend hinzu: »Wir waren eine so glückliche Familie! Warum musste das alles passieren?«

»Man kann sich sein Schicksal nicht aussuchen«, versuchte Liliane zu trösten. »Sei dankbar für die kurze Zeit des Glücks. Sicher, es ist ein schwerer Schlag, wenn man den geliebten Mann von einem Tag auf den anderen verliert. Doch viele Frauen trifft es in der gleichen Lage noch viel härter. Die stehen nach dem Tod des Partners vor einem Berg Schulden und wissen nicht, wie sie ihre Finanzprobleme bewältigen sollen. Du hast immerhin von deinem Mann eine kleine, florierende Fabrik geerbt, dazu noch etwas Geld und ein Haus.«

»Das alles und noch viel mehr würde ich liebend gern hingeben, wenn er wieder bei uns wäre«, flüsterte Carina.

Sie blieb stehen und starrte gedankenverloren auf den Fluss. Die Sonne ließ ihr langes blondes Haar glänzen. Sie hatte es zu einem lockeren Pferdeschwanz gebunden, den sie über ihre rechte Schulter herabhängen ließ.

»Michael«, flüsterte sie verzweifelt, »warum hast du uns alleingelassen?«

Liliane Weber räusperte sich. »Weshalb wolltest du mich eigentlich sprechen?«, fragte sie.

Carina wandte sich ihr zu. »Weil ich deinen Rat brauche. Wir sollten uns da drüben auf die Bank setzen. Da können wir in aller Ruhe reden.«

Carina zog einen Schuh aus und massierte ihren linken Fuß. Dabei erzählte sie der geduldig zuhörenden Liliane, was ihr auf der Seele lag.

»Fünf Jahre ist es her, dass Michael auf einer Geschäftsreise einen Frontalzusammenstoß mit einem betrunkenen Autofahrer hatte. Den konnte man nicht zur Rechenschaft ziehen, da er bei dem Unfall ebenfalls ums Leben gekommen ist. Und selbst wenn man ihn vor Gericht gestellt hätte, hätte es Michael auch nicht wieder lebendig gemacht.«

Die mitfühlende Freundin sagte nichts. Sie kannte die Einzelheiten des Unglücks.

»Michael hat sehr an der Fabrik gehangen. Sein Vater hatte sie gegründet und ihm vererbt. Für mich war es selbstverständlich, nach Michaels Tod die Firmenleitung zu übernehmen.«

»Ich habe dich deshalb immer bewundert«, sagte Liliane anerkennend. »Ich könnte eine solche Aufgabe nie bewältigen.«

»Man kann alles lernen, wenn man will«, erwiderte Carina. »Leicht war es nicht für mich. Ich habe mich durchgesetzt – gegen schlitzohrige Geschäftspartner und arrogante männliche Angestellte, die glaubten, meine Entscheidungen einfach ignorieren zu können. Inzwischen habe ich alles gut in den Griff bekommen.«

»Das liegt vor allem daran, dass bei euch Spielzeug bester Qualität hergestellt wird«, lobte Liliane. »Meine Kinder spielen gern damit. Ich nehme an, deine Angela auch.«

»Wenn man eine Mutter hat, die Spielwarenfabrikantin ist, also alles im Überfluss da ist, verliert man rasch die Lust daran!« Carina lächelte. »Angela nascht lieber, statt sich mit Spielzeug zu beschäftigen. Sie fände es sicher schöner, wenn ich Schokolade herstellte …«

Ihr Gesicht nahm wieder einen ernsten Ausdruck an.

»Meine Tochter ist der hauptsächliche Grund für unser Gespräch. Ich fürchte, dass ich sie zu sehr vernachlässige. Jeden Tag bin ich bis spät abends in der Firma. Auch an den Wochenenden türmt sich die Arbeit auf meinem Schreibtisch, sodass ich kaum Zeit für mein Kind habe. Angela beklagt sich zwar nie, aber ich bin überzeugt, dass sie darunter leidet. Sie wird immer unausstehlicher. Nicht mir gegenüber, aber ihre Lehrer und die Eltern einiger Mitschüler haben sich beklagt. Hinzu kommt, dass es kein Kindermädchen lange mit ihr aushält. – Ich mag vielleicht eine großartige Geschäftsfrau sein, aber als Mutter bin ich eine Versagerin!«

Liliane wollte etwas dazu sagen, aber Carina bat sie: »Warte, bis du alles gehört hast. Ich habe lange überlegen müssen, um eine Lösung für dieses Problem zu finden«, fuhr sie fort. »Sogar über den Verkauf der Fabrik habe ich nachgedacht. Vorige Woche gab mir das Schicksal einen Wink. Du kennst doch Ralf Friedrichs, der in unserem Gewerbegebiet eine Baustoffhandlung und ein Fuhrunternehmen betreibt? – Nun, er bemüht sich schon lange um mich. Letzte Woche hat er mir sogar einen Heiratsantrag gemacht. Ich habe um Bedenkzeit gebeten …«

Liliane machte ein erschrockenes Gesicht.

»Du ziehst doch wohl nicht ernsthaft eine Ehe mit diesem falschen Fuffziger in Erwägung? Er hat den Ruf eines harten Geschäftsmannes, für den Geld das Wichtigste im Leben ist! Wenn er dir einen Antrag macht, dann geht es ihm nicht um dich, Carina, sondern nur um deine Firma, die er sich unter den Nagel reißen möchte!«

»Damit hast du mir drastisch und anschaulich deine Meinung klargemacht.« Carina stieß einen tiefen Seufzer aus.

»Was versprichst du dir von dieser Heirat?«, wollte Liliane nun genauer wissen. »Zugegeben, Friedrichs sieht passabel aus, für einen Mann in den Vierzigern. Finanzielle Gründe sind bei dir nicht ausschlaggebend, oder steckt dein Betrieb in Schwierigkeiten?«

Carina schüttelte den Kopf. »Da läuft alles bestens. Der einzige Grund ist eben die Tatsache, dass Ralf Friedrichs ein harter Geschäftsmann ist, wie du es so treffend ausgedrückt hast. Bei ihm wäre ich sicher, dass die Fabrik in tüchtigen Händen ist.«

»Du willst ihm die Firmenleitung überlassen?«

»Ja. Dann würde ich endlich wieder genug Zeit für meine Tochter haben!«

Liliane schaute sie skeptisch an. »Hast du nicht etwas vergessen? Wie steht es mit der Liebe? Eine Ehe ohne Liebe ist wie ein Fisch ohne Wasser!«

Carina zuckte mit den Schultern. »Der Platz in meinem Herzen gehört Michael – bis in alle Ewigkeit! Ich glaube nicht, dass ich jemals einen Mann so lieben kann wie ihn. Warum sollte ich diesmal nicht der Vernunft den Vorrang geben?«

Weil eine Vernunftehe nicht das Gleiche ist wie eine Liebesehe, dachte Liliane, sprach es aber nicht laut aus.

***

Die siebenjährige Angela Schweer war nur eine mittelmäßige Schülerin. Sehr zum Leidwesen ihrer Lehrkräfte setzte die muntere Zweitklässlerin ihre Energie lieber zum Aushecken übler Streiche ein statt zum Lernen. Ihr Ideenreichtum kannte da keine Grenzen.

»Ihr fehlt die strenge Hand eines Vaters«, sagten die einen.

Andere meinten, dass es auch einem Vater nicht gelingen würde, das wilde Mädchen zu bändigen.

Angela wusste, was man über sie redete. Doch das war für sie kein Grund, sich zu bessern. Im Gegenteil – je mehr sie das Gefühl hatte, von den Lehrern und ihren Mitschülern abgelehnt zu werden, umso schlimmer wurden ihre Streiche.

Nicht nur in der Schule benahm sich Angela schlecht. Auch ihre ständig wechselnden Kindermädchen konnten ein Lied davon singen.

Zurzeit war es die sechzigjährige Hedwig Scholz, eine Bibliothekarin im Ruhestand. Sie schien stärkere Nerven als ihre Vorgängerinnen zu haben und hielt es, nach Angelas Ansicht, schon viel zu lange im Hause aus.

Das Kind hatte sich etwas ausgedacht, um die ungeliebte Person für immer zu vertreiben. Die Gelegenheit dafür war an diesem Tag günstig, denn die Mutter war aus dem Haus gegangen, um mit einer Freundin einen Spaziergang zu machen.

Angela wäre gern mitgegangen, aber sie hatte daheim bleiben müssen. Darüber war sie ziemlich traurig, denn sie hatte ihre Mami lieber als alles andere auf der Welt.

Angela mochte es nicht, dass ihre Mutter laufend Aufpasserinnen für sie engagierte, statt sich selbst um sie zu kümmern. Ihre Mama schien sich nur dann eingehend mit ihr zu befassen, wenn sie, Angela, besonders frech oder krank war.

Nun konnte sie nicht dauernd die Kranke spielen, aber frech sein – das konnte sie jeden Tag.

Das Mädchen schlich sich von hinten an den Stuhl heran, in dem Hedwig Scholz saß. Die Frau war auf der Terrasse in der Mittagssonne eingenickt.

Sand in der Teetasse hat ihr überhaupt nichts ausgemacht, dachte Angela grimmig. Sie hat das Zeug einfach ausgeschüttet. Und meine Gummispinne in ihrer Handtasche war genauso wirkungslos wie der Knallfrosch unter ihrem Sessel.

Mal sehen, was sie von einem lebendigen Frosch hält …

***

Carina Schweer hatte sich von ihrer Freundin an der Gartentür verabschiedet und ging nun mit nachdenklicher Miene auf ihr Haus zu.

Das Gespräch mit Liliane ging ihr nicht aus dem Kopf.

Ihr waren inzwischen erhebliche Bedenken gekommen, Ralf Friedrichs zu heiraten.

Aber sie musste Opfer bringen, wenn die Erziehung ihrer Tochter nicht gänzlich außer Kontrolle geraten sollte. Musste es jedoch gleich ein so großes Opfer sein?

Da hörte sie Hedwig Scholz laut schimpfen.

»Na warte, du Satansbraten! Wenn ich das Vieh aus meinem Kragen herausgeholt habe, kannst du was erleben!«

»Du kriegst mich ja nicht! Du kriegst mich nicht!« Das war Angelas glockenhelle Stimme.

Was ist denn nun schon wieder los?, fragte sich Carina erschrocken.

Sie lief quer über den Rasen zur Terrasse. Als sie ankam, war dort niemand mehr. Nur noch ein kleiner ängstlicher Frosch.

Carina bückte sich und nahm ihn vorsichtig auf. Das Tier zitterte, als sie es zum Gartenteich brachte.

Als die junge Mutter kurz darauf das Haus betrat, konnte sie sich ein Lachen nicht verkneifen. Die Kinderfrau stand in der Tür vor Angelas Zimmer und war pudelnass.

Angela kam hinter der Wohnzimmercouch hervor, wo sie sich versteckt hatte. Hedwig Scholz hatte sie offenbar im Kinderzimmer vermutet und war in ihrer Wut blindlings dorthin gestürmt, ohne zu bedenken, dass das Mädchen mit allen Tricks vorging.

Die Wassereimerfalle auf der Türkante war eines der ältesten wirksamsten Mittel, um ungeliebte Personen aus dem Haus zu treiben.

Bei Hedwig Scholz zeigte nicht nur dieser Spaß seine Wirkung. Die aufgebrachte Frau blickte die Hausherrin ärgerlich an.

»Es ist schon genug, dass mir Ihre Tochter ständig auf die Nerven fällt!«, schimpfte sie. »Nun lachen Sie mich auch noch aus, Frau Schweer! Das ist zu viel! Ich kündige auf der Stelle!«

»Tut mir leid«, entschuldigte sich Carina und wurde sofort wieder ernst. »Es war nicht nett von mir, aber es sah zu komisch aus.« Sie schaute auf ihre Tochter, die mit schuldbewusster Miene vor ihr stand. »Ich hoffe, dir tut es auch leid, was du getan hast«, sagte sie streng. »Ich erwarte, dass du dich bei Tante Hedwig entschuldigst.«

Angela rieb sich die Nase. »Entschuldigen? Aber wieso denn, Mami? Hab ich Tante Hedwig gesagt, sie soll in mein Zimmer gehen?«

Das brachte die Kinderfrau völlig aus der Fassung. Feindselig blickte sie das kleine Mädchen und seine Mutter an.

»Muss ich mir das bieten lassen?«

Carina konnte ihrer Tochter einfach nicht böse sein. Sicher, sie hatte der Frau einen Streich gespielt. Aber war das wirklich so schlimm?

Sie entschloss sich, das Kind in Schutz zu nehmen.