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Mehr als sie je erträumte
Wenn Wünsche auf eine Weise wahr werden, mit der sie nie im Leben gerechnet hätte
Von Ava Lorenzen
Das ist zu viel! Das kann und darf niemand von ihr verlangen!
Fassungslos hört Miriam die Bitte der Frau an, die ihr einst Stefan ausgespannt und ihre Ehe zerstört hat. Denn sie hat ihm Lukas geboren - das Kind, das Miriam sich selbst so sehnlichst gewünscht hat.
Gehasst hat sie die andere dafür - und Stefan unter Tränen freigegeben. Und nun steht die Rivalin erneut vor ihr, blass und schmal und mit einem Wunsch, der Miriam nicht mehr schlafen lässt ...
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Seitenzahl: 110
Veröffentlichungsjahr: 2019
Cover
Impressum
Mehr als sie je erträumte
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: CherriesJD / iStockphoto
eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar
ISBN 9-783-7325-7946-4
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
www.bastei.de
Mehr als sie je erträumte
Wenn Wünsche auf eine Weise wahr werden, mit der sie nie im Leben gerechnet hätte
Von Ava Lorenzen
Das ist zu viel! Das kann und darf niemand von ihr verlangen!
Fassungslos hört Miriam die Bitte der Frau an, die ihr einst Stefan ausgespannt und ihre Ehe zerstört hat. Denn sie hat ihm Lukas geboren – das Kind, das Miriam sich selbst so sehnlichst gewünscht hat.
Gehasst hat sie die andere dafür – und Stefan unter Tränen freigegeben. Und nun steht die Rivalin erneut vor ihr, blass und schmal und mit einem Wunsch, der Miriam nicht mehr schlafen lässt …
Miriam May strich sich eine vorwitzige Strähne ihres leicht gelockten, blonden Haares aus der Stirn und schob die Papiere vor sich auf dem Schreibtisch zusammen.
Ein kurzer Blick auf die Armbanduhr am Handgelenk sagte ihr, dass sie in wenigen Minuten ihre Arbeit beenden konnte. Das zwanzigminütige Magazin, das heute ausgestrahlt worden war, war zu Ende. Sie musste nur noch ein paar Notizen für morgen machen.
Ein Seufzer der Erleichterung entrang sich ihrer Kehle.
Miriam liebte ihre Arbeit als Moderatorin beim Sender über alles, aber der heutige Tag war wieder so richtig hektisch gewesen. Wenn sie auch nur eine kleine regionale Sendung für junge Leute machte, so hatten aktuelle Ereignisse die sorgfältige Planung wieder einmal über den Haufen geworfen.
Doch wenn sie ehrlich war, musste sie zugeben, dass genau das der Reiz war, der ihren Job ausmachte. Flexibel sein, sich blitzartig auf neue Dinge einstellen, das konnte wie ein Rausch sein – und dann, wenn ihre Nachmittagssendung vorüber war, das Wissen, dass sie und die Kollegen ihre Arbeit gut gemacht hatten! Diese Befriedigung hätte sie in keinem anderen Beruf finden können.
Gerade als Miriam nach ihrer Tasche griff, wurde kurz und heftig an ihre Bürotür geklopft. Noch bevor sie antworten konnte, wurde die Tür auch schon aufgerissen.
Sabine Körner, Miriams Kollegin, rauschte herein und wedelte mit einem Blatt Papier. Mit einem tiefen Seufzer ließ sie sich auf der Schreibtischkante der Freundin nieder.
„Die Meldung über die Sprüher morgen fliegt raus. Im Chemiewerk ist ein Feuer ausgebrochen. Hansen will, dass du dein Programm umstellst, damit er anschließend genug Platz für ein Special hat.“
Sie hielt Miriam den Papierbogen hin, auf dem die ursprünglichen Sendetermine durchgestrichen und mit einem Leuchtstift neu angeordnet waren.
„O nein! Nicht ausgerechnet heute!“, rief Miriam gequält aus. „Wir haben Karten für die Benefizveranstaltung heute Abend.“
Sabine Körner zuckte mit den Schultern.
„C’est la vie, meine Liebe!“, gab sie zurück. Sie stand auf und strich ihren superkurzen Lederrock ein wenig nach unten. „Ich hatte heute Abend ein Date mit einem gut aussehenden Mann, mit dem ich noch nicht verheiratet bin.“
Mit dieser Aussage gab sie ihrer Freundin unmissverständlich zu verstehen, dass es Frauen gab, die sich nicht so glücklich schätzen konnten wie Miriam.
„Du Ärmste, du tust mir ja so leid.“ Miriam verzog den Mund und fügte hinzu: „Wenn ich Zeit habe, werde ich dich bedauern.“ Sie griff schon zum Telefon. „Jetzt muss ich es nur noch Stefan beibringen.“
Während die Kollegin das Zimmer verließ, hatte die junge Frau schon die tüchtige Sekretärin ihres Mannes am Apparat.
„Hier May. Könnte ich bitte mit meinem Mann sprechen, Frau Berger?“
„Selbstverständlich.“ Die Sekretärin stellte sofort durch.
Miriam holte tief Luft. „Hallo, Stefan. Es tut mir leid, aber bei mir wird es heute Abend etwas später. Wir haben noch eine wichtige Meldung hereinbekommen, und ich muss meine ganze Planung umarbeiten.“
Ihre Stimme klang traurig. Sie hatte sich so sehr auf den gemeinsamen Abend gefreut.
Stefan und seine Frau waren beruflich beide sehr eingespannt. Er betrieb ein Immobilienbüro, das mehr als gut lief. Es war keine Seltenheit, dass Stefan erst gegen neun oder zehn Uhr abends nach Hause kam. Meistens setzte er sich auch dann noch an den Computer und checkte E-Mails. Und ihr Job beim Sender war sowieso nicht als geordnet zu bezeichnen.
„Es wäre auch ein Wunder, wenn wir nur einmal wie ein gewöhnliches Ehepaar ausgehen könnten.“ Der Klang seiner tiefen Stimme hatte sofort eine beruhigende Wirkung auf Miriam. Stefan ließ einen tiefen Seufzer hören.
„Es tut mir wirklich leid, Schatz. Wenn alles klappt, kann ich es noch schaffen, bevor die Vorstellung anfängt. Ich könnte direkt zum Theater kommen.“
„Schon okay, Liebling. Ich wollte dich auch gerade anrufen. Ich werde auch erst zum Beginn der Vorstellung da sein. Wir treffen uns dann im Foyer. Ich muss unbedingt noch die Kalkulation für das neue Einkaufszentrum prüfen. Mir scheint, da ist irgendwo der Wurm drin.“
Miriam lächelte. „Eigentlich wollte ich dir heute Abend das neue rote Kleid vorführen. Jetzt musst du dich wieder mit einem Kostüm zufriedengeben.“
„Weißt du was? Du kannst es ja anschließend zu Hause für mich tragen. Ich liebe es jetzt schon.“
Sie alberten noch ein wenig herum, dann verabschiedeten sie sich zärtlich voneinander. Nur Sekunden später stürzte sich die junge Frau konzentriert in ihre Arbeit. Sie nahm sich ihre Sendung vor und überlegte angestrengt, was zu kürzen war und was nicht.
Zwei Stunden später klappte Miriam die Mappe zu und brachte sie hinüber ins Büro des Sendeleiters.
Hajo Hansen begrüßte sie mit einem strahlenden Lächeln. Er wisse, dass er sich auf sein Team verlassen könne, meinte er mit jungenhaftem Charme, der allerdings bei Miriam sein Ziel verfehlte. Mit seinem strohblonden Schopf und seinen leuchtend blauen Augen hatte er normalerweise leichtes Spiel bei den Frauen, und er setzte sein gutes Aussehen schamlos ein, wenn es darum ging, eine Mitarbeiterin zu Überstunden zu überreden.
„Schon in Ordnung, wenn Sie die Sachen jetzt gleich durchsehen, erreiche ich das Theater trotzdem noch rechtzeitig zu Beginn der Vorstellung.“
„Ach ja. Die Benefizvorstellung für das Kinderheim.“ Seine Stimme klang ein wenig herablassend.
Hajo Hansen interessierte sich nur für den Sender. Die Arbeit hier war sein Ein und Alles. Seine Mitarbeiter witzelten darüber, dass er mit dem Sender verheiratet sei. Es kam ihm direkt komisch vor, dass es Leute gab, die sich für etwas anderes einsetzten.
Aber, na ja – jedem das Seine!
Nur wenige Minuten später blickte er sein Gegenüber zufrieden an.
„Super! Sehen Sie, solche Zwischenfälle haben auch ihr Gutes. Dadurch ist man gezwungen, Festgelegtes nochmals zu überdenken.“
Herr Hansen klang richtig begeistert.
Miriam verdrehte die Augen. „Dann kann ich ja jetzt gehen.“ Sie wandte sich um und ging zur Tür.
„Klar!“ Er wedelte mit der Hand in der Luft herum und fuhr fort: „Wissen Sie was? Kommen Sie doch morgen früh einfach ein wenig später!“
Überrascht hielt die junge Frau inne und sah ihn fragend an. Manchmal konnte er richtig nett sein, der Herr Hansen.
„Sicher. Sie arbeiten oft genug länger.“
Die Freude, die sich in Miriams Gesicht widerstrahlte, belohnte ihn überreichlich.
„Vielen Dank, Herr Hansen. Ich werde dann so gegen Mittag da sein.“
Sein Blick war schon wieder auf die Mappe gerichtet, als sie sein Büro verließ.
Zwei Stunden später kehrte sie zurück in ihr Zimmer, nahm einen kleinen Spiegel aus der Tasche und zog sich lediglich ein wenig die Lippen nach. Mit ein paar schnellen Bewegungen ordnete sie ihre Frisur.
Miriam verzichtete im Privatleben weitgehend auf Make-up. Sie wusste, Stefan liebte ihr Gesicht, wie es war, und ihre ausdrucksvollen blauen Augen benötigten keinerlei Ummalung.
Ein weiterer Blick auf ihre Uhr überzeugte sie davon, dass es besser war, den Wagen beim Sender stehen zu lassen und sich ein Taxi zu nehmen. Die Fahrt quer durch die Stadt ließ ihr Zeit, sich etwas zu erholen.
Als sie den Fahrer vor dem Theater entlohnte, suchte Miriam schon nach ihrem Mann und tatsächlich: Stefan stand auf der großen geschwungenen Treppe und winkte ihr zu.
Stolz sah die junge Frau zu ihm hoch. Er trug sein kariertes Jackett mit einer Lässigkeit, als hätte er es extra für diesen Anlass ausgewählt. Mit seiner überdurchschnittlichen Körpergröße überragte er die meisten Menschen, die an ihm vorbei die große Treppe hinaufeilten.
Aufatmend ließ sich die junge Frau gegen seine Brust sinken.
„Toll, dass du es geschafft hast, mein Engel!“ Er hätte gerne noch andere Dinge zu ihr gesagt, aber die vielen Menschen, die in das prachtvolle Gebäude schwärmten, hinderten ihn daran.
Stefan drückte seine Frau ein wenig fester an sich.
„Du siehst auch im Kostüm ganz toll aus, Liebling“, flüsterte er ihr ins Ohr. Sein Blick unterstrich den Wahrheitsgehalt seiner Worte, und Miriam war wieder einmal dankbar für das Glück, mit diesem Mann verheiratet zu sein.
Sie lächelte ihn an und nahm seine vertrauten Gesichtszüge in sich auf. Das markante Gesicht, das durch zwei Grübchen neben den Mundwinkeln weicher wurde, wenn er lächelte, seine braunen Augen, die jetzt liebevoll zu ihr herablachten.
Sie genossen für einen Augenblick die Innigkeit ihrer Zuneigung. Dann fuhr sich Stefan mit einer Hand durch das dichte braune Haar, das er modisch kurz geschnitten trug.
„Lass uns reingehen, ja? Sonst steinigt uns die bessere Gesellschaft, wenn wir uns zu spät durch die Reihe quetschen.“
Miriam streckte sich und küsste ihn kurz auf den Mund. Sie legte ihren Arm unter den ihres Mannes, und dann schritten sie genauso würdevoll die Treppe hoch wie die Menschen um sie herum in ihrer ausgesuchten Abendkleidung.
♥♥♥
Sechs Wochen nachdem Miriam ihrem Mann das verführerische rote Abendkleid vorgeführt hatte, saß sie in der Praxis ihres Frauenarztes Dr. Huber. Aufgeregt wartete sie darauf, dass er wieder ins Sprechzimmer zurückkam. Vielleicht ging heute ihr größter Wunsch in Erfüllung.
„Nun, Frau May, ich hoffe doch, dass die Testergebnisse in Ihrem Sinne ausgefallen sind.“ Dr. Huber kam durch die Tür des Labors und ließ sich in seinen bequemen Stuhl hinter dem Schreibtisch sinken. Er legte die Fingerspitzen aneinander und sah Miriam aufmerksam an.
„Bin ich schwanger, Herr Doktor?“ Ihre Blick war erwartungsvoll auf den Mediziner gerichtet.
Er ließ sich noch einen Moment Zeit. Es gefiel dem Arzt, wenn eine Frau deutlich zeigte, dass sie sich ein Baby wünschte.
Dr. Huber war Geburtshelfer aus Leidenschaft, und es tat ihm weh, wenn er feststellen musste, dass er eine ungewollte Schwangerschaft verkünden musste. Aber hier lag der Fall offensichtlich ganz anders. Die junge Frau, die ihm gegenübersaß, schien förmlich an seinen Lippen zu hängen.
„Ja, Sie sind schwanger, Frau May“, erwiderte er deshalb kurz, um sie nicht länger auf die Folter zu spannen.
Eine ganze Weile schaute sie beinahe nachdenklich durch ihn hindurch. Ihr Blick schien ins Nichts gerichtet zu sein. Dann fand Miriam wieder in die Wirklichkeit zurück. Ein freudiges Strahlen erhellte ihre zarten Züge.
„Danke, Doktor Huber! Sie machen mich sehr froh“, sagte sie schlicht.
Ihre Augen schimmerten feucht, doch sie kümmerte sich nicht darum. Ihr Arzt konnte ruhig wissen, wie glücklich er sie mit seiner Mitteilung machte.
Ein paar Tipps gab er ihr noch mit auf den Weg.
„Sie sehen so gut aus, dass ich nicht glaube, dass Sie einen unsoliden Lebenswandel führen.“
Beide lachten.
„Leben Sie einfach weiter wie bisher! Vermeiden Sie zu viel Kaffee, und verzichten Sie auf Nikotin und Alkohol! Alles andere regelt die Natur. Ach ja: Und hören Sie viel Mozart! Ungeborene Babys lieben Mozart.“
Das war sein ganz persönlicher Geheimtipp, den er als Fan klassischer Musik allen schwangeren Frauen gab.
Zu Hause angekommen, ging Miriam sinnend durch die Wohnräume. Sie hatten fünf Zimmer, ein Kinderzimmer war von vornherein geplant gewesen.
Die junge Frau öffnete die Tür zu dem Raum, der dafür vorgesehen war. Das große, lichtdurchflutete Zimmer ging hinaus in den Garten. Trotz der Regale, der Nähmaschine und all den anderen Dingen, die jetzt noch darin aufbewahrt wurden, entstand vor ihren Augen ein Bild, wie der Raum einmal aussehen musste.
Energisch begann sie, das große Regal auszuräumen, das die ganze linke Wandseite einnahm.
Stunden später öffnete Stefan die Wohnungstür. Ein Konzert von Mozart für Flöte, Harfe und Orchester tönte durch die Wohnung.
„Miriam, bist du schon zu Hause?“, rief er überrascht.
Statt einer Antwort hörte er nur ein lautes Rumoren. Den Geräuschen folgend, kam er bis zur Tür des Abstellraumes.
Die Tür war nur angelehnt, und als Stefan sie aufschob, sah er seine Frau über ein Regal gebeugt, das am Boden lag. Sie hielt einen Schrauberzieher in der Hand und schimpfte vor sich hin: „Wie kann man eine dämliche Schraube nur so fest anziehen?“
Sie erschrak nicht schlecht, als sie hinter sich eine Bewegung verspürte. Miriam fuhr herum und sah sich ihrem Mann gegenüber, der nach dem Schraubenzieher griff. Er küsste sie und begann dann, die Schraube aufzudrehen.
„Mit Kraft, mein Liebling, mit viel Kraft.“
Seine Frau brach in Gelächter aus und schob sich eine widerspenstige Strähne aus dem Gesicht.
„Oh, du! Du hast mich erschreckt, weißt du das?“
„Tut mir leid, mein Engel! Aber du warst so in deine Arbeit vertieft.“ Stefan blickte sich in dem Zimmer um. In diesem Moment wurde ihm klar, was hier passierte. „Sag mal, was machst du hier überhaupt? Ich meine …“
Er stutzte. Sein Gesichtsausdruck wurde noch verwirrter, als sie ihn ansah und lächelte, dass es ihm beinahe das Herz brach.
