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Leben Sie bereits Ihr volles Potenzial? Die meisten von uns ahnen, dass sie noch nicht der Mensch sind, der sie sein könnten. Doch in einer Welt, die immer komplexer wird, voller Möglichkeiten, aber auch voller Herausforderungen, bleibt scheinbar kaum Zeit für die Suche nach uns selbst. Dabei ist es heute wichtiger denn je, dass wir unsere Bestimmung finden, die uns einen Halt und Orientierung gibt. Das bedeutet, die wesentlichen Fragen zu stellen: Wie nehme ich die Welt wahr? Wer bin ich? Was will ich wirklich? In diesem Buch erfahren Sie, wie Sie Ihre ganz eigenen Antworten darauf finden. Es werden die Fallstricke aufgezeigt, denen wir auf der Reise zu uns selbst begegnen, aber auch die Chancen, die wir nutzen können, um unser Leben aktiv zu gestalten. Praxisnahe Übungen, die Sie sofort umsetzen können, lenken Ihren Blick auf das, was Sie bisher vielleicht übersehen haben, und geben Ihnen Impulse für Veränderungen. Haben Sie den Mut und treffen Sie die Entscheidung für ein selbstbestimmtes Leben. Dann erfahren Sie in diesem Buch, wie Sie sich mit Ihrer Vergangenheit aussöhnen, wie Sie Ihren Werten folgen und wie Sie sich authentische Ziele setzen und diese auch erreichen. Lassen Sie sich inspirieren, Ihren Weg zu sich selbst zu gehen, den Weg der gelebten Erfahrung. Damit Sie werden, wer Sie sein können.
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Seitenzahl: 141
Veröffentlichungsjahr: 2021
Melanie Guth
Sinnerfüllt leben
Wie wir werden, wer wir sein können
Copyright: © 2021 Melanie Guth, AEVO Online GmbH
Umschlaggestaltung: Theodor Bayer-Eynck, Morian & Bayer-Eynck, Grafikdesign
Illustration: © Nicetoseeya/shutterstock
Lektorat: Eva Gößwein, Textstudio Gößwein
Buchsatz: Lektoratsservice Erik Kinting
Autorenfoto: Wolfgang Armbruster, Blendwerk Freiburg
Verlag und Druck:
tredition GmbH
Halenreie 40-44
22359 Hamburg
ISBN 978-3-347-20529-1 (Paperback)
ISBN 978-3-347-20530-7 (Hardcover)
ISBN 978-3-347-20531-4 (e-Book)
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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
INHALT
Vorwort: Vom Wert der gelebten Erfahrung
Noch sind wir nicht, wer wir sein können
Wie uns unsere Herkunft bestimmt
Wie wir ein Teil der Gesellschaft werden
Wie wir versuchen, unsere Individualität auszudrücken
Wie wir werden, wer wir sein können
Alles hängt davon ab, wie wir die Welt sehen
Warum wir unseren Erinnerungen nicht trauen können
Warum wir die Wirklichkeit nicht objektiv wahrnehmen
Warum Tatsachen noch keine Wahrheit garantieren
Warum wir selbst Ungewöhnliches oft einfach übersehen
Was wir wahrnehmen, wird ein Teil von uns
Wie wir uns unsere eigene Version der Wahrheit schaffen
Warum wir uns selbst nicht so wichtig nehmen sollten
Wie wir eine Version wählen, die uns stärkt
Wie wir Ereignissen ihre Bedeutung geben
Warum wir Verantwortung übernehmen müssen
Wo Licht ist, ist auch Schatten
Wie unser Schatten entsteht
Warum wir unseren Schatten nicht loswerden
Warum wir Bestätigung brauchen
Wie andere unsere Entwicklung beeinflussen
Wie wir uns mit unserem Schatten aussöhnen
Unsere Werte bestimmen unsere Identität
Wie Werte zu unserem Leitstern werden
Übung – Die eigenen Werte erkennen
Was klare Werte mit Fairness zu tun haben
Wie wir damit umgehen, dass andere Menschen andere Werte haben
Warum wir nicht versuchen sollten, andere zu ändern
Warum wir Geduld brauchen
Die Schätze unseres Lebensweges warten darauf, entdeckt zu werden
Warum sich der Blick in die eigene Vergangenheit lohnt
Übung – Die Perlenkette Ihres Lebens
Wie wir wirklich bedeutende Erinnerungen erkennen
Wohin uns unsere Lebensreise führt
Die Vergangenheit aufzuräumen schafft Freiraum
Wie wir Wiedergutmachung leisten und anderen vergeben
Übung – Ungleichgewichte ausgleichen
Wie wir uns mit dem, was uns umgibt, definieren
Warum Loslassen so wichtig ist
Authentische Ziele sind ein Ausdruck unserer Werte
Warum Ziele auf Werten beruhen sollten
Was ein gutes Ziel auszeichnet
Übung – Ziele formulieren
Drei Fragen bringen uns in Kontakt mit uns selbst
Frage 1: Wer bin ich?
Frage 2: Ist das, was ich wahrnehme, wahr?
Frage 3: Was will ich wirklich?
Wie uns die drei Fragen zu unserer inneren Freiheit führen
Die Frage nach dem Sinn führt uns zu unserer Bestimmung
Warum wir uns ausdrücken wollen
Warum es unsere Aufgabe ist, zu lehren
Wie wir auf unser Lebenswerk hinarbeiten
Wie wir in jedem Moment unser Bestes geben
Vorwort: Vom Wert der gelebten Erfahrung
Die Welt um uns herum verändert sich. Unser Leben und unsere Arbeit werden immer komplexer. Wir fühlen uns ohnmächtig, weil wir die Konsequenzen unseres Handelns immer weniger voraussagen können. Und auch, weil wir oft weitaus mehr Möglichkeiten haben, als wir nutzen können. Der einzige Halt, der uns jetzt noch bleibt, liegt in uns. Um das Potenzial, das in uns schlummert, jedoch auszuschöpfen, müssen wir uns besser kennenlernen und herausfinden, wer wir wirklich sind. Hier beginnt die Reise zurück zu uns selbst.
Wenn Sie sich selbst, Ihre Werte und Ihre Lebensvision kennen, hilft Ihnen das, Ihren eigenen Weg zu gehen und selbst dann Kurs zu halten, wenn sich um Sie herum alles verändert. Sie haben dann ein verlässliches Orientierungssystem, anhand dessen Sie authentische Entscheidungen treffen und umsetzen können. Genauso wie früher die Sterne den Seefahrern als Orientierungshilfe dienten, um die eigene Position zu bestimmen, ihren Kurs zu halten und ihr Ziel zu erreichen. Der Polarstern ist einer der wichtigsten Orientierungspunkte am Nachthimmel: Als Fixstern verändert er seine Position nicht und alle Sterne drehen sich im Laufe der Nacht um ihn herum. Als hellster Stern in seiner Umgebung ist er leicht zu finden und weist zuverlässig nach Norden. Die Fragen, um die sich dieses Buch dreht, erfüllen eine ähnliche Funktion wie der Polarstern. Es sind heute noch dieselben, die die Menschen seit Urzeiten beschäftigen: Wer bin ich? Was will ich wirklich? Wie erreiche ich das, was ich mir wünsche?
Ihre persönlichen Antworten auf diese Fragen werden Sie weder in diesem noch in irgendeinem anderen Buch finden. Angelesenes Wissen ist nicht so viel wert wie die eigene Erfahrung, denn es ist jederzeit austauschbar. Lesen Sie dennoch weiter, um das, was Sie in Ihrem bisherigen Leben erfahren haben, besser zu verstehen und um zu erfahren, wie Sie auf Ihrem weiteren Lebensweg anhand Ihres persönlichen Polarsterns navigieren können.
Lehren und Lernen sind untrennbar miteinander verbunden. Zuerst müssen wir die Erfahrungen selbst machen, wenn wir etwas verändern wollen. Sowohl bei uns selbst als auch in der Welt. Es gibt auch nicht nur einen richtigen Weg, eine Zauberformel, der es zu folgen gilt, oder eine Vorgehensweise, um zurück zu uns selbst zu gelangen. Es gibt unzählige verschiedene Wege und Herangehensweisen, um uns selbst näherzukommen. Wobei uns Wegweiser, Hilfestellungen und die Erfahrung von Menschen, die ihren Weg schon etwas weiter gegangen sind als wir, für unsere eigene Reise nützlich sein können. Doch selbst dann können Sie sich unterwegs verlaufen, Abkürzungen finden oder eine Pause machen, um sich auszuruhen. Es wird bei der Reise auch Verzögerungen und Hindernisse geben. Dinge, die Sie nicht erwartet haben, und doch werden Sie, selbst wenn Sie manchmal nicht den Eindruck haben, fast unmerklich weiter voranschreiten.
Als ich meine Reise begonnen habe, habe ich mich an den Erfahrungen derer orientiert, die den Weg vor mir gegangen sind. Je weiter ich meinen Weg gegangen bin, umso mehr habe ich meine eigenen Antworten gefunden. Ich habe gelernt, meiner eigenen Stimme zu lauschen und ihr zu folgen. Dabei bin ich auf meine eigenen Antworten gestoßen, die die Erfahrungen anderer immer mehr ersetzten. Das war für mich auch der Anlass, dieses Buch zu schreiben. Es ist meine gelebte Erfahrung. Was Sie nun auf den folgenden Seiten verdichtet vor sich haben, ist über eine lange Zeit hinweg entstanden. Tatsächlich sind oft Jahre vergangen, bis sich das eine oder andere so klar für mich gezeigt hat, dass ich es aufschreiben konnte. Meine Aufzeichnungen sollen Sie auf Ihrem Weg unterstützen.
Sie müssen sich natürlich nicht genau an das halten, was ich Ihnen berichte. Vielmehr hilft es, wenn Sie sich an den gern zitierten Ausspruch erinnern, dass die Landkarte nicht das Gebiet ist. Sie werden mit manchen meiner Ansichten übereinstimmen, mit anderen hingegen nicht. Und das ist auch gut so. Ich möchte Ihnen Fragen stellen und Impulse geben, damit Sie Ihre eigenen Antworten finden. Diese Antworten werden Sie vielleicht nicht direkt beim ersten Lesen wahrnehmen, doch wenn Sie sich weiter mit den Fragen beschäftigen, werden die Antworten irgendwann da sein. Und dann wird alles ganz klar.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihren Polarstern im Leben finden!
Ihre
Melanie Guth
Noch sind wir nicht, wer wir sein können
Wer könnten Sie sein, wenn Sie Ihr volles Potenzial leben? Wie können Sie dieser Mensch werden? Diese Fragen sind es, die Sie durch dieses Buch führen werden. Auch nach der Lektüre sollen Sie diese Fragen weiter begleiten. Denn zu werden, wer wir sein können, ist ein lebenslanger Prozess. Noch sind wir nicht, wer wir sein können. Wenn wir jedoch danach streben und diesen Weg gehen, bedeutet das, dass wir uns frei ausdrücken und dabei erfahren, was es bedeutet, glücklich zu sein. Wir leben mit unseren Worten und Handlungen in jedem Moment die Antwort darauf, was es bedeutet, wir zu sein.
Wir unternehmen bewusst die Reise unseres Lebens, die uns zurück zu uns selbst führt, indem wir uns zu einem unabhängigen, freudigen Menschen entwickeln. Zugleich verbessern wir auf dieser Reise unsere Beziehungen zu anderen Menschen.
Wenn wir unsere Lebensenergie stärken, sind wir in der Lage, alles, was diese Welt zu bieten hat, zu genießen und die Welt dadurch etwas besser zu machen. Gleichzeitig lösen wir uns von den gesellschaftlichen Erwartungen an uns, von unseren eigenen Vorstellungen, wie etwas zu sein hat, und von unserem Unglücklichsein. Wenn wir diesen Weg gehen, gewinnen wir Stück für Stück unsere Freiheit zurück und können eine Freude empfinden, die von uns selbst ausgeht und nicht von etwas abhängt, das außerhalb von uns liegt. Ab diesem Moment warten wir nicht mehr darauf, dass die Umstände um uns herum sich endlich ändern.
Doch um das überhaupt erkennen zu können, müssen wir uns weitgehend von den gesellschaftlichen Meinungen, von dem, was gemeinhin als „richtig“ anerkannt wird, und von unseren Vorstellungen dessen, was etwas bedeutet, gelöst haben. Ansonsten sind wir noch immer an unsere Interpretationen und Illusionen gebunden und daran, was alle anderen glauben, und wir handeln weiterhin so, wie es von uns erwartet wird. Erst wenn wir außerhalb dieses kollektiven Bewusstseins treten, können wir uns selbst klarer sehen und entsprechend handeln.
Wie uns unsere Herkunft bestimmt
Der überwiegende Teil unserer Ansichten, Gedanken und Gewohnheiten sowie die Art und Weise, wie wir die Welt um uns herum wahrnehmen, ist bestimmt durch die Kultur, die Gesellschaft und die familiären Strukturen, in denen wir aufgewachsen sind. In diese Strukturen werden wir hineingeboren. Seit unserer Geburt werden wir mit den Werten und Normen der Gesellschaft und der Kultur vertraut gemacht. In den ersten Jahren geschieht dies vorwiegend durch unsere Eltern und unsere Familie. Durch Imitation, Identifikation und Kommunikation lernen wir und wir gewöhnen uns an die geltenden Regeln. Diese Regeln zu kennen, ist die Voraussetzung dafür, dass wir uns in sozialen Gruppen überhaupt zurechtfinden und handlungsfähig sind. Viele der Bedeutungen, die wir den Dingen heute geben, haben wir nicht bewusst erlernt. Wir haben sie vielmehr durch unser Zusammensein mit anderen Menschen erlebt und von diesen übernommen. Dies geschieht ganz unbewusst, genau wie wir Sprechen und Laufen im Kleinkindalter unbewusst erlernt haben. So sind zum Beispiel die Worte der Sprache, die wir sprechen, Symbole, denen eine Bedeutung zugrunde liegt. Über diese Bedeutung besteht eine Übereinkunft, die wir kennen und anerkennen. Je mehr wir in die Welt um uns herum hineinwachsen und sie verstehen, umso mehr entwickeln ein Gefühl der Identität und des Dazugehörens.
Zum Zeitpunkt unserer Geburt und in unseren ersten Lebensjahren hatten wir keine Möglichkeit, selbst über viele Dinge zu entscheiden, die uns bis heute begleiten. Unseren Vornamen haben unsere Eltern für uns ausgesucht und unser Nachname zeigt die Zugehörigkeit zur Familie an. Mit unserer Geburt wurde die Staatsangehörigkeit festgelegt und damit viele unserer Rechte und Pflichten als Bürger. Zu welcher Glaubensgemeinschaft wir gehören, wurde zunächst ebenfalls meist durch unsere Eltern bestimmt und von den Strukturen des Landes, in dem wir leben, beeinflusst. Das sind alles Rahmenbedingungen, die unsere Identität und unsere Rolle bestimmen und manchmal ein ganzes Leben lang nicht überprüft oder geändert werden.
Wie wir ein Teil der Gesellschaft werden
In unserer Rolle treten wir in den Kontakt mit unserer Umwelt. Diese Rolle wird zu einem großen Teil von den Erwartungen unserer Mitmenschen an uns bestimmt. Das bringt es auch mit sich, dass wir in verschiedenen Lebenswelten unterschiedliche Rollen übernehmen. Dabei vergessen wir leicht, dass unsere Rollen eigentlich nur beschreiben, was wir tun, und nicht, wer wir sind. Wir sind der Rollenspieler und die Gesellschaft das Theater, das uns die Bühne gibt, auf der wir uns ausdrücken. Da jedoch das kindliche Spielen und die Erinnerung daran, dass es nur eine Rolle ist, während unseres Erwachsenwerdens immer mehr in den Hintergrund rücken, werden unsere Rollen zu unserer Identität. Irgendwann sind wir so mit unserer Rolle identifiziert, dass wir, wenn andere Menschen unsere Meinung nicht teilen, sogar deren Menschlichkeit übersehen, weil sie für etwas stehen, was wir ablehnen, und wir mit ihnen in Konflikt treten.
Die Mitglieder einer Gesellschaft haben gewisse Vorstellungen davon, was erstrebenswert ist und wie man handeln soll. Diese kollektiven Vorstellungen darüber, was gut und richtig ist, können bewusst oder unbewusst sein. Sie definieren die Werte und Normen einer Gesellschaft und schaffen eine Verbindung zwischen den Menschen.1
In unseren ersten Lebensjahren sind wir noch unbedarft in unserem Ausdruck in der Welt, doch wir merken schnell, dass unsere Handlungen Reaktionen bei anderen Menschen hervorrufen. Wenn wir etwas tun, was entsprechend den Wertvorstellungen als „richtig“ gilt, werden wir dafür gelobt oder belohnt. Wenn wir hingegen etwas tun, was nicht anerkannt ist oder als unerwünscht gilt, werden wir getadelt oder sanktioniert. Wir lernen also, dass unsere als „richtig“ geltenden Verhaltensweisen andere Reaktionen auslösen als Verhaltensweisen, die „falsch“ sind. Das führt dazu, dass wir ausprobieren, welches Verhalten gut ankommt und welches nicht. Wir finden heraus, was wir tun müssen, um nicht anzuecken. Irgendwann wollen wir dann mehr als nur nicht anecken – wir wollen von anderen anerkannt werden. Während wir lernen, uns anzupassen, baut unser Gehirn die Nervenbahnen ab, die wir nicht nutzen. Dadurch beginnen wir, alternative Möglichkeiten der Wahrnehmung auszuschließen.
Das mag nun, so betrachtet, eher negativ erscheinen. Doch dieser Prozess ist ebenso natürlich wie wichtig. So geben uns unsere Eltern auch die notwendige Stabilität. Eine solide Bindung zu einer Bezugsperson und Geborgenheit sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass wir uns trauen, im Kindesalter die Welt zu erkunden.
Bevor wir zur Schule gehen, beeinflussen uns überwiegend die Persönlichkeitsmerkmale und Ansichten unserer Eltern. Doch auch die Persönlichkeit und die Ansichten unserer Eltern sind auf vielfältige Weise durch soziale, politische und kulturelle Strukturen, etwa ihren Arbeitsplatz, Unternehmen, die Medien und ihre Erziehung sowie durch ihre eigenen Erfahrungen gelenkt.2 Zusätzlich wacht die Allgemeinheit über die Einhaltung der Regeln. Es wird von uns erwartet, dass wir uns daran halten, damit kein Ungleichgewicht in der Gruppe entsteht. Unsere Akzeptanz innerhalb der Gemeinschaft hängt davon ab, inwieweit wir bereit sind, die Normen einzuhalten und zu tun, was von uns erwartet wird.
Wenn wir erwachsen sind, haben wir die wesentlichen Regeln der Gesellschaft verinnerlicht und hinterfragen sie nicht mehr.
Als Teil einer sozialen Gruppe werden von uns, in Verbindung mit der Rolle, die wir übernehmen, bestimmte Handlungsweisen erwartet. Wir handeln in unserem Alltag ganz selbstverständlich nach diesen Regeln, oftmals ohne uns dessen bewusst zu sein. Entweder weil wir sie als sinnvoll erachten oder weil wir gelobt und nicht getadelt werden möchten und dazugehören wollen. Dabei ist es wenig relevant, ob die an uns gestellten Erwartungen mit unserem Wesen und unseren Wünschen übereinstimmen.
Doch die gesellschaftlichen oder individuell definierenden Werte, die den Regeln zugrunde liegen, haben keine allgemeine Gültigkeit. Sie variieren von Kultur zu Kultur, verändern sich im Laufe der Zeit und unterscheiden sich selbst von Familie zu Familie. Es ist die Bedeutung, die wir den Dingen zuweisen, die etwas als erstrebenswert definiert oder nicht. Die Regeln der Gesellschaft, in die wir geboren wurden, existierten bereits vor uns und sie werden auch noch nach uns bestehen – wenn auch vielleicht in veränderter Form, da einige Werte im Laufe der Zeit wichtiger oder unwichtiger werden oder sogar ihre Gültigkeit verlieren.
Je stärker wir unsere Bindung an die Gemeinschaft empfinden, umso mehr werden wir uns an die geltenden Regeln halten und darüber hinaus die Einhaltung dieser Regeln durch andere überwachen. Diese Zugehörigkeit zu einer Gruppe gibt uns Sicherheit.
Wie wir versuchen, unsere Individualität auszudrücken
Wenn wir uns diese Zusammenhänge vor Augen führen, dann wird deutlich: Auch wenn wir uns gern für einzigartig halten, so ist unser Ausdruck in der Welt und sind unsere Gedanken mehr durch unser Umfeld geprägt, als es uns lieb ist und als wir wahrhaben wollen. Unsere individuelle Identität ist in die kulturelle Identität eingebettet. In die Musik, die Sprache, die Kunst, die Religion und die Geschichte unseres Landes. Augenscheinlich drücken wir unsere Individualität durch unsere Kleidung, unseren Haarschnitt oder die Einrichtung unserer Wohnung aus. Das verhilft uns zu dem Gefühl, ein wenig über den anderen zu stehen. Individualität bedeutet jedoch nicht einfach, das Gegenteil von dem zu tun, was alle tun oder was von uns erwartet wird. Individualität ist der Ausdruck unseres Innersten. Dies auszudrücken ist aber mit dem Risiko verbunden, uns zu zeigen. Wir riskieren in dem, was wir sind, Ablehnung zu erfahren. Daher vermeiden wir es häufig, wirklich andere, eigene Wege zu gehen, und wir bleiben stattdessen nur im Rahmen dessen, was uns bekannt ist, was von uns erwartet wird und womit wir uns sicher fühlen. Wenn wir jedoch nur die eigene Erfahrung ständig wiederholen und alles, was um uns herum passiert, so zu interpretieren versuchen, dass es unserem Weltbild entspricht, dann können wir die Schönheit einer Situation, so wie sie ist und sich entfaltet, nicht wahrnehmen. Wir versuchen dann, die Situation zu ändern und unseren Vorstellungen anzupassen.
