Sinnsucher - Saskia Richter - E-Book

Sinnsucher E-Book

Saskia Richter

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Beschreibung

Sanne und Mirko, Claudia und Lukas, Maja und Micha sowie ein Unbekannter - sieben Menschen wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten und doch haben sie alle eines gemeinsam. Jeder von ihnen ist auf der Suche nach Sinn. Sinn in der Arbeit, Sinn in Beziehungen - ganz allgemein, Sinn im Leben. Aber der ist zwischen den Häuserschluchten von Frankfurt gar nicht so leicht aufzuspüren und verschwindet bereits hinter der nächsten Ecke, wenn die Protagonisten glauben, ihn gerade gefunden zu haben. Ob es Sinn macht dieses Buch als Anleitung für ein besseres, erfüllteres Leben heranzunehmen? Das ist jedem Sinnsucher selbst überlassen.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 36

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Wo ist der Sinn zu Hause?

Inhalt

Sinnsucher

Der gelbe Mantel

Brezeln essen Menschen immer

Immer wieder sonntags

Maja und Micha

Danksagung

SINNSUCHER

Sinnlos

Sitzengelassen auf blühender Wiese, mitten im Sommer.

Mein Sinn ging stiften. Ohne Vorwarnung.

Zurück blieb ich anonym und allein wandernd durch die Parks und Bäder der Stadt.

Übersehene Zeichen? Meine Reisen, meine Freunde, mein Spass,

mein Leben – meins, meins, meins.

Und der Sinn? Nur noch ein wages Bild in der Erinnerung.

Ich hatte zu ihm aufgeschaut, ihn um Rat gefragt. Jüngst hatte er stark abgenommen. Ein mickriger Schatten seiner selbst.

Sein Mass war voll – der Sinn war weg!

Sinnfrei

Nicht mehr alles stundenlang bedenken. Keine lästigen Fragen.

Freiheit!

«Das macht doch kein Sinn.» Musste er auch nicht.

Hat mich einfach sitzen lassen.

Den Freisinnigen steht die Welt offen. Zeit für noch mehr Unsinn.

Einsamkeit? Iwo, wir sind Hunderte, Tausende, Millionen – wir, wir, wir.

Und der Sinn? Er fing an mir zu fehlen.

Ich hatte mich an ihm festgehalten, mich an seine starke Schulter gelehnt. Jüngst war er ziemlich matt geworden. Schwachsinn.

Ich war voll – der Sinn war weg!

Sinnsuche

Wo ist der Sinn zu Hause? Wo würde er stiften gehen?

Wohin ich auch ging, überall dieselben Fratzen.

Gespenstisch und mit leeren Augen.

Hoch oben im Gebirge – kein Sinn.

Tief unten am Meer – kein Sinn.

Unter den Menschen: in Diskussionen und Vorträgen, in Museen und Theatern, bei Spiel und Spass – kein Sinn.

Und der Sinn? Er hatte diese Welt verlassen.

Wir hatten diskutiert, neue Perspektiven eingenommen.

Jüngst war er immer nachdenklicher geworden. Feinsinn.

Mein Kopf war leer – der Sinn war weg!

Sinnvoll

Wiedergefunden auf matschigem Feld, mitten im Spätherbst

Mein Sinn kam zurück. Ganz still und leise.

Zwar klein und etwas angeschlagen,

doch unverkennbar mein Sinn.

Lieber kleinsinnig als von Sinnen, fürs Erste.

Und der Sinn?

Zog eine halb volle Flasche «Stadtpalast’s» Süssmost aus seiner Manteltasche und prostete mir zu.

Die Flasche war leer – mein Sinn war wieder da!

«Lass uns zusammen stiften gehen»,

las ich in seinen funkelnden Augen.

DER GELBE MANTEL

Herbst 2018

Grau und schwer wie vollgesogene Wattebäusche hingen die Wolken über der Stadt. Sie tauchten die Strassen bereits um drei Uhr nachmittags in ein gespenstisch dunkles Licht, das alle Farben verschluckte.

In Heikendorf hatte Sanne den Regen geliebt. Fern von daheim machte er alles dunkel und verwaschen. Das Stadtleben war trist und teuer. Ihr spärliches Rezeptionistengehalt brachte sie in Frankfurt kaum über die Runden. Sanne vermisste die Sonne im Norden, die die Strassen ihrer Heimat in strahlend gelbes Licht tauchte. Sonnengelb gehörte in der Stadt nicht mehr zu den Farben ihres Lebens.

«Es tut mir leid, aber mehr als 40 Euro kann ich Ihnen für dieses alte Teil nicht geben.» «Schon gut!» Resigniert verliess Sanne das kleine Secondhand-Geschäft.

«Wie traurig das Mädchen ausgeschaut hat», meinte eine früh gealterte Verkäuferin zu ihrer Kollegin, als sie den strahlend gelben Mantel auf die Plastikbüste im Schaufenster drapierte.

Die Luft roch nach Herbst und frischer Currywurst. Als Mirko um die Ecke bog, riss ihm eine Böe das Basecap vom Kopf und wehte es in eine Pfütze, die sich vorm Eingang der Bäckerei Thomas, die er soeben passierte, gebildet hatte. Aus den Augenwinkeln konnte er erkennen, wie eine der Verkäuferinnen hinter der Theke im Inneren der Bäckerei ihn bemitleidenswert musterte. Scheisse, dachte er, was mache ich hier eigentlich? Dann bückte er sich, nahm die durchnässte Kopfbedeckung mit spitzen Fingern auf, schüttelte Wasser und Dreck ab, faltete das Cap und steckte es in seine Jackentasche. Der kalte Wind verwandelte sein freigelegtes oberes Ende in kürzester Zeit in eine Gefrierzone. Mirko fröstelte.

Er zog den Kopf zwischen die Schultern und steckte sich mit klammen Fingern eine Zigarette an. Wo war bloss dieser verdammte Laden? Er konnte sich doch genau erinnern, dass er letzten Freitag exakt hier Thomas gekreuzt hatte und am Schaufenster mit dem strahlend gelben Mantel vorbeigekommen war.