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Nach dem Ende einer langjährigen Beziehung scheint für Lia eine Welt zusammenzubrechen. Auf der Suche nach der Ursache ihrer großen und kleinen Dramen im Leben findet sie auf humorvolle Weise wieder zu sich selbst und schreitet stolz und frei ins Abenteuer "Leben". Allmählich gewöhnt sie sich an ihr "anderes Ich" und beginnt die Wunder der Erde zu sehen, diesmal mit ihren eigenen Augen. Aus scheinbar nebensächlichen Begegnungen entwickeln sich wertvolle Freundschaften. Trotz der unüberbrückbar geglaubten Differenzen zwischen ihr und dem anderen Geschlecht begibt sich Lia auf eine spannende Reise und versucht sich dabei von alten Verhaltensmustern zu lösen. Sie hält jedoch auch an virtuellen Gesprächen fest, die im Gegensatz zu realen Begegnungen stehen, und konstruiert sich dadurch eine Scheinwelt, die es im wirklichen Leben nicht gibt.
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Veröffentlichungsjahr: 2017
Stefanie Götzinger
Sinnvoller Zeitverlust
Stefanie Goetzinger
Sinnvoller Zeitverlust
Verlag INNSALZ, Munderfing 2017
Gesamtherstellung & Druck:
Aumayer Druck + Verlag Ges.m.b.H. & Co KG, Munderfing
Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist unzulässig und strafbar.
ISBN: 978-3-903154-27-8
www.innsalz.eu
Wieder einmal sitze ich mit einem unbekannten Mann in einem Café. Warum musstest du ihm auch deine Telefonnummer geben, wo du doch genau weißt, dass du dich nach einigen Minuten ‚Smalltalk‘ langweilst, hadere ich mit mir. Wenigstens kann ich mein Selbstmitleid für kurze Zeit vergessen. Diese Verabredungen häufen sich in letzter Zeit und einzig positiv daran ist, dass ich abgelenkt bin. Gibt es da noch jemanden, mit dem ich ein vernünftiges Gespräch führen kann? Wahrscheinlich liegt es an meiner Definition von Vernunft. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur zu anspruchsvoll. Ziehe ich immer das Gegenteil von dem an, was ich will? Und was will ich eigentlich? Einen unabhängigen, intelligenten, reichen, gutaussehenden, liebevollen, Kinder liebenden Mann? Das könnte ich ewig so weiterspinnen. Aber es ist eben nur eine Spinnerei und verdammt realitätsfern. Außerdem: Sollte ich nicht nur das fordern, was ich auch selber bieten kann? Was kann ich schon großartig bieten? Unabhängigkeit, Intelligenz und gutes Aussehen? So unabhängig bin ich nicht, oder warum mache ich mich gerade äußerst abhängig von meinen Gedanken? Gutes Aussehen ist Gott sei Dank Geschmackssache, und wer weiß, möglicherweise treffe ich den einen oder anderen Geschmack. Da mir in letzter Zeit sogar mein Hintern gefällt, nachdem ich einige Kummerkilos verloren habe, bin ich voll Hoffnung. Das ist aber leider auch schon der einzige positive Nebeneffekt meiner letzten Trennung. Auch der Verdrängungsmodus funktioniert langsam nicht mehr. Ich muss mich mit meiner Situation endlich abfinden. Moment mal. Geht das überhaupt so schnell? Wie soll ich mich denn damit abfinden, wenn ich mich noch nicht einmal damit auseinandergesetzt habe? Wie kommt es bloß zu dieser erneuten schmerzhaften Trennung in meinem Leben? Liegt das Problem etwa doch bei mir? Warum brauche ich das Gefühl so oft? Warum muss es immer wiederkehren? Woher kommen diese unerklärlichen Emotionen, mit denen ich alles mühevoll Aufgebaute wieder zunichtemache?
„Kann ich etwas für dich tun?“ Ich tauche verheult und benommen aus meinen Gedanken auf.
„Hmmm, wäre er doch gestorben, dann hätte ich jetzt weniger Sorgen.“
„Lia, du bist wirklich seltsam. Dann würdest du doch genauso trauern, oder?“
„Ja, schon, aber eine Trennung ist noch viel schlimmer, denn sie ist nicht endgültig. Er ist ja offiziell noch da, nur ich darf ihn nicht mehr sehen, nicht mehr anfassen, nicht mehr für ihn da sein. Wenn er tot wäre, dann käme auch kein Gedanke, ihn unbedingt noch erreichen oder zurückhaben zu wollen.“
„Du spinnst doch. Hör endlich auf, dich selbst zu bemitleiden. Das hilft dir nicht weiter.“
„Ich habe ein Recht darauf, zu trauern!“
„Natürlich hast du das, aber nicht monatelang!“ Meine Wohnungstür fällt ins Schloss, und ich lausche Margrets Schritten hinterher. Na super! Jetzt hat mich auch noch meine beste Freundin verlassen. Das Leben ist so ungerecht.
Die Umschreibung ,es wird einem das Herz herausgerissen‘ ist da noch milde formuliert. Wochenlang fühle ich den Schmerz in meiner Brust, als sei ein Fremdkörper implantiert worden, den mein Körper nun abzustoßen versucht. Nach weiteren Tagen in Embryostellung im Bett führt mich mein Weg in den nächsten Esoterikladen. Nachdem ich diesen halb leer gekauft habe, ist nicht nur mein Herz gebrochen, sondern auch noch meine Geldtasche leer. Alle Heilpraktiker und sonstigen Heiler können mir nicht helfen. Das ist nur ein weiterer Aufschub für die Herausforderung, mich meinen Problemen zu stellen. Es gibt immer noch Tage, an denen ich nicht einmal aufstehen kann. Die ganze Energie, die ich in meinen ‚Plan des Glücks‘ stecke, scheint mit einem Mal geplatzt zu sein. Ich komme mir vor wie ein unbedeutendes ‚Etwas‘, wie ein ‚Häufchen Elend‘ am Boden, der mir auch noch unter den Füßen weggerissen wird. Aber ist es nicht beschämend genug, meinen Glücksplan von einer anderen Person abhängig zu machen? Da ist sie wieder, diese Abhängigkeit. Ich bin alles andere als unabhängig. Die weisen Sprüche meines Umfelds geben mir den Rest. Ich bin gezwungen, mich mit mir selbst auseinanderzusetzen. In Wirklichkeit ist der Bruch doch auch eine Chance, mich neu zu orientieren. Eine Möglichkeit, die notwendige Kraft zu tanken für eigene Wege und Ziele. Wege ohne Mann an meiner Seite. Ich höre heute noch die negativen Stimmen bezüglich des männlichen Geschlechts. Lange Zeit wollte ich Scheidungsanwältin werden, um den Frauen letztlich alles zuzusprechen. Es wundert mich, wie ich trotzdem jahrelang gut mit einem Mann auskommen konnte. Ist es vielleicht sogar möglich, mit einem solchen Exemplar glücklich zu werden, oder werde ich noch zu einer Männer hassenden Verrückten? Ich denke jedenfalls nicht, dass ich mit einem Partner meine eigenen Ziele verwirklichen kann, aber die Frage stellt sich momentan sowieso nicht. Jetzt muss ich erst einmal alleine klarkommen.
Wie kann ich nur herausfinden, warum sich dieselben Vorgänge in meinem Leben immer und immer wieder wiederholen? Ich muss sie doch irgendwie vermeiden können. Aber wo ist da der Anfang und wo das Ende? Margret zerrt mich ins Auto, um noch die wichtigsten Dinge aus der Wohnung, in der ich mit meinem Exfreund gewohnt habe, zu holen.
„Jetzt ganz ruhig bleiben. Du holst dein Zeug, und dann sind wir wieder weg.“
„Er ist sowieso nicht da“, jammere ich.
„Warum musst du das auch unbedingt an den Feiertagen erledigen?“
„Feiertage hin oder her, für mich ist jeder Tag beschissen. Kuschelige Feiertage können mir gestohlen bleiben.“ Margret verdreht die Augen und sperrt die Wohnungstür auf.
„Komm, wir holen schnell die Sachen. Warum hat er sie denn nicht gleich vor die Tür gestellt? Wolltest du nicht ohnehin nur deine wichtigsten Unterlagen mitnehmen?“, fragt Margret. „Klar, der Rest kann mir gestohlen bleiben. Ich möchte nichts mehr, was mich an ihn erinnert.“
„Scheiße, Lia, sind das hier noch deine Klamotten und deine Zahnbürste?“
„Nein, verdammt. Ich glaube, seine Neue ist schon eingezogen. Das ging ja schnell. Ich bekomme gleich einen Anfall! Er hätte doch wenigstens heute die Sachen wegräumen können. Vielleicht hat er es auch mit Absicht hiergelassen.“
Bevor ich noch ohnmächtig werde, packe ich schnell alles in eine Kiste und wir fahren los.
„Jetzt ist es vorbei. Vielleicht hilft es dir, endlich damit abzuschließen.“
„Mir ist schlecht. Ich könnte kotzen. Fehlt nur noch, dass ich heute auch noch die alten Fotobücher hervorkrame und mich in den Schlaf weine.“
„Ich komme morgen wieder vorbei. Schlaf gut, Lia.“ Am Morgen danach öffne ich Margret die Tür, und sie muss mein verheultes Gesicht erneut ertragen.
„Du hast aber auch ein Händchen zur Selbstkasteiung. Hast du tatsächlich alle alten Fotobücher hervorgekramt? Komm, wir räumen jetzt den Krempel in den Keller. Alles, was dich irgendwie an ihn oder euch erinnert, wird sofort weggeräumt.“ „Hast du gesehen, wie sauber seine Wohnung ist? Putzt ihm diese Tussi da etwa auch hinterher, oder schafft er es auf einmal doch selbst?! Was neue Partnerinnen nicht alles bewirken können.“ „Ich wollte es dir eigentlich nicht sagen, aber er hat mich heute angerufen.“
„Was! Warum? Wann?“ „Na ja, er weiß ja, dass ich viele Kontakte habe, wegen Wohnungen und so.“ „Ja, und?“
„Er möchte die Wohnung vermieten, weil er sich beruflich verändert und umzieht.“
„Wohin? Mit ihr?“ „Ja, mit ihr, aber Genaueres weiß ich nicht.“
„Wie sieht er aus? Hat er sich die Haare schneiden lassen?“
„Keine Ahnung, wir haben nur telefoniert.“ „Typisch, alles ist möglich, jetzt, wo er nicht mehr mit mir zusammen ist. Als ich umziehen oder mich beruflich verändern wollte, fand er sämtliche Ausreden, warum das gerade jetzt nicht in Frage komme. Als ich sagte, dass er einen anderen Job brauche, hörte ich nur‚ so einfach sei das nicht. Toll, jetzt ist alles möglich. Warum war das bei mir nie so?“
„Ach, Lia, jetzt hör doch endlich mit diesen Spinnereien auf.“
„Ich habe einfach keine Lust mehr, Margret. Ich will nicht jemandem ‚helfen‘ endlich aufzuwachen und mutig Neues zu wagen und dann verlassen werden. Mein nächster Partner soll sich selbst entwickeln, oder noch besser, sich schon entwickelt haben, sodass ich nicht mehr ‚helfen‘ muss.“
„Du willst dir doch auch nicht ‚helfen‘ lassen, sondern so angenommen werden, wie du bist. Also lass die Männer so, wie sie sind. Wir gehen heute noch aus. Ich hole dich später ab, bevor du noch weiter in Selbstmitleid versinkst.“ „So verheult stelle ich mich in keine Bar!“ „In der Dunkelheit sieht dich sowieso niemand. Komm schon, ich brauche mal wieder etwas Spaß.“ „Schön, dass du das auch noch lustig findest!“ „Nein, aber ein paar neue Bekanntschaften tun dir gut.“
Es dauert nicht lange und die ersten Typen tanzen an. Allerdings sehr junge Typen. Was soll das? Na ja, für die Stärkung des Selbstwerts kann ich mich ein wenig mit ihnen abgeben. Es dauert sicher nicht lang. Auch der morgige Tag ist gerettet, denn ich muss meinen Kater ausschlafen und darf den ganzen Tag im Bett liegen bleiben. Schließlich habe ich einen Grund dafür. Ich verschlafe einfach die berühmten Trennungsphasen, von denen alle Beziehungsratgeber sprechen. Ich bin definitiv bereits in der ‚Wutphase‘ angekommen. Am liebsten würde ich meinen Exfreund überfahren. Wann komme ich endlich ins nächste Zeitfenster? Ich möchte nicht wütend sein.
Vor einigen Monaten verging die Zeit noch viel zu schnell. Jetzt kann ich die einzelnen Zeitfenster gar nicht schnell genug hinter mich bringen. Geduld ist nicht meine Stärke, und jetzt muss ich auch noch ein weiteres Zeitfenster einschieben. Das der Vergangenheitsbewältigung. Das passt gar nicht zu meinem momentanen Lebe-in-der-Gegenwart-Motto. Für einen ungeduldigen Menschen kann die Aufarbeitung der Vergangenheit ganz schön langwierig sein. Womit fange ich da bloß an? Bei meiner ersten Beziehung? Der ersten großen Liebe? Bei der Scheidung meiner Eltern?
Ich befinde mich nicht umsonst wieder in einem tiefen Loch. Aber ich kann mich an so vieles in meiner Vergangenheit überhaupt nicht mehr erinnern. Mühsame Rückführungen oder Psychoanalysen nehmen viel zu viel Zeit in Anspruch. Ein weiterer Zeitverlust kommt nicht in Frage. Da kümmere ich mich lieber um die Zeitfenster, in denen ich mich befinde. Der Schmerz ist immer noch da, aber ich bin definitiv über das Zeitfenster ‚Es nicht wahrhaben zu wollen‘ hinaus. Leider hält mich das Zeitfenster ‚Wut‘ noch immer fest umfangen. Ich bin wütend wie noch nie. Da besitzt der Wichtigtuer auch noch die Frechheit, mir vorzuschreiben, wie ich mich ihm und seiner Neuen gegenüber verhalten soll. Das kann ich selbst entscheiden.
Ich bin alt genug und will ohnehin nichts davon wissen. Gerade als ich mir vorstelle innerlich meine Zeitfenster zu bearbeiten, kommt der nächste Schlag ins Gesicht, der mich wieder auf den Boden der Tatsachen holt. Margret und ich gehen einkaufen und im letzten Moment, auf dem Weg zur Kasse, treffe ich meinen Ex Hand in Hand mit seiner Neuen. Da ist er wieder, dieser grausame Schmerz in der Brust und der Stich mitten ins Herz. „Durchatmen. Jetzt hast du es schwarz auf weiß. Du musst es also wahrhaben wollen, Lia. Lenk dich ab. Zur Überbrückung hast du doch ein paar Verehrer.“
„Leider, denn kaum hat sich herumgesprochen, dass ich wieder zu haben bin, klopfen alle möglichen Typen bei mir an. Aber das ist alles Müll, die will ich nicht. Wenigstens meine Freunde könnten so respektvoll sein und meine Kontaktdaten für sich behalten.“
„Das tut deinem Selbstvertrauen gut, und wenn es dir besser geht, kannst du sie immer noch zum Teufel jagen. Außerdem würde ich den ein oder anderen nicht von der Bettkante stoßen.“ „Du hast recht, wenigstens werde ich noch begehrt. Zwar von den Falschen, aber dafür bin ich abgelenkt.“ „Gibt es den Typen mit den Tierbildern noch?“
„Ja, der glaubt auch, dass Frauen, wenn er ihnen Bilder von süßen Katzen und Kommentare dazu schickt, mit ihm in die Kiste springen.“ „Aber die Katzenbilder waren wirklich süß.“ „Ich mag keine Katzen, und blöde Kommentare mag ich auch nicht.“ „Du magst momentan überhaupt nichts, Lia. Ganz egal, was der Typ macht.“ „Nein, da liegst du falsch. Ich wünsche mir nur etwas mehr Originalität.“
Sämtliche Erinnerungen kommen in mir hoch. Ich entdecke die Muster, welche sich durch mein Leben ziehen. Mittlerweile habe ich beschlossen, die Scheidung meiner Eltern gedanklich einzubeziehen, aber mich vorerst nicht damit abzumühen. Wenn jedes Scheidungskind beziehungsunfähig wäre, dann gäbe es nur noch wenige Beziehungen. Da fällt mir ein, dass ich in meiner Vergangenheit schon unzählige Fluchtgedanken wälzte. Ich denke gerade jetzt wieder darüber nach, diesem Kontinent den Rücken zu kehren. Wie oft in meiner Vergangenheit war das schon der Fall? Für einige Wochen, Monate, am liebsten Jahre abzutauchen. Wohin? Ganz egal. Auch wenn alles perfekt ist, flüchte ich gern. Schon während meiner ersten langen Reise war ich in einer Partnerschaft. Ich musste mir auch ein ‚Landei‘ als Partner suchen. Natürlich hat jemand, der nichts weiter als Saufurlaube mit seinen Freunden im Kopf hat, keine Ahnung von der großen weiten Welt. Dass er also nicht gerade erfreut von meinen Plänen war, hätte ich mir gleich denken können. Unbeirrt davon, machte ich mich damals auf den Weg. Da war sie zum ersten Mal, diese ‚Leere‘ in mir, die ich glaubte, woanders füllen zu können. Und so beginnt auch meine eigentliche Geschichte. Dummerweise hat sie einen Haken. Ich glaube immer an ein Beziehungscomeback. Meine Partner nicht. So vielversprechend meine Reise auch meist beginnt, so tragisch endet sie. Anfangs schicken wir uns Briefe, berichten von alltäglichen Erfahrungen und sind davon überzeugt, dass es auch nach der Auslandszeit eine Zukunft gibt. Doch dann erfahre ich, dass sich die Männer ihre Zukunft bereits anders gestaltet haben. Mit einem billigen Abklatsch oder einer „Ersatzlia“. Obwohl ich bis zu einem gewissen Grad sogar Verständnis dafür aufbringe, da ich ja diejenige bin, die wegläuft. Trotzdem kann ich es nicht vergessen, und so bleibt ein fader Beigeschmack, der einfach nicht verschwinden will.
Nach meiner ersten großen Verletzung wünschte ich mir einen Mann, der mich besser behandelte. Dieser neue Mann ließ nicht lange auf sich warten. Nicht einmal am Arbeitsplatz war ich sicher. Dort passierte es. Ich konnte nicht oft genug in seiner Nähe sein. Er war gebildet und hatte schon mehr gesehen als den Hausmeisterstrand in Italien. Die ersten Jahre waren perfekt. Ich gefiel ihm, egal wie ich mich angezogen oder benommen habe. So manche Peinlichkeiten fand er süß. Das will was heißen. Aber schon bald stand auch diese Beziehung auf der Probe. Ich begann nach etwas zu suchen, das ich mir selbst nicht erklären konnte. Kurz gesagt: Ich wollte wieder weg. Nichts konnte mich halten. Ich wollte diesmal alles richtig machen und beweisen, dass, wenn er der Richtige ist, auch die räumliche Distanz nichts ausmachen darf.
Wir schienen es wirklich zu schaffen. Zumindest sah es anfangs danach aus. Aber schon nach einigen Monaten hielt die Beziehung den vielen Diskussionen, die oft mit dem Ausland zu tun hatten, nicht stand. Hier bin ich nun, am Höhepunkt meines tristen Lebens angelangt, auf einer weiteren Reise. Nur diesmal nicht in ein fernes Land, sondern auf der Reise zu mir selbst. Vielleicht brauche ich diese Erfahrung. Die Ungewissheit, welche ich schon als Teenager anpeilte, um jetzt, in meinen besten Jahren, wieder von ihr eingeholt zu werden.
