Sketsch und Co - Gerhard Iwin - E-Book

Sketsch und Co E-Book

Gerhard Iwin

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Beschreibung

"Sketsch. Ein tragischer Untergang in komischen Szenen" stellt den Lebensweg eines Schauspielers in Sketches dar, in denen er mitwirkt. Jede einzelne Szene ist ein Mosaiksteinchen, aus dem man den Fortgang der Handlung erkennen kann. "Die Kandidaten" ist eine Polit-Satire. In einem ländlichen Wahlkampf ist ein Fehler passiert, der den Kontrahenten unterschiedliche Vor- und Nachteile bringt. Ein Stück für einen Schauspieler und eine Schauspielerin, die je drei Rollen spielen.

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Seitenzahl: 131

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhalt

Sketsch

Die Kandidaten

Sketsch

Ein tragischer Untergang in komischen Szenen

Personen

Bernhard Grosser, Schauspieler

Anna, Bernhards Frau

Paul, Psychologe

Lisa Meinhard, Schauspielerin

Gustav, Theaterregisseur

Monika, Gustavs Assistentin

Berta, Schauspielerin

Gerhard, Schauspieler

Hans, Schauspieler

Xaver Holzer, Fernsehregisseur

Max, Xavers Assistent

Amanda Röder, Schauspielerin

Robert, Schauspieler

Boris, Berufslacher

Peter, Berufslacher

Franz, Schauspieler

Karl Korner, Schauspieler

Helga, Frau von Karl Korner

Fritz, ein Schulfreund Bernhards

Krankenschwester, Bühnenarbeiter, zwei Sargträger

Alkohol, ein charmant-fratzenhafter Geist

Zum Stück:

Die einzelnen Szenen spielen teils auf der Bühne, teils im wirklichen Leben;

sie sind in sich geschlossen und können daher unabhängig voneinander gelesen werden;

gleichzeitig aber ergibt sich aus dem Gesamtzusammenhang ein Blick auf das Leben des Hauptdarstellers;

Bernhard Grosser spielt unterschiedliche Rollen in Sketches, die sein Leben spiegeln.

* * *

Vorspiel:

(Vorhang auf. Ein schwacher Spot auf Bernhards Gesicht. Er wirkt jung und unbekümmert, rezitiert Goethe)

BERNHARD:

Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten, die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt. Versuch’ ich wohl, euch diesmal festzuhalten? Fühl’ ich mein Herz noch jenem Wahn geneigt? Ihr drängt euch zu! Nun gut, so mögt ihr walten, wie ihr aus Dunst und Nebel um mich steigt; mein Busen fühlt sich jugendlich erschüttert vom Zauberhauch, der euren Zug umwittert.

(Das Licht wird schnell eingezogen)

Beim Zahnarzt

(Theaterprobe. Links auf der Bühne ein kleines Zimmer mit Türen, aber ohne Wände; markiert: ein Wartezimmer beim Zahnarzt; darin ein Tischchen, ein Sessel für die Sprechstundenhilfe und Sessel für die Patienten. Das Zimmer ist stark beleuchtet, die übrige Bühne schwach. Berta als Sprechstundenhilfe und Hans als Patient sitzen im Zimmer. Auf der übrigen Bühne warten Gerhard und Bernhard auf ihre Auftritte. Etwas rechts vom Zimmer sitzt der Regisseur Gustav. Seine Assistentin Monika hantiert an einem Tonwiedergabegerät herum, von dem sie dann später einen Schrei abspielen wird)

HANS: Schwester, ich sterbe!

BERTA (beschäftigt sich mit der Kartei): Das werden Sie schon besser dem Doktor überlassen müssen!

HANS: Aber ich warte schon so lange!

BERTA: Ach was, Sie werden schon nicht sterben.

(Gerhard stürzt ins Zimmer)

GERHARD: Wer war der Erste? (Zu Hans) Sie! Sie müssen mich vorlassen! Ich habe die ganze Nacht nicht schlafen können!

HANS: Na und? Ich muss neu ausmalen lassen!

GERHARD: Warum?

HANS: Weil ich die Wände hochgegangen bin!

GERHARD: Schwester! Sie müssen etwas tun!

BERTA: Schreien Sie nicht herum! Sehen Sie nicht, dass ich etwas tue?

GERHARD: Lassen Sie mich vor!

BERTA: Ich lasse Sie vor, wenn die Reihe an Ihnen ist.

GERHARD: Wollen Sie mich heiraten? Sie lassen mich vor und nachher heiraten wir!

BERTA: Eine Zahnarztassistentin heiratet nicht. Sie kennt die Männer.

HANS (fühlt sich angesprochen): Eine Frau kann unmöglich solche Zahnschmerzen haben!

GERHARD: Das stimmt. Dafür kann sich ein Mann abreagieren, indem er andere Männer niederschlägt.

HANS: Vorsicht! Mit Zahnschmerzen bin ich ein Tiger! GERHARD: Und ich bin ein ganzes Rudel von Tigern!

BERTA: Das Mitbringen von Tieren in die Ordination ist verboten.

(Bernhard tritt auf)

BERNHARD (gefasst): Guten Tag, meine Herr’n. Würden Sie mich bitte vorlassen? Ich habe nämlich Zahnschmerzen.

GERHARD: Ich bin ein Rudel von Tigern! HANS: Ich bin eine unübersehbare Masse von Tigern!

BERNHARD: Wussten Sie, dass es hier in der Gegend nur so gewimmelt hat von Tigern? Bis jemand etwas erfunden hat: die Pistole! (Er greift in seine Rockinnentasche)

GERHARD: Herr! Ich bin ein Mann!

HANS: Mann! Ich bin ein Herr!

GERHARD: Ich sterbe lieber, bevor ich zugrunde gehe!

HANS: Ich war als Erster hier! Ich bestehe auf meinem Recht!

GERHARD: Ich auch! Ich bestehe auch auf seinem Recht!

BERNHARD: Nun, meine Herren, wir leben in einer Zeit, in der sich sehr oft das Recht der Gewalt beugen muss.

(Bernhard beginnt die Hand aus der Rocktasche zu ziehen. Monika spielt am Tonband einen fürchterlichen Schrei. Die drei Männer erstarren ängstlich)

BERTA: Das war der Nerv. (Sie geht durch eine Tür ab und bleibt draußen wartend stehen)

HANS: Ich habe Familie. Ich weiche der Gewalt.

GERHARD: Das ist kein Argument. Ich habe keine Familie und weiche auch der Gewalt.

BERNHARD: Welcher Gewalt? (Er zieht die Hand aus der Tasche)

GERHARD: Wo ist Ihre Pistole?

BERNHARD: Welche Pistole?

GERHARD: Sie sind ein Feigling!

BERNHARD: Ich?

GERHARD: Wenn Sie kein Feigling wären, würden Sie mich jetzt mit der Pistole bedrohen!

BERNHARD: Wozu denn? Wo ich doch überhaupt keine Zahnschmerzen habe!

HANS: Meine sind auch weg.

GERHARD: Sind Sie nicht die Wände hochgegangen?

HANS: Ja, ja, diese neuen Tänze werden immer verrückter. – Aber Sie haben doch die ganze Nacht nicht schlafen können!

GERHARD: Weil ich einige Freundinnen bei mir hatte.

(Wie auf Kommando drängen alle drei zur Tür, die hinausführt, und behindern sich dabei gegenseitig)

HANS: Lassen Sie mich vor! Ich war der Erste!

GERHARD: Ich bin ein Rudel von Tigern!

BERNHARD: Vergessen Sie nicht, ich habe eine Pistole!

HANS: Herr! Ich bin ein Mann!

GERHARD: Mann! Ich bin ein Herr!

(Berta tritt ins Zimmer)

BERTA: Der Nächste, bitte!

MONIKA: Licht aus!

(Die Schauspieler werden lockerer und schlendern langsam auf den Regisseur zu. Monika dreht ein Licht auf, sodass auch die übrige Bühne heller wird)

GERHARD (zu Hans): Ich weiß nie: Mann, ich bin ein Herr – Herr, ich bin ein Mann.

(Hans lacht)

BERNHARD: Was war denn das für ein Schrei heute?

MONIKA: Den haben wir geändert.

BERNHARD: So? Haben Sie? Und keiner sagt mir was! Sie können doch auch nicht Zucker statt Salz nehmen, wenn Sie kochen! Wenn Sie überhaupt kochen können!

GUSTAV: Lass doch! Ich hätte es dir sagen müssen.

BERNHARD: Und sie? Wozu ist sie dann da? Zum Kaffeekochen?

GUSTAV: Bitte!

GERHARD: Man hätte es ihm sagen müssen! Dann hätte er seine Rolle anders angelegt – hintergründiger!

BERNHARD: Ja, ja, dir kann’s ja egal sein, du hast sowieso immer nur einen Ton drauf. Aber Text Auswendiglernen macht noch keinen Schauspieler.

GERHARD: Du solltest ans Burgtheater gehen. Oder als Serienstar zum Fernsehen – ist ja dein großer Traum.

BERNHARD: Und du solltest abgehen von der Bühne und wirklichen Talenten nicht den Weg verstellen.

(Gerhard lacht unbekümmert)

HANS (leise zu Berta): Ist er immer so?

BERTA (leise): Wahrscheinlich hat er heute noch nichts getrunken.

GUSTAV: Vierzehn Uhr, Herrschaften! Ende der Probe.

(Allgemeiner Aufbruch nach rechts; Bernhard, umherblickend, etwas langsamer. Gerhard geht nach links, um seine Aktentasche zu holen)

BERNHARD: Wer geht mit in die Kantine? (Keine Reaktion) Gustav!

GUSTAV (bleibt stehen): Ja?

BERNHARD: Könntest du mir vielleicht mit einer Kleinigkeit aushelfen?

GUSTAV: Ich hab dir doch gestern erst was geborgt.

BERNHARD: Gestern …

GUSTAV: Du solltest eben nicht immer das ganze Lokal einladen, sobald du einen Schluck getrunken hast.

BERNHARD: Ich mag eben die Menschen.

GUSTAV: Wie schön für dich.

(Gustav lässt Bernhard stehen und geht ab. Im Hintergrund geht Gerhard von links nach rechts. Bernhard geht zu ihm und legt ihm den Arm um die Schulter)

BERNHARD: Gerhard, mein Freund. Komm, gehen wir einen Schluck trinken.

GERHARD (peinlich berührt): Du, heute geht’s nicht, ich hab noch Rundfunk …

BERNHARD: Ach was, ein paar Minuten wirst du schon noch Zeit haben. Erinnerst du dich noch …

GERHARD: Wirklich, es geht nicht. (Er geht schnell nach rechts ab)

BERNHARD: Geht denn keiner mit Bernhard Grosser in die Kantine? … Bernhard Grosser geht allein. Er braucht euch nicht, ihr Arschlöcher! (Er geht nach rechts ab)

(Links wird das Wartezimmer schon für die übernächste Szene umgebaut. Auf die rechte Bühnenhälfte wird ein Doppelbett hingestellt. Anna legt sich hinein)

Zu Hause

(Dunkel. Anna liegt im Doppelbett und schläft. Licht nur auf dem Bett. Bernhard kommt laut, polternd, rülpsend nach Hause. Anna erwacht rasch)

ANNA (zornig): Du bist der rücksichtsloseste Rüpel, den es gibt! Kannst du nicht einfach ins Bett fallen und losschnarchen wie andere Säufer auch?!

BERNHARD (mit der Drolligkeit eines Betrunkenen): Pscht!

ANNA (steht auf): Du weißt genau, dass ich nicht mehr schlafen kann, wenn man mich aufweckt! Wenigstens das! Es ist mir egal, wo und mit wem du dich herumtreibst. Von mir aus kannst du auch ganz wegbleiben. Aber schlafen sollst du mich lassen!

BERNHARD: Kein Säufer …

ANNA: Ich muss nämlich wirklich etwas leisten in meinem Beruf!

BERNHARD: Kein Säufer …

ANNA: Du solltest dich sehen können! Wenn es dir schon egal ist, dass sich dein Gehirn langsam auflöst, dein Aussehen sollte dir nicht egal sein! Total verkommen. Aber das spielt wahrscheinlich sowieso keine Rolle bei euch auf der Schmiere.

BERNHARD: Cabaret, Boulevard – die Hohe Schule der Schauspielkunst.

ANNA: Das hat aber vor einiger Zeit ganz anders geklungen! Du warst überhaupt ganz anders, bevor du bemerkt hast, dass man auch in deinem Beruf Selbstüberwindung braucht.

BERNHARD: Wer kann Pointen setzen, wer? (Er schläft schnarchend ein)

ANNA: Wir wissen ja, dass sich alle gegen dich verschworen haben. Wir wissen ja, dass du nur säufst, weil man dein Genie nicht anerkennt. Es tut ja so weh, wenn einen die Leute auf der Straße nicht erkennen! Übrigens ist man deinem verkannten Genie schon auf der Spur. Das Fernsehen hat heute angerufen – wegen irgendeiner Rolle in einer Serie.

(Bernhard ist plötzlich hellwach und völlig nüchtern. Er springt auf und streicht die Decke zurecht)

BERNHARD: Das Fernsehen? Wäre schön, wenn da endlich was dabei herauskäme. (Er legt sich wieder hin) So komm doch endlich ins Bett, ich brauche meinen Schlaf.

Beginn einer Fernsehserie

(Auf der linken Bühnenhälfte ist das Büro des Fernsehdirektors Bolz aufgebaut, den Robert spielt. Bernhard spielt den Schauspieler Moll, dem Bolz eine Rolle in einer Serie zugedacht hat)

ROBERT (telefoniert): Ja, ja, das war ja auch geplant: ein beinharter Bericht über Alkoholismus. Aber es ist etwas durchgesickert … die Weinbauern, die Vereinigung der Gastwirte, die Brauereien, der Fremdenverkehr sowieso … Selbstverständlich nehmen wir noch immer den Sendeplatz wahr. Ein beinharter Bericht über die Blumenzüchter im Bergland! … Ja … ja … Grüß dich. (Er legt auf)

WEIBLICHE STIMME (aus der Gegensprechanlage): Herr Moll ist da.

ROBERT: Ah, herein mit ihm!

(Robert steht auf und geht Bernhard entgegen. Dieser trägt ein Drehbuch unterm Arm. Er benimmt sich sehr blasiert)

ROBERT: Herr Moll! Pünktlich wie die Uhr!

BERNHARD (herablassend): Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige. (Er setzt sich unaufgefordert)

ROBERT: Nun, Herr Moll, was sagen Sie zu unserer Idee? Weg von den ewigen Krimis und Problemsendungen, hin zur Unterhaltung …

BERNHARD: Ich weiß. Ich habe das Drehbuch gelesen. ROBERT: Natürlich. Und wie hat es Ihnen gefallen?

BERNHARD: Wie soll ich sagen? Heutzutage kann ja kein Mensch mehr Drehbücher schreiben. Wir Spitzenschauspieler werden ständig zu Texten gezwungen, die weit unter unserem Niveau liegen. Aber sonst: nett, ganz nett.

ROBERT: Sie werden also die Rolle übernehmen?

BERNHARD: Nun – natürlich müssen noch einige Punkte bereinigt werden. In diesen Dialogen knistert ja das Papier …

ROBERT: Das können Sie ja dann alles mit dem Regisseur …

BERNHARD: Werde ich, lieber Herr Bolz, werde ich. Auch für den Fall, dass er sogenannte Einfälle haben sollte. Heutzutage kann doch kein Mensch mehr Regie führen. Alles so herum (Er führt die rechte Hand über seinen Kopf an die linke Schläfe).

ROBERT: Als Regisseur ist ein sehr guter Mann geplant, der auch schon bisher …

BERNHARD: Das macht nichts, man hat ja Gott sei Dank seine Erfahrungen. Ich spreche hier nur vom Text. Wenn ich nicht irre, ist die weibliche Rolle doch ein wenig größer. Und erst ihre Pointen! Die sind nicht zum Lachen, die sind lächerlich! (Er sucht und findet eine Stelle im Drehbuch) Hier! Sie sagt zum Beispiel – sie hat mir gerade ein angebranntes Schnitzel serviert – ich sage: „Dieses Schnitzel ist angebrannt, es ist direkt schwarz.“ (Fast angewidert) „Direkt schwarz.“ Und sie sagt darauf: „Na und? Black is beautiful.“ Also wissen Sie – nein. Das ist doch keine Pointe …

ROBERT: Nun, lieber Herr Moll, über diese Details …

BERNHARD (ohne auf Robert zu achten): Bitte, man könnte es eventuell belassen. Ich könnte es ja sagen. Sie bringt mir das Schnitzel, und ich sage: „Dieses Schnitzel ist angebrannt, es ist direkt schwarz. Aber mach dir nichts draus, Liebling, weil black is beautiful.“ Ich schaue sie gütig an, und sie schleicht beschämt hinaus …

ROBERT: Nun, wie gesagt, lieber Herr Moll, das können Sie alles mit dem Regisseur und mit Ihrer Partnerin be...

BERNHARD: Apropos Partnerin – ich habe darüber nachgedacht, aber mir ist beim besten Willen keine Kollegin eingefallen, die wirklich …

(Amanda stürzt eilig herein)

AMANDA: Guten Tag, lieber Herr Bolz. Hoffentlich komme ich nicht zu spät.

ROBERT: Aber ich bitte Sie …

AMANDA: Sie wissen ja: Termine, Termine, Termine …

ROBERT: Das macht doch nichts. Darf ich vorstellen: Herr Moll – Frau Doll.

AMANDA: Freut mich. – Was ich mich heut schon abgehetzt habe! Also kommen wir gleich zur Sache. Ich nehme an, Ihre Schreibkraft (sie meint Bernhard) ist informiert, ich kann also frei sprechen. Im Großen und Ganzen ist das Drehbuch in Ordnung. Es ist nur eine Frage der richtigen Besetzung …

BERNHARD: Mein Name ist Moll!

AMANDA: Aber ja, das weiß ich doch. Herr Bolz hat Sie mir ja gerade vorgestellt. Ich vergesse niemals einen Namen oder ein Gesicht. (Zu Robert) Die große Frage wird sein, wer mein Partner ist. Ich stelle ihn mir jung vor, hünenhaft, blauäugig, knackig.

ROBERT: Knackig?

BERNHARD: Knackig. Da muss ich Ihnen aber schon sagen, dass ein Mann in den besten Jahren …

AMANDA: Ha! In den besten Jahren! Aber nur im Märchen! Sind doch alle kaputt ab dreißig.

ROBERT: Darf ich Ihnen nochmals Herrn … Herrn …

BERNHARD: Moll!!

ROBERT: Herrn Moll vorstellen …

AMANDA: Ja was denn? Ist das ein neues Spiel?

ROBERT: Er ist als Ihr Partner …

AMANDA: Was?!

ROBERT: … vorgesehen …

AMANDA: Oh! … Nun … (zu Bernhard) Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, lieber … Kollege … (zu Robert) Ich dachte, zwei Spitzenschauspieler …

BERNHARD: Ich muss schon sagen, mein liebes Fräulein …

AMANDA: Frau.

BERNHARD: Meine liebe Frau – wie war doch gleich der Name?

AMANDA: Doll.

BERNHARD: Aber natürlich! Ich hab Sie doch schon im Fernsehen gesehen. In einer Reklamesendung für Unterwäsche, glaube ich. Oder war’s irgendwas für Körperenthaarung?

AMANDA: Also das ist … Ein einziges Mal hab ich Werbung gemacht, und zwar für eine Schönheitscreme. Und auch nur, weil ich von dieser Creme wirklich überzeugt war.

BERNHARD: Dann würde ich an Ihrer Stelle die Creme auch verwenden.

AMANDA (beherrscht sich; zu Robert): Also wie gesagt: ein Schauspieler von Format – sonst mache ich es nicht. (Bernhard lacht) Warum lachen Sie so gekünstelt?

BERNHARD: Liebe Frau Dollinger, ich kann mich nicht erinnern, in den letzten zwanzig Jahren irgendetwas anderes als Hauptrollen gespielt zu haben. Und immer zusammen mit richtigen Schauspielerinnen!

AMANDA: Ich habe die Julia gespielt!

BERNHARD: Armer Romeo.

AMANDA (zu Robert): Also: Sie suchen mir jetzt einen Partner. Er darf nicht gekünstelt sein, und nicht abstoßend. Sie rufen mich an, sobald Sie einen gefunden haben. (Sie will weg)

ROBERT: Aber liebe gnädige Frau! Sie beide waren meine ganze Hoffnung!

AMANDA: Adieu!

BERNHARD (ironisch): Das Leben spielt uns dort die Streiche, wo wir am hoffnungsvollsten sind.

ROBERT: Ich bitte Sie!

(Amanda kommt zurück)

AMANDA (zu Bernhard): Was haben Sie da eben gesagt?

BERNHARD: Ich? Armer Romeo!

AMANDA: Nein, jetzt eben.

BERNHARD: Ich sagte: Das Leben spielt uns dort die Streiche, wo wir am hoffnungsvollsten sind.

AMANDA: Aus welchem Stück ist das?

BERNHARD: Das ist von mir.

AMANDA: Von Ihnen?

BERNHARD: Ja. Oder stimmt es etwa nicht?

AMANDA: Doch. Hundertprozentig.

BERNHARD: Ich denke oft über das Leben nach. Die Zeit heilt alle Freuden.

AMANDA: Das ist wahr. Ich denke auch oft über das Leben nach.

BERNHARD: Leben ist Leiden!

AMANDA: Ja!

BERNHARD: Die Wahrheit ist oft grausam.

AMANDA: Das stimmt. Und erst die Menschen … Der Mensch ist der Folterknecht des Menschen!

BERNHARD (zustimmend): Er ernährt sich vom Blut seines Nächsten.

AMANDA: Er erfreut sich an den Qualen seines Bruders!

BERNHARD: Keine Gemeinheit ist ihm widerwärtig genug.