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Was ist Wahrheit, was Fiktion, Rebekka ist sich ihrer nicht mehr bewusst. Für sie ist eine Welt zusammengebrochen, seitdem Steven, ihr Bruder, nicht mehr da ist. Doch sie gibt nicht auf, aber wo fängt die Wirklichkeit an und wo endet sie?
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Seitenzahl: 59
Veröffentlichungsjahr: 2017
ASTRID KLAMMER
© 2017 Astrid Klammer
Umschlag, Illustration: Katharina Kempka, Melanie Linka
Lektorat, Korrektorat: Holger Klammer
Verlag und Druck: tredition GmbH, Grindelallee 188, 20144 Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-7439-5119-8
Hardcover:
978-3-7439-5120-4
e-Book:
978-3-7439-5121-1
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich ge-schützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öf-fentliche Zugänglichmachung.
Dieses Buch ist meinen Söhnen Chris und Cedric gewidmet. Ich liebe euch.
Herzlichen Dank an meinen Lektor, meinem Seelengefährten, der auch gleichzeitig mein Ehemann ist, für seine Geduld und Zuversicht. Ich liebe dich.
Mein Dank richtet sich auch, insbesondere für die Unterstützung bei den Illustrationen, an Katharina Kempka, Betriebswirtin und Hobbykünstlerin,sowie an Melanie Linka (www.melanielinka.de), Schauspielerin und Schauspieldozentin.
Danke an Birgit und Kerstin, die immer ein offenes Ohr für mich hatten.
Es war Vollmond, und Rebekka konnte auch wie in so vielen Nächten zuvor nicht einschlafen.
Zwischendurch vielen ihr immer wieder die Augen zu, doch ihre Eltern unten im Wohnzimmer brüllten sich mal wieder an, sodass an Schlaf nicht zu denken war.
Ihre Nerven waren bis zum Anschlag gespannt, doch ändern konnte sie diesen Zustand nicht. Sie hielt sich die Ohren zu, ihre Gedanken schweiften in die Vergangenheit ab.
Die Erinnerung holte sie ein, ihre Gedanken schwelgten ins Unendliche.
Ein gemeinsamer Ausflug blieb in ihrem Gedächtnis haften, als wäre die Zeit stehen geblieben. Sie erinnerte sich, als wäre sie mittendrin.
Es war an einem Wochenende im Sommer, Dad hatte sich von seinen Verpflichtungen freigenommen und war richtig relaxt. Er schlug vor, dass sie doch gemeinsam zum See gehen könnten, der nicht so weit entfernt war.
Mum und Steven, ihr kleiner Bruder, waren Feuer und Flamme. Auch Rebecca freute sich mal wieder etwas mit ihrer Familie zu unternehmen.
Am Abend vor dem Tag waren alle sehr aufgeregt, sie beratschlagten gemeinsam, was sie alles mitnehmen mussten, ihre Mum backte Waffeln.
Dad suchte das rote aufblasbare Paddelboot und Steven hüpfte vor lauter Vorfreude wie ein Flummi durch das Haus.
Am nächsten Tag, ging es los. Alle waren gut gelaunt.
Sie hatten sich zu viert auf den Weg gemacht, Steven, ihr kleiner Bruder, stolzierte mit seinem Rucksack vorneweg, Mum hatte ihm eine Kleinigkeit an Proviant eingepackt und natürlich seinen geliebten Stoffelefanten, den er, seit seiner Geburt hatte; er nahm ihn immer und überall mit.
Mum und Dad schlenderten Hand in Hand hinterher und Rebekka hatte Stöpsel in den Ohren und hörte Musik.
Nachdem sie gefühlte mindestens drei Stunden hinter sich gebracht hatten, sahen sie endlich den wunderschön gelegenen See vor sich. Es war ein Geheimtipp von ihrer Granny.
Sie suchten sich einen schattigen Platz und breiteten ihre mit-gebrachte Decke aus.
Steven überschlug sich beinahe beim Ausziehen und purzelte das ein ums andere Mal auf den Boden. Lachend stand er wieder auf und wurschtelte solange bis er es geschafft hatte seine Hose und sein T-Shirt auszuziehen. Nur noch in Badehose, aber dann laut kreischend rannte er los, um dann in das Wasser zu springen.
Mum legte sich entspannt auf die Decke und nahm sich ein Buch.
Dad und Rebekka liefen hinter Steven her und versuchten ihn einzufangen aber bei so einem Irrwisch war es gar nicht so einfach.
Nachdem die drei laut kichernd und prustend bestimmt eine halbe Stunde herumgetollt hatten, schnappte Dad sich Steven und ging mit ihm zurück zu Mum.
Eigentlich hatte Rebekka genug vom Wasser, aber die Seerosen faszinierten sie doch sehr. Schon immer zogen sie Blumen ma-gisch an; also schwamm sie noch eine Weile zwischen den Rosen herum, legte sich auf den Rücken und genoss den Ausblick in den strahlend blauen Himmel.
Von Weitem hörte sie ihre Mum rufen: „Schwimm nicht so weit raus!“, aber da passierte es auch schon, grad als sie sich wieder in Schwimmposition begeben wollte, blieb sie mit ihrem Fuß in einer Seerose Hängen, durch die Anstrengung loszukommen bekam sie einen Wadenkrampf, immer wieder wurde sie unter Wasser gezogen. Sie versuchte zu rufen doch ihre Stimme war so panisch, dass sie keine vernünftigen Wörter herausbekam.
Immer wieder fuchtelte sie mit den Armen und rief: „Dad, Hilfe“. Da verschwand ihr Kopf unter der Wasseroberfläche, konnte sich zwischendurch aber hochstrampeln. Sie rief: „Hier bin ich Dad.“ Prustend und Wasser spuckend tauchte sie das eine oder andere Mal wieder auf, fuchtelte immer wieder mit den Armen.
Jedes Mal beim Untertauchen, dachte sie etwas gesehen zu ha-ben, wie ein zu groß geratener Medizinball aber länglich oval nach oben gezogen, spitze Zacken verliefen über die Hälfte der Fläche.
Es sah fast so aus, als wären es scharfe Zähne, Gänsehaut bil-dete sich auf ihrem ganzen Körper und immer wieder sah sie es, oder war es doch nur Panik?
Endlich sah ihr Dad sie, er lief so schnell er konnte ins Wasser in Jeanshose und Hemd, gerade mal die Schuhe hatte er sich aus-gezogen.
Rebekka rief: „Dad mein Fuß hängt fest, ich krieg ihn nicht raus.“ Angst stand in ihren Augen. „Bleib ruhig, ich helfe dir“ er-widerte er und tauchte schon unter. Er ruckelte und zerrte an ihrem Fuß, endlich schaffte er es sie zu befreien.
Ganz außer Atem schwammen die beiden ans Ufer. Aufgeregt warteten die anderen dort, einer von den Badegästen rief noch er wolle einen Krankenwagen Rufen aber Rebekkas Dad sagte, dass das alles in Ordnung wäre.
Ihr Dad hatte nichts gesagt aber ihre Mum regte sich damals ziemlich auf und geweint hatte sie auch.
Steven schaute sie nur mit großen Augen an, ganz zittrig war er. Rebekka nahm ihn liebevoll in den Arm und versicherte ihm immer wieder das es ihr gut gehe.
Aber in Gedanken war sie immer noch bei diesem hässlichen Gesicht aus dem Wasser; sie sagte sich immer wieder, dass es nur ein Hirngespinst war, doch so ganz wollte die Gänsehaut nicht ver-schwinden.
Nach einer Weile beruhigte sie sich, doch das mulmige Gefühl blieb.
Sie blieben noch ein wenig dort, und machten sich dann auf den Heimweg mit Zwischenstopp an einer Eisdiele um den Schrecken einigermaßen zu verdauen.
Aber das war lange her, seitdem die Arbeitslosigkeit herrschte, war alles anders geworden. Dad trinkt, dann vergisst er alles, sogar dass er seine Frau eigentlich liebt.
Erst heute Nachmittag hatte ihre Mum gesagt, dass es so nicht weitergehen kann. Sie weinte und verdeckte ihr blaues Auge. Doch Rebekka wusste ohnehin Bescheid.
In diesem Sommer war sie siebzehn geworden, doch ihre Mum behandelte sie immer noch, als wäre sie erst zehn.
Je wurde sie aus ihren Gedanken herausgerissen, als die Schreie von unten wieder lauter wurden.Jetzt schlug er sie wieder, und sie musste hilflos zusehen, oder besser gesagt zuhören.
