Sommer der Wildbienen - Klara Luna - E-Book

Sommer der Wildbienen E-Book

Klara Luna

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Beschreibung

Hanna verbringt den Sommer erstmals alleine in einem Ferienhaus am Wolfgangsee. Sie trifft dort den Berliner Dirk, den Biologen Leo und wandert auf den Spuren der Wildbienen. Hanna findet eine neue Liebe mit einer ungewöhnlichen Leichtigkeit, ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen. Doch dann muß Leo nach Brasilien und Hanna bricht mit dem homosexuellen Jean auf nach Südfrankreich zu dessen Familie um ihm zu helfen den Bauernhof zu erben. Wird sie Leo jemals wieder sehen?

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Veröffentlichungsjahr: 2018

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Klara Luna

Sommer der Wildbienen

BookRix GmbH & Co. KG81371 München

Ankunft im Ferienhaus

Das Ferienhaus lag dicht am Ufer des Sees, eingeklemmt zwischen dem Felsen und dem schmalen Weg, der um den Hügel herum am See entlang führte. Es war ein sicher schon 200 Jahre altes schönes Steinhaus mit dicken Wänden, Holzfenstern und einem spitzen Dach, das etwas schief auf das Haus wie darauf gesetzt wirkte. Hanna stieg die schmalen Steinstufen zum Eingang hinauf, öffnete die Eingangstüre und trug Ihre Tasche in den kleinen Vorraum. Sie war überrascht wie großzügig das winzige Haus von innen wirkte. Ein großer Wohnraum mit zwei Fenstern und Blick über den See und eine Kochnische am hinteren Ende des Raumes, wo das Haus direkt in den Fels hineingebaut war, lagen hinter dem Eingangsbereich. Eine Stiege zu einem Schlafbereich führte unter das Dach. Hanna stellte ihre Tasche auf die Bank neben dem Fenster und blickte traumverloren hinaus auf den See. Die Besitzerin des Hauses war Helga Schierman aus Hamburg, eine große schlanke Frau Mitte vierzig, die Hanna interessiert musterte. "Sie finden das Bad hinter dieser Tür", sagte sie und wies mit der schlanken Hand auf eine dunkle Holztür.

Hanna blickte die Frau an und die Türe und nickte. "Danke, ich werde ich hier sicher wohl fühlen." Helga reichte ihr den Schlüssel. "Dann werde ich Sie jetzt alleine lassen. Sie sind sicher müde nach der langen Fahrt aus Wien. Bis in vier Wochen. Wenn Sie etwas brauchen, oder Fragen haben, rufen Sie mich unter dieser Nummer an." Sie drückte Hanna eine Visitenkarte in die Hand und verabschiedete sich gleichzeitig. Als Helga das Haus verlassen hatte, setzte sich Hanna seufzend auf der Bank nieder. Sie betrachtete den Weg vor dem Haus durch das Fenster, auf dem Helga sich in Richtung Ort aufmachte. Eine Äsulapnatter schlängelte sich auf dem schmalen Weg vor dem Haus zum Seeufer hin. Hannah erschrak, faßte sich aber schnell wieder. Ja, das hatte die Besitzerin ihr schon erzählt. Hier gab es Schlangen, die aber völlig harmlos waren. Hier war auch keine Strasse in der Nähe. Nur ein Fußweg, an dessen Ende eine kleine Siedlung lag, führte an eine Siedlung voneinigen alten Häusern und von dort eine Strasse zum Ort. Etwa 20 Minuten war sie hierher zu Fuß gegangen. Viel Gepäck hätte sie nicht mitnehmen können.

Endlich war sie allein. Ruhe breitete sich um sie aus. Keine Autos, kein Lärm, nur das Plätschern des Wassers war zu hören. Das würde ein erholsamer Sommer werden. Fernab von Georg, der Arbeit im Labor und den vielen Fragen, die sie beschäftigten seit sie Georg mit ihrer Kollegin Monika erwischt hatte. Er war ein freier Mann und das hatte er ihr sofort gesagt, kaum heruntergestiegen von dieser Monika. Was manche sich gefallen lassen? Sie aber nicht. Sie hatte ihm gesagt: "Ich bin auch so frei", und ihm eine geknallt mit der flachen Hand. Weit hatte sie ausgeholt und mitten ins Gesicht geschlagen. Die letzten Worte zwischen ihnen waren damit verstummt. Keine weitere Erklärungen waren nötig. "Freiheit ist doch auch was Schönes", hatte sie sich insgeheim gedacht, und war Georg fast dankbar für diese späte Erkenntnis. Und jetzt dieser Urlaub, spontan, ohne Georg und ohne Plan für die nächsten vier Wochen, außer alles hinter sich zu lassen, loszulassen was sich ohnehin nicht halten ließ. Sich in diesen Sommer hineinfallen zu lassen wie in eine grüne Wiese voller Blumen, den Bienen zu lauschen und sich gar keine Gedanken über die Zukunft zu machen. Das war der einzige Plan von Hanna.

Das Dirndl

Die Nacht war ruhig und erholsam. Hannah schlief so gut wie schon lange nicht mehr. Sie wachte erst um 10 Uhr vormittags auf und machte sich einen Espresso und ein Marmeladebrot zum Frühstück. Hinter dem Haus hatte sie gestern ein Fahrrad gesehen und so beschloß Hannah, sich vom Bäcker Semmeln zu holen. Das ware eine sportliche Aktion mit Belohnung. Veilleicht mit einem Kipferl, oder einer Schokoschnitte, nur nichts Gesundes, das sich nicht auf ihrer Figur anlegte, am besten mit einer richtig guten Topfengulatsche. Sehr motiviert zog Hanna das alte Waffenrad hinter dem Haus hervor, schwang sich darauf und radelte im Schatten der Büsche, die entlang des Seeufers wuchsen, zu der kleinen Siedlung am Anfang des Weges. Dann fuhr die Strasse hinunter zum Ort wo sie sich nach einer Bäckerei umblickte.

Im Ort tummelten sich japanische Touristen vor einem kleinen Mozart Museum. Sie fotografierten sich vor dem Gebäude und Hannah wich ihnen aus, als sie elegant die Strasse hinunter radelte. Die Bäckerei war gleich in der Ortsmitte und geöffnet. Der Duft von frischem Brot schlug Hanna entgegen. Sie lehnte das Fahrrad an die Hausmauer und hängte ihren Beutel um die Schulter. Drinnen standen zwei alte Frauen im Dirndl und unterhielten sich über das Wetter und "ihn", den See. "Er schimmert heute wie Jade, findest Du nicht?", sagte die Eine. "Sanft wie Seide auf der Haut ist er und so grün wie ein Edelstein", meinte die Andere und ergänzte: "Traumhaftes Wetter." Eine kurze Pause setzte ein. "Fahrt ihr heute hinaus? Mit dem Boot?", meinte dann die Erste. "Nein wir bleiben am Ufer. Es soll nachmittags ein Wetter aufziehen. Die Katrin ist im Nebel", antwortete die Andere. So diskutierten die beiden Frauen miteinander. Hanna freute sich über diesen meterologischen Bericht aus erster Hand und strahlte den jungen Bäcker an, der den zwei alten Frauen eine Papiertüte mit frischem Brot reichte. "Was bekommen Sie?" fragte er dann. "Seide, Jade und zwei Semmeln, eine Topfengulatsche und was haben Sie noch Süßes?" fragte Hanna. Der junge Bäcker lachte, "Seide und Jade hat nur der See in sich, aber meine Topfengulatsche, die zergeht auf der Zunge." Er packte das gewünschte Gebäck ein. Hanna zahlte und verließ fröhlich die Bäckerei.

Sie nahm die Topfengulatsche in die Hand, schnallte die Beuteltasche auf ihr Fahrrad hinten hinauf und rollte es zu Fuß an den kleinen Geschäften vorbei durch die Ortschaft. Die Auslage eines Dirndlgeschäftes weckte ihr Interesse. Versunken in den Genuß ihrer Topfengulatsche beschloß sie ein Dirndl auszuprobieren und lehnte das Fahrrad an die Mauer neben dem Eingang. Mit dem Gebäck in der Hand wollte sie das Geschäft betreten. Eine Verkäuferin protestierte. "Sie können hier nicht ihr Essen mitnehmen. Zuerst draussen fertig essen." Hannah verzog das Gesicht, fügte sich aber und stopfte sich den letzten Bissen der Topfengulatsche in den Mund, bevor sie wieder in das Trachtengeschäft hineinging. "Mädel, hast Du kein Frühstück gehabt?" fragte die zweite Verkäuferin, eine ältere dicke Dame in einem grünen Dirndl und reichte Hanna freundlich ein Taschentuch, an dem sie sich die Finger abwischte. "Oh doch, aber die Seeluft macht so hungrig." Hanna sah sich begeistert um. Hier kam sie sich vor wie in einem entzückenden Heimatfilm aus den 60iger Jahren, jeden Moment mußte Peter Alexander um die Ecke kommen, "Hallo schöne Frau", singen und in einem Quickstep die Verkäuferin durch den Laden führen. Noch war er nicht da, also hatte sie Zeit sich ein schönes Dirndl auszusuchen und damit in einem romantischen Traum zu versinken.

Je mehr sie sich die verschiedenen Kleider mit den tiefen Ausschnitten mit Froschgoscherl Muster ansah, umso mehr verblaßte das Bild von Georg in ihr, ihn hätte sie sich nie an ihrer Seite in so einem Kleid vorstellen können. Nur in Jeans und Minirock, aber nicht feierlich oder elegant. In einem fernen Schleier der Erinnerung sah sie Georg verblassen und die kräftigen Grün, Rosa und Blautöne der Salzkammergut Trachten hervortreten. Sie entschied sich für ein rosa Dirndl mit hellblauer Schürze, verschwand damit in der Umkleide Kabine und probierte es. Die Verkäuferin reichte ihr gleich eine passende Bluse hinein und plötzlich erschien eine neue Hanna im Spiegel vor ihr. Mit hohem Busen, enger Taille, geradem Rücken und in einem weiten schwingendem Rock stand Hanna vor dem Spiegel der Umkleidekabine und fühlte sich hübsch. So richtig fesch sah sie aus. Sie trat ins Geschäft vor den größeren Speigel und sah in den Augen der Verkäuferinnen das sie gleicher Meinung waren. Gekauft. "Brauchen Sie noch ein Sackerl für die Hotpants Jeans?" fragte die jüngere Verkäuferin und packte ihr die alten Sachen gleich weg. Aus den Augen alles, was sie bis jetzt getragen hatte.

Hanna verließ das Geschäft in ihrem neuen rosa Dirndl. Die Gruppe Japaner umringte sie um ein Foto mit ihr zu machen. Hanna ließ es geschehen und setzte sich elegant wieder auf ihr Fahrrad, packte den Sack mit der Jeans hinten zur Tasche dazu und fuhr im frischen Seewind durch den Ort. Zeit für einen Ausflug. So jetzt hier und mit Dirndl. Ohne Kampfanzug, Schweissband und Pulsmeßgerät, einfach mal so altmodisch durch die Gegend radeln. Darauf hatte Hanna jetzt wirklich Lust. Sie fuhr los und beschloß die alte Bahntrasse zu erforschen die von der Ortschaft den See entlang führte.

Entlang der alten Bahntrasse

Hanna folgte der Uferpromenade und radelte den Weg hinauf zu einem alten leerstehenden Wirtshaus. Dort lag eine alte Bahnstation ohne Schienen. Ein Blech Schild wies auf die verlassene Haltestelle hin. Ein Fahrradweg führte jetzt anstatt Schienen entlang des Sees. Hanna radelte in ihrem hübschen rosa Dirndl den Weg am Wirtshaus vorbei durch die enge Schlucht am Felsen und bis zu weiten Wiesen, die das St. Wolfgang gegenüber liegende Ufer des Wolfgangsees säumten. Sie blieb an einer Schiffsstation stehen und machte eine Pause. Jadegrün lag der See vor ihr. Ein Badestrand mit Campingplatz neben der Schiffstation war voller Leute in Badhose und Bikini. Hanna kam sich im Dirndl ein bißchen overdressed vor, am liebsten wäre sie in den See hinein gesprungen. Die Gössl Dirndlflugtage sind aber erst im August und ganz ohne Begleitung traute sich Hanna dann doch nicht. Was tun ? Hier gab es kein Geschäft für Bademode weit und breit, außer am anderen Seeufer in St. Wolfgang. "Also nichts wie rauf auf das Fährschiff und nach St. Wolfgang Bikini Shoppen fahren", dachte sich Hanna und schob ihr Fahrrad zur Schiffsstation. Eine Fähre lag am Ufer und Touristen füllten das Boot.

Während sich Hanna mit ihrem Fahhrad zwischen die Menge klemmt und ein Ticket löste, stupste sie ein junger Mann Mitte dreissig an. Hanna drehte sich um und sah in blaue Augen eines verschmitzten schmalen Gesichtes mit dunklen Haaren. "Entschuldigen Sie, sind Sie von hier?" Der junge Mann suchte offensichtlich eine Auskunft und ihr traditionsbewußtes Outfit gab ihm die Vermutung ein eine ortskundige Person vor sich zu haben. Hanna nickte unschuldig, sie fühlte sich so von hier wie noch nie zuvor in ihrem Leben. Jedenfalls mehr von hier als dieser Tourist, der offenbar aus Berlin angereist kam, nach seinem Akzent zu urteilen."Ich suche das singende Pferd. Das weisse Rössl. Kennen sie das ?" fragte der junge Mann. "Entschuldigen sie, mein Name ist Dirk Donner, wie der Blitz und Donner, nur ohne Blitz." Hanna dachte, das Selbiger gerade in ihr Herz einschlägt, als sie in diese blauen Augen blickte und lächelte Dirk Donner vom Donner gerührt an. "Ja natürlich kenne ich das weisse Rössl. Aber das Pferd singt nicht, sondern der Kellner. Und der auch nur im Film. Ich glaube das aktuelle Personal kann nicht singen", antwortete ihm Hanna. "Was festzustellen wäre..ich glaube es is da drüben, nicht?" fragte der junge Mann weiter. "Ein echter Romantiker", dachte Hanna. "Wenn Sie wollen zeige ich es Ihnen, es ist ja praktisch gar nicht zu übersehen wenn man mit dem Schiff hinübersetzt. Wir kommen direkt vor der Türe des weissen Rössls an", versprach Hanna dem jungen Mann und stützte sich an ihrem Fahrrad ab, da ihr im Moment ein bioßchen schwindelig wurde bei soviel Romantik. Sie im rosa Dirndl auf einem Schiff mit diesem schönen jungen Mann auf dem Weg ins weisse Rössl am Wolfgangsee. An ihren Bikini Einkauf konnte sie jetzt gar nicht mehr denken. Und Baden im See konnte sie ja auch noch später. "Ich wollte ja ohnehin einen Apfelstrudel dort essen gehen", setzte Hanna zielstrebig fort. "Dann darf ich Sie doch darauf einladen, schönes Fräulein, oder nicht?" fraget Dirk mit einem freundlichen Lächeln. "Selbstverständlich dürfen Sie das", antwortete Hanna selbstbewußt.

Das Schiff hatte inzwischen schon abgelegt und beide standen an der Reling und fuhren über den See, der Schafberg vor ihnen und der weite blaue Himmel über ihnen. Ein zarter hellblauer Schleier schien über dem Wasser zu schweben und Dirk beobachtete sanft das Hellblau von Hannas Schürze die in leichten Fahrtwind wehte. Sie schwiegen während der Überfahrt berückt von der grandiosen Kulisse des Sees und der Berge, und eine angenehme Entspannheit überkam Hanna an der Seite dieses Fremden.