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Sommerlich, romantisch und sehr bewegend: der Kurzgeschichtenband »Sommerküsse zum Frühstück« von Nora Darius jetzt als eBook bei dotbooks. Auch in dunklen Stunden hört man das Flüstern der Hoffnung … Die hübsche Fotografin Sabrina lebt zurückgezogen in der Villa ihres verstorbenen Vaters, ein Verlust, über den sie nie hinwegzukommen glaubte – bis sie eines Tages den attraktiven Markus trifft, der verspricht, sie in einen zauberhaften Sommer der Gefühle zu entführen! Ob im eleganten Schlossgarten von Wien oder am Strand von Nizza, ob Zufallstreffen oder Businesslunch: aus jeder Begegnung können sich in den mitreißenden Geschichten der Erfolgsautorin Nora Darius zarte Knospen der Gefühle entwickeln. Denn stets treffen sich zwei Menschen, die füreinander bestimmt sind – sie müssen es nur noch herausfinden, jedes Paar für sich und immer auf eine neue, prickelnde Art … Ein Genuss für alle, die gerne Romantik naschen – so süß wie Sommerküsse zum Frühstück! Zwanzig sommerleichte Liebesgeschichten von der deutschen »Queen of Romance«. Jetzt als eBook kaufen und genießen: Feelgood-Sammelband »Sommerküsse zum Frühstück« von Nora Darius. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks – der eBook-Verlag.
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Seitenzahl: 475
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Über dieses Buch:
Auch in dunklen Stunden hört man das Flüstern der Hoffnung … Die hübsche Fotografin Sabrina lebt zurückgezogen in der Villa ihres verstorbenen Vaters, ein Verlust, über den sie nie hinwegzukommen glaubte – bis sie eines Tages den attraktiven Markus trifft, der verspricht, sie in einen zauberhaften Sommer der Gefühle zu entführen!
Ob im eleganten Schlossgarten von Wien oder am Strand von Nizza, ob Zufallstreffen oder Businesslunch: aus jeder Begegnung können sich in den mitreißenden Geschichten der Erfolgsautorin Nora Darius zarte Knospen der Gefühle entwickeln. Denn stets treffen sich zwei Menschen, die füreinander bestimmt sind – sie müssen es nur noch herausfinden, jedes Paar für sich und immer auf eine neue, prickelnde Art …
Ein Genuss für alle, die gerne Romantik naschen – so süß wie Sommerküsse zum Frühstück! Zwanzig sommerleichte Liebesgeschichten von der deutschen »Queen of Romance«.
Über die Autorin:
Nora Darius hat lange als Lektorin in verschiedenen Verlagen gearbeitet. Heute lebt sie als freie Autorin im Rheinland und geht mit Begeisterung ihrem Hobby, dem Reisen, nach. Bisher schrieb sie über 700 Kurzgeschichten, zahlreiche Drehbücher, Taschenbücher und Kurzromane und erreichte eine Gesamtauflage von über einer Million.
Nora Darius veröffentlichte bei dotbooks außerdem »Die Braut des Wüstenfürsten«.
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eBook-Sammelband-Originalausgabe Juli 2019
Copyright © der Sammelband-Originalausgabe 2019 dotbooks GmbH, München
In diesem Sammelband sind die folgenden Romane von Nora Darius enthalten: »Weil Du mich verzaubert hast«, »Das Glück kommt manchmal unverhofft« und »Die Sprache der Liebe«,
Copyright © 2015 dotbooks GmbH, München
In diesem Sammelband sind außerdem Kurzgeschichten aus den Nora-Darius-Anthologien »Himbeerküsse mit Minze« (»Wenn es Frühling wird in Wien«, »Ein Fremder nahm ihr Herz«, »Du bist mehr als ein Flirt für mich«, »Begegnung in Nizza«, »Nur diesen Walzer noch«, »Frühlingszauber«, »Kreuzfahrt«, »Ich tanze mit dir in den Himmel hinein«, »Pretty Woman«, »Verlockung unter fremden Sternen«, »Was ich dir mit Rosen sag«) und »Schmetterlingsküsse« (»Abenteuer in Andalusien«, »Die endlose Zärtlichkeit«, »Verbotene Gefühle«, »Eine Sommerliebe«, »Er ist berühmt – und treulos«, »Es gibt nur dich«) enthalten,
Copyright © dieser Anthologien 2015 dotbooks GmbH, München
Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.
Titelbildgestaltung: Wildes Blut – Atelier für Gestaltung Stephanie Weischer unter Verwendung mehrerer Bildmotive von © shutterstock / Phuwadach Pattanatmon / Mykola Mazuryk / Creative Family / Maya Kruchankova / mangione / Farec / JackStar68 / Anna Kraynova sowie © Pixabay / OrnaW
eBook-Herstellung: Open Publishing GmbH (ae)
ISBN 978-3-96148-859-9
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Nora Darius
Sommerküsse zum Frühstück
Geschichten für die schönste Zeit des Jahres
dotbooks.
»Meine Güte, Nadine, nun stell dich doch nicht so an, und schlüpf in das Cocktailkleid!« Aufseufzend machte Markus Kayser ein paar Schritte auf seinen Star zu. Dem Kameramann warf er einen beschwörenden Blick zu, der zu bitten schien: ›Lass mich nur machen, ich krieg die Kleine schon dahin, wohin wir sie haben wollen.‹
»Dieses Rot ... entsetzlich! Und Spaghettiträger sind total out in diesem Jahr. Ich wollte ein roséfarbenes Kleid mit Korsage!« Nadine warf trotzig die langen blonden Haare in den Nacken.
»Das haben wir aber nicht gesponsert bekommen.« Er legte ihr kurz den Arm um die Schultern, beugte sich vor und hauchte ihr einen Kuss aufs Ohr, ehe er flüsterte: »Nun mach keine Zicken, du weißt doch, dass hier Zeit Geld ist. Gleich kommt die Produzentin vorbei – willst du wirklich riskieren, dass sie dich aus der Serie rausschreiben lässt, nur weil du den Betrieb aufhältst?«
Nadine machte sich mit einem Ruck frei. »Das wird sie nicht wagen«, fauchte sie.
»Lass es lieber nicht drauf ankommen«, riet Markus, und seine ernste Miene verriet der jungen Frau, dass er keine Scherze machte. »Lisa Wandholler ist seit mehr als zwanzig Jahren im Geschäft, die kennt kein Pardon.«
Nur noch wenige Sekunden schmollte die attraktive junge Blondine, dann gab sie nach, die Dreharbeiten zur daily soap Botin der Liebe konnten vorerst fortgeführt werden.
Während er sich wieder in seinem Regiestuhl niederließ, dachte Markus daran, mit welch gewaltigen Illusionen er vor einigen Jahren die Filmhochschule verlassen hatte. Bedeutsame Filme hatte er drehen, international Karriere machen wollen ... geblieben waren kleinere Aufträge beim Fernsehen, so wie jetzt die Arbeit an der daily soap.
Das einzig Angenehme beim Dreh war die Tatsache, dass sich Nadine privat als sehr temperamentvolle Freundin zeigte, die sehr wohl wusste, wie sie sich bei ihm für die Chance, die er ihr gegeben hatte, erkenntlich zeigen musste.
»Kommst du zu mir – oder gehen wir mal wieder aus?«, fragte sie nach Drehschluss und schmiegte sich wie ein Kätzchen an ihn.
»Wir können essen gehen«, schlug er vor.
»Essen ... schrecklich! Schau dir nur meine Figur an! Wie soll ich da in einer Woche die Szene im Badezimmer drehen? Diese kleinen Röllchen am Bauch ... ätzend!«
»Das bildest du dir nur ein«, wehrte Markus ab. »Aber wenn du keinen Hunger hast, dann bestell dir eben Mineralwasser. Ich für meinen Teil brauche dringend ein Steak. Oder Ähnliches.«
Sie landeten schließlich beim Italiener, wo Nadine sich einen Salat bestellte, Markus mit Genuss einen Auberginenauflauf verzehrte und hinterher das hausgemachte Tiramisu genoss.
»Tiramisu ... ich liebe es«, flüsterte Nadine, verkniff es sich aber, an seinem Teller zu naschen. »Ich weiß nur einen Nachtisch, der mir noch lieber ist ...« Mit einem langen, vielversprechenden Blick sah sie ihn an.
Markus lachte. »Und ich kann zweimal Nachtisch vertragen«, meinte er.
So stiegen sie etwa eine halbe Stunde später eng umschlungen die Treppe zu seiner Wohnung hinauf. Markus bewohnte die Maisonettewohnung einer alten Jugendstilvilla am Rand von München Bogenhausen. Vier Parteien wohnten außer ihm noch hier, doch nur mit der Hausmeisterin und seiner direkten Untermieterin, Sandra Menrat, hatte er engeren Kontakt.
Sandra war es auch, die ihm ein kleines Päckchen vor die Tür gelegt hatte. »Nervennahrung«, stand auf dem kleinen Klebezettel, der an der linken Seite pappte.
»Diese aufdringliche Person«, kommentierte Nadine bissig. »Mit ihren selbst gemachten Keksen will sie sich wohl bei dir einschleimen. Pah, die Zeiten, in denen Liebe durch den Magen ging, sind vorbei. Das solltest du ihr mal klarmachen.«
»Einschleimen hat Sandra gar nicht nötig.« Mit einem Schlag war die romantische Stimmung, in der Markus sich eben noch befunden hatte, dahin. Nadines Bösartigkeit, wenn es um seine sympathische Nachbarin ging, war ihm hinreichend bekannt. Und obwohl er wusste, dass er einen Streit riskierte, fuhr er fort: »Außerdem liebe ich ihr Gebäck. Und ihre Gulaschsuppe ... die kriegt wahrscheinlich nicht mal ein Sternekoch so gut hin.«
»Na ja, wenn man sonst nichts zu bieten hat, muss man sich eben in der Küche hervortun.« Nadine zuckte mit den Schultern, dann streifte sie betont lässig ihre kurze Lederjacke ab. Darunter trug sie nur ein Nichts von Seidentop zu hautengen Jeans.
Markus spürte, wie ihm die Kehle eng wurde. Und als sich Nadine an ihn schmiegte, als sie die Arme hob und ihn noch fester an sich zog, waren für eine gute halbe Stunde alle Gedanken ausgeschaltet. Er gab sich der gefährlichen Leidenschaft hin, die die schöne Schauspielerin in ihm entfachte – und vergaß alles andere um sich herum. Aufseufzend verbarg er das Gesicht in ihren blonden Locken und ließ es zu, dass sie ihn nach allen Regeln der Kunst verführte ...
***
Am nächsten Morgen mussten sie früh aufstehen. Nadine war mürrisch, der typische Morgenmuffel, während Markus nach dem Duschen fröhlich vor sich hin pfiff und erklärte: »Ich hole uns frische Brötchen. Mach du schon mal Kaffee.«
Mit langen Sätzen sprang er dann die Treppe hinunter – und trat gerade in dem Augenblick aus dem Haus, als Sandra durch den Vorgarten zur Tür kam.
Sie trug einen hellgelben Jogginganzug, hatte das dunkle Haar zu einem Zopf zusammengebunden und lachte ihn gut gelaunt an. »Hey, hast du meine Vanillekipferl schon probiert?«
Markus schüttelte den Kopf. »Sorry, bin nicht dazu gekommen.«
Sandra legte den Kopf leicht schräg. »Nadine ist also zu Besuch. Klar, dass du dich dann von Kalorienbomben fernhalten musst.« Sie lachte. »Dann iss sie später, die halten eine Weile. Und jetzt muss ich los, im Geschäft ist zurzeit viel zu tun, die neuen Kataloge sind herausgekommen.«
»Kann ich dir irgendwie helfen?« Markus wusste, dass Sandra fast zwei Tonnen Kataloge zu schleppen hatte, wenn die Reiseveranstalter ihr die neuen Prospekte zusandten. Auch die gerade abgelaufenen Kataloge mussten entsorgt werden, soweit sie noch keinen Kunden interessiert hatten – es war zum Teil ein Knochenjob, und im letzten Winter hatten sie ein ganzes Wochenende damit verbracht, Sandras Geschäft wieder mit neuer Ware zu bestücken.
Damals hatte ihre enge Freundschaft begonnen. Damals waren aus Nachbarn zwei Menschen geworden, die sich ihre Sorgen anvertrauten, die aber auch hervorragend zusammen lachen, doch auch ernsthaft diskutieren konnten. Sandra besaß viel Humor, konnte zum Teil sehr ironisch-witzige Bemerkungen machen. Außerdem war sie belesen, weit gereist, an allem Neuen interessiert.
So hatte Markus sich angewöhnt, ihr neue Drehbücher zum Lesen zu geben. Auf Sandras neutrales Urteil konnte er sich verlassen. Auch an diesem Morgen blieb sie an der Tür noch einmal kurz stehen und erklärte: »Diese Story über eine Hotelerbin und ihren Prinzgemahl ... das ist doch nicht dein Ernst, oder? Wer will denn so einen Schund sehen?«
Markus zuckte nur mit den Schultern, dann bat er: »Leg es mir auf die Matte. Oder, besser noch – gib's mir am Wochenende. Ich lade dich zum Essen ein.«
Sandra lachte. »Willst du vielleicht kochen?«
»Nein, nein, ich dachte an ein Essen bei Luigi.«
»Soo schlecht war das Skript nun auch wieder nicht. Und, ehrlich gesagt, ich hab's gar nicht bis zu Ende gelesen. Dazu war mir die Zeit zu schade.«
»Stattdessen hast du die neuen Horoskope studiert, nicht wahr?«, fragte er augenzwinkernd.
Sandra wurde tatsächlich ein bisschen rot. »Stimmt nicht. Ich hab mit Fips gespielt. Das arme Karnickel wird total vernachlässigt in letzter Zeit. Und jetzt muss ich weiter. Schönen Tag noch!« Fort war sie!
Markus holte die frischen Semmeln, doch während des ganzen Rückwegs musste er an Sandra denken. Dieses Drehbuch ... ihre Kritik war vernichtend gewesen. Aber insgeheim hatte er das ja schon geahnt! Nadine hatte den jungen Autor aufgetan. Und natürlich sollte die Rolle der Prinzessin ihr auf den Leib geschrieben werden!
Nun, daraus würde mit Sicherheit nichts werden! Davon sagte er seiner Freundin jedoch noch nichts, um die Tagesarbeit nicht zu gefährden.
An diesem Tag standen ein paar Außenaufnahmen an – was bei einer möglichst preiswert zu produzierenden daily soap nicht allzu oft vorkam. Das Team traf sich in einem Park, einige Wagen mit den benötigten technischen Geräten waren schon da, in drei Wohnwagen wurden die Darsteller geschminkt.
Gerade als Nadine und Markus eintrafen, fuhr auch ein Pferdetransporter vor.
»Mir graut vor der Szene«, murmelte Nadine. »Warum kann das nicht gedoubelt werden?«
»Weil du schließlich selbst reiten kannst. Hast du zumindest behauptet. Also – warum Geld vergeuden? Außerdem musst du doch nur ein paar Galoppsprünge machen ... und dich dann graziös in die Arme deines Geliebten gleiten lassen.« Er grinste ironisch. »Meiner Ansicht nach erfordert das kein allzu umfassendes Können.«
»Du bist mal wieder unausstehlich!« Nadine verzog sich in ihren Wohnwagen, wo die Maskenbildnerin schon auf sie wartete.
Und dann ging es los – erst die Galoppszene, dann in Großaufnahme ein Kuss mit Jan Ahrensburg, der in der Serie die männliche Hauptrolle spielte.
Jan war ein blonder Schönling, der stets eine Fangemeinde junger Mädchen im Schlepptau hatte. Das hinderte ihn jedoch nicht daran, in jeder freien Minute mit Nadine zu flirten. Natürlich nur, wenn er glaubte, Markus sei gerade anderweitig beschäftigt. Schließlich wollte er sich keine Schwierigkeiten mit dem Regisseur einhandeln.
Markus jedoch hatte schon seit Wochen den Verdacht, dass Nadine es mit der Treue nicht allzu genau nahm. Und obwohl sie ihm nicht wirklich etwas bedeutete, ärgerte er sich. Oder war es doch Eifersucht, die ihn quälte? Er wagte sich diese Frage selbst nicht zu beantworten, aber immer wieder ertappte er sich dabei, dass er seine beiden Hauptdarsteller argwöhnisch beobachtete.
Die Reitszene war abgedreht, es folgten ein paar weitere Szenen draußen im Park – und schließlich sollten sich Nadine und Jan heimlich hinter eine Hecke schleichen und sich dort intensiv lieben – soweit es für den frühen Sendetermin zulässig war natürlich nur.
Es fiel Markus nicht ganz leicht, die notwendigen Anweisungen zu geben. Und einmal hätte er den Dreh am liebsten abgebrochen. Dann nämlich, als Nadine sich gar zu aufreizend über Jan beugte und ihn so leidenschaftlich küsste, dass jeder am Set wusste: Das war nicht gestellt, das war ein echter Kuss!
In denkbar schlechter Laune kehrte Markus an diesem Abend nach Hause zurück. Mit Nadine hatte er einfach nicht mehr gesprochen. Aus Erfahrung wusste er, dass dies die wirkungsvollste Methode war, die junge Frau wieder zur Vernunft zu bringen.
An seiner Wohnungstür pappte ein Zettel: »Gulaschsuppe ist fertig. Außerdem gibt's einen guten Film im Fernsehen ...«
Nicht nur die Tatsache, dass es heute sein Leibgericht geben würde, hellte Markus’ Stimmung auf. Mit Sandra mal wieder in Ruhe reden zu können war eine Wohltat!
Eine halbe Stunde später klingelte er an ihrer Wohnungstür – eine Flasche Rotwein in der Rechten, ein Drehbuch unter den linken Arm geklemmt.
»Hallo, komm rein! Ich muss nur noch den Tisch decken!«
»Ich helfe dir.«
»Ach was, das ist nicht nötig. Mach du den Rotwein auf.« Sie warf einen raschen Blick auf das Etikett. »Hui, ganz offensichtlich hast du heute was runterzuspülen.« Und still für sich dachte sie: Wahrscheinlich hat er wieder Kummer wegen Nadine. Wann erkennt er nur, wie hohl dieses Wesen ist?
Doch um nichts in der Welt hätte Sandra ihre Gedanken laut ausgesprochen. So, wie sie es auch sehr gut verstand, ihre Gefühle für Markus tief in ihrem Innern zu verschließen.
Nur in ganz geheimen Stunden gab sie vor sich selbst zu, dass sie sich gleich vom ersten Augenblick an in ihren Nachbarn verliebt hatte. Markus war genau der Partner, den sie sich wünschte.
Aber ... er war ein kleiner Casanova, flirtete gern und nahm das Leben nicht allzu schwer. Und bevor er nicht gelernt hatte, ernsthafte Gefühle zu entwickeln, würde sie ihm nicht verraten, was er ihr bedeutete.
Ein schwieriger Vorsatz, doch Sandra war entschlossen, ihm unter allen Umständen treu zu bleiben. Und so bemühte sie sich, Markus wie einen guten Freund zu behandeln – was er ja auch war.
Und weil auch er eine gute Freundin in ihr sah, gestand der Mann mit einem Seufzer: »Du hast mal wieder recht. Ich hab mich wieder mal über Nadine geärgert. Sie ist ein Biest.«
»Aber du liebst sie.«
»Nein, das ist keine Liebe ...« Er zögerte und goss zwei bauchige Gläser voll. Der Wein war von dunkelroter Farbe, ein alter Barolo, der fast sieben Jahre im Fass gereift war, bis man ihn auf die Flaschen gezogen hatte.
Als Markus die Gläser auf den Tisch stellte, bemerkte er, wie liebevoll Sandra alles arrangiert hatte. Drei gelbe Rosen, ihre Lieblingsblumen, steckten in einer schmalen Glasvase. Ein alter Silberleuchter war mit einer gelben Kerze bestückt, und die zwei blütenweißen Sets hatten eine aufwendige Stickerei. Der Mann verstand zwar nicht viel davon, doch er wusste, dass Sandra diese Sets, zusammen mit den dazu passenden Servietten, von einer Venedig-Reise mitgebracht hatte. Auf der Insel Burano, die gleich neben der berühmten Glasbläserinsel Murano lag, stickten die Frauen diese Decken und verkauften sie an Touristen.
Sandra brachte sich von überallher ein Souvenir mit. So besaß sie afrikanische Schnitzereien, einen über hundert Jahre alten spanischen Fächer, kleine Seehundpantoffeln aus Lappland und einen alten russischen Kompass – sie hatte das Teil einem pensionierten Seefahrer aus Sankt Petersburg abgekauft. Der Kompass funktionierte natürlich nicht perfekt, und doch liebte Sandra dieses Erinnerungsstück ebenso wie all die anderen Kleinigkeiten, die sie in einer großen bemalten Truhe aufbewahrte.
Die Suppe war perfekt gelungen, und Markus langte mit bestem Appetit zu. Endlich konnte er abschalten! Er spürte, dass er sich immer mehr entspannte. Mit einem liebevollen Blick umfasste er seine Gastgeberin.
»Es ist herrlich, bei dir sitzen zu können«, sagte er aus seinen Gedanken heraus.
»Du meinst, es ist herrlich, bei mir essen zu können«, lachte Sandra.
»So hab ich es wirklich nicht gemeint.«
»Schon gut. Ich ja auch nicht. Außerdem koche ich viel lieber größere Mengen. Und außerdem hab ich gelesen, dass heute der Tag ist, an dem man etwas Gutes tun sollte!«
Markus lachte. »Gelobt sei das Tageshoroskop! Allerdings ist es schade, dass ich nur dieser Zeitung mein Abendessen verdanke.«
Sandra trank einen Schluck Wein, dann meinte sie: »Du solltest meine Marotte ruhig ein bisschen ernster nehmen. Diese Sternenkonstellation ...«
»... wird von irgendeinem jungen Redakteur willkürlich aufgeschrieben. Das weiß doch jedes Kind, dass all diese Horoskope nicht wissenschaftlich fundiert sind.«
»Aber mir machen sie Vergnügen.« Sandra schob trotzig die Lippen vor. »Und eines Tages wird mir mein Horoskop sicher auch meinen Traummann verraten.«
»Ach nein! Bist du dir da sicher?« Markus spürte einen kleinen Stich in der Brust bei der Vorstellung, dass es eines Tages einen Mann geben könnte, mit dem er Sandra teilen musste ... nein, der sogar viel größere Rechte hatte als er, bei ihr zu sein. Blöder Gedanke! Er musste ihn rasch mit einem großen Schluck Rotwein runterspülen.
»Was sagt dein Horoskop denn noch?«, fragte er ablenkend.
»Dass ich bald eine Reise antreten werde.« Sandra lächelte triumphierend. »Und ob du’s glaubst oder nicht – heute Nachmittag flatterte mir ein Expedientenangebot auf den Tisch. Ich kann in zwei Wochen supergünstig nach Madeira fliegen. Jetzt, im Frühling, ist die ideale Reisezeit für diese Insel.«
»Zufall«, kommentierte Markus. »Nichts als Zufall.«
Sandra warf die langen dunklen Haare, die sie im Geschäft meist hochgesteckt trug und die nur in der Freizeit in großen weichen Wellen auf ihre Schultern fielen, mit einer schnellen Bewegung in den Nacken. »Denk darüber, wie du willst. Ich jedenfalls werde verreisen!«
Markus kam nicht dazu, etwas zu erwidern, denn in diesem Augenblick läutete es lang und anhaltend an der Wohnungstür.
»Erwartest du noch Besuch?«
»Nein. Aber ... ich seh schnell mal nach. Entschuldige mich.« Rasch ging Sandra zur Tür, schaute durch den Spion – und öffnete gleich darauf die Tür. »Hallo, Nadine. Kommen Sie ruhig rein, Sie möchten sicher zu Markus.«
»Natürlich.« Mit einem kurzen Neigen des Kopfes ging Nadine an Sandra vorbei und trat zu Markus, der schnell aufgestanden war.
»Was machst du denn hier?«, fragte er, und es klang nicht allzu freundlich.
»Ich wollte so gern heute noch mit dir zusammen sein.« Nadine brachte es fertig, wie ein Kätzchen zu schnurren. »Kommst du mit zu mir? Ich hab eine Überraschung vorbereitet.« Während sie sprach, schmiegte sie sich eng an Markus – der wieder einmal kapitulierte und der Versuchung nachgab.
Mit einem kleinen, um Entschuldigung bittenden Lächeln sah er Sandra an. »Du bist nicht böse, oder?«
Sie schüttelte nur den Kopf.
»Das Essen war wieder mal erstklassig. Danke.«
»Keine Ursache. Den Rest stelle ich dir für morgen vor die Tür.« Sandra lächelte mühsam. Dann sah sie zu, wie Nadine und Markus ihre Wohnung verließen. Die blonde Schauspielerin hatte fest den Arm um Markus’ Taille geschlungen – und in ihren Augen war ein triumphierendes Funkeln, als sie an Sandra vorbeiging. Wieder einmal gewonnen!, schien dieser Blick zu sagen.
Mit einem Seufzer wandte Sandra sich an Fips, das Kaninchen, das mümmelnd in seinem Käfig unter dem hohen Fenster saß. »Manchmal stimmt mein Horoskop leider nicht«, sagte sie. »Es hatte mir eigentlich einen ereignisreichen Abend versprochen ...«
***
»Wie, du bist schon auf?« Ungläubig sah Markus Kayser seine Nachbarin an, die gerade das Haus betrat – eine Tüte mit verlockend duftenden Brötchen und der Tageszeitung in der Hand.
»Ich war joggen«, erklärte Sandra. »Wenn ich demnächst am Strand liege, will ich eine gute Figur machen, also ist Fitness-Training angesagt.«
»Du hast doch eine gute Figur«, erwiderte Markus ganz mechanisch.
»Ja? Findest du?«
Er bemühte sich, genauer hinzusehen. Und wirklich – das, was er als Floskel ausgesprochen hatte, war bezaubernde Wirklichkeit: Der Jogginganzug konnte nicht verbergen, dass Sandra schlank war. Doch an den richtigen Stellen besaß sie weibliche Rundungen. Ihr Gesicht war ebenmäßig und wurde von warmen braunen Augen dominiert. Heute Morgen trug sie das dunkle Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden, was die 27-Jährige noch jünger aussehen ließ.
»Klar doch«, presste Markus hervor. »Aber jetzt muss ich weg. Lies nicht wieder so ausgiebig das Horoskop. Es verwirrt dich nur.« Ein kameradschaftliches Grinsen, dann bog er auch schon um die Hausecke.
Sandra wusste nicht, ob sie sich über diese Begegnung freuen sollte oder nicht. Tatsache war, dass sie immer Herzklopfen bekam, wenn sie Markus begegnete. Er war nun mal ihr Traummann. Dass er nur eine Freundin in ihr sah, tat weh, doch damit konnte sie leben – wenn er allein war, so wie heute. Traf sie ihn in Begleitung eines anderen weiblichen Wesens – vor allem, wenn dieses Wesen Nadine Saalbach hieß und Star einer Fernsehserie war – loderte die Eifersucht in Sandra hoch.
Der Tag begann für Sandra also recht erfreulich. Sie aß mit Genuss ihr Vollkornbrötchen, las dabei die Zeitung und widmete sich – Markus’ Ratschlägen zum Trotz – ausgiebig dem Horoskop.
»Ein Unfall mit fatalen Folgen wird Ihr Leben durcheinanderwirbeln und Ihre Pläne zerstören«, stand da. »Hüten Sie sich vor übereilten Konsequenzen.«
Sandra zuckte mit den Schultern. Das war nun nicht gerade das, was sie erfahren wollte. Sie wollte etwas über Partnerschaft lesen. Über einen Traumtypen, dem sie ganz zufällig begegnete ... Nur deshalb studierte sie seit zwei Jahren das Tageshoroskop besonders sorgfältig.
Als sie in ihr Reisebüro fuhr und die ersten Kunden gleich darauf hereinkamen, hatte sie das Horoskop vergessen. Sandra verkaufte ein paar Pauschalreisen in den Süden, einen Trip quer durch die USA, eine Kreuzfahrt mit einem bekannten Partyschiff ... und einen Flug nach Portugal.
Das erinnerte sie daran, dass sie schon in wenigen Tagen selbst nach Madeira fliegen wollte. Das Expedientenangebot eines großen Veranstalters war zu günstig, um es abzulehnen!
Madeira ... die Insel des ewigen Frühlings. Sandra lächelte voller Vorfreude.
Der Tag verging mit viel Arbeit, doch darüber war Sandra nicht böse. Das Reisebüro war noch nicht sehr etabliert, sie war für jeden neuen Kunden dankbar. Abends machte sie die Buchführung, zog sich danach mit einem Reiseführer über Madeira in ihren Lieblingssessel zurück und hörte dabei eine CD von Frank Sinatra.
***
Markus amüsierte sich unterdessen mit Nadine und ein paar anderen Kollegen in einem italienischen Feinschmeckerlokal. Sie aßen hervorragend, sprachen auch dem Rotwein zu – und so war es ganz natürlich, dass noch niemand daran dachte, heimzugehen.
»Wir gehen noch ins ›Saturday Dreams‹«, schlug Nadine vor, und alle stimmten begeistert zu.
In der Disco, die seit einigen Wochen zu den angesagtesten Treffpunkten der Stadt gehörte, herrschte so großer Trubel, dass man das eigene Wort nicht mehr verstehen konnte. Das aber schien niemanden zu stören. Alle tranken, tanzten ab – und flirteten wild drauflos.
Nadine sonnte sich in der Bewunderung einiger junger Fans, sie verteilte ebenso freigiebig Autogramme wie sie mit jedem ihrer Bewunderer einen Drink nahm.
»Hör auf damit«, meinte Markus weit nach Mitternacht. »Morgen kannst du nicht aufstehen.«
»Morgen ist drehfrei, du Spießer. Hast du das vergessen?« Nadine warf lachend den Kopf mit der blonden Löwenmähne in den Nacken, dann ließ sie sich wieder von einem Fremden zur Tanzfläche ziehen.
Kopfschüttelnd sah Markus ihr zu. Sie war unmöglich. Und doch ... wenn er ihre anmutigen Bewegungen sah, wenn er beobachtete, wie sie sich räkelte, ihre Reize zur Schau stellte ... neben Leidenschaft und Begierde flammten auch Abscheu und Eifersucht auf.
Er trank rasch drei Whisky-Cola hintereinander, dann knallte er einen Schein auf den Tresen. »Ich bin weg«, rief er dem Barkeeper zu, der diese Info nur mit einem gleichgültigen Kopfnicken zur Kenntnis nahm.
Draußen schlug Markus kalte Nachtluft entgegen. Für einen Moment taumelte er, hatte sich aber gleich wieder gefangen. In seiner Manteltasche klimperten die Autoschlüssel, doch Markus war klug genug, den Wagen stehen zu lassen. Schon wollte er nach dem Handy greifen, um sich ein Taxi zu rufen, als er von weitem auf der Straße einen Wagen mit dem gelben, hell erleuchteten Schriftzug »Taxi« bemerkte.
Ohne nachzudenken, trat er ein paar Schritte auf die Straße und hob winkend die Hand. Im nächsten Moment hörte er lautes Hupen, das Kreischen von Bremsen ... dann spürte er einen dumpfen Schlag an der Hüfte und hörte einen Schrei, von dem er nicht wusste, dass er selbst ihn ausgestoßen hatte.
Im nächsten Moment verlor er das Bewusstsein ...
Als er wieder zu sich kam, lag er in der Ambulanz der Städtischen Kliniken.
»Was ... was ist passiert?«, stammelte Markus.
»Sie sind mit einem Sportwagen kollidiert – und der war stärker«, erklärte der junge Arzt lakonisch.
»Das Taxi ...« Markus biss sich auf die Lippen, denn gerade hob der Arzt sein Bein ein wenig an. »Das tut weh«, keuchte er.
»Ich denke, das ist gebrochen.« Der Arzt winkte einer Krankenschwester. »Ab mit ihm zum Röntgen. Ich vermute eine Wadenbeinfraktur.«
Und so war es tatsächlich. Markus hatte Glück im Unglück gehabt, denn außer ein paar Schrammen im Gesicht und an den Armen hatte er nur einen einfachen Wadenbeinbruch davongetragen. Man verpasste ihm einen Gehgips und bot ihm an, einen oder zwei Tage in der Klinik zu bleiben.
»Kann ich nicht nach Hause?«
»Sie können – wenn für Sie gesorgt wird. Sie haben ja einen Gehgips, aber Schonung ist schon noch angesagt.«
»Dann will ich heim«, erklärte Markus. Er war sich sicher, dass Nadine ihn gewiss verwöhnen würde. Und seine Haushälterin würde ihm alles Notwendige besorgen. Außerdem war ja auch noch Sandra da ...
Es dämmerte schon, als er mit einem Taxi heimgebracht wurde. Der Gips war hinderlich, aber Markus schaffte es bis in seine Wohnung. Dort schrieb er auf einen Zettel:
Hatte einen Unfall – kommst du gleich mal rüber? Das Papier schob er unter Sandras Wohnungstür, so dass sie seine Nachricht gleich beim Aufstehen sehen musste. Dann nahm er zwei Schmerztabletten und machte es sich in seinem Bett so bequem wie möglich.
Vier Stunden Schlaf lagen hinter ihm, als Sandra ihn vorsichtig weckte. Sie hatte einen Schlüssel für seine Wohnung – so wie er einen von der ihren.
»Um Himmels willen, was ist passiert? Mit wem musstest du deine Kräfte denn messen?«
»Mit einem Sportwagen. Der Fahrer des Flitzers ist wie ein Verrückter gefahren. Ich bin total unschuldig.«
»Sagst du!«
»Sagt auch die Polizei. Und jetzt sei lieb und koch mir einen Kaffee, ja? Ich muss unbedingt mit dem Produzenten reden und ...«
»Kaffee ja – Telefon nein.«
Sandra blieb unerbittlich. Aber sie war eine wundervolle Krankenpflegerin, die Markus rührend umsorgte, ihm sogar Kuchen kaufte und versprach: »Mittags gibt es Rouladen. Mit Klößen und Rotkohl.«
»Herrlich, so eine Krankheit«, grinste er prompt.
»Genieß meine Fürsorge, solange du noch kannst«, gab sie zurück. »In drei Tagen fliege ich in den Süden.«
»Mit einem Ruck setzte er sich auf. »Aber das geht doch nicht! Das kannst du doch nicht machen!«
Sandra lachte. »Und warum nicht, bitte schön?«
»Weil ich ... weil ...« Hilflos brach er ab.
Sandra strich ihm fast mütterlich übers Haar. »Du wirst schon noch jemanden finden, der dich umsorgt. Nadine wird sich in dieser Rolle gefallen. Und vielleicht kommt sogar ein Kamerateam mit ...«
»Du bist gemein und ironisch«, schalt Markus.
»Aber ehrlich«, lachte Sandra. »Und jetzt muss ich rasch auf den Markt. Morgen ist Sonntag, da sind die Geschäfte zu. Ich werde dir noch ein bisschen Vorrat kaufen.«
»Du willst also wirklich fliegen?«
»Klar doch. Es ist alles geregelt. Meine Kollegin weiß Bescheid, eine Aushilfe ist zusätzlich bestellt ... meiner Erholung steht nichts im Weg.«
Aber es zeigte sich, dass Markus keineswegs so versorgt wurde, wie er es sich erhofft hatte. Nadine kam kurz zu Besuch, im Schlepptau ihren Kollegen Jan Ahrenburg. Sie brachten Blumen und Wein, blieben eine halbe Stunde, dann erklärte Nadine:
»Sei nicht bös, Schatz, aber wir haben eine Verabredung mit einem Fotografen im Stadtwald. Du weißt schon – Jan und ich am Wildgehege, als Tierschützer ... das macht sich bestimmt prima.«
»Ja, aber ...« Markus, der auf einem Sessel ruhte und das verletzte Bein hochgelagert hatte, sah seine Freundin kopfschüttelnd an. »Wann kommst du denn zurück?«
Die schöne Schauspielerin zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung. Warte lieber nicht auf mich. Außerdem ...« Sie gab ihm einen raschen Kuss, »bist du ja Rekonvaleszenz. Da braucht man Ruhe. Und ob ich dir die garantieren kann ...« Ein perlendes Lachen folgte.
Markus fand das gar nicht amüsant. Und es tat auch weh, zu sehen, wie Jan und Nadine einträchtig seine Wohnung verließen. Im Hausflur war ihr amüsiertes Lachen zu hören.
Eine Stunde lang hielt Markus es allein aus, dann angelte er nach den beiden Krücken und humpelte schließlich zur Tür.
Noch ein kurzes Zögern, dann machte er die drei Schritte quer durch den Flur bis zu Sandras Wohnungstür. Kurz klingelte er, und als sie öffnete, sagte er mit unglücklichem Gesicht:
»Sandra, ich hab eine riesengroße Bitte ...«
***
Nadine und Jan verbrachten einen herrlichen Nachmittag. Der Fototermin verlief zur Zufriedenheit aller Beteiligten, der Journalist versicherte:
»Ich glaube, daraus könnte man eine ganze Strecke machen. Und wir ihr wisst, arbeite ich ja nicht nur für den Golden Star, sondern auch für zwei weitere Jugendmagazine. Ich bin sicher, man kann euch den Kids als das neue Traumpaar der Saison verkaufen.«
»Wär nicht schlecht«, meinte Jan und legte besitzergreifend den Arm um Nadine.
Der Journalist zögerte, dann fragte er: »Aber ... was ist mit deinem Regisseur, Nadine? Bist du nicht mit Markus Kayser liiert?«
Nadine zuckte mit den Schultern. »Markus ... das ist ein Kapitel für sich. Darüber möchte ich im Augenblick nicht sprechen ...«
Damit hatte sie zwar noch nicht viel verraten, aber doch Anlass zu Spekulationen und so mancher Schlagzeile gegeben.
»Du bist ein Biest«, raunte Jan ihr zu.
»Aber ein süßes, oder?«, gab sie ebenso leise zurück.
»Beweis es.«
Sie schmiegte sich kurz an ihn, und der Fotograf schoss die letzten Bilder. »Später«, raunte sie Jan dabei zu, und es war ein verheißungsvolles Versprechen, dem in der kommenden Nacht die Erfüllung folgte.
Nadine genoss die leidenschaftlichen, hemmungslosen Zärtlichkeiten ihres Kollegen. Jan war wie sie – er nahm sich vom Leben, was es bot. Ohne Skrupel. Ohne Bedenken oder gar Fragen nach der Zukunft. Heute war heute – und heute waren sie jung, genossen ihr Leben und ihren heißen Flirt.
An Markus verschwendete Nadine kaum noch einen Gedanken.
***
Der kranke Regisseur verbrachte diesen Abend in der Gesellschaft von Sandra. Sie hatte ihm diesmal Spaghetti und Garnelen zum Abendessen gemacht, dazu gab es einen herrlich leichten Grauburgunder von der Nahe.
»Du wirst immer mehr zur Weinkennerin«, lobte der Mann und hielt kurz die Flasche hoch.
»Das ist dein Verdienst«, gab Sandra zurück. »Außerdem stand heute in meinem Horoskop, dass es ein Tag wird, an dem man sich selbst verwöhnen sollte. Und wie geht das besser als mit gutem Essen und Trinken?«
»Ich wüsste da noch was«, murmelte der Mann, aber Sandra zog es vor, diese Bemerkung zu ignorieren. Aber ihr Herz schlug ein paar Takte schneller.
Sie aßen und unterhielten sich angeregt dabei. »Tut es dir eigentlich nicht leid, dass du meinetwegen auf die Reise verzichtet hast?«, fragte Markus, als er seinen Teller geleert hatte.
»Verzichtet hab ich ja nicht. Die Reise ist nur um ein paar Tage verschoben worden. Ich hab Glück gehabt, dass das ging.«
»Ach nein! Davon hast du mir ja gar nichts gesagt!«
Sie lachte. »Du musst ja nicht über jeden meiner Schritte genau Bescheid wissen, oder?«
»Doch. Schließlich bist du meine beste Freundin, und um die sorge ich mich natürlich!«
Sandra winkte ab. »Das ist absolut unnötig. Ich komme prima allein zurecht.« Sie machte eine kleine Pause, dann fügte sie hinzu: »Und du bist ja auch schon wieder so fit, dass ich dich unbesorgt allein lassen kann. Deshalb fliege ich in vier Tagen nach Funchal. Diese interessante Reise kann ich mir einfach nicht entgehen lassen!«
»Aber ich ...« Markus brach ab. Ihm wurde bewusst, dass er kein Recht hatte, Sandra ganz mit Beschlag zu belegen. Sie hatte schon viel zu viel für ihn geopfert. Wenn er da an Nadine dachte ... sie amüsierte sich wahrscheinlich blendend ohne ihn! »Sei nicht traurig, übermorgen kannst du ja schon wieder zur Arbeit gefahren werden. Und wenn du erst wieder dein Team um dich hast, bist du auch bald wieder gesund.«
Sandra beugte sich vor, um ihm neuen Wein einzuschenken, dabei streifte sie mit ihrem Haar sein Gesicht.
Markus atmete den zarten Hauch von Zitrone und Jasmin ein, der immer um Sandra war – und spontan streckte er die Hand nach ihr aus, zog sie ein wenig tiefer zu sich und gab ihr einen Kuss auf die Wange. »Du bist das Beste, was mir in den letzten Jahren passiert ist«, flüsterte er dabei.
Sandra stand für den Bruchteil einer Sekunde still, genoss seine Zärtlichkeit. Dann aber rettete sie sich in ein leises Lachen. »Na, herrlich! Das wär ja fast so was wie eine Liebeserklärung geworden! Lass das nur nicht Nadine hören. Sonst ist dein Star noch sauer auf dich.«
»Ach, Nadine ... die kannst du doch nicht mit dir vergleichen.«
Kaum hatte er es ausgesprochen, als ihm bewusst wurde, wie viel Wahres an dieser Aussage war. Sandra war eine wundervolle Freundin, die ideale Partnerin auch in schwierigen Zeiten. Nadine hingegen war ein zauberhafter bunter Schmetterling, der unbeschwert durchs Leben taumelte und es für einen Mann bunter und schöner machen konnte.
Nur leider ... heute verschönerte sie seinen Abend nicht!
Sandra rettete die Situation, indem sie ihm betont forsch aufs Gipsbein klopfte. »Hör auf, sentimentalen Unsinn zu reden. Erzähl mir lieber was über den neuen Drehbuchautor, dessen Manuskript ich gestern gelesen habe. Ein interessanter Stoff.«
Der Bann war gebrochen. Der Abend endete harmonisch, doch unspektakulär.
***
Als Sandra drei Tage später in den Flieger stieg, der sie nach Madeira brachte, saß Markus wieder im Studio und drehte die nächsten Folgen der Serie ab.
Sandra hingegen versuchte noch ein paar Infos aus einem neuen Reiseführer zu bekommen. Aber der Mann auf dem Nebensitz meinte: »Da steht nichts Wesentliches drin. Es gibt so viele kleine versteckte Orte, die ungemein reizvoll sind – die müssen Sie sich ansehen und Ihren Kunden empfehlen.«
»Danke.« Sandra lächelte dem Fremden zu. »Sie haben wohl auch ein Reisebüro?«
»Stimmt. Ich heiße Holger Harmsen. Und Madeira ist meine absolute Lieblingsinsel. Zum Entspannen einfach wunderbar.«
»Holger Harmsen ...« Sandra runzelte leicht die Stirn. »Ich kenne nur die Harmsen-Kette aus Norddeutschland ...«
Ihr neuer Bekannter lächelte. »Ertappt. Das ist meine Familie. Darf ich Sie dennoch in Funchal in meine Lieblingsbar einladen?«
»Dagegen spricht wirklich gar nichts«, lachte Sandra, und als der Flieger endlich landete, war sie sicher, in Holger einen liebenswerten, charmanten Reisebegleiter gefunden zu haben. Kurz dachte sie an Markus – was er wohl dazu sagen würde, dass sie gleich am ersten Abend auf Madeira ein Rendezvous hatte?
***
»Na, wie gefällt’s Ihnen?« Lächelnd sah Holger Harmsen seine Begleiterin an. »Ist die Luft nicht weich wie Seide?«
Sandra lächelte. »Tut mir leid, aber ich bin ja gerade mal fünf Minuten hier – ich hab mir noch keinen Eindruck gebildet.«
Kopfschüttelnd sah der Mann sie an. »Das kann nicht sein! Schauen Sie nur diese Blumenpracht ringsum ... und dann die Sonne, der leichte Wind ... So etwas gibt es nur hier!«
Sandra lachte über seine Schwärmerei, doch schon ein paar Stunden später musste sie zugeben, dass Holger nicht übertrieben hatte. Madeira, die Insel vulkanischen Ursprungs, war wirklich ein Kleinod. Zugegeben, der Weg vom Flughafen bis zum Hotel war streckenweise nicht gerade überragend schön gewesen – Betonpisten sehen überall auf der Welt gleich aus. Doch immer wieder belebten blühende Büsche und Sträucher das Bild.
Und die Hotelanlage ... ein Traum! Sandra hatte auf ihren Reisen schon viele Länder, und erst recht viele Hotels kennengelernt. Schließlich gehörte es zu ihren Aufgaben als Besitzerin eines Reisebüros, sich über Standard und Angebotsvielfalt der einzelnen Häuser zu informieren.
Doch was das Palace bot, war einfach märchenhaft! Sandra trat auf den Balkon und genoss den Blick über die ganze Bucht von Funchal.
»Na, wissen Sie jetzt, warum sich einst Kaiserin Sisi von Österreich hier so wohl gefühlt hat? Ganz in unserer Nähe stand ihr Domizil – ein paar Meter vom Hotel entfernt sehen Sie sogar ein Denkmal, das man der berühmtesten Urlauberin der Insel hier errichtet hat.«
»Ich bin wirklich begeistert, Sie haben nicht zu viel versprochen.« Sandra drehte sich zu dem Mann auf dem Nebenbalkon um. »Sie haben aber auch nicht gesagt, dass wir ganz dicht nebeneinander wohnen.«
Holger lachte. »Beziehungen machen es eben möglich!«
»Dass Sie es zugeben, ehrt Sie.«
»Sekunde ...« Er ging in sein Zimmer zurück, kam aber gleich darauf mit zwei Champagnergläsern zurück. Eins reichte er Sandra über den blumengeschmückten Balkon hinweg. »Auf einen wundervollen Urlaub – und darauf, dass wir ihn zusammen verbringen.«
Sandra zögerte.
»Das sollten Sie nicht allzu wörtlich nehmen«, versicherte Holger rasch. »Aber ich würde mich schon freuen, wenn wir ein paar Ausflüge gemeinsam machen könnten. Und Funchals Nachleben dürfen Sie auf keinen Fall ohne mich genießen!« Bei den Worten zwinkerte er ihr charmant zu.
Sandra lachte. »Überredet. Ich bin gespannt, welche Walker-Qualitäten Sie besitzen!«
Nun, dass er der ideale Begleiter war, stellte sich schon bald heraus. Nicht nur, dass Holger sehr liebenswert und charmant war, er besaß auch große Kenntnisse, war zudem humorvoll und umwarb Sandra auf sehr nette, unaufdringliche Weise.
Am dritten Tag, sie hatten gerade den berühmten tropischen Garten auf dem Monte, dem Hausberg Funchals, besichtigt, meinte Sandra: »Und jetzt sehen wir uns die Schlittenfahrer an! Darüber hab ich schon so viel gelesen.«
»Wir fahren natürlich auch mit so einem Schlitten«, erklärte Holger.
Natürlich stimmte Sandra zu, doch als sie die Gefährte sah, als sie zuschaute, auf welch waghalsige Weise die Touristen mit den Schlitten auf dem Asphalt zu Tal gebracht wurden, wurde ihr doch ein bisschen mulmig zumute.
»Ich ziehe Schlittenfahrten im Schnee vor«, murmelte sie.
»Angsthase!« Holger lachte und nahm sie beim Arm. »Komm, vertrau mir.« Ganz unbewusst war er zum vertraulichen Du übergegangen, und das behielten sie bei. Es war ja auch selbstverständlich – so gut, wie sie sich verstanden!
Während der spektakulären Schlittenfahrt hielt Holger seine schöne Begleiterin fest umarmt, und Sandra empfand seine Nähe als angenehm. Unbewusst schmiegte sie sich ein wenig fester in seine Arme.
Als sie endlich am Ziel waren, konnte Holger sich nicht mehr beherrschen – er gab Sandra einen zarten Kuss auf die Wange. »Weil du so tapfer warst«, sagte er dabei. Seine Stimme klang rauh, und er musste sich beherrschen, um die junge Frau nicht inniger an sich zu ziehen. Sandra war genau die Partnerin, nach der er schon so lange suchte. Sie war nicht nur klug und liebenswert, sie besaß auch Humor – eine Tatsache, die Holger sehr schätzte. Außerdem war sie selbstständig, hatte gleiche berufliche Interessen wie er ... was wollte man mehr zum Glücklichsein?
Doch er spürte, dass es noch zu früh war, über seine Gefühle zu sprechen. Also gab er sich wieder kameradschaftlich, lud Sandra zu einem Espresso in dem berühmten Beatles-Schiff am Hafen ein. Das Boot hatte einst der berühmten Band gehört, jetzt war es zu einem Restaurant umgebaut worden und lockte unzählige Touristen an.
»Und was machen wir nachher?«, erkundigte er sich.
»Ich möchte gern den Wellnessbereich des Hotels aufsuchen«, meinte Sandra.
»Du bist doch schön genug.« Er zog ihre Hand an die Lippen. »Aber ich bin einverstanden – wenn du am Abend mit mir ausgehst. Ich möchte mit dir feiern.«
»Was denn?«
»Unsere Brüderschaft.« Er lachte. »Was hältst du von einem Ausflug in die große Welt?«
»Klingt nicht schlecht. Aber dann musst du mir versprechen, mit mir morgen in die Berge zu wandern. Ich will meinen Kunden schließlich einen umfassenden Eindruck schildern können.«
»Immer zu Diensten«, lächelte er, dann winkte er einem Taxi, das sie zum Hotel zurückbrachte. Während Sandra zum Schwimmen ging und sich anschließend eine Massage gönnte, telefonierte Holger mit seinen Angestellten daheim. Bei aller Verliebtheit – seine Geschäfte durfte er nicht vernachlässigen!
***
Nadine Saalbach räkelte sich gekonnt auf dem mit gelbem Satin bezogenen Bett und winkte ihren Kollegen Jan zu sich. »Bleib heute Nacht bei mir«, flüsterte sie und hob die Arme, zog den gut aussehenden Mann zu sich und küsste ihn leidenschaftlich.
»Schluss – Aus – Szene ist im Kasten!«, rief der Regisseur und versuchte sich aus dem Stuhl zu stemmen. Sein Gips war hinderlich, und wieder einmal verfluchte Markus sein Ungeschick.
»Wir sollten vielleicht doch noch mal ...«, wandte der männliche Hauptdarsteller der Soap Botin der Liebe ein.
»Nicht nötig, alles war perfekt«, erwiderte Markus, und nur mit Mühe gelang es ihm, die Fassung zu bewahren. Dabei loderte heftige Eifersucht in ihm. Was fiel Nadine nur ein, so hemmungslos mit Jan Ahrenburg zu flirten? Jeder am Set konnte feststellen, dass das, was die beiden da getauscht hatten, kein unschuldiger Filmkuss war …
»Na, mein Bär, juckt der Gips?« Lachend trat Nadine neben Markus und hängte sich bei ihm ein. »Zu dumm aber auch, so ein Handicap, nicht wahr?«
Der Regisseur hörte deutlich die Zweideutigkeit aus ihren Worten heraus. »Alles hat seine Vor- und Nachteile«, erwiderte er beherrscht. »So hab ich wenigstens mal wieder Zeit, was Gescheites zu tun.« So, der Seitenhieb saß. Hoffentlich hatte Nadine begriffen, was er ihr damit sagen wollte!
Doch die blonde Schauspielerin warf nur lachend das Haar in den Nacken und meinte: »Dann lies du ruhig ein gutes Buch. Jan und ich haben heute Abend was vor – Fanbetreuung«, fügte sie hinzu, warf ihrem Kollegen dabei einen langen, verheißungsvollen Blick zu.
Markus hätte sie am liebsten geschüttelt und einen Streit vom Zaun gebrochen. Aber er sah, dass schon ein paar Beleuchter, das Skriptgirl und die Maskenbildnerin zu ihnen herüberschauten. Also beherrschte er seine Eifersucht, ging die zwei Schritte zum Regiestuhl zurück und ließ sich ein wenig schwerfällig auf die Leinenbespannung fallen.
»Was ist als Nächstes dran?«, fragte er das Skriptgirl.
»Die Szene am Küchentisch.«
»Gut, dann los.« Er sah seine beiden Hauptdarsteller, zu denen sich jetzt eine ältere Kollegin gesellte, auffordernd an. »Wir machen einen Probelauf, dann geht’s los. Nadine, reiß dich am Riemen, wenn du deinen Text laufend vergisst, erhöht das die Produktionskosten ins Unendliche – und ich mag mir nicht vorstellen, wer das verantworten soll.«
Nadine wurde blutrot, eine junge Kollegin, die mindestens so begabt war wie die blonde Schauspielerin, die sich aber bisher nur mit einer Nebenrolle begnügen musste, kicherte verhalten. Und Markus gestand sich ein, dass sein Vorwurf eine sehr billige Rache gewesen war.
Aber ... sie hatte gewirkt! Nadine wirkte auf einmal höchst konzentriert, sie spielte so gut wie schon lange nicht mehr, die Szene war rasch im Kasten.
Und doch ... Markus fühlte sich unzufrieden. Der einsame Abend, der vor ihm lag, hatte jeden Reiz verloren. Nicht mal die eingefrorene Gulaschsuppe von Sandra, normalerweise ein immer wirksamer Trost in allen Lebenslagen, konnte ihn heute aufheitern.
Kurz vor Mitternacht – er hatte drei Drehbücher durchgelesen und sie allesamt für schlecht befunden – griff er zum Telefon und versuchte Sandra auf ihrem Handy zu erreichen.
»Nur mal hören, wie es ihr geht«, murmelte er dabei.
Schon nach dem fünften Klingelton meldete sich Sandra. Ihre Stimme klang beschwingt, aus der Ferne hörte man Musikfetzen. »Sandra Menrat. Hallo?«
»Ich bin’s ...« Kaum dass er ihre Stimme hörte, kam Markus sich albern vor. Warum hatte er nur angerufen? Um seine Nachbarin zu fragen, wie ihr der Urlaub gefiel? So was Albernes! Sandra reiste beruflich viel durch die Welt, er hatte ihr noch nie hinterhertelefoniert.
»Markus! Ist was passiert?« Jetzt klang ihre Stimme sorgenvoll.
»Nein, nein, alles in Ordnung«, versicherte er rasch. »Ich wollte nur mal ...« Räuspern. »Also, ich wollte nur mal hören, ob du schon ein paar interessante Dinge kennengelernt hast.«
»Oh ja! Hier ist es einfach herrlich!« Sandra lachte. »Und eine sehr nette Begleitung hab ich auch.«
Für eine Sekunde hielt Markus den Atem an. Nette Begleitung ... so etwas hatte sie nie zuvor erwähnt. Da war immer von einer Kollegenclique die Rede gewesen...
»Kennst du ein paar von den mitreisenden Kollegen?«
»Nein. Aber ich hab einige kennengelernt. Vor allem einen sehr liebenswerten Kollegen.« Wieder erklang das gutturale Lachen, dann sagte sie, offensichtlich nicht an Markus gewandt: »Ich bin ja gleich so weit. Sekunde noch.«
»Ich will dich nicht aufhalten«, erklärte Markus spröde.
»Das tust du doch auch nicht. Es ist nur ... Holger und ich wollten noch in eine Bar in Funchal fahren. Sie ist total angesagt. Und heute gibt es da echten Fado ... du weißt, das sieht und hört man im Original nicht mehr oft.«
»Holger ... wer ist Holger?« Er versuchte seine Stimme ganz neutral klingen zu lassen. Schließlich hatten Sandra und er einander immer offen von ihren Bekanntschaften erzählt. So, wie es Freunde tun. Nur diesmal ... irgendwie störte ihn die Vorstellung, dass Sandra es sich im frühlingswarmen Madeira gut gehen ließ und hemmungslos flirtete, während er ...
»Sag mal, hörst du mir überhaupt zu?« Sandra lachte. »Ich hab dir gerade vorgeschlagen, mit Nadine auch mal hierher zu fliegen. Die Strandpromenade würde ihr bestimmt gefallen.«
»Nadine ist beschäftigt. So wie ich auch. Du weißt doch, dass wir die nächsten dreißig Folgen im Akkord hintereinander drehen müssen.«
»Stimmt, ja. Na, lass dir deshalb die Stimmung nicht verderben. Sei lieber froh, dass dein Bein dir keine großen Probleme macht.« Sie zögerte, dann fügte sie leiser hinzu: »Oder geht es dir nicht gut?«
»Aber natürlich! Es geht mir blendend. Und jetzt – viel Spaß noch heute Nacht!«
»Danke, den werd ich haben!« Sandra lachte wieder dieses leise, ein wenig erotische Lachen, das ganz neu an ihr war – und das Markus ziemlich irritierte. Er beendete das Gespräch mit einem kurzen Gruß. Dann humpelte er zu seiner Hausbar und goss sich einen dreistöckigen Whisky ein. Wenn er ihn jemals gebraucht hatte, dann heute!
Er trank das Glas in einem Zug leer, dann warf er sich aufs Bett und starrte so lange zur Decke, bis ihm die Augen zufielen.
In der Nacht träumte er wirres Zeug: von Nadine, die erst mit Jan vor den Traualtar trat, dann mit ihm. Und gerade, als er ihr das Jawort geben wollte, kamen Sandra und ein feuriger Südländer herein und erklärten, dass die Trauung nicht stattfinden dürfe.
Warum, erfuhr Markus nicht, denn er wachte gerade in diesem Moment auf, als er sich im Traum auf Sandra und ihren Begleiter zubewegte …
***
»Ein herrlicher Abend!« Sandra lehnte an der Terrasse des weitläufigen Restaurants und sah zum Himmel hoch. Unzählige Sterne glitzerten dort. Und wie immer im Süden, hatte man den Eindruck, dass man dem Himmel ein Stück näher war.
»Ja, find ich auch.« Holger trat neben sie und legte den Arm um sie. »Eine Nacht für Verliebte.« Er zögerte für den Bruchteil einer Sekunde, wartete auf Sandras Reaktion. Und als die ausblieb, fügte er hinzu: »Also eine Nacht für uns.«
Sandra schwieg noch immer, doch sie lehnte sich ein wenig mehr zurück, griff nach einem Ast der üppig violett blühenden Bougainvillea und atmeten den Duft der Blüten ein. Dabei schloss sie für einen Moment die Augen.
Holger lächelte, dann zog er sie an sich. Seine Lippen waren weich und warm. Seine Hände auf ihrer Haut fest, aber auch sehr zärtlich. Es war schön, von ihm gestreichelt zu werden. Und sein Kuss weckte die Lust nach mehr …
Sandra ließ den Blütenzweig los, hob die Arme und legte sie um Holgers Hals. So standen sie lange und genossen die Nähe des anderen.
»Komm weg von hier«, flüsterte Holger schließlich. »Ich will mit dir allein sein.«
»Gut ...« Sie griff nach ihrer Handtasche, die auf einem Korbsessel lag, dann gingen sie Hand in Hand zur Tür.
Draußen vor dem Lokal standen Taxis. Der Weg bis zum Hotel war nicht lang, und während der ganzen Fahrt hielt Holger Sandras Hand fest. Seine Hände streichelten ihre Finger, hin und wieder hob er ihre Hand an seine Lippen.
Sandra genoss diese Zärtlichkeiten. Wie lange war es schon her, dass sie so einen intensiven Flirt erlebt hatte! Eine kleine, traurige Ewigkeit!
Im Hotel angekommen aber überfielen sie Ernüchterung und Vernunft. Nein, so ging das nicht. Holger war ihr zu wertvoll, um nur mit ihm zu spielen.
»Was ist los? Geht es dir zu schnell?« Liebevoll sah er sie an. Und als sie nur leicht nickte, meinte er: »Dann los, auf in die Bar. Da ist bestimmt noch was los. Wir tanzen bis zum frühen Morgen.«
Und wirklich – sie tanzten die halbe Nacht. So lange, bis die Band ihre Instrumente zusammenpackte. Aber noch wollte sie beide nicht schlafen gehen.
»Wir gehen zum Strand«, schlug Sandra vor.
»Ein Bad in der Nacht – auch romantisch«, lachte Holger.
Sie liefen wie die Kinder zum Wasser hinunter, an den blühenden, süß duftenden Blumenrabatten des Hotelgartens vorbei bis zum schmalen Sandstrand.
Dort warfen sie ihre Kleider ab und stürzten sich in das noch warme Meerwasser. Weit schwammen sie hinaus. Schweigend. Aber sich ganz nah.
Und dann, endlich, als sie wieder an Land waren, sanken sie in einer innigen Umarmung in den Sand.
Als Sandra nach einigen Stunden erwachte, lag sie in Holgers Armen. Er hatte sie mit seinem leichten Leinenjackett zugedeckt und schaute sie an. In seinen Augen las sie nichts als Liebe. »Glücklich?«, fragte er leise.
»Sehr glücklich«, erwiderte sie – und gestand sich schon in der nächsten Sekunde ein, dass es eine Lüge war. Denn obwohl Holger ihr so nahe war, wünschte sie sich, bei Markus Kayser zu sein …
***
»Das war die schönste Nacht meines Lebens«, gestand Holger Harmsen und küsste Sandra zärtlich. »Es ist einfach wundervoll, dass wir uns hier auf Madeira begegnet sind.«
Sandra nickte, sie verbarg das Gesicht in seiner Halsbeuge, um ihn nicht ansehen zu müssen. Holger war ein so lieber Mann ... er hatte es einfach nicht verdient, dass sie ihn belog. Und es wäre eine Lüge gewesen, wenn sie ihm jetzt gesagt hätte, dass auch sie ihn liebte.
Dabei wäre es so einfach gewesen, ihm ihr Herz zu schenken! Hatte ihr Horoskop ihr nicht für diese Reise eine große Aufregung versprochen? Sandra liebte Horoskope, sie las sie – tat so, als halte sie alles für reinen Unsinn – und konnte doch nicht verhindern, dass sie heimlich so lebte, wie es morgens das Tageshoroskop riet.
Ja, und zu dieser Reise nach Madeira hatte es ja eindringlich geraten! Aufregungen und interessante Begegnungen waren ihr versprochen worden – und die hatte sie ja auch wirklich gehabt.
Nur leider ... leider konnte sie den Mann, der seit Monaten durch ihre Gedanken kreiste, der sie ganz ausfüllte und nach dem sie sich sehnte, immer noch nicht vergessen. Dabei war Markus Kayser es wahrhaftig nicht wert, dass sie ihr Herz so bedingungslos an ihn verloren hatte. Er war ein Macho. Ein Casanova. Ein selbsternannter Playboy ... ach was, er war ihr Traummann!
Aber er war zurzeit mit Nadine, der Hauptdarstellerin seiner neuen Serie, verbandelt. Und sie, Sandra, lag in den Armen eines wunderbaren Mannes ...
»Was ist los, Liebes?« Holger versuchte ihr in die Augen zu sehen.
»Nichts ist los«, versicherte sie rasch. »Mir ist nur ... ein bisschen kalt. Wir sollten ins Hotel zurückgehen, ehe uns die ersten Frühaufsteher hier überraschen.«
Er lachte. »Von mir aus kann jeder sehen, dass ich dich liebe«, meinte er.
Sandra verzog ein wenig das Gesicht. »Mir wäre schon lieber, man würde uns angezogen miteinander sehen.«
»Hast ja recht. Na komm ...«
Eine knappe Stunde später saßen sie – geduscht und angezogen, im Hotelrestaurant und ließen sich das Frühstück schmecken. Immer wieder fühlte Sandra die zärtlichen Blicke des Mannes auf sich gerichtet, und ihr Gewissen pochte immer lauter. Was hatte sie da nur getan? Sich von einer warmen Frühlingsnacht verführen lassen? Ihrer Sehnsucht nach ein bisschen Zärtlichkeit nachgegeben? Oder hatte sie vielleicht versucht, in Holgers Armen diesen verflixten Markus zu vergessen?
Wahrscheinlich kam von allem ein bisschen zusammen.
Und was jetzt?
»Wenn du einverstanden bist, organisiere ich uns heute eine Bootsfahrt rund um die Insel«, schlug Holger vor. »In zwei Tagen geht es schon wieder nach Hause, da sollten wir uns einen kleinen Ausflug nach Porto Santo gönnen.«
»Weißt du, dass die Einheimischen die kleine Insel Dourada, die Vergoldete, nennen?«
»Frau Reisebürokauffrau – Sie haben sehr gut aufgepasst«, lachte Holger. »Aber es stimmt, dieses kleine Inselchen ist wirklich Gold wert für seine Bewohner. Der neun Kilometer lange Sandstrand ist feinkörnig, er soll sogar Rheumakranken helfen.«
»Na, dann nichts wie hin, wir wollen unseren Kunden schließlich ganz authentisch erzählen, was sie hier erwartet.«
Und so fuhren sie schon wenig später in einem kleinen weißen Boot hinüber nach Porto Santo, ließen sich von der kargen Schönheit der Landschaft faszinieren, machten einen Strandspaziergang, besichtigten ein paar alte Windmühlen – und kehrten am Nachmittag nach Madeira zurück.
Auf ihrem Zimmer fand Sandra einen herrlichen Rosenstrauß vor, einen Gruß von Holger. Kurz vergrub sie ihr Gesicht in den duftenden Blüten. »Er hat es nicht verdient, dass ich mit ihm spiele. Ich muss ihm sagen, dass es nur ein Urlaubsflirt ist«, flüsterte sie.
Aber dann brachte sie es doch nicht fertig. Und so flogen sie heim – für alle, die sie beobachteten, wirkten sie wie ein frisch verliebtes Paar. Holger ließ es sich nicht nehmen, Sandra nach Hause zu begleiten, dann erst fuhr er mit einem Leihwagen zurück nach Hamburg, wo er sich erst mal wieder um seine Geschäfte kümmern musste.
»Ich besuche dich, sobald es geht«, versprach er. »Vielleicht sogar schon am nächsten Wochenende.« Er küsste Sandra lange und leidenschaftlich. »Ich weiß gar nicht, wie ich ohne dich die Tage überstehen soll«, murmelte er an ihrem Ohr. »Ich liebe dich, Sandra.«
»Wir sehen uns ja bald wieder.« Sie umarmte ihn ein letztes Mal.
***
Ihre Wohnung kam ihr kalt und leer vor. Nicht mal Fips, das Kaninchen, war da. Markus hatte es sich wohl rüber in seine Wohnung geholt, damit er es mit dem Füttern einfacher hatte. Zudem brauchte Fips seine Streicheleinheiten, und Markus war wirklich lieb zu dem kleinen Nager.
Sandra nahm sich nicht die Zeit, auszupacken, sie klingelte gleich an der Nachbarwohnung. Sekunden später öffnete Markus – und breitete lachend die Arme aus. »Heimkehrerin! Endlich! Ich hab schon gedacht, du machst eine Weltreise wie einst Marco Polo.«
»Ich war nur knapp eine Woche weg!«
»Aber du hast dich verändert ...« Markus zog sie aufs Sofa, sah ihr forschend ins Gesicht. »Irgendwas ist anders ...« Er schlug sich vor die Stirn. »Du hast dich verliebt! In Kaiserin Sisis Inselparadies.«
»Ach was. Du redest Unsinn.« Sie wandte den Kopf ein wenig zur Seite. »Sag mir lieber, wie es dir geht. Was macht dein Bein?«
»Heilt ganz gut. Der Gips juckt.«
»Das tun Gipse immer«, lächelte sie. »Aber du kannst doch damit zur Arbeit, oder?«
»Klar. Jeder Drehtag ist teuer, und wir sind eh ganz knapp mit der Zeit.«
»Nun, ich hoffe, dass Nadine dennoch Gelegenheit hatte, sich um dich zu kümmern.« Es sollte ganz harmlos klingen, doch sie konnte den ironischen Unterton einfach nicht aus ihrer Stimme verbannen – zumindest nicht, wenn sie über die junge Schauspielerin sprach.
»Nadine hat natürlich alles getan, was in ihrer Macht stand«, log Markus, ohne rot zu werden. Nie im Leben hätte er zugegeben, dass seine Hauptdarstellerin gar nicht daran dachte, bei ihm ihre pflegerischen Qualitäten auszuprobieren. Im Gegenteil, sie zog es vor, mit Jan Ahrenburg um die Häuser zu ziehen, statt sich um ihn, Markus, zu kümmern. Aber das behielt er besser für sich.
»Ich muss gleich noch mal weg – neue Vorräte besorgen«, sagte Sandra nach dem Begrüßungsdrink. »Brauchst du noch was?«
Natürlich tat er das! Der Eisschrank war fast leer! Aber das hätte er nie zugegeben. So schüttelte er den Kopf.
»Bin gleich wieder da! Dann hole ich Fips und den Stall.« Und schon war Sandra wieder draußen. Markus sah ihr nach, wie sie das Haus verließ. Blendend sah sie aus. Dieser Urlaub hatte ihr wirklich gutgetan. Sein Herz schlug auf einmal schneller.
Sandra ... nein, das kam ja gar nicht in Frage! Sandra war eine gute Freundin. Eine immer hilfsbereite Nachbarin. Aber als Frau ... nein, als Frau besaß sie keinerlei Reiz für ihn.
Aufseufzend zog er sich aufs Sofa zurück, wo drei Drehbücher darauf warteten, durchgelesen zu werden. Zwischendurch versuchte er Nadine zu erreichen, doch sie war nicht zu Hause. Und ans Handy ging sie auch nicht, nur die Mailbox lief. Frustriert gab Markus auf, ohne eine Nachricht zu hinterlassen.
Sandra machte nur einen kurzen Einkaufsbummel, frisches Obst, Gemüse, Brot, etwas Milch und Joghurt ... mehr benötigte sie fürs Erste nicht. Als sie an der kleinen Metzgerei vorüberging, wo sie Stammkundin war, zögerte sie – dann ging sie doch hinein und kauft zwei Kilogramm Gulaschfleisch. Markus wirkte so deprimiert ... vielleicht konnte sie ihn mit seinem Lieblingsgericht ein wenig aufmuntern. Und auch das eigene Gewissen besänftigen …
