Spätlese - Richard Bletschacher - E-Book

Spätlese E-Book

Richard Bletschacher

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Beschreibung

schlicht und genau sprich nur mit dem Mund und den Augen den Wortsinn achtend doch dem Rhythmus unfehlbar gehorchend den Reim leichthin erspürend wie auch den farbigen Klang der Vokale und das herbe Geräusch der Mitlaute wecke auch die Musik die nur leicht bedeckt schlummert ganz behutsam und bleibe verständlich vor allem den Ohren wie auch den Herzen das andere aber lass den Dichter nur machen Aus Richard Bletschachers Gedicht Wie man Verse sprechen soll

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Seitenzahl: 64

Veröffentlichungsjahr: 2025

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SPÄTLESE

RICHARD BLETSCHACHER

SPÄTLESE

Gedichte 1997–2025

Mit freundlicher Unterstützung von

Richard Bletschacher, Spätlese. Gedichte 1997–2025

(Aktualisierte und ergänzte Auflage)

© Hollitzer Verlag, Wien 2025

Die Bilder auf dem Cover und die Autorenzeichnung stammen von Richard Bletschacher.

Satz und Covergestaltung: Daniela Seiler

Gedruckt und gebunden in der EU

Alle Rechte vorbehalten

Hollitzer Wissenschaftsverlag

Trautsongasse 6/6, A-1080 Wien

[email protected]

www.hollitzer.at

ISBN Druckausgabe: 978-3-99094-602-2

ISBN 978-3-99094-603-9

INHALT

Vorwort

Kaila

August 1945

Letzter Herbst

Neuer Morgen

Grabinschrift eines Gladiators

España en el corazon

Wie man Verse sprechen soll

Der König von Siam

Zur Stunde des Feuerlöschens

Die Städte denen ich zu danken habe

An J. W.

Pannonischer Herbst

Pasiphae und Apollon

Vom himmlischen und vom irdischen Frieden

Eins nicht ohne das andre

Grabinschrift für Mutter und Kind

An eine Unbekannte

Vision fugitive

Forschungsbericht

Zeit und Ewigkeit

Das totgeglaubte Feuer

Die beiden Falken

Kinderfragen

Februarmorgen

Rosen

Epitaph

Vier altägyptische Liebesgedichte

Seine et Oise

Für Virgilius Maro zur Flöte zu singen ein Lied

An den von Sachsendorf

Frühsommer an der Thaya

Unterm Jasminbusch

Proserpinas Wiesen

Sommerende

Der Habicht

Farben der Landschaft

April

Frühlingsbeginn

Leda und der Schwan

Unser Vermächtnis

Die Thaya

Via Claudia

Vergängliche Pracht

Zurück in Wien

Planch

Vollmondnacht

Herbstliche Liebe

Der Klangholzbaum klagt

Dezember

Spätlese

Letzte Blüten

Vom Glück des Lebens

Rückblick

Wiederbegegnung

Irdische und himmlische Freuden

Bücher

Meine Hände

Nachrichten

Der Kirschbaum

Wittgenstein

Schilflied

Auf dem Friedhof

Artemis

Erinnerung

Schlaflose Nacht

Herbstliche Liebe

Stille Trauer

Auf halbem Wege

Abends im Park

Sehnsuchtsruf

Vergangene Zeiten

Nachtmar

Schlafliedchen

Danksagung

Binsenweisheit

Chorus mysticus

Auferstehung

Ein Tag im Mai

Frühling in meinem Garten

Schlaf

Kuckucksruf

Herbstvogel

Sappho

Die Einsame

Tröstungsversuch

Fernweh

Varanasi

Die Liebe der Danae

Sommernachmittag

Die Farben Weiß und Blau

Herbst

Johannes XII.

Rückblick

Kondensstreifen

Das Lied aus dem Feuerofen

Traumfrau

Curriculum vitae

Der alte Seemann

Damals und heute

Sommerregen

Frühling noch einmal

Wiederbegegnung

Alte Wunden

Der Tod eines Dichters

Morgens am Bach

Letztes Wiedersehen

Heidelberg

Im Kaffeehaus

Blütengeheimnisse

Aus den Lehren des hundertjährigen Ptah-hotep

Trug und List

Sonnenaufgang

Für Caspar David Friedrich ein Lied

Sternennacht

Abgesang

Die verlorene Wimper

Nachts auf dem Lande

Mondnacht

Erinnerungen

Heidelberg aus der Ferne

Nachts am Strand

Garten im Herbst

Heimweg

In deinem Garten

An eine Tote

Mittsommer

Damals

Sommerliebe

November

Eine tote Liebe

Ein Ägypter schreibt an seine Frau

Ratschläge

Ein Brief an Gaius Valerius Catullus

Letzter Gruß

Letzte Rosen

Vesperläuten

Tango

Farben

Herbstahnung

Donec eris felix

Traumbild

Herbstlaub

An eine Abgewandte

Ein Lied für den Freiherrn von Eichendorf

Mozarts Klarinettenkonzert

Abschiedskuss

Spätsommer

Hochsommer

Frühlingswunder

Das Ende des Festes

Der Traum

Lächelnde Landschaft

Flugspuren

Am Ufer des Acheron

VORWORT

Nachdem ich, allzu voreilig, um die Jahrtausendwende meine gesammelten Gedichte herausgebracht hatte, meinte ich, meine Arbeit getan zu haben und wandte mich meiner alten Liebe, der bildenden Kunst zu. Aber meine Feder wollte es anders. Un so entstanden wie nebenher immer wieder einmal Gedichte, die ich nicht im Nachlass verschwinden lassen wollte. Endlich versammelte ich sie in dem kleinen Band, den ich Spätlese nannte. Und doch war es damit nicht getan. Wenn ich einst dachte, dass der lyrische Vogel nur in seinen jungen Jahren zu singen gesinnt sei, hat mich das Alter gelehrt, dass auch die späten Jahre ihre Melodien haben.

Nun erscheint von diesem Abschiedsbuch eine zweite Auflage. Das war mir Anlass, das bereits Veröffentlichte noch einmal durchzusehen und es durch das neu Entstandene zu ergänzen. Ob es das Allerletzte sein wird, getraue ich mich nicht zu sagen.

Das Bild auf dem Umschlag zeigt noch immer den selben von einer freundlichen Sonne beschienenen, herbstfarbenen Tag auf dem Lande in einem sich neigenden Jahr.

Alle, die mir geholfen haben, diese Gedichte mit Hilfe von Papier und Druckerschwärze in dies schöne Buch zu verwandeln, seien herzlich bedankt.

Kaila

1997

auf den Gipfeln der Schneeberge

wohnen umschlungen

von tausend Gebeten die Götter

thronen auf vier Dämonen

aus deren Mäulern

die Flüsse entspringen

in deren Wassern waschen

die Mädchen ihre Gesichter

ihre Wangen sind unsere Freude

ihre Augen aber

widerspiegeln den Himmel

wen wundert es daß sie leuchten

August 1945

2000

die kleine Cho-cho-san

hat ihre Stadt Nagasaki

damals nicht retten können

den Sicherheitsberatern

war ihr Name gar nicht bekannt

ihr blonder schlitzäugiger Sohn

Speranza mit Namen

saß unterdessen

wohlverwahrt in einem

Internierungscamp in Virginia

der diavolo di Pinkerton graubärtig

und immer noch nicht Kapitän

ließ an Bord seines Schlachtschiffs

Corpus Christi mit Namen

sich ein Fernglas beschaffen

doch er sah dadurch nur

das große Ganze

und nichts im Detail denn die Erde

krümmte sich an jenem Tag

mehr als jemals zuvor

Letzter Herbst

2000

neben mir spür ich mich liegen

über mir ist ein Sirren

unter mir ist ein Wiegen

hör ich die Spaten schon klirren

ist’s ein Sinken ein Fliegen

trägt mich Ebb’ oder Flut

einst zog ich aus um zu siegen

nun wird sich alles entwirren

ist’s der Tod ist es gut

Neuer Morgen

2000

ein Fackelzug aus dem Osten

unterm Jubelgeschrei

der erwachenden Vögel

so kommt die Sonne herauf

erschrocken schlagen

sich die Gespenster der Nacht

ihre schwarzen Gewänder

über erloschne Gesichter

wo bleibt dein Kummer Herz

da mir die Augen nun hell

widerscheinen von diesem

goldprangenden Wunder

Grabinschrift eines Gladiators

2001

Sardos hieß ich der Phrygier

Pardos der Panther ward ich genannt

nicht hab ich all die gezählt

die ich mit Netzen umschlang

mit dem Dreizack erstach

mit den Händen erwürgt ich

Hieron meinen Kampffreund

obwohl er um Gnade mich bat

den Schamlosen schlachtete

ich wie einen Esel weil es

die johlende Menge

lauthals lechzend befahl

hier nun lieg ich selbst unterm Stein

eurer Mordlust zum Opfer

meinem Mörder zum Ruhm

und den Würmern zum Fraß

España en el corazon

2001

auch in Spanien so würde ich meinen

aus großer Ferne hinwinkend

auch in Spaniens ockerfarbener Erde

hätte mein Herz es vermocht

Wurzeln zu schlagen am Rand

uralter Maultierpfade oder

inmitten des Flors der Safrangefilde

auch unter Spaniens Sonne

hätte die Brust sich mir erwärmt

und der vom Gitarrengeklirr

herbsüß gewürzte Seewind

unterwegs von einem Meere zum andern

hätte mir Kühlung geschaffen

auf den Höhen der Estremadura

und von Spaniens lindas mujeres

und dem Duft der Orangen

in ihren Achselhöhlen

soll hier gar nicht gesprochen

soll nur geschwiegen sein

in der ernsten Wollust

der spanischen Sprache

Wie man Verse sprechen soll

2001

sprich weder ängstlich gemurmelt

noch mit weithin schallender Stimme

weder halb erstickt vom eignen Empfinden

noch gramerfüllt oder gar listig

nicht elegant virtuos oder belehrend

nicht von Bedeutung geschwängert

noch gebläht von verheimlichter Weisheit

schlicht und genau sprich

nur mit dem Mund und den Augen

den Wortsinn achtend doch

dem Rhythmus unfehlbar gehorchend

den Reim leichthin erspürend

wie auch den farbigen Klang der Vokale

und das herbe Geräusch der Mitlaute

wecke auch die Musik

die nur leicht bedeckt schlummert

ganz behutsam und bleibe

verständlich vor allem

den Ohren wie auch den Herzen

das andere aber lass

den Dichter nur machen

Der König von Siam

2001

der König von Siam berichtet John Locke

der König von Siam wollte nicht glauben

was ihm europäische Gäste

vom ewigen Eise erzählten

er hatte nie eine Schneeflocke gesehn

wie würde John Locke sich seinerseits wundern

wenn er des Königs Ururenkel sähe als Gast

umzuckt von Blitzlichtgewittern

auf dem verschneiten Flugfeld von Heathrow

aus einer Concorde oder Boing vorsichtig steigen

in Raum und Zeit verfangen

weit ratloser sind wir noch als die beiden

vor den Wundern die uns Todgeweihten

auf unserm blauen Planeten

noch immer verborgen sind

Zur Stunde des Feuerlöschens

2001

zur Stunde des Feuerlöschens

kamst du durchs Fenster zu mir

in deiner Hand sah ich’s

im Widerschein blinken

rot atmend schien mir die Glut

dann verging mir das Schauen

als ich erwachte sang im Westen