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Die Hexen von Spellbound sind in Aufruhr. Beamte des nationalen Hexenzirkels kommen in die Stadt, um den lokalen Zirkel und die Akademie von Spellbound zu inspizieren. Schnell wird klar, wie nachlässig einige ihrer Regeln sind.
Das Letzte, was sie jetzt gebrauchen können? Eine Leiche im Klassenzimmer der Akademie!
Dazu kommt auch noch, dass Reporter aus Starry Hollow, einer anderen paranormalen Stadt, nach Spellbound kommen, um einen Artikel über die Befreiung der Stadt zu schreiben - und stattdessen über den Mordfall berichten wollen.
Emma stürzt sich in die Suche nach dem Mörder, bevor der ganze Hexenzirkel noch dem Erdboden gleichgemacht wird.
Die Serie: Willkommen in Spellbound - einer Kleinstadt wie jeder anderen. Es gibt Tratsch, heimliche Affären und Verbrechen. Der einzige Unterschied? Hier leben keine Menschen ...
Emma Hart landet durch eine Reihe misslicher Umstände in dieser zauberhaften Stadt voller übernatürlicher Wesen. Doch es gibt ein Problem: Wegen eines Fluches können die magischen Bewohner die Stadt nicht mehr verlassen.
Nicht der beste Zeitpunkt für Emma, um zu erfahren, dass sie eine Hexe ist! Die Anwältin macht das Beste aus der Situation und übernimmt den Job des Pflichtverteidigers, der kürzlich ermordet wurde. Denn auch in Spellbound gibt es Ganoven und Mörder. Doch Achtung: Nicht jeder Vampir oder Werwolf ist so böse, wie er aussieht - und nicht jede Elfe ist harmlos!
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Seitenzahl: 279
Veröffentlichungsjahr: 2026
Cover
Inhalt
Grußwort des Verlags
Über diese Folge
Spellbound - Die Serie
Titel
Widmung
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
In der nächsten Folge
Über die Autorin
Impressum
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Die Hexen von Spellbound sind in Aufruhr. Beamte des nationalen Hexenzirkels kommen in die Stadt, um den lokalen Zirkel und die Akademie von Spellbound zu inspizieren. Schnell wird klar, wie nachlässig einige ihrer Regeln sind.
Das Letzte, was sie jetzt gebrauchen können? Eine Leiche im Klassenzimmer der Akademie!
Dazu kommt auch noch, dass Reporter aus Starry Hollow, einer anderen paranormalen Stadt, nach Spellbound kommen, um einen Artikel über die Befreiung der Stadt zu schreiben – und stattdessen über den Mordfall berichten wollen.
Emma stürzt sich in die Suche nach dem Mörder, bevor der ganze Hexenzirkel noch dem Erdboden gleichgemacht wird.
Folge 12 der zauberhaften Cosy-Crime-Serie!
Willkommen in Spellbound – einer Kleinstadt wie jeder anderen. Es gibt Tratsch, heimliche Affären und Verbrechen. Der einzige Unterschied? Hier leben keine Menschen …
Emma Hart landet durch eine Reihe misslicher Umstände in dieser zauberhaften Stadt voller übernatürlicher Wesen. Doch es gibt ein Problem: Wegen eines Fluches können die magischen Bewohner die Stadt nicht mehr verlassen.
Nicht der beste Zeitpunkt für Emma, um zu erfahren, dass sie eine Hexe ist! Die Anwältin macht das Beste aus der Situation und übernimmt den Job des Pflichtverteidigers, der kürzlich ermordet wurde. Denn auch in Spellbound gibt es Ganoven und Mörder. Doch Achtung: Nicht jeder Vampir oder Werwolf ist so böse, wie er aussieht – und nicht jede Elfe ist harmlos!
Mord im Hexenkessel
Aus dem Englischen von Ulrike Gerstner
Ein großes Dankeschön geht an Jennifer Lenhath, die von meinen Büchern so ungemein begeistert ist und auf die Astrids neues Getränk im Brew-Ha-Ha – der Valhalla-Java mit einem Schuss Durchschlagskraft – zurückgeht.
»Emma«, flüsterte eine Stimme. »Emma, wach auf!«
Ich drehte mich um, als ich sie hörte. Seine Stimme war mir wohltuend vertraut, aber warum klang er so weit weg?
»Emma, ich glaube, er will mich umbringen.«
Meine Lider klappten auf. In der Dunkelheit konnte ich neben mir zwei Silhouetten statt einer ausmachen. »Daniel?« Ich starrte meinen Ehemann an und versuchte zu begreifen, was er sagte. »Warum hast du einen Felsbrocken auf der Brust?«
»Das ist kein Felsbrocken«, entgegnete er, »obwohl es sich so anfühlt.«
»Ich kann nichts sehen«, gab ich zurück. Wie spät war es?
Erlaube mir, die Situation zu erhellen, ertönte Sedgwicks Stimme.
Sedgwick!, schalt ich meinen Vertrauten. Was machst du hier drin? Ich hatte gedacht, wir hätten die Grenzen klar abgesteckt. Dieser Raum ist jetzt für Daniel und mich.
Erklär das mal Daniels Felsbrocken, antwortete Sedgwick.
Ich hörte das Rascheln seiner Federn, als er eine der Feenlaternen anschaltete. Der sanfte Schein offenbarte ein abscheuliches Bündel auf Daniels Brust.
»Magpie! Was glaubst du, was du da tust?«, verlangte ich zu erfahren.
Daniel lag regungslos neben mir. »Ich glaube, er versucht, mir die Seele auszusaugen«, flüsterte er.
»Magpie tut so etwas nicht«, sagte ich. Obwohl der überdimensional große Kater von vielen für ein Höllenbiest gehalten wurde, war er harmlos.
In diesem Moment drehte sich Magpie zu mir um und fauchte heftig.
Okay, teilweise harmlos.
»Magpie, du gehst jetzt sofort von Daniels Brust runter oder du wirst dich mit einer beispiellosen Thunfischdurststrecke auseinandersetzen müssen.« Mein Tonfall ließ keinen Zweifel am Wahrheitsgehalt meiner Aussage. Magpie starrte Daniel noch einen Moment lang an, bevor er auf den Boden sprang und aus dem Raum rannte. Daniel atmete tief ein und erfreute sich an der Möglichkeit, wieder Luft holen zu können.
»Tut mir leid«, sagte ich.
Daniel drehte sich zu mir um und lächelte. »Du brauchst dich nicht für sein Verhalten zu entschuldigen. Aber wenn das so weitergeht, müssen wir ein weiteres Familiengespräch ansetzen.«
Ich stöhnte auf. Ich fürchtete mich vor einem weiteren Familiengespräch, denn ich wusste aus Erfahrung, dass vier sensible Männer und Emma in einem Raum gleichbedeutend mit einem Nervenzusammenbruch waren.
»Wir brauchen einfach mehr Zeit, um uns einzugewöhnen«, erwiderte ich. »Unsere Hochzeit und das Zusammenziehen stellen für uns alle eine große Herausforderung dar.«
»Das ist mir klar«, meinte Daniel und strich mir die Haare aus dem Gesicht. »Wir haben versucht, Grenzen zu setzen, aber niemand scheint sich daran zu halten. Irgendwann werden wir den Blitz einschlagen lassen müssen.«
»Bist du jetzt Zeus?«, neckte ich. »Jedenfalls ist ein Blitzeinschlag ein bisschen unverhältnismäßig, findest du nicht auch? Wie wäre es, wenn wir einfach Thors Hammer niedersausen lassen?«
Daniel lachte leise. »Oder wir könnten versuchen, ein Schloss an der Schlafzimmertür anzubringen.«
»Wozu die Mühe? Das wird Gareth nicht aufhalten.«
»Was wird Gareth nicht aufhalten?« Mein Vampirgeistmitbewohner schwebte direkt durch die Wand ins Zimmer. Gareth war genauso schuld an unserem derzeitigen Zustand wie Magpie oder Sedgwick. Magpie war der Katzenbegleiter des Vampirs. Würde Gareth sich endlich an die Regeln halten, dann würde Magpie das zweifellos auch tun.
»Daniel ist aufgewacht und hat in den Schlund von Magpie gestarrt«, sagte ich. »So kann das nicht weitergehen, Gareth. Ich möchte, dass wir alle hier zusammenleben, aber es gibt Regeln und jeder muss sie befolgen.«
»Du weißt, dass ich ein großer Befürworter bin, was das Befolgen von Regeln angeht«, erwiderte Gareth. In gewisser Hinsicht stimmte das auch. Als ehemaliger Pflichtverteidiger in Spellbound war Gareth als Verfechter von Gesetzen und Vorschriften bekannt. Aus irgendeinem Grund schien sich diese Neigung nicht auf sein gegenwärtiges Privatleben zu übertragen.
»Bitte rede mit Magpie«, sagte ich. »Sonst müssen wir drastische Maßnahmen ergreifen.«
Gareth runzelte die Stirn. »Das ist nicht nötig. Wir kriegen das schon hin.« Seine Gestalt löste sich auf, und so blieb nur Sedgwick im Schlafzimmer zurück.
Angesichts deiner Miene sollte ich wohl besser verschwinden, brummte Sedgwick.
Sehr scharfsinnig, gab ich zurück. Denk an dieses Gesicht, wenn du dich das nächste Mal mitten in der Nacht in mein Zimmer wagst.
Sedgwick schwang sich von seiner Sitzstange und entfernte sich ohne ein weiteres Wort. Ich wandte mich mit einem triumphierenden Lächeln an Daniel.
»Endlich allein«, sagte ich und erntete dafür ein leises Schnarchen. Mein Engel war eingeschlafen. Ich kuschelte mich an ihn und schloss die Augen.
Eine Stunde später wachte ich auf und sah, wie das Sonnenlicht durch die Vorhänge fiel. Daniel schlief noch tief und fest, also kroch ich aus dem Bett und tapste die Treppe hinunter, um mir eine Tasse Tee zu machen. Gareth wartete bereits in der Küche mit einer dampfenden Tasse Tee an dem kleinen Tisch am Fenster.
»Woher wusstest du, dass ich so früh runterkomme?«, fragte ich und nahm ihm gegenüber Platz.
Er schob die Tasse über den Tisch. »Du hast gestern erwähnt, dass du heute früh an der ASS-Akademie sein musst, um etwas Wichtiges zu erledigen.«
»Das stimmt«, sagte ich. »Wir müssen uns auf die Inspektion des Hexenzirkels vorbereiten. Professor Holmes hat verlangt, dass heute alle Zauberstäbe einsatzbereit sind.« Jetzt, wo die Grenze zu Spellbound offen war, schien jede Organisation, die mit der Stadt in irgendeiner Weise verknüpft war, darauf zu warten, uns besuchen zu können, um sich zu vergewissern, dass wir einwandfrei arbeiteten. Das nationale Hexenzirkel-Hauptquartier hatte uns mitgeteilt, dass sie diese Woche ein Team schicken würden, das die Arbeit des örtlichen Zirkels und der Akademie überprüfen würde. »In diesem Zusammenhang sollten wir vielleicht aufhören, sie als ASS-Akademie zu bezeichnen, zumindest, solange die Besucher vor Ort sind.«
»Außer dir kann mich ja keiner wahrnehmen«, sagte Gareth.
»Ja, aber je öfter ich es zu hören bekomme, desto wahrscheinlicher ist es, dass ich es laut ausspreche und alle in Verlegenheit bringe.« Ich musste üben, »die Arabella-St.-Simon-Akademie« zu sagen oder einfach »die Akademie«.
»Sie werden darauf bestehen, dass die Abläufe hier geändert werden«, sagte Gareth. »Denk an meine Worte.«
»Jetzt klingst du wie Agnes«, gab ich zurück. »Seitdem der Besuch angekündigt wurde, ist sie mit nichts als Unkenrufen beschäftigt.« Agnes war überzeugt, dass das nationale Hauptquartier seine eigenen Hexen und Zauberer in die Führungspositionen in Spellbound einsetzen wollte. Vor allem um Professor Holmes machte sie sich Sorgen.
Sogar Laurel schien der Meinung zu sein, dass zumindest das neue Oberhaupt des Hexenzirkels eine Staatsmarionette sein würde.
Ich versuchte, mir keine Sorgen zu machen und einfach abzuwarten, wie sich der Besuch entwickeln würde. »Entschuldige wegen heute Nacht«, sagte Gareth. »Ich habe ein ernstes Wort mit Magpie gesprochen und er ist völlig verstört auf die Wiese im Wald gegangen.«
»Ich weiß es zu schätzen, dass du dich einbringst«, sagte ich. »Wir können unser Zusammenleben nur dann erfolgreich umsetzen, wenn wir als Team zusammenarbeiten. Ich kann nicht die Einzige sein, die die Regeln durchsetzt, sonst wird es nicht funktionieren.«
»Aye, verstanden«, antwortete Gareth.
Ich nippte an meinem Tee. »Vielen Dank für das hier.«
Gareth strahlte. »Ich habe auch Frühstück gemacht. Das ist die wichtigste Mahlzeit des Tages.«
»Wie aufmerksam von dir«, sagte ich. »Daniel und ich wissen die Geste zu schätzen.«
Gareths Lächeln erlosch schnell. »Also, für ihn habe ich nichts gemacht. Nur für dich.«
Ich schlug die Hände vors Gesicht. »Gareth …«
Der Vampirgeist verließ den Tisch und begann, in der Küche auf und abzuschreiten. »Ich werde nette Dinge für ihn machen, wenn er anfängt, nette Dinge für den Rest von uns zu tun. Er schraubt immer noch nicht die Kappe auf die Zahnpasta.«
»Aber das betrifft dich doch gar nicht«, sagte ich. »Du bist ein toter Untoter. Du putzt dir nicht mal die Zähne.«
Gareth blickte entsetzt drein. »Ich habe zwar keine Zähne zum Putzen, aber trotzdem gewisse Ansprüche. Die Kappe gehört auf die Zahnpasta. Das ist nicht verhandelbar.«
Ich stieß einen Seufzer aus. »Ich werde noch einmal mit ihm sprechen. Ich nehme an, du willst auch, dass ich den Klodeckel erwähne.«
»Selbstverständlich«, gab er hitzig zurück. »Ich war zwar immer der Überzeugung, dass Sauberkeit etwas mit Gottesfurcht zu tun hat, aber Engel stehen offensichtlich über dem Gesetz.«
Ich presste die Lippen zusammen. »Sauberkeit ist kein Gesetz, Gareth.«
»Vielleicht sollte es das aber sein. Es ist eine Barbarei, ohne jede Frage«, murmelte Gareth.
Ich trank den Rest meines Tees aus und er schmeckte nicht mehr so gut wie am Anfang. Das Frühstück war teuer erkauft. »Ich hüpfe jetzt unter die Dusche. Lass mir heute Morgen etwas Raum zum Atmen, okay?«
Gareth blinzelte. »Heißt das, du willst nicht, dass ich diese Kinnhaare erwähne? Ich wollte eigentlich warten, bis du vor dem Spiegel stehst, damit du sie besser sehen kannst.«
Innerlich erschauderte ich. »Danke, ich nehme sie in Augenschein.«
Im Klassenzimmer der Akademie wimmelte es nur so von Hexen und Zauberern. Offensichtlich hatte Professor Holmes die Anweisung ausgegeben, dass sich alle einsatzfähigen Mitglieder des Zirkels an den Vorbereitungen für den Besuch beteiligen sollten.
Ich entdeckte Begonia in der hinteren Ecke des Raumes und stellte mich neben sie. Professor Holmes, der kommissarische Leiter des Hexenzirkels, erklärte gerade, was der Besuch bedeutete und was der Zirkel zu erreichen hoffte.
»Wir wissen, dass es für euch alle stressig wird«, erklärte der Professor. »Spellbound steckt mitten in einer großen Umstellung und die kritische Überprüfung durch das nationale Hauptquartier wird sicherlich unnötigen Druck erzeugen. Trotzdem möchten wir euch erläutern, welche Erwartungen wir während der Inspektion an euch haben.«
Laurels Hand schoss nach oben. »Entschuldigen Sie, Professor? Besteht die Möglichkeit, dass man die Akademie schließen wird? Ich habe gelesen, dass sie das tun, wenn sie mit den bestehenden Bildungsstandards unzufrieden sind. Dann feuern sie alle und fangen von vorne an.«
Professor Holmes nahm die harte Frage mit Fassung. »Wie du dir vielleicht vorstellen kannst, ist es unser Ziel, so weiterzumachen wie bisher. Auch wenn wir davon ausgehen, dass einige Änderungen notwendig sein werden, hoffen wir, dass wir die Autonomie und Autorität über alle Angelegenheiten des Spellbounder Hexenzirkels behalten können. Immerhin haben wir es so lange ohne Einmischung von außen geschafft.«
»Wer wird denn kommen?«, warf Millie ein. »Ein Haufen Zirkel-Bürokraten?«
»Alles, was wir im Moment wissen, ist, dass heute ein Team in der Stadt eintrifft«, antwortete Professor Holmes. »Wir sollen ihnen unsere Abläufe und unsere Unterrichtsaktivitäten zeigen. Heute Abend findet ein Treffen statt, zu dem die Besucher eingeladen wurden. Bei dieser Gelegenheit wollen wir weitere Informationen sammeln, die wir dann an euch weitergeben werden.«
Ginger trat nach vorne, um Professor Holmes den Rücken zu stärken. »Es versteht sich von selbst, dass sich alle von ihrer besten Seite zeigen müssen. Wir wollen ihnen nicht den Eindruck vermitteln, dass wir nicht auf uns selbst aufpassen können. Ihr seid sicher alle der Meinung, dass sich das nationale Hauptquartier nicht einmischen sollte. Wir haben bewiesen, dass wir wissen, wie man einen Hexenzirkel führt. Wir müssen sie nur überzeugen, damit sie das Gefühl haben, dass der Zirkel in bester Verfassung ist.«
Ich spürte, wie sich Unruhe in meiner Magengrube einnistete. Trotz ihres besonnenen und vernünftigen Auftretens spürte ich ihre Verzweiflung. Wir alle kannten die möglichen Konsequenzen, sollte der Besuch schlecht verlaufen. Der Hexenzirkel könnte übernommen und die Akademie komplett geschlossen werden. Professor Holmes könnte durch jemanden ersetzt werden, der nichts über Spellbound und die Mitglieder des örtlichen Hexenzirkels wusste. So sehr ich auch ruhig bleiben wollte, ich hatte dennoch das Gefühl, dass dieser Besuch ziemlich einschneidend werden würde.
»Wir haben eine kleine Liste von Mitgliedern, die wir gerne bei dem Treffen dabeihätten«, verkündete Ginger. »Falls ihr ausgewählt werdet, erhaltet ihr eure offizielle Einladung per Bote.«
Ich würde später bei Sedgwick nachfragen, ob ich dabei war. Ich konnte es nachvollziehen, wenn sie mich nicht dabeihaben wollten. Trotz meiner besten Absichten war ich nicht gerade vor Drama gefeit.
»Wenn wir jetzt noch alle zu Hause Zaubersprüche üben könnten, um uns auf den Besuch vorzubereiten, wäre das sehr hilfreich.« Bildete ich mir das nur ein oder starrte Professor Holmes in meine Richtung, als er das sagte? »Wir möchten, dass die Besuche in den Klassenzimmern so reibungslos wie möglich verlaufen. Manche von ihnen neigen durchaus dazu, das zu torpedieren.«
Ja, er starrte eindeutig in meine Richtung. Am liebsten wäre ich mit der Wand hinter mir verschmolzen. Ich konnte nichts dafür, dass meine Magie unberechenbar war. Wie jede und jeder andere hätte ich es vorgezogen, meine Macht vollständig unter Kontrolle zu haben. Aber wenn es darauf ankam, ließ mich meine Magie nicht im Stich. Ich hoffte, dass dies auch bei der Inspektion der Fall sein würde.
»Es wäre am besten, wenn niemand die jüngsten Ereignisse rund um Lady … also das ehemalige Oberhaupt des Hexenzirkels erwähnen würde«, fuhr der Professor fort. Er konnte sich nicht dazu durchringen, ihren Namen auszusprechen. Armer Professor Holmes. Er war jahrelang die rechte Hand von Lady Weatherby gewesen und konnte ihren Verrat nur schwer akzeptieren.
»Wird man die Aufzeichnungen nicht prüfen?«, warf Laurel ein. »Sie werden sehen, dass sie noch am Leben ist, und wissen wollen, warum sie ihres Amts enthoben wurde.«
»Agnes lebt auch noch«, meldete ich mich aus dem hinteren Teil des Raumes. »Sie wurde von ihrer Tochter abgesetzt. Und jetzt ist eben auch ihre Tochter abgesetzt worden.«
»Ja, aber Agnes war alt«, gab Millie zu bedenken. »Lady Weatherby ist zweifellos noch in der Blüte ihrer Jahre. Das ist viel verdächtiger.«
»Darüber zerbrechen wir uns den Kopf, wenn es so weit ist«, warf Professor Holmes ein. »Wenn wir uns einfach darauf einigen können, das Thema so weit wie möglich zu umschiffen, wäre das am besten. Sollte die Angelegenheit doch zur Sprache kommen, verweist bitte an mich.«
Zustimmendes Nicken.
»Wissen wir, wo sie in der Stadt übernachten?«, fragte Meg.
»Leider nicht«, antwortete der freundliche Zauberer. »Wir haben nur sehr spärliche Informationen erhalten. Ob das Absicht ist oder nicht, kann ich nicht beurteilen.«
»Das Wichtigste ist, dass wir wir selbst sind«, meinte Ginger. Dabei richtete sie den Blick auf Millie. »Also, größtenteils wie wir selbst. Unser Talent und unser Engagement für den Hexenzirkel müssen zur Geltung kommen.«
Ein paar Hexen schlugen aus Respekt mit den Enden ihrer Besenstiele auf den Boden. Irgendwie wünschte ich mir, ich hätte meinen mitgebracht, um mitmachen zu können. Es wirkte aufregend urtümlich. Andererseits wurde mir bei dem Gedanken, auf einem Besen zu fliegen, mulmig. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich auf meinen Umhang übergeben musste, war die zwei Sekunden Vergnügen nicht wert, die ich beim Besen-Knallen gehabt hätte.
»Was auch immer ihr tut«, warnte Professor Holmes, »erwähnt nicht, wo sie Agnes finden können. Wir sind uns wohl alle einig, dass es das Beste wäre, wenn sie das ehemalige Zirkeloberhaupt nicht ausfindig machen.«
Ich zuckte. Ein Teil von mir verstand, dass Agnes eine Herausforderung sein konnte. Der andere Teil von mir war der Meinung, dass Agnes wertvolle Erfahrungen gemacht hatte, die sie mit den Besuchern teilen konnte. Das Problem war natürlich, dass man sich nicht darauf verlassen konnte, dass die alte Hexe ihre Weisheit weitergeben würde, ohne Unheil anzurichten. Das war entweder ihr Charme oder das Kreuz, das sie zu tragen hatte – manchmal war es schwer zu entscheiden, was von beidem es war.
»Sie sehen mich schon wieder an, Professor.« Die Worte purzelten aus meinem Mund, bevor ich sie aufhalten konnte.
»Tue ich das?« Er tat so, als sei er unschuldig. »Ich nehme an, das ist nur natürlich. Sie verbringen schließlich die meiste Zeit mit ihr.«
Ich verschränkte die Arme. »Also bin ich die Hexe, die am ehesten Zaubersprüche vermasselt und die Leute direkt zu Agnes führt? Vielleicht solltet ihr darüber nachdenken, mich in einen Schrank zu sperren, bis der Besuch vorbei ist.«
»Wir haben es in Betracht –«, begann Ginger, aber der Professor brachte sie mit einem Blick zum Schweigen.
Begonia stupste mich sanft an. »Nimm es nicht persönlich. Sie machen sich nur Sorgen. Es wird alles gut.«
Ich zog zittrig den Atem ein. »Ich wünschte, ich hätte dein Zutrauen.«
»Lustig«, sagte Begonia mit einem milden Lächeln. »Das sage ich sonst immer über dich.«
Auf meinem Weg ins Büro traf ich Astrid im Brew-Ha-Ha auf einen Latte. Die Walküre stand mit offenem Mund am Tresen.
»Du siehst geschockt aus«, bemerkte ich. »Ich bin mir ziemlich sicher, dass du schon ein- oder zweimal hier warst.« Oder jeden Tag.
»Du und Daniel seid nicht die Einzigen, nach denen ein Getränk benannt wurde«, sagte Astrid. »Na los, Henrik. Sag ihr, was es ist.«
Der Berserker lächelte mich an und zeigte dabei die Lücke in seinen Zähnen. »Der Valhalla-Java mit einem Schuss Durchschlagskraft.«
Ich klatschte Sheriff Astrid ab. »Das ist fantastisch. Ich liebe es!«
»Entschuldigen Sie«, sagte die Frau hinter uns. »Habe ich richtig gehört, dass Sie hier Sheriff sind?« Sie war etwas größer als ich, besaß dunkles Haar und eine gute Portion Selbstvertrauen. Ihr Begleiter war ein großer, elegant gekleideter Vampir. Ich kannte keinen von beiden.
»Das ist richtig«, antwortete die Walküre. »Ich bin Sheriff Astrid. Kann ich Ihnen behilflich sein?«
»Für den Anfang können Sie mir ein Getränk aus dieser umfangreichen Speisekarte empfehlen«, sagte die Frau. »Ich fühle mich, als stünde ich vorm Snackregal bei Costco. Die Auswahl ist schier überwältigend.«
Ich wurde hellhörig. »Sagten Sie Costco?«
Die Frau musterte mich genau. »Sie haben schon mal von Costco gehört?«
Ich griff mir an die Brust. »Ich komme aus Lemon Grove, Pennsylvania.«
Die Miene der Frau hellte sich auf. »Aus der Menschenwelt? Beim heiligen Elvis. Ich komm auch von dort. Maple Shade, New Jersey.«
Wir starrten uns einen Moment lang an.
»Cool«, bemerkte Astrid. »Du bist nicht der einzige schräge Vogel hier.«
»Der ›Emma Hart‹ sieht gut aus«, sagte die Frau. »Vielleicht probiere ich den.«
»Das bin ich«, fuhr ich ein bisschen zu eifrig dazwischen. »Ich meine, das ist mein Getränk.«
»Sie haben Getränke, die nach ihnen benannt sind«, meinte die Frau zu dem Vampir. »Der Koffein-Kessel sollte sich mehr Mühe geben, was meinst du, Alec?«
Der emotionslose Vampir nickte knapp. »In der Tat. Besonders gut gefällt mir der Daniel Starr.« Er warf einen Seitenblick zu seiner Begleiterin. »Aber die vielfältigen Angebote auf der Karte, so überwältigend sie auch sein mögen, sind nicht der Grund für unseren Besuch.«
Die Frau lachte und sah die Sheriffin an. »Da hat er recht. Ich bin Ember Rose, Reporterin von Vox Populi, der Zeitung in einer Stadt namens Starry Hollow. Das ist mein Chefredakteur, Alec Hale.«
»Schön, Sie beide kennenzulernen«, sagte die Sheriffin.
Ich legte den Kopf schief. »Alec Hale? Warum kommt mir der Name so bekannt vor?«
»Wahrscheinlich, weil er ein Bestsellerautor ist«, erklärte Ember. »Er schreibt Fantasy-Romane. Meine Tochter ist zufälligerweise ein Riesenfan.«
Der Vampir rückte seine Manschettenknöpfe zurecht. »Kein Grund, mich in Verlegenheit zu bringen, Miss Rose.«
Ember schenkte ihm ein gewinnendes Lächeln. »Warum nicht, wo es doch so viel Spaß macht?«
»Wir sind wegen eines Auftrags hier«, verkündete Alec. »Sobald wir erfuhren, dass der Fluch, der auf Spellbound lag, gebrochen ist, war uns klar, dass dies eine faszinierende Geschichte für unsere Leserinnen und Leser sein würde.«
»Dann sprecht ihr mit der richtigen Paranormalen«, sagte Astrid. »Emma war maßgeblich daran beteiligt, den Fluch zu brechen.«
Röte stieg mir in die Wangen. »Nur mit der Hilfe der meisten aus der Stadt.« Ich schaute zu den Reportern. »Wenn mein Ehemann und meine Freunde nicht gewesen wären, hätte ich es nie geschafft.«
Ember musterte mich aufmerksam. »Hey, warten Sie mal! Sie sind die Statue auf dem Marktplatz! Ist das Ihr Mann, den Sie da reiten?«
Ich stöhnte auf. Die Statue sollte Daniel und mich darstellen, wie wir das Einhornhorn als Teil des Zaubers benutzen, um den Fluch zu brechen. Stattdessen sah es aus wie eine Pornofassung unserer Hochzeitsnacht.
Neben mir gluckste Astrid. »Sie hasst diese Statue wirklich.«
»Ich wünschte nur, sie hätten sich für eine andere Pose entschieden«, meinte ich.
Henrik donnerte mit der Faust auf den Tresen. »Emma Hart, deine Zeit ist abgelaufen.«
»Was das betrifft, versteht er keinen Spaß, wie man sieht«, befand Ember.
Ich lief zum Tresen hinüber und bestellte dort mein maßgeschneidertes Getränk. »Er nimmt seine Rolle als Barista sehr ernst.«
»Kannst du dir vorstellen, wie es hier aussähe, wenn ich den Job an den Nagel hängen würde?«, warf Henrik ein. »Die Leute hier brauchen ihren täglichen Energieschub.«
Er hatte nicht unrecht. Mir schauderte es, wenn ich mir vorstellte, wie mein Alltag ohne den dringend benötigten Kick aussehen würde, vor allem morgens.
»Du solltest ihnen von der Prüfung des Hexenzirkels erzählen«, sagte Astrid. »All die Veränderungen, die jetzt stattfinden, wo wir uns wieder in den Rest der Welt integrieren.«
»Das klingt interessant«, meinte Ember. »Was für eine Art von Prüfung?«
»Nicht so interessant wie Emmas Verwicklung in die Aufhebung des Fluchs«, sagte Alec und starrte mich eindringlich an. »Und da Sie diesen Ort namens Costco kennen, liegt Ihre Zeit in der Menschenwelt noch nicht lange zurück, wie es scheint. Ich wittere da eine Geschichte.«
»Ich bin hier gestrandet, nachdem ich mich auf dem Weg zu einem Mandanten verfahren hatte«, erklärte ich. »Ich hatte keine Ahnung, dass ich magische Fähigkeiten besitze, bis der Fluch mich daran hinderte, weiterzuziehen.«
Embers Augen weiteten sich. »Sie sind wie ich.«
»Sind Sie auch irgendwo eingesperrt gewesen?«, hakte ich nach.
»Nein, aber ich bin aufgewachsen, ohne zu wissen, dass ich eine Hexe bin«, antwortete sie. »Das ist alles noch neu für mich.«
»Ich glaube, Sie allein wären bereits ein hervorragender Beitrag«, wandte Alec ein. »Hätten Sie etwas dagegen, wenn Miss Rose Sie während unseres Aufenthalts interviewt? Um einen Eindruck von Ihrem Leben hier zu bekommen? Ich würde die ganze Geschichte gerne aus einem anderen Blickwinkel beleuchten.«
Ich fühlte mich sofort unbehaglich. »Ich stehe nicht gerne im Mittelpunkt.«
Ember winkte ab. »Aber das wäre ja gar nicht ihr Mittelpunkt. Starry Hollow ist meilenweit entfernt.«
»Stimmt.« Ich zögerte. »Ich nehme an, ich könnte Ihnen einen kleinen Einblick geben.«
Ember strahlte. »Großartig. Haben Sie ein paar Minuten Zeit, sobald wir unsere Getränke bekommen haben?«
»Im Moment nicht«, antwortete ich wahrheitsgemäß. »Ich muss ins Büro.«
»Wo arbeiten Sie?«, wollte Ember wissen.
»Ich bin die Pflichtverteidigerin«, erklärte ich. Ember und Alec tauschten aufgeregte Blicke aus. »Pflichtverteidigerin und Retterin der Stadt? Das wird ja immer besser«, rief Ember. Ich nahm meinen Latte und bezahlte Henrik, bevor ich zur Seite trat. »Ich mache mich jetzt besser auf die Socken. Althea mag es nicht, wenn ich zu spät komme.«
»Ist Althea Ihre Chefin?«, erkundigte sich Ember.
»Nein, meine Assistentin. Sie ist eine Gorgone, und ihre Schlangen nehmen es mit der Pünktlichkeit sehr genau.«
»Eine Gorgone«, wiederholte Ember. »Wir bleiben auf jeden Fall in Kontakt, Emma Hart. Ich kann es kaum erwarten, mehr zu hören.«
»Sie ist fast so faszinierend wie Sie, Miss Rose«, meinte Alec mit einem leichten Schmunzeln.
»Ein Kompliment?«, erwiderte Ember. »Warten Sie. Ich hole meinen Rekorder.« Sie tat so, als würde sie in ihrer Handtasche kramen.
Astrid lachte. »Komm, Stadtretterin. Ich begleite dich ins Büro.«
Astrid und ich trennten uns an der Eingangstür zu meinem Büro. Ich trat ein und wollte gerade meinen Latte genießen, als ich von einem Stapel farblich gekennzeichneter Zettel auf dem Boden begrüßt wurde. Ich bahnte mir einen Weg um sie herum und trat vorsichtig in die Lücken, um sie nicht durcheinanderzubringen. Es erinnerte mich daran, wie ich mit den Kissen von der Couch meiner Großeltern Lava gespielt hatte. Ich hatte es sicher zu meinem Stuhl geschafft, als Althea ihren Kopf durch die Tür steckte, die unsere Büros verband.
»Oh, gut, dass du auch endlich mal auftauchst«, sagte Althea.
Ich warf ihr einen amüsierten Blick zu. »Weil du jetzt jemanden hier hast, der die ganzen Karteikarten aufsammelt?«
Sie spähte nach unten. »Nein, du kannst sie noch nicht wegräumen. Ich muss mir noch die verschiedenen Gesetze einprägen.«
»Ich hatte nicht ernsthaft vor, sie wegzuräumen«, sagte ich. »Ich dachte, das wäre dir ein Bedürfnis.« Althea war normalerweise genauso pingelig und durchorganisiert wie Gareth, deshalb war ich überrascht, dass Dinge, die normalerweise nicht auf meinem Fußboden liegen, dort zu finden waren.
»Ich tue mich schwer mit diesem Kurs«, gab Althea zu. Sie trat näher an meinen Schreibtisch heran und unter ihrem Kopftuch raschelte es. Die Schlangen auf ihrem Kopf schienen heute Morgen sehr nervös zu sein, was wahrscheinlich auf ihre eigene Unruhe zurückzuführen war. »Ich habe diese Woche eine Klausur, und bei den Übungsfragen fehlen mir immer wieder Elemente der Gesetze. Wenn ich auch nur ein Element auslasse, beantworte ich die Frage falsch.«
Althea war gerade dabei, online Jura zu studieren, um sich einen Traum zu erfüllen. Obwohl sie eine hervorragende Rechtsanwaltsgehilfin war, wussten wir beide, dass sie eine noch bessere Anwältin werden würde. Nach jahrzehntelangen Zweifeln hatte sie sich endlich entschlossen, den Schritt zu wagen.
»Manchmal hilft es mir, mir Eselsbrücken zum Auswendiglernen zu machen«, sagte ich. »Je alberner die Phrase ist, desto eher kann ich sie mir merken.«
Althea beugte sich vor und pflückte eine Karteikarte vom Boden. »Okay, Boss. Hier ist ein Beispiel.« Sie las das Gesetz vor und stemmte eine Hand in herausfordernder Pose in die Hüfte. »Was würdest du dazu vorschlagen?«
Ich dachte einen Moment lang über das Gesetz nach. Jahre der Erfahrung strömten in Windeseile zu mir zurück. Ich erinnerte mich an die einsamen Nächte, in denen ich in meinem Zimmer gesessen und gelernt hatte, während die anderen Studenten unterwegs waren, um zu feiern und zu trinken. Es war eine einsame Zeit für mich gewesen. Andererseits war ich als Einzelkind die meiste Zeit meines Lebens einsam gewesen – bis ich nach Spellbound gekommen war. In dieser Stadt war es unmöglich, einsam zu sein, selbst wenn ich es wollte. Mein Zuhause war immer voller Leute. Überall, wo ich hinging, war schon jemand. In meinem Haus, in meinem Büro, im Geheimversteck.
Ich hatte ja schon von Männerhöhlen gehört, und langsam glaubte ich, ich brauchte eine Emma-Höhle, um ab und zu mal rauszukommen.
Ich schlug Althea eine Eselsbrücke vor.
Althea kniff die Augen zusammen. »Das ist doch lächerlich. Was hat das mit dem Gesetz zu tun?«
»Nichts«, antwortete ich. »Genau das ist aber der Punkt. Es ist so absurd, dass du es jetzt nicht mehr vergisst.«
Sie verharrte einen Moment neben meinem Schreibtisch und dachte nach. »Na schön. Einen Versuch ist es wert. Die Götter wissen, wie schwer es mir fällt, deshalb bin ich durchaus gewillt, etwas Ungewöhnliches auszuprobieren.«
Sie wandte sich wieder in Richtung ihres Büros.
Ich schnalzte mit der Zunge. »Hast du nicht etwas vergessen?«
»Danke«, rief sie mir über ihre Schulter hinweg zu.
»Nicht danke«, sagte ich. »Die Karteikarten. Willst du sie etwa hierlassen?«
»Keine Sorge«, sagte sie. »Ich bin mir sicher, dass du sie mit deiner Magie vor deinem Termin um halb elf wieder in Ordnung bringen kannst.«
Ich zuckte mit dem Kopf zu ihr herum. »Ich habe einen Termin?«
Althea machte sich nicht die Mühe, sich umzudrehen. »Die Akte liegt auf deinem Schreibtisch. Tschüssi!«
Die Tür zwischen uns krachte ins Schloss.
Ich starrte auf den Ordner auf meinem Schreibtisch. Ganz oben lag ein Zettel in Altheas präziser Handschrift, auf dem »Dein Termin um 10:30 Uhr« stand. Hastig sah ich auf die Uhr. Zehn Minuten bis zum Eintreffen des Mandanten. Ich holte Tiffany aus meiner Handtasche, konzentrierte meinen Willen und zielte mit dem Zauberstab auf den Boden. »Lirum, larum, Koboldspeck / los, zauber diese Karten weg.« Die Kärtchen wurden zu einem ordentlichen Stapel aufgeschichtet und landeten auf der Ecke meines Schreibtischs. Ich wagte mir nicht vorzustellen, wie es in Altheas Büro aussah, wenn sie meins so hinterlassen hatte.
Ich klappte die Akte auf und begann zu lesen. Logan Hagar. Erst zweiundzwanzig Jahre alt. »Cool. Ein Werluchs«, sagte ich laut.
»Ganz genau«, sagte da eine angenehme Stimme.
Ich schoss fast von meinem Sitz hoch. Auf dem Mandantenstuhl mir gegenüber saß ein schlaksiger junger Mann mit rotbraunem Haar und ein paar Sommersprossen.
»Mein Name ist Logan. Sieht so aus, als wären Sie meine Anwältin.«
Ich starrte den Werluchs an, der so klammheimlich bei mir aufgetaucht war. »Wie sind Sie hier hereingekommen, ohne dass ich Sie gehört habe?«
Ich blickte über seine Schulter zur Vordertür, die geschlossen war. Genau so, wie sie beim letzten Mal ausgesehen hatte, als ich sie betrachtet hatte.
Logan zuckte mit den Schultern. »Das ist eine meiner Kompetenzen, Frau Anwältin. So wie es zu Ihren Fähigkeiten gehört, Leute vor dem Gefängnis zu bewahren.«
Ich verschränkte die Finger. »Zunächst einmal ist mein Name nicht Frau Anwältin. Ich bin Mrs Hart. Zweitens besteht meine Fähigkeit nicht darin, Kriminelle aus dem Gefängnis zu holen.«
Er runzelte die sommersprossige Stirn. »Nicht? Kann ich mir dann einen anderen Anwalt suchen? Denn ich will definitiv nicht in den Knast.«
Ich klappte die Akte zu. Logan saß hier vor mir, also war es sinnvoller, die Informationen direkt aus seinem Mund zu erfahren.
Ich würde mir die Akte später noch einmal ansehen, gleich nachdem ich sie Althea über den Schädel gezogen hatte. Okay, vielleicht nicht über den Schädel. Ich hatte keine Lust, die Schlangen zu reizen.
»Warum erzählen Sie mir nicht, was passiert ist, Logan? Dann können wir weiter über die Wahrscheinlichkeit eines Gefängnisaufenthalts sprechen.«
Logan sah erleichtert aus. »Ich bin ein Dieb.«
»Das ist wahrscheinlich nicht die beste Art, Ihre Verteidigung zu beginnen«, sagte ich. »Fangen Sie ganz am Anfang an.«
»Okay, also, ich wurde vor zweiundzwanzig Jahren geboren –«
Ich winkte ab. »Nicht dieser Anfang. Starten Sie an dem Tag, an dem Sie verhaftet wurden«, stellte ich klar. »Erzählen Sie mir davon.«
»Ich war in Der Wunderlampe. Ich hatte ein Auge auf diese coole Puppe geworfen.«
Ich legte den Kopf schief. »Sind Sie nicht ein bisschen zu alt für Puppen, Logan?«
Seine Miene strahlte Verdruss aus. »Nicht für mich. Für meine kleine Schwester, Mirabelle. Sie hatte in dieser Woche Geburtstag.«
»Und Sie haben beschlossen, dass es in Ordnung ist, Spielzeug für Ihre kleine Schwester zu stehlen?«
Er musterte mich. »Ich nehme eine gewisse Verurteilung Ihrerseits wahr. Sollten Sie nicht auf meiner Seite stehen?«
»Es ist meine Aufgabe, Sie im Einklang mit geltendem Recht zu verteidigen«, erklärte ich. »Die Fragen, die ich Ihnen stelle, werden auch die Fragen sein, die Ihnen Richter oder Staatsanwalt stellen könnte, also müssen Sie in der Lage sein, so zu antworten, dass es nicht einfach direkt nach: ›Schicken Sie mich ins Gefängnis‹ klingt. Verstehen Sie?«
Logan zog die Füße an, um sich im Schneidersitz auf den Stuhl zu hocken. Obwohl er nicht viel jünger war als ich, wirkte er auf mich ziemlich unreif.
»Ich hatte Probleme, einen Job zu finden«, berichtete Logan. »Ich wurde bei meiner letzten Stelle gefeuert, und jetzt wird es immer schwieriger mit all den neuen Paranormalen, die in die Stadt kommen, um hier zu leben. Ich stehe in Konkurrenz mit Bewerbern, die mehr Erfahrung haben.«
»Was haben Sie gearbeitet?«
»Ich habe bei Köder, Biss und Fang gearbeitet.«
Ich runzelte die Stirn. »Was ist das?«
»Dort wird Angelausrüstung verkauft.«
»Und was ist passiert? Warum wurden Sie gefeuert?«
Logan rutschte mit seinem Hintern auf dem Sitz weiter zurück. »Ich war zu oft zu spät.«
»Ja, Unpünktlichkeit ist in den Augen eines Arbeitgebers normalerweise keine gute Eigenschaft.«
»Jetzt fangen Sie schon wieder an zu urteilen«, meinte er.
»Warum waren Sie so oft zu spät?«
»Weil ich dazu neige, lange zu schlafen.«
Ich tippte mit der Schreibfeder auf die Schreibtischkante. »Ich warte noch auf einen triftigen Grund, der mein Urteil mildern könnte.«
