5,99 €
Und weil sie nicht gestorben sind ...
...hexen sie noch heute!
Der Auftakt der zweiten Staffel der lustigen und spannenden Reihe um die charmante Stadt Spellbound und ihre magischen Bewohner.
Die magische Gemeinde von Spellbound feiert die jüngsten Veränderungen mit dem ersten jährlichen »Spellbound Day«. Der Fluch ist endlich gebrochen, und die Bewohner sind nicht länger innerhalb der Stadtgrenze gefangen.
Spellbound entwickelt sich immer mehr zum magischen Touristenmagnet. Doch der Zustrom an Fremden gefällt nicht jedem in der Stadt, und einige Bewohner verhalten sich seltsam. Emma wird misstrauisch, als sich sogar die sonst so fröhliche Bürgermeisterin Lucy gegenüber Neuankömmlingen aggressiv verhält. Ist hier etwa Magie am Werk?
Die Serie: Willkommen in Spellbound - einer Kleinstadt wie jeder anderen. Es gibt Tratsch, heimliche Affären und Verbrechen. Der einzige Unterschied? Hier leben keine Menschen ...
Emma Hart landet durch eine Reihe misslicher Umstände in dieser zauberhaften Stadt voller übernatürlicher Wesen. Doch es gibt ein Problem: Wegen eines Fluches können die magischen Bewohner die Stadt nicht mehr verlassen.
Nicht der beste Zeitpunkt für Emma, um zu erfahren, dass sie eine Hexe ist! Die Anwältin macht das Beste aus der Situation und übernimmt den Job des Pflichtverteidigers, der kürzlich ermordet wurde. Denn auch in Spellbound gibt es Ganoven und Mörder. Doch Achtung: Nicht jeder Vampir oder Werwolf ist so böse, wie er aussieht - und nicht jede Elfe ist harmlos!
eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung!
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 280
Veröffentlichungsjahr: 2025
Cover
Inhalt
Grußwort des Verlags
Über diese Folge
Spellbound - Die Serie
Titel
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
In der nächsten Folge
Über die Autorin
Impressum
Liebe Leserin, lieber Leser,
vielen Dank, dass du dich für ein Buch von beTHRILLED entschieden hast. Damit du mit jedem unserer Krimis und Thriller spannende Lesestunden genießen kannst, haben wir die Bücher in unserem Programm sorgfältig ausgewählt und lektoriert.
Wir freuen uns, wenn du Teil der beTHRILLED-Community werden und dich mit uns und anderen Krimi-Fans austauschen möchtest. Du findest uns unter be-thrilled.de oder auf Instagram und Facebook.
Du möchtest nie wieder neue Bücher aus unserem Programm, Gewinnspiele und Preis-Aktionen verpassen? Dann melde dich auf be-thrilled.de/newsletter für unseren kostenlosen Newsletter an.
Spannende Lesestunden und viel Spaß beim Miträtseln!
Dein beTHRILLED-Team
Melde dich hier für unseren Newsletter an:
Die magische Gemeinde von Spellbound feiert die jüngsten Veränderungen mit dem ersten jährlichen »Spellbound Day«. Der Fluch ist endlich gebrochen, und die Bewohner sind nicht länger innerhalb der Stadtgrenze gefangen.
Spellbound entwickelt sich immer mehr zum magischen Touristenmagnet. Doch der Zustrom an Fremden gefällt nicht jedem in der Stadt, und einige Bewohner verhalten sich seltsam. Emma wird misstrauisch, als sich sogar die sonst so fröhliche Bürgermeisterin Lucy gegenüber Neuankömmlingen aggressiv verhält. Ist hier etwa Magie am Werk?
Folge 11 der zauberhaften Cosy-Crime-Serie!
Willkommen in Spellbound – einer Kleinstadt wie jeder anderen. Es gibt Tratsch, heimliche Affären und Verbrechen. Der einzige Unterschied? Hier leben keine Menschen …
Emma Hart landet durch eine Reihe misslicher Umstände in dieser zauberhaften Stadt voller übernatürlicher Wesen. Doch es gibt ein Problem: Wegen eines Fluches können die magischen Bewohner die Stadt nicht mehr verlassen.
Nicht der beste Zeitpunkt für Emma, um zu erfahren, dass sie eine Hexe ist! Die Anwältin macht das Beste aus der Situation und übernimmt den Job des Pflichtverteidigers, der kürzlich ermordet wurde. Denn auch in Spellbound gibt es Ganoven und Mörder. Doch Achtung: Nicht jeder Vampir oder Werwolf ist so böse, wie er aussieht – und nicht jede Elfe ist harmlos!
Und weil sie nichtgestorben sind
Aus dem Englischen von Ulrike Gerstner
»Ich verstehe nicht, warum er nicht einen Teil seines Hausrats in einem Lagerraum unterbringen kann«, beschwerte sich Gareth erbost. Mein Vampirgeistmitbewohner schwebte im Wohnzimmer herum und gestikulierte wild zu den Kistenstapeln. »Er kann sich das ganz sicher leisten.«
Jetzt, da wir verheiratet waren, war Daniel dabei, zu mir zu ziehen. Sein Haus stand seit unserer Rückkehr aus Griechenland, wo wir unsere perfekten Flitterwochen verbracht hatten, zum Verkauf. Es machte den Eindruck, als sei Gareth nicht gerade erfreut darüber, dass wir ihn hier zurückgelassen hatten. So sehr ich den griesgrämigen Schotten auch mochte, ich hatte unsere Flitterwochen nicht zu dritt verbringen wollen.
»Das ist nur ein Bruchteil seiner Sachen«, erklärte ich. »Er hatte ziemlich lange Gelegenheit, um all diese Habseligkeiten anzuhäufen.« Daniel war ein Engel, der bereits auf ein sehr langes Leben zurückblicken konnte, in dem er viel Zeit zum Investieren und Sparen zur Verfügung gehabt hatte. Mittlerweile war er an einem Punkt angekommen, an dem er nach einer Beschäftigung suchte, weil er nicht unbedingt arbeiten musste. Ich hingegen war eine vierundzwanzigjährige ehemalige Anwältin für öffentliches Recht, die in einer Einzimmerwohnung in Lemon Grove, Pennsylvania, gelebt hatte, wo ich mit ungleichen Socken und einem Leben von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck brillierte. Das alles war anders geworden, als ich mich auf dem Weg zu einem Mandantentermin verirrt und in dem verzauberten Städtchen Spellbound festgesessen hatte.
Magpie sprang auf eine der Kisten und fauchte. »Siehst du? Magpie mag das auch nicht«, bemerkte Gareth und verschränkte die Arme.
»Das liegt daran, dass Magpie in den Feuern der Hölle geschmiedet wurde und überhaupt nichts mag«, erwiderte ich. Mit einem halb abgekauten Ohr und einem fehlenden Auge sah der riesige Kater aus, als hätte er eine Kneipenschlägerei mit dem Hulk überlebt und verhielt sich auch dementsprechend. »Wie kannst du es wagen!« Gareth streichelte dem Höllenbiest über den Rücken – eine der ersten körperlichen Interaktionen, die er in seiner Geistergestalt gemeistert hatte.
»Hör mal, das wird für uns alle eine Zeit des Übergangs und der Veränderung bedeuten«, sagte ich. »Die ganze Stadt befindet sich im Wandel, nicht nur bei uns zu Hause. Wir müssen geduldig miteinander sein, während wir uns an die Umstellung gewöhnen.«
Über viele Generationen hinweg hatte ein Fluch auf Spellbound gelastet, der paranormale Wesen in den Grenzen der Stadt gefangen hielt. Wenn ein Paranormaler unwissentlich die Stadt betreten hatte, war auch er hier gefangen gewesen. Das war aber nur einmal passiert – nämlich mir. Bis dahin hatte ich nicht gewusst, dass ich mehr bin als ein gewöhnlicher Mensch. Ich warf einen Blick auf Daniels Kisten und lächelte. Und jetzt war ich mit der Liebe meines Lebens verheiratet und wohnte in einem weitläufigen viktorianischen Haus, das in der menschlichen Welt unerschwinglich für mich gewesen wäre.
»Hör auf, vor dich hin zu lächeln«, beschwerte sich Gareth. »Das ist gruselig.«
Ich drohte ihm mit dem Finger. »Deine Einstellung kannst du vor der Tür parken.«
»Hör auf, mir gegenüber Menschenwelt-Ausdrücke zu benutzen«, erwiderte er. »Ich bin ein Geist. Ich parke gar nichts.«
Verärgert schnappte ich mir meine Handtasche vom Tisch. »Ich gehe ins Büro. Ich habe Althea noch gar nicht gesehen, seit wir zurück sind.«
»Soll ich dich begleiten?«, fragte Gareth hoffnungsvoll. Obwohl er ursprünglich an das Haus gebunden gewesen war, konnte Gareth inzwischen an einigen Orten in der Stadt erscheinen, wie zum Beispiel in seinem ehemaligen Büro.
»Um ehrlich zu sein, glaube ich, wir brauchen eine Pause voneinander«, erklärte ich. »Warum gehst du nicht in die Bibliothek oder so?«
Er sah mich mürrisch an. »Wir hatten gerade erst eine lange Pause voneinander.«
Ich seufzte. »Gareth, es waren nur zehn Tage. Du hast es geschafft, Hunderte von Jahren ohne mich zu leben. Du wirst das sicher noch ein paar Stunden länger aushalten.«
Sein Blick wanderte zu den Kisten. »Vielleicht kann ich dir beim Auspacken helfen.«
»Ich weiß, du magst es ordentlich und organisiert, aber ich muss Daniel die Entscheidung überlassen, wo er seine Sachen unterbringen will. Und wie ich dich kenne, würde das alles sowieso im Keller in einer Ecke landen.« Oder, noch schlimmer, in einer Altkleidertonne.
»Ganz sicher nicht«, antwortete Gareth. »Ich betrachte den Keller immer noch als mein Reich.«
Okay, das stimmte. Als ich in das Haus eingezogen war, hatte Gareths Sarg im dunkelsten Teil des Hauses gestanden, nämlich im Untergeschoss. Jetzt, wo er offiziell ein toter Untoter war, brauchte er seinen Sarg nicht mehr. Oder seine Discokugel. Oder seinen Geheimstapel an Lederhosen.
»Wann kann ich mit der Rückkehr des Geflügelten Wunders rechnen?«, erkundigte sich Gareth und konnte nur mit Mühe seine finstere Miene unterdrücken.
»Daniel trifft sich mit der Immobilienmaklerin, um Änderungen am Haus zu besprechen.« Jetzt, da der Fluch gebrochen war und viele neue Leute nach Spellbound zogen, war es der perfekte Zeitpunkt, um das Haus zum Verkauf anzubieten. Die Stadt, die früher unter dem Namen Ridge Valley bekannt gewesen war, musste für andere Paranormale eine echte Attraktion sein, da sie so viele Jahre lang von der Welt abgeschottet gewesen war.
»Für welche Maklerfirma hat er sich entschieden?«, fragte Gareth. »Hoffentlich nicht die mit der Hübschen.«
Ich warf ihm einen scharfen Blick zu. »Doch, die mit der Hübschen. Und das ist völlig in Ordnung. Daniel hat seinen Heiligenschein zurück. Er ist jetzt ein anderer Engel.«
Als ich Daniel zum ersten Mal getroffen hatte, hatte er den Ruf, ein selbstsüchtiger Frauenheld zu sein. Als ich ihn besser kennenlernte, erkannte ich das gute Herz, das unter all der unerfreulichen Vergangenheit schlug. Am Ende war es sein Opfer gewesen, das es der Stadt ermöglicht hatte, den Fluch zu brechen. Er hatte gezeigt, dass er bereit war, den wahren Tod zu sterben, damit andere endlich ihre Freiheit erlangen konnten.
»Sedgwick«, rief ich. »Ich gehe.«
Warum teilt Ihr mir das mit, Eure Hoheit?
Obwohl ich meinen Eulen-Vertrauten nicht sehen konnte, wusste ich, dass er oben auf seiner Sitzstange hockte und immer noch niedergeschlagen war. Offenbar hatte der Kauz den Großteil meiner Flitterwochen im Schlafzimmer verbracht und geschmollt. Er war besorgt, dass seine Dienste überflüssig wurden, jetzt, wo der Fluch gebrochen war und die Technologie Einzug in Spellbound hielt. Ich hatte versucht, ihm zu erklären, dass die Vertrautenbindung bedeutete, dass er mehr als nur eine Boteneule war, aber er versumpfte in einer Stimmung, die niemand aufhellen konnte.
Althea will dich bestimmt gerne sehen, sagte ich. Ich würde auch gerne bald wieder in meine Routine zurückkehren. Ich war eine große Verfechterin von Routinen. Nur so konnte ich alles auf die Reihe kriegen, ohne in den Wahnsinn abzurutschen.
Das liegt nur daran, dass du so viel Zeit mit dem Vampirgeist verbracht hast, meinte Sedgwick. Wenn es nach ihm ginge, würden wir alle nach seinem farbcodierten Zeitplan leben.
Da hatte Sedgwick nicht unrecht. Gareth neigte dazu, Ordnung und Kontrolle zu fordern. Das war es auch, was ihn zu einem hervorragenden Verteidiger gemacht hatte, als er noch untot gewesen war.
Ich warf einen Blick auf Magpie. Die vermeintliche Katze versuchte jetzt mit ihren messerscharfen Krallen, eine von Daniels Kisten aufzuschlitzen. »Magpie, die gehören dir nicht. Lass sie bitte in Ruhe. Ich verspreche dir, dass Daniel sich sofort darum kümmert, sobald er die Gelegenheit dazu hat.«
Magpie hob den Kopf und starrte mich eindringlich an. Sein Blick besagte, dass Daniel sich genauso schnell um die Kisten kümmern würde, wie Magpie einen Schönheitswettbewerb gewönne.
»Benehmt euch bitte alle«, rief ich über meine Schulter, als ich das Haus verließ.
Ich schaffte es kaum bis zu Sigmund, meinem grünen 1988er Volvo, als ich meinen Namen hörte. Ich drehte mich um und sah Darcy Minor auf ihrem schwebenden Fahrrad.
»Wie war Griechenland? Erzähl doch mal«, begrüßte mich die Harpyie.
»So perfekt, wie ich es mir vorgestellt habe«, antwortete ich. Wir hatten viel Zeit am Strand verbracht und das Meer bewundert – etwas, das ich als Kind nie hatte tun dürfen. Weil meine Mutter ertrunken war, hatten meine Großeltern darauf geachtet, mich vom Wasser fernzuhalten.
»Die Stadt scheint in den letzten Wochen ein völlig neuer Ort zu sein«, meinte Darcy. »Es ist erstaunlich.«
»Das glaube ich gern.« Ich hatte nur kurze Zeit hier gelebt, bevor der Fluch gebrochen worden war, und selbst ich spürte die Veränderung. Paranormale wie Darcy waren ihr ganzes Leben lang hier gefangen gewesen. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie sich Freiheit für sie anfühlen musste.
»Hast du schon von unseren Plänen gehört?«, fragte Darcy.
»Ihr zieht doch nicht um, oder?«, entgegnete ich. Im Grunde rechneten wir mit einer Massenflucht aus der Stadt, nachdem der Fluch gebrochen war, aber es war noch ungewiss, wie viele der Einwohner wir verlieren würden. Andererseits schätzten wir, dass wir ebenso viele Einwohner gewinnen würden, wie wir verloren. Allein schon die Neugier auf unsere Stadt würde Tourismus und neue Bürgerinnen und Bürger anlocken.
»Nein, die Minors werden niemals aus Spellbound wegziehen«, versicherte sie. »Wir haben beschlossen, unser Haus in ein Gästehaus umzuwandeln, vorausgesetzt, wir bekommen eine Nutzungsgenehmigung.« Sie machte eine Pause für den dramatischen Effekt. »Wir haben beschlossen, es ›Das Harpyiennest‹ zu nennen. Clever, oder?«
Ich betrachtete das riesige Haus am Ende der Straße mit seinem Witwensteg. Die Harpyien waren meine nächsten Nachbarn und sie planten, regelmäßig Gäste zu empfangen. Ich fragte mich, inwieweit das ein Problem für mich darstellen würde.
»Soweit ich weiß, steht der Rat wegen der vielen Änderungen bereits unter enormem Druck«, sagte ich. »Ich nehme an, dass Stan die Anfragen bis zum Hals stehen hat.« Stan war der Registrator der Stadt, der für alle Arten von offiziellem Papierkram zuständig war. Ich wäre jede Wette eingegangen, dass er einen Assistenten würde einstellen müssen, um die neue Arbeitslast zu bewältigen. Spellbound war schon immer sehr bürokratisch gewesen und ich hatte keinen Zweifel daran, dass das auch jetzt, wo es mehr zu regeln gab, so bleiben würde.
»Bis zu den Spitzen seiner spitzen Ohren stapeln die sich. Wie gefällt dir das Eheleben? Ich schätze, es ist wunderbar«, sagte Darcy wehmütig. Die Harpyien waren alle unverheiratet. Nicht alle von ihnen hatten etwas dagegen, aber einige sehnten sich mehr nach einem Partner als andere. Darcy war eher traditionell und wünschte sich einen Ehemann und ein eigenes Haus.
»Es ist traumhaft«, gab ich zu. »Es ist diese Phase, in der mich nichts aus der Ruhe bringt, weil ich weiß, dass ich am Ende des Tages zu der Liebe meines Lebens nach Hause komme. Daniel macht alles besser.«
»Wie Alkohol«, meldete sich eine kratzige Stimme. Phoebe Minor tauchte hinter uns auf. Darcys Tante war eine der streitbareren Paranormalen in der Stadt. Und sicherlich auch eine der aktivsten, trotz ihres fortgeschrittenen Alters.
»Hi Phoebe«, rief ich. »Darcy hat mir gerade von eurer Idee mit dem Gästehaus erzählt. Das hört sich gut an.«
»Ich stimme nur dann zu, wenn ich nichts dafür tun muss«, sagte Phoebe. »Ich habe nicht vor, Paranormale aus anderen Städten wie eine Leibeigene zu bedienen. Falls der Gast allerdings Bauchmuskeln aus Stahl und Oberschenkel wie Baumstämme hat, ist das natürlich eine ganz andere Geschichte.« Es erübrigte sich, an dieser Stelle zu erwähnen, dass Phoebe nicht zu den Harpyien gehörte, die auf der Suche nach einer langfristigen Beziehung waren. Sie war ganz zufrieden damit, Single zu bleiben, und bereit, sich zu vergnügen.
»Viel Glück dabei«, sagte ich. »Ich bin auf dem Weg zu Althea ins Büro. Ich will sichergehen, dass keine Katastrophen drohen«.
»Das hier ist Spellbound«, polterte Phoebe. »Es droht immer irgendwo eine Katastrophe.«
»Althea, deine Lieblingsanwältin ist wieder da!« Ich stieß die Tür zu meinem Büro auf und hielt abrupt inne. Das Innere war völlig neu gestaltet worden. Die Wände hatte man in einem sanften Grüngrau gestrichen und die Zierleisten waren jetzt cremeweiß. Der Tisch vor dem Fenster war allerdings immer noch mit blühenden Pflanzen und Blumen bedeckt. Was hatte sich Althea dabei gedacht? Sie wusste, dass mein grüner Daumen eher einen Schwarzton hatte. Der einzige Grund, weshalb irgendeine Pflanze in diesem Zimmer überlebte, war, weil Althea sich um sie kümmerte.
»Althea«, rief ich.
Die Tür nebenan ging auf und Althea erschien in einem lavendelfarbenen Muumuu. Ein geblümtes Kopftuch schmückte ihren Kopf und hielt die Schlangen der Gorgone sicher vor fremden Blicken verborgen. »Da bist du ja. Ich habe mich schon gefragt, wann du wohl auftauchen würdest. Alle haben nach dir gefragt, besonders unten im Brew-Ha-Ha. Es war komisch, immer nur einen Latte zu kaufen.«
Ich deutete auf ihren Kopf. »Neues Kopftuch?«
Sie blickte nach oben. »Ich war auf einer kleinen Shoppingtour, während du weg warst, und habe mir ein paar neue Outfits bei Ready-to-Were gekauft. Dieser Ricardo ist ein Modegenie.«
Dem konnte ich nicht widersprechen. Ricardo war das wohl modebewussteste Werfrettchen, das ich je getroffen hatte. Und Ready-to-Were war mit Abstand meine Lieblingsboutique in ganz Spellbound.
»Und du hast offensichtlich beschlossen, mein Büro umzugestalten, nachdem du mit dir selbst fertig warst?«, erkundigte ich mich.
Althea ließ den Blick über den Raum schweifen. »Gefällt es dir? Ich finde, es sieht so viel luftiger und freundlicher aus.«
»Es ist großartig, aber wie können wir uns das leisten?« Ich arbeitete im öffentlichen Dienst, nicht als Unternehmensanwältin in einer protzigen Privatkanzlei.
»Du musst dich wohl beim Stadtrat bedanken. Bürgermeisterin Langtree kam vorbei, während du weg warst, und hatte ein Team von Feen im Schlepptau, um das Büro umzugestalten.«
»Das war wirklich nett von ihnen.«
»Ich glaube, für die Magierin, die den Fluch über die Stadt gebrochen hat, wären sie bereit, noch viel mehr zu tun«, meinte Althea. »Oh, dabei fällt mir ein: Ich habe dir die Enthüllung in deinen Terminkalender eintragen lassen.«
Ich runzelte die Stirn. »Welche Enthüllung?«
Althea wirkte überrascht. »Das weißt du nicht? Der Stadtrat hat ein Denkmal für den Marktplatz in Auftrag gegeben, das an das Ende des Fluches erinnern soll. Die Enthüllung findet übermorgen Mittag statt. Ich bin verwundert, dass dir noch niemand davon erzählt hat.«
»Ich habe bisher noch mit niemandem so richtig gesprochen«, sagte ich. »Ich nehme an, es kommen fast alle aus der Stadt, um dabei zu sein?«
»Ohne Zweifel«, antwortete Althea. »Meine Schwester ist schon ganz aufgeregt. Sie möchte, dass alle es lieben.«
»Amanda oder Miranda?«, fragte ich. Altheas Schwestern waren beide Kreative. Amanda stellte Gartenzwerge her und Miranda war Fotografin.
»Amanda. Sie will ihr Geschäft schon lange ausbauen. Mit dem Zuwachs an Paranormalen glaubt sie, dass jetzt der perfekte Zeitpunkt dafür ist.«
»Es freut mich, dass sie es positiv sieht. Ich weiß, dass nicht jeder so begeistert ist.«
»Es ist immerhin eine große Veränderung«, sagte Althea. »Der Rat tagt ständig, um alle Konsequenzen zu besprechen. Kaum ist eine Angelegenheit geklärt, schon taucht eine neue auf.«
»Die arme Lucy. Ich wette, sie hätte nicht im Traum daran gedacht, dass sie Bürgermeisterin sein wird, wenn der Fluch bricht. Das ist ein ziemlich beachtliches Vermächtnis.«
Althea warf mir einen vielsagenden Blick zu. »Du, meine Liebe, bist ein ziemlich beachtliches Vermächtnis.« Sie krümmte einen Finger. »Komm mit in mein Büro, Chefin. Ich möchte dir etwas zeigen.«
Ich folgte Althea in ihr angrenzendes Büro. Auf ihrem Schreibtisch stand ein vertrauter Gegenstand. »Heiliger Hexenbesen, du hast einen Computer.« Zumindest vermutete ich, dass es ein Computer war. Er sah ein bisschen anders aus, aber ich konnte nicht genau bestimmen, inwiefern. »Wie? Wo?«
Sie streichelte die Oberseite des Computers. »Du hast gesagt, ich könnte Sigmund benutzen, um herumzufahren, während du weg bist – also habe ich das getan. Ich habe die Stadt verlassen und bin nach New Moon Junction gefahren. Das ist die nächstgelegene paranormale Stadt mit größeren Geschäften. Der Rat hat uns ein Budget für Technologie zur Verfügung gestellt. Das ist einer der Punkte, wegen denen sie bei den Sitzungen Überstunden gemacht haben.«
»Ich fasse es nicht«, rief ich. »Das wird alles in Spellbound verändern.«
Althea lächelte ihren Bildschirm an. »Es ist wie Magie. Ich gebe die Wörter ein und sie erscheinen auf dem Bildschirm. Und ich bin an dieses Ding namens WonderWeb angeschlossen, mit dem ich am Computer recherchieren kann.«
Ich unterdrückte ein Lachen. »Das ist dann wohl die paranormale Version des Internets.«
»Das ist noch nicht alles«, bemerkte Althea. »Ich habe deinen Rat befolgt und mich für die Abendschule angemeldet. Ich mache jetzt offiziell eine Ausbildung zur Anwältin, wie du.«
»Sterne und Staub, das ist ja fantastisch!« Ich war so überwältigt, dass ich mich nach vorn beugte, um sie zu umarmen. Der Stoff von Altheas Muumuu war glatt und seidig auf meiner Haut. »Wow, ich verstehe, warum du das trägst. Das fühlt sich wirklich sehr angenehm an.« Ihre Schlangen zischten und zuckten unter ihrem Kopftuch.
»Klappe, Mädels«, schalt Althea sie. »Das ist Emma. Wenn das Mädel mich umarmen will, dann lasst ihr sie gefälligst.«
»Du hattest recht, was mich angeht. Ich bin schon immer zu viel mehr fähig gewesen als zu einem Assistentenjob«, sagte Althea. »Ich dachte einfach, ich hätte meine besten Zeiten hinter mir, aber jetzt, wo der Fluch gebrochen ist, habe ich das Gefühl, dass ich noch einmal richtig durchstarten kann.«
»Ich freue mich so für dich«, sagte ich. »Und ich werde dich unterstützen, egal, was du brauchst.«
Sie klopfte mir auf die Schulter. »Das weiß ich doch.«
»Sind irgendwelche Fälle reingekommen, während ich weg war?«, fragte ich. Althea hatte die Angewohnheit, mir Akten erst dann auszuhändigen, wenn unser Mandant gerade zu seinem Termin durch die Tür kam.
»Es gab ein paar kleinere Vorfälle während deiner Abwesenheit«, informierte Althea, »aber Rochester hat sich mit ihnen auf einen Vergleich geeinigt. Er hat dafür gesorgt, dass alles reibungslos ablief. Er wollte nicht, dass du zurückkommst und vor einem Berg von Arbeit stehst.«
Der gute alte Rochester. Für einen Staatsanwalt war der Zauberer äußerst mitfühlend. Er war ein Gewinn für die Gemeinschaft.
»Es gibt demnächst ein paar öffentliche Ratssitzungen, an denen du bestimmt teilnehmen möchtest«, sagte Althea. »Ich gehe auf jeden Fall hin.«
»Öffentliche Sitzungen? Weshalb?« Die meisten Ratssitzungen waren nicht öffentlich zugänglich.
»Bürgermeisterin Langtree hat die Tagesordnung bekannt gegeben, und in der nächsten Sitzung geht es um die Zukunft der Stadt angesichts der jüngsten Ereignisse. Es wird anscheinend eine Menge Geld kosten, die Infrastruktur zu schaffen, die andere paranormale Städte für das WonderWeb haben. Auch unsere Straßen sind zum Beispiel nur für kleinere Fahrzeuge ausgelegt. Deins ist das einzige moderne Auto in der Stadt. Wie wird es sich auf unser tägliches Leben auswirken, wenn schwerere, schnellere Wagen auf unseren altmodischen Straßen unterwegs sind?«
Über derartige konkrete praktische Maßnahmen hatte ich noch gar nicht nachgedacht. »Wir haben auch über Telefone gesprochen«, fuhr Althea fort, »und ob wir die Boteneulen und den Elf Express behalten wollen.«
»Braucht die Stadt nicht Sende- und Strommasten oder Kabel für all diese Neuerungen?«, fragte ich.
Sie winkte ab. »Mädchen, du weißt doch, dass wir deine Menschenwelt-Elektrizität nicht für unsere Infrastruktur brauchen, Fluch hin oder her.«
»Da fällt mir ein«, rief ich, »ich habe dir ein kleines Geschenk mitgebracht von unserem Urlaub!«
Althea starrte mich an. »Du hast mir ein Geschenk aus deinen Flitterwochen mitgebracht?«
»Ich habe viele Geschenke gekauft«, erklärte ich. Wie könnte ich auch nicht? Für viele meiner Freunde würde es das erste Mal sein, dass sie diese Gegenstände zu Gesicht bekamen. Zum Glück hatte Daniel Hunderte von Jahren gespart. Zum ersten Mal in meinem Leben war Geld kein Thema.
Ich präsentierte die Geschenktüte, die ich in der Hand gehalten hatte, und reichte sie Althea, damit sie sie öffnete. Sie betrachtete den Gegenstand darin stirnrunzelnd. »Was ist das?«
»Eine magische Espressomaschine«, antwortete ich. »Die Bohnen mahlen sich selbst. Für die Tage, an denen du keine Lust hast, zu Fuß zum Brew-Ha-Ha zu gehen.«
Altheas Augen wurden groß, als sie den Apparat untersuchte. »Oh großer Zeus auf einem Berggipfel! Die Welt ist so ein Wunder.«
»Das ist sie wirklich, Althea«, sagte ich. »Und ich kann es kaum erwarten, dass du sie entdeckst.«
Ich stand vor dem Eingang der Arabella St. Simon Academy, oder ASS-Akademie, wie sie auch genannt wurde. Als ich in Spellbound angekommen war, hatte ich den Förderunterricht in Hexerei besucht, denn man hatte mich fälschlicherweise für eine Hexe gehalten. Trotz des Irrtums war es keine vergeudete Zeit gewesen. Ich hatte die grundlegenden Zaubersprüche gelernt und meine besten Freundinnen in Spellbound kennengelernt. Nachdem das Oberhaupt des Hexenzirkels entmachtet worden war, wurden wir fünf zur nächsten Stufe unserer Ausbildung befördert. Keine Nachhilfestunden mehr für uns.
Einige im Hexenzirkel waren immer noch sauer, weil Lady Weatherby wertvolle Informationen darüber zurückgehalten hatte, wie man den Fluch brechen konnte, der die Bewohner in Spellbound gefangen gehalten hatte. Zugegeben, ich war eine davon. Obwohl ich mich der stahläugigen Hexe nie besonders nahe gefühlt hatte, hatte ich ihr vorbehaltlos vertraut. Es war eine bittere Pille, die ich zu schlucken hatte.
Begonia tauchte neben mir auf. »Kommst du mit rein?«
Wollte ich das? »Von nun an wird es anders sein.« Meine Angst war kein Fan von »anders«.
Begonia hakte sich bei mir unter. »Natürlich wird es anders sein. Wir lernen jetzt endlich fortgeschrittene Zaubersprüche. Das haben wir uns verdient.« Sie warf mir einen eindringlichen Blick zu. »Du hast es dir verdient.«
Ich atmete tief ein und stieß die Tür auf. Als wir am Büro des Oberhaupts vorbeikamen, fiel mir als Erstes auf, dass Vorsitzender Maunz, Lady Weatherbys Vertrauter, nicht da war. Er hatte sich gerne auf ihrem Schreibtisch geräkelt. Stattdessen saß eine rote Katze auf der Fensterbank. Professor Holmes’ Vertrauter, Gulliver. Das kommissarische Oberhaupt des Hexenzirkels war jedoch nirgends zu sehen. Ich konnte mir gut vorstellen, dass er bereits im Klassenzimmer war.
Wir folgten dem Korridor bis zum Klassenraum für Zauberkunst. Als Förderhexen waren wir immer nur in einem Klassenzimmer gewesen. Jetzt würden wir uns unter den Rest der Schülerschaft mischen. Größere Unterrichtsräume, anspruchsvollere Aufgaben. Mein Puls beschleunigte sich bei dem Gedanken daran. Ich fühlte mich unmittelbar zurückversetzt in meine Zeit an der juristischen Fakultät und war direkt überfordert. Am Ende hatte ich es immer geschafft, aber es hatte mich eine Menge mentale Energie gekostet, dorthin zu gelangen.
Zögernd betraten wir den voll besetzten Raum. Wir schienen die letzten Schüler zu sein, die sich eingefunden hatten. Ich entdeckte Laurel, Millie und Sophie in einer der mittleren Reihen. Dort waren keine weiteren Plätze frei. Begonia ergriff meine Hand und lenkte mich zu zwei leeren Sitzen im hinteren Teil des Raumes. Das war wahrscheinlich sowieso das Beste. Unter dem Radar fliegen. Einige Mitglieder des Hexenzirkels waren wegen des Vorfalls mit Lady Weatherby nicht besonders gut auf mich zu sprechen, auch wenn es nicht direkt meine Schuld gewesen war. Es waren die übrigen Mitglieder des Hexenzirkels gewesen, die sie angesichts der jüngsten Ereignisse zum Rücktritt gezwungen hatte. Dazu und natürlich zu ihrer Gefängnisstrafe.
Eine schnelle Zählung ergab, dass etwa fünfundzwanzig Schüler in der Klasse saßen. Ich erkannte Gesichter, hatte aber nicht unbedingt ihre Namen parat. Ganz vorn standen der freundliche Professor Holmes und Meg. Die feuerhaarige Hexe hatte uns oft Nachhilfeunterricht gegeben, wenn die älteren Mitglieder des Hexenzirkels anderweitig beschäftigt waren.
Professor Holmes klopfte mit seinem Zauberstab auf das Pult, um unsere Aufmerksamkeit zu erregen. »Lasst uns beginnen, Klasse. Wie ihr vielleicht schon bemerkt habt, haben wir heute ein paar Neuzugänge. Bitte begrüßt mit mir diese fünf wunderbaren Hexen auf der nächsten Stufe ihrer magischen Ausbildung.«
Eine Hexe im vorderen Teil des Raumes hob die Hand. Ihr Rücken war so gerade wie ihr weizenblondes Haar glatt.
»Ja, Avery?«, sagte Professor Holmes.
»Meiner Ansicht nach ist es wichtig zu erwähnen, dass eine von ihnen eine Magierin ist«, erklärte Avery. »Nach meiner Rechnung sind das also vier Hexen und eine Magierin.«
Professor Holmes schenkte ihr ein geduldiges Lächeln. »Danke für diese Präzisierung, Avery. Für unsere Zwecke betrachten wir Emma als Hexe wie die anderen auch. Wir haben sie in unseren Zirkel aufgenommen, also gibt es keinen Grund, sie gesondert zu behandeln.«
»Mir scheint, das hat sie ganz allein geschafft, Sir«, antwortete Avery.
Ich rutschte tiefer in meinen Sitz. So viel zum Thema »unter dem Radar fliegen«.
»Emma erlernt die gleiche Magie wie alle anderen in der Klasse«, warf Meg ein. »Sie mag zwar eine Magierin sein, aber du darfst nicht vergessen, dass die einzige formale Ausbildung, die sie genossen hat, im Zusammenhang mit der Akademie stattfand. Bis zu ihrer Ankunft hier hat sie als Mensch gelebt, ohne überhaupt etwas von ihren Fähigkeiten zu wissen.«
»Und wir werden sie herzlich willkommen heißen, nicht wahr, Avery?«, fragte Professor Holmes betont.
»Natürlich, Sir«, sagte Avery. »So bietet sich die Gelegenheit, eine andere Art von Magie zu lernen als unsere eigene. Ich sehe das als Vorteil an.«
Nichts in ihrem Ton deutete darauf hin, dass sie meine Anwesenheit als Vorteil ansah. Aber ich durfte mich von Averys Einstellung nicht beirren lassen. Mir gingen zu viele andere Dinge durch den Kopf, zum Beispiel, wie ich Gareth und Daniel davon überzeugen konnte, miteinander zurechtzukommen.
»Heute lernen wir, wie man einen Gegenstand so verzaubert, dass er sich von selbst bewegt«, verkündete Professor Holmes.
Millies Hand schoss nach oben. »Wie bei der Gedankenkontrolle?«
Ein paar Schüler kicherten.
»Nein, Millie, keine Gedankenkontrolle«, erwiderte Professor Holmes. »Es ist mehr so, als würdest du einem unbelebten Gegenstand einen Energieschub verpassen.«
»So wie mein Zauber, der einen Federkiel bewegt, ohne dass ich ihn halten muss?«, fragte ich. Professor Holmes stellte sich vor den Schreibtisch und faltete die Hände zusammen. »Ein bisschen so, ja. Meg wird es euch demonstrieren.«
Meg stand mit ihrem Zauberstab bereit. Sie konzentrierte ihren Willen, zeigte auf die Blumenvase auf dem Schreibtisch und sagte: »Lass dir’s von der Vase zeigen / sie tanzt jetzt einen frohen Reigen.«
Die Vase erwachte zum Leben, hob sich in die Luft und drehte sich. Dann kippte sie von einer Seite zur anderen, als würde sie zu einem Takt mitschwingen. Für einen Gegenstand aus Glas hatte sie ganz schön halsbrecherische Moves drauf. Dann landete die Vase mit einem dumpfen Pochen auf dem Schreibtisch.
Averys Hand flog in die Luft. Ich hatte den Eindruck, dass Avery die fortgeschrittene Version von Millie war.
»Ja, Avery?«, sagte Professor Holmes.
»Was ist der Sinn dahinter, eine Vase tanzen zu lassen?«, fragte Avery.
Meg starrte Avery mit strengem Blick an. »Es geht darum, Zauberkunst zu demonstrieren. Die Vase ist ein unbelebter Gegenstand und ich habe einen Zauber gesprochen, der sie sich von selbst bewegen lässt.«
»Aber wozu ist das gut?«, drängte Avery. »Wäre es nicht besser, einen praktischen Nutzen für die Zauberkunst zu demonstrieren?«
Ein paar Schüler stöhnten leise auf, ein paar andere verdrehten die Augen. Um ehrlich zu sein, fand ich Averys Frage gut, auch wenn sie etwas höflicher hätte ausfallen können. Ich vermutete jedoch, dass sie die Angewohnheit hatte, unbequeme Fragen zu stellen, während alle anderen einfach nur lernen wollten, wie man Zauberkunst ausübt.
»Also gut, Avery«, meinte Professor Holmes. »Warum kommst du nicht nach vorne und assistierst uns bei einer praktischen Demonstration?«
Avery zögerte keine Sekunde. Die zierliche Blondine schritt vor die Klasse, als wäre sie zur Anführerin geboren. Mir fiel auf, dass ihr Zauberstab violett und grün gestreift war. So einen hatte ich noch nie gesehen. Sie zielte mit einer Hermine-ähnlichen Zuversicht mit ihrem Zauberstab und rief: »Lass dir’s von den Schuhen zeigen / er tanzt jetzt einen frohen Reigen.«
Es dauerte nur einen kurzen Moment, bis ich erkannte, welchen Gegenstand sie verzaubert hatte. Die Schuhe des Professors entwickelten ein Eigenleben und tanzten und drehten Pirouetten durch den Raum. Leider steckte der Rest von ihm immer noch in den Schuhen fest. »Gut gemacht, Avery«, sagte Meg, ihre Lippen waren zu einer dünnen Linie verkniffen. Die Schuhe kamen zum Stillstand und ich erwartete fast, dass Qualm von seinen Füßen aufsteigen würde. Professor Holmes war kein leichtfüßiger junger Zauberer. Er hätte leicht das Gleichgewicht verlieren und sich die Hüfte brechen können. »Und was ist an deinem Beispiel praktischer als bei der Vase?«, erkundigte sich Professor Holmes und lehnte sich gegen den Schreibtisch, um zu Atem zu kommen.
»Vasen sind nicht zum Tanzen da«, erklärte Avery schlicht und setzte sich wieder auf ihren Platz.
Tja. Lektion gelernt.
Ich hatte die Große Halle noch nie so voll mit Bewohnern gesehen. Normalerweise wurde der riesige Saal entweder vom Rat oder von den Parteien eines Gerichtsverfahrens benutzt. Die Situation erinnerte mich an das Einkaufszentrum in King of Prussia in Pennsylvania eine Woche vor Weihnachten.
»Emma, willkommen zurück!«, begrüßte mich Stan, der Registrator der Stadt.
»Das muss die bestbesuchte Ratssitzung aller Zeiten sein«, meinte ich und ließ den Blick durch den imposanten Saal schweifen.
»Es steht eine Menge auf der Tagesordnung«, erklärte der Elf. »Ich bin froh, dass du hier bist, denn ich muss dich um einen Gefallen bitten.«
»Klar. Worum geht’s?«
»Ich habe diese Woche Neuankömmlinge registriert, die Goldmans. Eine nette Familie von Riesen«, sagte er. »Ich denke, du wärst die ideale Kandidatin, um ihnen die Stadt zu zeigen. Sie sind sehr nervös, was das Einleben angeht. Es scheint, als hätten sie eine harte Zeit in Jabberwocky Junction hinter sich, wo sie vorher gewohnt haben.«
»Riesen«, wiederholte ich langsam. Ich hatte noch nie einen Riesen getroffen. Stan schenkte mir ein beruhigendes Lächeln. »Mach dir keine Sorgen. Ihre Größe spiegelt nur die Größe ihres Herzens wider. Ich dachte mir, dass du das zu schätzen weißt.«
Stan kannte mich gut. Ich hatte eine Schwäche für große Herzen. »Sag mir einfach, wo und wann.«
»Ich werde sie am Montag um zehn in dein Büro kommen lassen, wenn dir das passt.«
»Kein Problem«, sagte ich. »Ich freue mich darauf, sie zu treffen.«
»Da schau her. Wenn das nicht unsere Mrs Daniel Starr ist.« Lorenzo Mancini musterte mich unter schweren Lidern. Der Alpha des Werwolfrudels hatte schon früh eine Abneigung gegen mich entwickelt, und ich schien seine Gunst auch nicht wiederzuerlangen. Wie immer trug er einen eleganten maßgeschneiderten Anzug mit glänzenden goldenen Manschettenknöpfen. Ganz gewiss nicht aus Silber.
»Schön, Sie zu sehen, Mr Mancini«, sagte ich. Ich verzichtete darauf, ihn bei der Verwendung meines Nachnamens zu korrigieren. Er wusste genau, dass ich Emma Hart bleiben wollte. Lorenzo versuchte immer, subtile Wege zu finden, um mir gegenüber respektlos zu sein.
»Ich nehme an, ich sollte nicht überrascht sein, dass Sie anwesend sind«, murrte er. »Es scheint, dass Sie bei jeder Angelegenheit, die für die Stadt von großer Bedeutung ist, dabei sind, um Ihre spezielle Art von Weisheit beizusteuern.«
Schon wieder eine Beleidigung. Es war wohl Lorenzos ganz besondere Zeit im Monat. Vollmond, meine ich.
Eine starke Hand legte sich auf meine Schulter. »Tut mir leid, ich bin zu spät.« Daniel drückte mir einen Kuss auf die Wange. »Ich habe versucht, noch ein paar Kisten zu Hause zu sortieren, bevor das Treffen beginnt.«
Lorenzo lenkte seine Aufmerksamkeit auf den Engel an meiner Seite. »Verspätete Glückwünsche an dich. Im Namen des Rudels wünsche ich dir alles Gute.«
»Ich danke dir, Enzo«, gab Daniel zurück.
Ein Anflug von Verärgerung huschte über die Züge des Werwolfs. Niemand nannte ihn Enzo, zumindest hatte ich das noch nie gehört. Hatte ich schon erwähnt, wie sehr ich meinen Ehemann liebte?
Ein Horn erschallte und zog die Aufmerksamkeit aller auf sich. Ich blickte durch den Saal und sah die Assistentin von Bürgermeisterin Lucy, Nichole, die in ein riesiges Horn pustete.
»Das ist mein Stichwort«, sagte Lorenzo. »Versuchen Sie, Ihre Kommentare auf ein Mindestmaß zu beschränken, Ms Hart. Wir würden gerne noch in diesem Jahrhundert nach Hause kommen.«
Als er sich abwandte, widerstand ich dem Drang, meine Zunge herauszustrecken. Ich war ein reifes, geachtetes Mitglied der Stadt. Die meiste Zeit jedenfalls.
»Es ist viel los«, sagte Daniel. »Vermutlich sind alle gespannt darauf, welche Änderungen eingeführt werden sollen.«
