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Wie ist einer Frau zumute, deren Mann sie mit einer anderen betrügt und der ihr zu allem Überfluß sagt, sie sei prüde? Für die schlanke, apart aussehende Sigrid Welling war eine Welt zusammengebrochen. Wie gut, daß sie in Monika Deling eine Freundin hatte, die ihr in dieser mißlichen Situation mit Rat und Tat zur Seite stand. "Schaff dir einen Liebhaber an und zeig deinem untreuen Mann, daß du notfalls auch ohne ihn auskommst und sich andere Männer für dich interessieren!" hatte die Freundin geraten und ihr den blendend aussehenden charmanten Schauspieler Peter Loth vorgestellt. Als Ehemann Helmut sah, wie seine Frau sich mit dem smarten Mimen vergnügte, glühte er nur so vor Eifersucht. Das kurvenreiche, rassige Fotomodell Anita konnte einem Mann zwar das sexuelle Paradies auf Erden bieten, aber das war eben nicht das ganze Leben. Die Nächte mit ihr vermochten nicht, die vielen Jahre mit seiner Sigrid auszulöschen, denn er liebte sie im Grunde immer noch und mußte sie jetzt schnell zurückgewinnen, wollte er sein Glück nicht gänzlich verspielen. "Sigrid, ich habe einen großen Fehler gemacht. Es tut mir leid. Ich liebe dich", sagte er und hielt ihr einen Strauß roter Rosen hin. Sie weinte vor Glück. Endlich hatte er zu ihr zurückgefunden. Dann fielen sie sich in die Arme. "Wir fangen noch einmal von vorn an, ja?" flüsterte er ihr zärtlich ins Ohr und küßte sie …
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Seitenzahl: 187
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Das Titelbild steht in keinem Zusammenhang mit dem Inhalt des Buches.
eBook-Ausgabe 06/2017
Edition Stephenson #0020
© Carl Stephenson Verlag GmbH & Co. KG, Schäferweg 14, 24941 Flensburg Alle Rechte vorbehalten einschließlich der Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Medien E-Mail: [email protected] Internet: www.stephenson.de Besuchen Sie uns auf www.stephenson.de Ein großes erotisches Verlagsprogramm erwartet Sie dort. eISBN 9783798609136
Aufreizend langsam schälte sich Juliette aus dem hautengen Kleid. Sie trug darunter hauchdünne, schwarze Strümpfe, einen winzigen schwarzen Dreiecksslip und schwarze Strapse mit roter Spitze.
Jean saß auf der Bettkante, schaute wie gebannt zu der jungen Frau hoch, die provozierend vor ihm stand und sich im Zeitlupentempo auszog.
Sein Blick wanderte hoch zu ihrem vollen Busen, der von dem knappen schwarzen Büstenhalter kaum gebändigt wurde. In einer plötzlichen Gefühlsaufwallung riss er sie an sich, barg den Kopf in ihrem Schoß. Er fühlte den seidigen Stoff ihres knappen Höschens an seiner Wange. Seine Hände glitten über ihre schlanken Schenkel.
«Juliette, ich liebe dich so sehr!» brach es aus ihm heraus.
Sie beugte sich zu ihm hinunter. Ihre Brüste wölbten sich ihm entgegen. Sie küsste ihn lange und leidenschaftlich.
«Ach, Jean, mein lieber, lieber Jean», flüsterte sie zärtlich.
Ein seliges Lächeln glitt über sein Gesicht. Mit sanfter Gewalt zog er die bezaubernde, kurvenreiche Französin zu sich auf das Bett. Willig streckte sie sich neben ihm aus.
Seine Hand wanderte hinunter zu ihrem Slip, glitt zwischen das Gummiband und machte sich dann an ihrem Strumpfhalter zu schaffen. Er streifte ihr den rechten Strumpf vom Bein, dann den linken. Und nun sollte der Slip fallen.
Das Zimmer verschwand, das Bett und das Liebespaar. Schneetreiben flimmerte über die Mattscheibe des Fernsehers.
«Ausgerechnet jetzt, verdammter Kasten!» fluchte Helmut Welling. Er schoss aus den Tiefen seines Polstersessels. Wütend fummelte er an der elektronischen Fernsteuerung herum. Das Schneetreiben zog vorüber.
Ein anderes Motiv tauchte auf: BILDSTÖRUNG.
«Typisch Fernsehen!» regte sich Helmut Welling auf. «Den größten Mist schaukeln sie heil über den Kanal. Aber sobald mal was Interessantes kommt, bauen sie doch jedes Mal Mist. Na, hoffentlich drehen sie den Film wieder zurück. Aber wie ich die kenne…»
Die Fernsehtechniker stellten seine Geduld auf eine harte Probe. Und er stellte sich vor, was Jean mit dieser Französin alles anstellte. Seine Phantasie gaukelte ihm erregende Bilder vor. Doch das wollte er auf dem Bildschirm sehen!
Nach gut sieben Minuten lief der Streifen endlich weiter. Juliette stand vom Bett auf und knöpfte ihr Kleid zu. Er sah nur noch, wie sie die Strumpfbänder in die Nylons einhakte und das Kleid glattstrich.
«Dachte ich‘s mir doch!» schimpfte Helmut Welling. Erbost lehnte er sich zurück und verfolgte ohne sonderliche Spannung den weiteren Fortgang der französischen Liebesschnulze. Die schärfsten Szenen waren gelaufen — ohne dass er sie gesehen hatte.
Auf einmal drang lautes Gurgeln an sein Ohr. Verwirrt starrte er auf die Mattscheibe. Juliette saß gerade in der Straßenbahn. Sie konnte es nicht sein. Aber woher sonst?
Im selben Augenblick durchfuhr ihn ein eisiger Schreck. Kein Zweifel, das Gurgeln kam aus dem Badezimmer.
Sigrid!
Er kannte seine Frau jetzt lange genug, um zu wissen, was das zu bedeuten hatte: Sie war bereit, heute mit ihm zu schlafen. Und gerade heute hatte er nicht die geringste Lust. Er streifte seine Armbanduhr mit einem Blick. Es war ja noch nicht einmal halb acht! Seine Frau war doch sonst nicht so sexbesessen, im Gegenteil. Prüde, das war das richtige Wort für sie. Bei ihr musste alles nach festen Regeln ablaufen. Außer der Reihe, das war nicht drin.
«Es wird Zeit, Helmut!» hörte er sie rufen.
Er lächelte gequält. «Aber Sigrid, in fünf Minuten fängt ein toller Krimi an.»
Schweigen.
Dann leise, tappende Schritte. Einen Augenblick später stand seine Frau im Wohnzimmer. Barfuß — nur mit einem Höschen und einem BH bekleidet. Bunte Lockenwickler zierten das brünette Haar. Ihre Gesichtszüge waren hinter einer Maske aus Schönheitscreme erstarrt.
«Du mit deinem ewigen Fernsehen», nörgelte sie und schaltete den Apparat ab. «Na los, zieh dich endlich an, Helmut!»
«Anziehen?» Jetzt begriff er überhaupt nichts mehr. «Wieso anziehen … ?»
Verächtlich blickte sie auf seinen abgetragenen Hausmantel, von dem er sich einfach nicht trennen wollte. Schon oft hatte sie versucht, ihn zu einem neuen zu überreden. Bisher vergeblich. «Ja, sag einmal, möchtest du etwa in diesem Aufzug zu Gerhards Party gehen?»
Er fuhr herum, starrte sie ungläubig an. «Party?» Im selben Moment fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Ach du lieber Himmel, diese idiotische Party — die hatte er ja total vergessen! Deshalb auch ihre Geschäftigkeit im Badezimmer.
«Hab doch gewusst, dass heute noch irgendetwas Unangenehmes auf mich zukommt», murmelte er gereizt. «Aber dass es gerade dein sauberer Bruder sein muss…»
«Ich weiß, dass du Gerhard nicht magst. Das brauchst du nicht jedes Mal neu zu betonen», erwiderte Sigrid ärgerlich.
«Nicht mögen? Ich kann den blöden Kerl auf den Tod nicht ausstehen!» brauste Helmut Welling auf. «Bildet sich wer weiß was ein, bloß weil er Richter ist. Der soll mal so wie ich in kurzer Zeit zwei Fotogeschäfte aus dem Boden stampfen. Ja, das soll er mir erst einmal nachmachen. Aber dazu ist er viel zu dämlich. Und außerdem: Statt seine Hakennase so hoch zu tragen, sollte er lieber etwas mehr für seine Figur tun!»
Helmut Welling hatte etwas gegen unförmige Männer, insbesondere jedoch gegen seinen feisten Schwager. Er selbst achtete trotz seiner vierzig Jahre streng auf seine Linie, um sich seine sportliche Figur so lange wie möglich zu erhalten.
Sigrid kannte diese Schimpftiraden seit ihrer Heirat vor siebzehn Jahren. Zu lange, um sich noch darüber aufzuregen. Und innerlich gab sie ihrem Mann in vielen Dingen Recht. Aber Gerhard war nun mal ihr Bruder.
«Zieh den grauen Anzug an! Der steht dir besonders gut, Helmut», schlug sie vor, ohne auf sein Lieblingsthema einzugehen. «Ich hab ihn schon herausgelegt.»
Helmut griff nach der Fernsehzeitung und blätterte wahllos darin herum. Diesen Abend hatte er sich anders vorgestellt — mit seinen alten Klamotten, einer Flasche Bier und einem spannenden Krimi. Aber jetzt?
«Sag mal, müssen wir da unbedingt hin?» fragte er nach einer Weile unsicher.
«Wir können nicht schon wieder absagen», entgegnete sie leicht verstimmt.
Er zuckte die Achseln. «Warum nicht? Ich habe einen harten Arbeitstag hinter mir. Ich bin hundemüde, kaputt — regelrecht fix und fertig.»
«Diese Ausrede kennt Gerhard bereits auswendig. Das nimmt er dir nicht mehr ab. Außerdem, er muss ja genauso zur Arbeit.» «Und… und wenn ich plötzlich erkrankt bin?» fiel ihm eine neue Variante ein, dachte er zumindest.
«Das zieht auch nicht», sagte sie nun unwillig. «Laß das Lamentieren und zieh dich besser an .»
Er knallte die Zeitung auf den Tisch. «Ach, erzähl ihm doch, was du willst. Von mir aus, dass ich gestorben bin. Mir ist alles recht.»
«Gern», erwiderte sie sarkastisch. «Aber dann ist eine halbe Stunde später Gerhard hier, um dich zu beweinen.»
Zähneknirschend gab er sich geschlagen. «Also gut. Aber eins sage ich dir: Lange bleibe ich bei meinem Schwager nicht.»
«Einverstanden.» Sie war erleichtert.
Ächzend erhob er sich. «Verdammte Party!» knurrte er und folgte ihr ins Badezimmer.
Während er den Elektrorasierer über sein Stoppelkinn gleiten ließ, musterte er seine Frau abschätzend im mannshohen Spiegel. Ohne Lockenwickler im Haar und Gesichtsmaske sah sie schon entschieden besser aus. Sigrid hatte keine schlechte Figur. Für ihr Alter konnte sie sich wirklich sehen lassen, auch nackt. Ihre Brüste waren immer noch schön fest und voll. Und auch die Linie ihres Bauches konnte einen Mann erregen.
«Aber sie kleidet sich viel zu hausbacken!» dachte er bei sich. «Allein schon die Unterwäsche — da ist überhaupt nichts Raffiniertes dran.»
Sigrid trug ein hautfarbenes Miederhöschen, das ihr halb bis zum Knie reichte. Die Spitze am Beinende war mehr Zierde, als dass sie erotisierende Wirkung gehabt hätte. Dieser halb-lange Schlüpfer wirkte bestimmt nicht sehr erregend. Ein bisschen Pfiff konnte ihr wirklich nicht schaden.
Aus ihrer rasanten Figur ließe sich schon einiges machen. Ein Hauch schwarzer Unterwäsche würde schon Wunder wirken. Er dachte an die junge Französin im Film — sah vor seinem geistigen Auge, wie sie die Strapse ablegte und den schwarzen Strumpf langsam und aufreizend herunterrollte. Das war wenigstens etwas. Schwarzer Slip mit verführerischen Spitzen — so etwas vermochte seine Phantasie zu beflügeln. Nicht jedoch ein biederes Mieder Höschen!
Helga fiel ihm sofort ein — sein neunzehnjähriges Lehrmädchen im Fotogeschäft. Ein hübsches, beachtlich kurvenreich gebautes junges Ding. Sie trug stets hautenge Pullis und Superminis.
Am Vormittag war sie unten im Lager die Leiter hinaufgeklettert. Direkt vor seinen Augen. Er hatte unten gestanden und alles gesehen — den hellblauen, durchsichtigen Nylonslip und die dunklen, gekräuselten Schamhaare zu beiden Seiten. Selbstverständlich hatte sie seinen begehrlichen Blick gespürt. Und er war sicher, dass sie absichtlich dort hochgestiegen war, um ihn in Erregung zu versetzen. Ein Zufall war es bestimmt nicht gewesen. Sie hatte ihn von oben nur frech angegrinst, während er mit der aufkeimenden Lust gekämpft hatte. Er hatte überhaupt den Eindruck, dass sie es ganz bewusst darauf ansetzte, ihn raffiniert zu verführen.
«Wenn Thomas wieder aus den Ferien kommt, musst du ihm einmal ordentlich die Leviten lesen», bemerkte Sigrid, während sie sich das Haar toupierte.
Er schaltete den Rasierer ab und legte ihn auf das Waschbecken. «So? Was hat er denn ausgefressen? Ist eine Karte von ihm gekommen?» «Nein, aber…»
«Reich mir doch mal das Rasierwasser.»
Sie gab ihm die Flasche, und er rieb sich mit dem Rasierwasser ein.
«Du weißt doch», sagte sie. «Wegen der Fünf in Latein.»
«Und?» fragte er desinteressiert.
«Wenn er so weiter macht, rasselt er garantiert durch das Abitur!»
«Eine Fünf geht ja noch. Solange es nicht zwei werden… . Außerdem sind es bis zum Abitur noch zwei Jahre. Und studieren kann er hinterher ja doch nicht. Gibt doch keine Plätze. Also, weshalb machst du dir schon jetzt darüber Gedanken», erwiderte ihr Mann gleichgültig und musterte sich im Spiegel.
Sigrid warf ihm einen ärgerlichen Blick zu. «Deine Logik ist heute Abend mal wieder unübertrefflich. Das kann doch nicht dein Ernst sein?!»
Helmut schwieg. Er hatte einfach keine Lust, mit ihr immer wieder über die Leistungen seines siebzehn jährigen Sprösslings zu debattieren. Der Junge war momentan sowieso in einem schwierigen Alter. Es würde sich schon wieder alles einpendeln. Außerdem, so schlecht war das Zeugnis nun auch wieder nicht gewesen. «Der Bengel sollte lieber mal schreiben», murmelte er nach einer Weile.
«Du weißt doch, wie es ist, wenn mehrere Jungen zusammen sind», nahm sie ihn nun sofort in Schutz und fügte dann nicht ganz konsequent hinzu: «Was ist nun, sprichst du mit ihm oder nicht?»
«Erziehung ist deine Aufgabe», wich er aus. «Ich habe die Geschäfte am Hals.»
«Du kümmerst dich um nichts!» warf sie ihm aufgebracht vor.
Er lachte freudlos. «So, um nichts kümmere ich mich? Das höre ich gerne. Wer verdient denn hier die Brötchen? Wovon zahlen wir überhaupt das Haus ab, wer muss denn wohl für die Familie am meisten in die Tretmühle?» «Glaubst du, der Haushalt ist keine Arbeit?» «Ach du lieber Gott, komm mir bloß nicht schon wieder mit dieser Masche!» stöhnte er. «Denkst du, nur deine Arbeit ist etwas wert?» rief sie wütend.
Helmut Welling hielt es für klüger, den Rückzug anzutreten, bevor sie sich noch richtig in Rage geredet hatte.
«Wir reden später noch einmal darüber», knurrte er und verließ schleunigst das Badezimmer.
Die Fahrt verlief denkbar trostlos und schweigend. Sigrid ärgerte sich über ihren desinteressierten Mann. Helmut dagegen war stocksauer, dass er im letzten Moment nicht doch abgesagt hatte.
Die Party lief bereits auf Hochtouren, als sie ankamen. Aber auch die flotte Musik konnte Helmut nicht darüber hinwegtäuschen, dass er sich auf einen trostlosen Abend würde einstellen müssen. Ein Abend mit langweiligen Paragraphenreitern und ihren noch langweiligeren Ehefrauen. Etwas anderes konnte er sich gar nicht vorstellen. Und irgendwie spürte er auch, dass er nicht in diesen Rahmen passte. Leeres Stroh zu dreschen und das Konversation zu nennen, das lag ihm nicht.
Heute kotzte ihn alles an.
«Hallo, ihr beiden!» begrüßte Gerhard Bruckner die späten Gäste. Er war ein fünfzigjähriger Junggeselle mit roten Schweinsäuglein, Halbglatze und rotgeäderten Hängebacken. Verächtlich maß Helmut Welling den Kugelbauch seines Schwagers, der sich unter dem Smoking wölbte. «Die arme Frau, die den gekriegt hätte», dachte er. «Na, zum Glück ist keine auf ihn hereingefallen.»
«Dass ihr euch endlich mal wieder blicken lasst, grenzt ja direkt an ein Wunder», sagte Gerhard mit pathetischem Tonfall.
«Tja, auf Wunder muss man eben immer etwas länger warten», belehrte ihn Helmut mit unverhohlenem Spott in der Stimme. «Jedenfalls, danke für die Einladung.» Ein wütender Blick seiner Frau hatte ihn gewarnt, es nicht zu übertreiben.
Gerhard klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter. «Ist doch gern geschehen. Ich freue mich, euch hier in meinem Haus zu haben.» «Wir uns auch», erwiderte Helmut mit gequältem Lächeln.
«Riesig sogar, nicht wahr, Sigrid?»
«Natürlich», versicherte sie schnell und warf ihrem Mann einen strafenden Blick zu.
Nach ein paar weiteren belanglosen Höflichkeitsfloskeln überließ Helmut seine Frau dem Gastgeber und steuerte zielstrebig auf den Platz zu, wo das meiste Gedränge herrschte — zum Tisch mit dem kalten Büfett. Seit Mittag hatte er nichts mehr gegessen. Das rächte sich nun. Sein Magen begann zu knurren wie ein Rudel hungriger Wölfe. Unterwegs schüttelte er da eine Hand und nickte dort einem freundlich zu. Es waren allesamt flüchtige Bekannte, die er nicht sonderlich schätzte. Er ging ihnen bewusst aus dem Weg.
Helmut Welling nahm sich einen Teller vom Stoß und angelte sich drei Schinkenröllchen von der reich bestückten Platte. Damit wollte er beginnen.
Doch als er sich der nächsten Köstlichkeit zuwenden wollte, erhielt er plötzlich von hinten einen kräftigen Stoß. Die Schinkenröllchen sprangen vom Teller — einen Augenblick später waren sie im dichten Wald aus Beinen verschwunden.
Fluchend ging Helmut Welling in die Knie. «Also, das ist doch wirklich die Höhe!» schimpfte er, während er auf dem Boden herumrutschte und seine Schinkenröllchen wieder einsammelte. «Können Sie denn nicht aufpassen?»
«Entschuldigen Sie vielmals», vernahm er eine Stimme über sich. Und was für eine Stimme: samtweich und mit leichtem Tremolo.
Verwundert schaute er auf und — Einen Moment glaubte er ernsthaft, auf der falschen Party zu sein. Er konnte sich jedenfalls beim besten Willen nicht daran erinnern, bei Gerhards Gesellschaften jemals eine derart aufregende Frau gesehen zu haben. Es machte ihn einfach sprachlos.
Alles an ihr war samtweich.
Das makellose, leicht gebräunte Gesicht, die großen graublauen Augen, die vollen sinnlichen Lippen mit dem feucht-glänzenden Lippenstift, die Flut goldgelber Haare, der Körper. Sie trug einen hautengen, lindgrünen Overall aus Jersey. Der Reißverschluss reichte vom gefährlich tief ausgeschnittenen Dekolleté bis zum Nabel hinunter. Deutlich zeichneten sich ihre spitzen Brüste unter dem Stoff ab — ebenso ihr magisches Dreieck, das sich hinunter zwischen ihre schlanken Beine zog und sich dort verführerisch wölbte.
Helmut Welling wusste gar nicht, wo er bei dem reichhaltigen Angebot an aufreizend zur Schau gestellten Genüssen zuerst hinschauen sollte.
O Mann, war das eine Frau!
Sie ließ ihn lächelnd gewähren. «Musterung beendet?» fragte sie nach einer Weile mit sanftem Spott in der Stimme.
Helmut lachte verlegen auf und kam hoch. «Entschuldigen Sie… aber ich … ich…» Er brach sein Gestotter ab und suchte krampfhaft nach passenden Worten. Immer noch ungläubig schüttelte er in Gedanken den Kopf.
«Wieso entschuldigen? Jeder Ihrer Blicke ist doch ein Kompliment für mich» Mitfühlend schaute sie auf seinen Teller «Ich bin schuld an allem. Tut mir leid, dass mir dieses Missgeschick passiert ist.»
Er winkte sofort generös ab. «Ach was, nicht der Rede wert.» Er stellte den Teller auf den Tisch zurück. Sein Hungergefühl war schlagartig verflogen. «Ich hab eigentlich gar nicht richtig Hunger. Ich wollte mir nur die Langeweile vertreiben. Essen ist da ein gutes Mittel.» «Finden Sie die Party denn so langweilig?» wollte sie wissen.
Er grinste leicht anzüglich. «Jetzt nicht mehr .»
Sie lachte.
Ihr dunkles, aufregendes Lachen trieb ihm einen eiskalten Schauer den Rücken hinunter. «Trinken wir etwas?» fragte er mit belegter Stimme.
Sie nickte. «Gern.» Während er hinter ihr zur Bar schlenderte und voller Hingabe ihre kurvenreiche Rückseite begutachtete, verschwanden die letzten Reste von Müdigkeit und Langeweile. Er fühlte sich mit einem Schlag um zehn Jahre jünger und absolut voller Tatendrang.
Ganz dumpf kam ihm zu Bewusstsein, was er in seiner Rolle als biederer Ehemann während der vergangenen siebzehn Jahre doch alles versäumt hatte. Gut, es hatte auch bei ihm einige kleine Seitensprünge gegeben. Doch waren diese stets während Geschäftsreisen und auf Messen geschehen — und mit entsprechenden Damen, die er in Nachtclubs oder Bars getroffen hatte. Damen, die sich auf Geschäftsleute seiner Art spezialisiert hatten. Und eigentlich zählte das nicht.
Dumpf ahnte er, dass die Begegnung mit dieser atemberaubenden Frau nicht wie bei Jean und Juliette in einem Schneetreiben untergehen würde. Irgendwo in seinem Hinterkopf formte sich das Verlangen und der immer stärker werdende Drang, diesmal aufs Ganze zu gehen. Bei ihr sollte es keine Bildstörung geben.
«Asti Spumante, kein schlechtes Getränk», sagte sie anerkennend und reichte ihm ein Glas mit dem italienischen Schaumwein. «Trinken wir auf diese langweilige Party und darauf, dass sich das ab jetzt ändert. Mein Name ist übrigens Anita Kraus.» Sie hob das Glas mit dem perlenden Sekt und zwinkerte ihm verschwörerisch zu.
Helmut Welling stellte sich hastig vor und verschluckte sich beinahe. Ihre erotische Ausstrahlung verwirrte ihn, schlug ihn in ihren Bann. Er schätzte ihr Alter auf Anfang Dreißig, sie konnte jedoch sogar noch ein paar Jahre jünger sein.
«Gehören Sie auch zum Stand der Juristen?» erkundigte er sich vorsichtig. Er wollte sich nicht durch eine unüberlegte bissige Bemerkung alle Sympathien bei ihr verscherzen.
Ihre Haare flogen, als sie vergnügt den Kopf schüttelte. «Um Himmels willen, ich bin ganz zufällig hier und habe mit Juristen eigentlich überhaupt nichts zu tun. Ein befreundeter Rechtsanwalt hat mich zu dieser Party mitgeschleift.»
«Ach so», sagte Helmut ein klein wenig enttäuscht. Es gab also Konkurrenz.
«Er scheint sich übrigens blendend zu unterhalten, denn er hat sich nicht mehr bei mir blicken lassen. Ich bin nicht traurig drum», fügte sie verschmitzt hinzu, als wollte sie ihn wissen lassen, dass sie nicht vergeben war. Sie blickte ihn über den Rand ihres Glases mit einem vielsagenden Lächeln an.
«Eine Todsünde», sagte Helmut Welling hörbar erleichtert. Wie konnte man nur solch eine Frau vernachlässigen?! Das ging ihm einfach nicht in den Schädel. Andererseits war er dem Rechtsanwalt für sein Desinteresse dankbar. «Ich nehme an, das sollte ein Kompliment sein», erwiderte sie lächelnd.
Er errötete wie ein Schuljunge und nickte. «Natürlich. An Komplimente müssen Sie doch gewöhnt sein, Frau Kraus.»
Sie zuckte mit den Achseln. «In meiner Branche wird eine Menge Unsinn geredet und geheuchelt. Wenn ein Außenstehender in unser Fotostudio kommt, müsste er den Eindruck bekommen, als würde jeder jeden lieben. So sieht das jedenfalls aus. Aber oft ist das Gegenteil der Fall. Hinter vielen Komplimenten stecken recht bissige Seitenhiebe. Man braucht seine Zeit, bis man dieses Spiel durchschaut.»
«Sie sind Fotomodell?» fragte Helmut etwas zögernd. Die Figur und die Ausstrahlung hatte sie wahrlich für solch einen Beruf.
Anita lachte. «Mannequin höre ich lieber, ist jedoch letztlich auch das gleiche. Aber sprechen wir von anderen Dingen, Herr Welling. Nach der Arbeit vergesse ich meinen Beruf wenn möglich.» Sie stellte ihr Glas ab und wandte sich ihm wieder zu. «Tanzen wir?» fragte sie ohne Umschweife.
Helmut verschlug es beinahe die Sprache. «Wie?»
Sie sah ihn belustigt an. «Oder gehören Sie zu der Sorte Männer, die Tanzen für unmännlich halten?»
Hastig schüttelte er den Kopf. «Nein, ganz und gar nicht. Ich kann mir nichts… äh, nichts Angenehmeres vorstellen.»
Er ärgerte sich, dass ihm schon wieder solch eine gedrehte Redewendung über die Lippen gekommen war. Fiel ihm denn nichts Geistreicheres ein? Da unterhielt er sich mit einer rassigen, jungen Frau, die ihn offensichtlich auch recht sympathisch fand, und er laberte solchen geistigen Dünnschiss daher.
Anita Kraus ging vor ihm her in die Diele, wo schon mehrere Paare tanzten. Helmut Welling hatte Mühe, nicht ständig auf ihren prächtigen Hintern zu starren, der sich deutlich in dem engsitzenden Hosenanzug abzeichnete.
Zum Glück drang flotte Musik aus den Lautsprechern und forderte von den Tänzern einen Beat. So hatte er noch etwas Zeit, um sich an den Gedanken, sie beim nächsten langsamen Tanz in den Armen halten zu können, zu gewöhnen.
Und diese Vorstellung war ihm absolut nicht unangenehm.
Stolz bemerkte er die unverhohlen neidischen Blicke der anderen Männer. Neben Anita sank jede andere Frau auf dieser Party auf die Stufe der dritten Wahl oder tiefer hinab.
Blues!
Anita kam auf ihn zu, schmiegte sich mit einer fließenden Bewegung in seine Arme, passte sich seinem Rhythmus einfühlsam an. Ihre Brust presste sie dabei sanft gegen ihn.
Einen Augenblick hielt Helmut Welling den Atem an. Die körperliche Berührung war beinahe einem intensiven, sexuellen Akt gleichzusetzen. Er roch den Duft ihres frisch gewaschenen Haares und das dezente Parfüm, spürte ihre festen Brüste und berührte mit dem Oberschenkel Ihren Unterleib — dort, wo sich ihr Venusberg verheißungsvoll wölbte.
Kein Wunder, dass seine Männlichkeit sich zu regen begann. Wie eine gewaltige Springflut schoss das Blut in seine Lenden.
Anita spürte ihn, als sie ihren Unterleib gegen ihn drückte. Sie sagte jedoch nichts, zog nur die Augenbrauen hoch und lächelte verstehend. Das war erregender als tausend Worte. Ihre rechte Hand glitt seinen Rücken hoch und verhurte einen Augenblick in seinem Nacken. Ihre Finger spielten mit seinen Haarspitzen. Helmut Welling glaubte es förmlich hören zu können, wie das Blut in seinen Adern pochte und raste. Vorsichtig blickte er sich beim Tanzen um. Die Beleuchtung in der Diele war glücklicherweise recht dezent und gab ihnen genügend Schutz. Deshalb wagte er es auch. Seine linke Hand wanderte ganz allmählich zum Ansatz ihrer rechten Brust. Er ging langsam und sehr bedächtig zu Werke, registrierte jede ihrer Bewegungen. Einerseits wollte er sie nicht verstimmen, andererseits verlangte es ihn danach, ihre Brüste zu berühren und sie sanft zu drücken. Sein Verlangen war stärker als seine Vernunft.
Seine Hand wanderte weiter — immer höher hinauf.
Sie sagte nichts, ließ ihn gewähren.
Schließlich hatte er ihre Brust erreicht. Einen kurzen Augenblick lag seine Hand wie leblos auf ihrer herrlichen Wölbung. Er traute sich plötzlich nicht mehr, sie zu drücken und zu massieren.
Da kam ihm Anita entgegen.
Sie legte ihre warme Hand auf seine und presste sie zusammen auf ihre Brust. Dabei lag ein drolliges, amüsiertes Lächeln um ihre Mundwinkel.
Es war wie ein kleiner Schock für Helmut Welling, und gierig begann er die Brust zu massieren. Das Verlangen, sie ganz zu besitzen, wurde immer stärker und schier unerträglich.
Er hörte sie leise an seinem Ohr stöhnen, merkte, wie sie sich bei ihm abstützte und ihm ihre Brust förmlich entgegenstreckte. Es peitschte sein Lustgefühl noch mehr auf.
Plötzlich löste sich Anita von ihm.
