Spiele ohne Grenzen - Andrej E. Skubic - E-Book

Spiele ohne Grenzen E-Book

Andrej E. Skubic

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Beschreibung

Aus der Flüchtlingskrise ist in naher Zukunft ein lukratives Geschäft geworden: Während die einen Leichen aus dem Meer sammeln, um diese und deren Habseligkeiten zu Geld zu machen, begeben sich die anderen zu den gekenterten Flüchtlingsbooten, um die Überlebenden als billige Arbeitskräfte zu verkaufen — beides wird von der EU subventioniert. Und dann gibt es noch jene, die illegalerweise versuchen, die Geflüchteten sicher an ihre Ziele zu bringen. Der Leichensammler Kastelic gerät zwischen die Fronten und seine Überzeugung aus den Fugen, als er eine fliehende Somalierin mit Baby in Obhut nimmt ...

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Seitenzahl: 127

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Diese Ausgabe wurde durch die Slowenische Buchagentur ermöglicht.

Originaltitel: Igre brez meja, erschienen bei Modrijan založba, Ljubljana 2015

DEUTSCHE ERSTAUSGABE

1. Auflage 2017

Verlag Voland & Quist, Dresden und Leipzig, 2017

© der deutschen Ausgabe by Verlag Voland & Quist GmbH

Lektorat: Kristina Wengorz

Korrektorat: Sabine Tuch

Umschlaggestaltung: HawaiiF3

Satz: Fred Uhde

Druck und Bindung: CPI books GmbH, Leck

E-Book: zweiband.media, Berlin

ISBN: 978-3-86391-191-1

www.voland-quist.de

Andrej E. Skubic, geboren 1967 in Ljubljana (Slowenien), begann seine literarische Karriere 1990 mit Veröffentlichungen in Zeitschriften. Nach dem Studium der slowenischen und englischen Literatur arbeitete er ab 1994 zunächst als technischer Übersetzer und startete eine akademische Laufbahn, die er später zugunsten einer literarischen Karriere ruhen ließ. In den folgenden Jahren veröffentlichte Skubic zahlreiche Romane, Kurzgeschichten, Übersetzungen und einige wissenschaftliche Schriften sowie Theaterstücke, TV-Skripte und -Dokumentationen. Für sein Schaffen wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. gleich dreimal mit dem Kresnik-Preis für den besten slowenischen Roman des Jahres und dem Sovre-Preis für seine Übersetzungen von James Kelman und Gertrude Stein.

Erwin Köstler, geboren 1964, ist Übersetzer slowenischer Literatur und freier Literaturwissenschafter, er lebt in Wien. Sein bisheriges Werk umfasst mehr als vierzig Buchübersetzungen, von Andrej Skubic u. a. die Romane Wie viel von dir gehört mir (2015) und Ruhe (2017), beide erschienen im Verlag Drava in Klagenfurt. Köstler ist Träger des Österreichischen Staatspreises für literarische Übersetzer 1999 und wurde 2010 mit dem Lavrin-Diplom des slowenischen Übersetzerverbandes ausgezeichnet.

Andrej E. Skubic

Spiele ohne Grenzen

Und gäb es in Europa ein Wasser, das mich lockte,

so wärs ein schwarzer Tümpel, kalt, in der Dämmernis,

an dem dann eins der Kinder, voll Traurigkeiten, hockte

und Boote, falterschwache, und Schiffchen segeln ließ’.

Wen du umschmiegt hast, Woge, um den ist es geschehen,

der zieht nicht hinter Frachtern und Baumwollträgern her!

Nie komm ich da vorüber, wo sich die Fahnen blähen,

und wo die Brücken glotzen, da schwimm ich nimmermehr!

Arthur Rimbaud (Üb.: Paul Celan)

»Die Infolmationsstelle«, lässt der Chinese nicht locker, »hat Meldung fül alle gefunkt.« Dazu lächelt er mir ins Gesicht, als hätte er mir gerade mit der Rechnung noch das kleine Tablett mit dem warmen Gratis-Pflaumenwein und den Lutschern für die Kinder serviert. Hat er aber nicht. Das darf doch nicht wahr sein!

Wenn Blicke töten könnten, wäre der Typ jetzt schon Hackfleisch, Füllung für Wan-Tan-Taschen. Aber sein Lächeln ist unerschrocken, alles prallt daran ab, jedes meiner Signale, er weicht keinen Zentimeter zurück. Ich bin kein Rassist, aber … Das ist, wie wenn du auf einem vollen Parkplatz darauf wartest, dass jemand, den du ins Auge gefasst hast, endlich rausfährt, und als er es wirklich macht und du einparken willst, schneit von der anderen Seite ein Dritter rein, der gerade mal so vorbeikommt, und dann bleibt ihr beide stehen und schaut euch an. So gaffe ich.

»Fucking Leitstelle«, sage ich. Die Wellen sind hoch, aber lang, sodass wir zwar zwei Meter auf und ab schaukeln, das Boot sich aber ziemlich ruhig anfühlt, zumindest unseres. Das des Chinesen ist in eher schlechtem Zustand, nur halb so groß und an einigen rostigen Stellen mit Gummi notdürftig abgedichtet. »Wenn du die Leitstelle gehört hast, hast du auch gehört, dass wir am nächsten dran sind. Dass wir zwei schon unterwegs sind, Svarun 1, vierzehn Meilen.«

»Ich hab Konzession«, bleibt der Chinese hartnäckig und lässt tatsächlich ein Stück laminierten Karton zu mir rüberblitzen. Ich kann ihn mir nicht richtig ansehen, weil die Boote zu starke Scherbewegungen machen, aber er sieht echt aus. Und ist es wahrscheinlich auch. Darum wäre es echt jämmerlich von mir, darauf zu bestehen, ihn aus der Nähe zu betrachten, übers tanzende Meer auf sein Boot zu springen oder sogar zu verlangen, dass er auf meines springt, um dann zugeben zu müssen, dass er recht gehabt hat.

»Aber ich hab nicht gehört, dass irgendein Wang Chang der Leitstelle den Empfang bestätigt hätte«, sage ich. »Und ich hab den Kanal die ganze Zeit offen. Nur wir haben bestätigt.«

Die haben keine Manieren. Obwohl ich schon zugeben muss, dass er Eier hat, dass er es überhaupt wagt, sich hier einzufinden, fünfundzwanzig Meilen vor der Insel, in einem solchen Wrack, und sich dazu noch unserem Boot entgegenzustellen, das doppelt so groß und solide gewartet ist.

»Mehl Mannschaften, bessele Lettung«, sagt der Typ.

Zu allem Überfluss offenbart er auch noch ein grundsätzliches Unverständnis der italienischen Sprache: Der nimmt das Wort »Rettung« tatsächlich wörtlich, so wie im Wörterbuch. Oder aber, was noch wahrscheinlicher ist, er verarscht mich. Wie kommt der zu einer Konzession? Er hat nicht die Staatsbürgerschaft, hundert pro nicht, mit diesem Italienisch, und billiger ist er auch nicht, weil wir sowieso alle dasselbe kriegen, pro Stück, Tarif ist Tarif. Woher dann seine Konzession? Mit einem Boot, mit dem ich nicht mal zum Branzino-Fang auslaufen würde? Da gibt’s jetzt einen EU-Bürokraten, der zumindest lebenslang kostenlose chinesische Putzfrauen für den erweiterten Familienkreis hat.

»Los, bleib bei der Sache«, sagt Tadej, »es treibt sie auseinander. Lass den Bengel.«

Es treibt sie auseinander, ja. Das weiß ich schon, aber es geht ums Prinzip, und Prinzipien zählen auch heute noch.

Dieses unterwürfige Lächeln. Ich hätte echt Lust, mit dem Fänger rüberzulangen. Okay, ist nicht ernst gemeint, wahrscheinlich würde ich ihn nicht mal treffen, wegen des unberechenbaren Geschaukels; aber vielleicht würde es ihm eine Scheißangst einjagen, wenn der Haken an seinem Kopf vorbeisaust. Vielleicht ginge er vor Angst über Bord; unter allen, die hier schon rumschwimmen, fiele ein zusätzlicher Ciaina noch nicht mal auf. Echt: Manieren! Wenn ein interessiertes Boot die Meldung hört, gibt es seine Position bekannt: vierzehn Meilen Südsüdost. Wenn du weißt, dass die Nussschale dir zugeteilt ist, legst du dich ins Zeug. Dann rechnest du nicht damit, an Ort und Stelle noch zwei Spaßbremsen in einer schwimmenden Waschpulverschachtel vorzufinden. Lächelnd, mit geschliffenen Zughaken in den Händen. Sie haben nicht mal Schlingen an den Haken, aber Arbeitshandschuhe. Und auch der Fracht gegenüber fehlt der Respekt, das Boot ist in keinem viel besseren Zustand als jenes, das gekentert neben uns schaukelt. Was hat sich für die verbessert, wenn er sie aufsammelt? Was haben sie dann für eine Garantie? Na, immerhin hat sein Boot im Unterschied zu ihrem einen Skipper, auch wenn er nicht aus der EU stammt.

Okay, bei der Sache bleiben. Tadej hat recht: Es treibt sie auseinander.

Die Meldung ist vor eineinhalb Stunden reingekommen, weiß Gott, wie viele Stunden sie da schon im Wasser waren. Definitiv ein schlechtes Boot.

Ich nehme den Fänger. Tadej winkt dem Gelben auf eine Art zu, die wohl kollegial sein soll, was mich wundert. Für gewöhnlich ist er der Kämpferische, nicht ich. Jetzt aber beruhigt er mich. Ich meine, okay. Wenn es ihm egal ist …

Der Chinese, der mir noch immer in die Augen schaut, entspannt sich anscheinend ein bisschen, und die Boote entfernen sich voneinander. Sein Skipper, genauso gelb, dreht einsichtig auf die andere Seite des gekenterten Rumpfes ab, wo vielleicht wirklich etwas weniger Ware ist, aber der Chinese schaut mich noch immer an. Er testet mich, nicht ich ihn. Ich schaue zurück, bis sie endlich auf der anderen Seite angekommen sind und er sich offensichtlich an die Arbeit machen muss. Jeder von uns hat seinen Fänger in der Hand, und jetzt sind wir uns gleich, obwohl ich eine Schlinge habe und er nur einen Haken, jeder hat seine Arbeit und seine Konzession. Ich lasse die Schlinge ins Wasser, jetzt sind wir mittendrin. Tadej hat die eine Hand am Steuerrad, die andere an der Schaltung. Wir wollen keinem was Schlechtes.

Einen Moment lang sehe ich zwischen den Schaumfetzen eine Frau, die unter den andern fast semitisch hell wirkt, ihr dunkles Haar, das auf den Wellen schaukelt, hat einen Stich ins Rötliche, um sie herum aber bläht sich eine Tunika, die in unseren Breiten ein Umstandskleid für den Sommer abgäbe, dort aber offenbar die normale Tracht ist. Ostküste vermutlich. Vielleicht Äthiopien. Aber ein sehr schwarzer Knabe in einem schwarz-braun gestreiften T-Shirt ist näher, eher Tschad – oder Sudan. Er trägt Jeans und ziemlich ausgetretene Turnschuhe, die vor Urzeiten weiß waren; als besondere Kuriosität aber eine Bauchtasche mit der dänischen Flagge drauf. Ich muss fast lachen. Fast genauso eine habe ich selbst vor Jahren an einem Stand in Rovinj gekauft: aus Leinen und Kunstleder mit einem geflochtenen Plastikriemen und einem wahnsinnig billigen Reißverschluss. Der Knabe hat sie sich für alle Fälle zusätzlich mit einem Stück ganz normaler dünner Schnur umgebunden, denn diesen Plastikschnallen ist unter solchen Umständen nicht zu trauen. Das kann ich, was das Teil von dem Stand in Rovinj betrifft, bestätigen.

Als ich ihn zur Reling hinaufziehe, trieft das Wasser aus seinen Haaren und von seinen Augen; als ich ihn auf die Planken wälze, fließt es ganz langsam auch aus seinem Mund.

Oh, mein liebes, teures Herz. Du wirst nicht mehr auf dem Festlande wandeln. Mein Knabe, du wirst nicht schwarz auf einem Bauernhof arbeiten oder dir über Kickstarter ein Projekt finanzieren lassen. Du wirst keine pseudoafrikanischen Kunstwerke aus der Subsahara an Restaurantgäste verkaufen, die nach einem Kaninchenragout an Polenta und einem Carricante mal eben eine Rauchpause auf dem Gehsteig machen. Aus dir wird kein Computerfachmann in der englischen Erdölindustrie.

Immerhin bist du noch nicht angeknabbert, was auch ein Plus ist. Du bist noch nicht so aufgebläht und blau, dass man dich aufgebahrt, sagen wir, deiner Mutter nicht zumuten könnte, obwohl bei dir wahrscheinlich die Chancen für so was nicht allzu gut stehen. Wenn in diesem deinen Täschchen noch irgendein Dokument ist, wirst du sogar einen Namen haben. Das Depot ist nicht das Übelste, was einem zustoßen kann, das kann ich dir garantieren. Ich werde gut mit dir umgehen. Wärst du dem Chinesen in die Hände gefallen, könntest du auch auf einem Teller landen, neben gebratenem Reis, vor irgendeinem –

Ach, komm, vergiss es. Ich bin kein Rassist. Ich koche ja auch gern chinesisch.

Was ich sagen will: Ich werde für dich sorgen.

*

Es ist schon fast dunkel, als ich nach Hause komme und auf dem Außengang meinem Nachbarn Tomassini begegne. Als ich Ciao sage, grüßt er kaum zurück.

Bei den allermeisten Leuten würde mich das überhaupt nicht stören; bei dem einen oder andern wäre es mir sogar willkommen. Ich bin nicht der Typ, der engen Kontakt zur Nachbarschaft sucht. Meine Mama hat mir immer eingetrichtert, dass man zu den Nachbarn freundlich sein muss: Denn wer kommt dir sonst mal zu Hilfe, wenn nicht der Nachbar? Aber mir war das scheißegal. Ich war den Nachbarn in Jesenice gegenüber auch immer kurz angebunden. Aber hier ist es ein wenig anders. Weil ich denke, dass Tomassini zu der Sorte Mensch gehört, die freundlich sein müsste.

Ein kultivierter Rentner, sogar ein wenig geheimnisvoll. Jeden Abend lehnt er draußen am Geländer und raucht, und seine Zigarette glüht rot in der Dämmerung. Weißes Haar, schwarze Augenbrauen, immer in einem kurzärmligen Hemd, nie im T-Shirt. Er schaut nicht aus dem Fenster wie die alten Leute, die das Getümmel in der Gasse beobachten und vielleicht auf einen Bekannten spekulieren; er schaut in den Innenhof, wie die Blätter in der Krone des Ölbaums, der in dieser lausigen Stadt eine wahre Seltenheit ist, in der Dämmerung allmählich den silbrigen Schimmer verlieren und weiß werden. Und immer wenn ich vorbeikomme, macht er sich den Spaß, die kleine, höfliche Frage, wie’s geht, mit einem Einsilber zu beantworten, den er mit minimalem Energieaufwand spricht.

Ich würde ihn gern mal fragen, was für ein Problem er mit mir hat. Wir leben Tür an Tür.

Auch er ist nicht von hier, er kommt aus dem Norden, hat sich hier zur Ruhe gesetzt, das ist alles, was ich weiß. Also kann er mir gegenüber nicht den Groll hegen, der mir bei den Einheimischen noch irgendwie verständlich ist. Ja, Tadej und ich sind Eindringlinge. Auch wenn wir die Arbeit, der wir nachgehen, den Einheimischen sicher nicht weggeschnappt haben, denn sie hätten bei der Vergabe in jedem Fall den Vorrang gehabt. Die Ortsansässigen wurden in der Ausschreibung bevorzugt, Arbeitslose und so, aber man musste in ganz Europa nach Konzessionären suchen. Volk aus aller Herren Länder ist gekommen, von den Einheimischen dagegen ‒ nicht einer. Und von den ersten Typen aus dem Norden haben viele kapituliert und sind abgehauen. Ob’s der Job war oder der Umgang hier, den sie nicht verdauten: wusch, gleich mal den Schwanz eingezogen. Und letzten Endes sind die Hauptschädlinge, gegen die sich ihr Groll richten sollte, sowieso die Sizilianer und nicht wir. Wir räumen nur auf. Die Sizilianer sind es, die das Big Business mit der lebenden Ware machen, mit der sich die Einheimischen gern solidarisieren. Wenn sie einen auf freiem Fuß finden, krallen sie ihn sich und verstecken ihn. Ja, aber warum holt ihr sie dann nicht selbst aus dem Wasser? Konzessionen hat es für alle gegeben. Wenn ihr euch gemeldet hättet, dann hätte auch ich mich zurückziehen müssen, wie schon so viele andere.

Aber, was ich sagen wollte: Die Einheimischen sehen mich zwar schief an, nehmen aber vor mir kein Blatt vor den Mund. Sie vertrauen mir nicht, aber sie reden laut in meiner Gegenwart, sie ignorieren mich nicht. Würde ich, wenn ich mich irgendwo blicken lasse, all die Bemerkungen im Inseldialekt verstehen, ich wäre vielleicht noch paranoider, als ich bin; aber ich habe beschlossen, sie mir nicht zu Herzen zu nehmen. Sie sind nicht mit mir verwandt, und sie sind nicht gewalttätig. Und seit sie festgestellt haben, dass ich nicht reagiere ‒ nur manchmal auf einzelne Bruchstücke, die ich sogar verstehe, eine entsprechend abgefuckte Bemerkung, die mir Tadej beigebracht hat, fallen lasse ‒, haben sie mir gegenüber ein gewisses Maß an Toleranz entwickelt. Natürlich bin ich ein Fremder, ein Furešt, aber offenbar gerade durchgeknallt genug, um mir auch mal was durchgehen zu lassen – wie zum Beispiel, dass ich existiere.

Dieser Tomassini aber … Auch er ist ein Fremder. Mit den Einheimischen verkehrt er nicht. Man sieht ihn nirgends. Er lebt allein, obwohl er einen Ring trägt; wahrscheinlich Witwer. Über ihn weiß ich nur, dass auch er früher mal ein Business laufen hatte; die Nachbarin von unten, die Wirtin, hat es mir gesagt. Warum sollte er mir gegenüber den Mürrischen raushängen lassen? Vielleicht bringe ich irgendwann mal den Mut auf, ihn zu fragen.

Ich weiß nicht, warum ich bei der hiesigen Nachbarschaft empfindlicher bin als in Jesenice. Irgendwie ist mein Wunsch nach einem Leben ohne Spannungen hier größer.

Als ich aufschließe, sehe ich Fowsiyo erst mal gar nicht; im Zimmer ist es schummrig, und nur keuchender Atem ist zu hören, nicht ihrer, sondern der von Abdiweli. Es riecht nach Essen, das ist gut.