15,99 €
Die spannende Geschichte eines "Spiones wider Willen". Vom Geheimdienst der DDR zur Mitarbeit gezwungen, bleibt Peter nichts anderes übrig, als das üble Spiel mitzuspielen, um seine Familie und seine Freunde nicht zu gefährden. Wider Erwarten übersteht er die harte und schikanöse Ausbildung. Fast im Alleingang gelingt es ihm, mehreren Personen das Leben zu retten, was sich für ihn sowohl menschlich als auch finanziell auszahlen sollte. Zahlreiche spannende Einsätze führen ihn schließlich nach Neuseeland, wo er endlich in Sicherheit leben kann. Er hat jedoch seine Familie und seine Freunde nicht vergessen. Die Zusammenführung seiner Familie und das Bemühen, seine Geschichte zu erzählen, bilden die Kernessenz dieser nicht immer ganz ernsten Agentengeschichte.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 539
Veröffentlichungsjahr: 2022
Inhalt
Impressum 2
Kapitel 1 3
Kapitel 2 11
Kapitel 3 45
Kapitel 4 49
Kapitel 5 57
Kapitel 6 58
Kapitel 7 89
Kapitel 8 90
Kapitel 9 97
Kapitel 10 98
Kapitel 11 105
Kapitel 12 106
Kapitel 13 143
Kapitel 14 151
Kapitel 15 152
Kapitel 16 231
Impressum
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.
Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.
Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.
© 2022 novum publishing
ISBN Printausgabe: 978-3-99131-516-2
ISBN e-book: 978-3-99131-517-9
Lektorat: Leon Haußmann
Umschlagfoto: Aleksandr Korchagin, Lanski | Dreamstime.com
Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh
www.novumverlag.com
Kapitel 1
Das Telefon klingelte, Klaus schaute auf das Display, nein, die Nummer kannte er nicht. „Es war eine lange Nummer, die scheinbar vom Ausland stammen musste“, überlegte er. Er nahm den Hörer ab. „Lehmann“, meldete er sich. „Hallo Klaus, bist du es?“, fragte eine weibliche Stimme. „Ja“, antwortete er erstaunt. „Wer will das wissen?“, fragte Klaus zurück. „Ich bin es, die Elke.“ „Elke?“, fragte er. „Ja“, antwortete die Stimme am Telefon. Klaus überlegte kurz und erwiderte: „Naja, ich kannte mal eine Elke, die mit meinen besten Freund Peter verheiratet war.“ „Aber die sind vor vielen Jahren, einfach ohne uns zu informieren, in einer Nacht und Nebel Aktion einfach verschwunden,“ antwortete Klaus ärgerlich. „Das ist richtig, aber glaube mir, das hatte auch einen triftigen Grund“, erwiderte Elke am anderen Ende des Telefons. „Klaus, du und deine Frau hatten damals damit nichts zu tun und vor allem wollten wir euch nicht in Gefahr bringen. Ich kann dir auch nicht alles am Telefon erzählen, das würde Stunden dauern“, erklärte sie. „Es liegt mir sehr am Herzen, dass wir uns treffen. Ihr habt ein Recht, alles zu erfahren und ich hoffe, ihr werdet verstehen, dass wir aus der DDR flüchten mussten“, versuchte Elke die damalige Situation mit ruhiger Stimme zu erklären. „Vor 20 Jahren seid ihr einfach verschwunden, wir hatten geglaubt, dass euch etwas an unserer Freundschaft gelegen hätte. Aber nein, einfach abhauen, ohne uns zu informieren, das tat damals sehr weh, wir können es bis heute nicht begreifen, was ihr uns mit eurem Verschwinden angetan habt. Nein, auch meine Frau möchte keinen Kontakt mehr mit euch haben, da haben wir viel zu viel wegen euch durchmachen müssen. Wie Schwerverbrecher hat man uns damals behandelt und uns verhört“, erwiderte Klaus vorwurfsvoll. „Aber ihr hattet doch damit nichts zu tun und wir haben euch doch auch nichts erzählt“, versuchte Elke, Klaus zu beruhigen. „Das hat aber die Staatssicherheit nicht interessiert“, antwortete Klaus. „Wir hatten bis vor einigen Jahren Angst um unser Leben“, erzählte Klaus weiter. „Hätten sie damals gewusst, wo wir sind, hätten sie uns wahrscheinlich umgebracht“, erwiderte Elke mit zitternder Stimme. „Warum ruft Peter nicht selbst an?“, fragte Klaus. Plötzlich fing Elke an zu weinen. „Was ist mit Peter, ist etwas passiert oder ist er krank?“, fragte Klaus besorgt. „Er ist schwer krank und möchte dich, seinen besten und treuen Freund, sowie deine liebe Frau, noch einmal sehen. Peter will euch alles erzählen, was damals vorgefallen ist. Er bittet dich, alles, was er dir zu erzählen hat, in einem Buch aufzuschreiben, damit die Wahrheit ans Licht kommt. Das wäre sein letzter Wunsch. Ihm können sie jetzt nichts mehr antun, denn seine Tage sind gezählt“, schluckte Elke und brach in Tränen aus. Plötzlich hatte Klaus Mitleid und ihm tat es jetzt leid, dass er gerade so forsch zu Elke war. „Gut“, sagte Klaus vorsichtig nach einer Weile zu Elke. „Dann scheint es sehr schlimm um Peter zu stehen“, sagte Klaus besorgt. „Ja, sehr schlimm“, schluchzte Elke. „Den letzten Wunsch sollte man ihm auch erfüllen“, fügte Klaus hinzu. „Wir sollten uns unbedingt treffen und das so schnell wie möglich, denn Peter hat nicht mehr lange zu leben“, erzählte Elke besorgt weiter, die sich einigermaßen gefangen hatte. „Wo seid ihr denn hingezogen?“, fragte Klaus neugierig. „Wir sind damals nach Abel Taxman im Nationalpark nach Neuseeland gezogen“, antwortet Elke. „Wohin?“, fragte Klaus ungläubig. „Das ist eine Weltreise, wie soll ich denn da hinkommen?“, konterte Klaus zurück.
Klaus’Gedanken überschlugen sich. Wo sollte er das Geld hernehmen?
Das Geld, das er und seine Frau verdienten, reichte gerade so zum Leben. Klaus wurde in seinen Gedanken unterbrochen, als Elke sich am anderen Ende des Telefons wieder meldete.
„Ich werde das organisieren und euch abholen lassen“, erzählte Elke weiter. „Meine Frau würde ich gerne mitnehmen, spricht etwas dagegen?“, fragte Klaus. „Natürlich nicht, ich habe mich gar nicht getraut zu fragen, ob Regina mitkommen würde“, erwiderte Elke erleichtert. „Welch ein Zufall, heute ist Freitag und am Montag haben wir vier Wochen Sommerurlaub und wir hatten uns diesmal nichts vorgenommen“, erzählte Klaus aufgeregt. „Das sind doch bestimmt über 10 000 Kilometer?“, fragte Klaus besorgt. „Das reicht nicht, zu uns sind es zirka 20 000 Kilometer“, verbesserte Elke. „Mir fällt ein Stein von Herzen“, sagte Elke sichtlich erleichtert. „Wenn euch Peter alles erzählt hat, werdet ihr uns verstehen“, fügte Elke hinzu. „Wir sind nicht nachtragend und wenn es damals einen triftigen Grund gab, war euer Handeln sicherlich auch korrekt“, betonte Klaus. „Ist Peter in einem Krankenhaus oder in einem Heim untergebracht?“, fragte Klaus. „Nein“, antwortete Elke. „Er bat darum, zu Hause sterben zu dürfen. Nach langen Gesprächen mit den Ärzten stimmten sie unter der Bedingung zu, dass eine Krankenschwester die Betreuung übernimmt. Damit waren wir einverstanden“, berichtete Elke. „Was machen eigentlich eure beiden Töchter, die große muss doch schon aus der Schule sein?“, fragte Klaus neugierig. Plötzlich fing Elke wieder an zu weinen. „Unsere Große ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen“, berichtete Elke und hatte Mühe zu sprechen. „Es war damals eine sehr schlimme Zeit, die wir durchmachen mussten. Peter spricht seit dem Unfall nicht mehr darüber. Auch wenn es schon lange her ist, ist es für Peter und mich immer wieder sehr schwer es zu verstehen, dass sie nicht mehr bei uns ist. Deshalb bitte ich dich, darüber nicht zu reden und nicht zu fragen. Jetzt haben wir nur noch unsere kleine Silvia, die uns sehr viel Freude bereitet.“
„Es tut mir unsagbar leid, was habt ihr nur durchmachen müssen“, erwiderte Klaus mitgenommen.
„Es wird eine sehr lange Fahrt zu euch“, bemerkte Klaus besorgt und versuchte, Elke abzulenken. „Die Fahrt ist nicht so lange, bloß zum Flughafen und von da aus 30 bis 38 Stunden mit ein paar Zwischenstationen direkt zu unserem Haus“, erklärte Elke weiter. „Wenn ihr in Wellington angekommen seid, steigt ihr in einen Hubschrauber ein, der für euch bereitstehen wird. Der Pilot wird euch dann direkt zu uns in Tasman bringen“, erzählte Elke und war sichtlich froh, von etwas anderem als von ihrer Tochter zu sprechen. „Ja, unter anderen Umständen hätte ich mich sicherlich gefreut, aber das mit Peter und eurer Tochter, ich weiß nicht“, sagte Klaus nachdenklich zu Elke. „Du hast recht, aber die Zeit drängt und jeder Tag könnte für Peter auch der letzte sein“, erwiderte Elke. „Der Flug zu euch wird doch sicherlich sehr teuer werden?“, fragte Klaus besorgt. „Darüber mache dir bitte keine Gedanken, ich sagte ja schon, dass ich das alles organisieren werde und wir übernehmen auch sämtliche Kosten“, versuchte Elke Klaus zu beruhigen.
„Ja, ich hätte da aber noch eine Bitte“, betonte Elke vorsichtig. „Und die wäre?“, fragte Klaus zurück. „Ich weiß, dass ihr euch bis jetzt um Peters Mutter gekümmert habt und sie auch sehr oft bei euch zu Besuch war. Wäre es möglich, dass ihr sie mitbringen würdet?“, fragte Elke vorsichtig. „Na, wie stellst du dir das vor? Sie ist zwar mit ihren 83 Jahren noch rüstig, aber wie soll ich ihr denn das jetzt auf die Schnelle beibringen?“, sagte Klaus nachdenklich. „Ich habe mit ihrem Hausarzt gesprochen und ihm alles erklärt“, verriet Elke. „Der Arzt war auch erstaunt und hat es schließlich befürwortet, dass wir so handeln müssen“, erzählte Elke weiter. „Wegen der Medikamente, die Peters Mutter benötigt, braucht ihr euch auch keine Sorgen machen. Der Hausarzt wird euch reichlich Medikamente mitgeben“, erzählte Elke weiter. „Auch bat ich den Hausarzt, zu meiner Mutter zu gehen, damit ich ihr am Telefon alles erklären konnte. Ich hatte ernsthafte Bedenken, dass meine Schwiegermutter das alles nicht verkraften würde. Der Arzt erklärte ihr, dass sie sich keine Sorgen machen braucht. Nach langem Überlegen stimmte sie unter der Bedingung zu, dass ihr mitkommen sollt“, erzählte Elke weiter.
„Hattet ihr auch die ganzen Jahre keinen Kontakt mit eurer Mutter?“, fragte Klaus. „Nein, wir haben es uns bis jetzt nicht getraut“, antwortete Elke. „Es hätte mich aber auch gewundert“, entgegnete Klaus. „Denn wir haben uns viel über euch unterhalten. Da hätte sie doch bestimmt etwas von euch erzählt“, sagte Klaus nachdenklich. „Ja, wenn du ihr Bescheid gegeben hast, dann werden wir sie natürlich mitnehmen“, warf Klaus ein. „Sie hatte in den unzähligen Gesprächen immer den Wunsch geäußert, ihren Sohn und dich noch einmal zu sehen“, berichtete Klaus weiter. „Ich würde sie gerne mitnehmen, aber ich kann das natürlich nicht allein entscheiden, ich muss erst mit Regina über alles sprechen“, gab Klaus zu bedenken.
„Ja, mach das“, erwiderte Elke am anderen Ende des Telefons.
„Gleich, wenn Regina von der Arbeit kommt, werde ich mit ihr sprechen“, antwortete Klaus.
Nun erzählte Elke, wie und mit welchem Flieger die drei fliegen sollten. Klaus machte sich genaue Notizen. „Wenn ich das meiner Frau erzähle, wird sie mir das gar nicht glauben“, sagte Klaus zu Elke. „Ja, das kann ich gut verstehen“, erwiderte Elke. „Wäre es dann möglich, ein paar Tage bei euch zu bleiben?“ fragte Klaus. „Natürlich, ihr könnt auch die ganzen vier Wochen bei uns bleiben“, antwortete sie. „Wir haben genügend Schlafmöglichkeiten und ihr seid uns immer willkommen. Wir haben uns auch viel zu erzählen“, erwiderte Elke erleichtert. „Bestelle Peter liebe Grüße von uns“, sagte Klaus. „Das mache ich gern, da wird Peter sich aber freuen“, sagte Elke und fügte hinzu, „bestell auch deiner lieben Frau Grüße von uns.“ Als Klaus den Hörer aufgelegt hatte, überschlugen sich seine Gedanken. Er hatte viele Fragen, die noch unbeantwortet blieben. Was war das für ein Anruf! Fast zwanzig Jahre hatte Klaus von Peter und Elke nichts gehört und jetzt dieser Anruf. Sicherlich hatten sie geahnt, dass da was nicht gestimmt hatte, aber die beiden hatten nie etwas erzählt. Auf Fragen bekamen Regina und Klaus keine Antworten und Elke schüttelte immer nur den Kopf. Sie sagte immer, dass sie nichts erzählen kann. Eines Tages war die Wohnung versiegelt und Regina und Klaus erfuhren auch nichts von den Leuten in Ledermänteln, die anscheinend viel in der Wohnung zu tun hatten. Im Gegenteil, Regina und Klaus mussten damals auf die Wache und wurden einzeln vom Staatssicherheitsdienst verhört. Man fragte sie, ob sie sagen können, wo ihre Nachbarn verblieben sind. Was sollten sie denn der Staatssicherheit erzählen, sie wussten doch auch nichts. „Sie wissen es nicht? Wir haben Zeit und wenn das Verhör die ganze Nacht andauert“, brüllten die Beamten sie jedes Mal an. Man warf Klaus und Regina Staatsfeindschaft vor und drohte, dass sie an ihre Zukunft und vor allen an ihre Kinder denken sollten. „Sie können uns doch nicht erzählen, dass Sie nicht Bescheid gewusst haben“, brüllten die Beamten. Die Verhöre dauerten manchmal mehrere Stunden. Freunde konnten Regina und Klaus auch nicht mehr einladen. Alle Gespräche wurden nur noch auf das Wesentliche beschränkt. Die beiden vermuteten, dass ihre Wohnung verwanzt wurde. Auch während der Arbeitszeit wurden sie zum Verhör gebracht. Die Ausfallzeiten mussten sie natürlich nacharbeiten. Das Ansehen, dass sie bis dahin gewonnen hatten, war von einer Sekunde auf die andere futsch. Die beiden konnten es nicht verstehen. Auch ihre Arbeitskollegen wurden gefragt, ob Regina oder Klaus ihnen was von ihren Nachbarn erzählt hätten. Man behandelte sie wie Vaterlandsverräter. Einige Arbeitskollegen wollten mit ihnen nichts mehr zu tun haben und andere verfolgten sie auf Schritt und Tritt.
Sicherlich hatten sie mit Elke und Peter, als sie noch Nachbarn waren, gemeinsam viel unternommen und waren so oft wie möglich zusammen gewesen. Aber jeder respektierte auch den anderen und lebte auch sein Leben. Peter war manchmal tage- und wochenlang unterwegs.
Klaus wurde in seinen Gedanken unterbrochen, als die Wohnungstür aufging und seine Frau Regina eintrat. „Na, was gibt es Neues?“, fragte Regina neugierig. „Woher weißt du es?“, fragte Klaus verdutzt zurück. „Das sieht man dir doch an der Nasenspitze an, dass du mir etwas erzählen möchtest“, erwiderte Regina grinsend. „Zieh erst einmal die Jacke aus und setz dich hin. Was ich dir jetzt zu erzählen habe, das wird dich umhauen“, sagte Klaus. „Jetzt machst du mich aber erst richtig neugierig“, erwiderte Regina. Nachdem Klaus Kaffee angesetzt hatte, deckte er eilig den Tisch. Den Kuchen, den seine Frau mitgebracht hatte, stellte er auf den Tisch und wartete, bis seine Frau aus dem Bad kam. Nervös und mit zitternden Händen versuchte Klaus, den Kaffee einzugießen. „Erzähl schon“, forderte Rita Klaus ungeduldig auf und setzte sich neugierig an den gedeckten Tisch. Beim Kaffeetrinken erzählte Klaus von dem Anruf. Immer wieder musste er eine längere Pause einlegen. Regina unterbrach ihn nicht, sie wartete gespannt, was Klaus zu erzählen hatte. „Das glaubst du doch selbst nicht, was du mir hier erzählst“, sagte Regina ungläubig. „Nach zwanzig Jahren! Sicherlich bin ich auch neugierig, was sie uns zu erzählen haben, aber dann sollen wir da auch noch hinfahren! Nein, ohne mich. Wenn es in unserer Nähe wäre, aber 20 000 Kilometer mit dem Flugzeug, wo ich doch noch nie geflogen bin“, überschlugen sich ihre Worte. Klaus musste seine Frau erst beruhigen, aber sie hatte ja recht, dachte er. Das mussten sie beide auch erst einmal verarbeiten, aber dazu hatten sie eben nicht die Zeit. Nach einer Stunde des Diskutierens waren sie sich einig. Der Entschluss stand fest. Die beiden wollten zu Elke und Peter nach Neuseeland. Klaus nahm den Zettel mit der Telefonnummer und rief Elke in Neuseeland an. Klaus verstand kein Wort, als sie sich am Telefon meldete. „Hallo, ich bin es, Klaus“, meldete er sich. „Ach, du bist es, hast du mit deiner Regina gesprochen?“ fragte Elke ungeduldig. „Ja, das habe ich“, antwortete Klaus, „aber du kannst ja selbst mit ihr sprechen.“ Klaus stellte das Telefon auf Lautsprecher, so dass die beiden Elkes Stimme hören konnten. „Das ist gut“, sagte Elke. „Hörst du mich, Regina?“, fragte Elke vorsichtig. „Ja, ich höre dich sehr gut“, antwortete Regina. „Ach Regina, ich hoffe, dein lieber Mann hat dir schon einiges erzählt?“, erkundigte sich Elke. „Ja, das hat er, aber das kann man eben alles nicht ganz glauben. Es ist auch zu viel auf einmal“, sagte Regina. „Ja, da stimme ich euch zu, aber die Zeit drängt und ich müsste schon wissen, ob ihr zu uns kommen könntet“, fragte Elke besorgt. „Nach langem Hin und Her haben wir uns entschieden“, antwortete Regina. „Ja, und?“, fragte Elke ungeduldig. „Wir kommen zu euch“, bestätigte Regina. Es war einen Moment still am anderen Ende. „Hallo Elke? Bist du noch dran?“, fragte Regina. „Ja, ja“, schluchzte Elke. „Ich bin so glücklich, dass ihr uns das nicht nachtragt“, stotterte Elke leise. „Darüber wird noch zu reden sein“, erwiderte Regina scherzend. „Wir haben genügend Zeit zum Reden“, erwiderte Elke. „Das Problem ist nur, dass ihr schon morgen früh fliegen müsst“, warf Elke ein.
„Was! Morgen früh? Das heißt, wir müssen gleich die Sachen packen und ein paar Anrufe tätigen“, sagte Regina erschrocken. „Und da haben wir das nächste Problem. Wie sollen wir es unseren Kindern erklären?“, gab Regina zu bedenken. „Da will ich euch nicht länger aufhalten“, erwiderte Elke. „Ich werde Peters Mutter noch informieren und ihr erzählen, dass wir mit dir gesprochen haben.“
„Auch werde ich ihr berichten, dass wir alle drei gemeinsam zu euch kommen“, erzählte Klaus weiter.
„Ja, mach das, da wird sie sich aber freuen“, sagte Elke sichtlich erleichtert. „Kann Regina auch noch ein paar Sachen für meine Schwiegermutter mit einpacken?“, fragte Elke vorsichtig. „Natürlich mache ich das, ich werde persönlich die freudige Nachricht überbringen und sie auch gleich mit zu uns nehmen“, antwortete Regina aufgeregt. „Auf euch ist eben Verlass“, sagte Elke und freute sich, dass doch noch alles gut geworden ist. Elke erklärte die Fahrt und den Flug noch einmal genau, danach verabschiedeten sie sich herzlich voneinander.
Kapitel 2
„Na, was sagst du nun?“, fragte Klaus seine Frau. „Ich bin sprachlos“, antwortete sie. „So eine weite Reise. Ja, Polen, Slowakei, Ukraine, Belgien, Schweden, Norwegen und Frankreich haben wir gesehen, aber nach Neuseeland wären wir in unserem Leben nie hingekommen.“ „Ja, ja, sag niemals nie“, erwiderte Klaus. „Rede jetzt nicht mehr so viel, wir haben nicht mehr viel Zeit, um die Koffer zu packen“, drängelte Regina. Klaus klingelte bei seinem Nachbarn. „Könntest du uns zum Flughafen Berlin Schönefeld bringen? Wir müssen für ein paar Wochen verreisen“, fragte Klaus seinen Nachbarn. Mit großen Augen schaute der Nachbar Klaus an. „Ihr wollt verreisen, wo soll es denn hingehen?“ „Wir fliegen nach Neuseeland“, antwortete Klaus grinsend. „Was, nach Neuseeland, um Himmels willen, was wollt ihr denn da? Ist euch bewusst, dass das ganz schön weit ist? Aber wenn ihr meint, dass ihr dorthin wollt, dann fahre ich euch natürlich zum Flughafen nach Berlin. Wann soll es denn losgehen?“, fragte der Nachbar. „Morgen früh um 3:00 Uhr“, antwortete Klaus. „Was, morgen früh um 3:00 Uhr?“, wiederholte der Nachbar ungläubig. „Na gut, normalerweise schlafe ich um diese Zeit noch, aber für euch fahre ich auch so früh nach Berlin“, sagte der Nachbar ziemlich verwundert. „Es kommt aber noch jemand mit“, erklärte Klaus. „Das ist schon in Ordnung, wenn ihr nicht gleich die ganze Wohnungseinrichtung mitnehmen wollt, ist in meinem Auto auch noch genügend Platz für eine weitere Person“, scherzte der Nachbar. „Na, dann bis später“, sagte Klaus und verabschiedete sich von seinem Nachbarn. Schnell waren die Koffer gepackt. Die Kamera mit dem gesamten Zubehör, sämtliche Fotoalben, das Diktiergerät mit allen Bändern und einige Schreibblöcke mussten auch noch verstaut werden. „So, nun wird es aber Zeit, Peters Mutter abzuholen“, sagt Regina zu ihrem Mann. „Ja, um Himmels willen, das hätte ich vor Aufregung doch fast vergessen“, rief Klaus Regina zu. „Das habe ich mir fast gedacht“, erwiderte sie. „Na gut, du machst in dieser Zeit Kaffee und deckst den Tisch, und ich werde Peters Mutter abholen, sie wird sicherlich auch schon aufgeregt sein“, erwiderte Regina und verließ eilig die Wohnung. Nach einer halben Stunde klingelte es an der Wohnungstür. „Ja bitte?“, fragte Klaus. „Nun mach schon auf“, sagte Regina nervös von draußen. Herzlich begrüßte Klaus die Mutter von Peter. Sie zitterte vor Aufregung und Klaus versuchte, sie erst einmal zu beruhigen. „Komm, setzen wir uns und trinken wir erst einmal einen Kaffee, damit wir alle etwas ruhiger werden“, schlug Klaus vor und goss den Kaffee ein. Nach dem Kaffee sagte Peters Mutter Else: „Ach, mir ist gar nicht gut, ich werde mich noch ein wenig hinlegen.“ „Ja, mach das“, sagte Regina und half ihr dabei, sich aufs Gästebett zu legen. Auch Regina und Klaus legten sich noch einmal ins Bett, um sich noch ein wenig auszuruhen. Nein, schlafen konnte keiner, dazu waren alle viel zu aufgeregt. Die Hände von Klaus zitterten vor Aufregung, er konnte es immer noch nicht begreifen, was sich vor ein paar Stunden ereignet hatte. „Sag mal, war das ein Traum?“, fragte Klaus seine Frau. „Was?“, fragte sie schlaftrunken zurück. „Na, das mit dem Anruf von Elke?“, wiederholte Klaus. „Nein, das war kein Traum, mir geht das auch nicht mehr aus dem Kopf. Aber das wird sich ja bald alles aufklären“, sagte sie. „Du kannst wohl auch nicht schlafen?“, fragte Regina ihren Mann. „Nein“, antwortete Klaus. „Sobald ich die Augen zumache, dreht sich alles“, berichtete Klaus. Da keiner schlafen konnte, zogen sie sich an. „Ich werde noch einen starken Kaffee ansetzen“, schlug Klaus vor und ging in die Küche. „Und ich werde Oma Else wecken“, sagte Regina und öffnete langsam die Tür, wo sich Else aufhielt. „Ich schlafe nicht“, rief Else Regina zu, als sie das Zimmer betrat. „Ja, uns ging es auch so“, antwortete Regina. „Aber es hilft nichts. In zwanzig Minuten müssen wir los“, sagte Regina und reichte Else die Hand, damit sie aufstehen konnte. „Klaus?“, rief Regina. „Ja, was ist?“, fragte er zurück. „Du kannst schon einmal dem Nachbarn Bescheid sagen und die Koffer zum Auto schaffen. Die Zeit drängt und wir müssen uns wirklich beeilen.“ „Ist gut“, sagte er und verließ die Wohnung. Müde schaute der Nachbar Klaus an und fragte: „Was, wollt ihr jetzt schon losfahren?“ „Ja“, sagte Klaus, auch noch mit müder Stimme. „Wir haben zwar noch zwanzig Minuten Zeit, aber bis wir die Koffer verstaut haben, ist es auch höchste Zeit, loszufahren“, antwortete Klaus dem Nachbarn. Gemeinsam verstauten sie das Gepäck im Auto. „Ich habe dich doch ganz vergessen zu fragen, ob du auf unsere Wohnung aufpassen würdest?“, fragte Klaus den Nachbarn. „Selbstverständlich werde ich mich um eure Wohnung kümmern. Jemand muss auch eure vielen Blumen gießen. Ihr könnt euch auf mich verlassen, ich werde schon aufpassen, dass nichts passiert“, beruhigte der Nachbar Klaus. „Ich weiß, dass ich mich auf dich verlassen kann“, sagte Klaus und übergab ihm die Wohnungsschlüssel. Um 4:30 Uhr trafen sie in Berlin Schönefeld ein. Regina und Klaus bedanken und verabschiedeten sich von ihrem guten Freund und Nachbarn. Klaus holte einen Gepäckwagen und belud diesen mit den Koffern und Taschen. Im Flughafengebäude war trotz der frühen Zeit schon ein reges Treiben. Einige schliefen auf den Bänken und andere liefen aufgeregt hin und her. Regina, Klaus und Else setzen sich erst einmal auf eine Bank und warteten, bis die Schalter geöffnet wurden.
Die halbe Stunde, die sie auf das Öffnen des Schalters warten mussten, kam ihnen wie eine Ewigkeit vor.
Endlich war es so weit. Alle Leute, die zuvor friedlich auf den Bänken saßen, rannten zu den geöffneten Schaltern. Jeder wollte der erste sein. Lautstarke Unterhaltungen waren zu hören.
„Hoffentlich hatte Elke noch Tickets für uns besorgen können?“, gab Klaus zu bedenken und schaute besorgt zu den beiden Frauen. „Das hoffen wir auch“, erwiderte Elke. Durch den Lautsprecher wurden die Namen von Regina, Klaus und Else aufgerufen. Verwundert und ungläubig schauten sie sich an. „Es wird schon richtig sein“, sagte Klaus zu den beiden Frauen und forderte sie auf, ihm zu folgen. Sie machten sich auf den Weg zu dem ausgerufenen Sonderschalter, wo sie freundlich empfangen wurden. „Für Sie wurden Flugtickets nach Neuseeland hinterlegt“, sagte die freundliche Frau hinter dem Tresen. „Ja, das ist richtig“, antwortete Klaus aufgeregt. „Sind Sie schon einmal geflogen oder ist das Ihr erster Flug?“, fragte die Frau hinter dem Tresen. „Wir fliegen heute das erste Mal“, antwortete Regina nervös. „Und dann gleich bis Neuseeland! Da wünsche ich Ihnen einen guten Flug!“ Sie bat Regina, Else und Klaus, sich noch einmal auf die Bank zu setzen. „Ein Flugbegleiter wird sie dann abholen“, fügte sie noch. Sie erklärte freundlich den weiteren Ablauf und verabschiedete sich. Die Zeit verging nicht, aufgeregt rutschten die drei auf der Bank hin und her. Nach zwanzig Minuten langen Wartens näherten sich zwei Männer. Ein Gepäckträger und ein Mann in Uniform kamen auf die drei zu. Der Mann in Uniform fragte nach den Namen. Als Regina, Klaus und Else ihren Namen gesagt hatten, verglich der Mann in Uniform diese mit seiner Liste. „Ja, das ist so weit korrekt“, sagte er. „Ich bin Ihr Flugbegleiter und werde Sie persönlich nach Neuseeland bringen.“ Alle drei schauten sich an. „Ist das wahr?“, fragten alle drei gleichzeitig. „Ja“, sagte er. „Auch für mich ist das heute eine Ehre, Sie begleiten zu dürfen.“ „Wir sind doch einfache Leute und können das auch gar nicht bezahlen“, antwortete Regina. Der Flugbegleiter lächelte Regina an. „Machen Sie sich wegen der Bezahlung keine Gedanken, die Tickets und auch Verpflegung, die Sie auf dem langen Flug benötigen werden, sind schon bezahlt. Ich brauche aber noch dringend Ihre Reisepässe“, sagte der Flugbegleiter. Wie auf Kommando reichten Regina, Klaus und Else die Pässe mit ausgestreckter Hand dem Mann in Uniform zu. Jetzt verglich er die Reisepässe mit den Flugtickets. „Ja, alles okay, na dann kommen Sie“, sagte er zu Regina und Klaus und hackte Else ein. „Und das Gepäck?“, fragte Else? „Ach ja, um das Gepäck wird sich der nette Herr kümmern“, erklärte er und zeigte auf den immer noch strammstehenden Gepäckträger, mit dem er gekommen war. Nach der Zollabfertigung führte der Flugbegleiter sie in einen Raum. „Setzen Sie sich bitte“, sagte er, „ich hole Sie auch gleich wieder ab.“ Wieder schauten sich die drei ungläubig an. „Könnt Ihr das verstehen?“, fragte Klaus. „Nein, ich glaube, wir sind hier im falschen Film oder die haben uns einfach verwechselt“, erwiderte Regina. „Verwechselt? Aber der Mann in Uniform hat doch unsere Ausweise verglichen!“, wendete Klaus ein. „Wir können ihn ja fragen, ob hier eine Verwechslung vorliegt“, konterte Regina. Die Tür öffnete sich und der Flugbegleiter kam auf die drei zu. „Ich hoffe, ich habe sie nicht allzu lange warten lassen“, sagte er mit einem Lächeln. „Ich musste noch ein paar Kleinigkeiten organisieren“, fügte er hinzu. „In ihrer Abwesenheit haben wir uns unterhalten und sind zum Schluss gekommen, dass hier eine Verwechslung vorliegen muss“, sagte Klaus zu dem Flugbegleiter. „Nein, nein, eine Verwechslung liegt nicht vor, ich habe ihre Personalien soeben noch einmal durchchecken lassen und bin mir hundertprozentig sicher, dass das alles seine Richtigkeit hat,“ erklärte der Flugbegleiter. „Sehen Sie, ich habe auch Fotos von Ihnen, so dass eine Verwechslung ausgeschlossen ist“, fügte er hinzu. Er holte einige Fotos aus seiner Jackentasche und zeigte sie Klaus. „Tatsächlich, das sind wir. Beim Einkauf in einem Supermarkt mit Peters Mutter“, bemerkte Klaus erstaunt. „Nun zeige uns auch endlich mal die Bilder“, forderten die beiden Frauen ungeduldig Klaus auf.
Nachdem sich auch die beiden Frauen die Bilder genau angesehen hatten, fragte Klaus den Flugbegleiter, wie er zu den Bildern gekommen sei. „Das ist eine lange Geschichte“, antwortete er. „Aber wir haben ja genügend Zeit und wenn Sie möchten, erzähle ich Ihnen, wie die Bilder zustande gekommen sind. Ich bin Werner“, stellte er sich vor und streckte seine Hand aus. „Das freut uns“, sagten die drei und stellten sich auch einzeln vor. „Peter ist auch ein guter Freund von mir“, berichtete Werner weiter. „Du kennst Peter?“, fragte Klaus. „Ja, schon viele Jahre. Ich arbeite auch als Hubschrauberpilot im Nationalpark in Abel Tasman und Peter ist der Chef von dem Ganzen“, erzählte er weiter. „Aber nun kommt erst einmal mit, sonst wird das Essen noch kalt“, forderte Werner die drei auf. „Was für Essen?“, fragten sie. „Na, kommt und folgt mir, dann werdet ihr es sehen“, sagte Werner freundlich. Nach ein paar Minuten klopfte es an der Tür. Zwei Butler begleiteten die vier zu dem reichlich gedeckten Tisch. Das Personal goss Sekt in die Gläser. Alle vier stießen an und prosteten sich zu. Nach einer gemütlichen Unterhaltung sagte Werner: „Ich möchte ja nicht drängeln, aber der Flieger geht um 7:30 Uhr, also in 30 Minuten. Schaut einmal aus dem Fenster. Mit diesem Flugzeug geht es nach München, dann nach Los Angeles und dann direkt nach Auckland in Neuseeland. Von Auckland nach Wellington und mit dem Hubschrauber nach Abel Tasman im Nationalpark. Also wir werden zirka 39 Stunden fliegen oder unterwegs sein.“ Wie auf Kommando schauten sie sich ungläubig an. Alle drei schauten aus dem Fenster. Sie sahen ein riesiges silberglänzendes Flugzeug. Aufgeregt tranken sie noch ein Glas Sekt, ehe sie sich erhoben. „Kommt einfach immer hinterher“, sagte Werner zu Regina und Klaus und hakte die Mutter wieder ein. „Na gut, wenn du das sagst“, antwortete Regina nervös. Nachdem sie einige Gänge und Flure durchquerten, wurden sie vom Flugpersonal persönlich begrüßt. „Na, das wird aber Zeit, wir haben schon auf Sie gewartet“, begrüßte sie eine Stewardess und begleitete sie ins Flugzeug. Im hinteren Teil des Flugzeugs waren jeweils zehn Sitzreihen mit fünf Sitzen auf jeder Seite. „Sollen wir uns hierhersetzen?“, fragte Klaus. „Nein, kommt einfach hinter mir her“, sagte Werner grinsend. Werner öffnete eine Tür, sie konnten nicht fassen, was sie da sahen. Der Bereich hatte keine Sitzgruppen, sondern Sitzecken. Der gesamte Bereich war mit einem weichen Teppich ausgelegt. Die zwei Sitzecken und die kleine Bar mit dem Tresen waren farblich perfekt abgestimmt. In jeder Sitzecke war ein Fernseher. „Werner, gehört das Flugzeug vielleicht einem Scheich oder einem Millionär?“, fragte Regina neugierig. „Ja, Peter und Elke haben das Flugzeug von einem guten Freund gechartert“, erzählte Werner mit einem Lächeln. „Aber kommt, wir müssen uns beeilen“, forderte Werner die drei auf. „Nehmt in den bequemen Sesseln Platz und lasst euch verwöhnen“, forderte Werner die drei auf. Die Tür zum Cockpit öffnete sich. Der Kapitän kam auf die drei zu und begrüßte sie persönlich. „Na, sind Sie schon aufgeregt?“, fragte der Kapitän. „Ja“, antwortete Regina spontan. „Dann setzen Sie sich erst einmal hin und lassen Sie sich alle von unserem Personal verwöhnen“, sagte der Kapitän, mit ruhiger Stimme. „Aber jetzt muss ich wieder nach vorn, wir müssen gleich starten“, sagte der Kapitän und ging eilig wieder ins Cockpit. Erleichtert setzten sich die drei wieder in die bequemen Sessel und schnallten sich an. Nachdem noch einige Fluggäste im hinteren Teil des Flugzeuges Platz genommen hatten, setzte sich der Flieger langsam in Bewegung. Kurz vor der Rollbahn stoppte das Flugzeug, um auf die Starterlaubnis zu warten. „Else, bist du aufgeregt?“, fragte Klaus besorgt. „Nein, ich bin die Ruhe in Person und freue mich schon auf die lange Reise und das Wiedersehen mit meinem geliebten Sohn“, antwortete sie. Jetzt heulten die Düsen auf und der Flieger setzte sich langsam in Bewegung. Als das Flugzeug genügend Geschwindigkeit aufgenommen hatte, stieg es langsam in den Himmel auf. Unfähig, etwas zu sagen, saß Klaus versunken in seinem Sessel. „Geht es euch gut, alles in Ordnung?“, fragte Werner die drei. „Ja, alles in Ordnung“, erwiderten sie. Als das Flugzeug die Flughöhe von 10 000 Metern erreicht hatte, erklärte Werner, dass sie die Gurte jetzt wieder ablegen können. Erst jetzt betrachteten sie die Wolken, durch die sie hindurchflogen. Nach einer Weile waren keine Wolken mehr zu sehen. Der Ausblick war einfach unbeschreiblich, die Sonne, die teilweise über die Wolkendecke schien, war fast weiß. Begeistert und wie erstarrt von dem schönen Anblick schliefen sie vor Übermüdung ein. „Wollt Ihr einen Kaffee trinken?“, fragte Werner, als sie nach einer langen Zeit wieder wach wurden. „Na, wie spät ist es“, fragte Regina. „Und wie lange fliegen wir noch?“, hakte Klaus gleich mit ein. „Wir werden in einer Stunde in Los Angeles sein“, erwiderte Werner grinsend. „Ja, ein Kaffee und etwas Kuchen wäre jetzt nicht schlecht“, erwiderten Regina und Else. „Und du, Klaus, möchtest du gar nichts?“, fragte Werner. „Ja natürlich, Kuchen esse ich doch leidenschaftlich gerne“, gab er zur Antwort. Nach einer Weile brachte die Stewardess das Gewünschte. Alle drei ließen es sich schmecken. „Sag mal Werner, wie war es nun mit dir und Peter, und woher kennst du ihn?“, fragte Klaus. „Ich sagte schon in Berlin, dass es eine lange Geschichte wäre, aber Peter bat mich, nicht zu viel zu erzählen. Ich habe euch schon erzählt, dass ich einen Hubschrauber im Nationalpark fliege. Ich bin Peters und Elkes persönlicher Pilot, mehr möchte ich dazu im Moment nicht sagen. Peter wird euch dann Genaueres erklären“, berichtete Werner. „Wie geht es denn Peter gesundheitlich?“, fragte Klaus weiter. „Ja, wie ihr sicherlich von Elke erfahren habt, geht es Peter gar nicht gut. Das möchte euch Peter aber alles persönlich erzählen. So, genug davon, wie geht es euch, gefällt es euch bis dahin?“, erkundigte sich Werner. „Ja, uns geht es gut“, antworteten alle drei. „Wir sind nur überwältigt von dem bisher Gesehenen“, antwortete Regina. „Das ist noch gar nichts gegen das, was euch in Neuseeland erwarten wird“, bemerkte Werner. „Jetzt machst du uns aber erst richtig neugierig. Nun erzähl doch mal und beschreibe uns doch ein bisschen den Nationalpark in Abel Tasman“, forderten sie Werner auf. „Na gut, dann werden ja Peter und Elke nichts einzuwenden haben, wenn ich euch die Schönheit und einzigartige Landschaft von Tasman beschreibe“, schwärmte Werner. „Kennt ihr Neuseeland gar nicht oder habt ihr vielleicht etwas von diesem Land gelesen?“, fragte Werner die drei. „Ja, gelesen haben wir einiges von Neuseeland, aber das ist schon viele Jahre her“, sagte Regina. „Unser Wunsch war schon immer, Neuseeland etwas näher kennenzulernen, aber wir konnten es uns bisher nicht leisten. Aber wie das Schicksal es will, sitzen wir in einem Flieger und unser Wunsch geht in Erfüllung. Leider ist der Anlass des Besuches nicht so erfreulich und es macht uns doch etwas traurig, dass wir unter diesen Umständen nach über 20 Jahren Elke und Peter wiedersehen werden“, erzählte Regina weiter. „Glaubt mir, es wird alles wieder gut und alle Fragen werdet ihr beantwortet bekommen“, erzählte Werner mit ruhiger Stimme. „Dann müssen wir halt warten, bis uns Peter alles berichtet“, erwiderte Klaus. „Nun erzähle uns doch bitte, wie es ist im Nationalpark?“, drängelte Klaus. „Dann werde ich euch ein wenig über das Land berichten“, antwortete Werner und fing an zu erzählen:
„Die Region Tasman umfasst ein 9 771 Quadratkilometer großes Gebiet an der nordwestlichen Spitze der neuseeländischen Südinsel. Weiter umfasst die Region Tasman den landschaftlich sehr reizvollen Nelson-Lakes-Nationalpark, den Abel-Tasman-Nationalpark und den Kahhurangi-Nationalpark. All die landschaftlichen Vorzüge des Gebietes ziehen jährlich viele tausend Touristen an. Ungefähr 47 700 Menschen leben in der Region Tasman. Trotz des großen Zuwachses der Bevölkerung in Richmond gehört die Region zu den dünner besiedelten Gegenden Neuseelands, was vor allem daran liegt, dass es keine großen Ballungsräume gibt und dass ein großer Anteil der Gesamtfläche von Nationalparks eingenommen wird. Im Abel-Tasman-Nationalpark kann man eigentlich drei Sachen machen. Entweder im Backpacker relaxen, die Tracks im Nationalpark besuchen oder Kajak fahren. So hat der Nationalpark auch Traumbuchten mit glasklarem Wasser. Für jeden Erholungssuchenden ist etwas dabei, ob zu Land oder zu Wasser. Jeder kann auf seine Weise Land und Wasser erkunden. Die schönen Sehenswürdigkeiten können so von jeder Seite betrachtet werden. Ihr werdet von dem schönen Anblick überwältigt sein.“
Eine Lautsprecheransage unterbrach Werners Erzählungen. Der Kapitän kündigte die Zwischenlandung in Los Angeles an und bat darum, dass sich alle wieder anschnallen sollten.
Als der Flieger die Wolkendecke durchbrach und sich im Sinkflug befand, sahen sie die riesige, dicht besiedelte Stadt Los Angeles.
Die Uhr zeigte 19:00 Uhr, als der Flieger auf der Landebahn aufsetzte. Während das Flugzeug aufgetankt und verschiedene Koffer und Kisten außen eingeladen wurden, durften sie das Flugzeug nicht verlassen. Erst kurz nach 21:00 Uhr wurde der Flug freigegeben. Erst dann konnten sie weiter in Richtung Neuseeland fliegen. Zehn Stunden Flug lagen noch vor ihnen.
„In zirka fünf bis sechs Stunden werden wir die Tasmanische See überqueren“, erklärte Werner. „Und das heißt?“, fragte Regina zurück. „Werner, kannst du das erklären?“, fragte nun auch Klaus aufgeregt. „Ja, das kann ich“, erwiderte Werner. „Ich war gerade beim Piloten und habe mich nach dem Wetter erkundigt“, erklärte Werner. „Ja, und?“, fragte Klaus ungeduldig. „In Sydney tobt ein Unwetter und es ist noch nicht entschieden, ob wir nach Auckland durchfliegen oder noch einmal einen Zwischenstopp einlegen müssen. Meistens sieht das Unwetter landeinwärts, aber das ist durch die besonderen Luftströmungen in Australien ganz anders und muss deshalb kurzfristig entschieden werden. Aber bis wir in Sydney sind, haben wir ja noch zirka fünf Stunden Zeit und da kann sich noch vieles zum Guten ändern“, erklärte Werner und versuchte, die drei etwas zu beruhigen. „Na gut“, sagten Regina und Else und stellten die Sitze wieder nach hinten, um sich noch ein wenig von den Strapazen auszuruhen. „Wie kann man nur so viel schlafen?“, fragte sich Klaus und schaute besorgt zu seiner Frau. Lächelnd drehte sie den Kopf zu Klaus und sagte nur knapp: „Kann man.“ „Na gut“, dachte sich Klaus, „ich verpasse auch nichts, dann werde ich eben auch noch ein wenig schlafen.“ Auch er stellte seine Sessellehne um und schlief rasch ein. Gegen 4:00 Uhr wurden sie von der Lautsprecheranlage geweckt. „Sehr geehrte Damen und Herren, hier spricht der Kapitän. Bitte bleiben Sie auf Ihren Plätzen sitzen und schnallen Sie sich an. Wir durchfliegen gleich eine schlechte Wetterlage. Bleiben Sie ruhig und folgen Sie den Anweisungen des Personals.“ Die Stewardess, die gerade mit dem Decken unseres Frühstückstisches beschäftigt war, schaute sich erschrocken um. „Na, auch das noch“, sagte sie und räumte hastig den Tisch wieder ab. „Meinen Sie, dass das so schlimm wird?“, fragte Regina die Stewardess ängstlich. „So schlimm wird es sicherlich nicht, aber wenn wir in Luftlöcher geraten und das Flugzeug geschüttelt wird, da fliegt das Gedeck in alle Richtungen und könnte Sie verletzen“, erwiderte die Stewardess. „Wo befinden wir uns denn jetzt ungefähr?“, fragte Regina. „Wir überfliegen gerade die Tasmanische See und sind gerade in zwei Unwetter geraten“, antwortete sie nervös. „Der Kapitän hat auch keine Möglichkeit gehabt, dem Unwetter auszuweichen“, erzählte die Stewardess weiter. Sie gab Regina Else und auch Peter vorsichtshalber Beutel, damit sie sich im Fall des Falles bei Übelkeit entleeren können.
Die Stewardess hatte gerade alles wieder auf den Servierwagen gepackt, als sich das Flugzeug plötzlich schüttelte. Wie ein Stein fiel das Flugzeug unaufhaltsam in Richtung Erde. Alle drei nahmen sich die Beutel, die ihnen zuvor die Stewardess gegeben hatte. Klaus war kreideweiß im Gesicht und es drehte sich alles um ihn. Auch den beiden Frauen ging es nicht besser. Werner sah besorgt zu ihnen rüber und fragte vorsichtig: „Ist alles in Ordnung bei euch?“ Unfähig, etwas zu sagen, saßen sie zusammengesackt auf ihren Sitzen. Die Stewardess hatte in der Zwischenzeit den Servierwagen in einem Sicherheitseingang geschoben und sich auch hingesetzt. Vorsichtig öffnete sie die Vorhänge vor den Bullaugen. Es blitzte von allen Seiten, die Tragflächen wackelten, als ob sie gleich abfallen würden. Das Flugzeug rüttelte und schüttelte sich wie ein Pferd, das den Reiter wie im Rodeo loswerden wollte. Ständig fiel das Flugzeug in Luftlöcher und alle drei hatten mit Übelkeit zu kämpfen. Sie waren froh, dass sie angeschnallt waren, da sie sonst wahrscheinlich aus den Sitzen gerutscht wären. Besorgt schaute Regina zu Else. „Mir geht es gut“, sagte sie und machte ihre Augen wieder zu. Nachdem das erste überstanden schien, verabschiedete sich die Stewardess und ging zu den anderen Passagieren, um auch sie zu beruhigen. Nach ein paar Minuten war der ganze Spuk vorbei. Die Maschine lag wieder ruhig in der Luft, als ob gar nichts vorgefallen war. „War das alles?“, fragte Klaus und schaute fragend zu Werner. „Nein, das war erst der Anfang, es wird gleich richtig ungemütlich werden“, sagte er besorgt.
„Aber bleibt ruhig, der Kapitän hat alles im Griff und wird uns sicher nach Auckland bringen“, antwortete er nervös und zupfte an seinem Anzug herum. „Ich werde mich mal nach der Wetterlage erkundigen“, sagte er zu den beiden Frauen und schaute besorgt zu Klaus herüber. Nachdem Werner hinter der Tür zum Cockpit verschwand, sagte Klaus: „Na großartig, jetzt sind wir ganz allein!“ „Hast du auch Angst?“, fragte Regina. „Nein“, erwiderte Klaus. „Aber einen gewissen Respekt habe ich schon vor diesem Unwetter. Ich habe das auch nur in Filmen gesehen und habe niemals gedacht, dass ich das jemals live erleben werde“, antwortete Klaus. Er schaute gerade besorgt aus dem Fenster, als ein Blitz in die Tragfläche einschlug. Das Flugzeug rüttelte und schüttelte sich wieder, kreideweiß sah Regina Klaus an. „Hast du das auch gesehen?“, fragte Regina erschrocken. „Ja“, antwortete Klaus, nahm Reginas Hand und zog sie noch dichter an sich ran. „Den ersten Flug habe ich mir aber anders vorgestellt“, flüsterte Regina ängstlich. „Ja, ich auch, der ganze Unterleib und sämtliche Glieder schmerzen“, berichtete Klaus. Er schaute besorgt zu Else, die sich nun auch ängstlich an den Sessellehnen festhielt. Endlich betrat Werner wieder das Abteil. „Wo warst du denn so lange? Wir haben dich schon vermisst!“, rief Regina ängstlich. „Ich hatte doch gesagt, dass ich zum Kapitän gehe, um mich über die Wetterlage zu erkundigen“, sagte er. „Erzähle nun“, forderte Werner ihn auf. „Wie ich schon sagte, ist das erst der Anfang. Wir müssen unbedingt auf 11 000 Meter ansteigen, um nicht direkt in die Gewitterfront zu fliegen. Denn bei dieser Höhe sind wir sicher vor dem Unwetter. Aber das Problem es eben, dass das Gewitter zu schnell auf uns zukommt und wir es wahrscheinlich noch streifen werden“, berichtete Werner weiter. „Hast du das auch mitbekommen, dass ein Blitz die Maschine getroffen hat?“, fragte Klaus ihn aufgeregt. „Ja, das wurde im Cockpit sofort angezeigt, aber ihr braucht euch deshalb keine Sorgen zu machen. Die Maschine ist vor Gewitter geschützt“, versuchte Werner, sie zu beruhigen. „Und wenn die Maschine wieder wie gerade eben vom Blitz getroffen wird und dann brennt?“, fragte nun auch Else ziemlich aufgeregt. „Auch da braucht ihr euch keine Sorgen machen, das Flugzeug hat eine Löschvorrichtung und die kann vom Cockpit ausgelöst werden“, erklärte Werner weiter. „Na, das kann ja noch was werden“, bemerkte Klaus und rückte noch dichter an Regina ran. „Lasst uns doch einen Beruhigungsschnaps trinken“, schlug Werner vor. „Ja, ein Kräuterschnaps wäre jetzt nicht schlecht“, stimmten sie Werner zu. „Na, dann werde ich mich mal aufmachen und darum kümmern“, sagte Werner und ging zur Stewardess. Nach einer Weile kam Werner mit einer Flasche Kräuterlikör in die Kabine zurück. Nachdem die Gläser gefüllt waren, prosteten sich alle zu. „Der Likör war noch nicht einmal in meinem Magen angekommen, da wollte er auch schon wieder raus.“ Alle hatten wieder mit dem Würgereiz zu tun. „Da hilft nur noch ein zweiter. Denn auf einem Bein kann man doch nicht stehen“, schlug Werner grinsend vor und goss die Gläser noch einmal voll. „Schlechter kann es mir nicht mehr werden“, erwiderte Klaus. „Dann los“, sagte Werner und gab jedem ein volles Glas. Wieder prosteten sie sich alle zu. Tatsächlich beruhigten sich ihre Mägen. „Ja, manche Situationen sind eben nur mit Alkohol zu ertragen“, scherzte Werner. Plötzlich ging es wieder los, das Flugzeug wackelte und schüttelte sich. Wieder schauten sie ängstlich zu Werner, der grinste sie nur an und sagte: „Keine Sorge das geht gleich vorbei.“ Tatsächlich nach ein paar Minuten war wieder alles ruhig. Durch den Lautsprecher erklang wieder die Stimme vom Kapitän. „Sehr verehrte Damen und Herren, wir haben das Unwetter durchquert und befinden uns in einer sicheren Flughöhe. Sie können sich nun wieder abschnallen und das vorbereitete Frühstück zu sich nehmen. Wir werden voraussichtlich in zwei Stunden unser Ziel erreichen.“ „Sag mal, wo her kennst du den Kapitän?“, fragte Klaus und schaute zu Werner rüber. „Ja, du hast recht, ich kenne den Kapitän“, antwortete Werner und schaute Klaus an. „Und woher kennst du ihn, wenn ich fragen darf?“, hakte Klaus noch mal ein.
„Er hat auch ein kleines Häuschen in Abel Tasman und wohnt nicht weit weg von mir und Peter“, erzählte Werner weiter. „Das heißt, du wohnst auch in Tasman im Nationalpark?“, fragte Klaus überrascht. „Ja“, antwortete Werner. „Wir sind alle drei gute Freunde und so es die Zeit erlaubt, auch immer zusammen“, berichtete Werner mit einem Lächeln. „Ich werde mich mal um unser Frühstück kümmern“, sagte Werner und verschwand. „Verstehst du das?“, fragte Klaus seine Frau. „Nein, das kann man nicht verstehen“, sagte sie nachdenklich. „Statt dass Werner uns über alles aufklärt, türmen sich immer mehr Fragen auf“, sagte Else und schaute Regina und Klaus fragend an. Nach einer Weile kam Werner mit dem Frühstück und deckte den Tisch. „Wo sind die Stewardessen?“, fragte Regina Werner und schaute ihn erwartungsvoll an. „Ich habe Peter und Elke versprochen, mich persönlich um euer Wohl zu kümmern und das mache ich auch gern“, antwortete Werner und fügte hinzu: „Peters Freunde sind auch meine Freunde.“ „Es tut gut zu wissen, dass es noch wahre Freunde gibt“, antwortete Regina und lächelte ihm zu. Sie ließen sich alle das Frühstück schmecken und waren zufrieden, dass das Flugzeug jetzt beim Frühstück ruhig war. Man merkte gar nicht mehr, dass man im Flugzeug saß. Nach dem Frühstück fragte Klaus: „Werner, ist es nicht möglich einmal ins Cockpit zu gehen und den Piloten über die Schulter zu schauen? Denn ich habe ein Cockpit noch nie gesehen.“ „Eigentlich ist es ja verboten, aber ich kann ja mal nachfragen“, antwortete Werner und verschwand. Nach einem kurzen Augenblick kam er wieder zurück und sagte: „Na, dann wollen wir mal, ich habe gefragt und die Erlaubnis bekommen.“ Werner öffnete die Tür und forderte die beiden Frauen und Klaus auf, ihm zu folgen. Alle erhoben sich und liefen Werner hinterher. Im Cockpit angekommen, waren sie überwältigt von den vielen Armaturen und Schaltern, so etwas haben sie noch nie gesehen. Überall blinkten kleine Lampen. Das Spannendste war aber, was sie durch die großen Fenster im Cockpit beobachten konnten. Was für ein einzigartiges Naturschauspiel sie da sahen. Diesen Anblick werden sie im ganzen Leben nie vergessen. Das Gewitter schien überall zu sein. Überall blitzte und leuchtete es in den Wolken. „Ist das vor uns auch noch ein Gewitter?“, fragte Klaus den Kapitän besorgt. „Ja, durch diese Gewitterfront müssen wir auch noch durchfliegen, ja leider“, sagte der Kapitän besorgt. „Da durch?“, fragte Klaus erschrocken. „Ja“, sagte der Kapitän. „Aber das Schlimmste ist, dass wir in zehn Minuten in den Sinkflug gehen müssen, um zur Landung anzusetzen. Denn über Neuseeland tobt ein Unwetter und besonders über dem Flughafen“, fügte der Kapitän besorgt hinzu. „Wir kreisen wegen dieses Unwetters nun schon eine Stunde über Neuseeland und langsam geht uns der Sprit aus“, erklärte der Kapitän weiter. „Deshalb bitte ich Sie, wieder Platz zu nehmen, Ruhe zu bewahren und sich anzuschnallen.“ Alle bedanken sich beim Kapitän und gingen wieder in ihre Kabine zurück und setzten sich in ihre bequemen Sessel. Eilig schnallten sie sich wieder an, als auch schon die Ansage des Kapitäns zu hören war. „Sehr geehrte Fluggäste, wir durchfliegen gerade ein schweres Unwetter, bitte schnallen sie sich an und folgen sie den Anweisungen der Stewardessen.“
„Hoffentlich wird das nicht so schlimm wie es aussieht, denn mit so ein Unwetter ist nicht zu spaßen“, erklärte Werner besorgt. „Na, du bist gut, wir haben so schon Angst“, sagte Klaus besorgt. „Ach, Angst braucht ihr nicht zu haben, runter gekommen sind bis jetzt noch alle“, scherzte Werner. „Ha, ha, aber wie? Das ist wohl die Frage“, sagte Else aufgeregt. „Es wird schon alles gut gehen“, versuchte Werner, die drei zu beruhigen. „Wir haben aber nicht erwartet, dass das unser erster und letzter Flug sein soll“, stotterte Regina vor Anspannung. „Es wird schon alles gut werden, ihr werdet sehen“, beruhigte Werner.
Kaum dass Werner es zu Ende gesagt hatte, ging es erst richtig los. Wenn sie meinten, das Unwetter vor einer Stunde war schlimm, wurden sie gleich eines Besseren belehrt. Das Flugzeug musste sich, so wie der Kapitän es schon erklärt hatte, im Sinkflug befinden. Denn die Maschine neigte sich nach vorn. Überall blitzte es, ein Rütteln und Schütteln überzog den Rumpf. Alle wurden regelrecht durchgeschüttelt. Es war ein Glück, dass Werner den Frühstückstisch schon abgeräumt hatte. Sonst wären sicherlich alle Gegenstände umhergeflogen. Über ihnen öffneten sich die Klappen und die Sauerstoffmasken fielen raus. Instinktiv griffen sie nach den Masken und setzen diese auf. Ja, es war angenehm, frischen Sauerstoff einzuatmen. Langsam wich der Druck in ihren Köpfen, nur der Mageninhalt schien wieder rauskommen zu wollen. Werner kümmerte sich liebevoll um Peters Mutter und reichte ihr ein Glas Wasser. Bei diesem Rütteln und Schütteln hatte Else Mühe, etwas zu trinken. Werner schien das alles nichts auszumachen. Mitleidig schaute er zur ihnen rüber. „Es tut mir sehr leid, dass ihr das hier alle durchmachen müsst“, sagte er besorgt. „Das habt ihr euch sicherlich anders vorgestellt“, versuchte er zu trösten. „Ich denke, in zwanzig Minuten werden wir landen und dann haben wir alles geschafft“, machte Werner ihnen Hoffnung. „Zwanzig Minuten, die können aber noch lang werden“, erwiderte Klaus. „Ja, das ist richtig, ich bin auch froh, dass wir bald unten sind“, antwortete Werner mit besorgter Stimme. Ständig rüttelte und schüttelte sich die Maschine. „Wie lange kann das ein Flugzeug verkraften, ehe es auseinanderbricht?“, fragte Klaus besorgt. „Die Flugzeuge können schon durch solche Unwetter fliegen, ohne ernsthaften Schaden zu nehmen“, beruhigte ihn Werner. Je tiefer sie flogen, desto schlimmer wurde das Flugzeug geschüttelt. Blitze schlugen in die Tragflächen ein. Wieder und wieder, doch plötzlich fing das Triebwerk an zu brennen. Werner, der auch aus dem Fenster schaute, sagte besorgt: „Das war jetzt ein Volltreffer“, und machte ein sorgenvolles Gesicht. Erschrocken schauten sie sich alle an. „Ein Triebwerksausfall ist nicht so schlimm, das Flugzeug kann selbst mit nur zwei Antrieben weiterfliegen“, versuchte Werner sie zu beruhigen. Tatsächlich schaltete der Kapitän nach einem vergeblichen Löschversuch das beschädigte Triebwerk ab. Es wurde nicht besser, es musste draußen sehr stürmisch sein. Wie ein Ball wurde die Maschine hin und her geschleudert. Sie wurden alle in ihre Sitze gepresst und konnten sich nicht mehr rühren. Wieder schaute Werner sie sorgenvoll an. „Was ist?“, fragte Regina. „Ich habe ein ungutes Gefühl“, sagte Werner und schaute besorgt zu ihnen rüber. Das nächste Triebwerk verabschiedete sich nach einem weiteren Blitzeinschlag und einem weiteren vergeblichen Löschversuch. „Das heißt, wir fliegen nur noch mit zwei Triebwerken?“, fragte Klaus und schaute Werner fragend an. „Ja, das ist wohl so“, erwiderte Werner leise. „Jetzt wird es aber langsam Zeit, dass wir in den Landeanflug gehen. Noch einen Triebwerksverlust können wir uns nicht leisten. Denn eine Notlandung auf dem Wasser würde bei dem hohlen Wellengang zur Katastrophe führen“, sagte Werner und runzelte nachdenklich die Stirn. In Klaus’ Kopf schoss das Blut, sein Leben lief wie ein Film an ihm vorbei. „Sollte das das Ende sein? Nein, das kann doch nicht sein“, überlegte Klaus. Seine Frau schien wohl dieselben Gedanken gehabt zu haben, denn sie schaute ihn ängstlich an. Er nahm ihre Hand und versuchte, sie zu beruhigen. Das Gewitter hörte nicht auf. Ängstlich schauten sie gerade wieder aus dem Fenster, als wieder ein Blitz in die Tragfläche einschlug. Wieder schauten sie ängstlich und Hilfe suchend zu Werner rüber, als die Tragfläche Feuer fing. Vom hinteren Teil des Flugzeuges war ein Geschrei zu hören. Regina fragte Peters Mutter: „Else, hast du auch Angst?“ „Nein, antwortete sie mit ruhiger Stimme, ich habe keine Angst. Ich habe den Zweiten Weltkrieg überlebt und bin heute 83 Jahre. Ich habe mein Leben gelebt, es wäre nur nicht gerecht, dass ich so weit gekommen bin und jetzt kurz vor dem Ziel sterben soll. Ich möchte doch noch einmal meinen Sohn sehen und ihn in die Arme nehmen“, fügte sie besorgt hinzu. „So schnell stirbt es sich nicht“, beruhigte Werner. „Ich werde dafür Sorge tragen das du nicht nur den Sohn siehst, sondern dass du auch bei ihm bleiben kannst“, versuchte Werner sie zu trösten. Die Stewardessen versuchten, die Passagiere im hinteren Teil des Flugzeuges zu beruhigen. Aber dieses Mal schien das vergeblich zu sein. „Das Flugzeug brennt, wir stürzen ab“, waren die ängstlichen Rufe der Passagiere durch das ganze Flugzeug zu hören. Panik brach aus und alle schrien durcheinander. Die beruhigenden Worte der Stewardessen gingen in dem Angstgeschrei der Passagiere unter. Erst jetzt sahen sie die tobende See, die immer schneller auf sie zukam. „Das war das wohl mit unserem Leben“, sagte Klaus und schaute Werner fragend an. Endlich war die Landebahn in Sicht. Die Tragfläche brannte noch immer, als die Maschine unsanft auf die Landebahn aufsetzte. Die rechte Tragfläche berührte die Landebahn, Funken sprühten nach allen Seiten und eine Stichflamme schoss aus der Tragfläche. Ein ohrenbetäubender Knall und eine Explosion riss die halbe Tragfläche ab. Wie versteinert saßen sie alle in ihren Sesseln, unfähig, etwas zu sagen. Durch Klaus’ Kopf schossen tausende Gedanken und er dachte an seine Kinder und Verwandten. Ängstlich schaute Klaus zu Werner rüber, der zusammengesunken und kreideweiß in seinen Sessel saß. Auch Regina saß wie versteinert neben ihrem Mann und schüttelte nur den Kopf, als Klaus besorgt zu ihr schaute. Als das Flugzeug endlich zum Stehen kam, kamen der Kapitän und die Stewardessen eiligen Schrittes und öffneten die Türen. Während die Notrutschen zu Boden gelassen wurden, versuchte die Feuerwehr, die Tragfläche zu löschen. Wie erstarrt und unfähig etwas zu sagen, saßen sie immer noch in ihren Sesseln. „Na los, kommt, hier ist Endstation, wir müssen sofort aussteigen“, rief Werner ihnen zu. Mit zitternden Händen öffneten sie die Sicherheitsgurte. Regina saß immer noch wie versteinert im Sessel, während Klaus eilig aufstand. Besorgt reichte Klaus seiner Frau die Hand und half ihr aufzustehen. Ihre Beine waren wie Gummi und sie hatte Mühe zu gehen. „Ist alles in Ordnung?“, fragte Werner besorgt. „Naja, wir haben schon bessere Tage gesehen“, antwortete Klaus und schaute wieder ängstlich zu seiner Frau und Else. „Wir müssen uns wirklich beeilen, damit wir aus der brennenden Maschine kommen“, mahnte Werner und nahm Peters Mutter und ging zum Ausgang. Als sie an der Tür angekommen waren, peitschte ihnen der Regen ins Gesicht. Der Sturm, der vom Meer reinkam, war so stark, dass sie Mühe hatten, sich an den Halteriemen festzuhalten. Draußen herrschte Panik, sodass die fleißigen Helfer zu tun hatten, die Passagiere zu beruhigen. Das hatten sie bisher nur in Filmen gesehen, wie solche Rettungsaktionen abliefen. Und da sage einer noch mal was Schlechtes über das Fernsehen. Fernsehen bildet, nur durch solche Filme wussten sie, wie sie sich zu verhalten hatten. Nämlich Ruhe zu bewahren und den Anweisungen des geschulten Personals zu folgen. Nachdem Werner Peters Mutter auf die Rutsche setzte, drehte er sich zu Regina und Klaus um sagte: „Los, wollt ihr hier Wurzeln schlagen“, und schob sie auf die Rutsche. „Und du?“, fragte Klaus besorgt. „Ich komme auch gleich nach, ansonsten treffen wir uns im Flughafengebäude“, rief er ihnen hinterher. Unten angekommen wurden sie von der Feuerwehr und dem medizinischen Personal in Empfang genommen und sofort in Busse gebracht. Durch die Busfenster konnten sie sehen, dass die Feuerwehrleute das Feuer inzwischen gelöscht hatten. Erst jetzt konnten sie das ganze Ausmaß der Katastrophe überblicken. Die halbe Tragfläche war zerfetzt. Die beiden Triebwerke waren auch nicht mehr zu sehen. Hektisch liefen die Rettungskräfte hin und her und halfen, die Passagiere in den bereitgestellten Bussen zu kommen. Als der erste Bus, in dem sich auch die drei befanden, voll war, fuhr er schnell zum Flughafengebäude. Im Gebäude wurden sie alle von medizinischem Personal empfangen. Warme Decken und heißer Tee wurde gereicht. Sanitäter und Ärzte befragten sie nach Beschwerden und Verletzungen. Während sie und besonders Peters Mutter gründlich untersucht wurden, versuchten sie vergeblich, sich zu beruhigen. Nachdem sie von dem medizinischen Personal etwas zur Beruhigung bekommen hatten, wurde ihr Zustand etwas besser. Ein Priester kam zu ihnen, um seelischen Beistand zu geben. Schnell füllte sich die Halle und jeder Eintreffende wurde gleich medizinisch versorgt. Klaus stellte sich auf eine Bank, um nach Werner Ausschau zu halten. Nein, auch von hier oben konnte er Werner nicht entdecken. „Was machen wir nur?“, fragte Klaus und schaute sorgenvoll zu den beiden Frauen. „Weg können wir nicht, wir müssen hier auf Werner warten“, sagte Regina und versuchte, Klaus zu beruhigen. Wieder öffnete sich die Tür zum Haupteingang. Der Kapitän und die gesamte Crew betraten die Halle. Ein tosender Beifall ertönte und jeder wollte sich persönlich beim Kapitän für die sichere Landung bedanken. Nur mit Mühe gelang es dem Sicherheitspersonal und deren Helfern, die Leute zu beruhigen. Nachdem der erste Ansturm der Freude verklungen war, kamen der Kapitän, die Crew und Werner zu Else und Klaus. „Ich bin so froh, dass alles so gut aus gegangen ist und niemand verletzt oder gar ums Leben gekommen ist“, sagt der Kapitän erleichtert und streckte ihnen die Hand entgegen. Nachdem sich jeder noch einmal persönlich beim Kapitän bedankte, fragte Klaus den Kapitän, wie viel Passagiere denn am Board waren. „Laut Liste waren es 59 Passagiere“, antwortete der Kapitän spontan. „Kommt, wir müssen uns um den Weiterflug für morgen früh kümmern“, drängelte Werner. „Mir ist schon schlecht, wenn ich auch nur daran denke, wieder in ein Flugzeug zu steigen“, sagte Klaus nervös. „Wir haben es jetzt 21:00 Uhr und bis morgen früh hat sich die Wetterlage sicherlich beruhigt“, versuchte Werner sie alle zu beruhigen. „Und Sie, was werden Sie jetzt machen?“, fragte Klaus den Kapitän. „Ja, für mich war das heute der letzte Flug, aber nicht, weil heute so einiges schief ging. Nein, ich hatte mich schon vor längerer Zeit entschieden, mich zur Ruhe zu setzen“, berichtete er sichtlich erleichtert. „Am besten, ihr geht alle in das Flughafenrestaurant und ich kümmere mich um alles weitere. Sobald ich alles geklärt habe, komme ich nach“, sagte Werner und verschwand. „Kommen Sie mir einfach hinterher“, sagte der Kapitän zu den dreien. „Was wird eigentlich mit unserem Gepäck?“, fragte Regina den Kapitän. „Darum wird sich mein Copilot kümmern“, sagte er und klopfte Regina beruhigend auf die Schulter. Im Restaurant angekommen, wartete schon die Crew auf uns. „Na, setzen Sie sich erst einmal hin“, sagte eine Stewardess und fügte hinzu: „Der erste Flug und bald auch der letzte.“ „Woher wissen Sie, dass es unser erster Flug war?“, fragte Regina zurück. „Ich glaube wir müssen erst einmal einiges aufklären“, erwiderte die Stewardess. „Ich heiße Sabine und das ist Martin, mein Mann und Kapitän. Wir sind schon seit dreißig Jahren verheiratet. Die deutsche Sprache kennen wir so gut, weil wir vor einigen Jahren noch in Deutschland gelebt haben. Um genauer zu sagen, in Ostberlin. Mein Mann und ich arbeiteten damals auf dem Flughafen in Berlin Schönefeld. Und unseren gemeinsamen Freund Peter lernten wir während der zahlreichen Flüge kennen. Auch wir mussten damals genau wie Peter die DDR verlassen. Aber das wird Ihnen Peter alles noch genauer erzählen.
Werner hat Ihnen doch sicherlich schon einiges berichtet, und erzählt, dass wir auch in Abel Tasman in der Nähe des Nationalparks unser Häuschen haben?“
„Nein, von Ihnen hat er uns nichts erzählt“, erwiderte Regina und schaute Sabine fragend an.
„Okay, wir haben ja noch genügend Zeit über alles zu sprechen.“
„Also wie gesagt, ich bin die Elke, es wäre sehr nett, wenn wir die Förmlichkeiten lassen könnten. Peters Freunde sind auch unsere Freunde“, fügte sie hinzu und streckte ihre Hand aus. „Wir haben auch nichts dagegen uns mit dem Vornamen anzusprechen, im Gegenteil es ist uns eine Ehre“, erwiderte Regina und drückte Sabines ausgestreckte Hand. Nachdem sich auch Klaus und Elke vorgestellt und jedem die Hand gegeben hatte, fragte Klaus neugierig: „Was war eigentlich mit dem Flugzeug, hätte es nicht explodieren können?“ „Ja“, antwortete Martin. „Ich habe schon während des Anfluges Kerosin abgelassen, um eine Explosion zu vermeiden. Aber das Gewitter und die Sturmböen waren so heftig, dass wir Mühe hatten, die Maschine unter Kontrolle zu bekommen, um zu landen. Tja und dann waren noch die heftigen Blitzeinschläge. Wir haben viel Glück gehabt, dass nichts Schlimmeres passiert ist“, berichtete Martin weiter, schaute zu Sabine und nahm sie in den Arm. „Aber dann ist es doch zur Explosion gekommen“, erwiderte Else und schaute fragend zu Martin rüber. „Da hast du recht, Else“, antwortete Martin und begann zu erzählen: „Wie ihr vielleicht gesehen habt, hat die rechte Tragfläche die Landebahn berührt. Dadurch entstanden Funken, die zur Explosion geführt haben. Aber zum Glück war nicht mehr viel Kerosin in den Tanks, sondern nur die Gase, die explodierten. Eine Wasserlandung hätten wir wahrscheinlich bei der aufgewühlten See und dem Sturm nicht überlebt. Zurück konnten wir auch nicht mehr, weil nicht nur der Treibstoff fehlte, nein auch weil die Entfernung zum Festland nach Sydney viel zu groß war. Also musste ich mich entscheiden und bin in Auckland notgelandet.“
„Alle Hochachtung, da haben wir alle aber sehr viel Glück gehabt, dass so ein erfahrener Pilot wie du es bist, uns sicher runtergebracht hat“, lobte Klaus. „Ich glaube, jeder andere Pilot, und da bin ich mir sicher, hätte genauso gehandelt“, erwiderte Martin.
„Aber nun genug davon“, sagte Martin und fügt hinzu: „Ich lade euch alle zum Essen ein. Aber bevor wir zum Essen gehen müssen wir erst auf Werner warten.“ Erwartungsvoll schauten alle zum Eingang. „Ich hoffe nur, dass Werner alles erledigen konnte“, sagte Martin nachdenklich.
Nach einige Minuten des Wartens betrat Werner das Flughafengebäude und ging mit eiligen Schritten auf die Wartenden zu.
„Ja und, nun erzähle schon, konntest du alles erledigen?“, fragte Martin ungeduldig und schaute Werner fragend an.
„Naja, da gibt es ein Problem“, erwiderte Werner und sah besorgt zu Martin. „Nein, nicht schon wieder“, rief Martin und schüttelte den Kopf.
„Der Flughafen hier in Wellington ist durch den Sturm verwüstet worden und kann mindestens zwei Tage nicht angeflogen werden“, berichtete Werner weiter. „Das heißt?“, unterbrach ihn Klaus ungeduldig. „Das heißt, dass wir von hier aus die zirka 900 Kilometer nach Airport Takaka allein fliegen müssen.
