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Dieses Buch beschreibt, wie meine Leidenschaft zum Fußball und das Streben nach Glück langsam mein Leben bestimmte. Es handelt von Familie, Lügen, Beschaffungskriminalität und der ganz großen Liebe. Mein Weg zum erfolgreichen Geschäftsmann wurde durch meine Sucht, die Wettmafia und das ganze System kontrolliert und manipuliert, bis hin zur kompletten Resignation meinerseits. Das schockierende an dem System ist, es kann nicht aufgehalten werden und kommt wie eine Welle über uns. Meine Geschichte ist erst der Anfang und ich hoffe einigen damit die Augen zu öffnen. Denn am Ende gewinnt IMMER die Bank! Freunde, Familie, Fußball, Liebe, Kinder, Beschaffungskriminalität, Lügen, Beruf, Therapie, Quoten, Wettmafia uvm.
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Seitenzahl: 187
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Auf den folgenden Seiten beschreibe ich euch, wie ich auf dem privaten und beruflichen Weg nach ganz oben war.
Man entscheidet sich immer für einen Weg im Leben und hofft, dass dieser für einen der richtige ist. Aber was passiert, wenn einem dieser Weg genommen wird? Oder man durch einen Schicksalsschlag oder eine Krankheit gezwungen ist, einen anderen zu gehen? Ich bin zu einem guten Beispiel geworden, wie verrückt ein Leben verlaufen kann.
Nachdem ich meinen Realabschluss als Jahrgangsbester absolviert hatte, war mein ganzes Umfeld verdammt stolz auf mich. Mein Traum war es schon als kleiner Junge, zur Bundespolizei zu gehen und darauf arbeitete ich lange hin.
Nachdem ich meine Bewerbungsunterlagen mit den Nachweisen über das deutsche Sport- und Schwimmabzeichen abgeschickt hatte, dauerte es nicht lange bis zu Antwort. Ich wurde von der Bundespolizei zum Auswahlverfahren eingeladen und freute mich riesig darüber. Bis zu den Prüfungen hatte ich nicht viel Zeit und lernte sehr viel, um mit einem guten Gefühl teilnehmen zu können. Den schriftlichen Teil hatte ich bestanden und wusste, dass der sportliche keine Herausforderung für mich werden würde.
Die ganzen Vorgaben waren öffentlich einsehbar und wurden locker im Training von mir eingehalten. Leider sollte ich erst gar nicht bis dahin kommen, der Arzt beim ärztlichen Teil der Auswahl teilte mir mit, dass ich leider für meine Größe sieben Kilogramm zu leicht sei. Es wäre gar nicht tragisch gewesen, wenn nicht so viele Bewerber auf die wenigen Stellen genau ins Schema gepasst hätten.
Nach dieser Mitteilung war ich sehr geschockt und mein Traum zerplatzte wie eine Seifenblase. Lange habe ich gebraucht, um diese Absage zu verarbeiten, und musste mich jetzt für einen anderen Weg entscheiden. Wie viele Jugendlichen stand ich damals vor einer schweren Entscheidung. Das, was ich mir vom Leben gewünscht hatte, konnte mir nicht mehr gegeben werden.
Gesehen hat das aber keiner, im Gegenteil, die Menschen in meinem Leben spielten das runter und zeigten mir Alternativen auf. Irgendwann habe ich mich für den falschen Weg entschieden und stehe heute, fast 15 Jahre später, vor dem schweren Gang ins Gefängnis. Man hört ja immer »Karma is a bitch!«, und dieser Spruch passt genau zu meiner Situation. Alles holt einen irgendwann wieder ein, und ich habe mich im wahrsten Sinne des Wortes durch mein ganzes Leben geschlängelt.
Irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo man nicht mehr weglaufen will und einem auch die Kraft fehlt. Man übernimmt die Verantwortung, oft auch für Dinge, für die man nichts kann. Nur damit der ständige Verfolgungswahn und der immer aufkommende Druck durch die Menschen in seiner Umgebung endlich ein Ende hat.
In unserer Gesellschaft wird das, was mir passiert ist, noch immer nicht richtig anerkannt, weswegen mich lange Zeit auch niemand stoppen konnte.
Mittlerweile sind europaweit die Kliniken voll, und Menschen, die davon betroffen sind, zerstören nicht nur ihr eigenes Leben. Oft zerstören sie auch das Leben ihrer Familienmitglieder, Freunde und Bekannten. Wenn man einmal gefangen in dem System ist, kommt man ohne professionelle Hilfe nicht mehr da raus. Ich wünsche mir sehr, dass ich mit diesem Buch vielen Betroffenen und deren Angehörigen die Augen öffnen kann. Denn alle sollen die Chance zur Einsicht und die Möglichkeit zur Rehabilitation haben.
Leute da draußen, werdet endlich wach, was mit uns und unserer Gesellschaft passiert. Die Gleichgültigkeit der einen ist das Leid der anderen. Jeder, der dieses Buch liest, hat eine Person im Hinterkopf, auf die diese Geschichte passen könnte. Vielleicht nicht mit dem gleichen Suchtmittel, aber vom Verhalten sind fast alle dieser Menschen gleich. Wir dürfen nicht vergessen: es sind Menschen wie wir mit einem Job, Familie und Freunden. Oft liegt es nur an einem kleinen Punkt ihnen helfen zu können, damit sie wieder zu den Menschen werden, die wir lieben. Gebt die Leute nicht auf und verzeiht ihnen, helft den Menschen, wieder zu sich selbst zu finden. Denn wir müssen im Hinterkopf haben, dass wir alle im selben Boot sitzen und diese Menschen uns doch sehr wichtig sind. Schließt nicht die Augen, sondern probiert ihnen zu helfen und gebt sie nicht durch falschen Stolz auf. Sie wissen oft nicht mehr, was richtig und falsch ist. Das ist auch nicht böse gemeint, denn sie haben es einfach mit der Zeit verlernt. Ich wünsche euch jetzt viel Spaß bei den folgenden Seiten und hoffe, dass ich euch mit meiner Lebensgeschichte zum Nachdenken bringe und vielleicht einige von euch oder euren Freunden retten kann.
Mein Name ist Vitus, ich bin 32 Jahre alt und habe schon sehr viel in meinem Leben erlebt. Ich bin ein sehr sportlicher und ehrgeiziger junger Mann, der viele Freunde und Bekannte in seinem Leben hat. Ich komme aus einem kleinen, sehr schönen Wintersportörtchen in Nordrhein-Westfalen und fühlte mich auch wirklich sehr wohl dort. Leider habe ich ein großes Problem, was mir zum Verhängnis wurde und mein Leben komplett über den Haufen geworfen hat.
Jetzt lag ich hier in meinem Bett, schlafen konnte ich die letzten Nächte auch schon nicht und starrte jede Nacht stundenlang aus dem Fenster. Es war ein typischer Frühlingsabend nach einem harten und kalten Winter. Man hörte nur noch die Vögel von den Bäumen zwitschern und den Wind, der die Rollläden streifte. Als ich die Schlaflosigkeit nicht mehr aushalten konnte stieg ich aus meinem Bett und öffnete langsam und vorsichtig die Tür meines Zimmers. Ich ging über den Flur meiner Station, meine Mitpatienten waren schon alle am schlafen, weshalb ich leise sein musste um nicht aufzufallen. Mit meiner Jogginghose, meinen Schlappen und der Trainingsjacke bekleidet ging ich das Treppenhaus hinunter und verließ die Klinik ohne wirkliches Ziel vor Augen.
Ich ging einfach in die dunkle Nacht hinein und den ersten Laternen auf dem Gelände entgegen.
Das gesamte Gelände war um diese Uhrzeit wie verlassen und ohne Ziel bewegte ich mich in dem Bereich, wo ich meinte mich ein wenig auszukennen.
Mein Kopf hörte den ganzen Weg lang einfach nicht auf zu arbeiten und ich merkte nicht mehr, wie ich dem Klinikfriedhof immer näher kam.
Der Friedhof war hinter einer kleinen Anhöhe gelegen und ehemalige Mitarbeiter, Patienten und im Krieg gefallene Personen lagen auf diesem begraben. Ich dachte an die Geschichten, die mir mein Therapeut erzählt hatte, als er von der Zeit des Nationalsozialismus sprach. Menschen, die abhängig waren, wurden einfach als unbrauchbar abgestempelt und ermordet oder einfach in solchen Kliniken wie hier weggesperrt, ohne Aussicht auf Entlassung und die damit verbundene Freiheit. Mit leichter Gänsehaut ging ich weiter und als ich realisierte, dass ich von meinem eigentlichen Weg weit abgekommen war, sah ich von Weitem im Dunkeln eine Frau auf einer Bank sitzen. Diese Bank stand auf einem kleinen Hügel, direkt in der Mitte von zwei gigantischen und sehr alten Bäumen. Die Äste hingen schon sehr weit Richtung Boden und bei jedem Windstoß rasselten die Blätter wie eine schlecht gestimmte Mundharmonika.
Dieses Geräusch konnte man nicht vergessen und es ging einem durch den ganzen Körper. Von dieser Bank aus konnte man über den gesamten Friedhof der Klinik gucken. Leicht verunsichert wollte ich umdrehen, aber war doch neugierig warum die Frau dort so alleine saß, und vor allem warum um diese Uhrzeit?
Trotz komischem Bauchgefühl ging ich weiter und kam dem Hügel immer näher.
Am Fuße des Hügels waren jede Menge Sträucher und ich entdeckte mittendrin einen kleinen Pfad. Als ich diesen Pfad bestieg und mich durch die Büsche kämpfte, hörte ich eine mir unbekannte Stimme. Es hörte sich an wie eine Mutter, die mit ihrem Säugling sprach und diesen zum Schlafen bringen wollte.
Ich blieb bei der Dunkelheit auf dem kleinen Pfad stehen und hörte ganz genau hin. Als die Stimme erneut ertönte bemerkte ich, dass sie von der Frau auf der Bank kam, aber ich sah kein Kind oder Baby in der Nähe.
Von Neugier getrieben stieg ich den Pfad weiter hinauf und stolperte dabei über mehrere Wurzeln, die aus dem Boden ragten. Kurz vor der Bank angekommen erblickte ich eine kleine, aber sehr neuwertig aussehende Puppe in den Armen der Frau.
Die Frau sah schon etwas älter aus und man sah ihrem Gesicht an, dass etwas Schlimmes in ihrem Leben vorgefallen sein musste. Sie war sehr in sich gekehrt und sah schon fast ein wenig verwahrlost aus, ihre Kleidung war schmutzig und voller Flecken. Auf der rechten Wange hatte sie eine Narbe, die fast bis zum Kinn ging, und ihre Haare waren sehr durcheinander und fettig. In dem Augenblick dachte ich an die Obdachlosen, die man immer wieder in der Stadt auf den Bänken liegen oder sitzen sah und verglich die Frau mit den armen Menschen, die nichts mehr hatten.
Während der Nebel langsam über den kalten und feuchten Boden des Friedhofs aufstieg setzte ich mich leicht erschöpft auf die Bank, direkt neben die Frau. Ich traute mich gar nicht, diese Frau anzusprechen und merkte, wie sie anfing zu summen und zu wippen, dabei hatte sie die Puppe in der Hand. Mir schossen Tausende Gedanken durch den Kopf wie, warum saß die Frau hier? Warum hatte Sie eine Puppe in der Hand und behandelte diese wie einen echten Menschen? Was stimmte mit der nicht?
Wir saßen bestimmt zehn Minuten nebeneinander, ohne dass einer von uns etwas sagte. Dann erinnerte ich mich, es musste die Frau sein, über die sich meine Mitpatienten immer lustig gemacht hatten. Es war die Frau, die immer einen Kinderwagen mit einer Puppe über das Klinikgelände schob und dabei sang und manchmal auch tanzte.
Sie wurde immer als krank und verrückt, manchmal sogar als Psychopathin beschimpft oder beleidigt. Ich bekam ein echt mulmiges Gefühl im Bauch und wollte gerade aufstehen, da legte die Frau die Puppe in eine mitgebrachte Decke auf den Boden. Es war eine rosa Decke, so eine wie wir früher alle als Baby gehabt hatten. Diese Decke hatte schon Löcher und war ganz verwaschen, aber so liebevoll und vorsichtig wie die Frau diese Puppe darin einwickelte merkte ich, wie wichtig die Puppe und Decke für sie sein mussten. Nachdem sie die Puppe versorgt hatte drehte sie sich zu mir und hielt sich den Zeigefinger vor den Mund. »Mein Baby schläft jetzt«, flüsterte sie in meine Richtung. »Endlich habe ich jetzt Zeit für mich«, fügte sie hinzu. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte und guckte sie mit großen Augen an. »Wenn du mich jetzt hier in dem Moment so siehst und erlebst, was denkst du dann über mich?«, fragte sie mich und guckte zu Boden, wo die Puppe lag.
Ich hatte keine Antwort parat und fing an zu stottern: »Was soll ich denken? Ich kenne Sie doch nicht.« Sie guckte mich an und sprach mit einer gewissen Traurigkeit in der Stimme: »Deine Augen sagen es mir, du denkst ich bin verrückt, das war dein erster Gedanke von mir; ohne zu wissen wer oder was ich bin, richtig?« Ich nickte und sah beschämt zu Boden. »Manchmal trübt der Schein«, fügte sie noch hinzu und ich bekam ein schlechtes Gewissen. Erst als sie sagte: »Ich kenne dich«, wurde ich wieder hellhörig. Ich wurde nervös und fragte mich woher sie mich überhaupt kennen konnte? »Du bist doch in der Klink und gehst sehr oft hier über das Gelände zum Sport oder Laufen.« Ich nickte erneut und musste zugeben, dass mir das Gespräch echt unangenehm wurde. Als ich wieder aufstehen wollte hielt mich die Frau am Arm und fragte mich: »Wovor rennst du weg?«, und zog mich wieder zu sich auf die Bank. »Wie, wovor laufe ich weg? Wer sagt denn, dass ich weglaufe?«, erwiderte ich ihre Beschuldigung.
Die Frau überlegte kurz und fuhr fort: »Du bist in einer Klinik, rennst so spät am Abend alleine auf dem Gelände rum und weichst Fragen aus. Also, warum läufst du weg, und vor was?« »Ich laufe nicht weg, vor gar nichts!«, antwortet ich genervt. »Ich habe halt große Probleme die mich beschäftigen und ich weiß nicht mehr, was ich machen soll. All diese Probleme lassen mich nicht schlafen und ich muss die ganze Zeit nachdenken. Ich bin sehr unruhig, zurückgezogen und gereizt, was mich dazu noch sehr traurig macht«, erklärte ich ihr.
»Aha«, seufzte die Frau und sagte: »Wenn ich dich so sehe, dann sehe ich einen jungen, sympathischen und starken Mann. Du gehörst doch gar nicht in so eine Einrichtung, du gehörst zu einer jungen Frau und einer kleinen Familie, einem guten Job und einem schönen Haus. Du gehörst in ein sicheres Umfeld.« Ich überlegte kurz und lachte laut, haute mir provokant auf meinen Oberschenkel. »Ich bin Dreck und Abschaum, du hast Recht, ich gehöre nicht hier hin, ich gehöre eigentlich da hin!«, sagte ich und zeigte mit dem Finger auf den Friedhof vor uns. Die Frau guckte zu dem Friedhof und ich fuhr weiter aus der Haut. »Ich hatte alles, wirklich alles, aber ich habe es nicht verdient, glücklich zu sein. Alles, was ich mir aufbaue, reiße ich immer mit dem Vorschlaghammer wieder ein.« Die Frau wurde neugieriger und bohrte nach: »Dann erzähl mir doch deine Geschichte, vielleicht verstehe ich dann deine Ausflüchte.«
Ich kannte die Frau erst ein paar Augenblicke, warum sollte ich ihr meine Geschichte erzählen? Eine Frau, die mitten in der Nacht mit einer Puppe am Friedhof saß, das kam mir alles sehr skurril vor. Es reichte der Frau aber nicht und sie redete weiter: »Wir machen einen Deal: Du erzählst mir deine Geschichte und ich dir meine. Vielleicht tut uns das beiden ja gut und wir können später wieder besser schlafen.«
Ich überflog kurz ihr Angebot und konnte sowieso nicht schlafen, da ich sehr verzweifelt war und endlich mal den Druck loswerden wollte, der immer in bestimmten Momenten auf mir lag, deswege fing ich einfach an zu reden.
Ich erzählte ihr, dass ich an diesem Abend auf dem Weg zu den Bahnschienen gewesen war, ich saß öfters da um den Zügen nachzuschauen.
Oft dachte ich mir dabei, wenn ich die Züge über die Schienen rollen hörte, wie einfach wäre es, jetzt aus dem Leben zu gehen. Es wäre nur ein kleiner Schritt nach vorne und alle Probleme, die ich hatte, wären in Luft aufgelöst und niemand hätte mehr wegen mir Ärger.
Die Frau sah zu mir und blickte mir in die Augen, sie nahm meine Hand und murmelte vor sich hin: »Was ist bloß mit dir passiert, erzähl es mir und lass deinen tiefen Schmerz los.«
Wir saßen auf der Bank und ich blickte über den Friedhof, der Nebel war schon etwas höher über dem Boden aufgestiegen und man sah nur noch die oberen Wölbungen der Grabsteine. Ich überlegte, wo ich anfangen sollte zu erzählen, und dachte vor mich hin. Ich guckte nach oben, vereinzelt sah man die Sterne durch den bewölkten und leicht vernebelten Himmel.
Ich erzählte ihr dass ich immer ganz nach oben wollte, schon als kleiner Junge sah ich immer zu den Leuten auf, die Geld hatten. Ich wusste nicht warum, aber ich zog diese Leute immer magisch an in meinem Leben. Die Eltern meiner Jugendfreunde hatten alle sehr gute Jobs und verdienten viel Geld. Sie hatten immer die besten Klamotten, Spielzeuge und Fahrräder. Dagegen hatte ich immer die alten Sachen meiner Schwestern oder ein klappriges altes Hollandfahrrad, während meine Freunde mit einem Mountainbike durch die Gegend fuhren.
Das zog sich durch meine ganze Kindheit, die anderen Jungs hatten immer bessere Sachen als ich von zu Hause ihren Eltern bekommen. Egal in welche Situation wir kamen, ich hatte immer das Gefühl, nicht so viel wert zu sein wie die anderen. Meine Freunde ließen sich das aber nie anmerken und akzeptierten mich so, wie ich war.
Wenn es um Freizeitfahrten oder ähnliches ging, was Geld gekostet hätte, wurde ich einfach nicht mehr gefragt, was mir jedes Mal aufs Neue sehr wehtat. Ich war auch nie richtig im Urlaub wie die anderen, als wir Kleinkinder waren sind unsere Eltern mit uns ab und zu mal nach Holland in ein kleines Ferienhaus von meinem Onkel gefahren. Es hatte uns immer sehr gut gefallen, weil wir auch nichts anderes gekannt haben. Meine Freunde sind immer in bekannte und schöne Urlaubsländer geflogen, sie erzählten mir danach spannende Geschichten und zeigten mir Fotos von schönen Stränden und blauen Meeren. Oft schickten sie mir auch Postkarten mit schönen Motiven, wenn ich mal wieder die Sommerferien zu Hause verbringen musste.
Die Frau auf der Bank unterbrach mich und fragte, »Und deine Eltern? Was haben die gemacht? Wie waren die?«
Ich dachte an meinen Vater, er war Industrieschreiner und war wirklich viel am Arbeiten. Er hatte immer den Traum vom eigenen Haus und arbeitete hart darauf hin. Er war ein sehr geselliger Mensch, der auch gerne mal die Familie bei sich hatte. Er engagierte sich auch im örtlichen Tennisverein und brachte mir das Tennisspielen bei.
Oft sind wir zusammen auf den Platz gegangen um ein paar Bälle zu spielen und er unterstützte mich bei allen Vorhaben, die wir uns leisten konnten.
Meine Mutter war Hauswirtschafterin und ebenfalls den ganzen Tag am arbeiten. Oft musste sie auch dreimal am Tag zur Arbeit, da sie in einer Großküche in einem Kloster gearbeitet hat. Beide verdienten nicht so viel Geld, aber sie probierten immer, dass meine Schwestern und ich gut versorgt waren.
»Du hast also Geschwister?«, fragte sie.
»Ja ich habe zwei ältere Schwestern, beide sind glücklich in Partnerschaften.
Haben ihr eigenes Haus und bekamen schon mehrere Kinder. Auch beruflich sind die beiden sehr erfolgreich und bekommen Familie und Beruf sehr gut unter einen Hut.«
»Das klingt für mich doch wie eine ganz normale Familie die du hast, also warum bist du hier in der Klinik gelandet? Und warum bist du so unglücklich?«, fragte sie erneut und wurde immer neugieriger.
Es fing alles an als ich 17 Jahre alt wurde, ich lernte einen Libanesen in meinem kleinen Heimatort kennen. Er übernahm die kleine und einzige Pizzeria bei uns im Ort und zog deshalb mit seiner Frau zusammen in unsere Gegend.
Am Wochenende half ich ihm oft in der Pizzeria aus und machte Telefondienst oder faltete die Kartons zum Transport der italienischen Spezialitäten. Langsam wurde ich immer besser in meinem Job und lernte immer mehr dazu, später machte ich fast alles in dem Laden.
Wir lernte uns immer besser kennen und schätzen und ich nahm ihn mit zum Training bei unserem Fußballverein. Wir unternahmen viele Dinge zusammen, aber am meisten verband uns der Fußball. Der Fußball war schon immer meine große Leidenschaft, als kleines Kind habe ich bei den Bambinis angefangen und bin fast jede Jugend durchlaufen. Als es noch keine Handys gab wusste jeder von uns, dass nach der Schule und den Hausaufgaben alle auf dem Bolzplatz waren. Man musste nicht Tausende Nachrichten schreiben oder hundertmal anrufen wie heute, man ging einfach dorthin und irgendeiner war immer da. Wir spielten immer bis es dunkel wurde und gingen nach Hause, als die Straßenlaternen angingen. Der Ball hat schon immer zu meinem Leben gehört, egal ob auf oder neben dem Platz.
„Okay, auch das klingt für mich jetzt nicht besonders. Jeder Junge liebt doch Fußball und ist Fan von irgendeinem Team«, warf die Frau ein. Ich fing an zu grinsen und sagte: »Ja, aber da fing bei mir das Problem erst an:«
Da wir große Fußballfans waren guckten wir immer zusammen Bundesliga, damals lief es noch auf einem anderen Sender.
Wir sind dafür immer mit ein paar Freunden in den nächsten größeren Ort gefahren, um dieses Ereignis auf der Großleinwand zu sehen. Eines Tages nahm mich mein Bekannter von der Pizzeria mit zu einem Lottoladen, eigentlich wollten wir wieder zum Fußball, aber er machte einen Stopp bei eben diesem kleinen Laden der auf dem Weg lag. Verwundert fragte ich ihn, wo er denn hin wolle und er erzählte mir, dass er gerne einen Tipp machen wollte.
»Einen Tipp?«, fragte ich.
»Ja, du kannst hier tippen wie die Bundesliga ausgeht und ein paar Euros drauf setzen. Wenn du Glück hast gewinnst du dann eine gewisse Summe«, erklärte er mir. Ich wurde neugierig und dachte darüber nach, eigentlich hatte ich ja Ahnung vom Fußball und die großen Mannschaften gewannen fast immer.
Das wäre doch echt leicht verdientes Geld für mich, und ich könnte mir ja dann eventuell auch mal was leisten.
Also beteiligte ich mich mit ein paar Euro an dem Tipp meines Bekannten, diese paar Euro hatte ich mir gestern bei einer langen Schicht in der Pizzeria verdient. Da ich noch nicht volljährig war und nicht in dem Lottoladen spielen durfte, holte mein Bekannter die Übersicht der Spiele raus ins Auto. Wir setzen uns hin und guckten uns die Partien an, gemeinsam überlegten wir uns, wie diese ausgehen könnten und kreuzten das Team an, das unserer Meinung nach das Spiel gewinnt. Wir setzten auf Mannschaften wie Bayern München, Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach, da diese für uns zu stark für ihre Gegner waren.
Nachdem wir damit fertig geworden sind, brachte mein Kumpel den Schein in den Lottoladen, wo dieser in den Computer eingescannt wurde. Nachdem mein Kumpel zurück im Auto war, fuhren wir gemeinsam zu unserer Stammkneipe, um die Begegnungen live und auf Großleinwand zu verfolgen. Den Beleg mit den getippten Begegnungen legten wir vor uns auf den Tisch, um sofort richtige Ergebnisse mit dem Kugelschreiber zu umkreisen und falsche zu streichen. Als wir so in der Kneipe saßen merkten wir, wie ein Mann uns beobachtete. Der Mann war schon ein wenig älter und sah mitgenommen aus, seine Stimme hörte sich sehr verraucht an. Er fragte uns, was wir denn heute getippt hätten und wir zeigten ihm unseren Schein.
Er guckte sich den an und lächelte: »Das ist ja fast unmöglich.«, sagte er und gab uns den wieder. Das Problem bei Lotto Toto sei, man könne da nur auf Sieg, Niederlage oder Unentschieden tippen, die Chance wirklich was zu gewinnen sei sehr gering und lohnte sich fast gar nicht. Bei ihm in der Spielhalle stehe ein Automat von einem Online-Wettanbieter und dort hätten wir viel größere Chancen, etwas zu gewinnen. Man könnte da alles tippen, was man möchte, wie viele Tore fallen im Spiel, wer hat Anstoß, wie viele Ecken gibt es oder schießen beide Mannschaften mindesten ein Tor. Das wäre nur eine kleine Aufzählung von den Möglichkeiten die man hätte, sagte uns der ältere Mann.
Wenn wir Lust hätten, dann würde er uns nach dem Spiel mal den Automaten
