Sprache als Waffe - Der Sprachjongleur - Danica Lucia Jaspers - E-Book

Sprache als Waffe - Der Sprachjongleur E-Book

Danica Lucia Jaspers

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Beschreibung

Über die Missverständnisse der Hochbegabung Eine autobiografische Abrechnung mit dem pädagogischen Mittelmaß Dieses Buch versammelt zwei kurze literarisch verdichtete, satirisch zugespitzte Texte, samt deren Analyse. Beide erzählen von einem Kind, hochsensibel, hochbegabt und sprachlich weit voraus, das in Bildungseinrichtungen gerät, die weder seine Denkweise noch seine Bedürfnisse begreifen. Es sind Orte der gepflegten Verkennung, der institutionellen Selbstgewissheit und des pädagogischen Dogmas und es sind Orte, an denen Intelligenz, Klarheit und analytisches Bewusstsein nicht gefördert, sondern systematisch abgewertet werden.

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Seitenzahl: 84

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Ein sprachgewaltiges, wildes, hochintelligentes, aufwühlendes Buch. Nicht nur eine Erzählung, sondern eine Demonstration von Hochbegabung.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung - Zwischen Bauernhof und Bastelblock

Kapitel 1 - Der pädagogische Bauernhof

Kapitel 2 - Reflexion und Analyse zum Bauernhof

Kapitel 3 - Die Klötzchenanstalt des intellektuellen Komplettabsturzes

Kapitel 4 - Reflexion und Analyse zur Klötzchenanstalt

Kapitel 5 - Underachievment und Zynismus

Kapitel 6 - Die Metakognition

Kapitel 7 - Die Missverständnisse kompakt

Kapitel 8 - Der Dunning Kruger Effekt

Nachwort

Vorwort

Hochbegabung im Spiegel einer missverstandenen Welt

Dieses Buch ist weder eine Anleitung zur Hochbegabung, noch eine wohltemperierte Fallstudie oder pädagogische Empfehlung. Es ist ein Wutanfall in Sätzen.

Ein schonungsloser, teils brachialer Blick auf das, was geschieht, wenn außergewöhnliche Intelligenz auf ein Umfeld trifft, das sie nicht nur nicht versteht, sondern aktiv missdeutet und bekämpft.

Es ist die Geschichte einer Hochbegabung, die zur Zumutung wird – für das Kind, das sie trägt, und für eine Welt, die sie nicht einordnen kann.

Was Sie hier lesen, ist die subjektive Innensicht einer Überforderung, die entsteht, wenn Unterforderung chronisch wird.

Ich lade Sie ein, diesen Einblick zu wagen. Begleiten Sie mich auf eine Reise durch einen „pädagogischen Bauernhof“ und eine „Klötzchenanstalt“, in denen Inkompetenz mit maximalem Selbstbewusstsein regiert und Nichtverstehen zum Prinzip erhoben wird.

Ich schreibe dieses Buch, weil ich nicht länger schweigen will.

Ich will nicht mehr zusehen, wie hochbegabte Kinder in einem System zerrieben werden, das ihre Einzigartigkeit nicht erkennt oder gezielt unterdrückt.

Ich schreibe, um all jenen eine Stimme zu geben, deren intellektuelle Klarheit zur Verzweiflung wird, weil niemand sie teilt und ich schreibe, um auf die Gefahr hinzuweisen, ein Kind in Not zu übersehen nur weil es „zu still“, „zu schwierig“ oder „zu anders“ ist.

Ich bin hochbegabt. Mein sprachliches Verständnis liegt im Deckeneffekt, jenseits des Messbaren. Doch statt gefördert zu werden, wurde ich gebremst, missverstanden und pathologisiert – in der Schule, im Alltag, überall.

Heute bin ich Mutter. Meine Tochter, ebenfalls hochbegabt , wurde früh als „auffällig“ abgestempelt: zu intensiv, zu kompliziert, also verdächtig. Bei meinem Sohn ist es anders. Auch er ist hochbegabt, doch er fällt nicht auf. Er passt sich an, funktioniert, bleibt unsichtbar.

Zwei Kinder, ein Erwachsener, drei Schicksale – alle fast gescheitert an einem System, das nicht sieht, was nicht ins Raster passt.

Dieses Buch ist mein Versuch, sichtbar zu machen, was ständig übersehen wird. Es ist unbequem, direkt, ungeschönt und das soll es auch sein. Denn wer nur die Oberfläche pflegt, wird nie begreifen, was darunter leidet.

Die Texte sind pointiert, polemisch, bisweilen brutal ehrlich, weil kein anderer Ton mehr durchdringt, aber sie sind nie persönlich verletzend gemeint.

Alle Personen, Einrichtungen und Zitate sind stark überzeichnet oder frei erfunden. Die Texte sind satirische Literatur, sie dienen der Verarbeitung persönlicher Erfahrungen, nicht der Abwertung realer Personen.

Sprache als Waffe richtet sich nicht gegen Einzelne, sondern gegen ein Klima, in dem wohlklingende Floskeln über fachliche Substanz gestellt werden und kritisches Denken allzu schnell als Problem gilt.

Möge dieses Buch ein Spiegel sein für jene, die sich in ihrer vermeintlichen Kompetenz irren und ein Kompass für Eltern und Pädagogen, die wirklich hinsehen. Für Menschen, die außergewöhnliche Kinder nicht nur tolerieren, sondern begleiten und fördern wollen.

Ob Sie dieses Buch als Satire lesen, als Essay, stille Anklage oder lautes Gelächter – das bleibt Ihnen überlassen.

Wichtig:

Ich verurteile nicht pauschal Lehrer und Pädagogen. Es gibt sie, die Guten. Die, die wirklich hinsehen. Die offen sind für Vielfalt und außerhalb ihres Systems denken können. Die das Potenzial in jedem Kind erkennen, statt es in Raster zu pressen.

Dieses Buch ist kurz gefasst, für alle, die eine ähnliche Aufmerksamkeitsspanne für Literatur haben wie ich - nämlich gar keine. Dafür ist es umso präziser.

Zwischen Bauernhof und Bastelblock – Eine autobiografische Abrechnung mit dem pädagogischen Mittelmaß

Dieses Buch versammelt zwei kurze literarisch verdichtete, satirisch zugespitzte Texte: „Der Pädagogische Bauernhof“ und „Die Klötzchenanstalt des intellektuellen Komplettabsturzes“. Beide erzählen von einem Kind, hochsensibel, hochbegabt und sprachlich weit voraus, das in Bildungseinrichtungen gerät, die weder seine Denkweise noch seine Bedürfnisse begreifen. Es sind Orte der gepflegten Verkennung, der institutionellen Selbstgewissheit und des pädagogischen Dogmas und es sind Orte, an denen Intelligenz, Klarheit und analytisches Bewusstsein nicht gefördert, sondern systematisch abgewertet werden.

In „Der Pädagogische Bauernhof“ erzähle ich aus der Perspektive einer hochbegabten Mutter hochbegabter Kinder. Die Kita, in die ich meine Kinder gebe, ist keine alternative Einrichtung im eigentlichen Sinne. Die Szenerie ist satirisch überhöht; als groteske Bauernhofidylle. Die Geschichte entlarvt auf bissige Weise das institutionelle Versagen im frühkindlichen Bereich und zeigt, wie schnell ein Kind, das aus dem Rahmen fällt, pathologisiert wird, aus dem Bedürfnis heraus, eine fremde Andersartigkeit vorschnell zu fassen, um das eigene pädagogische Weltbild zu retten. Denn wer im Unverständnis Recht behalten will, braucht keine Erkenntnis, nur eine Diagnose.

„Die Klötzchenanstalt“ führt diesen Missstand in der Schulzeit fort, allerdings aus meiner Erfahrung als Kind. Der Text seziert erbarmungslos und sprachlich brillant das Erleben eines hochbegabten Mädchens an einer Institution, die sich als ganzheitlich versteht, aber letztlich an ihrer eigenen Weltanschauung scheitert. Was als kreative Freiheit verkauft wird, entpuppt sich, aus meiner Sicht, als dogmatischer Käfig für jedes Kind, das fragt, zweifelt oder vorausdenkt.

Ich erzähle aus kindlicher Perspektive aber mit der rationalen Schärfe eines Erwachsenen. Ich schreibe mit sprachlicher Präzision, satirischer Intelligenz und tiefem emotionalem Ernst. Mein Stil ist durchdrungen von einem Schmerz, der in sprachlicher Wucht sublimiert und beschreibe damit nicht nur persönliche Ohnmacht, sondern decke, das an sich, systemische Versagen auf.

Ich setze mich nicht nur erzählerisch, sondern auch analytisch mit den Strukturen, Missverständnissen und Widersprüchen auseinander, die hochbegabte Kinder im Bildungssystem erleben. Ich dokumentiere auf sprachlich pointierte Weise reale Erfahrungen mit intellektueller Unterforderung, pädagogischer Ratlosigkeit und systemischem Unverständnis.

Ich bewerte und reflektiere meine Texte dabei nicht nur als Betroffene, sondern auch mit dem distanzierten Blick einer erwachsenen Beobachterin.

Außerdem analysiere ich, welche Muster sich in ihren Erfahrungen wiederholen, was sie über das System aussagen und wie sich aus individuellen Erlebnissen strukturelle Fragen ableiten lassen.

Ein besonderer Schwerpunkt des Werks liegt auf dem Denken und Fühlen hochbegabter Menschen. In einer ausführlichen theoretischen Abhandlung beleuchte ich außerdem das Phänomen der Metakognition, die Fähigkeit, das eigene Denken zu beobachten, zu analysieren und daraus Schlüsse zu ziehen. Hochbegabte verfügen häufig über ein ausgeprägtes metakognitives Bewusstsein, das ihnen erlaubt, komplexe Zusammenhänge früh zu erfassen, Widersprüche zu erkennen und gesellschaftliche Narrative kritisch zu hinterfragen.

Doch gerade diese Fähigkeit kann im schulischen Kontext zur Hürde werden, wenn sie von pädagogischen Bezugspersonen nicht erkannt oder gar als Störung missverstanden wird. In diesem Zusammenhang erkläre ich auch den sogenannten Dunning-Kruger-Effekt; ein kognitives Phänomen, das beschreibt, wie Menschen mit geringer Kompetenz ihre Fähigkeiten häufig überschätzen, während kompetente Personen, wie viele Hochbegabte, zu kritischer Selbsteinschätzung und Selbstzweifeln neigen. Das führt nicht selten zu paradoxer Rollenverteilung; Die reflektiert Denkenden gelten als problematisch, die reflexiv Unfähigen bestimmen die Deutungshoheit.

Dieses Werk ist ein Plädoyer für ein differenzierteres Verständnis von Intelligenz, Selbstwahrnehmung und gesellschaftlicher Anpassung. Es verbindet persönliche Erfahrung mit analytischer Tiefe und Sprache mit Wucht und Klarheit. 10

Kapitel 1

Mit Kompetenz am Krähen - tierisch gut betreut

Der pädagogische Bauernhof

Alle Figuren sind Karikaturen. Wer hier die Tiere sprechen hört, darf auch getrost auf Menschen schließen. Die Kuh steht für Dogma, der Esel für resignierte Mittelmäßigkeit und die Ziege für pädagogische Dominanz im Tarnmantel von Wohlwollen.

Es war früh am morgen als wir bereits wieder abgehetzt und zu spät vor dem Scheunentor standen um Eintritt in den hoch pathologischen (Verzeihung, Schreibfehler. Ich meinte natürlich..) pädagogischen Landwirtschaftsbetrieb zu erbitten. Die Tür knarrte, öffnete sich langsam und der Geruch von Dung vernebelte uns die Gehirne. Da stand sie vor uns, die bovide Matriarchin der Agrarlandschaft höchst persönlich und starrte uns mit einem grossen, wiederkäuenden Lächeln an. Ihre Spezialität: Die vollständige Fehleinschätzung von Situationen bei maximalem Selbstbewusstsein. Etwas erbost war ich in jenem Moment allerdings, dass etwas angedautes Gras auf meine neue Hose tropfte, denn diese fiesen grünen Flecken gehen immer so schlecht raus, verzieh es aber doch recht schnell wieder, da mir durchaus bewusst war, wie existentiell wichtig dauerhaftes Resorbieren für Weidetiere nunmal ist. Iris, die enthornte Kuh, muhte kläglich irgendwas von:

“Schon wieder zu spät, wir kommen unserer pathologischen (hmm.. schon wieder dieser peinliche Schreibfehler) pädagogischen Arbeit nicht nach, wenn wir ständig, wiederholend die Tür öffnen müssen. Das nächste Mal bitte pünktlich, aber das schaffen Sie ja nicht.“

Ein erneutes, süffisantes Grinsen mit ebenfalls erneutem Abfall grüner Weichkaumasse auf meine Hose untermalte ihre kognitive Überlegenheit gegenüber uns in vollen Zügen, was sie auch sichtlich zufrieden stimmte und daraufhin noch einen ordentlichen Fladen in meine Richtung absetzte um das gesagte nochmal zu verdeutlichen. Ja, den Dummen muss man schon mehrfach Dinge zu verstehen geben, das wurde mir dann auch klar und war schon fast ein bisschen dankbar dafür.

Nicolas und Finja, zwei Kinder mit beachtlicher Beobachtungsgabe und entwaffnender Logik, folgten gehorsam und platzierten sich in ihre einst zugeteilten Gehege. Nicolas hatte offensichtlich etwas mehr Glück als seine bedauernswerte Schwester, denn der Hahn, welcher diese Herde jeden Morgen zum Stuhlkreis zusammen krähte, war in seiner Lautstärke durchaus reduzierter als das weitere Vieh, was sich dort herum trieb. Stuhlkreis ist auch so eine Wortwahl bei der mir sich jedesmal die Assoziation zwischen Pädagogik und Verdauungspflicht aufdrängt. In Finjas Gehege war die bovide Pädagogin persönlich zugegen, unterstützt von einer langohrigen Eselstute mit verfilztem Fell und einem erstaunlichen Pferdegebiss. Der Stammbaum war ziemlich sicher kein Kreis, soviel war schon mal klar und stimmte mich unterschwellig ein bisschen glücklich. Wenigstens etwas..

Iris, das Rindvieh, hatte sich ihrerzeit mit Prinzipienreiterei und Beharrlichkeit zur Königin des Kuhstalls hoch argumentiert. Ein Titel, den sie sich zwar selbst verliehen hatte, den jedoch niemand anzweifelte, denn zu groß und zu ermüdend war die Anstrengung ihr zu widersprechen.