Spurensuche auf der Berghütte - Friederike von Buchner - E-Book

Spurensuche auf der Berghütte E-Book

Friederike von Buchner

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Beschreibung

Diese Bergroman-Serie stillt die Sehnsucht des modernen Stadtbewohners nach einer Welt voller Liebe und Gefühle, nach Heimat und natürlichem Leben in einer verzaubernden Gebirgswelt. Auf sehr spezielle, romantische Weise findet Toni, der Hüttenwirt seine große Liebe in einer bezaubernden Frau, die aus einer völlig anderen Umgebung stammt als der markante Mann der Berge. Sie lernt durch ihn Schönheit und Idylle seiner Heimat kennen und lieben. Gemeinsam eröffnen die beiden allen Besuchern die Werte und Besonderheiten ihres Lebens auf der Alm. Romantik, Beschaulichkeit, dramatische Spannung und feinsinnige Gespräche: Das ist die Welt von Toni, dem Hüttenwirt, der sich niemand entziehen kann. Die Dämmerung hatte schon eingesetzt, als Tanja sich auf der Ziegenalm von Wendy und Henk verabschiedete. »Jetzt sind wir mit der neuen Kollektion ein ganzes Stück weiter«, sagte Wendy. »Danke für die Ideen!« »He, wir sind Freundinnen, nicht nur Geschäftspartnerinnen. Außerdem sind wir so etwas wie halbe Stiefschwestern, seit Ole meine Mutter geheiratet hat, auch wenn Ole nicht dein leiblicher Vater ist, sondern Toni. Aber egal, liebes Stiefschwesterchen!«, lachte Tanja. Dann verabschiedete sich Tanja von Alois und Adele. Sie saßen vor der Almhütte auf der Bank. »Ich hoffe, du kommst noch einmal vorbei, bevor du wieder nach München fährst«, sagte Henk, der daneben stand. »Sonst bricht hier die Hölle los. Du hast es den Kindern versprochen.« Tanja schmunzelte und sagte: »Und was man versprochen hat, muss man halten. Ich bin bestimmt einige Tage bei Simon, Eva und Ronja. Ich komme noch einmal bei euch vorbei.« Sie umarmte alle, dann schlug sie den Weg zur Kuhalm ein. Dort hatte sie ihr Auto geparkt. Auf der Bank vor der Almhütte der Kuhalm saß Ronja.

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Seitenzahl: 130

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Toni der Hüttenwirt Extra – 87 –Spurensuche auf der Berghütte

Unveröffentlichter Roman

Friederike von Buchner

Die Dämmerung hatte schon eingesetzt, als Tanja sich auf der Ziegenalm von Wendy und Henk verabschiedete.

»Jetzt sind wir mit der neuen Kollektion ein ganzes Stück weiter«, sagte Wendy. »Danke für die Ideen!«

»He, wir sind Freundinnen, nicht nur Geschäftspartnerinnen. Außerdem sind wir so etwas wie halbe Stiefschwestern, seit Ole meine Mutter geheiratet hat, auch wenn Ole nicht dein leiblicher Vater ist, sondern Toni. Aber egal, liebes Stiefschwesterchen!«, lachte Tanja.

Dann verabschiedete sich Tanja von Alois und Adele. Sie saßen vor der Almhütte auf der Bank.

»Ich hoffe, du kommst noch einmal vorbei, bevor du wieder nach München fährst«, sagte Henk, der daneben stand. »Sonst bricht hier die Hölle los. Du hast es den Kindern versprochen.«

Tanja schmunzelte und sagte: »Und was man versprochen hat, muss man halten. Ich bin bestimmt einige Tage bei Simon, Eva und Ronja. Ich komme noch einmal bei euch vorbei.« Sie umarmte alle, dann schlug sie den Weg zur Kuhalm ein. Dort hatte sie ihr Auto geparkt.

Auf der Bank vor der Almhütte der Kuhalm saß Ronja.

Tanja erkannte sie von weitem. Ihre roten Locken waren unverkennbar. Tanja ging schneller.

»Ja mei, grüß dich, Ronja, das ist eine Überraschung! Sicher wolltest du mich bei Wendy abholen. Warum wartest du hier? Hast du Streit mit Wendy?«

Ronja sah Tanja erstaunt an. »Ich wusste überhaupt nicht, dass du in Waldkogel bist.«

»Ich habe bei euch angerufen und gesagt, ich käme später am Abend. Eva meinte, dann wärst du bestimmt wieder von deiner Wanderung zurück. Deshalb dachte ich eben, du hättest mich abholen wollen.«

Ronja zögerte mit der Antwort, dann murmelte sie: »Ich wusste nicht, dass du zu Besuch kommst. Das heißt, Eva hatte angedeutet, dass du irgendwann kommen würdest, um mit ihr ihren Kleiderschrank auszusortieren. Doch ich wusste nicht, dass du heute kommst.«

Tanja stellte ihre Umhängetasche auf die Bank. Dann stellte sie sich vor Ronja und breitete die Arme aus. »Aber zuerst mal eine richtige Begrüßung!«

Ronja lächelte verlegen. Sie stand auf und sie nahmen sich fest in die Arme. Dabei klammerte sich Ronja fest an ihre Cousine.

»Ronja, ich spüre, dass mit dir etwas nicht stimmt. Was ist los? Du bist irgendwie anders«, sagte Tanja.

Ronja antwortete nicht. Sie setzte sich wieder und starrte schweigend eine Weile vor sich hin. Als sie endlich Tanja ansah, hatte sie feuchte Augen.

Tanja setzte sich neben Ronja und nahm sie in den Arm.

Das war zu viel für Ronja. Sie legte den Kopf an Tanjas Schultern und ließ den Tränen freien Lauf. Ronja schluchzte herzzerreißend. Tanja redete ihr gut zu und bat sie mehrmals, ihr alles zu sagen. Aber Ronja weinte und weinte.

»So geht das nicht weiter«, sagte Tanja schließlich. Sie ließ Ronja los und stand auf, dann holte sie den Schlüssel zur Eingangstür aus dem Blumentopf. Sie schloss auf und machte die Petroleumleuchte an.

Sie nahm Ronja bei der Hand und zog sie in die Wohnküche. Dort drückte sie Ronja auf das Sofa und legte ihr eine Decke um. Aus Erfahrung wusste sie, dass eine warme Kuscheldecke immer tröstete.

»Ich setze jetzt Teewasser«, sagte Tanja entschlossen, sie hatte den Küchenofen angefeuert. »Und dann will ich alles wissen. Hörst du?«

Es dauerte eine kleine Weile, dann war der Tee fertig. Tanja setzte sich Ronja gegenüber in einen Sessel. Sie schenkte ein. »Nimmst du Honig?«

»Ja, ich bediene mich schon«, antwortete Ronja. Sie gab einen großen Löffel Honig in den Becher und rührte um. Dann trank sie einen Schluck. Mit dem Handrücken wischte sie sich die Tränen aus dem Gesicht.

Tanja gab ihr ein Taschentuch. »Ronja, du scheinst sehr unglücklich zu sein. Oft hilft es, wenn man darüber spricht.«

»Du kannst mir auch nicht helfen«, jammerte Ronja.

»Das kannst du nicht wissen«, widersprach Tanja. »Ob ich dir helfen kann oder nicht, wissen wir beide erst, nachdem du mir dein Herz ausgeschüttet hast.«

Ronja antwortete nicht. Sie umklammerte den Teebecher mit beiden Händen. »Ich … ich … ich habe von etwas geträumt – und das geht nicht in Erfüllung«, stammelte Ronja. »Dabei lief alles so gut. Ich war tausendprozentig glücklich. Dann machte es Krach und ich stürzte ab. Davon erholt man sich nicht so schnell, Tanja. Lieb, dass du fragst, aber ich muss da alleine durch. Ich bin nur so maßlos enttäuscht. Es tut weh, unendlich weh. Ich gehe im Augenblick fast jedem aus dem Weg und bin froh, wenn ich nicht angesprochen werde. Ich komme mir so blöd vor, so unsäglich dumm. Ich hätte es wissen müssen, mindestens ahnen. Die Welt des Reitsports ist eine Welt für sich, mit all den schicken, reichen Leuten. Da passe ich nicht hinein. Die Madln, die als Zuschauerinnen zu den Turnieren kommen und die Madln, die Turniere reiten, die sind eine Klasse für sich. Da komme ich nicht mit, ich – die kleine, bedeutungslose Ronja.«

Tanja stellte ihren Becher ab und schüttelte den Kopf. »Sag mal, spinnst du jetzt? Was soll das blöde Geschwafel? Bist du noch ganz bei Sinnen?«

Ronjas Kampfgeist erwachte, sie konterte laut: »Tanja, das ist kein blödes Geschwafel! Wie kannst du das behaupten? Du weißt doch nicht, um was es geht!«

»Stimmt, doch dafür kann ich nichts. Was soll ich denn dazu sagen, wenn du mich nicht aufklärst«, antwortete Tanja.

Ronja liefen wieder die Tränen über die Wangen. »Schimpf nicht mit mir. Ich bin so unglücklich. Wie unglücklich ich bin, kannst du dir nicht vorstellen«, schluchzte sie.

»Mei, Ronja, Heulen hilft auch nicht. Sag mir endlich, was los ist! Dann kann ich mit dir leiden. Zu zweit leidet und jammert es sich besser.«

»Tanja, hör auf, Witze zu machen! Danach ist mir jetzt bestimmt nicht.«

»Okay ich höre auf. Es war kein Witz. Geteiltes Leid ist halbes Leid und geteilte Freude ist doppelte Freude. Ich bin sicher, du kennst den Spruch.«

»Das ist alles blödes Gerede, Tanja!«

Tanja atmete tief durch. »Ich will dir jetzt mal etwas sagen: Du nervst. Du hörst jetzt mit dem Gejammer auf oder ich gehe«, drohte sie.

Ronja sah sie mit großen, erstaunten Augen an.

»Schau nicht so, Ronja! Ich meine es ernst. Ich bin am Ende meiner Geduld. Entweder du erklärst mir den Grund für deine Nervenkrise oder ich gehe.«

»Das ist Erpressung«, stieß Ronja aus.

»Nein, das ist es nicht. Das ist Notwehr. Glaubst du, das geht spurlos an mir vorbei, dass du so unglücklich bist? Außerdem tut es mir weh, dass du mich nicht ins Vertrauen ziehst, Ronja.«

»Ich vertraue dir, aber es ist so furchtbar, Tanja.«

»Gut, dann raffe dich endlich auf und sage mir, was los ist. Außerdem wird es Zeit. Eva und Simon warten bestimmt schon auf mich. Was ist mit dir?«

»Ich versuche meist, abends möglichst spät heimzukommen. Dann sind Eva und Simon schon im Bett. Wenn nicht, gehe ich sofort in mein Zimmer. Heute war ich zeitiger dran. Da dachte ich, ich warte auf der Kuhalm und gehe erst später runter.«

»Heißt das etwa, du gehst Eva und Simon aus dem Weg? Deshalb riskierst du es sogar auf dem Rückweg in die Dunkelheit zu kommen?«

»Wenn du es genau wissen willst, ja. Es ist besser so.«

»Du gehst ihnen aus dem Weg, weil du nicht angesprochen werden willst. Warum?«

»Weil ich ihnen nichts gesagt habe.«

»Aber du verstehst dich doch gut mit ihnen. Deine Eltern würden alles für dich tun.«

»Das ist es doch, Tanja! Sie würden sich einmischen, weil sie denken, sie müssten etwas tun. Sie würden es auf jeden Fall versuchen.«

»Und das willst du nicht?«

»Genau! Das ist allein meine Sache«, antwortete Ronja trotzig. »Ich bin alt genug, um meine Angelegenheiten selbst zu regeln.«

»Ronja, das sagst du. Mir kommt es eher so vor, als könntest du es nicht.«

»Schmarrn, irgendwie werde ich darüber hinwegkommen. Ich war in der letzten Zeit viel Wandern. Dabei habe ich nachgedacht. Ich überlege, ob ich fortgehe.«

»Nun ja, du hast dein Abitur gemacht. Viele gehen für das Studium in die Stadt. Willst du nach München? Du kannst mit Erika und Ole sprechen. In ihrem Haus ist genug Platz. Ich habe die ganze Dachetage für mich, die teile ich gern mit dir. Für mich allein ist sie ohnehin zu groß. Außerdem bin ich oft auf Geschäftsreise und du hast dann alles für dich allein. Wir machen eine WG auf. Das wird bestimmt schön und lustig.«

»Ich gehe nicht nach München.«

Tanja war sehr überrascht. »Warum? München ist nicht weit. Wenn du Heimweh bekommst, bist du schnell hier in Waldkogel.«

»München ist zu nah. Ich will weit weg! Und Heimweh werde ich ganz sicher nicht bekommen!«

»Ronja, du gehst irgendetwas oder irgendjemand aus dem Weg. Keine Ahnung, was dahintersteckt. Okay, mach was du willst. Ich habe jetzt genug von dem Rätselraten«, stieß Tanja hervor. Sie stand auf.

»Du willst wirklich gehen?«

»Ja, das will ich.«

»Bleib bitte, Tanja«, flehte Ronja, »bitte!«

Ronja sah so unglücklich aus, dass Tanjas Herz schmolz.

Tanjas Handy klingelte. Sie schaute auf das Display. »Das sind deine Eltern. Sicher wollen sie wissen, wann ich komme.«

»Kein Wort über meinen Kummer!«, zischte Ronja.

»Sei unbesorgt!« Tanja nahm das Gespräch an.

Es war so, wie sie vermutet hatte. Eva Meininger hatte sogar schon bei Wendy angerufen und nachgefragt, ob Tanja noch dort sei.

»Ich bin auf der Kuhalm. Ich habe mir überlegt, ich übernachte hier und komme morgen früh zu euch. Wendy hat bestimmt nichts dagegen. Ich habe zufällig Ronja getroffen. Wir machen uns einen schönen Madln-Abend. Wir sehen uns morgen früh. Pfüat di, Eva! Liebe Grüße an Simon«, sagte Tanja und legte auf. »So, Ronja, das wäre geregelt. Jetzt machen wir es uns schön. Ich habe noch zwei Flaschen Prosecco im Auto. Die hole ich jetzt. Kannst du in der Vorratskammer nachsehen, ob es etwas zu knabbern gibt?«

Ronja nickte.

Tanja ging zum Auto, das auf der Wiese stand, die hinter der Almhütte als Parkplatz genutzt wurde.

Ronja hatte nur skandinavisches Knäckebrot gefunden. Aus der Käsekammer holte sie ein Stück Käse.

»Das passt gut«, sagte Tanja. »Der Prosecco war zu warm. Ich habe die Flaschen draußen in den Brunnentrog gestellt. Das Wasser ist schön kalt, du wirst sehen, binnen kurzer Zeit werden die Flaschen gekühlt sein.«

»Ich trinke keinen Prosecco, Tanja.«

»Warum nicht? Auf alles und jedes wird damit angestoßen.«

»Ich habe keinen Grund zu feiern, Tanja. Ich trinke weiter Tee oder Wasser oder höchstens ein Bier. In der Kammer steht ein Kasten Bier.« Ronja seufzte und sagte: »Weißt du, was ungerecht ist? Wenn Burschen Kummer haben, verbringen sie den Abend mit guten Freunden. Sie trinken einen Kasten Bier leer. Am nächsten Tag haben sie einen Brummschädel, aber der Kummer ist überwunden. Das können wir Madln nicht.«

»Jetzt redest du Unsinn, Ronja. Ein Brummschädel macht alles noch schlimmer, egal, für wen. Glaube mir, ich hatte mal schlimmen Liebeskummer. Das ist jetzt aber schon eine Weile her. Meine Münchner Freundinnen gaben eine Fete. Sie haben mich dazu verführt, meinen Kummer in Alkohol zu ertränken. Ich brauchte zwei Tage, um mich zu erholen. Und ich sage dir, es hat gegen meinen Herzschmerz nicht geholfen.«

»Und was hilft?«, fragte Ronja.

»Du weißt, dass ich schon mal, für kürzer oder länger, mit jemand zusammen war. Meistens war ich es, die gegangen ist. Es war immer meine Entscheidung und ich hatte es mir gut überlegt. Trotzdem fiel ich jedes Mal in ein tiefes Loch. Ich sagte mir, dass es eine vernünftige Entscheidung war, die mich vor Schlimmem bewahrt hat. Trotzdem tat es weh. Weißt du, ein Bursche ist nie ganz gut oder ganz schlecht. Ich habe abgewogen und mich getrennt. Ich habe ein Ritual entwickelt, das mir hilft.«

»Wie sieht das aus?«

»Nun, ich koche mir etwas Gutes, trinke einen kleinen Prosecco und feiere mich. Ich sage mir, ich kann stolz sein auf mich, dass ich die Kraft gefunden habe, mich zu lösen. Denn eine gemeinsame Zukunft wäre gewiss voller Konflikte und Streit gewesen. Wenn du willst, kannst du es eine Geburtstagsfeier nennen. Ich feiere die Geburt einer neuen Freiheit. Ich feiere, dass ich älter und reifer geworden bin, und ich freue mich auf zukünftige Begegnungen. Irgendwann finde ich den Richtigen.«

»Tanja, mach den Prosecco auf! Wir können Käse dazu essen. Vielleicht hilft mir dein Ritual.«

»Ah, dann hast du Liebeskummer? Jetzt verstehe ich. Dann ist deine Freundschaft mit Jan zerbrochen?« Tanja holte eine Flasche Prosecco aus dem Brunnentrog. Sie war gut gekühlt.

Während sie die Flasche abtrocknete, sagte Ronja:

»Tanja, das war keine Freundschaft, das war viel mehr. Es war Liebe. Jeder von uns war davon überzeugt, dass wir den Rest unseres Lebens zusammen sein werden. Aber jetzt hat es gekracht. Deshalb will ich auch nicht in München studieren. Nach der Prüfung zum Pferdewirt studiert Jan jetzt Betriebswirtschaft in München. Ich will kein Risiko eingehen, ihm an der Uni zu begegnen.«

»Ob das der Fall sein würde, bezweifele ich. Dazu ist die Universität zu groß«, sagte Tanja. Sie holte zwei Wassergläser und schenkte Prosecco ein. »Es hat zwar keinen Stil, aber darauf kommt es jetzt nicht an«, sagte sie, dann schaute sie Ronja in die Augen und hob das Glas. »Liebe Ronja, trinken wir auf deine neuerrungene Freiheit. Ich wünsche dir viel Glück beim nächsten Burschen!«

Ronja zögerte zu trinken. »An einen anderen Burschen kann ich jetzt nicht denken. Bei Jan war ich mir vollkommen sicher, er wäre treu. Dann erlebte ich das Gegenteil. Wenn er so ist, sind dann nicht alle so?«

Tanja zuckte mit den Schultern, dann lachte sie. »Ronja, würde ich dir zustimmen, würde ich die Hälfte der Menschheit vorverurteilen«, antwortete sie. »Außerdem kann ich viele Paare nennen, deren Ehen glücklich sind. Ich denke an Toni und Anna, Erika und meinen Stiefvater Ole, Wendy und Henk, Sebastian und Sophie, deine Eltern. Außerdem denke ich, dass dein Bruder Lukas und Franziska sich treu sind. Ich könnte die Liste noch lange fortsetzen. Jetzt sage doch mal genau, was passiert ist! Wie bist du hinter Jans Untreue gekommen?«