Stadtprinzessin - Talira Tal - E-Book

Stadtprinzessin E-Book

Talira Tal

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Beschreibung

Märchen, bescherten sie nicht seit ihrem Beginn den Zuhörern eine leichte Gänsehaut, heftiges Herzklopfen und sinnvolle Ratschläge? Welche Botschaften tragen die Märchen längst vergangener Tage für die heutige Zeit in sich? Es erwarten Sie spannende, leicht prickelnde aber auch lehrreiche Geschichten von Talira Tal und Frank Vollmann.

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Seitenzahl: 91

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Märchen, bescherten sie nicht seit ihrem Beginn den Zuhörern eine leichte Gänsehaut, heftiges Herzklopfen und sinnvolle Ratschläge?

Welche Botschaften tragen die Märchen längst vergangener Tage für die heutige Zeit in sich?

Es erwarten Sie spannende, leicht prickelnde aber auch lehrreiche Geschichten von Talira Tal und Frank Vollmann.

Dieses Buch

widmen wir unseren Kindern

Joelle,

Hendrik

und Gianluca

Die Autoren:

Talira Tal erblickte 1971 in Dortmund das Licht der Welt. Bereits in der Jugend schrieb sie vielfältige Horrorgeschichten. Seit 2010 feilt sie ernsthaft an ihren literarischen Fähigkeiten. Sie hasst Ungerechtigkeiten und so ist es kein Wunder, dass sie einige ihrer Geschichten auch als Waffe gegen Missstände innerhalb der Gesellschaft benutzt. Bisher veröffentlichte sie, in diversen Anthologien, mehrere Kurzgeschichten.

http://talira-tal-otherworld-of-mind.blogspot.de/

http://www.talira-tal.de/

Frank Vollmann wurde 1961 in Solingen geboren.

Bisher waren seine Geschichten nur für den Hausgebrauch bestimmt. Zur Zeit schreibt er noch an einem Thriller, der in diesem Jahr erscheinen wird.

Soziales Engagement wird bei ihm groß geschrieben. Viele seiner Kurzgeschichten greifen dieses Thema daher auf.

http://frank-vollmann.webnode.com/

Bei Facebook: Frank Vollmann-Autor

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Stadtprinzessin

Die brave Tochter

Freaky Animals

Jonas und die Fröschinnen

Rote Schuhe

Die verlorene Haarspange

Und zum guten Schluss

Vorwort

Wie sagte Friedrich Wilhelm Nietzsche bereits:

“Wir meinen, das Märchen und das Spiel gehöre zur Kindheit: Wir Kurzsichtigen! Als ob wir in irgendeinem Lebensalter ohne Märchen und Spiel leben möchten!”

Stadtprinzessin

von Talira Tal

Nein, Kira. Nein! Meine Eltern wollen mich nicht zu Celals Party lassen… Ach Mensch, ich hab keine Ahnung warum nicht. Meine Noten wären zu mies… Nein, sie sagen, es würde nicht daran liegen, dass er Ausländer ist. Kira, hör’ zu, ich…«

Das nagelneue Handy war ihr bei dem erhitzten Gespräch aus der Hand geglitten. Fassungslos starrte Tamara dem Telefon hinterher. Es fiel immer tiefer in die quadratische Öffnung im Boden.

Wer hat hier einfach die Erde geöffnet? Das muss ein böser Traum sein. Wo ist der Gullideckel hin? Wer hat diese Schlamperei zu verantworten? Derjenige ist verpflichtet, mein Handy zu ersetzen.

Es könnte jemand in das Loch fallen und sich ernsthaft verletzen. Aber das war für Tamara zweitrangig. Ihr größtes Problem war die Frage, wie sie an ihr heiß geliebtes Mobiltelefon herankam.

»Aua«, hörte sie eine Stimme in der Tiefe.

Die Sache wurde immer verworrener. Ist da unten etwa irgendwer im Schacht?

»Hallo«, rief Tamara in die Dunkelheit und hörte, wie ihr Ruf von den engen Kanalwänden widerhallte. Ein rotes Capi stieg aus dem Abgrund zu ihr empor. Mehr konnte sie nicht erkennen.

Hoffentlich hat dieser Kerl wenigstens mein Handy bei sich.

»Haben Sie mein Handy?«, fragte sie hoffnungsvoll.

Das Capi antwortete nicht, kletterte unermüdlich an die Tagesoberfläche.

»Jetzt geben Sie mir doch eine Antwort. Haben Sie es mitgebracht? Ich muss ganz dringend meine Freundin Kira anrufen. Sicherlich macht sie sich schon Sorgen, weil ich auf einmal weg war.«

»Andere Probleme haben Sie nicht? Bewerfen unschuldige Menschen mit Mobiltelefonen. Was sagt man denn dazu?«

Tamara konnte es nicht fassen. Was bildet dieser Stinker sich ein?

Je näher er ihr kam, desto intensiver schlug ihr der Geruch von Kloake entgegen. Himmel, was ist dieser Typ widerlich. Warum kann ich nicht auf so einen schnuckeligen Typen wie Leonardo di Caprio treffen? Aber solche tollen Männer würden natürlich auch nie in Kanälen herumkriechen.

Unwillkürlich wich sie einen Schritt zurück, hörte das laute Fluchen einer Frau, die sie nun auch noch angerempelt hatte. Tamara schenkte der Meckertante keinerlei Beachtung.

Der Kanalarbeiter war dem Schacht nun vollends entstiegen. Eine schmutzverschmierte Fratze blickte sie geradewegs an.

»Also, Benehmen scheint wirklich nicht Ihre Stärke zu sein.«

»Häh?« Was labert er denn nun schon wieder?

Ach egal. »Wo ist mein Handy?«

Er ignorierte ihre Frage frech und sagte stattdessen: »Sie scheinen einen sehr eingeschränkten Wortschatz zu besitzen, obwohl Sie Ihrer Kleidung nach zu urteilen, eigentlich einem guten Stall entspringen.«

Dummschwätzer! Warum macht er nicht einfach das, worum ich ihn gebeten habe?

Am Liebsten hätte sie ihm ihre nagelneue Tasche auf den Kopf gehauen. Aber er war so schmutzig, dass sie Angst hatte, ihre gute Handtasche bei dem Vorhaben zu versauen.

So kam sie bei dieser Kanalratte nicht weiter. Was faselt er von gutem Stall?

Mit einem Mal kam Tamara die rettende Idee. Er will sicherlich Kohle von mir haben.

Seufzend suchte sie aus ihrer Geldbörse einen 20-Euro-Schein. Kleiner hatte sie es leider nicht und gewechseltes Geld würde sie von diesen dreckigen Flossen nicht annehmen. Schlimm genug, dass er mein Handy angefasst hat. Wo hat er das überhaupt?

Sie konnte es nirgends entdecken.

»Hier, jetzt geben Sie mir endlich mein Handy!«

Der Typ lachte und es bereitete ihr einen Schauder, den sie sich nicht erklären konnte.

»Dachte ich es mir doch. Du denkst, dass man sich mit Geld alles erkaufen kann. Höflichkeit und Freundlichkeit sind dann überflüssig, was?«

Tamara rollte mit den Augen. Dieser Stinker wird mir doch wohl jetzt nicht auch noch eine Predigt halten? Ne, darauf hab ich echt keinen Bock und überhaupt, warum duzt der mich auf einmal? Aber es macht auch keinen Sinn, mit diesem Irren zu streiten. Er ist am längeren Hebel, schließlich hat er mein Handy.

Tamara holte tief Luft, zwang sich sogar zu einem flüchtigen Lächeln.

»Was wollen Sie denn?«

Wieder das Lachen, aber eine Antwort auf ihre Frage bekam sie nicht.

»Hören Sie, wir können doch nicht ewig hier herumstehen. Sie möchten doch bestimmt duschen und ich…«

»Duschen, das ist das Stichwort, Prinzessin.«

Prinzessin? Was nimmt sich diese Ratte raus? Ruhig bleiben, Tami. Vielleicht bringt er jetzt endlich einen konstruktiven Vorschlag.

»Ich möchte bei dir duschen, dann mit dir essen und anschließend bei dir übernachten.

Was hat er gesagt? Ich muss mich verhört haben!

Tamaras Augen hatten sich bei seinen Worten geweitet.

Ganz bestimmt will er mich nur verarschen. Eine andere Erklärung gab es für das It-Girl nicht.

»Hast du denn kein zu Hause?«

»Ich habe dir nicht erlaubt mich zu duzen, Prinzessin.«

Das schlägt doch dem Fass den Boden aus!

»Aber das machen Sie doch auch schon die ganze Zeit!«

Wie alt mag er sein? Er ist schwierig zu schätzen. Irgendetwas zwischen Ende 20 und Anfang 40. Unter der Dreckschicht, die ihn bedeckte, war nichts zu erkennen.

»Stimmt, aber ich besitze auch etwas, was du unbedingt wiederhaben möchtest und da du sowieso keinen Wert auf Benehmen legst, macht das nichts aus. Also, was ist jetzt? Lass uns endlich zu dir gehen.«

Alles in Tamara sträubte sich gegen seinen Vorschlag.

Der Typ kann nicht mehr alle Tassen im Schrank haben. Vielleicht ist er sogar ein blutrünstiger Psychopath. Der kann nicht normal sein.

»Du, ich meine Sie wollen mit zu mir nach Hause? Das geht nicht!«

»Okay, dann leb wohl.« Er drehte sich von ihr ab und machte Anstalten zurück in den Schacht zu klettern.

Das ist doch wohl nicht sein Ernst. Er kann doch nicht so einfach verschwinden.

»Warte!«

Stetig tauchte er in die Dunkelheit ab.

»Bitte warten Sie.«

Er hielt inne.

»Ich meine, ich kenne Sie doch nicht. Ich wohne noch bei meinen Eltern und die wären sicherlich nicht erbaut, wenn ich einfach einen Mann mitbringen würde. Weißt du… äh, wissen Sie, die Schlossallee ist ein spießiges Viertel. Da würden Sie in Ihrer Aufmachung auf jeden Fall für Aufsehen sorgen.«

»Schlossallee? Nummer?«

»Fünf.« Tamara biss sich auf die Lippen. Ich muss total gaga sein. Jetzt habe ich der Kanalratte auch noch meine richtige Adresse genannt.

»Bitte geben Sie mir doch mein Handy zurück.«

»Du kennst den Deal. Es ist deine Entscheidung, Prinzessin.«

»Sie sind unverschämt.«

»Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit. Ich zähle jetzt bis drei. Nach Fristablauf kannst du dein Telefon abschreiben. Eins…«

»Gibt es keine andere Möglichkeit?«

Sie ärgerte sich, dass ihre Stimme weinerlich klang. Sie wollte ihm keine Schwäche offenbaren.

»Zwei.«

Er gibt einfach nicht nach. Was soll ich denn jetzt machen?

Sie fühlte sich hilflos. Ich habe keine Chance gegen ihn.

»Na schön, abgemacht. Duschen, essen und schlafen, aber keinen Sex.«

»Da haste aber ganz knapp die Kurve bekommen.«

Er verließ den Schacht ein zweites Mal und reichte ihr das ebenfalls verdreckte Mobiltelefon. Tamara ergriff es, drehte sich auf dem Absatz herum und rannte los.

Sein »Hey« tönte ihr noch in den Ohren, als sie mit zitternden Händen das eiserne Portal, welches das weitläufige Grundstück ihrer Eltern von der Straße trennte, aufschloss.

»Du bist spät dran«, empfing ihre Mutter sie aus der Küche rufend.

»Ich hatte mein Handy verloren«, antwortete Tamara wahrheitsgemäß.

»Hast du es wiedergefunden? Setz dich. Ich habe das Essen noch einmal in den Ofen geschoben.«

Tamara bejahte kurz die Frage ihrer Mutter und betrat das geräumige Esszimmer.

Ihr Vater und ihr Bruder Mika schienen bereits eine ganze Weile zu warten.

Mika zockte mit seinem Nintendo und ihr Vater war in seine Tageszeitung vertieft. Ein vorwurfsvoller Blick traf sie, als sie sich ohne Kommentar niedergelassen hatte.

»’Tschuldigung«, murmelte Tamara lahm.

Die Mutter servierte das Essen. Das lenkte den Vater von einer Strafpredigt ab.

Was für ein Glück. Ich hasse sein ewiges Gelabere über Regeln und Benehmen. So etwas musste ich mir heute schon von Mister Kanalratte anhören. Es reicht mir für heute.

»Ist noch Schokopudding von heute Mittag da?«

»Denk an deine Figur, Schwesterherz. Sonst kannste deinen Traumprinzen vergessen.«

Bei der Äußerung ihres Bruders spürte Tamara, wie ihr Gesicht rot anlief. Dieser kleine Blödmann hat ganz bestimmt wieder ein Gespräch von mir mit Kira belauscht.

»Habe ich etwas verpasst?«, fragte ihre Mutter, als der Türgong ertönte.

Das muss Kira sein. Die Arme musste ja wer weiß was gedacht haben, als unser wichtiges Telefonat so abrupt abbrach.

»Ich geh schon.«

»Du bist mit Tischabräumen dran«, maulte Mika.

»Mach du das doch heute für mich. Ich übernehme auch deine nächste Woche, okay?«

Ohne eine Antwort abzuwarten, lief Tamara zum Monitor, der den Besucher zeigte. Sie erstarrte, als ihr das dreckverschmierte Gesicht des Fremden aus dem Kanal ärgerlich entgegenblickte.

»Hau ab!«, zischte Tamara und hoffte, dass ihre Familie von dieser Peinlichkeit nichts mitbekommen würde.

»Nein, wir haben einen Deal, Prinzessin.«

»Den kannste vergessen. Ich hole meinen Vater, wenn du nicht augenblicklich verschwindest.«

»Für dich immer noch Sie. Ich dachte, das hätten wir besprochen. Jetzt mach die Tür auf!«

»Du spinnst ja total. Hau ab, oder ich rufe die Polizei.«

Tamara drückte den Monitor aus, ging auf ihr Zimmer, um endlich mit Kira in Ruhe weitertelefonieren zu können.

In ihr gemeinsames Lieblingsthema, nämlich die süßen Typen aus der Nachbarschule, platzte Tamaras Vater ohne anzuklopfen ins Zimmer. Vor Schreck drückte Tamara das Gespräch mit der Freundin weg und ärgerte sich zeitgleich maßlos darüber.

»Wir müssen uns unterhalten, Tamara!«

Oh, er sagt Tamara, nicht Tami. Die Sache ist ernst. Außerdem sieht er richtig sauer aus. Was habe ich denn gemacht?

»Was ist denn, Papa?«

Sie legte das Handy zur Seite und widmete ihm ihre ganze Aufmerksamkeit. Er sollte, egal was sie getan oder nicht getan hatte, nicht noch wütender auf sie werden.