Star Trek - Deep Space Nine: Kriegskind - Esther M. Friesner - E-Book

Star Trek - Deep Space Nine: Kriegskind E-Book

Esther M. Friesner

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Beschreibung

Kann ein Mädchen Bajor retten?

Im Nachlass der Kai Opaka findet sich eine Botschaft an Commander Sisko: Er soll ein bajoranisches Mädchen finden, das dazu ausersehen ist, eine große Heilerin zu werden und die zerstrittenen politischen Fraktionen auf Bajor zu versöhnen. Lieutenant Dax und Dr. Bashir versuchen, in einem trostlosen bajoranischen Flüchtlingslager eine tödliche Krankheit zu bekämpfen. Während Dax nach dem Mädchen sucht, gelingt es Bashir, den Erreger zu isolieren und ein Gegenmittel zu entwickeln. Auf eigene Faust will er seine Arbeit in den anderen Lagern fortsetzen. Dax findet das Mädchen und bringt es zur DS9. Doch die von den Propheten verheißene Heilerin trägt selbst eine lebensgefährliche Krankheit in sich. Nur Dr. Bashir könnte sie retten - doch er wird von einer Rebellengruppe gefangengehalten.

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Seitenzahl: 424

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Im Nachlass der Kai Opaka findet sich eine Botschaft an Commander Sisko: Er soll ein bajoranisches Mädchen finden, das dazu ausersehen ist, eine große Heilerin zu werden und die zerstrittenen politischen Fraktionen auf Bajor zu versöhnen.

Lieutenant Dax und Dr. Bashir versuchen in einem trostlosen bajoranischen Flüchtlingslager eine tödliche Fieberepidemie zu bekämpfen. Und während Jadzia Dax sich insgeheim auf die Suche nach dem Kind macht, gelingt es Bashir, einen Impfstoff gegen das Virus zu isolieren. Auf eigene Faust will er nun seine Arbeit in den anderen Lagern fortsetzen.

ESTHER FRIESNER

KRIEGSKIND

Star Trek™

Deep Space Nine

All jenen Menschen gewidmet,

die Kindern

Historische Anmerkung

Die Ereignisse in Kriegskind spielen zwischen der ersten und der zweiten Staffel von

Prolog

Die Raumstation drehte sich langsam vor dem Sternenhimmel. An Bord des Flitzers saßen zwei Männer nebeneinander, die Roben bajoranischer Mönche trugen, und betrachteten schweigend die samtschwarze Dunkelheit.

An den Kontrollen kämpfte Fähnrich Munson gegen eine neue Welle des Unbehagens an, das jedes Mal sein Rückgrat hinaufzukriechen schien, wenn er an seine Passagiere dachte. Major Kira persönlich hatte ihm den Auftrag erteilt, auf einem Raumhafen in der Nähe des großen Tempels einen bajoranischen Mönch abzuholen, doch als er sich dort gemeldet hatte, hatte er festgestellt, dass dort ein Mönch sowie ein Vedek warteten. Beide wollten zur Station gebracht werden, und beide zeigten ihm einwandfreie Reisepapiere.

Sie präsentierten ihm ihre Dokumente wortlos, reagierten auf seine förmlichen Begrüßungsworte lediglich mit einem Nicken und hatten dieses unergründliche Schweigen seitdem bewahrt. Das einzige Geräusch, das Fähnrich Munson während des gesamten Flugs von einem der beiden vernommen hatte, war ein leises Klingeln gewesen, das ihn an ein Windspiel erinnert hatte. Es war entstanden, als der Vedek den Kopf leicht in die Richtung des Mönchs geneigt und der zarte Schmuck, der an seinem rechten Ohr hing, sich bewegt hatte.

Munson wusste nicht, wieso ihm so unbehaglich zumute war. Das Schweigen zwischen den beiden Bajoranern war mehr als nur die Abwesenheit von Geräuschen. Es schien eine eigene Masse und Präsenz zu haben. Eine leise Stimme in Munsons Kopf flüsterte besänftigend: Wir werden bald andocken, und dann werden sie verschwinden. Ich bin sie bald los! Bei denen bekomme ich eine Gänsehaut.

»Ahh.«

Es war nur ein leises Ausatmen, ein kaum wahrnehmbares Geräusch, doch inmitten der Stille explodierte es mit der Lautstärke eines Photonentorpedos. Munson wäre fast aus dem Sitz gesprungen und drehte sich ruckartig um. Die Bajoraner hatten die Köpfe zusammengesteckt und hielten eine hellblaue Schriftrolle so, dass beide sie lesen konnten. Der Fähnrich konnte jedoch nicht sagen, welcher der beiden das Schweigen gebrochen hatte.

Dann stellte derjenige, der die Schriftrolle hielt, eine Frage: »Und Ihr Grund, mein Bruder?«

Fähnrich Munson richtete sich auf und schaute wieder nach vorn. Das Gespräch der Bajoraner ging ihn nichts an. Er kam sich wie ein verdammter Narr vor, dass ihr bisheriges Schweigen ihn dermaßen entnervt hatte.

Sie sprechen also nicht viel. Na und?, sagte er sich. Nicht jeder in der Galaxis ist ein Plappermaul, das ist alles. Zumindest unterhalten sie sich jetzt.

Und dann hörte er Worte, nach denen er sich wünschte, die Bajoraner hätten ihren Schild des Schweigens bewahrt.

Kapitel 1

»Jemand möchte Sie sprechen, Commander.« Benjamin Sisko schaute abrupt von seinem Schreibtisch auf und versuchte, das Gesicht eines Mannes aufzusetzen, den man gerade bei einer wichtigen Arbeit gestört hatte. Doch in Wirklichkeit hatte er sich einem Tagtraum hingegeben. Seit er das Kommando über Deep Space Nine übernommen hatte, hatte er nur selten die Muße oder die Neigung dazu gehabt. Erst vor kurzer Zeit hatte er herausgefunden, dass diese Ablenkung auch Spaß machen konnte. Ein umherstreifender Geist wanderte manchmal auch in die Vergangenheit zurück.

»Ja, was gibt es?«, fragte er etwas scharf.

Major Kira Nerys sah ihn wie gewohnt unbeeindruckt an. »Haben wir Sie bei einer wichtigen Tätigkeit gestört, Sir?«, fragte sie. Ihr trockener, leicht amüsierter Tonfall verriet Sisko geradeheraus, dass sie ihn durchschaut hatte. Sie wusste, dass der Commander im Augenblick nichts zu tun hatte, war aber bereit, das Spiel mitzumachen, falls er unbedingt vorgeben wollte, sehr beschäftigt zu sein.

»Keineswegs, Major«, sagte Sisko, gab jede Täuschung auf und bedachte sie mit einem Lächeln, was selten genug vorkam. »Wer will mich sprechen …?«

Die Worte gefroren in seinem Hals, als der bajoranische Mönch in das Büro kam.

Sisko spürte, wie sein Körper sich verkrampfte. Ganz gleich, wie sehr er sich bemühte, sich zu entspannen, der Anblick eines bajoranischen Mönchs machte ihn stets nervös. Er erinnerte sich – er konnte einfach nicht anders – an seine erste Begegnung mit einem Mitglied dieser Bruderschaft, als er und sein Sohn Jake gerade auf Deep Space Nine eingetroffen waren. Damals hatten seine Gedanken einzig der Frage gegolten, wie er dieses ungeliebte Kommando loswerden und mit Jake zur Erde zurückkehren konnte, selbst wenn dies bedeutete, einen Posten mit weniger Verantwortung anzutreten oder Starfleet sogar ganz zu verlassen.

Dieser erste bajoranische Mönch hatte ihm ähnlich wie dieser in die Augen gesehen, doch Sisko hatte das Gefühl gehabt, als würde der Mann ihm in die Seele schauen. Dieser Mönch hatte Worte gesprochen, die Sisko damals nicht verstanden hatte – die Propheten? Welche Propheten? Sisko hatte die Worte abgetan. Er wusste schon gar nicht mehr, wie viele exotische Religionen er kennengelernt hatte, seit er Starfleet beigetreten war. Auch wenn er nicht an sie glaubte, versuchte er, sie mit einem gewissen Maß an Respekt zu betrachten. Er hatte nie erwartet, dass eine davon nach ihm greifen und sein Herz berühren würde, wie es beim bajoranischen Glauben der Fall gewesen war.

Dieser Glaube hatte ihn sogar tief berührt, ihm geholfen, sich mit seiner Vergangenheit, dem Tod seiner Frau und seiner Rolle als Commander auf Deep Space Nine zu versöhnen. Dieses mystische Vertrauen, das jeden Aspekt des bajoranischen Lebens durchdrang, war eine starke Quelle der Kraft – der seltsamen, unbekannten Macht. Und wie bei vielen mächtigen, seltsamen und nicht ganz bekannten Dingen war Sisko auf der Hut.

»Was können wir für Sie tun?«, fragte er den Mönch und bemühte sich, dabei freundlich zu klingen, wenn er es schon nicht über sich bringen konnte, wirklich herzlich zu sprechen. »Es gibt doch hoffentlich keine Schwierigkeiten im Tempel? In dem an Bord, meine ich.« Ihm war klar, dass es für einen Bajoraner nur einen Tempel geben konnte – den riesigen und auf unheimliche Weise wunderschönen Komplex der Kuppelgebäude und üppigen Gärten, den die abziehenden Cardassianer mutwillig verwüstet hatten, ohne ihn völlig zerstören zu können. Wenn Sisko hingegen vom Tempel sprach, dachte er zuerst an den kleinen bajoranischen Schrein an Bord der Raumstation.

Der Blick des Mönchs schwankte nicht. Er stand vor Commander Sisko, die Hände in die weiten Ärmel seiner rostfarbigen Robe gesteckt. Eine eng sitzende Kappe bedeckte seinen Kopf und ließ nur sein wettergegerbtes Gesicht und die Ohren frei. Sein schwarzer Bart war kurz gestutzt und mit grauen Flecken gesprenkelt. Sisko wurde klar, dass dieser Mönch kein uralter Weiser, sondern ein ziemlich junger Mann war. Seine wenigen Falten waren nicht altersbedingt, sondern rührten von harter Arbeit her.

»Commander Sisko«, sagte er. Die Kraft hinter der Stimme überzeugte Sisko, dass er mit der Einschätzung des Alters des Mönchs richtig lag. »Ich bin Taren Gis, ein Mönch, der den Propheten dient. Ich bin gekommen, Sie um Hilfe zu bitten.«

Sisko wurde sich bewusst, dass er die Lehnen seines Sessels viel zu fest umklammerte. Er zwang sich, den Griff zu lockern. »Fahren Sie fort. Was für Hilfe?«

»Es sind die Lager«, platzte Major Kira heraus. Sisko fuhr erschrocken zusammen. Es geschah nicht oft, dass Kira Nerys sich vergaß, Forderungen äußerte oder ihre Meinung kundtat, ob man sie nun darum gebeten hatte oder nicht. Doch normalerweise handelte es sich dabei um Zornesausbrüche, um das kurze Aufblitzen eines Temperaments, das in ihrer Kindheit und Jugend während der cardassianischen Besatzung geschärft und verhärtet und von ihren Jahren als bajoranische Freiheitskämpferin feingeschliffen worden war.

»Lager?«, wiederholte Sisko.

»Die Flüchtlingslager, Commander.« In der Stimme der Bajoranerin lag kein Zorn, nur Schmerz. »Wir haben keine genauen Zahlen, wie viele es davon gibt, aber es überrascht mich, dass Starfleet sie Ihnen gegenüber gar nicht erwähnt hat. Wahrscheinlich war man dort der Ansicht, die Sache wäre nicht wichtig genug, um Sie darauf aufmerksam zu machen.« Nun glitt ein Splitter der alten Verbitterung in ihre Worte zurück.

»Starfleet ist durchaus bekannt, dass es auf Bajor Flüchtlingslager gibt«, erwiderte Sisko. Eine Zeile, irgendwo in dem Material vergraben, das man mir zur Verfügung gestellt hat, bevor ich diesen Posten antrat, dachte er reuig. Falls überhaupt. »Wir arbeiten mit der provisorischen Regierung zusammen, um die Umsiedlung der Bajoraner zu beschleunigen. Die meisten dieser Lager sind bereits aufgelöst worden und …«

»Arbeitslager«, fauchte Major Kira. »Die Cardassianer haben ihr Bestes getan, um diese Lager vor ihrem Abzug noch aufzulösen. Sie haben ihre eigenen Umsiedlungsmethoden benutzt.« Ihr Tonfall ließ nicht den geringsten Zweifel daran, dass die cardassianische Vorstellung einer Umsiedlung dauerhaft war. »Die Flüchtlingslager sind eine andere Geschichte.«

Sisko wandte sich an den Mönch. »Bruder Gis, wie viele dieser Lager gibt es?«

Der Mönch breitete die Hände aus, um ihm zu bedeuten, dass er es nicht wusste. »Commander, welche Bedeutung haben schon Zahlen? Unseren beiden Völkern ist bekannt, dass die cardassianische Besetzung sechzig Jahre gedauert hat. Sie zählen diese Jahre in Tagen, ich in Leben. Sie glauben, es sei vorbei, einfach, weil die Cardassianer nicht mehr hier sind, aber ich sehe es anders. Ich sehe zu viele Tote, die noch leben könnten, zuviel Land, das verwüstet wurde, zu viele Leben, die auf schreckliche Weise verwandelt wurden. Ich habe die Leitung über ein einziges Lager; mehr weiß ich nicht. Es liegt im Kaladrys-Tal. Das war einmal das vorzüglichste, fruchtbarste Ackerland auf ganz Bajor. Die Cardassianer wussten das genauso gut wie mein Volk.«

»Die Cardassianer haben in diesem Tal zwangsweise Ackerbau betreiben lassen«, sagte Kira. »Keine Gnade für den Bauern, der die vorher festgesetzten Quoten nicht erfüllt hat. Diese Quoten waren völlig unrealistisch, aber das störte die Cardassianer nicht. Sie haben genommen, was sie kriegen konnten, und wenn sie eine Entschuldigung fanden, dabei noch mehr Angehörige meines Volks zu töten …« Sie zuckte mit den Achseln, doch es war eher ein Erschaudern. »Wer fliehen konnte, hat es versucht. Aber im Kaladrys-Tal haben hauptsächlich Familien gewohnt. Mit Kindern kann man nicht so schnell laufen.« Sie fauchte die Worte geradezu: »Man kann sie leicht fangen.«

»Ich bitte Sie nur um Hilfe für ein Lager«, fuhr der Mönch fort. »Für dasjenige, in dem ich und zwei meiner Brüder dienen. Es liegt in der Nähe des alten Dorfs Lacroya. Wir haben mehr Glück als die anderen gehabt: Lacroya wurde erst vor verhältnismäßig kurzer Zeit und nicht vollständig zerstört. Wir konnten viele nützliche Dinge aus den Ruinen sammeln. Viele der Leute, die ursprünglich bei uns waren, waren Bauern und konnten den Felsen Getreide abschwatzen … das haben sie zumindest gern behauptet. Sie haben die Kinder um sich geschart, damit sie ihnen beim Pflügen einiger weniger Felder und beim Setzen von Schösslingen halfen. Die Versorgung durch die provisorische Regierung war so gut, wie die Nächstenliebe es zuließ, aber will man anderen Wohltätigkeiten erweisen können, muss man zuerst einmal genug haben, um die eigene Familie zu versorgen. Dies können heutzutage nur sehr wenige Bajoraner von sich behaupten. Also haben unsere Bauern sich entschlossen, das Land zurückzuerobern und sich selbst zu ernähren.«

»Eine empfehlenswerte Maßnahme«, erwiderte Sisko. »Und ich versichere Ihnen, falls wir ihnen irgendwie helfen können, ihre Unabhängigkeit zurückzuerlangen …«

Ein sehnsüchtiges Lächeln legte sich auf das Gesicht des Mönchs. »Sie sind jetzt tot.«

»Tot?« Siskos Hände umklammerten erneut die Lehnen seines Sessels. »Was ist passiert?«

Der Mönch hob die Hände und spreizte die Finger. »Da wir die genaue Bezeichnung nicht kennen, haben wir es Lagerfieber genannt. Einer meiner Brüder ist ein erfahrener Heiler. Im Tempel hat er die uralten Aufzeichnungen über Krankheit und Gesundheit studiert. Er ist der Ansicht, dass diese Heimsuchung dem Satai ähnelt, dem Schwellfieber. Er hat bei den Opfern alle bekannten Behandlungsmethoden für das Satai angewandt.« Er senkte die Hände wieder. »Sie sind trotzdem gestorben.«

»Haben Sie die Regierung um Hilfe gebeten?«

»Warum sich die Mühe machen?«, schnaubte Major Kira. »Die Regierung wird nichts unternehmen, weil sie keinerlei Hilfe leisten kann. Außerdem hat sie schon genug Probleme. Sie muss versuchen, alle Fraktionen und Splittergruppen wenigstens so lange zusammenzuhalten, dass sie mehrheitliche Entscheidungen treffen kann. Hinzu kommt noch, dass ein halbes Dutzend ›Führer‹ nur auf die Gelegenheit wartet, sich ins richtige Licht stellen zu können. Nein, es gibt keine Hoffnung auf wirkliche Hilfe. Den Regierungsmitgliedern ist ihr politisches Überleben viel wichtiger als das Leben von ein paar Flüchtlingen.«

»Es ist traurig«, sagte der Mönch leise. »Das Volk des Tals hat unter so vielen verschiedenen Händen so viel und so lange gelitten. Die brutale Herrschaft der Cardassianer war nur eine der Bürden, die man ihm auf die Schultern gelegt hat. Später hat der bajoranische Widerstand versucht, die Cardassianer zu treffen, indem er ihre unmittelbare Nahrungsversorgung zerstörte. Sie haben Felder verbrannt und landwirtschaftliche Geräte zerstört, konnten ihrer Sache damit jedoch kaum weiterhelfen.«

Kira warf den Kopf zurück. »Der Widerstand hat gewusst, was er tat! Wir haben die Vorräte der Cardassianer vernichtet …«

Der Mönch zuckte mit den Achseln. »Die cardassianische Technik konnte problemlos alle Nahrungsmittel ersetzen, die der Widerstand vernichtet hat. Wo man nicht über Replikatoren verfügte, hat man einfach Lieferungen aus kooperativeren Bezirken angefordert. Verhungert sind lediglich die Bajoraner. Und als wäre das nicht schon Strafe genug gewesen, haben die cardassianischen Herren die Bauern persönlich für alle Schäden verantwortlich gemacht, die der Widerstand angerichtet hat. Es gab noch mehr Exekutionen, und noch mehr Bajoraner wurden in die Arbeitslager deportiert. Viele Bauern wollten fliehen, doch erneut hielten ihre Familien sie zurück. Den wenigen, die blieben, teilte man klipp und klar mit, dass sie ihre alten Quoten erfüllen mussten. Es spielte keine Rolle, dass diese Quoten festgesetzt worden waren, als den Bauern noch viel mehr Helfer und Maschinen zur Verfügung gestanden hatten.«

»Es besteht kein Grund, dem Commander das alles zu erzählen«, sagte Kira scharf. »Erklären Sie ihm einfach, was Sie mir erklärt haben.«

Sisko stützte das Kinn in die Hand. Er hatte genug Schlachten und ihre Nachwirkungen gesehen, um zu wissen, dass es bei einem Krieg niemals Sieger gab – nur einige Opfer, die weniger verloren als andere. Er war überzeugt, dass Major Kira dies auch wusste, doch wenn sie es aussprach, würde sie damit eingestehen, dass der Widerstand Bajor fast genauso viel Schaden wie den Cardassianern zugefügt hatte. Er entschloss sich, nichts zu sagen und den Mönch anzuhören.

»Wir wissen nicht, an wen sonst wir uns wenden sollen«, fuhr Bruder Gis an den Commander gewandt fort. »Die Regierung kann uns in der Tat nicht helfen – weder mit Geräten, noch mit Lebensmitteln oder personeller Unterstützung.«

»Das überrascht mich«, sagte Sisko. »Man sollte doch meinen, die provisorische Regierung würde einsehen, wie klug es ist, in die Wiedernutzbarmachung von Ackerland und jene Personen zu investieren, die es kultivieren können. Selbst Politiker müssen essen.«

»Sie haben recht«, erwiderte Bruder Gis. »Doch Weitblick ist ein Geschenk, mit dem die Propheten in ihrer Weisheit nicht viele bedacht haben. Es wurde schon wieder genug Land kultiviert, dass unsere politischen Führer der Ansicht sind, sie hätten die unmittelbaren Bedürfnisse Bajors befriedigt. Außerdem halten sie es für Verschwendung, Flüchtlingslager zu unterstützen, die die Hilfe in frühestens zehn Jahren mit effektiver Arbeitskraft zurückzahlen können.«

»Was?«, fragte Sisko bestürzt.

»Das Fieber hat bereits die meisten Erwachsenen in unserer Obhut getötet, Commander.« Der Mönch senkte den Kopf. »Vor der Krankheit lebten in unserem Lager Familien. Jetzt ist es fast ausschließlich eine Zuflucht für Waisenkinder.«

»Kinder arbeiten wie Erwachsene auf den Feldern«, sagte Major Kira. »Sie können kaum genug beschaffen, um sich selbst zu versorgen, geschweige denn die Kranken.«

»Krankheit ernährt sich am besten am Tisch der Hungersnot«, sagte Bruder Gis. »Wir haben erfahren, dass es in anderen Lagern – sowohl im Tal als auch außerhalb davon – zu ähnlichen Ausbrüchen dieser Krankheit gekommen ist. Sie breitet sich aus und befällt zuerst die Geschwächten. Deshalb bin ich hier. Diese Station hat Bajor stets den Tod gebracht. Jetzt möge sie ihre andere Hand öffnen und das Geschenk des Lebens bringen.«

»Was genau brauchen Sie?«, fragte Sisko.

Der Mönch griff in seinen Ärmel und zog einen sorgsam zusammengefalteten Zettel hervor. »In Absprache mit meinen Brüdern habe ich diese Liste erstellt.« Er übergab sie ihm.

Sisko studierte die Liste, und sein Mut sank ein wenig mit jedem weiteren aufgeführten Posten. Einige der Dinge, die die Mönche anforderten, waren leicht zu beschaffen, aber nicht in solchen Mengen …! Er würde sich an Starfleet wenden müssen, und während er auf die Lieferungen wartete, würden weitere Bajoraner sterben. Doch viele Forderungen der Liste – zum Beispiel medizinisches Personal – konnte er unmöglich erfüllen. Man konnte nicht zur Verfügung stellen, was man nicht hatte.

Sisko lehnte sich zurück und atmete tief ein. Er hatte immer gewusst, dass es nicht leicht war, bei Starfleet einen Kommandoposten auszuüben, aber stets gedacht, es würde mit der Zeit leichter werden. Er wusste, welche Antwort er diesem Mönch geben musste, auch wenn sie ihm überhaupt nicht gefiel.

»Bruder Gis«, begann er, »es tut mir leid …« Er sah, dass Major Kira sich versteifte. »Wir gewähren Ihnen jede Hilfe, die wir Ihnen geben können, aber es wird eine Weile dauern, all die Gegenstände zu bekommen, um die Sie bitten.«

»Uns bleibt nur noch wenig Zeit«, erwiderte der Mönch.

»Ich werde sofort eine Nachricht an Starfleet abschicken und zusätzliche medizinische Geräte und Medikamente von allen Schiffen in der Nähe anfordern, auf beiden Seiten des Wurmlochs. Bis dahin werden wir Ihnen alles zur Verfügung stellen, was diese Station erübrigen kann, aber …«

Bruder Gis setzte zu einer kleinen, aber gebieterischen Geste an, die Sisko vorübergehend verstummen ließ. »Die Medikamente sind nicht von solch lebenswichtiger Bedeutung. Wir werden dankbar annehmen, was Sie uns geben können. Was den Rest betrifft, so werden wir es wie in der Vergangenheit halten – wir improvisieren. Aber in Wirklichkeit und am dringendsten brauchen wir Heiler. Ohne sie können wir es nicht schaffen. Was nutzt es uns, wenn Sie uns das alles geben« – er zeigte auf die Liste in Siskos Hand –, »und wir können es nicht einsetzen?«

»Ich verstehe, was Sie meinen.« Sisko drückte nachdenklich seine Finger auf die Lippen. »Dr. Julian Bashir ist der Chefarzt unserer Station. Seit seiner Ankunft hat er einige Assistenten ausgebildet. Ich werde mit ihm sprechen. Vielleicht kann er Ihnen ja einen oder zwei dieser Assistenten zur Verfügung stellen.«

»Mit allem gebührenden Respekt, Commander, wir brauchen dies« – der Mönch streckte die Hände aus – »genauso dringend, wie wir dies brauchen.« Er berührte den Kopf und dann über dem Herzen die Brust.

Sisko versuchte, den Mönch aufmunternd anzulächeln. »Dr. Bashirs Leute sind sehr gut ausgebildet. Sie können Lebenserhaltungssysteme überwachen und jede verschriebene Behandlung sehr genau ausführen.«

»Aber können sie auch entscheiden, welche Behandlung angebracht ist?« Bevor Sisko antworten konnte, fuhr Bruder Gis fort: »Ich habe Ihnen bereits gesagt, dass wir keinen Namen für die Krankheit haben, die unser Volk heimsucht. Wir brauchen einen Heiler, einen, der ihr einen Namen geben kann. Dem Feind einen Namen zu geben, ist der erste Schritt, ihn zu besiegen. Sind die Assistenten Ihres Dr. Bashir dazu imstande?«

»Sie sind diagnostisch nicht ausgebildet«, gestand Sisko zögernd ein.

»Wenn in der Wüste Wasser durch unsichtbare Risse aus einem Behälter sickert, braucht man niemanden, der das bereits verschüttete Wasser aufwischen kann, sondern einen, der so geschickt und klug ist, dass er die Risse findet und den Behälter reparieren kann. Wir brauchen diesen Dr. Bashir, nicht seine Assistenten.«

Sisko hatte gelernt, dass es am besten war, die schwersten Erklärungen so schnell und eindeutig wie möglich abzugeben. »Das ist unmöglich. Ich kann ihn nicht entbehren, Bruder Gis. Dann gäbe es auf Deep Space Nine keinen Arzt mehr, und dieses Risiko kann ich nicht eingehen.«

»Die Propheten werden Sie nicht ungeschützt lassen, wenn Sie die Fertigkeiten Ihres Heilers mit uns teilen«, sagte der Mönch.

»Die Propheten sind … großzügig wie immer, aber wir sprechen hier von der allgemeinen Sicherheit von Deep Space Nine. Um Dr. Bashir ziehen zu lassen, brauche ich eine bessere Rückversicherung als den versprochenen Schutz der Propheten. Er wird hier gebraucht.«

»Auf Bajor wird er viel dringender gebraucht«, beharrte Bruder Gis ruhig.

Sisko schob das Kinn vor. »Es tut mir leid. Aber was den Rest betrifft …« Er legte die Hand auf die Liste des Mönchs.

Der bajoranische Mönch faltete die Hände und verbeugte sich leicht. »Mögen die Propheten Ihnen einen besseren Weg zeigen«, sagte er zum Commander und ging.

Bruder Gis hatte das Büro kaum verlassen, als Kira zu Sisko herumwirbelte. »Warum können wir Dr. Bashir nicht entbehren?«, fuhr sie ihn an.

Sisko kniff die Lippen zusammen. »Ich dachte, ich hätte meine Gründe dargelegt. Offensichtlich halten Sie sie nicht für ausreichend.«

»Nein, allerdings nicht«, sagte Kira geradeheraus, obwohl ihr diese grobe Offenheit öfter zum Nach- als zum Vorteil geriet. »Auf Bajor gibt es eine medizinische Krise! Hier gibt es nichts, was auch nur im entferntesten einer Krise ähnelt. Warum sollte Dr. Bashir nicht …«

»Hier gibt es im Augenblick keine Krise.« Der Commander überlegte sich genau, was er sagte. »Sie dienen schon lange genug auf Deep Space Nine, um zu wissen, wie schnell sich das ändern kann.«

»Commander, auf Bajor sterben Kinder!«, beharrte Major Kira verzweifelt.

»Glauben Sie etwa, ich hätte Bruder Gis nicht verstanden?«, fauchte Sisko. »Wir tun für die Kinder auf Bajor, was wir können«, fuhr er dann ruhiger fort, »aber ohne die Kinder auf der Station in Gefahr zu bringen.«

»Natürlich nicht«, murmelte Kira leise vor sich hin. »Das sind ja auch keine Bajoraner.«

Sie hatte nicht so leise gesprochen, dass Sisko sie nicht gehört hätte. »Darf ich Sie daran erinnern, Major Kira, dass es sich bei der Mehrheit der Kinder an Bord von Deep Space Nine um Bajoraner handelt?« Er drehte sich mit dem Sessel von ihr weg. »Das ist eine der härtesten Lektionen, die man als befehlshabender Offizier lernen muss: Manchmal ist die richtige Entscheidung nicht die einfachste.«

»Manchmal ist die harte Entscheidung nicht die richtige«, konterte sie.

Er drehte auf dem Sessel schnell zu ihr um. »Vielleicht, aber ich muss die Entscheidung treffen. Und jetzt machen wir uns an die Arbeit. Mal sehen, was wir für Bruder Gis und seine Leute tun können. Sie dürfen wegtreten.«

Kira schien noch etwas sagen zu wollen, überlegte es sich dann aber offensichtlich anders. Sie öffnete den Mund, schloss ihn sofort wieder und biss die Lippen zusammen. Sie bestätigte den Befehl ihres vorgesetzten Offiziers mit einem scharfen Nicken und marschierte aus dem Büro hinaus. Plötzlich schien die Temperatur im Raum um einige Grad gefallen zu sein.

Sisko faltete über der Liste, die Bruder Gis zurückgelassen hatte, die Hände. Er wusste, soweit es Dr. Bashir betraf, hatte er die einzig mögliche Entscheidung getroffen. Auf Deep Space Nine war jetzt alles ruhig, aber wie lange würde das noch so bleiben? Konnte er vorhersagen, ob es bei den Andockplätzen Unfälle geben würden? Ob es auf eintreffenden Raumschiffen medizinische Notfälle geben würde, oder unvorhersehbare größere Verletzungen unter den Mitgliedern von Mr. O'Briens Team, das mit riskanter cardassianischer Ausrüstung arbeiten musste?

»Ich bin keiner der Propheten«, murmelte er. Aber er war der Commander, und es war seine Pflicht, die unter seinem Befehl stehenden Leute so umfassend wie möglich zu schützen. Daher war es ihm nicht möglich, für einen unbestimmten Zeitraum auf die Kenntnisse seines Chefarztes zu verzichten.

Er machte sich mit Bruder Gis' Liste an die Arbeit. Wenn er nur hart genug arbeitete, hoffte er, würde er nicht so viel über die Kinder nachdenken müssen.

Kapitel 2

Sicherheitsoffizier Odo stand vor Commander Siskos Büro, als er den bajoranischen Vedek bemerkte, der mit Bruder Gis in dem Flitzer gekommen war. Der Mann benahm sich seltsam, ignorierte den Türmelder, der seine Anwesenheit verkünden würde, und pochte statt dessen mit einem seltsam aussehenden Rohr gegen die geschlossene Pforte. Odo trat schnell zwischen den Mönch und die Tür.

»Kann ich Ihnen helfen?«, sagte er, doch sein Tonfall verwandelte die höfliche Wortwahl in die Frage: Wer sind Sie, und was machen Sie hier?

»Wie funktioniert das?«, fragte der Vedek.

»Wie funktioniert was?«, erwiderte Odo gereizt.

»Das.« Der Vedek schlug erneut mit dem Rohr gegen die Tür, diesmal beträchtlich heftiger, so stark, dass Odo unwillkürlich zusammenzuckte.

»Sie wissen nicht, wie eine Tür funktioniert?« Der Gestaltwandler klang unwillkürlich leicht amüsiert.

»Nicht eine Tür«, antwortete der Vedek gleichmütig. »Diese Tür.«

Odo stieß durch seine nicht ganz perfekt gebildete Nase ein halb unterdrücktes schnaubendes Gelächter aus. »Mir ist das Problem nicht ganz klar. Eine Tür ist eine Tür.«

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