Star Trek Prodigy: Supernova - Robb Pearlman - E-Book

Star Trek Prodigy: Supernova E-Book

Robb Pearlman

0,0

Beschreibung

Star Trek: Prodigy ist eine brandneue Animationsserie, die auf dem am 8. Dezember 2022 startenden Streamingdienst Paramount+ ausgestrahlt wird! Dieses Abenteuer basiert auf dem kommenden "Star Trek: Prodigy"-Videospiel. Die Besatzung der Protostar wird auf den Planeten eines seltsamen Sonnensystems verstreut. Dal und Gwyn versuchen, die anderen wiederzufinden. Doch es bleibt ihnen nicht viel Zeit: die Sonne des Systems ist instabil und steht kurz davor, sich in eine Supernova zu verwandeln. Dann stoßen Dal und Gwyn auch noch auf eine Patrouille böser Roboter, die genauso aussehen wie die Wächter von Tars Lamora. Wie werden die beiden mit diesem Albtraum aus ihrer Vergangenheit umgehen ... und können sie die Explosion des Planeten verhindern?

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 127

Veröffentlichungsjahr: 2023

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

EINS

ZWEI

DREI

VIER

FÜNF

SECHS

SIEBEN

ACHT

NEUN

ZEHN

ELF

ZWÖLF

DREIZEHN

VIERZEHN

FÜNFZEHN

SECHZEHN

SIEBZEHN

ACHTZEHN

NEUNZEHN

ZWANZIG

EINUNDZWANZIG

ZWEIUNDZWANZIG

DREIUNDZWANZIG

VIERUNDZWANZIG

FÜNFUNDZWANZIG

SECHSUNDZWANZIG

SIEBENUNDZWANZIG

ÜBER DEN AUTOR

LESEPROBE

EINS

EINS

Es war Morgen an Bord des Föderationsraumschiffs U.S.S. Protostar. Zumindest dachte Dal das. Oder besser gesagt, er hoffte, dass es Morgen war. Ohne einen Blick auf das Chronometer zu werfen, konnte man im Weltall schwierig sagen, wie spät es war. Und so hilfreich Hologramm-Janeway auch war, selbst Dal war klar, wie nervtötend es wäre, sie die ganze schlaflose Nacht lang nach der Uhrzeit zu fragen.

Dal hatte kaum geschlafen, denn jedes Mal, wenn er die Augen schloss, war sie wieder da – die Erinnerung daran, wie er und der Rest der Protostar-Besatzung noch vor Kurzem Gefangene des Diviners auf Tars Lamora gewesen waren. An die Schmerzen, die die Waffen der Wächter seinem Körper zugefügt hatten, und an den seelischen Schmerz, weil er sich vollkommen allein gefühlt hatte, obwohl er von Hunderten anderen Unerwünschten umgeben gewesen war. Dal versuchte, sich in seine Decke einzurollen und sich auf die schönen Dinge zu konzentrieren, die passiert waren – wie etwa das Raumschiff der Föderation zu finden, in dem er jetzt durchs All flog. Wie er und seine Mannschaft sich zusammengetan hatten und nicht nur von Tars Lamora entkommen, sondern auch zu diesem abgelegenen Planeten zurückgekehrt waren, um den Rest der Unerwünschten zu befreien. Wie glücklich eine kleine Puppe aus Ersatzteilen Gwyn machen konnte.

Aber egal wie sehr er sich in seine Decke wickelte, er fand keine Ruhe. Auch Schäfchenzählen oder ein replizierter Becher mit warmer Milch halfen nicht (obwohl Janeway darauf bestand, dass beides altbewährte Tricks der Erdlinge zum Einschlafen seien). Jedes Mal wenn Dal die Augen schloss, hatte er sofort das Gefühl, zurück in den Minen von Tars Lamora zu sein und Hunger zu leiden. Oder hilflos begraben zu sein unter den Cilium-Ranken auf dem M-Klasse-Killerplaneten im Hirogen-System, die versucht hatten, sie alle aufzufressen. Oder in einem Käfig eingesperrt zu sein, wie noch vor ein paar Tagen auf dem Marktplatz von Odaru.

Dal konnte nicht aufhören, daran zu denken, wie knapp sie mit dem nötigen Material für die Reparatur des Transportersystems der Protostar entkommen waren. Er erinnerte sich sehr gut daran – obwohl er mit aller Macht versuchte, es zu vergessen –, wie er sich in der Vergangenheit gefühlt hatte, und wurde dennoch das Gefühl nicht los, dass all der Hunger, die Hilflosigkeit und die Angst jetzt noch schlimmer waren, weil er nicht mehr allein war. Seine Mannschaft bedeutete ihm etwas. Dal war der Captain und hatte verstanden, dass er ihretwegen tapfer Haltung bewahren musste. Denn wenn er tapfer war, würden sie es auch sein.

Nachdem er gefühlt tagelang einfach nur dagelegen hatte, warf Dal die Decken zur Seite, rieb sich die Augen und schwang die Beine aus dem Bett. »Computer, Licht«, sagte er und seine Kabine wurde vom warmen Schein eines simulierten Sonnenaufgangs erhellt. Dal sah sich im Raum um und trat auf den Boden, der an seinen nackten Füßen so kalt war, dass er von einem Bein aufs andere hüpfte, bis er seine Stiefel gefunden hatte. Die Stiefel der Sternenflotte waren wesentlich bequemer als die Schuhe, die er als Gefangener hatte tragen müssen. Sie glänzen auch mehr, dachte Dal. Captain zu sein hat wirklich seine Vorzüge! Und, musste er sich insgeheim eingestehen, es bringt eine Menge Verantwortung mit sich.

Es war also Morgen auf der U.S.S. Protostar. Na ja, wahrscheinlich.

Und Captain Dal R’El hatte Dienst.

ZWEI

Dal betrat die Brücke, wo Janeway ihn schon erwartete. Dieses lebensechte, computergenerierte Abbild der echten Kathryn Janeway war ursprünglich als Trainingshologramm entwickelt worden, um dem Sternenflottenpersonal auf der Protostar mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Jetzt half es einer Besatzung, in die Sicherheit und den Schutz der Sternenflotte zurückzufinden.

Janeway stand entspannt neben dem Kommandosessel. Dals Kommandosessel. Auch wenn Dal verstand, dass die Protostar prinzipiell Eigentum der Sternenflotte war, war das Schiff doch schnell zu seinem Zuhause geworden, oder zumindest zu seinem Zuhause fern der Heimat – wo auch immer sich seine wirkliche Heimat befand. Und bis sie das Schiff der Sternenflotte zurückgegeben haben würden, hatte Dal kein Problem damit, den Sessel des Captains für sich zu beanspruchen. Und doch konnte er nach all diesen Wochen immer noch nicht fassen, wo er war. Die glatten Linien und die angenehme Temperatur der Brücke der Protostar hatten so gar nichts gemeinsam mit den rauen, brütend heißen Minen von Tars Lamora. Das glänzende, zweckmäßige Silber und Grau der runden Brücke wurde von der Aussicht durch die riesigen, beinahe bis zur Decke reichenden Fenster im vorderen Drittel aufgewertet.

»Guten Morgen, Dal«, sagte Janeway.

»Morgen, Janeway«, antwortete Dal und ließ sich in den Sessel gleiten. Seinen Sessel.

»Morgen?«, fragte Janeway.

»Es ist doch Morgen, oder nicht?« Dal suchte die Brücke nach dem nächsten Chronometer ab. Janeway hob ihren holografischen Kaffeebecher an die Lippen und lächelte. »Oh, es ist Morgen, Dal«, bemerkte sie und machte eine Pause, um einen Schluck zu trinken, »aber so wie du aussiehst, kann man wohl davon ausgehen, dass es für dich wahrscheinlich kein guter ist. Ganz und gar nicht.«

»Oh weh. Seh ich so schlimm aus?«, fragte Dal und beugte sich zu seinem Stiefel vor, um sein lila Spiegelbild in dessen Glanz zu betrachten. Janeway selbst sah immer wie aus dem Ei gepellt aus und war streng nach Sternenflottenvorschrift gekleidet. Ihre offizielle Uniform, ein schwarzer Einteiler mit dunkelroten Schultern, saß perfekt über ihrem grauen Shirt. Der Glanz ihres goldenen Kommunikatorabzeichens wurde nur von ihrem Scharfsinn und ihrer Intelligenz in den Schatten gestellt. Und das Einzige, was größer war als Dals Selbstvertrauen, war sein Respekt vor seiner holografischen Beraterin. Als Captain der Protostar hatte Dal das letzte Wort. Aber das bedeutete nicht, dass er ihre Vorschläge und Ideen in den Wind schlagen konnte.

Janeway beugte sich vor. »Ich würde nicht sagen, dass du schlimm aussiehst, Dal, aber du hast mehr Ringe als der Saturn unter deinen Augen. Hast du überhaupt geschlafen? Hast du dein Logbuch schon aufgezeichnet?«

Dal drehte sich um und versuchte ungeschickt, vom Thema abzulenken, indem er ein paar bunte Schaltflächen auf der Konsole drückte, die in die Armlehne seines Sessels eingelassen war. »Ich hatte genug Schlaf. Machen Sie sich keine Sorgen um mich. Mir geht’s prima. Ich seh gut aus und mach meinen Job als Captain so gut wie jeder andere! Das Logbuch erledige ich später. Dafür ist es noch zu früh.« Dal fragte sich, ob die Lebenserhaltungssysteme der Protostar seinen Schlaf- und Wachzyklus überwachten. Konnten sie erkennen, wann er schlief? Konnten sie Dinge wie Atmung oder Herzschlag überwachen? Würde Janeway seinen Bluff durchschauen und es überprüfen?

»Du bist der Captain«, sagte Janeway.

Puh!, dachte Dal, während er abwechselnd versuchte, die immer gleichen blinkenden Nachrichten auf seiner persönlichen Ops-Konsole zu lesen und sein grauweißes Haar zu bändigen, das in alle Richtungen von seinem Kopf abstand. Irgendwo zwischen den Decks gingen die Lichter in einer Jefferies-Röhre ständig an und aus. Dal versuchte, das Problem über die Steuerung an seinem Kommandosessel zu beheben. Janeways Programmierung erlaubte es dem Sternenflottenpersonal – insbesondere denjenigen, die noch lernten –, die eigenen Grenzen auszuloten. Angesichts der bisherigen Leistungen dieser Mannschaft war sie davon überzeugt, dass sie sich alle weiterentwickeln würden, auch wenn dazu gehörte, dass sie lernen mussten zu scheitern. Aber um ganz sicherzugehen, führte sie eine Diagnostik durch, damit die Lichter in der Röhre auch wirklich eingeschaltet waren, nachdem Dal lange genug herumgepfuscht hatte.

Die Tür im hinteren Bereich der Brücke öffnete sich zischend und Jankom Pog, der Schiffsingenieur, kam herein.

»Jankom Pog liebt Frühstück«, sagte er. »Wenn es doch bloß nicht nur morgens Frühstück gäbe. Moment – wär das möglich? Hat Jankom Pog grade was Neues erfunden?«

Zero schwebte hinter ihm herein, nahm den Platz an der Steuerkonsole ein und meinte: »Das denke ich eher nicht, Jankom.«

»Was weißt du schon von Essen, Zero?«, fragte Jankom und stopfte sich ein letztes Stück replizierten delvanischen Schaumkuchen in den Mund. »Du bist körperlos – du hast keinen Mund zum Essen!«

»Das stimmt«, gab Zero ihm recht und tippte auf die Stelle der Metallschutzhülle, wo sich der Mund befinden würde, »aber das heißt nicht, dass ich nichts von der alten Erdtradition gehört hätte, die manchmal mit dem Kofferwort ›Brunch‹ bezeichnet wird.«

»›Brunch‹?«, fragte Dal. »Was ist ›Brunch‹?«

»Koffer-Wort? Was soll das denn sein?«, fragte Jankom.

»Ein Kofferwort ist die Verschmelzung zweier Worte zu einem neuen. In diesem Fall steht ›Brunch‹ für die englischen Worte ›Breakfast‹, also Frühstück, und ›Lunch‹, also Mittagessen. Während eines Brunchs kommen Familien und Freunde zusammen, um Speisen zuzubereiten und zu sich zu nehmen, die normalerweise entweder morgens oder mittags verspeist werden.«

Jankom war verblüfft. »Ist das … Stimmt das wirklich, Janeway?«

»Ja, aber normalerweise trinke ich morgens nur Kaffee«, sagte sie und nahm einen weiteren Schluck aus ihrem Becher, der nie leer zu werden schien. »Und mittags auch.«

»Ich meinte, ob ›Kofferwort‹ echt so heißt«, stellte Jankom klar. »Aber Jankom ist froh, jetzt zu wissen, dass er jederzeit leckeren Schmackofatz bekommen kann!«

Erneut zischte die Tür zur Brücke und der Rest der Protostar-Besatzung erschien – Gwyn, Rok-Tahk und Murf.

»Brrrrrblpthhhhlsllllll«, machte Murf zur Begrüßung.

»Ich glaube, Murf meint ›Guten Morgen‹«, übersetzte Rok-Tahk fröhlich. »Aber als ich gestern versehentlich auf ihn getreten bin, hat er hat dasselbe gesagt, also wer weiß.«

»Jankom musste so ’n Geräusch mal nach zu viel Gagh von sich geben«, sagte Jankom und drehte sich mit seinem Sessel. Der Rest der Besatzung beschloss, nicht weiter nachzufragen.

»Ooookay«, sagte Rok-Tahk, um das Thema zu wechseln. »Wohin geht’s heute?«

Dal richtete sich in seinem Sessel auf. »Ich denke, wir fliegen weiter in, ähm … diese Richtung.« Er zeigte geradeaus.

»Oh, also weiter wie bisher?«, fragte Rok-Tahk.

»Ja. Da geht’s lang zur Sternenflotte, also fliegen wir da hin!«, antwortete Dal zuversichtlich.

»Brrrrrblpthhhhlsllllll«, machte Murf. Wieder.

Gwyn stand schweigend neben Zero an der Navigationskonsole und starrte gedankenverloren aus dem Fenster, das die Vorderseite der Protostar-Brücke einnahm. Sie strich mit den Fingern über das Gittergeflecht an ihrem Arm. Es sah aus wie ein aufwendiges Schmuckstück, aber es war keine bloße Dekoration. Es war ein Erbstück der Vau N’Akat, das ihr Vater ihr geschenkt hatte. Sie konnte es mit ihren Gedanken kontrollieren und in jede beliebige Form bringen. Gwyn berührte ihre Armspange oft, wenn sie in Gedanken versunken war.

Gwyn war nicht gerade ein »Morgenmensch« und würde es wohl auch nie werden. Wenn sie wach wurde, empfand sie weder Rok-Tahks grenzenlosen Optimismus noch Jankoms unstillbaren Hunger, sondern war in den nagenden Erinnerungen an die Vormittage auf Tars Lamora gefangen. In den frühen Morgenstunden, manchmal noch bevor sie sich den Schlaf aus den Augen gerieben hatte, hatte ihr Drednok – der Berater ihres Vaters – eine Liste mit Aufträgen für den Tag gegeben. Ihr gesamter Tag war durchgeplant gewesen. Tage, an denen sie nichts anderes tat, als bei den Kazon Chimerium-Barren gegen neue Unerwünschte einzutauschen. Tage, an denen sie die Minenarbeiter ausspionierte, an denen sie übersetzte, Aufstände unterdrückte und versuchte, eine gewisse Unabhängigkeit zu erlangen, während Drednoks rot glühende Augen sie ständig beobachteten. Die ganze Zeit hatte sie sich gefragt, was der eigentliche Plan ihres Vaters war und ob es richtig sein konnte, ihm zu helfen. Gwyns Vater war ihr und allen anderen auf Tars Lamora als der Diviner bekannt. Sie war seine Nachfahrin und er lehrte sie unerbittlich, zu kämpfen. Und vor ihm niederzuknien. Drednok hatte gespürt, dass Gwyn die Beweggründe ihres Vaters hinterfragte, und ihr bei jeder Gelegenheit deutlich gemacht, dass sie gut daran täte, ihre Grenzen nicht zu überschreiten. Er hatte auch den Diviner wissen lassen, dass er Gwyn misstraute.

Es war schwierig, bei den mit Warpgeschwindigkeit vorbeiziehenden Sternen und Planeten viele Einzelheiten wahrzunehmen, aber sie konnte genug erkennen, um zu wissen, dass die Besatzung mit einer Geschwindigkeit durch den Weltraum raste, die noch vor ein paar Wochen undenkbar gewesen wäre. Und einige der funkelnden Sterne erinnerten sie an den Glanz in den Augen der letzten Unerwünschten, die sie erworben hatte. Eine junge Caitianerin, deren Augen, wie die der meisten jungen Gefangenen, die in den Minen unter der Planetenoberfläche arbeiten mussten, wahrscheinlich nie wieder in der Sonne funkeln würden. Sie war stolz auf sich und den Rest der Mannschaft, dass sie vor Kurzem nach Tars Lamora zurückgekehrt waren, um die Unerwünschten zu befreien – aber Gwyn hatte zu viele Vormittage in Angst verbracht, um jemals »Guten Morgen« zu sagen, geschweige denn zu denken.

Gwyn hatte sich so lange gewünscht, die Sterne zu sehen, dass sie sich jetzt kaum von ihnen losreißen konnte. Jetzt und hier, auf der Brücke der Protostar, weit weg von der Unterdrückung des Diviners und Drednoks und umgeben von einer Besatzung – von Freunden – konnte sie sie einfach nur … ansehen. Sie ertappte sich dabei, wie sie geistesabwesend über das Nest aus feinen, toten Fäden strich, aus dem das Haar der Puppe bestand, die sie auf dem Marktplatz von Odaru gefunden hatte. Seit diesem Abenteuer hatte Gwyn die Puppe ständig bei sich. Sie betrachtete sie – ein Sammelsurium aus alten Raumschiffteilen, gekleidet in Seidenfetzen – und dachte an die junge Caitianerin. Hatte sie jemals eine solche Puppe gehabt? Oder einer der anderen Unerwünschten? Sie konnte sich nicht erinnern.

Gwyn hielt sich die Puppe vors Gesicht. Sie warf einen Schatten, als sie an einem hellen Stern vorbeiflogen, der bestimmt eine Sonne war, um die ein oder mehrere Planeten kreisten. Sein Licht und das Licht ihrer Freunde und Kameraden wärmte sie mehr, als die Sonne über Tars Lamora es je getan hatte.

»Gwyn«, sagte Zero und holte sie aus ihren Erinnerungen. »Da ist etwas auf dem Fuß deiner Puppe eingraviert.«

DREI

»Ach ja?«, fragte Gwyn und hob die Puppe etwas höher.

Gwyn war so verliebt in die Puppe gewesen, vor allem in das Gefühl, das sie ihr gab, dass sie gar nicht auf alle Einzelheiten geachtet hatte. Einzelheiten zu übersehen kann einen umbringen, dachte sie, als die Erinnerung an ihre Ausbildung zurückkehrte. Das werde ich nicht noch mal zulassen.

Und tatsächlich, auf der Unterseite des linken Fußes der Puppe erstreckte sich eine Reihe von Symbolen von der Ferse bis zu den Zehen.

»Was bedeutet das wohl?«, wunderte sie sich.

»Vielleicht ist das ein Zugangscode für einen Safe voller Chimerium«, schlug Jankom Pog vor.

»Vielleicht ist es der Name des früheren Besitzers der Puppe«, sagte Rok-Tahk schüchtern. »Wenn ich jemals eine Puppe hätte, würde ich meinen Namen draufschreiben, damit jeder weiß, dass sie mir gehört. Und damit man sie mir zurückbringen kann, falls ich sie verliere. Aber so eine hübsche Puppe würde ich nie verlieren. Niemals!«

Gwyn lächelte ihre Freundin an. Sie vergaß manchmal, dass die Brikar, obwohl sie rosa Steinhaut besaß, fast doppelt so groß war wie sie und um ein Vielfaches mehr wog, doch nur ein acht Jahre altes Mädchen war, das wahrscheinlich noch nie eine eigene Puppe besessen hatte.

»Schon möglich«, sagte Dal und strich sich übers Kinn. »Aber vielleicht bedeutet es auch … nichts? Könnte es nicht einfach nichts bedeuten?«

Janeway näherte sich der Puppe, um sie sich anzusehen. »Es könnte nichts bedeuten«, bestätigte sie. »Aber meiner Erfahrung nach ist nichts nur selten wirklich nichts. Und manchmal, meistens sogar, ist nichts ganz sicher etwas.«

»Okay«, sagte Dal wegwerfend, »es bedeutet also … etwas. Vielleicht.«