Star Trek - The Next Generation 06: Den Frieden verlieren - William Leisner - E-Book

Star Trek - The Next Generation 06: Den Frieden verlieren E-Book

William Leisner

4,7

Beschreibung

Das Glück ist Lieutenant Jasminder Choudhury, der Sicherheitschefin der U.S.S. Enterprise, hold gewesen. Sie hat überlebt. Doch für ihre Heimatwelt, Deneva, die wie viele andere Planeten während der gewaltigen Borg-Invasion ins Zielfeuer geriet, gilt das nicht. Alles Leben auf der Oberfläche wurde ausgelöscht und der Planet unbewohnbar gemacht. Jeder, der nicht rechtzeitig evakuiert werden konnte, wurde getötet. Choudhury steht nun vor der Frage, ob ihre Familie zu den Geretteten gehört. Oder, ob sie sie alle für immer verloren hat. Die Enterprise ist nur ein Schiff, und Jasminder Choudhury ist nur ein Offizier, doch ihre Geschichte wiederholt sich überall in der gesamten Galaxis immer und immer wieder. Hunderttausende evakuierter Personen sind überall verstreut und suchen nach einem sicheren Ort, an dem sie Trost finden können. Captain Jean-Luc Picard erhält den Befehl, alles ihm Mögliche zu tun, um die verlorenen Seelen der Borg-Invasion aufzuspüren und zu retten. Zum ersten Mal seit Generationen, erleben die Bürger der Föderation Not, Ungewissheit und Angst. Blutig und dennoch ungebrochen steht die Föderation am Rande eines Abgrunds. Der Captain der Enterprise befindet sich in einer wenig beneidenswerten Lage und muss sich fragen, ob es wahr ist, dass diejenigen, die gut darin sind, einen Krieg zu gewinnen, schlecht darin sind, den Frieden zu bewahren.

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STAR TREK

THE NEXT GENERATION®

DEN FRIEDENVERLIEREN

WILLIAM LEISNER

Based onStar Trek: The Next Generationcreated by Gene Roddenberry

Ins Deutsche übertragen vonBernd Perplies

Die deutsche Ausgabe von STAR TREK – THE NEXT GENERATION: DEN FRIEDEN VERLIEREN wird herausgegeben von Amigo Grafik, Teinacher Straße 72, 71634 Ludwigsburg. Herausgeber: Andreas Mergenthaler und Hardy Hellstern, Übersetzung: Bernd Perplies; verantwortlicher Redakteur und Lektorat: Markus Rohde; Lektorat: Anika Klüver und Gisela Schell; Satz: Rowan Rüster/Amigo Grafik; Cover Artwork: Martin Frei.

Titel der Originalausgabe: STAR TREK – THE NEXT GENERATION: LOSING THE PEACE

German translation copyright © 2011 by Amigo Grafik GbR.

Original English language edition copyright © 2009 by CBS Studios Inc. All rights reserved.

™, ® & © 2011 CBS Studios Inc. STAR TREK and related marks and logos are trademarks of CBS Studios Inc.

This book is published by arrangement with Pocket Books, a Division of Simon & Schuster, Inc.,

pursuant to an exclusive license from CBS Studios Inc.

Print ISBN 978-3-941248-66-3 (April 2011) · E-Book ISBN 978-3-942649-85-8 (November 2011)

WWW.CROSS-CULT.DE · WWW.STARTREKROMANE.DE

Für jene, die überlebenund durchhalten

HISTORISCHE ANMERKUNG

Die Hauptereignisse dieses Buchs finden im späten Februar und frühen März 2381 statt, direkt nach dem Einfall der Borg sowie der Beendigung der Krise durch die Rasse der Caeliar (STAR TREK – DESTINY Band 3: »Verlorene Seelen«) und vor der Entdeckung der Föderation, dass eine neue Macht in der Galaxis am Werk ist (STAR TREK»Einzelschicksale«).

Ich bin aber der Überzeugung, dass die Menschen in unserem Land unbedingt verstehen müssen, wie komplex die Situation ist, anstatt sich von Vorurteilen, Wut oder starken Gefühlen leiten zu lassen. Wie ich eben schon ein wenig formeller gesagt habe, sind wir sehr weit von dem Krisengebiet entfernt. Es ist unmöglich, sich auf diese Entfernung und nur anhand von Zeitungs- und Rundfunkberichten, Fotos oder Filmaufnahmen ein annähernd realistisches Bild von der Lage dort zu machen. Trotzdem hängt die Zukunft der ganzen Welt davon ab, dass wir die Situation richtig einschätzen.

- George C. Marshall,Außenminister der Vereinigten Staaten5. Juni 1947

PROLOG

»Auf die Borg: Mögen sie alle in der Hölle verrotten und verbrennen!«

Eine Welle des Applauses rollte durch die Latinum Lounge des Transportschiffes. Mehrere Gläser mit alkoholischen Getränken – echtem Stoff, denn replizierte oder syntheholische Getränke waren bei einem solchen Anlass einfach nicht angemessen – wurden erhoben, während die Anwesenden die größte Tat in der Geschichte der Föderation seit dem Sieg über das Dominion feierten, vielleicht sogar die größte seit Gründung der Föderation überhaupt.

Arandis hob ebenfalls ihr Glas, auch wenn es nur Chininwasser enthielt. Es war das erste Mal, dass sie Risa verließ – wie die meisten Risaner hatte sie niemals das Bedürfnis verspürt, ihrem Heimatplaneten den Rücken zu kehren –, und seit sie aus dem Orbit heraus waren, kämpfte sie gegen die Raumkrankheit an. Natürlich ließ sie niemanden sonst ihr Unwohlsein sehen, denn schließlich waren einer guten Gastgeberin die Bedürfnisse ihrer Gäste stets wichtiger als die eigenen. Obwohl sie sich mittlerweile Lichtjahre von Risa entfernt befanden, stellten all diese Leute genau genommen nach wie vor Gäste der Hotelanlage der Temtibi-Lagune dar, und entsprechend oblag es Arandis, für ihre Zufriedenheit zu sorgen.

Diese Zufriedenheit zu gewährleisten, war nicht eben leicht – weder zu Beginn noch zuletzt. In den frühen Morgenstunden war der Befehl zur Evakuierung hereingekommen. »Eine reine Vorsichtsmaßnahme« hatte der Sicherheitsminister das Ganze in seiner Verlautbarung genannt. Arandis wusste, dass es in den letzten Wochen zu einer Reihe von Nadelstichangriffen auf andere Föderationswelten gekommen war und dass die Sternenflotte daraufhin eine aus sechs Raumschiffen bestehende Flotte abkommandiert hatte, um ihre Heimatwelt zu verteidigen. Doch dann waren heute, gerade als sie das wöchentliche Strand-Hoverball-Turnier in Angriff nehmen wollte, auf einmal Berichte von einer gewaltigen Armada aus Borg-Kuben eingetroffen. Diese hatte im Azur-Nebel eine Blockade aus kombinierten Streitkräften der Sternenflotte, Klingonen und Romulaner durchbrochen und schwärmte daraufhin überall im Alpha- und Beta-Quadranten aus. Alle geplanten Aktivitäten waren abgesagt worden, und man hatte die Gäste so rasch und geordnet wie möglich aus der Hotelanlage und zum benachbarten Raumhafen gebracht.

Den Spendern sei Dank war es kaum zu Panik gekommen. Die schlichte Erwähnung der Borg genügte, um die Herzen der meisten Bürger der Föderation vor Schreck erstarren zu lassen. Das galt besonders für Arandis’ menschliche Gäste, schließlich hatten sich all die Borg-Einfälle in den Alpha-Quadranten gegen deren Heimatwelt, die Erde, gerichtet, und der letzte war kaum ein Jahr her. Arandis war besonders darauf bedacht gewesen, solch verängstigte Seelen beiseitezunehmen, ihnen eine tröstende Hand auf die Schulter zu legen und sie daran zu erinnern, dass all jene Vorfälle in der Vergangenheit letztendlich stets mit einem Sieg der Sternenflotte über die kybernetischen Invasoren endeten. Es war ihr gelungen, sie davon zu überzeugen, dass die Sternenflotte sie letzten Endes auch diesmal alle retten würde.

Tatsächlich wurde ihr Glaube belohnt. Die Borg waren besiegt worden – nicht nur diese Invasionsflotte, sondern die gesamte Rasse. Sie waren auf eine Weise in einer neuen Daseinsform aufgegangen, die Arandis nicht verstand. Als die Piloten des Transportschiffes die Nachrichten, die über die offiziellen Kanäle reinkamen, weiterleiteten, war der ganze Passagierbereich – der bis dato kollektiv den Atem angehalten hatte – in ohrenbetäubenden Jubel ausgebrochen. Später erfuhr Arandis, dass eines der drei Schiffe, die maßgeblich zum Triumph der Sternenflotte beigetragen hatten, unter dem Befehl von Captain Ezri Dax stand, dem gegenwärtigen Wirt des Trill-Symbionten ihres geliebten, alten Freundes Curzon. Daraufhin war ein besonderes Gefühl des Stolzes auf den Erfolg der Sternenflotte in ihrer Brust aufgewallt.

Arandis ging durch die belebte Lounge auf die Bar zu, wobei sie darauf achtete, dass alle Gläser gefüllt waren und es keinem ihrer Gäste an etwas fehlte. Gerade als sie einem ihrer Assistenten ein Zeichen gab, ein Tablett mit Getränken in die hintere Ecke des Raumes zu bringen, trat der Mann an ihre Seite, der den letzten Toast ausgesprochen hatte. Es war ein junger Mensch mit strubbeligem sandblondem Haar, der farbenfrohe Strandbekleidung trug und um dessen Hals noch immer ein gestreiftes Hotelstrandtuch lag. »Hey, Süße!«, rief er und schenkte ihr ein breites, betrunkenes Grinsen. »Iss’n großer Tag heute, nich?« Er hob sein Weinglas und prostete ihr zu.

Der übermächtige Alkoholgestank seines Atems ließ erneut Übelkeit in ihr aufsteigen, aber sie unterdrückte das Gefühl. Ihr junger Gast – Donald Wheeler war sein Name, wie sie sich erinnerte – hatte während des Nachrichtenblackouts in den ersten Stunden nach der Evakuierung bereits ziemlich viel getrunken. Und auch im Anschluss an die Verkündigung ihres Sieges hatte sich daran nichts geändert. »Ja, Sie haben recht, Donald«, erwiderte Arandis mit einem Lächeln und strich ihm über den Arm, während sie sich zugleich abwandte, um weiterzugehen.

Doch Wheeler packte ihr Handgelenk, nicht fest, aber mit genug Bestimmtheit, dass sie sich veranlasst sah, sich wieder zu ihm umzudrehen. »Ich dacht’ mir also, wir sollt’n diesen wichi... wichti... wichtig’n Moment inner Geschichte feiern.« Er hatte sichtlich damit zu kämpfen, seine Lippen und seine Zunge dazu zu bringen, das zu tun, was er von ihnen wollte. »Ich hab meinen Horga’hn auf Risa vergess’n. Isses okay, wenn ich einfach grad’heraus sage, dass ich Lust auf ’ne Runde Jamaharon mit dir hätte, Schätzch’n?«

Arandis schenkte ihm ein perfekt einstudiertes Lächeln. »Natürlich. Alles, was unser ist, ist euer«, erwiderte sie. »Aber bei all den anderen Leuten und so einem kleinen Schiff fürchte ich, dass es einfach unmöglich ist, eine angemessene Atmosphäre zu erzeugen.«

»Hey, ich bin im Urlaub!« Wheeler bedachte sie mit einem, wie er zweifellos glaubte charmanten, Zwinkern, lockerte seinen Griff an ihrem Handgelenk und ließ seine Finger ihren Arm emporwandern. »Ich muss nicht angemess’n sein.«

Ohne ihrem Lächeln zu gestatten, auch nur um einen Millimeter zu verrutschen, nahm Arandis die Hand des Mannes von ihrem Arm und umfasste sie sanft. »Sie mögen Jamaharon suchen«, sagte sie und blickte ihm direkt in die braunen, trübe dreinschauenden Augen. »Aber Sie werden es mit dieser Einstellung nicht finden. Es ist nicht allein eine körperliche Erfahrung, sondern auch eine emotionale und spirituelle.« Arandis arbeitete schon lange in der Gästebetreuungsbranche. Dennoch erschreckte es sie immer wieder, wie viele Besucher nach Risa kamen und behaupteten, Jamaharon zu suchen, in der Annahme, dass es sich dabei um nichts anderes als eine exotische Form des Beischlafs handelte – als würde ihr Volk keiner edleren Weltanschauung als dem puren Hedonismus anhängen. »Aber ich verspreche Ihnen, dass ich Ihnen, sobald wir nach Risa zurückgekehrt sind, zeigen werde, wie all diese Aspekte, in angemessener Form vereint, zu etwas Größerem und Außergewöhnlichem werden können.«

Einen Augenblick lang starrte Wheeler ihr in die Augen, so als hätte er in ihnen etwas gesehen, das jenseits der Oberfläche lag. Dann war der Moment vorüber. »Ich brauch einen Horga’hn«, brüllte er, während er sich von ihr abwandte und dabei sein Glas Rotwein beinahe über den Rücken eines Bolianers hinter ihm verschüttete. »Kommt schon, Leute! Wer hat’n Horga’hn, den ich mir leihen kann?«, rief er, wobei er sich langsam entfernte und die Lounge nach jemandem absuchte, der ihn nicht angestrengt zu ignorieren versuchte.

So erleichtert sie auch war, dass sie ihn hatte abwimmeln können, bedauerte Arandis doch zugleich, dass sie nicht inder Lage gewesen war, seine Wünsche zu erfüllen. Dieses Bedürfnis lag schließlich in der Natur der Risaner. Sie entschied, dass sie ihn, sobald sie nach Risa zurückgekehrt waren (und Wheeler sich hoffentlich ein wenig gefangen hatte), aufsuchen und ihm anbieten würde, diesen Missstand zu beheben. Arandis warf einen Blick auf die verzierte, alte Uhr, die hinter der Bar der Lounge an der Wand hing, und bemerkte, dass zu Hause bald die erste Sonne unterging. Es wurde Zeit für das Abendessen. Für diesen Abend war ein großes Meeresfrüchtebankett geplant gewesen, zu dem über zwei Dutzend verschiedene Gerichte frisch aus Risas kristallblauem Ozean hätten aufgetischt werden sollen, gefolgt von einer Auswahl ...

Arandis blickte ein zweites Mal auf die mit Edelsteinen besetzte Uhr, und ihr wurde bewusst, dass sie sich nun schon seit fast acht Stunden auf diesem Schiff befand. Die Nachrichten, die vom Sieg über die Borg kündeten, waren bereits dreieinhalb Stunden nach ihrem Abflug von Risa eingetroffen. Sollten sie nicht mittlerweile umgedreht haben? Und wenn sie dies getan hatten, sollten sie Risa dann nicht schon vor einer Stunde wieder erreicht haben? Wenn sie so darüber nachdachte, vermochte sich Arandis nicht daran zu erinnern, dass das Schiff seine rasende Flucht vor den Borg irgendwann verlangsamt oder aber irgendwelche Kurskorrekturen vorgenommen hätte. Natürlich war das kaum zu erwarten, so unerfahren wie sie in Raumreisen war. Und vielleicht gab es gute technische Gründe dafür, weshalb die zweite Hälfte ihres Fluges länger dauerte als die erste – Subraumwirbel und -anomalien, all diese Dinge, von denen ihre Freunde bei der Sternenflotte immer sprachen.

Nach einer weiteren Stunde war sich Arandis sicher, dass es keine Subraumanomalien sein konnten, die ihre Rückkehr verzögerten, und sie bemerkte, dass immer mehr Gäste, genau wie sie selbst, mit verwirrten Gesichtern regelmäßig auf den antiken Zeitmesser blickten. Arandis wies die anderen Mitarbeiter der Temtibi-Lagune an, zusätzlich zu den Getränken Horsd’œuvres anzubieten. Danach verließ sie unbemerkt die Lounge und begab sich durch die zugangsbeschränkten Bereiche des Schiffes nach vorne zum Cockpit.

Sie lief einen ihr unbekannten Korridor bis zu der verschlossenen Frontluke entlang, und nach kurzem Zögern drückte sie dort auf den Signalgeber. Nachdem sie sich als Managerin der Hotelanlage, aus der die Passagiere stammten, ausgewiesen hatte, öffnete sich die Tür, und ein großer, muskulöser und makellos gebräunter Risaner, der die Uniform des Risanischen Sicherheitsministeriums trug, trat hindurch. »Stimmt etwas nicht?«, fragte er sie, und seine Stirn runzelte sich um sein goldfarbenes Ja’risia herum. »Wie ist die Stimmung unter unseren Gästen?«

»Sie sind größtenteils zufrieden«, erwiderte Arandis leicht verwirrt. »Was ist los? Warum sind wir noch nicht nach Risa zurückgekehrt?«

Der Mann schaute über Arandis’ Schulter nach irgendwelchen unerwünschten Mithörern und sah sie dann mit traurigem Blick an. Seine strahlend blauen Augen füllten sich unvermittelt mit Tränen. »Weil es ... weil es kein Risa mehr gibt.«

Arandis starrte ihn einen Moment lang einfach nur an. Dann entrang sich ihrer zugeschnürten Kehle ein humorloses Auflachen. »Was meinen Sie mit ‚kein Risa mehr‘?«

»Ich meine damit, dass die Borg den Planeten ausgelöscht haben«, antwortete der Mann mit rauer Stimme. »Sie haben jedes Leben vernichtet. Es gibt nichts mehr ...« Seine Stimme brach, und er bedeckte sich mit einer Hand den Mund.

»Nein«, hauchte Arandis ungläubig. »Die Borg wurden geschlagen. Die Sternenflotte ... die Berichte besagten doch ...«

»Die Borg erreichten Risa, bevor sie besiegt werden konnten«, verkündete der Offizier. »Wir haben diese Berichte vor den Passagieren zurückgehalten. Es hätte sie nur beunruhigt ... die Bilder, die uns geschickt wurden ...«

Arandis hörte ihm gar nicht mehr zu. Jeder bewusste Gedanke wurde aus ihrem Geist verdrängt, wie von der Flut fortgespült, während allein ein tosendes Rauschen, wie das Geräusch der Meereswellen, ihren Kopf füllte.

Kein Risa mehr.

Es war zu grauenvoll, zu unvorstellbar. Wie konnte die Sternenflotte sie nur im Stich gelassen haben? Es hatte sechs Schiffe gegeben, mit Hunderten von Besatzungsmitgliedern auf jedem von ihnen. Waren auch sie alle getötet worden? Und Risa selbst ... Die Catona-Steilküste war verschwunden. Der Tolari-Turm existierte von nun an nur noch in ihren Erinnerungen. Dinge wie einen Risanischen Grand Delight gab es einfach nicht mehr. Arandis spürte, dass ihre Knie unter ihr nachzugeben begannen ...

»Wir können es den Gästen nicht sagen, noch nicht«, meinte der Offizier und holte Arandis damit von der Schwelle zum Wahnsinn zurück. »Wir tragen die Verantwortung für sie.«

»Ja, natürlich«, zwang sie sich, ihm mit kaum hörbarer Stimme beizupflichten. Alles, was unser ist, ist euer, intonierte sie in Gedanken.

Alles was unser war, ist fort.

»Aber es wird nicht lange dauern, bis sie bemerken, dass irgendetwas nicht stimmt«, fügte sie laut hinzu.

Der Offizier schenkte ihr ein, wie er wohl hoffte aufmunterndes, Lächeln. »Dieser Augenblick ist wie jeder andere: nur vorübergehend. Wir ertragen ihn und vergessen ihn dann in den schöneren, die folgen werden.«

Arandis erwiderte sein Lächeln und nahm das alte Sprichwort mit einem Nicken zur Kenntnis. Doch als er sich ins Cockpit zurückgezogen und die Luke geschlossen hatte, entglitt ihr das Lächeln sofort wieder. Dies ist mehr als nur ein Augenblick, dachte sie, während sie dem kurzen geschlossenen Korridor zurück zur Hauptpassagierkabine folgte. Risa ist fort. Meine ganze Welt ... mein ganzes Volk ... Wie kann so etwas einfach vergessen werden?

Sie erreichte die Luke zur Kabine und wollte sich zusammenreißen, bevor sie hineinging. Doch dann hielt sie unvermittelt inne, beugte sich vor und erbrach den Inhalt ihres Magens – aus Gründen, die nichts mit Raumkrankheit zu tun hatten.

KAPITEL 1

Der Junge lag auf dem mit Gras bewachsenen Hügel, seinen Hinterkopf auf die Wurzeln einer alten Pappel gebettet, und blickte hinauf in die Unendlichkeit des nächtlichen Himmels. Zu seinen Füßen schien das ganze Tal zu schlafen. Nur ein paar vereinzelte Lichter brannten dort hinter den Fenstern der Gehöfte und Dörfer. Die annähernd vollständige Dunkelheit ließ selbst die schwächsten Sterne der Milchstraße wie die Signalfeuer eines Leuchtturms aufstrahlen, die den Kommandanten der Schiffe auf ihren langen Reisen durch den Ozean des Weltraums den Weg wiesen.

»Jean-Luc!«

Zunächst hörte der Junge die Stimme, die aus Richtung des Hauses kam, nicht – oder vielmehr wollte er sie nicht hören. Er wollte diesen Ort, diesen perfekten Augenblick noch nicht aufgeben. Er hielt seine Augen und seine Fantasie auf die Sterne hoch über sich gerichtet.

»Jean-Luc!«, erklang eine zweite, jüngere Stimme deutlich näher, begleitet von dem Rascheln des Grases und dem Knacken von Zweigen. Die Gedanken des Jungen lösten sich vom Himmel und fielen zurück auf die Erde. Er wünschte, der Boden unter ihm möge sich auftun und ihn verschlucken, ihn vor dem Paar verbergen, das nach ihm suchte.

Aber es klappte nicht. »Hier bist du!«, frohlockte der andere Junge triumphierend, sprang scheinbar aus dem Nichts herbei und landete mit seinen schweren Arbeitsschuhen links und rechts von Jean-Lucs Hüften. »Du träumst schon wieder, nicht wahr, mon petit frère?« Robert grinste auf ihn herunter, und das lange Haar fiel ihm in die Augen. Er war immer der größere der beiden Brüder gewesen, und im Sommer seines zwölften Lebensjahrs hatte er ganze zehn Zentimeter zugelegt. »Weiß du nicht, dass in der Dunkelheit Ungeheuer lauern?«

Robert stieß ein Brüllen aus und warf sich auf seinen jüngeren Bruder. Der Junge hob die Arme, um den Angriff abzuwehren, traf den anderen an der Brust und lenkte ihn mit Leichtigkeit ab. Dann rollte er sich in die gleiche Richtung, setzte sich auf den Bauch des größeren Jungen und drückte dessen Schultern mit beiden Händen auf den Boden – wenn auch nur für einen kurzen Moment, dann vertauschten die beiden ihre Positionen wieder. Arme und Beine wirbelten, während sie wild miteinander rangen, und sein Bruder lachte, als er seine Handgelenke packte und sie auf den Boden drückte. Der Junge stellte überrascht fest, dass er ebenfalls lachte. Das raue Spiel hatte etwas seltsam Befreiendes, und er lachte noch lauter.

»Genug gekämpft«, mischte sich die erste Stimme über ihnen ein. »Hört sofort auf zu kämpfen.«

Robert ließ von seinem Bruder ab und erhob sich, um sich neben ihren Vater zu stellen. »Was treibst du hier draußen in der Finsternis, mon garçon?«, fragte Maurice Picard mit dunkler, respektgebietender Stimme. Obwohl er keine Haare mehr auf dem Kopf hatte und tiefe Falten sein Gesicht durchzogen, das durch ein Leben auf den Weinbergen frühzeitig gealtert war, verliehen ihm seine scharfen Augen und die Habichtsnase das Aussehen eines Mannes, mit dem man sich besser nicht anlegte. »Hast du wieder geträumt?«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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