Star Wars™ Bruderschaft - Mike Chen - E-Book

Star Wars™ Bruderschaft E-Book

Mike Chen

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Beschreibung

Ein fesselndes Abenteuer von Obi-Wan Kenobi, dem Helden der Klonkriege.

Inmitten der Klonkriege begibt sich der Jedi-Ritter Obi-Wan Kenobi in diplomatischer Mission nach Cato Neimoidia. Nach einem schrecklichen Anschlag, für den die Republik verantwortlich gemacht wird, soll er verhindern, dass der Planet seine Neutralität aufgibt. Zum ersten Mal seit langer Zeit reist er allein, denn sein ehemaliger Schüler Anakin ist nun ebenfalls ein Jedi-Ritter. Doch Anakin beweist wieder einmal seine Sturheit, indem er seinem ehemaligen Meister folgt – entgegen dessen ausdrücklichen Wunsch. Schließlich muss Anakin als Gleichrangiger Obi-Wans Anweisungen nicht mehr befolgen, und die beiden Männer sind gezwungen zusammenzuarbeiten. Nicht als Meister und Schüler, sondern wie Brüder.


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Seitenzahl: 533

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Buch

Inmitten der Klonkriege begibt sich der Jedi-Ritter Obi-Wan Kenobi in diplomatischer Mission nach Cato Neimoidia. Nach einem schrecklichen Anschlag, für den die Republik verantwortlich gemacht wird, soll er verhindern, dass der Planet seine Neutralität aufgibt. Zum ersten Mal seit langer Zeit reist er allein, denn sein ehemaliger Schüler Anakin ist nun ebenfalls ein Jedi-Ritter. Doch Anakin beweist wieder einmal seine Sturheit, indem er seinem ehemaligen Meister folgt – entgegen dessen ausdrücklichen Wunsch. Schließlich muss Anakin als Gleichrangiger Obi-Wans Anweisungen nicht mehr befolgen, und die beiden Männer sind gezwungen zusammenzuarbeiten. Nicht als Meister und Schüler, sondern wie Brüder.

Mike Chen

Bruderschaft

Deutsch von Andreas Kasprzak

Die amerikanische Originalausgabe erschien 2022 unter dem Titel »Star Wars™ Brotherhood« bei Del Rey, an imprint of Random House, a division of Penguin Random House LLC, New York.

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.

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Copyright der Originalausgabe

Copyright © 2022 by Lucasfilm Ltd. & ® or ™ where indicated.

All rights reserved.

Copyright der deutschsprachigen Ausgabe © 2023 by Blanvalet in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München

Redaktion: Alexander Groß

Covergestaltung: Isabelle Hirtz, Inkcraft nach einer Originalvorlage © & TM 2022 LUCASFILMLTD

Coverillustration: Laura Racero

Coverdesign: Scott Biel

HK · Herstellung: sam

Satz und E-Book-Konvertierung: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 978-3-641-30347-1V002

www.blanvalet.de

Für Mandy, die genauso wie Anakin sagte, dass wir einen Weg finden.

Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis …

Die KLONKRIEGE haben begonnen. Der Jedi-Orden war nicht auf den rasch um sich greifenden Konflikt vorbereitet. Überfordert verkürzt er die Ausbildungszeit von Padawanen, um sie besser in die Große Armee der Republik zu integrieren und den Kampf zu unterstützen.

Einleitung

Der jüngst zum Jedi-Ritter ernannte Anakin Skywalker ist zunehmend hin und her gerissen zwischen seinen anspruchsvollen Pflichten im Namen der Republik und seiner geheimen Ehe mit Senatorin Padmé Amidala von Naboo. Nach seinem Ritterschlag ist sein Mentor, Obi-Wan Kenobi, zum Meister befördert und in den Jedi-Rat aufgenommen worden.

Während dunkle Kräfte die Jedi zwingen, sich mehr und mehr von Friedenshütern in Soldaten zu verwandeln, stehen sich Anakin und Obi-Wan nun auf Augenhöhe gegenüber, aber ihre Pfade führen sie in unterschiedliche Richtungen, und sie müssen sich in diesen Zeiten des Krieges mit der Bedeutung von Frieden und Gerechtigkeit auseinandersetzen …

1. Kapitel

Ruug Quarnom

Cato Neimoidia war eine Welt des Nebels.

Über diesem Nebel ragten Klippen und verzweigte Felsbögen in allen nur erdenklichen Winkeln aus den turmförmigen Bergen empor. Das massive Gestein der höchsten Felstürme und Gipfel des Planeten warf scheinbar endlos lange Schatten, die sich erst tief unten in dem dichten Dunst verloren. Zwischen, über und auf diesen natürlichen Wunderwerken hingen goldene Städte mit reich verzierten Türmen und reflektierenden Außenverkleidungen – wie Brücken spannten sie sich zwischen den gigantischen Felsnadeln.

Doch auch unter alldem gab es etwas: das Fundament von Cato Neimoidia, das sich am Fuß der dicken Nebelschicht erstreckte. An einem normalen Tag glich die Reise von den Brückenstädten zur Oberfläche des Planeten einem gleichmäßigen Abstieg in eine immer undurchdringlicher werdende, weiße Decke.

Heute war aber kein normaler Tag.

Denn heute war etwas Schreckliches geschehen. Und je tiefer das Shuttle flog, desto dunkler wurde der milchige Dunst, verfinstert von Schwaden schwarzer Asche.

Ruug Quarnom war ihr ganzes Leben schon an Zerstörung gewohnt. Als Elitesoldatin der Neimoidianischen Verteidigungslegion waren Explosionen und Blasterfeuer, Raketen und Schrapnelle für sie alte Bekannte. Und der Tod natürlich auch. So viel Tod … das meiste davon durch ihre eigene Hand verursacht – beziehungsweise durch ihr speziell angefertigtes Scharfschützengewehr, das sich inzwischen wie eine Verlängerung ihrer eigenen Gliedmaßen anfühlte.

Mord und Zerstörung. Das war so lange schon ihr Leben, alles im Namen der Regierung und mit dem Ziel, den Neimoidianern zu einer besseren Zukunft in der Galaxis zu verhelfen. Selbst jetzt, bei ihrer neuen »Aufgabe« als königliche Gardistin in der cato-neimoidianischen Hauptstadt Zarra blieb ihre Mission dieselbe: ihr Volk zu beschützen.

Ruug hatte die Aufgabe bereitwillig akzeptiert, auch, wenn sie insgeheim wusste, dass sie hier war, weil sie die Entscheidungen der Handelsföderation infrage gestellt hatte – und Leute, die weit mehr Einfluss hatten als eine einfache Frontsoldatin, betrachteten so etwas gerne als Dissens. Aber selbst ihr Zweckoptimismus geriet heute ins Wanken, denn die Galaxis schien drauf und dran, sich selbst entzweizureißen.

»Sieh dir das an«, sagte ihr junger Partner neben ihr. Ketar Nors Mund klappte auf, aber der Gedanke verharrte auf seiner Zungenspitze, während ihr Shuttle in ein dumpfes Grau eintauchte und die Sicht aus dem Cockpit des Patrouillenschiffes mal mehr, mal weniger zusammenschrumpfte. »Es ist schlimmer, als ich dachte.«

Mit ruhiger Hand und offenen Augen – so musste man Situationen wie diese angehen. Und das bezog sich nicht nur auf den Flug zur Oberfläche, sondern auch auf die Frage, was gerade geschehen war … und warum. Der Befehl an alle verfügbaren Sicherheitskräfte, unter die Nebeldecke hinabzufliegen, war ganz plötzlich durchgegeben worden. Ruug hatte den Raumhafen der benachbarten Stadt unverzüglich verlassen und ihre Mission – einen geplanten Gefangenentransport – aufgegeben, um in den Nebel hinabzurasen. Noch hatte ihnen niemand gesagt, was sie dort tun sollten, nur, dass es einen Notfall von absolut katastrophalem Ausmaß gegeben hatte. Jeder in einem Umkreis von zweihundert Kilometern war aufgefordert – nein, angewiesen – worden, alle gegenwärtigen Aufgaben abzubrechen und sofort loszufliegen.

Nun sickerten die ersten Details aus dem Komm. Eine Bombe. Nein, mehrere Bomben. Ein Gebäude war eingestürzt … nein, ein ganzer Platz.

Obwohl vieles davon nur Spekulation war, wurde die Realität der Situation mit jeder Sekunde klarer.

Und es war schlimmer, als irgendeiner von ihnen sich je hätte vorstellen können.

Eine ganze Sektion der Brückenstadt war getroffen worden, ein Viertel namens Cadesura. Die Streben und Stützen, die den Bezirk mit dem Rest von Zarra verbunden hatten, hatten sich innerhalb eines Herzschlags aufgelöst, und etliche Häuserblöcke und Straßen neimoidianischer Zivilisation waren in die Tiefe gestürzt.

So viele Leute. So viele Leben, die senkrecht durch den Nebel von Cato Neimoidia gerast waren, einem abrupten, grausamen Ende entgegen, als Metall und Fleisch auf Fels und Staub stießen.

Doch warum?

Cato Neimoidia ist neutral, dachte Ruug. Trotz der jüngsten, chaotischen Geschehnisse auf Geonosis, trotz des Einsatzes von Kampfdroiden aus den Fabriken der Handelsföderation, war der Krieg bislang doch stets eine Armeslänge entfernt geblieben. Vizekönig Nute Gunray und seine Splitterfraktion mochten den Schulterschluss mit der Konföderation Unabhängiger Systeme suchen, aber die Handelsföderation an sich war frei vom Einfluss eines Count Dooku und seiner separatistischen Ideale. Warum hätten sie sonst wohl mit Senator Lott Dod einen Vertreter im Herzen der republikanischen Politik?

Doch hier, auf der Oberfläche, verrieten Ruugs Augen ihr alles, was sie wissen musste. Die eingestürzten Überreste einst eleganter Bauwerke, in tausend Teile geborsten, von denen außer rissigen, zerbröckelten Trümmern nichts übriggeblieben war. Während ihr Shuttle näher heranflog, wurde die Zerstörung mit jeder Sekunde größer. Was zunächst wie Schutthaufen aussah, entpuppte sich als die gezackten Ruinen von Häusern und Brücken. Und ein paar weitere Augenblicke später, als Ruug über einem flachen Stück Boden zur Landung ansetzte, wurden noch grausigere Details sichtbar.

Jetzt sah sie nicht mehr nur die zerstörten Gebäude, sondern auch die Leichen zwischen den herabgestürzten Trümmern. So viele Leichen, manche jung, manche alt, manche arm, manche reich, ihre Körper auf unmögliche Weise verkrümmt und an Stellen geschleudert, wie sie eigentlich nicht sein sollten. Chaos. So sah es aus, wenn die Schwerkraft einen gesamten Bezirk auf die Oberfläche hinabriss.

Und darüber: Rauch, so viel Rauch. Was weiter oben eine gewaltige, graue Wolke gewesen war, war hier unten in einzelne Rauchsäulen gespalten – wie Bäche, die einen Fluss des Todes nährten. Ascheflocken landeten auf Ruugs dunkelgrüner Haut, als sie von Bord stieg. Selbst in der kühlen Luft an der Oberfläche strahlte ihr von allen Seiten Hitze entgegen, denn zwischen und über den Überresten einstmals mächtiger Bauwerke züngelten zahllose Feuer.

»Wer …«, begann Ketar, während er sich langsam im Kreis drehte und blinzelnd, mit offen hängendem Mund die schrecklichen Möglichkeiten durchspielte. »Wie …«

Es war nicht das erste Mal, dass Ketar sich bei der Arbeit von Emotionen lenken ließ; manchmal war es Zorn, manchmal war es Angst. Jetzt gerade gab er sich alle Mühe, seine Furcht zu verbergen, aber Ruug konnte er nicht täuschen. Solche Emotionen kündeten von einer Unschuld, die man erst verlor, nachdem man jemanden getötet hatte. Sie wusste nicht, ob es gut oder schlecht war, aber derartige Taten ließen im Lauf der Zeit Schwielen auf der Seele entstehen, und mit jedem Mord wurden diese Schwielen dicker. Doch der erstarrte Ausdruck auf Ketars Gesicht machte seine Emotionen nur allzu deutlich; er war zu tieferer Trauer fähig, als er zeigen wollte.

»Reiß dich zusammen«, sagte sie, während sie neben ihn trat. Auf einem Trümmerberg über ihnen wedelten Arme, begleitet von Rufen, dass die Rettungskräfte einen Überlebenden gefunden hatten. »Sie brauchen unsere Hilfe.«

»Die Republik«, grollte Ketar, wobei sich seine langen Finger zu einer zitternden Faust zusammenrollten. »Das war die Republik. Sie machen uns alle für Nute Gunray verantwortlich.«

»Das wissen wir nicht. Und im Moment ist es auch nicht wichtig.« Natürlich war das gelogen. Es war wichtig, die Schuldigen zu finden – wer immer sie waren, sie mussten ihre gerechte Strafe erhalten –, aber es gab für alles einen Ort und eine Zeit, auch für Vergeltung. »Konzentrier dich. Sie haben uns hergerufen, um Leben zu retten. Also werden wir genau das tun.«

Ketar wandte sich zwar dem Team zu, das auf der Spitze des Trümmerhügels nach Hilfe rief, aber ihre Worte schienen nicht zu ihm durchzudringen. Seine Augen waren starr geradeaus gerichtet, als wäre die Szenerie nur ein fehlerhaft flackerndes Hologramm.

Aber es war kein Hologramm. Es war Realität, und der bittere Gestank, der die Geruchsdrüsen unter Ruugs Augen malträtierte, ließ keinen Zweifel daran. »Ketar«, sagte sie leise.

»Du hast recht.« Er nickte abrupt, und seine Haltung veränderte sich, als katatonische Reglosigkeit schneller, zielgerichteter Bewegung Platz machte. Der junge Gardist nahm sein Erste-Hilfe-Pack und rannte los, als könnte eine einzelne Person mit einer Tasche voller Bacta und Synthfleisch einen Unterschied machen.

Seine Naivität war eine typische Nebenerscheinung seiner Jugend; er hatte den aufrichtigen Wunsch, Gutes zu tun. Ruug war schon einen Schritt weiter. Sie wusste, dass jede Person ihre Grenzen hatte, ganz gleich, mit welchem Feuereifer sie handelte. Sie zog einen kleinen, metallenen Reif hervor und drückte einen Knopf, um eine holografische Karte der Region aufzurufen. Rings um sie herum landeten derweil weitere Schiffe – Ärzte, Sicherheitsoffiziere, Regierungsbeamte und Leute, die einfach nur helfen wollten. Schon bald eilten Dutzende Neimoidianer hierhin und dorthin; manche schoben Trümmer zur Seite, andere forderten mit ihren Komms Hilfe an, und wieder andere gingen hilflos auf oder ab oder vergruben das Gesicht in den Händen. Droiden aller Größen flogen über ihnen dahin – eine Mischung kleiner Überwachungseinheiten und größerer Rettungsdroiden, die von Feuer zu Feuer glitten und Feuerlöschchemikalien abwarfen.

Ganz gleich, in welche Richtung Ruug sich auch wandte, füllte Zerstörung ihr Blickfeld, von einer Größenordnung, wie sie es noch nie erlebt hatte. Sie konnte Ketars Impuls nachvollziehen, mit ein wenig Bacta loszurennen; es war eine tröstliche Vorstellung, dass eine Person all das hier irgendwie in Ordnung bringen könnte.

Auf gewisse Weise hatte Ketar sogar recht. Irgendwo mussten sie schließlich anfangen.

Denn ungeachtet seiner Neutralität war Cato Neimoidia schwer verwundet worden. Und jemand musste dafür zahlen.

Die Frage war nur: Wer?

2. Kapitel

Anakin Skywalker

Anakin Skywalker stand so da, wie er immer stand, die Beine leicht gespreizt, in perfektem Gleichgewicht, die Arme hinter sich, die Hände auf Höhe seines Gürtels verschränkt.

Oder besser: die Hand. Denn nur einer seiner Arme war noch echt, Teil des Fleischs und Bluts, das Shmi Skywalker auf die Welt gebracht und unter den gnadenlosen Sonnen von Tatooine großgezogen hatte.

Die andere Hand bestand aus Metall, Drähten und Sensoren, ein künstlicher Fortsatz, der sich fast-aber-nie-wirklich-genauso bewegte, wie Anakin es wollte. Aber zumindest wurde er besser damit. Außerdem: Auch, wenn sich die Prothese so unnatürlich anfühlte, dass er sie unter einem Handschuh verbarg, reagierte seine Frau doch genauso zärtlich auf ihre mechanische Berührung wie auf Anakins eigene – oder zumindest war es während der kurzen Zeit so gewesen, die sie seit seinem Duell mit Count Dooku zusammen verbracht hatten.

Seine Frau. Wo steckte sie wohl gerade? Wann immer Senatorin Padmé Amidala nach Coruscant zurückkehrte, so wie jetzt, war sie ständig mit Besprechungen beschäftigt, oder sie sprach mit Leuten über andere Leute. Vermutlich war sie gerade auf dem Weg zum Senatsbezirk, ein einsames Leuchtfeuer der Hoffnung irgendwo auf diesem titanischen Bauwerk von einem Planeten.

Anakin schloss die Augen, während Jedi-Meister Mace Windu weiter zu den Anwesenden sprach – der jüngsten Gruppe frischgebackener Jedi-Ritter. Tausend Generationen lang hatten die Jedi an ihren traditionellen Prüfungen und Zeremonien festgehalten, an einem langsamen Aufstieg durch die Ränge und der Anerkennung großer Leistungen.

Aber dann war Geonosis passiert. Dann waren die Klonkriege ausgebrochen, und Leute, die geschworen hatten, Friedenshüter zu sein, waren irgendwie über Nacht zur Soldaten und Feldherren geworden – die Klone selbst konnten diese Doppelrolle nicht verstehen, weswegen sie auf dem Schlachtfeld den inoffiziellen Titel »General« benutzten. Anakin hatte stets geglaubt, seine Erhebung in den Ritterstand würde ein bedeutsamer Meilenstein in seinem Leben sein, etwas, das mit dauerhaften Veränderungen in seinem Herzen und seinem Geist einhergehen würde. Inzwischen war seit seinem offiziellen Übergang so viel Zeit vergangen, dass sein Haar schon sichtlich länger geworden war, und diese Zeremonie fühlte sich wie ein kleiner Schritt in einer langen Prozedur an – kaum mehr als eine Fußnote im Angesicht der weitreichenden Probleme, die die Galaxis gerade hatte. Ja, diese Versammlung im Jedi-Tempel, die zeremoniell im Schatten des Übungsplatzes abgehalten wurde, wirkte schrecklich unwichtig. So unwichtig, dass Anakin den Drang verspürte, zu gehen. Wie gern würde er das Uhrwerk der Zeit ein wenig vordrehen, damit er sich endlich wieder mit seiner Frau treffen könnte.

Schließlich hatte er ein Andenken für sie dabei, das gerade in der kleinen Tasche an seinem Gürtel hing.

Meister Windu schritt am Rand des Hofes entlang, wo der Große Baum seinen Schatten auf den Boden warf, während Anakin bei den anderen neuen Jedi-Rittern stand (die aktuellen Padawane waren ebenfalls anwesend und verfolgten die Zeremonie aus dem Hintergrund). Zu Anakins Linker befand sich D’urban Wen-Hurd, die Tholothianerin, die sich während der Ausbildung durch ihr Können mit den Shoto-Zwillingslichtschwertern hervorgetan hatte. Zu seiner Rechten standen Keer Stenwyt, Olana Chion und mehrere andere. Auf der gegenüberliegenden Seite des Hofes hatten sich ihre Mentoren aufgereiht – oder zumindest diejenigen, die heute hier sein konnten: Moragg Bomo, a Kel Dor mit seiner schwarzen Robe und seiner blau gefärbten Schutzbrille, Siri Tachi, Ma-Dok Risto und einige weitere.

Obi-Wan Kenobi war natürlich auch unter ihnen. Das neueste Mitglied des Jedi-Rates … nun, auf gewisse Weise zumindest. Nach dem Tod von Coleman Trebor auf Geonosis wurde sein Platz im Rat aktuell im Wechsel von mehreren Jedi gefüllt. Noch war nicht entschieden, ob es dauerhaft dabei bleiben sollte oder ob diese Rotation einfach nur ein vorübergehender Notbefehl war, zu dem die Gezeiten des Krieges den Rat gezwungen hatten. Doch so oder so – im Moment hatte Obi-Wan diese Position inne, und er ging die Aufgabe genauso an wie jede andere: mit übertriebenem Ernst. Sogar diese Ansprache behandelte er, als wäre sie kriegsentscheidend.

Anakin musste nicht mal die Macht benutzen, um den schweren Blick seines früheren Meisters auf sich zu spüren. Hinter dem Rücken rollte er die Finger zu Fäusten zusammen, wobei die Synth-Netz-Neuralschnittstelle seines künstlichen Arms genauso reagierte wie seine echte Hand … aber irgendwie war es trotzdem nicht dasselbe. Die mechanischen Finger ballten sich frustriert zusammen, aber im Gegensatz zu seiner echten Hand war die Geste auf dieser Seite vollkommen emotionslos. Da war nicht mal ein winziges Kräuseln in der Macht, das Obi-Wan auf seine Emotionen hätte aufmerksam machen können.

Es war einfach nur eine Gliedmaße. Sie tat, was sie tun sollte, sie war stärker als Fleisch und Knochen – aber sie war kein echter Teil von ihm.

»Ihr seid nun Jedi-Ritter«, dröhnte Meister Windus Stimme, während er auf und ab ging. Sollte die Aufmerksamkeit einiger Anwesender nachgelassen haben, wurde sie jetzt ruckartig auf seine respekteinflößende Erscheinung zurückgelenkt. »Verantwortungsbewusstsein. Frieden. Disziplin. Ihr seid der Standard, an dem die Galaxis sich misst. Eure Erfolge hallen durch die gesamte Republik und darüber hinaus – ebenso wie Eure Fehler. Eure Entscheidungen werden den Jedi helfen, in einer Zeit des Chaos die Ordnung aufrechtzuerhalten.« Der Meister hielt inne, die Lippen nachdenklich geschürzt. Anakin war sicher, dass Mace seit Geonosis schon zahlreiche Variationen dieser Ansprache gehalten hatte, aber vielleicht wollte er diesmal ein wenig improvisieren. »Die Jünglinge sehen zu Euch auf. Eure Entscheidungen haben Einfluss auf sie. Nicht zu vergessen, dass einige von Euch eigene Padawane ausbilden werden. Und auf die haben Eure Entscheidungen« – dieses Wort betonte Mace ganz besonders – »ganz besonderen Einfluss.«

Der Gedanke ließ Anakins Lippen unmerklich nach oben wandern. Ein Padawan? Für ihn? Das wäre so ziemlich das Schlimmste, was er sich vorstellen könnte. Und wie auf ein Stichwort blickte Obi-Wan ihn direkt an.

Natürlich war ihm sein Schmunzeln nicht entgangen.

Anakin zwang seine Züge einmal mehr zur Ausdruckslosigkeit und passte seine Körperhaltung an – die Brust vorgereckt, das Kinn erhoben –, um der Jedi-Förmlichkeit Genüge zu tun. Müsste er jetzt sprechen, würde er die monotone Stimmlage wählen, die er stets im Gespräch mit älteren Jedi benutzte.

»Wir sind im Krieg – der erste Krieg, der zu unseren Lebzeiten ausgebrochen ist«, fuhr Mace fort. »Und Ihr gehört zu den Ersten, die während dieses Krieges in den Ritterstand übergehen. Vergesst nie, dass ein Krieg wie ein Feuer ist, das in der Galaxis wütet; es greift rasend schnell um sich und hinterlässt nichts außer Verwüstung. Wir dürfen im Angesicht dieses Feuers niemals zögern. Wir sind Hüter des Friedens. Wir sind Jedi. Die Republik braucht uns jetzt mehr denn je, und das bedeutet, unser Glaube an die Macht und unsere Verbindung mit der Macht müssen unerschütterlich bleiben.« Obwohl Maces Gesicht stoisch und kühl blieb, spürte Anakin eine höchst unerwartete Veränderung in seiner Aura. Es war nur ein Tropfen im Meer der Macht, aber dieser Tropfen erzeugte Wellen, die sich nach außen hin ausbreiteten. Die anderen würden es natürlich nicht merken; Anakin hatte schon oft festgestellt, dass er die Emotionen anderer auf einer ungewöhnlich tiefgreifenden Ebene wahrnahm.

Vielleicht lag es daran, dass er endlich begonnen hatte, sich selbst Emotionen zuzugestehen. Er griff in die Macht hinaus, um diese seltsame Veränderung besser zu verstehen.

War das … Sorge? In Mace Windu?

Doch die kleinen Wellen glätteten sich; sie verschwanden, so wie die Emotionen aller Jedi nach einem Sekundenbruchteil wieder verschwanden. Anakin wollte den Kopf schütteln. Vermutlich war es nur eine Manifestation von Maces Antipathie ihm gegenüber gewesen. Mace hasste es, dass Anakin hier war, dass Anakin überhaupt existierte. Seit Qui-Gon Jinn ihn dem Rat nach Naboo vorgestellt hatte, hatte Meister Windu in seiner Gegenwart stets irritiert gewirkt, so, als wäre es ein Fehler gewesen, ihn überhaupt herzubringen. Einmal hatte Anakin seinen Blick aufgefangen, als ein anderer Padawan die Prophezeiung des Auserwählten erwähnte – natürlich nur im Scherz –, und die Intensität dieses Blickes hatte sich sogar noch tödlicher angefühlt als Windus berühmte Kampftechnik.

Ja, er konnte Anakin nicht leiden. So war es immer schon gewesen, und das war gerade eben vermutlich nur ein weiteres Beispiel dafür. Anakin ermahnte sich, selbst keine so kleinlichen Gefühle zu hegen und den Moment zu vergessen. Also atmete er tief ein, und während seine Augen weiterhin auf Mace und dessen Ansprache gerichtet blieben, wanderten Anakins Gedanken in seine Kindheit zurück. Die Zeremonie fühlte sich in gewisser Weise wie das Gegenteil der Nächte auf Tatooine an. Jetzt stand er im warmen Licht in der eleganten Pracht des Tempels und lauschte kalten, hochtrabenden Worten. Damals hatte sich die Kälte der Wüste durch die Risse in ihrem baufälligen Heim gefressen, aber die liebevolle Stimme seiner Mutter hatte Anakins Körper und Geist gewärmt, während sie ihm zum zigsten Mal die alte Geschichte erzählte. »Der Sonnendrache lebt im Innern eines Sterns und beschützt alles, was ihm lieb und teuer ist.« Etliche Male hatte sie ihm diese Worte im Lauf seiner Kindheit zugeflüstert. Die Bewohner von Tatooine erzählten sich seit Generationen Versionen der Geschichte, aber die Variante seiner Mutter war besonders emotional – passend für eine Legende über ein Herz. »Er beschützte sie mit Feuer und Flamme und gab stets auf sie acht. Nichts konnte ihm etwas anhaben, nicht mal das Leben im Innern eines Sterns. Denn der Sonnendrache hat das größte Herz in der gesamten Galaxis, ein Brennofen, dessen Flammen stark genug sind, um alles und jeden zu schützen, was einen Platz darin hat. Das stärkste Herz – stärker selbst als das Herz eines Sterns.« Anakin hatte die Geschichte in seiner Kindheit Dutzende, vielleicht sogar hunderte Mal gehört, normalerweise, wenn er sich mit Kitster gestritten oder Watto ihn unnötig grausam behandelt hatte oder wenn wieder mal eine seiner Erfindungen in die Luft geflogen war.

In diesem Moment konnte er ihr Gesicht vor sich sehen; die Falten um ihre Mundwinkel, als sie lächelte, der urteilsfreie Ausdruck ihrer Augen, die widerspenstigen Haarsträhnen, die nach einem langen Tag in ihre Stirn hingen. An dieser Stelle in der Geschichte hatte sie stets seine Hand gedrückt und ihm tief in die Augen geblickt. »Du bist der Sonnendrache. Du hast das stärkste Herz. Du musst immer darauf vertrauen.«

Das liebevolle Gesicht von Shmi Skywalker löste sich schlagartig vor Anakins geistigem Auge auf, ersetzt durch die eisige Kälte einer Nacht, das Flackern von Flammen, die Schreie von Sandleuten.

Den Geruch von Blut.

Während diese Gedanken durch seinen Kopf huschten, blieb er stoisch neben den anderen neuen Jedi-Rittern stehen und rang um die Kontrolle über seine Emotionen. Da nahm überraschend eine weitere Erinnerung Form an – eine, die sich wie Balsam auf die offenen Wunden von Tatooine legte. In ihr schwang ein Gefühl mit, so real und unmittelbar wie in dem Moment, als es geschehen war:

Die kräftigen Hände von Qui-Gon Jinn auf seinen Schultern, seine beruhigenden Worte in Anakins Ohren.

Es war nicht das erste Mal, dass er die Gegenwart des verstorbenen Jedi spürte. Vielleicht war es nur eine vergrabene Erinnerung, die hin und wieder aufblitzte, oder vielleicht ein Trick der Macht, um ihm zu helfen, aber diese Gegenwart schenkte Anakin mehr inneren Frieden, als Obi-Wans Vorträge es je vermochten.

»Eure Zeit, der Galaxis und der Republik zu dienen, ist gekommen«, verkündete Mace. »Möge die Macht mit Euch sein.« Anschließend ging er davon und nahm seinen Platz neben Meister Yoda ein, während die Gruppe zu klatschen begann. Obi-Wan blickte kurz auf dem Hof umher, dann zu den anderen Meistern hinüber, und Anakin sah eine seltene Emotion über die Züge seines alten Lehrers huschen: Verwirrung.

Obi-Wan, der mit Eleganz und Takt eine Lösung für jede Situation aushandeln oder improvisieren konnte, schien von einem simplen Planungsproblem überrumpelt. Das ist Obi-Wan Kenobi, wie er leibt und lebt, dachte Anakin mit einem amüsierten Seufzen. In Zeiten des Krieges regte er sich über Protokolle und Formalitäten auf. Er beobachtete, wie Obi-Wan sich mit den Fingern durchs Haar strich, das seit Geonosis noch länger geworden war und nun in glatten Strähnen bis auf seine Schultern herabhing. »Unsere Gäste scheinen sich ein wenig zu verspäten«, sagte er, nachdem er vor die Gruppe getreten war. Bei diesen »Gästen« handelte es sich um Kanzler Palpatine, diverse Senatoren und ein paar Klonkommandanten, die gerade auf dem Planeten waren; ihre Anwesenheit hier war teils Zeremonie, teils Pflicht. »Sicherlich werden sie bald hier sein. In der Zwischenzeit …«

Ein elektronisches Piepsen hallte über den Hof, drängend genug, dass Yoda eine Handbewegung in Richtung des Holokommunikators an der Wand machte. Nun erschien Palpatine, wenn auch nur als schwebendes Hologramm in der Mitte des Hofes und nicht in Fleisch und Blut. Außerdem trug der Kanzler keine standardmäßige, zweiminütige Ansprache über Pflichtgefühl vor, sondern wandte sich direkt an Yoda und Mace, ohne auf die anderen Anwesenden zu reagieren. »Meister Yoda, Meister Windu, wir haben dringende Nachrichten erhalten, die direkten Einfluss auf den Kriegsverlauf haben könnten. Es gab einen Bombenanschlag auf Cato Neimoidia.«

Yoda und Mace blickten einander an, wobei sich nur ihre Augen bewegten. Obi-Wan hingegen atmete scharf ein und hob die Hand zu seinem Bart – eine vergleichsweise lebhafte Reaktion für einen erfahrenen Jedi. Die Reaktionen der anderen fielen irgendwo zwischen diese beiden Extreme, aber die Stimmung hatte sich spürbar gewandelt. Yoda klopfte mit seinem Stock auf den Boden. »Padawane und Jünglinge, diese Diskussion sie nicht hören müssen. Sich wieder ihren Studien zuwenden sie sich sollten.«

Mace kam herüber, um die Schüler zusammenzurufen und vom Platz zu führen, und Anakin machte reflexartig ebenfalls einen Schritt in Richtung Ausgang. Aber dann spürte er eine Hand auf seiner Schulter. Obi-Wans Stimme klang nachsichtiger als sonst, wenn er Anakins Instinkte korrigierte. »Nicht du. Du bist jetzt ein Jedi-Ritter, schon vergessen?« Er blickte den Padawanen nach, während sie den Platz verließen. »Wir sind jetzt Gleichgestellte«, fügte er mit einem schmalen, erzwungenen Lächeln unter seinem Bart an.

Anakin wunderte sich, ob Kenobis Unbehagen mit den grimmigen Neuigkeiten von Cato Neimoidia zu tun hatte oder ob sein alter Meister Mühe hatte, in ihm mehr als nur einen Schüler zu sehen. »Muss ich Euch immer noch Meister nennen?«, wisperte er. Die Frage klang härter, als er beabsichtigt hatte, und Röte stieg in Anakins Wangen. Er war so daran gewöhnt, mit Obi-Wan über Regeln und Fairness zu streiten, dass er es inzwischen fast automatisch tat, ungeachtet der Situation.

»Nur, wenn es dir nicht unangenehm ist«, erwiderte Obi-Wan, und diesmal lag echte Wärme in seinem Lächeln. Er schien froh, dass das alte Hin und Her, welches ihre Lehrer-Schüler-Beziehung gekennzeichnet hatte, immer noch da war. Die Padawane hatten den Platz inzwischen verlassen, und die Jedi versammelten sich vor dem holografischen Abbild des mächtigsten Mannes in der Republik.

»Ein Bombenanschlag?«, fragte Mace. »Wie schlimm? Und wer steckt dahinter?«

»Wir haben noch nicht alle Informationen, aber erste Berichte deuten darauf hin, dass es die größte Katastrophe in der Geschichte von Cato Neimoidia sein könnte. Es …«

Ein Klonkommandant trat ins Bild. »Verzeihen Sie die Störung, Kanzler, aber wir haben neue Details.« Auf Palpatines Nicken hin fuhr der Klon fort: »Es scheint, dass sich ein ganzer Abschnitt der Hauptstadt Zarra aus seiner Verankerung gelöst hat und abgestürzt ist.«

3. Kapitel

Obi-Wan Kenobi

Obi-Wan stand Schulter an Schulter mit seinem früheren Schüler, so, wie er es im Lauf der letzten zehn Jahre zahllose Male getan hatte, aber diesmal war es anders. Oder zumindest fühlte es sich anders an. Sie starrten die flackernden Holos von Palpatine und dem Klonkommandanten an, dann die abgefangenen Aufzeichnungen des Sicherheitsdienstes von Cato Neimoidia, die aber zu verschwommen waren, um das ganze Ausmaß der Verwüstung anzuzeigen. Und dazwischen stellte Obi-Wan alle galaktischen Krisen ein paar Sekunden hintan, um über Anakin nachzudenken, der wortlos dastand, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, während seine durchdringenden Augen den Ablauf der Katastrophe in sich aufsaugten.

Ein mächtiger Jedi, ein starkes Herz, aber auch unkontrollierbare Impulse – all diese Dinge definierten Anakin, machten ihn zu dem, der er war. Und nun, wo man ihm seinen Padawanzopf abgeschnitten hatte, waren sie außerdem gleichgestellt. Aber der Zopf stellte nur ein Symbol dar; Anakins emotionaler Übergang zum Jedi-Ritter war weit holpriger verlaufen. Anstatt einfach einen Schalter in seinem Kopf umzulegen, schien Anakin mehrere Schritte nach vorne zu machen und selbstsicher Entscheidungen zu treffen, nur, um dann plötzlich wieder den Rat anderer zu suchen.

Anakin Skywalker hatte seinen Platz noch nicht gefunden. Und nachdem sie im Lauf der Jahre so oft diskutiert hatten und Anakin so oft darauf bestanden hatte, alles besser zu wissen, wirkte diese Zögerlichkeit ganz und gar uncharakteristisch.

Vielleicht war es der Rauch des Krieges, der seine Sicht trübte. Obi-Wan dachte an seine eigene Ernennung zum Jedi-Ritter zurück; die Verlust von Qui-Gon Jinn hatte der Ehrung ihren Glanz genommen, und während die anderen frischgebackenen Ritter entschlossen voranschritten, hatte er sich selbst Hindernisse in den Weg gelegt. Wie lange hatte er gebraucht, um akzeptieren zu können, dass er diesen Titel wirklich verdient hatte? Selbst jetzt noch, wo er die Gelegenheit bekommen hatte, im Jedi-Rat zu sitzen, fragte er sich, wie sein Beitrag je an die Weisheit und die Einsichten der erfahreneren Jedi-Meister heranreichen könnte.

Eine Erinnerung huschte durch Obi-Wans Kopf – ein Gespräch mit seinem alten Meister, an das er seit zehn Jahren nicht mehr gedacht hatte. »Lass dich nicht von deinen Sorgen leiten.« Er atmete aus, konzentrierte sich auf den Boden unter seinen Füßen und kehrte ins Hier und Jetzt zurück.

»Erste Schätzungen auf Grundlage des täglichen Verkehrs im Cadesura-Bezirk gehen von viertausend Toten aus«, erklärte der Klon. »Auf der Brücke befanden sich wichtige politische Ziele, einschließlich des Lizensierungsbüros der Handelsföderation, aber auch ein Künstlerviertel mit mehreren Gewerbegebäuden. Ich fürchte, dass es überproportional viele zivile Opfer geben wird.«

Palpatines holografisches Gesicht verzerrte sich, als der Kanzler die Brauen zusammenzog. »Ich verstehe. Danke für Ihren Bericht, Commander.«

Yoda trat vor. »Neutral Cato Neimoidia ist. Mit allen Seiten die Handelsföderation Geschäfte macht. Keinen Grund für einen Angriff dort es gibt.«

Obi-Wan dachte an den jüngsten strategischen Bericht, den er über Nute Gunrays Splitterfraktion gelesen hatte. Laut Lott Dod operierte diese Fraktion angeblich völlig losgelöst von der Handelsföderation. »Wurde Senator Dod bereits informiert?«

Palpatine nickte. »Er ist aktuell außer Kommreichweite, aber soweit ich weiß, weiß er von der Situation.«

Yodas Stock klopfte auf den Boden. »Etwas beitragen unsere neuen Jedi-Ritter möchten?« Obi-Wan entging nicht, dass Anakin die Augen niederschlug und den Atem einsog, während er rasch seine Emotionen hinunterschluckte.

»Könnte es sein, dass republikanische Loyalisten eine Guerillagruppe gebildet und auf eigene Faust gehandelt haben?«, mutmaßte Keer Stenwyt. Obwohl ihre Stimme Selbstsicherheit ausstrahlte, linste sie zu ihrem Mentor, Ma-Dok Risto, hinüber, der daraufhin unmerklich nickte.

»Vielleicht Kopfgeldjäger?«, schlug D’urban Wen-Hurd vor. »Der Krieg kurbelt ihr Geschäft an. Es könnte ein koordinierter Versuch sein, mehr Nachfrage nach ihren Diensten zu erzeugen.«

»Möglich«, sagte Yoda. »Oder vielleicht ein echter Unfall dies ist.«

»Es könnte ein Trick der Separatisten sein«, meldete Anakin sich schließlich zu Wort. Der Ernst der Lage spiegelte sich deutlich in seinem Tonfall wider. »Ein Plan, um Sympathien zu sammeln. Die Neimoidianer sind skrupellose Feiglinge.« Die Abneigung in seiner Stimme ließ Obi-Wan aufhorchen, aber angesichts seiner langen, problembehafteten Beziehung zu den Neimoidianern war es nicht wirklich eine Überraschung.

»Das wäre kontraproduktiv, selbst für Nute Gunray. Er würde nicht die Zivilbevölkerung seiner eigenen Spezies opfern«, widersprach Mace mit einem so schneidenden Blick, dass Obi-Wan es selbst aus mehreren Metern Entfernung spürte.

Anakin holte Atem, um etwas zu entgegnen, aber dann fing er Obi-Wans Seitenblick auf, und diese flüchtige Verbindung reichte aus, um die Impulse des jungen Jedi zu zügeln. Yodas Ohren wackelten leicht, als er den Kopf schüttelte. »Möglichkeiten der Krieg geschaffen hat«, brummte der alte Jedi-Meister mit einer Abscheu, die man nur selten in seiner Stimme hörte. »Verzerrt die Blickwinkel werden. Fernab unserer Tradition als Friedenshüter die Klonkriege die Jedi führen.«

Anakin straffte die Schultern und wandte sich wieder dem Hologramm zu. Palpatine hatte gerade den Kopf zur Seite gedreht und nickte jemandem zu, während er weitersprach: »Count Dooku scheint gerade eine Stellungnahme abzugeben.«

Und schon sahen sie den gefallenen Jedi vor sich: Ein eleganter, brauner Umhang hing von seinen Schultern herab, während er in einem kleinen Raum stand, vermutlich einem Büro in seinem Anwesen auf Serenno. Die Übertragung setzte ein, als er gerade mitten in einem Satz steckte, aber sein Ton und seine Worte füllten jegliche Informationslücken rasch auf. »… Terrorakt. Als Repräsentant der Konföderation Unabhängiger Systeme versichere ich der Handelsföderation und den Bürgern von Cato Neimoidia, dass wir nichts mit dieser sinnlosen Gewaltorgie zu tun hatten. Wir verurteilen solche Anschläge, und unsere Beziehung zur Handelsföderation ist rein geschäftlicher Natur, so, wie sie es immer schon war.

Aber es ist kein Geheimnis, dass Vizekönig Nute Gunray und seine Unterstützer eine wichtige Position innerhalb unserer Bewegung einnehmen.« Als Dooku den Vizekönig der Handelsföderation erwähnte, wallten Emotionen in Anakin hoch, ein deutlich spürbares Zittern in der Macht. Obi-Wan musterte seinen früheren Schüler: die Spannung in seinen Schultern, seine zusammengepressten Lippen. Es dauerte nur einen Moment, aber für einen Jedi war das eine schrecklich lange Zeit, um seine Gefühle in den Griff zu bekommen. »Ich denke, die Beweislage ist klar. Die Republik hat es auf Nute Gunray abgesehen, denn er besuchte den Cadesura-Bezirk nur eine Stunde vor dem Anschlag. Hätte der Vizekönig ein Restaurant aufgesucht, um die einheimische Küche zu genießen, oder einen Rundgang durch ein Museum gemacht, um sich mit der Kultur zu umgeben, die er so vermisst … dann wäre auch er unter den Opfern gewesen.«

Dooku richtete sich zu seiner vollen Größe auf, und seine Augen starrten direkt in die Kamera, so, als könnte er von Serenno nach Coruscant sehen. »Aber trotz der erdrückenden Beweislage bin und bleibe ich ein Ehrenmann. Darum fordere ich die Republik auf, sich zu erklären. Ich werde Distanz wahren, damit unser Konflikt die Ermittlungen nicht beeinträchtigen kann. Schließlich ist die Handelsföderation eine neutrale Vereinigung, und ihr Justizsystem soll sein eigenes Urteil fällen können. Falls die Republik wirklich daran interessiert ist, diese Katastrophe aufzuklären, erscheint es mir nur recht und billig, dass Kanzler Palpatine persönlich nach Cato Neimoidia reist.« Der Vorschlag rief unter den Anwesenden eine sichtbare Reaktion hervor, von Anakins geballter Faust bis hin zu Maces gerunzelter Stirn. Und auch Palpatine, dessen halbdurchsichtiges Gesicht noch immer neben Dookus Hologramm schwebte, war der Schreck deutlich anzusehen. »Ja, das wäre die richtige Geste«, schloss Dooku mit einem Lächeln, »sofern die Republik überhaupt an der Aufklärung des Anschlags interessiert ist.«

Yoda drehte den Kopf, als sich das Hologramm des Counts von Serenno ins Nichts auflöste. »Genaue Nachforschungen nötig sind. Fakten sammeln wir müssen. Handeln der Senat muss.«

»Nein«, erklärte Palpatine mit geschürzten Lippen. »Es ist keine Zeit für lange Diskussionen im Senat. Ich werde nach Cato Neimoidia reisen, und zwar so bald wie möglich. Jede Sekunde zählt. Wenn ich nicht gehe, wird Dooku die Handelsföderation auf die Seite der Separatisten ziehen, und sie hat zu viel galaktische Macht, als dass wir das zulassen könnten.«

»Ich werde Euch begleiten«, sagte Anakin.

»Ein Klonbataillon. Falls er geht«, entgegnete Mace. »Der Kanzler braucht den bestmöglichen Schutz.«

Palpatine am Schauplatz einer Katastrophe auf einem neutralen Planeten? Und nicht nur irgendein Planet, sondern das Kronjuwel der Handelsföderation, derselben Organisation, die eng mit Nute Gunray verbunden war? Obi-Wan schüttelte den Kopf. Er gab seinen Impulsen nur selten nach, aber diesmal sprach er, ohne sich erst einen Plan zurechtzulegen. »Kanzler, Ihr dürft nicht gehen. Dooku will uns in eine Falle locken.«

Alle Augen richteten sich schlagartig auf ihn, und jetzt musste er aus seinen Impulse klare Gedanken schmieden. Schließlich stand das Schicksal der Galaxis auf dem Spiel. »Dooku will Euch in eine feindlich gesonnene Umgebung locken. Stellt Euch nur vor, wie es aussehen würde. Der Planet ist gerade im Schockzustand. Seine Bewohner trauern. Falls der Kanzler jetzt mit Truppen und Jedi und einer Flotte anreist, würde das die Spannungen selbst im besten Falle verschlimmern. Ganz zu schweigen davon, dass Ihr anfällig für einen Sabotageakt wärt.«

»Meister Kenobi, ich verstehe Eure Bedenken, aber das ist ein Risiko, das ich eingehen muss«, erwiderte Palpatine mit tiefer, ernster Stimme. »Ich würde alles tun, um diesen Krieg schneller zu beenden.«

Obi-Wan schüttelte erneut den Kopf und suchte mit rasenden Gedanken nach einem Weg, um Palpatine von einer übereilten Reise abzubringen. »Ein Jedi sollte gehen. Ein einzelner Abgesandter … mit einer kleinen Gruppe von Wissenschaftlern und Ermittlern, um zu demonstrieren, dass die Republik die Wahrheit herausfinden möchte.«

Palpatines Augenbrauen wanderten nach oben, und Yoda stieß ein hörbares »Hmmm« aus.

»Das ist die beste Balance zwischen Diplomatie, Transparenz und Ermittlung. Ein Jedi hat die nötige Ausbildung, um der Wahrheit auf den Grund zu gehen, die Autonomie, um Entscheidungen zu treffen, und die Fähigkeit, schnell zu reagieren. Nicht zu vergessen die Autorität, im Namen der Republik zu sprechen.« Die Worte sprudelten so rasch aus Obi-Wan hervor, dass er erst mal tief Luft holen musste. »Wir sind Friedenshüter. Selbst die Handelsföderation weiß das.«

»Friedenshüter«, sagte Palpatine, ein müdes Lächeln auf den Lippen. »Ich bin nicht wirklich überzeugt, dass das funktionieren wird. Aber selbst unter den besten Umständen wird es einen Tag dauern, meine Reise zu organisieren. Meister Kenobi, falls Ihr die Regierung von Cato Neimoidia und die Handelsföderation innerhalb dieses Zeitraums überzeugen könnt, werde ich Euch die Ermittlungen überlassen.«

»Ein Tag.« Obi-Wan nickte, anschließend blickte er sich auf dem Hof um. Palpatine. Yoda. Mace Windu.

Anakin.

»Ich werde binnen Tagesfrist eine Strategie vorlegen.«

»In der Zwischenzeit«, sagte Mace, »werden wir mit dem Senat die nötigen Sicherheitsvorkehrungen für den Kanzler besprechen. Wir müssen uns auf beide Optionen vorbereiten.«

Palpatine blickte wieder zur Seite und sagte ein paar unverständliche Worte, dann: »Ich muss mich jetzt um andere Angelegenheiten kümmern. Aber ich freue mich darauf, Euren Plan zu hören, Meister Kenobi. Wir dürfen keine Zeit verlieren.«

Die Katastrophe von Cadesura hatte der Zeremonie jede Festlichkeit geraubt, trotzdem hoffte Obi-Wan, dass er Anakin nach dem Ende der Zusammenkunft sagen könnte, wie stolz er auf ihn war. Angesichts der Bedeutung dieses Meilensteins vermutete er, dass Anakin ebenfalls mit seinem alten Lehrer reden wollte, aber der frischgebackene Jedi verließ den Platz so schnell, dass Obi-Wan nur einen kurzen Blick auf seine dunkle Robe erhaschte, bevor er auch schon verschwunden war. Ihre Kriegsverpflichtungen hatten in der kurzen Zeit seit Anakins Erhöhung eine deutliche Distanz zwischen ihnen geschaffen. Obi-Wan hatte nicht mal einen ruhigen Augenblick gefunden, um zu fragen, ob Anakin mit seiner neuen Hand zufrieden war. Oder ob er Fragen bezüglich seiner Pflichten als Jedi-Ritter hatte.

Oder was wirklich auf Tatooine geschehen war.

Die stetig wechselnden Informationen über die Aufstände der Separatisten und die chaotische Aufgabe, militärische Bataillone und die althergebrachten Traditionen des Jedi-Ordens auf einen Nenner zu bringen, ließen Obi-Wan und Anakin kaum Zeit zum Durchatmen, geschweige denn zu einem Gespräch. Obi-Wan folgte seinem früheren Schüler ins Tempelinnere, dann eine Treppe hinab in einen weiten Korridor. Er passte sich Anakins Tempo an, versuchte aber nicht, ihn einzuholen; der Abstand zwischen ihnen war gering genug, dass Anakin ihn sofort sehen würde, sollte er langsamer werden und sich umdrehen.

Doch stattdessen beschleunigte der junge Jedi seine Schritte, und Obi-Wan ermahnte sich, ihn gehen zu lassen. Anakin würde von sich aus zu ihm kommen, wenn er mit ihm reden wollte. Davon abgesehen hatten die Katstrophe auf Cato Neimoidia und die daraus resultierenden Komplikationen oberste Priorität für ihn. Diese Sache würde nicht nur Auswirkungen auf die Jedi haben, sondern auf jedes System, jede Fraktion und jede Regierung, die in irgendeiner Form mit dem Krieg zu tun hatte.

Er musste einen Weg finden, dieses Knäuel zu entwirren.

Obi-Wan bog nach links ab und begann, die Treppe zu den Jedi-Archiven hochzusteigen, aber da sah er, wie Anakin auf dem Korridor innehielt. Obwohl die Entfernung zwischen ihnen inzwischen deutlich gewachsen war, fiel ihm die plötzliche Veränderung in Anakins Körpersprache auf, und einen Moment lang rückte der Krieg wieder in den Hintergrund.

Der entschlossene, zielstrebige Anakin ging meistens leicht nach vorn geneigt, so, dass ihn sein eigenes Gewicht vorwärts trug. Es sah aus, als würde er die Zukunft einholen wollen. Aber jetzt blieb er stehen, und seine ganze Haltung wurde weicher, von seinen abgerundeten Schultern bis hin zu der Art, wie seine Arme herabhingen. Er drehte abwartend den Kopf, und sein Lächeln wurde so breit, dass Obi-Wan es selbst von der Treppe aus sehen konnte.

Einen Moment später sah er auch den Grund dafür.

Padmé Amidala kam auf Anakin zu, dicht gefolgt von einer Zofe und einem Mitglied des Sicherheitsdienstes von Naboo – einer Frau, die Obi-Wan als Mariek Panaka vorgestellt worden war. Die Senatorin trug ein fließendes, nussbraunes Kleid mit dunkelblauen Zierstreifen, dazu einen schlichten, bronzefarbenen Kopfschmuck, der ihr Haar in einem straffen Dutt hielt. Sie ging kerzengerade dahin, mit gleichmäßigen, kontrollierten Schritten … ganz im Gegensatz zu Anakin, der sich geradezu gehetzt wieder in Bewegung setzte, aber auch er ging schnurstracks geradeaus. Es sah aus wie zwei Magneten, die durch den Korridor aufeinander zugezogen wurden. Obi-Wan hatte bereits gehört, dass Padmé ein paar Tage in senatorischer Angelegenheit auf der Hauptwelt war. An sich war das nicht ungewöhnlich; in den Wochen seit Geonosis hatten alle Senatoren mehr Zeit auf Coruscant verbracht – anders als die Jedi, die dieser Tage über die gesamte Galaxis verstreut waren, um die Klontruppen in die Schlacht zu führen, schienen sich die Politiker in den Kern zurückzuziehen, um von hier aus über das Wie und Warum eines potenziellen Bürgerkriegs zu debattieren.

Doch auch, wenn Padmés Anwesenheit an sich keine Überraschung darstellte, war dieser Besuch im Jedi-Tempel doch ein bisschen ungewöhnlich. Oder hatte sie vorgehabt, der Zeremonie für die neuen Jedi-Ritter im Hof beizuwohnen? Ja, vielleicht war das der Grund. Sie kannte Anakin schon lange und hatte ihren Respekt und ihre Dankbarkeit zum Ausdruck wollen, bevor die Neuigkeiten von Cato Neimoidia sie aus dem Konzept gebracht hatten.

Und was Anakins Reaktion anging: Obi-Wan wusste schon seit einer ganzen Weile, dass sein früherer Padawan sich zu der Senatorin hingezogen fühlte. Er konnte es verstehen, schließlich war er in seiner Jugend selbst in Versuchung geraten – eine der wenigen Erinnerungen, die ihn selbst heute noch im selben Maße lachen und seufzen ließen, wenn er daran dachte (und obwohl er sie jedes Mal davondriften ließ, wusste er, dass sie früher oder später wieder angespült werden würde). Aber so steif und formell Anakins Begrüßung auch wirkte, strahlte dabei doch eine Woge der Emotion in die Macht aus. Es war wie ein Signal auf einer ganz bestimmten Frequenz, und es vereinte in sich alles, was Anakin auszeichnete.

Neugier. Bewunderung. Freude, Nervosität, Furcht. All diese Gefühle schwappten aus ihm hervor. Und da war noch etwas, ganz besonders stark und ganz besonders gefährlich:

Leidenschaft.

Selbst in normalen Zeiten war diese Emotion ein Risiko für einen Jedi. Und umso mehr im Kontext eines Krieges.

Obi-Wan erwartete, dass die Senatorin nach einer kurzen Begrüßung weitergehen und sich ihren offiziellen Aufgaben widmen würde. Er erwartete auch, dass Anakin eine Sekunde zu lang zögern und sich von seiner jungenhaften Schwärmerei ablenken lassen würde, ehe sein Pflichtgefühl zurückkehrte.

Doch sie blieben beide stehen, wenn auch sorgsam ein paar Schritte voneinander entfernt, und Obi-Wan erkannte, dass hier etwas anderes vor sich ging. Es war noch gar nicht lange her, da hatte Padmé Anakin praktisch die kalte Schulter gezeigt, als er nach einem versuchten Mordanschlag zu ihrem Beschützer bestimmt worden war. Das war unmittelbar vor Geonosis gewesen. Aber jetzt schenkten sie einander ganz klar ihre volle Aufmerksamkeit, auch, wenn sie es hinter einem Hauch von Förmlichkeit verbargen. Die Senatorin, bekannt für ihre leidenschaftlichen Ansprachen, ihre rasiermesserscharfe Auffassungsgabe und ihre Fähigkeit, in jeder Situation einen konstruktiven Ansatz zu finden, hielt inne, um mit einem Jedi zu sprechen, der sich normalerweise von nichts aufhalten ließ, egal, ob er nun in einem Speeder saß oder ein Ziel vor Augen hatte.

Sie unterhielten sich höflich, lächelten einander zu, und Padmé sah sich sogar kurz um, eine subtile Bewegung, die niemandem in der Nähe auffallen würde, die von oben aber ins Auge stach – vor allem, da ihre Leibwächterin währenddessen den Kopf wegdrehte. Anschließend hob Padmé die Hand und berührte die Stelle hinter Anakins Ohr, dort, wo sich zuvor sein Padawanzopf befunden hatte.

Dann verspannte sich ihre Haltung schlagartig, so, als hätte sie einen Schalter umgelegt. Trotz ihrer zierlichen Gestalt reckte sie Brust, Schultern und Kinn vor. Anakin reagierte ebenfalls, aber nicht mit Verlegenheit, wie man es nach dieser intimen Interaktion eigentlich erwarten würde. Stattdessen blickte er sich wachsam nach beiden Seiten um, ähnlich wie Padmé zuvor, nur deutlich auffälliger.

Anschließend folgte er ihrem Beispiel und nahm ebenfalls wieder hochaufgerichtete Haltung an. Obwohl er sie deutlich überragte, wirkte seine ganze Körpersprache noch immer weich, während sie ein paar weitere Worte wechselten – so leise, dass nicht mal der aufmerksamste Beobachter sie verstehen könnte. Anakins zurückgewonnene Formalität konnte aber nicht die nackten Emotionen verbergen, die noch immer von ihm ausgingen. Selbst, als sie sich schließlich trennten, hinterließen Anakins Gefühle einen Abdruck in der Macht, eine klare Silhouette seiner Präsenz. Zum Glück war Obi-Wan der Einzige, der sie wahrnahm. Sein früherer Schüler ließ die Situation viel zu oft von seinen Emotionen bestimmen; während seiner Ausbildung hatte Anakin Selbstbeherrschung gelernt, aber diese Leine war immer noch viel zu lang, um seine Impulse im Zaum zu halten. Und alles, was einen Jedi auch nur einen Sekundenbruchteil ablenkte, war eine Gefahr für die gesamte Republik.

Vor allem, wenn es um einen so mächtigen Jedi wie Anakin Skywalker ging, den vermeintlichen Auserwählten aus der Prophezeiung, der die Macht ins Gleichgewicht bringen sollte.

Und anstatt ihn mit Desinteresse zu strafen, so wie damals in ihrem Apartment, hatte Padmé ebenfalls die Nähe zu Anakin gesucht. Was sollte Obi-Wan davon halten? Bis zu welchem Grad ermunterte sie Anakins Schwärmerei? Es war offensichtlich, dass mehr hinter der Sache steckte, aber er war nicht sicher, ob er herausfinden wollte, wie viel mehr.

»Oh.« Der Laut entfloh ihm, ebenso überraschend wie die Szene, die er gerade beobachtet hatte. Er spähte weiter zu Anakin hinab, während der junge Jedi sich kurz sammelte und dann zu Jaro Tapal und einem rothaarigen Jüngling hinüberging. Obwohl er sich länger mit den beiden unterhielt als mit der Senatorin, waren ihm diesmal keine Emotionen anzumerken, weder in seiner Körpersprache noch in seiner Verbindung mit der Macht.

»Hallo, Meister Kenobi«, sagte Padmé mit einem knappen Winken. »Ist der Kanzler noch hier?«

Offenbar hatte Obi-Wan sich so auf Anakin konzentriert, dass er gar nicht bemerkt hatte, wie Padmé die Treppe zu ihm hochgestiegen war. Ihre Zofe und ihre Leibwächterin standen beide seitlich eine Stufe unter ihr, eine perfekte Dreiecksformation. Obi-Wan nickte ihnen zu, dann überlegte er, wie er antworten sollte. »Er war per Holo zu der Zeremonie zugeschaltet. Aber das Thema hat sich recht bald geändert.«

»Wegen Cato Neimoidia?«

»Wegen Cato Neimoidia.«

»Danke«, sagte sie, knapp und direkt.

Obi-Wan nickte abgehackt und blieb stehen, während sie an ihm vorbeiging und zu Senator Bail Organa hochstieg, der am oberen Ende der Treppe aufgetaucht war.

Offenbar hielten es heute viele Senatoren für nötig, dem Tempel einen Besuch abzustatten. Nicht, dass es nach einem galaktischen Desaster verwunderlich wäre. Oder nachdem Count Dooku die Republik öffentlich aufgefordert hatte, ihr Oberhaupt an den Ort eines Bombenattentats zu schicken. Obi-Wan verscheuchte die Mischung aus Sorgen und Zweifeln aus seinem Kopf, ebenso wie die Fragen über Anakins Motive – einfach alles, was ihn von seiner Aufgabe ablenken könnte. Was immer er gerade beobachtet hatte, er würde die Sache nicht auf die Schnelle aufklären können. Und vermutlich auch nicht allein.

Wahrscheinlich würde es auf ein Gespräch mit Anakin hinauslaufen.

Aber die Republik war im Krieg. Die Jedi mussten etwas tun. Und falls er verhindern wollte, dass Palpatine in Dookus Falle tappte, musste er Cato Neimoidia überzeugen, dass der Besuch eines Jedi-Abgesandten besser wäre als der des Kanzlers.

Obi-Wan ließ von seinen Gefühlen ab und machte sich auf den Weg zu den Jedi-Archiven.

4. Kapitel

Anakin Skywalker

Anakin hatte so etwas schon früher erlebt.

Ziemlich oft sogar. Der Hintergrund war jedes Mal ein anderer – manchmal die gnadenlos herabbrennenden Sonnen am Himmel von Tatooine, manchmal das tiefe Vakuum des Alls.

Aber das Erlebnis war stets dasselbe: Geschwindigkeit, Lichter, Hindernisse. Wendungen und G-Kräfte. Ob nun in einem Podrenner, einem Jedi-Sternjäger, einem Gleiter, der zwischen Gebäuden hin und her flitzte, oder eben hier: auf einer Speeder-Rennbahn in der Unterwelt von Coruscant. Um Zugang zu erhalten, musste man einer Gruppe, die sich nur die Familie nannte, ein paar republikanische Credits zahlen. Das gesamte Gebiet bestand aus industriellen Fossilien – Gebäuden und Röhren und Lichtern, die schon seit Jahrzehnten vor sich hin blinkten und vermutlich noch blinken würden, lange, nachdem der Krieg beendet war. Seit Anakin von der Existenz dieser Strecke erfahren hatte, träumte er davon, sie an einem der Abende zu benutzen, wenn hier keine Rennen stattfanden.

Draußen in den Weiten des Alls kämpften gerade Klonbataillone gegen Kampfdroiden, versuchten Rettungskräfte, auf Cato Neimoidia Leben zu retten – aber hier, heute Nacht, sperrte Anakin alles andere aus, um mit seiner Frau allein zu sein.

Seiner Frau.

Das Wort, ja, allein der Gedanke, wirkten noch immer surreal. Bis vor Kurzem war Padmé mehr oder weniger eine Fremde für ihn gewesen, jemand, den er nur flüchtig bei ihren Besuchen auf Coruscant oder im HoloNetz sah. Er hatte von ihr geträumt, aber versucht, diese Träume möglichst weit von sich wegzuschieben.

Und dann … Naboo. Und Geonosis.

Und Tatooine.

Und jetzt waren sie verheiratet. Sie hatten sich seit der geheimen Trauung kaum gesehen, seit den paar kostbaren Tagen, als sie sich gemeinsam davongestohlen hatten. Ihre Aufgaben als Jedi und als Politikerin hatten sie in der Zwischenzeit quer durch die Galaxis geführt, und ihre Ehe war größtenteils nur ein spirituelles Band gewesen. Natürlich hatten sie sich verschlüsselte Nachrichten geschickt, wann immer es ging, ihre Unterhaltungen bestimmt von den unberechenbaren Gezeiten des Krieges und der Pflicht. Dennoch hatte sich ihre Beziehung wie ein Traum angefühlt – ein unmöglicher, wunderschöner Traum.

Doch nun war sie zu ihm zurückgekehrt. Oder er zu ihr. Jetzt waren es nicht länger Holos, die beklagten, wie sehr sie einander vermissten; jetzt waren es greifbare Gefühle, echte Berührungen, und Anakin wusste, dass es nicht nur ein Traum war.

Das machte alles noch kostbarer. Jeder Moment war ein Schatz, alles andere – das Gute ebenso wie das Schlechte – ausgesperrt. So, als gäbe es nur sie beide, selbst in diesen Zeiten des Krieges.

In ihrem gemieteten Speeder rasten sie über die höchst illegale und extrem gefährliche Rennstrecke in den Eingeweiden von Coruscant. Eigentlich hätte dies ihr erstes Treffen seit Anakins Ernennung zum Jedi-Ritter sein sollen. Die Begegnung im Jedi-Tempel war reiner Zufall gewesen, und der überraschte Anakin hatte all seine Selbstbeherrschung aufbringen müssen, um Padmé nicht kurzerhand in die Arme zu schließen, damit Zeit und Raum um sie herum erstarrten und er einfach nur die Wärme ihres Körpers genießen konnte. Aber das hier, heute Abend – das hatten sie schon im Voraus geplant. Anakin hatte vorgegeben, einen Spaziergang machen zu wollen, um seinen Geist zu klären, und dann war er hierher auf die unteren Ebenen geeilt, wo niemand ihnen Aufmerksamkeit schenken würde. Es kam nur selten vor, dass sich ihre Aufenthalte auf der Hauptwelt überlappten, und sie hatten sich geschworen, heute nicht über Politik oder den Krieg zu sprechen.

Oder über Cato Neimoidia.

Obwohl Padmé sich zu diesem Ausflug bereiterklärt und sogar den Mietspeeder bezahlt hatte – und obwohl sie selbst ein wenig Pilotenerfahrung besaß –, wurde schnell klar, dass sie die Geschwindigkeit nicht so liebte wie Anakin, als er den Schubregler nach vorne rammte und in einen nahezu vertikalen Sinkflug überging.

»Ich hätte Dormé herschicken sollen«, rief Padmé über das Heulen des Windes, der ihr die Haare unter der Kapuze hervorblies. Wäre sie in einem ihrer üblichen, reich verzierten Gewänder gekommen, hätte die schiere Geschwindigkeit ihre Aufmachung auseinandergerissen. Aber sie trug unauffällige Kleidung – eine dunkle Hose und eine mattgrüne Jacke samt Kapuze –, mit der sie mühelos in der Menge untertauchen konnte. Anakin seinerseits trug einen schlichten Mechaniker-Overall über seiner Jedi-Kleidung, sodass auch er wie ein ganz gewöhnlicher Arbeiter aussah. Er umrundete die nächste Kurve, nahm Schub weg, damit das Heck ausbrach, und nutzte dann die Ausrichtung des Speeders, um sie mit einer kurzen Zündung der Booster auf die nächste Gerade hinausrasen zu lassen.

»Ich fliege extra langsam«, sagte er mit einem Lachen. Vor ihnen knickte die Strecke ein letztes Mal senkrecht nach unten weg, und Padmés Schrei verwandelte sich in ein Lachen, als sie in den Abgrund schossen. Dann aktivierte Anakin die vertikalen Bremsdüsen, um ihren Sturzflug abzufangen. Einen Moment lang war es, als säßen sie auf einer schwebenden Wolke, bestehend aus Metall und Drähten und Legierungen.

So wie sein Arm.

Anakin verdrängte den Gedanken und griff mit seinen Sinnen in die Macht hinaus. Dieses ätherische Sonar zeigte ihm, wo die Strecke schmaler wurde, wo sie sich krümmte, ja sogar, wo in der Vergangenheit Fahrer die Kontrolle verloren und Unfälle gebaut hatten. Anschließend gab er wieder Schub und lenkte den Speeder in eine konzentrierte Rolle. Einige Steig- und Sturzmanöver später überquerte er unangefochten die Ziellinie.

Der Speeder kam zum Stillstand, und Anakin und Padmé wurden beide nach vorne gedrückt, ehe sie wieder nach hinten gegen ihre Sitze sanken. »Puh«, machte er, wobei er zu seiner Frau hinübersah.

Padmé Amidala hatte auf Geonosis dem sicheren Tod ins Auge geblickt, hatte mit erhobenem Blaster gekämpft, um ihren Planeten von Nute Gunray zurückzufordern, aber jetzt saß sie keuchend da, ihre Augen weit, die Hand vor ihrer Brust. »Es tut mir leid«, begann Anakin. »Alles in Ordnung? Hab ich es übertrieben? Ich …«

Plötzlich hallte Gelächter von den industriellen Skeletten ringsum wider. »Anakin«, sagte sie, ihre Worte von weiterem Lachen unterbrochen, als sie ihn spielerisch in die Schulter boxte. »Das war atemberaubend. Und ich möchte es nie wieder tun.«

Er stimmte in ihr Gelächter mit ein, dann beugte er sich hinüber, bis ihre Gesichter nur noch ein paar Zentimeter voneinander entfernt waren. Padmé nahm seine Hand – seine mechanische Hand – und hielt sie, genauso, wie sie sie während der Trauung gehalten hatte.

Sie schlug die Augen nieder und blickte auf ihre Finger hinab, die seinen schwarzen Handschuh umschlossen. Die elektrischen Synapsen übertrugen den Druck der Berührung auf die Nervenenden in Anakins Armstumpf. Vor nicht allzu langer Zeit hatte ein Blick von ihr gereicht, damit sich die Haare an diesem Arm aufstellten. Jetzt war das leider nicht mehr möglich. Anakin drückte ihre Hand. Die Verzögerung zwischen seiner natürlichen Bewegung und der Reaktion seiner mechanischen Prothese betrug nur eine Mikrosekunde, trotzdem reichte es, um ihn zu ärgern. Im Kampf oder bei illegalen Rennen vermochten seine Instinkte und die gesteigerte Wahrnehmung durch die Macht den Unterschied zu übertünchen, aber hier, in einem zärtlichen Moment mit seiner Frau – zu Beginn einer Ehe, die genauso überraschend gewesen war wie der Verlust seiner Hand –, da fühlte sich eine Mikrosekunde wie eine Ewigkeit an.

»Sie stört mich nicht«, sagte Padmé, wobei sie ihre Hand über seinen Handschuh legte. »Und das wird sie auch nie.«

»Ich weiß. Es ist nur … Ich habe mich noch nicht ganz daran gewöhnt.«

»Es ist ein Teil von dir. Und außerdem« – ihr Lachen war leiser und intimer als noch vor ein paar Sekunden – »hattest du offensichtlich keine Problemen, den Speeder damit zu fliegen.« Sie beugte sich vor und presste ihre Lippen auf die seinen. Anakin versuchte, sich jede Empfindung einzuprägen, sie abzuspeichern für all die Stunden, die er in den kommenden Wochen auf Kreuzern und in Shuttles verbringen würde; wenn er nur das Summen eines Lichtschwertes und die Berichte von Klonkommandanten um sich haben würde. Er lehnte sich in den Kuss, und ihre Hände lösten sich voneinander, um den anderen fest zu umarmen, während sie diesen zeitlosen Moment genossen, in dem es nur sie gab.

Dann wurden sie von der mechanischen Stimme eines Droiden unterbrochen.

»Die Familie dankt Ihnen für die Transaktion«, sagte BS-1119, der Streckenwart, der verdächtig nach einer rekonfigurierten HK-Attentätereinheit aussah. Als Anakin den Kopf hob, sah er den Droiden bereits heranstaksen. Zwei Pistolen hingen von Holstern an seinen metallenen Hüften, und ein ausgestreckter Finger zeigte an, dass sie jetzt besser gehen sollten. Trotz der drohenden Haltung klang BS-1119 übermäßig höflich – vermutlich ein Versuch, seine Wächterprogrammierung und seine geschäftlichen Aufgaben auszugleichen. »Sie können jederzeit einen weiteren Termin für eine Übungsrunde auf den industriellen Kursen der Familie vereinbaren. Außerdem besteht natürlich die Möglichkeit, auf zukünftige Rennen zu wetten.« In der Ferne war das Schimmern eines Patrouillendroiden zu sehen, und BS-1119 legte einen Schalter an einer nahen Kontrolltafel um. »Diese Strecke ist geschlossen. Bitte entfernen Sie Ihren Gleiter. Sie müssen jetzt gehen.«

»Es würde vermutlich nicht gut aussehen, wenn eine Senatorin und ein Jedi hier unten erwischt werden«, seufzte Anakin.

Padmé grinste und lehnte sich auf ihrem Sitz zurück. »Wie wäre es, wenn wir etwas essen gehen, anstatt uns einsperren zu lassen?«

Mann und Frau.

Was für ein seltsamer Gedanke. Trotz ihrer Hochzeit verhinderte ihr Leben, dass sie als Ehepaar lebten. Padmé musste sich um Dinge wie die aktuelle Krise auf Hebekrr Minor kümmern, und Anakin reiste von einem Teil der Galaxis in den nächsten, mal als Krieger, mal als Wache, mal als Sanitäter, mal als Botenjunge. Verheiratete Paare sollten gemeinsam spazieren und einkaufen und essen gehen, nicht in einem Krieg kämpfen oder diplomatische Verhandlungen führen und nur hin und wieder ein paar Stunden füreinander Zeit haben, wenn ihre Pflichten es gerade erlaubten.

Mit einem Mal loderte Frustration in Anakin. Er war wütend auf die Galaxis, die sie voneinander fernhielt, und auch die kleine Vergnügungsfahrt von eben diente nur noch als Erinnerung daran, wie wenig sie voneinander hatten. Sein Körper, sein Geist und sein Herz waren ebenso einem Leben als Friedenshüter verpflichtet wie seinem Leben mit ihr. Hätte Qui-Gon ihn niemals auf Tatooine gefunden, wäre er jetzt vielleicht ein professioneller Podrennfahrer, oder er hätte irgendeinen anderen, gefährlichen Zeitvertreib gefunden.

Wäre seine Mutter dann vielleicht noch am Leben?

Aber dieser Gedanke führte ihn auf einen dunklen Pfad voller weiterer Fragen, also sperrte er ihn tief in seinem Inneren ein und ermahnte sich, dass er jetzt hier war, bei Padmé, in diesem seltsamen Leben, wo sich der Kampf um Gerechtigkeit mit den ruhigen Augenblicken einer Ehe abwechselte.

Er wünschte nur, er könnte bestimmen, wie sie sich abwechselten.

»Ich glaube nicht, dass du eine Verkleidung brauchst«, sagte Padmé, und sie schmiegte sich an ihn, während sie auf den Markt zuschritten. »Ohne deinen Padawanzopf würde niemand auf die Idee kommen, dass du ein Jedi bist.«

»Ich bin froh, dass ich ihn los bin. Er war ständig im Weg. Habe ich dir schon erzählt, dass er mal von einem Blasterschuss versengt wurde?« Er dachte an den Moment heute Mittag im Jedi-Tempel, als sie die Stelle hinter seinem Ohr berührt hatte, dort, wo früher der Zopf gewesen war. Sie hatten zwar vor Kurzem ein Hologespräch geführt, aber dieser unerwartete Moment war wie eine Herausforderung der Macht gewesen. Anakin war nicht entgangen, dass Padmé sich erst umgesehen hatte, bevor sie die Hand hob. Und dann ihr verstohlenes Lächeln, ein privates Eingeständnis, dass sie mit dem Feuer spielten, denn der Tempel war der wohl riskanteste Ort in der gesamten Galaxis, um ihren Gefühlen nachzugeben.

Seine Liebe für sie hatte daraufhin nur umso heißer gebrannt.

»Ich werde dein kurzes Haar vermissen«, flüsterte sie, wobei sie mit ihren Fingern über seinen Kopf strich; sein Haar war bereits sichtlich länger als die Standardfrisur eines Padawans. »Es wirkte immer so schön ordentlich.«

»Vielleicht lass ich es noch weiterwachsen, nur, um dich zu ärgern. Hast du Obi-Wan gesehen? Sein Haar hängt ihm bis auf den Rücken.«

»Nein, bitte! Alles, nur das nicht«, flehte Padmé, und sie brachen beide in Gelächter aus. Es hieß, dass die Bewohner der Unterstadt zu sehr mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt waren, um sich um die großen Konflikte der Galaxis zu scheren, und als Anakin sich so umblickte, konnte er auch verstehen, warum. Auf allen Seiten waren zahllose Gebäude übereinandergeschichtet, so eng, dass man nie die Sonne sah. Hier unten lebte man wie in einer Blase. Man konnte regelrecht Klaustrophobie bekommen.

Aber im Moment bedeutete das auch, dass nichts ihre Zweisamkeit stören konnte – nicht der Krieg, nicht die Politik, nicht die Regeln der Jedi.

Sie konnten einfach sein. Näher würden sie jenen Momenten am See auf Naboo in absehbarer Zeit wohl nicht kommen.

Sie schlenderten im glühenden Neonlicht dahin, das teils von Schildern stammte, teils von billigen Leuchtstreifen. Die Stille zwischen ihnen fühlte sich so natürlich an wie das Atmen, und Anakin genoss die simple Freude, einfach nur an der Seite seiner Frau zu existieren, ganz ohne Wachen oder Holos. Ganz ohne Angst, dass sie schon wieder etwas auseinanderreißen könnte. Schließlich erreichten sie ihr Ziel: einen großen, geschwungenen Schriftzug, der verkündete: UHMANDASEE-MARKT. Selbst die peniblen Bewohner der oberen Ebenen kamen hierher, um die authentischen kulinarischen Genüsse dieses Marktes zu kosten. Zahlreiche Stände und ein paar abgestellte Transportspeeder reihten sich in der Passage aneinander, und an jedem gab es tropfende, schmierige, köstliche Delikatessen aus allen Teilen der Galaxis zu entdecken.

Doch selbst jetzt, wo sie einfach sie selbst sein und die Gesellschaft des jeweils anderen genießen konnten, merkte Anakin, dass Padmé sich aufmerksam umsah. Es gab ein paar kleine Regungen, die sie verrieten: die Art, wie sich ihr Atem beschleunigte, wie sie die Augenbraue hochzog oder den Kopf drehte, um unmerklich ihren Blickwinkel zu ändern.