Star Wars: Die letzten Jedi - Elizabeth Wein - E-Book

Star Wars: Die letzten Jedi E-Book

Elizabeth Wein

4,0

Beschreibung

Die New York Times-Bestsellerautorin Elizabeth Wein (Code Name Verity, Rose Under Fire) reist in die weit, weit entfernte Galaxis, um den Lesern die erschütternde Geschichte der wagemutigen Bomberpiloten und Techniker der Cobalt Staffel, einer besonderen Einheit des Widerstands, zu präsentieren. Ein packender Roman im direkten Umfeld zu Star Wars: Episode 8 - Die letzten Jedi.

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Nähere Infos und weitere Bände unter:

www.paninibooks.de

 

Von Elizabeth Wein

Mit Illustrationen von Phil Noto

Ins Deutsche übertragen von Andreas Kasprzak & Tobias Toneguzzo

 

Bibliografische Information der Deutschen NationalbibliothekDie Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Deutsche Ausgabe 2018 Panini Verlags GmbH, Rotebühlstraße 87, 70 178 Stuttgart.

Alle Rechte vorbehalten.

© & TM 2018 LUCASFILM LTD.

Titel der Amerikanischen Originalausgabe: „Star Wars: The Last Jedi – Cobalt Squadron” by Elizabeth Wein, illustrated by Phil Noto.

Geschäftsführer: Hermann Paul

Head of Editorial: Jo Löffler

Head of Marketing: Holger Wiest (E-Mail: [email protected])

Presse & PR: Steffen Volkmer

Übersetzung: Andreas Kasprzak

Lektorat: Marc Winter

Umschlaggestaltung: tab indivisuell, Stuttgart

Satz und E-Book: Greiner & Reichel, Köln

YDSWJR006E

ISBN 978-3-8332-9987-5

Gedruckte Ausgabe: ISBN 978-3-8332-3635-8

Findet uns im Netz:

www.paninibooks.de

PaniniComicsDE

 

Für meine Cousins aus beiden Generationen.Möge die Macht mit euch sein.

 

 

 

 

 

01

Nichts, dachte Rose, ist so friedlich wie das endlose Blau des Hyperraums. Sie löste die Sicherheitsgurte, als sie Lichtgeschwindigkeit erreicht hatten, und stieg die lange Zugangsleiter hinunter, vorbei an den schlecht beleuchteten Bombenaufhängungen und hinab zu ihrer älteren Schwester Paige, die im Kugelgeschützturm an der Unterseite des schweren Bombers saß. Rose leistete Paige dort gerne Gesellschaft, wenn sie durch den Hyperraum flogen. Oft hatte sie das Gefühl, dass sie bei ihren Aufträgen nur während der Überlichtflüge wirklich Zeit miteinander verbringen konnten. Obwohl man sie meistens auf dieselben Missionen schickte, waren sie nur selten ungestört.

„Schön, dich zu sehen, Rose“, sagte Paige, als Rose sich neben ihre Schwester zwängte. Der Glaskäfig des Kugelgeschützturms war nicht dafür konzipiert, dass mehr als eine Person darin saß, also musste Rose sich zu Paige hinter die Laserkanone quetschen – sie saß praktisch auf dem Schoß ihrer Schwester.

„Ich kann nicht lange bleiben“, erwiderte Rose. „Ich muss das kleine Monster von Energiedämpfer, das ich erfunden habe, im Auge behalten und schauen, dass es richtig funktioniert.“

„Bist du sicher, dass das Teil uns unsichtbar machen wird? Eine SternenFestung übersieht man nicht so einfach.“

„Der Dämpfer soll uns nicht unsichtbar machen. Scanner können unseren Energieausstoß nicht länger erfassen, das ist alles. Er wird nicht verhindern, dass man uns sieht, aber vielleicht sorgt er dafür, dass niemand nach uns Ausschau hält. Du weißt ja, was passiert, wenn wir entdeckt werden …“

„Ja, für den Fall sitze ich schließlich hinter einer Laserkanone“, meinte Paige.

Während dieses kurzen Augenblicks, in dem sie sicher bei ihrer älteren Schwester in dem transparenten Kokon des Geschützturms saß und sie durch den Hyperraum rasten, wo die Realität außer Kraft gesetzt war, hätte Rose eigentlich keinerlei Furcht spüren sollen.

Seit die Heimatwelt der Tico-Schwestern im Otomok-System durch die Erste Ordnung zerstört worden war und sie sich zur Widerstandsbasis auf D’Qar durchgeschlagen hatten, hatte es eigentlich immer etwas gegeben, worüber sie sich sorgen mussten. Von unheilvollen Berichten über das harte Durchgreifen der Ersten Ordnung in anderen Sternensystemen über beschädigte Schiffe, die repariert und mit neuen Waffen ausgestattet werden mussten – nur für alle Fälle –, bis hin zu verwundeten Piloten, die auf dem Weg zur Krankenstation an ihnen vorbeigetragen wurden … Irgendetwas erinnerte einen auf D’Qar immer daran, dass man Angst haben sollte. Im Hyperraum gab es nichts, auch keine Gründe, sich zu fürchten.

Wirklich?, fragte sich Rose. Was ist mit der Vergangenheit? Was ist mit der Zukunft? Selbst in diesen Augenblicken der Ruhe war die Furcht allgegenwärtig. Sie dachte an das Schicksal ihrer Heimatwelt. Bis die Erste Ordnung vollkommen zerstört war, würde die Angst nie ganz verschwinden. Keine Sekunde glaubte sie die Behauptung der Ersten Ordnung, dass sie nur die Zivilisation in die entlegenen Winkel der Galaxis tragen wollte. Rose hatte gesehen, was aus dem Otomok-System geworden war: Eisfelder, übersät mit dem Schrott fortwährender Waffentests; öliger Rauch, der aus verseuchten Siedlungen aufstieg. Irgendwann würden auch andere Leute das chaotische Grauen sehen, das sie und Paige miterlebt hatten. Rose war entschlossen, dem ein Ende zu machen. Das war ihr klares Ziel gewesen, als sie und ihre Schwester sich der Widerstandsbewegung von General Leia Organa angeschlossen hatten: die Erste Ordnung zu stürzen.

In der Stille des Hyperraums konnte Rose ihre Furcht zusammenknüllen und sie kurzzeitig in eine Ecke ihres Gehirns werfen, wo sie wenigstens eine Stunde lang nicht darüber nachdenken musste. Aber da war sie trotzdem. Wenn Rose durch die durchsichtigen Kristallglasplatten des Geschützturms nach unten blickte, sah sie lediglich das zweidimensionale, fleckige Blau. Aber wenn sie den Kopf hob und sich in dem schwenkbaren Sessel, der in der transparenten Kuppel hing, nach hinten gegen Paiges Schulter lehnte, dann sah sie die massive, von vielen Einsätzen gezeichnete Form des schweren Bombers Hammer, der unheilvoll über ihr aufragte.

„Du atmest schwer“, stellte Paige fest.

„Das liegt daran, dass ich ordentlich zu tun hatte“, entgegnete Rose hastig. „Die lange Kletterpartie an den Bombengestellen vorbei ist so gut wie eine Trainingseinheit.“ Das stimmte zwar, aber es sollte auch über die Tatsache hinwegtäuschen, dass Rose Angst hatte. Sie wollte nicht, dass die Mannschaft es merkte – und schon gar nicht Paige, die sich schreckliche Sorgen um ihre Schwester machte. Sie waren alles, was noch von ihrer Familie übrig war – und die einzigen Flüchtlinge aus dem Otomok-System, die sie kannten.

Die Heimatwelt von Paige und Rose, Hays Minor, und dessen Schwesterplanet, Hays Major, hatte man selbst nach den Standards des Otomok-Systems gerade so als bewohnbar bezeichnen können. Hays Minor war ein kalter, dunkler Ort gewesen, so weit von der Sonne entfernt, dass seine Bewohner in ständigem Zwielicht lebten.

Paige bemannte jetzt zwar meistens die Kanonen der Hammer, aber sie war auch eine ausgebildete Pilotin. Daheim im Otomok-System hatte sie eine umgebaute Version dieses Bombers – ein Schiff des Typs MG-100 SternenFestung – geflogen und war damit im Auftrag der Zentralmassiv-Bergbaugesellschaft über das dunkle Polareis von Hays Minor hinweggerast, um Arbeitsmannschaften auf die Oberfläche des Planeten zu transportieren. Aufgrund ihres Talents durfte Paige manchmal für Finch, dem Piloten der Hammer, bei langen Flügen einspringen, wenn er sich ein wenig hinlegen wollte.

Rose konnte sich nicht an eine Zeit erinnern, als sie und ihre Schwester nicht vom Weltraum fasziniert gewesen waren. Doch dann hatte der Weltraum ihnen die Erste Ordnung gebracht und der Himmel von Hays Minor hatte sich mit so viel Staub und Schmutz gefüllt, dass die Familie Tico von der Beobachtungskuppel ihrer Wohnkapsel aus nicht länger die Sterne sehen konnte. Ihre verzweifelten Eltern hatten es geschafft, die Kinder als Flüchtlinge aus dem Otomok-System zu schmuggeln. Als Rose und Paige zum ersten Mal General Leia Organa begegnet waren, hatten sie noch immer die Filterbrillen getragen, weil ihre Augen sich noch nicht an das helle Sonnenlicht der inneren Planeten gewöhnt hatten, und ihre einzigen Kleider waren die gewesen, die sie am Körper trugen.

„Unser Planet wird zerstört“, hatte Paige General Organa erklärt.

Leia hatte mit ernster Stimme geantwortet: „Ich verstehe.“

Nun, wo sie für den Widerstand flogen, konnte Rose die Sterne wieder sehen. Aber sie würde nie wieder nach Hause zurückkehren können.

„Ich hasse es, an den Bombengestellen vorbeizusteigen, wenn sie bestückt sind“, sagte Paige mitfühlend. „Das ist irgendwie unheimlich, findest du nicht? All diese schwarzen, glänzenden Gehäuse, jedes mit Sprengstoff vollgestopft.“

„Definitiv unheimlich. Sogar jetzt, wenn sie nicht mit Bomben bestückt sind.“

Stattdessen hingen dort nämlich derzeit Sondendroiden an den Aufhängungen, die sie für eine schnelle, geheime Spionagemission brauchten. Normalerweise gehörte die Hammer zur Kobalt-Staffel, einer Gruppe schwerer Bomber des Widerstands. Aber diese Reise ins Atterra-System sollte ein unauffälliger Erkundungsausflug werden, darum war die Hammer diesmal ausnahmsweise auf sich allein gestellt. Und der Bombenhänger des Schiffs war nicht mit zerstörerischen Magno-Sprengladungen gefüllt, sondern mit selbststeuernden Sondendroiden, klein genug, um auf den meisten Routinescans nicht aufzutauchen.

General Leia Organa wollte herausfinden, was die Erste Ordnung wirklich in den lokalen Siedlungen von Atterra anstellte. Es gab beunruhigende Gerüchte, wonach Händler, die das System normalerweise problemlos betreten und verlassen konnten, an Blockaden aufgehalten wurden. Bewaffnete Schiffe versperrten die normalen Weltraumrouten und ließen niemanden nach Atterra durch. Und falls sich doch jemand an den Wachschiffen vorbeischlich, wurde er von automatischen Kanonen angegriffen, die auf den zahlreichen Asteroiden des Systems platziert worden waren. Diese Kanonen waren mit visuellen Sensoren ausgestattet und feuerten auf alles, was in ihre Nähe kam. In zumindest einem Bericht wurden zudem TIE-Jäger erwähnt, die auf ihren Patrouillenflügen um Atterras Asteroidengürtel und die beiden bewohnten Planeten des Sternensystems herumschwirrten.

Atterra befand sich in einem abgelegenen Winkel des Territoriums, das von der Ersten Ordnung kontrolliert wurde, aber es war immer ein sicherer Ort für Handel gewesen. Dass die Erste Ordnung dort nun neutrale Schiffe mit Autokanonen angriff, ließ nichts Gutes vermuten. Otomok war ebenfalls abgeriegelt worden, bevor sie es zerstört hatten.

Leia gehörte zu den paar Leuten, die vermuteten, dass die Erste Ordnung etwas Größeres vorhatte, als einfach nur ihre eigene Macht zu festigen. Darum hatte sie einen einzelnen Bomber des Typs SternenFestung nach Atterra geschickt, um ein wenig für sie herumzuspionieren.

„Ich kann nicht glauben, dass Atterra Zwillingsplaneten hat, die beide bewohnt sind“, sagte Rose. „Genau wie zu Hause – absolut unglaublich. Allein deshalb möchte ich schon für sie kämpfen.“

„Ich weiß“, stimmte Paige zu. „Atterra Alpha und Atterra Bravo. Ich kann es kaum erwarten, sie zu sehen. Es war kein Zufall, dass General Organa uns für diesen Flug ausgewählt hat. Sie hat ein großes Herz.“

Natürlich hatte Leia nicht nur aus der Güte ihres Herzens entschieden, dass Paige und Rose Teil der Mission sein sollten, die Sondendroiden nach Atterra zu bringen. Rose hatte ein Talent, behelfsmäßige Lösungen für technische Probleme zu finden. Als sie die Minischilde gesehen hatte, die die Sonden auf ihrem Flug tarnen sollten, war sie auf die Idee gekommen, die Triebwerke und Computer ihres eigenen Schiffs auf ähnliche Weise zu modifizieren. Rose’ „kleines Monster“, der Energiedämpfer, war ihre improvisierte Lösung, um die Strahlung zu zerstreuen, die die Energiequellen des Schiffs ausstießen. Auf diese Weise wurde es auf geringe Distanz absolut unauffindbar.

Ihre gegenwärtige Mission lautete, in den Orbit von Atterra Bravo zu fliegen, die Hälfte der Sondendroiden im Bauch der Hammer abzusetzen und dann über Atterra Alpha dasselbe mit dem Rest der Sonden zu tun. Anschließend würden sie mehrere Stunden im hellen Sternenlicht des Weltraums warten, während die Droiden über die Oberfläche beider Planeten hinwegschwebten, Aufnahmen machten und Messungen vornahmen – ganz ohne Aufmerksamkeit zu erregen, wenn sie Glück hatten. Dann würde der schwere Bomber all die Satellitendroiden wieder einsammeln und mit den gesammelten Informationen zur Basis des Widerstands auf D’Qar zurückkehren.

Paige, Rose und der Rest der Mannschaft wussten nicht, welches Schicksal sie erwartete, sollten sie im Orbit um Atterra Alpha oder Bravo entdeckt werden. Abgesehen von den Kanonen des Piloten und den Lasern in den Kugelgeschütztürmen hatte sie keine Waffen, um sich gegen einen Angriff zu verteidigen. Bomber des Typs SternenFestung waren auch nicht für hohes Tempo oder große Wendigkeit konzipiert – das Schiff sollte über tausend Bomben transportieren, mehr nicht. Normalerweise wurde es darum bei Kampfeinsätzen von einer Eskorte aus Sternenjägern begleitet. Die Bombenladung konnte eingesetzt werden, um Eis für eine Bergbauoperation wegzusprengen, oder um einen feindlichen Stützpunkt in die Luft zu jagen – je nachdem, ob gerade Frieden oder Krieg herrschte. Und nun, in dieser seltsamen Grauzone zwischen Krieg und Frieden, gab es offenbar noch eine weitere Einsatzmöglichkeit für den schweren Bomber: als Transportschiff für Unmengen an elektronischen Spionen.

„Es wäre schön, wenn wir nicht ständig in Angst leben müssten“, sagte Paige, als hätte sie Rose’ Gedanken gelesen.

„Ich soll Angst haben?“, konterte Rose hastig. Sie berührte Paiges Medaillon, das an einer Kordel vom Zielschirm der Laserkanone baumelte: ein tränenförmiges Schneetraubenblatt aus blassgoldenem, haysianischem Schmelz. Normalerweise hing es um Paiges Hals, aber während einer Mission hatte sie es gerne dort, wo sie es sehen konnte. Rose besaß ein fast identisches Medaillon, das sie, unter dem Fliegeranzug verborgen, eng an der Haut trug. Die beiden Anhänger ließen sich zum Symbol des Otomok-Systems zusammensetzen und waren die letzte reale Verbindung, die noch zwischen ihnen und ihrem Heimatplaneten existierte. Ihre Eltern hatten ihnen die Medaillons bei ihrem letzten Abschied gegeben. „Zu Hause mussten wir auch immer Angst haben, oder?“, meinte Rose.

„Vielleicht erinnerst du dich nicht mehr daran, dass wir auch einmal ohne Furcht gelebt haben“, erwiderte Paige, „aber ich bin älter als du. Das Leben auf Hays Minor war nie leicht, auch vor der Ersten Ordnung nicht. Aber bis sie auftauchten und anfingen, Leute zu entführen und zu ermorden, mussten wir zumindest keine Angst haben. Mama und Papa hatten keine Angst – bis sie unseretwegen Angst haben mussten.“

Rose konnte das glänzende Medaillon unter dem Zielschirm wegen ihrer Handschuhe nicht fühlen und ihren eigenen Anhänger, der auf ihrer Haut lag, konnte sie ebenso wenig fühlen – er war einfach da, genauso wie ihr Unterhemd oder ihre Socken. „Angst zu haben, ist, wie dieses Medaillon zu tragen“, murmelte Rose. „Es ist ein Teil von mir. Manchmal vergesse ich sie kurz, aber ob ich nun daran denke oder nicht, sie ist immer da.“

„Sei nicht so trübsinnig!“, sagte Paige. „Mit mir ist es nämlich genauso. Egal, ob du an mich denkst oder nicht, ich bin immer da. Nichts kann uns trennen – ganz egal, was auch passiert.“

„Ich muss los“, sagte Rose, als ihre freie Zeit mit Paige zu Ende ging. „Auf dem Rückflug komme ich wieder runter.“

„Bis dann, Rose“, verabschiedete Paige sich beiläufig, so wie jedes Mal vor einem Bombenabwurf.

Rose kletterte die lange Leiter wieder nach oben, um ihren Platz hinter dem Monitor des Flugingenieurs einzunehmen. Sie wollte bereit sein, wenn sie aus dem Hyperraum sprangen und ins Atterra-System eintauchten.

Durch Atterra zu navigieren, war angeblich ein wahrer Albtraum für Piloten. Neben dem leblosen Riesen Atterra Primo und den bewohnten Zwillingswelten Alpha und Bravo gab es tausende Asteroiden, alle in einem Orbit um Atterras gelbe Sonne und einige auch im Orbit umeinander – die Gravitationskräfte zwischen ihnen führten ständig zu Kollisionen. Näher an der Sonne, unmittelbar hinter dieser chaotischen Asteroidenparade drehten sich die Planeten Alpha und Bravo stabil auf derselben Bahn. Jede Welt hatte einen Mond und sie waren weit genug voneinander entfernt, sodass der eine nicht die Gravitation des anderen beeinflusste, und beide Planeten waren bewohnt.

Zwillingsplaneten fand man nur sehr selten in der bewohnbaren Zone eines Sternensystems, und auch wenn Klima und Terrain auf Atterra Alpha und Bravo keinerlei Ähnlichkeit mit dem von Hays Minor und Major hatten, fühlte Rose allein wegen der Tatsache, dass die beiden Welten denselben Orbit teilten, wie Schwestern, eine Verbundenheit mit ihnen. Sie wusste, wie abhängig diese Schwesterplaneten voneinander waren, so nah beieinander in der gewaltigen Leere des Alls. Und sie wünschte von ganzem Herzen, dass Alpha und Bravo eine lange, glückliche Zukunft hatten. Sie konnte es kaum erwarten, die beiden zu sehen. „He, Nix!“, rief Rose, als sie sich dem Hauptdeck näherte und der Bombenschütze in ihr Blickfeld kam.

Nix winkte ihr zu, antwortete aber nicht. Er stand an seinem Computerpult und war damit beschäftigt, die Sondendroiden an den Bombenaufhängungen zu überprüfen. Sie mussten schließlich sicher sein, dass die Sonden aktiviert und einsatzbereit waren, wenn die Hammer den Orbit von Atterra Bravo erreichte.

Finch Dallow, der Pilot, grüßte Rose durch die offene Cockpittür, als sie sich auf ihrem Sitz vor dem Monitor des Flugingenieurs festschnallte. Der schwere Bomber war nicht auf Luxus ausgelegt. Die Wände wirkten nackt und unfertig, weil überall Leitungen und Kabelstränge bloßlagen. Aber die Technologie war auf dem neuesten Stand. „Bist du bereit?“

„Paige meinte, es wäre schön, ohne Angst leben zu können“, antwortete Rose. „Aber ich bin für alles bereit.“ Sie war wirklich für alles bereit. Nur gefiel es ihr manchmal eben nicht, immerzu in diesem Zustand der Bereitschaft sein zu müssen.

„Ein Leben ohne Angst wäre doch langweilig“, sagte Finch. Alle Mitglieder der Mannschaft hatten ihre eigenen Gründe, warum sie sich dem Widerstand angeschlossen hatten. Welche Gründe das bei Finch waren, wusste Rose nicht, auch nicht, welche Gräuel er als Aufklärungspilot für die Neue Republik miterlebt hatte. Seine grenzenlose Heiterkeit war eine gute Tarnung, hinter der er seine echten Gefühle versteckte. Dann fügte er hinzu: „Das wird bestimmt lustig.“

Unvermittelt fielen sie in den Normalraum zurück, nur ganz knapp vor dem gigantischen Asteroidengürtel des Atterra-Systems. Finch steuerte den schweren Bomber sofort in ein wildes Ausweichmanöver, um ihn anschließend wieder in die andere Richtung herumzureißen.

„Was zum …“, schrie Nix, während er sich an der Bombenkonsole festklammerte.

„Tut mir leid“, keuchte Finch. „In Ordnung, Rose, falls ich verspreche, das Schiff ganz ruhig zu halten, kannst du dann überprüfen, ob der Dämpfer richtig funktioniert?“

„Schon dabei“, antwortete Rose. Sie schaltete den Ingenieursmonitor auf automatische Überwachung und löste dann, noch immer ein wenig von Finchs plötzlichem Manöver durchgerüttelt, ihre Sicherheitsgurte. Anschließend ging sie zu der klobigen, behelfsmäßig zusammengeschraubten Maschine hinüber, die den Großteil des Raums zwischen ihrer Station und dem hinteren Geschützturm im oberen Bereich des Schiffs einnahm.

Der Dämpfer war ein komplexer Apparat, halb Droide, halb einfacher Computer, den Rose gebaut hatte, um mit dem Schiffsantrieb zu kommunizieren und in unregelmäßigen Abständen die Ionenemissionen zu zerstreuen. Auf diese Weise entstand bei einem Scan der Eindruck, als würde die SternenFestung kaum Energie verbrauchen, selbst dann, wenn alle Systeme mit maximaler Leistung liefen.

Rose hatte gemischte Gefühle, was ihre Schöpfung anging. Zunächst mal war ihr mechanisches Monster alles andere als klein und es ärgerte sie, dass sie keinen Weg gefunden hatte, den Dämpfer kompakter zu machen. Aber für jeden Schaltkreis an Bord war eine separate Schnittstelle nötig – und wenn man bedachte, wie wenig Zeit sie für ihre Arbeit gehabt hatte, dann war eine kleinere Lösung einfach nicht drin gewesen. Bei den Sondendroiden an den Bombenaufhängungen wirkte die gleiche Technologie zwar viel effizienter, aber natürlich waren die Droiden auch viel kleiner als die SternenFestung. Insgeheim war Rose dennoch stolz auf ihren Dämpfer. Sie hatte ihn in kürzester Zeit zusammenschustern müssen und bislang hatte er seine Aufgabe prima erfüllt. „Na, wie geht’s?“, fragte sie die Maschine. „Redet das Schiff mit dir, wie es sein soll?“

Die Antwort des Dämpfers bestand aus einem Zwitschern. Der gewaltige Apparat hing von der Decke der Hammer herab, sodass eine Lücke von knapp einem halben Meter zwischen seiner Unterseite und dem Deck blieb – gerade groß genug, dass Rose unter die Maschine klettern konnte, wenn sie die zahlreichen Anschlüsse erreichen musste, die zu den Triebwerken führten. Aber es war nicht leicht, sich dorthin vorzuschieben, und Rose zögerte, nicht sicher, ob es wirklich nötig war, alle Verbindungen zu überprüfen.

Während sie noch dastand und sich zu einer Entscheidung durchrang, traf eine heftige Explosion den Bomber, und Rose wurde von den Beinen gerissen. In ihrer angeborenen Sturheit stand sie sofort wieder auf, obwohl das Schiff noch immer bebte, und die nächste Explosion schleuderte sie quer über das Hauptdeck und gegen ihre Monitorstation. Einen Moment lang nahm Rose nur die blitzenden Lichtpunkte hinter ihren geschlossenen Augenlidern wahr, dann hörte sie Finchs Stimme, als der Pilot sich über das Headset nach dem Befinden seiner Mannschaft erkundigte.

„Tut mir leid, Kinder, das waren zwei direkte Treffer. Vermutlich eine Autokanone auf einem der Asteroiden – wir müssen zu nah rangekommen sein, sodass Rose’ Dämpfer die Kanone nicht länger täuschen konnte. Darauf war ich nicht vorbereitet. Aber jetzt sind wir außer Reichweite und die Schilde haben gehalten – sind alle noch in einem Stück?“

Rose’ Headset sperrte das Geräusch der Schiffstriebwerke aus, aber ihre Hände lagen flach auf dem Metallboden des Hauptdecks und sie konnte das leichte, gleichmäßige Vibrieren der Energie an den Handflächen spüren. Alles funktionierte noch.

Paige meldete sich mit ihrer typisch ruhigen Stimme aus dem Geschützturm unten am Bombenhänger. „Hier unten ist alles in Ordnung. Sieht aus, als hätte General Leia wieder mal den richtigen Riecher gehabt.“

„Ja, sieht so aus“, stimmte Finch zu. „Bombenschütze? Noch unter den Lebenden?“

„Gerade so. Aber alles ist bereit für den Abwurf der Überwachungssonden“, meldete Nix. „Dieser Treffer hat mich halb den Leiterschacht runtergeschleudert. Ein Glück, dass ich meine Traktionshandschuhe trage.“ Seine Stimme war nicht ganz so ruhig wie Paiges, als er auf Finchs Anwesenheitsappell reagierte – andererseits, niemand war je so ruhig wie Paige. Aber Nix klang entschlossen. Falls er sich verletzt hatte, ließ er es sich zumindest nicht anmerken.

Das war eine ziemlich unangenehme Methode gewesen, um herauszufinden, dass die zahllosen Asteroiden des Atterra-Gürtels tatsächlich mit Defensivwaffen bestückt waren.

„Da ist noch einer dieser verfluchten Felsbrocken, auf zwei Uhr – ich weiß nicht, ob er bewaffnet ist oder nicht. Also haltet euch besser fest“, warnte Finch sie. „Was macht unsere Flugingenieurin?“

Erst jetzt bemerkte Rose, dass sie noch immer mit dem Gesicht nach unten auf dem Deck lag.

 

 

 

02

Rose griff nach der Lehne des Stuhls, der hinter der Konsole des Flugingenieurs festgeschraubt war, und zog sich in eine sitzende Position hoch. Sie konnte Finch vorne im Cockpit sehen und hätte er sich herumgedreht, hätte er auch sie sehen können, wie sie auf dem Deck saß, aber er wagte es nicht, die Augen von dem Flugvektor abzuwenden, auf dem er sie durch das bizarre Planetensystem von Atterra steuerte. „Alles in Ordnung“, sagte Rose mit zittriger Stimme, dann stemmte sie sich auf die Beine hoch. Sie warf einen kurzen Blick auf die Bildschirme. Ihre Konsole befand sich im großen, fensterlosen Mittelteil des Schiffs, der einzige Ausblick, den sie hatte, stammte also von dem Monitor. Die Bilder der Asteroiden zeigten den Albtraum eines jeden Navigators, einen Irrgarten aus Hindernissen. Sie wiederholte: „Alles in Ordnung!“

„Das sind gute Neuigkeiten“, meinte Finch, „denn ich brauche hier vorne deine Hilfe. Die Steuerborddüse lässt sich nicht deaktivieren. Ich glaube, die Zündung hat blockiert, als ich gegen die Aktivatoren getreten hab. Das Ding vergeudet Treibstoff, den wir nicht haben, und dass es unseren Energieausstoß steigert, macht es vermutlich nicht gerade leichter, unbemerkt zu bleiben. Außerdem …“ Er machte eine Pause, um Luft zu holen, bevor er den Satz beendete. „Außerdem will uns das Ding direkt in diesen verdammten Asteroiden hineinsteuern.“

„Vielleicht solltest du einen kleinen Auffrischungskurs für Piloten machen.“ Rose versuchte, locker zu klingen, als sie ihren schlechten Witz machte. Sie wusste, dass Paige ihnen zuhörte, unten in der zerbrechlichen Glaskuppel des Lasergeschützturms, die aus dem Rumpf des schweren Bombers hervorragte, und dieser schlechte Witz würde ihr zeigen, dass ihre Schwester nicht verletzt war.

Rose rannte durch das Hauptdeck nach vorne. Die Hammer war nicht für einen Co-Piloten ausgelegt, darum gab es im Cockpit nur einen Sitz und gerade so viel Platz, dass Rose sich hinter Finch stellen konnte. Durch die transparente, eiförmige Kuppel des Cockpitfensters konnte sie einen Blick auf die Herausforderung werfen, mit der Finch gerade konfrontiert war.

Es sah beinahe aus wie der Ansturm von Sternen, den man im ersten Moment sah, wenn man in den Hyperraum sprang. Aber die unzähligen Lichter, die ringsum leuchteten, so weit das Auge sehen konnte, waren in diesem Fall keine Sterne – es waren die Asteroiden des Atterra-Gürtels und sie glühten nicht durch ihre eigene Energie, sondern wurden lediglich von ihrer gelben Sonne angestrahlt. Die am weitesten entfernten Brocken leuchteten gleichmäßig wie Sterne, die in mittlerer Distanz erinnerten eher an glühende Monde und die Asteroiden direkt vor ihnen sahen aus wie bergige, leblose Felskugeln, die über der SternenFestung aufragten – viel näher, als es einem lieb sein konnte.

„Warum musstest du auch gegen die Aktivatorverbindungen treten?“, tadelte Rose.

„Es war keine Absicht“, verteidigte sich Finch. „Es ist einfach passiert, als die Kanonen uns erwischt haben.“ Trotz seiner Handschuhe steuerte er das Schiff mit Fingerspitzengefühl, einen Finger dicht über den Kontrollen. Er sah nicht besorgt aus, aber Rose hörte die Anspannung, als er hinzufügte: „Ich kann das Steuer nicht loslassen. Kommst du an die Verbindungen ran, wenn ich den Fuß hebe?“

„Kinderspiel“, sagte Rose, als würde es wirklich einfach werden.

Finch zog die Knie an und streckte die Stiefel nach vorne gegen den Rahmen des Cockpitfensters. Während er diese unbequeme Position einnahm, wandte er den Blick nicht ein Mal von dem Asteroidenfeld draußen ab und seine Hände auf den Instrumenten bewegten sich keinen Millimeter.

Rose krabbelte unter den Pilotensessel. Das Paneel, das die Verbindungen für die Steuerdüsen schützen sollte, hatte sich durch Finchs instinktiven Tritt nach innen verbogen, wodurch es die Düse permanent aktiviert haben musste. Hätte Finch aus dem Weg gehen können, wäre die Reparatur ganz leicht gewesen. Rose schaffte es, einen Schraubenschlüssel aus ihrem Werkzeuggürtel hinter das verbogene Paneel zu klemmen, aber fand keine Position, in der sie genug Kraft aufbringen konnte, um die Platte aus der Wand zu lösen. „Nimm deinen rechten Fuß runter“, sagte sie.

„Wirklich? So?“

„Genau so.“ Rose packte Finchs Stiefel und schob ihn über den Boden, bis er das obere Ende des Schraubenschlüssels berührte, den sie unter das Paneel geklemmt hatte. „Spürst du das? Tritt da drauf. Genau, wie du es vorhin gemacht hast.“

„Ich soll noch mal zutreten?“ Finch lachte humorlos. „Na schön …“ Er gehorchte zögerlich, die Augen weiter auf die Unzahl großer und kleiner Asteroiden voraus gerichtet und ganz besonders auf die größten unter ihnen, da die Gefahr, sie zu rammen, besonders hoch war.

„Nicht so! Mit dem Absatz. Ein guter, fester Tritt“, forderte Rose.

Finch trat zu und das verbogene Paneel flog klappernd aus der Wand.

Rose wich dem Metallstück und Finchs herabsausendem Stiefel aus, dann wandte sie sich den Aktivatorverbindungen zu. Sie entdeckte die eine, die zu weit nach hinten gedrückt worden war und schob sie in ihre normale Position zurück.

„Perfekt!“, jubelte Finch. „Danke! Und, war das so schwer?“

Rose stieß sich den Kopf an der Unterseite des Pilotensessels an, während sie versuchte, darunter hervorzukriechen. „Autsch! Ich glaube, dieses Schiff hasst mich.“ Sie richtete sich auf, wobei sie sich an der Rückenlehne von Finchs Sessel festhielt, und einen Moment lang vergaß sie ihre Verärgerung. Stattdessen betrachtete sie fasziniert die unglaubliche, kalte Schönheit des leuchtenden Sternensystems. Dann erinnerte sie sich daran, dass es hier gefährlich war. „Pass auf, dass wir diesen großen Asteroiden nicht zu nahe kommen“, warnte sie Finch. „Bei zu geringer Distanz versagt der Energiedämpfer. Falls jemand da draußen ist, wird er uns mühelos erkennen können.“

„Wir sind wieder auf Kurs“, rief der Pilot dem Rest der Mannschaft zu. „Rose, geh zur Beobachtungsstation. Nix, trage diesen Asteroiden, an dem wir gerade vorbeigeflogen sind, auf der Karte ein, in Ordnung? Nenn ihn Atterra Eins-Sieben-Null-Sechs-Vier. Ich möchte diese Autokanone kein zweites Mal auslösen. Vermutlich meldet sie, wann immer sie das Feuer eröffnet, und falls wir sie ein zweites Mal aktivieren, könnte derjenige, der sie hier aufgestellt hat, Verdacht schöpfen.“

„Ganz abgesehen davon, dass sie wieder auf uns schießen würde“, erklang Paiges ruhige Stimme aus Rose’ Headset.

„Kanone auf Atterra Eins-Sieben-Null-Sechs-Vier“, sagte Nix. „Verstanden.“

„Macht alles für den Abwurf der Sondendroiden bereit“, schob Finch hinterher. „Atterra Bravo sollte in zehn Minuten in Reichweite sein.“

„Countdown läuft“, hörte Rose Nix’ Bestätigung aus dem Headset.

 

Rose’ „Beobachtungsstation“ war der obere Geschützturm, hoch oben am Heck des schweren Bombers. Wie Finchs Kanonen am Cockpit oder Paiges Geschütz unten am Bombenhänger war auch die Kanone in der hinteren Kuppel geladen, für den Fall, dass die Hammer unter feindlichen Beschuss geriet. Sie hoffte, dass sie die Schiffswaffen nicht einsetzen mussten. Der Dämpfer konnte den Energieausstoß des Antriebs verbergen, aber die geballte Energiewoge von Laserfeuer ließ sich damit nicht tarnen. Sie tätschelte den Dämpfer zärtlich, als sie sich daran vorbeizwängte, um zu ihrer Beobachtungsstation zu gelangen. Die Maschine zwitscherte zur Antwort.

Nachdem Rose zu dem Sitz in der durchsichtigen Glaskuppel hochgestiegen war, hatte sie erneut das Gefühl, als würde die unvorstellbare Schönheit von Atterras Tausenden Asteroiden sie direkt ins Herz treffen. „Wow, was für ein Anblick!“, entfuhr es ihr.

„Genau das, wonach wir uns gesehnt haben, nicht?“ Paiges Stimme in Rose’ Headset war voller Wärme, als sie ihrer jüngeren Schwester zustimmte. „Weißt du noch, wie wir die Sterne vermisst haben, als die Erste Ordnung unseren Himmel mit Staub und Kriegsschiffen gefüllt hat? Als wir darüber geredet haben, dass wir gemeinsam die Galaxis sehen wollen, haben wir genau diese Aussicht gemeint, oder?“

„Sicher, das hier ist praktisch eine galaktische Luxuskreuzfahrt“, scherzte Rose. Dennoch musste sie zugeben, dass es atemberaubend war. Die Asteroiden schillerten und erhellten das All ringsum wie Sterne und Monde, egal wohin man blickte.

„Der Traum eines Piloten!“, fügte Paige hinzu.

„Haha!“, meinte Finch, der vermutlich gerade in Schweiß gebadet war. Es musste ganz schön nervenaufreibend sein, durch dieses System zu fliegen. „Nix, noch zwei Minuten bis zur Abwurfstelle. Wir haben den Gürtel gleich hinter uns. Danach wird es ein Spazierflug, bis wir Atterra Bravos inneren Orbit erreichen.“