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"Stark wie ein Nagel ist eines jener Bücher, die ich selbst gern geschrieben hätte. Ich bilde mir ein, dass es einmal eine Zeit geben könnte, in der rückblickend auf das 20. Jahrhundert das unbalancierte Verhältnis von Sprache und Realität mit Zitaten von Alexander Widner auf den Punkt gebracht werden kann." (Josef Haslinger)
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Seitenzahl: 158
Veröffentlichungsjahr: 2015
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ALEXANDER WIDNER • STARK WIE EIN NAGEL
Grafische Gestaltung des Umschlags unter Verwendung einer Grafik des slowenischen Künstlers Tomaž Kržišnik (geb. 1943) aus Ljubljana.Titel »Piran«. Privatbesitz.
ALEXANDER WIDNER
Roman
Überarbeitete und erweiterte AusgabeErste Ausgabe im Deuticke Verlag, Wien 1996Die alte Rechtschreibung wurde beibehalten
wtb 17
A-9020 Klagenfurt/Celovec, 8.-Mai-Straße 12Tel. + 43(0)463 37036, Fax. + 43(0)463 [email protected]
Copyright © dieser Ausgabe 2015 bei Wieser Verlag GmbH,Klagenfurt/CelovecAlle Rechte vorbehaltenISBN 978-3-99047-033-6
Menschen, die die unselige Gabe der glücklosen – einseitigen –alles auf sich nehmenden Liebe haben, entwickeln geradezuGenie bei der Wahl der ungeeigneten Objekte.
Marina Zwetajewa
Im Reich Gottes, wir sind ein Teil davon, entsteht alles, ob Glück oder Unglück, aus Liebe. Es war nicht der Geistliche, der diese Worte beim Begräbnis der Frau sagte.
1938, ein Jahr vor der Ehe, die Frau war neunundzwanzig, schenkte ihr der Mann zum Geburtstag ein Album mit selbstkomponierten Liedern. Einen Komponisten, ja, das wollte sie, sie wollte immer einen Künstler, sie war Finanzbeamtin, wollte aber keinen Beamten.
Der Mann hatte im Freundes- und Bekanntenkreis den Ruf, ein Genie zu sein. Klasse am Klavier, nach Dirigiererfolgen in Graz erste Auftritte in Wien. Prächtigste Zukunftshoffnungen, sagte man.
Der Vater der Frau hatte nach Studienabschluß aus Dankbarkeit die Tochter jener Frau, die ihm, dem Habenichts aus Brünn, das Jusstudium finanziert hatte, geheiratet. Am Hochzeitsabend ging er mit Freunden in die Wiener Oper, Troubadour, und auch den nächsten Abend verbrachte er mit Freunden. Tatsächlich, Emmchen, nach drei Monaten Ehe war ich noch immer Jungfrau, sagte die Mutter nach Jahren einmal zu ihrer Tochter. Der Vater ließ bis an sein Lebensende keine einzige Troubadour-Vorstellung der Wiener Oper aus. Wenn er sich rasierte, pfiff er Troubadour-Melodien. Die Sonntage verbrachte er im Bett, trank schwarzen Kaffee aus Bierkrügen, rauchte starke Zigarren und las von Karl Kraus, die er ab Nummer eins abonniert hatte. Er bewahrte alle Fackel-Hefte sorgfältig auf und bündelte sie jahrgangsweise. Nach seinem Tod gab die Mutter der Frau achtundzwanzig komplette -Jahrgänge zum Altpapierhändler.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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