Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Nun gibt es eine Sonderausgabe – Dr. Norden Extra Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. »Bitte schnallen Sie sich an, wir werden in wenigen Minuten in München landen. Ich hoffe, Sie hatten einen angenehmen Flug und wünsche Ihnen einen guten Aufenthalt in München.« Kapitän Kurt Lissner verabschiedete sich von seinen Fluggästen. Die Passagiere leisteten seiner Aufforderung Folge, und auch Tabea schloß ihren Gurt. Erwartungsvoll blickte sie durch das Fenster hinab, als sich die Maschine langsam senkte. Ein ganzes Jahr hatte sie ihre Heimatstadt nicht gesehen, da sie ein Stipendium für die Oxford University in England erhalten hatte. Sie hatte viel gearbeitet in diesem Jahr und ihr Jurastudium entscheidend vorangebracht. Die Studenten an den Eliteschulen und Universitäten waren so ganz anders, als Tabea es von Deutschland gewohnt war. Der ganze Tag stand im Zeichen harter Arbeit, es gab kaum eine freie Stunde, doch niemand beschwerte sich deswegen, denn alle hatten nur das eine Ziel: in möglichst kurzer Zeit einen bravourösen Abschluß zu machen. Dennoch gab es keine Konkurrenz unter den Studenten. Jeder half dem anderen, wenn es ein Problem gab, Tabea hatte es genossen, mit Kommilitonen aus ganz Europa zusammenzusein. Das Jahr war wie im Flug vergangen, und nach einer wunderschönen Abschlußfeier hatte Tabea an diesem Morgen die Maschine nach München bestiegen, um ihr Studium fortzusetzen. Sie hatte dem Ende des Semesters mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegengesehen, doch jetzt überwog die Freude. Nach einem Jahr in der Fremde würde Tabea endlich ihre Familie und Freunde wiedersehen. Besonders freute sie sich natürlich auf ihre Eltern Nelli und Magnus Rogner und ihre besten Freunde Niclas und Nana. Niclas kannte sie schon seit dem Kindergarten. Er wohnte in ihrer Nachbarschaft, und sie hatten stets dieselbe Klasse besucht. Früher hatten sie viel miteinander gespielt, doch dann kam eine Zeit so mit zehn, elf Jahren, als sie einander aus dem Weg gegangen waren. Damals schickte es sich nicht, mit Jungen zu spielen. Auch Niclas wollte nicht das Risiko eingehen, von seinen Freunden aufgezogen zu werden.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 126
Veröffentlichungsjahr: 2023
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
»Bitte schnallen Sie sich an, wir werden in wenigen Minuten in München landen. Ich hoffe, Sie hatten einen angenehmen Flug und wünsche Ihnen einen guten Aufenthalt in München.«
Kapitän Kurt Lissner verabschiedete sich von seinen Fluggästen. Die Passagiere leisteten seiner Aufforderung Folge, und auch Tabea schloß ihren Gurt. Erwartungsvoll blickte sie durch das Fenster hinab, als sich die Maschine langsam senkte. Ein ganzes Jahr hatte sie ihre Heimatstadt nicht gesehen, da sie ein Stipendium für die Oxford University in England erhalten hatte. Sie hatte viel gearbeitet in diesem Jahr und ihr Jurastudium entscheidend vorangebracht. Die Studenten an den Eliteschulen und Universitäten waren so ganz anders, als Tabea es von Deutschland gewohnt war. Der ganze Tag stand im Zeichen harter Arbeit, es gab kaum eine freie Stunde, doch niemand beschwerte sich deswegen, denn alle hatten nur das eine Ziel: in möglichst kurzer Zeit einen bravourösen Abschluß zu machen. Dennoch gab es keine Konkurrenz unter den Studenten. Jeder half dem anderen, wenn es ein Problem gab, Tabea hatte es genossen, mit Kommilitonen aus ganz Europa zusammenzusein.
Das Jahr war wie im Flug vergangen, und nach einer wunderschönen Abschlußfeier hatte Tabea an diesem Morgen die Maschine nach München bestiegen, um ihr Studium fortzusetzen. Sie hatte dem Ende des Semesters mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegengesehen, doch jetzt überwog die Freude. Nach einem Jahr in der Fremde würde Tabea endlich ihre Familie und Freunde wiedersehen. Besonders freute sie sich natürlich auf ihre Eltern Nelli und Magnus Rogner und ihre besten Freunde Niclas und Nana. Niclas kannte sie schon seit dem Kindergarten. Er wohnte in ihrer Nachbarschaft, und sie hatten stets dieselbe Klasse besucht. Früher hatten sie viel miteinander gespielt, doch dann kam eine Zeit so mit zehn, elf Jahren, als sie einander aus dem Weg gegangen waren.
Damals schickte es sich nicht, mit Jungen zu spielen. Auch Niclas wollte nicht das Risiko eingehen, von seinen Freunden aufgezogen zu werden. Ein paar Jahre später war diese Phase schließlich vorbei, und Tabea und Niclas rauften sich wieder zusammen. So pflegten sie bis heute eine innige Freundschaft. Sie trösteten einander, wenn sie Liebeskummer hatten, gingen zusammen auf Feste und zum Sport. Und auch ein Jahr Trennung hatte dieser guten Freundschaft nichts anhaben können. Einmal hatte Niclas sie sogar für eine Woche auf der Insel besucht, und sie hatten viel Spaß miteinander gehabt. Liebe war zwischen ihnen noch nie ein Thema gewesen, doch in dieser Woche fing Tabea hin und wieder einen Seitenblick von Niclas ein, der ihr durch Mark und Bein ging. Auch ihre Gespräche waren gespickt mit vagen Andeutungen, denen Tabea entnahm, daß Niclas sie inzwischen als Frau und nicht mehr nur als gute Freundin betrachtete. Nach dieser Woche hatte sie viel Zeit gehabt, um über die neue Situation nachzudenken und mußte sich eingestehen, daß auch Niclas ein attraktiver Mann geworden war. Letztendlich beschloß sie jedoch, die Dinge auf sich zukommen zu lassen und sich nicht zu viele Hoffnungen zu machen. Auf keinen Fall wollte sie jedenfalls diese gute Freundschaft aufs Spiel setzen.
Die Passagiere applaudierten nach der gelungenen Landung, und Tabea wurde unsanft aus ihren Gedanken gerissen. Schnell stand sie auf, holte ihr Handgepäck aus dem Fach über den Sitzen und reihte sich in die lange Schlange der Fluggäste ein, die aussteigen wollten. Freundlich verabschiedete sie sich von der Stewardess, die am Eingang den reibungslosen Ablauf überwachte.
Endlich stand Tabea in der Halle mit den Rollbändern und wartete ungeduldig auf ihren Koffer. Durch die Scheiben, die die Fluggäste von den Wartenden trennten, hatte sie ihre Eltern entdeckt, die ihr wild winkten. Auch ihren Bruder Lorenz hatte sie entdeckt und ihre beste Freundin Nana. Da Tabea einen Großteil ihres Gepäcks bereits vorausgeschickt hatte, mußte sie nur einen Koffer in Empfang nehmen, der allerdings sehr schwer war. Sie hievte ihn stöhnend vom Band und schleppte ihn durch die letzten Kontrollen nach draußen.
»Da bist du ja endlich, Schätzchen! Du kannst dir nicht vorstellen, wie ich dich vermißt habe!« rief ihre Mutter und umarmte sie stürmisch. Der Reihe nach kam jeder dran, und als sie endlich fertig waren mit den herzlichen Umarmungen, strahlten sie sich gutgelaunt an.
»Ich freue mich ja so, wieder hier zu sein«, seufzte Tabea glücklich und strich sich eine blonde Locke aus dem Gesicht. »Toll, daß du auch gekommen bist, Nana. Aber wo steckt Niclas? Er hat mir in seinem letzten Brief versprochen, auch zu kommen.«
Suchend sah sie sich um.
»Genügen wir dir etwa nicht?« protestierte Lorenz, doch Tabea drückte fest seinen Arm.
»Natürlich, ich wundere mich bloß. Das paßt so gar nicht zu ihm. Eigentlich ist er sehr zuverlässig«, sagte sie, während sie alle dem Ausgang zustrebten.
»Niclas ist zur Zeit ganz schön durchgeknallt«, bemerkte Nana, als sie ein wenig außer Hörweite waren. »Deine Eltern müssen das nicht unbedingt wissen, denn ich hoffe immer noch, daß er sich bald wieder einkriegt«, raunte sie.
»Was ist denn los?« fragte Tabea neugierig.
»Er hat seit ein paar Wochen eine Freundin, die reichlich merkwürdig ist.«
»So?« Tabea traf diese Nachricht wie ein Schlag ins Gesicht, doch sie wollte sich nichts anmerken lassen. Nana konnte jedoch nichts weiter berichten, da sie im Parkhaus angelangt waren.
»Ich ruf’ dich heute nachmittag mal an. Dann können wir in Ruhe reden«, sagte sie noch und stieg dann in ihren feuerroten Kleinwagen. »Jetzt muß ich zu Bergmann & Söhne, Schaufenster dekorieren.«
»Alles klar. Lieb, daß du gekommen bist.« Tabea verabschiedete sich herzlich von ihr und stieg dann in den Wagen ihrer Eltern, die sie nach Hause brachten.
Nelli und Magnus Rogner waren bereits seit vielen Jahren bei Daniel Norden in Behandlung, und auch Lorenz und Tabea hatte er heranwachsen sehen. Kurz vor der Rückkehr ihrer Tochter hatte sich Nelli einen Termin bei Dr. Norden geben lassen. Sie litt immer wieder unter quälender Migräne, und die Medikamente waren fast zu Ende.
»Ich möchte doch gut beieinander sein, wenn Tabea zurückkommt«, erzählte sie gut gelaunt.
»Das kann ich verstehen. Wie lange war sie denn weg?«
»Stellen Sie sich vor, ein ganzes Jahr!«
»Ich möchte gar nicht daran denken, wenn unsere Kinder einmal flügge werden«, sagte Daniel nachdenklich. Es war ihm unvorstellbar, ein ganzes Jahr auf einen seiner Lieblinge verzichten zu müssen. Dennoch wußte er, daß es eines Tages soweit sein würde.
»Das geht schneller als man denkt. Wie alt sind Ihre Kinder?«
»Unser Ältester, Danny, ist schon siebzehn. Er will auch Arzt werden und heutzutage gehört es ja fast schon zum guten Ton, sich im Ausland weiterzubilden.«
»Ich kann Ihnen nur den Rat geben, die Zeit zu genießen. Sie kommt leider nicht wieder«, sagte Nelli herzlich und steckte ihr Rezept in die Tasche. »Aber solange die Kinder immer wieder ins Nest zurückkehren, kann man zumindest sicher sein, daß sie sich wohl gefühlt haben.«
»Weise Worte«, lächelte Daniel versonnen.
Als Nelli Rogner das Behandlungszimmer verlassen hatte, saß er noch eine Weile am Schreibtisch und betrachtete das Foto, das seine geliebte Frau Fee und seine fünf Kinder zeigte. Dann seufzte er und zwang sich, in die Gegenwart zurückzukehren.
»Wer kommt als nächstes?« erkundigte er sich bei Wendy.
»Nur noch die alte Frau Liebherr. Dann ist Mittagspause.«
»Welche Beschwerden hat sie denn?«
»Offenbar eine Wunde, die nicht heilen mag. Soll ich sie hereinschicken?«
Daniel nickte und verschwand im Behandlungszimmer. Kurz darauf öffnete sich die Tür, und Wendy ließ Frau Liebherr eintreten.
»Guten Tag, Herr Doktor«, begrüßte ihn die alte Dame freundlich. Sie war schon weit über siebzig, jedoch immer noch sehr rüstig. Sie kam erst kurze Zeit in die Praxis, nachdem ihr alter Arzt Dr. Amtmann, dem sie ein Leben lang treu gewesen war, in Pension gegangen war.
»Frau Liebherr, was kann ich für Sie tun?« fragte Daniel und bot ihr einen Stuhl an. Dankbar setzte sie sich.
»Ach, wissen Sie, ich habe mir vor zwei Wochen das Bein angestoßen und mir einen tüchtigen Kratzer geholt. Es sah nicht so schlimm aus, deswegen bin ich nicht gleich gekommen. Aber es will und will nicht besser werden, und ich mache mir doch langsam Sorgen.«
»Dann wollen wir mal sehen. Möchten Sie lieber sitzen bleiben oder sich auf die Liege legen?« Er wies mit der Hand auf die Behandlungsliege im Eck.
»Ich würd’ lieber sitzen bleiben, wenn es Ihnen nichts ausmacht. Wissen Sie, in meinem Alter bekommt einem das ständige Hin und Her und Auf und Nieder nicht mehr so gut.«
»Kein Problem. Dann zeigen Sie mir mal das Malheur.« Sie deutete auf ihr rechtes Bein und Daniel zog ihr vorsichtig den Seidenstrumpf aus, bevor er den Verband abwickelte. »Du liebes bißchen!« entwich es ihm, als die Verletzung zum Vorschein kam. Besorgt betrachtete er die Wunde, die großflächig entzündet war. An manchen Stellen hatte sich Eiter gebildet.
»Ist es sehr schlimm, Herr Doktor?« fragte Anni Liebherr, die nun auch besorgt war.
»Das nächste Mal kommen Sie bitte früher. Solche Dinge können böse ausgehen, wenn sie nicht fachmännisch behandelt werden.« Er stand auf und gab seiner Assistentin kurz telefonisch ein paar Anweisungen. Kurz darauf öffnete sie die Tür und brachte eine große Flasche mit einer gelben Flüssigkeit. »Ich werde die Wunde jetzt auswaschen und neu verbinden. Kommen Sie bitte morgen wieder. Wenn es bis dahin nicht besser aussieht, muß ich Ihnen ein Antibiotikum verabreichen.« Er tauchte eine sterile Binde in die Flüssigkeit und wusch die Wunde vorsichtig damit aus. Dann legte er einen fachmännischen Verband an und zog Frau Liebherr den Seidenstrumpf wieder über. Gerührt blickte die alte Dame auf ihn herab.
»Wenn ich gewußt hätte, wie nett Sie sind, wäre ich schon früher zu Ihnen gekommen. Dr. Amtmann war in den letzten Jahren ein bißchen senil.«
Daniel lächelte, als er die Worte aus ihrem Mund hörte. Sie war gut zehn Jahre älter als ihr früherer Hausarzt.
»Dr. Amtmann war ein gewissenhafter Kollege. Ich habe nur Gutes von ihm gehört«, verteidigte ihn Daniel und stand auf. Auch Frau Liebherr erhob sich schwerfällig, und er stützte sie. »Soll ich Ihnen lieber ein Taxi rufen?« fragte er fürsorglich.
»Das ist sehr freundlich von Ihnen, aber meine Tochter wartet im Auto auf mich. Vielen Dank, Herr Doktor.«
Er verabschiedete Frau Liebherr mit einem aufmunternden Lächeln und ermahnte sie, anderntags wiederzukommen. »Lassen Sie sich gleich einen Termin von Wendy geben«, erinnerte er sie im Hinausgehen.
Die Sprechstunde war zu Ende, und zu Hause würden sie mit dem Essen auf ihn warten. Zufrieden stellte er fest, daß er an diesem Tag einmal ziemlich pünktlich heimkommen würde, und er hatte auch noch Zeit, Blumen für Fee zu besorgen. Das war mal wieder fällig und ihm in den Sinn gekommen, als er das Foto betrachtet hatte. Sie hatte für ihn schon auf vieles verzichtet, auch darauf, selbst zu praktizieren. Und ihm kam es auch in den Sinn, daß es ziemlich lange gedauert hatte, bis sie sich richtig zusammengerauft hatten und feststellten, daß sie auf Gedeih und Verderb zusammengehörten. Er hatte ihr sein ganzes Glück zu verdanken, seine fünf Kinder und ein Zuhause, in dem er Ruhe und Entspannung fand. Fee war eine wundervolle Frau, ihr konnte keine andere das Wasser reichen.
Er kaufte einen großen Strauß rote Rosen, und dann fuhr er heim.
Aber dann mußte er bestürzt feststellen, daß er anscheinend nicht im richtigen Augenblick kam, denn Fee öffnete ihm sichtlich erregt und mit einem zornigen Ausdruck in den sonst so strahlenden Augen.
»Was ist denn los, Feelein?« fragte er bestürzt, denn irgend etwas mußte passiert sein, daß sie so außer sich war.
»Es ist einfach nicht zu glauben, ich kriege mich gar nicht mehr ein«, stieß sie hervor. »Schau dir mal Dési an.«
Die Kleine schluchzte schon vor sich hin und warf sich in seine Arme. »Ich hatte solche Angst, ich habe ihm überhaupt nichts getan. Ich habe keine Luft mehr gekriegt«, flüsterte sie heiser.
Getröstet von ihrem Papi hatte sich Dési ausgeschluchzt.
»Nun erzähl mir mal genau, was passiert ist«, sagte Daniel, ihr das Haar streichelnd.
»Der blöde Fabian war’s, er ist ein schrecklicher Junge, das sagt jeder. Er hat mich am Hals gepackt und nicht mehr losgelassen. Beschimpft hat er mich auch, und Jan hat er bespuckt.«
»Und die Erzieherin hat nichts unternommen?« fragte Daniel. Jetzt packte ihn auch die Wut, und er verstand Fee, daß sie die Fassung verloren hatte, was man von ihr nicht gewöhnt war.
»Er hat um sich getreten und muß wahnsinnige Kraft haben. So was ist doch nicht normal«, erregte sich Fee. »So kann es nicht weitergehen, dann melde ich die Zwillinge ab. Ich habe schon einen Termin mit der Erzieherin für heute nachmittag ausgemacht.«
»Tut es noch weh, Mäuschen?« fragte Daniel die Kleine.
Sie nickte. »Aber Mami wird das schon regeln, hat sie gesagt.«
Daniel nickte Fee zu. »Da müssen wir tatsächlich etwas unternehmen. Kennst du die Eltern des Jungen?«
»Sind geschieden. Die Mutter ist berufstätig. Managerin, nennt sie sich. Mal sehen, ob mit ihr zu reden ist.«
»Sie wird mit ihrem Sohn auch nicht fertig werden. Wo sind unsere anderen Trabanten?«
»Anneka wird gleich kommen. Danny und Felix haben nachmittags Schule, und Jan hat sich in seinem Zimmer verkrochen. Er schämt sich, weil er Dési nicht helfen konnte. Wir können gleich essen.«
»Dann freu dich jetzt wenigstens ein bißchen an den Rosen. Ich kann sie nicht zurückgeben.«
Fee gab ihm einen Kuß. Sie kannte nicht viele Ehen, in denen die Männer ihren Frauen nach so vielen Ehejahren aus keinem besonderen Anlaß rote Rosen schenkten.
»Wunderschön, wie sie duften«, sagte sie. »Sie kommen doch gerade recht. Sie lenken mich von dem Ärger ab. Es ist nicht gut, ein Gespräch in gereizter Stimmung zu führen. Mitunter sagt man Dinge, die einem später leid tun.«
In diesem Augenblick schlug der Türgong an.
Lenni war schon zur Stelle, und Anneka kam hereingestürmt, fröhlich und arglos.
»Ich bin da!« rief sie und schaute dann von einem zum anderen. »Was ist denn los, warum so finster?« fragte sie stockend.
»Alles schon wieder okay«, erwiderte Fee. »Essen wir erst, du erfährst schon noch, was passiert ist.«
Anneka sah Dési an. »Du hast geweint, sag, was los ist.«
Als Jan mit gesenktem Kopf die Treppe herunterkam, ahnte sie etwas. »Habt ihr Zoff?« fragte sie den Jungen.
Sie hätte doch keine Ruhe gegeben, also erfuhr sie, was Dési widerfahren war.
»Wieso können Kinder so brutal sein, hast du eine Erklärung, Papi?«
»Das kann mehrere Gründe haben, aber du hattest bestimmt etwas Positives zu erzählen.«
»Eine Zwei plus im Aufsatz«, verkündete sie strahlend.
Dafür wurde sie von den Eltern gelobt, und die Geschwister wollten wissen, wovon der Aufsatz handelte.
»Mein schönstes Wochenende«, verkündete sie, »und ich habe über das Wochenende auf dem Bauernhof geschrieben.«
Sie las ihn nach dem Essen vor, und Daniel stellte fest, daß sie es so lebendig geschildert hatte, daß man es nacherleben konnte. »Wir sollten bald wieder hinfahren«, meinte er und erntete begeisterte Zustimmung.
»Allerdings wäre ein Besuch auf der Insel an der Reihe«, meinte Fee. »Paps und Anne warten schon sehnsüchtig darauf. Außerdem ist es besonders schön im Frühling dort.«
»Nicht nur im Frühling, zu jeder Jahreszeit«, meinte Daniel.
»Im Sommer, wenn die Rosen blühen und so herrlich duften«, schwärmte nun auch Anneka.
»Und bei Omi und Opi ist es immer schön«, sagte Dési, »und da sind keine bösen Jungs.«
