Stattromantik - Nadine Koberling - E-Book

Stattromantik E-Book

Nadine Koberling

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Beschreibung

Eine zufällige Begegnung und die Entscheidung: Kopfüber ins kalte Wasser springen und so vielleicht dem alten Leben entkommen? Oder der Vernunft den Vortritt lassen?

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Seitenzahl: 59

Veröffentlichungsjahr: 2016

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für danilo

Inhaltsverzeichnis

beginn

kapitel 1

kapitel 2

kapitel 3

kapitel 4

kapitel 5

kapitel 6

kapitel 7

kapitel 8

kapitel 9

kapitel 10

kapitel 11

kapitel 12

kapitel 13

kapitel 14

kapitel 15

kapitel 16

kapitel 17

kapitel 18

kapitel 19

kapitel 20

kapitel 21

kapitel 22

abschied

beginn

am horizont schneiden sich die lichter zweier scheinwerfer durch die regenfront. habe keine hoffnung, dass dieses auto mich bemerkt, geschweige denn hier an diesem gottverlassenen ort anhält. ehrlich gesagt, bin ich bereits darauf eingestellt, die nächsten kilometer zu fuß zurückzulegen. doch entgegen meiner erwartung, biegt es in die auffahrt ein und hält ein paar meter von mir entfernt an.

du steigst aus, verschwindest im gebüsch. weise entscheidung, die toiletten hier sind das letzte. dann, kurze zeit später, tauchst du wieder auf. dein blick streift mich und du bleibst stehen, siehst mich an. kann nicht erkennen, ob dein gesicht irgendeine regung zeigt. du stehst einfach da und guckst mich an. und ich? ich schaue zurück. so, als hätten wir alle zeit der welt. so, als wären wir beide jetzt nicht klatschnass. du siehst dich um, ob es außer mir noch etwas zu entdecken gibt. aber da ist nichts.

dein haar, das eben noch leicht gewellt war, klebt dir mittlerweile im gesicht und als du richtung deines autos nickst, springen kleine tröpfchen von deinen haarspitzen, so wie kinder, wenn sie frosch-hüpf-weg spielen. war das eine einladung? du wartest, bis ich mich erhebe, was elend lange dauert, da meine gelenke von der kälte steif sind. fühle mich wie das veraltete modell eines roboters und gehe wie eine holzpuppe auf dich zu. endlich, nach langen minuten, wie mir scheint, bin ich auf deiner höhe. und versinke augenblicklich in diesen kastanienbraunen augen, hinter denen verführend und warnend geheimnisse lodern.

„willst du ein stück mitfahren?“

ich nicke. weil sich mit dir eine tür geöffnet hat, eine tür, die ins unbekannte führt. weiß nicht, wohin sie führt, aber ich weiß sicher, dass ich mit dir überall hingehen werde. ein blick von dir, und ich fühle mich zuhause. angekommen. sehe dich, sehe in deinen augen, dass ich dich schon lange gesucht habe. ich wusste es nicht, bis zu diesem moment. doch jetzt ist alles klar.

du nimmst meinen rucksack und wirfst ihn auf die rückbank, dann steigen wir ein und bevor du den motor startest, zündest du eine zigarette an und hältst sie mir hin. ich öffne den mund einen spalt weit und du platzierst sie zwischen meinen lippen. lächelst. ich lehne mich zurück, ziehe an der kippe und wir fahren los. betrachte dich von der seite, habe so viele fragen, die ich nicht stelle, weil ich die antworten darauf bereits alle kenne.

„wie heißt du?“

„jimmy.“

so soll es sein. jimmy.

kapitel 1

ich sehe dein gesicht – deine augen von einer sonnenbrille verborgen – zwei schwarze scheiben wie löcher. saugen alles auf oder alles prallt ab – weiß nicht.

ich kann nicht sagen was du denkst, ob du denkst, ob du siehst, ob du die augen geschlossen hast – dein gesicht ist eine leinwand – leer – jeder kann darin sehen was er will – will sehen, dass du mich liebst, dass du nur mit mir sein willst. für jetzt, hier und für immer.

ich bin gefühlsduselig und du bist schuld – hast mich aufgegabelt und mitgenommen auf diese reise ohne ende – oder doch mit? kann ich nicht sagen, will ich nicht wissen – nichts weiter zählt als das jetzt. kein gestern und erst recht kein morgen – schöne illusion, wie ein warmer mantel um meine schultern gelegt. wenn schon sonst alles nur kalt ist – kalt kalt kalt verdammt!

wir stehen am meer. der kalte wind peitscht uns die nasse luft in die gesichter. wie feuchte tücher, mit denen man uns schlägt – nichts neues. nicht im geringsten so schlimm wie worte, die wir beide schon hören mussten – ich weiß es. ich kenne dich nicht und kenne dich doch – besser als du denkst. weil du bist, wie ich, eine verlorene seele auf der flucht – wohin? wie lange? keine antwort. aber erwartet einer von uns tatsächlich eine?

ich möchte von dieser klippe springen. du würdest mich nicht aufhalten. würdest mir folgen. wer weiß - aber unser trip hat eben erst begonnen. bin zu neugierig, um jetzt schon auszusteigen. abzuspringen – hahaha! welch irre gedankenspielereien hier am ende der welt – oder beginn oder zwischenstopp oder was auch immer. es ist egal, weil du hier bist.

du bist auf der suche nach deinem bruder. einem irren idioten wie du gesagt hast – sind wir nicht alle irre idioten? jeder auf seine art. manche einander ähnlicher als andere, aber trotzdem alle irre – haben auch keine andere wahl. wenn man nicht abspringt bleibt man irre. wenn man noch nicht irre ist, wird man es früher oder später und dann springt man ab. oder man zieht los und trifft an einer versifften tankstelle ein mädchen und nimmt es mit – so ist das nun mal. also machen wir uns endlich auf den weg zu deinem idiotischen bruder, wenn es ihn überhaupt gibt – und wenn nicht, scheiß drauf, der weg lohnt sich allemal.

kapitel 2

wir sitzen in deinem wagen, kriechen die straße entlang, können kaum sehen, weil es regnet – regen oder sintflut? – und orientieren uns an den roten lichtern vor uns. wie ein leuchtturm weisen sie uns den weg und wir folgen gehorsam – was sollten wir auch sonst tun? ohne die beiden lichtpunkte würden wir verloren gehen, verloren in uns selbst, einfach verschwunden.

ich sehe dich an. sehe deinen angestrengten blick, so als könnten deine augen löcher bohren in den blassen brei, der vor uns liegt – das monotone klopfen auf den scheiben und dem dach, das leise quietschen des scheibenwischers und das brummen des motors lullen mich ein wie ein schlaflied – meine lider werden schwer und ich gleite hinaus aus der tristen, trüben, kalten, nassen, grauen, verschwommenen realität, hinein in meine träume. meine welt, nur für mich. keiner kann sie sehen. keiner kann sie mir nehmen. ich bin allein. ich bin allein. ich bin allein. ich bin allein. ich bin ich. ich. ich. ich. ich.

„hey göttin, mach die augen auf.“ es ist deine stimme, die mich zurückholt. sehe mich um, sehe nichts, endlose wüste. endlos. endlos. nichts. frage mich, ob uns jemand finden würde. hier im nirgendwo. oder ob wir einfach von der oberfläche verschwinden. gelöscht aus der welt. weg.

du streichelst meine wange. meine haut klebrig, vom schweiß, der vom heißen wind getrocknet wurde. frage mich, wie lange ich wohl weg war. mein geist auf reise durch wirre träume. muss pissen. habe durst. hunger. mein kopf tut weh. in meinem schädel hämmert irgendwer. stetig. bam. bam. bam. meine lippen sind