Steine denken nicht - Berthold Sachsenmaier - E-Book

Steine denken nicht E-Book

Berthold Sachsenmaier

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Beschreibung

Um einen Weg einzuschlagen, der als Ziel die Erkenntnis über den einzig wahren Sinn des Lebens in sich birgt, ist der erste und wichtigste Schritt, nämlich die Erkenntnis der eigenen Irrwege, Voraussetzung. Diese Irrwege entstehen zuallererst im Denkapparat des Menschen, der sowohl bewusst als auch aus dem Unterbewusstsein heraus angetrieben den illusionären, zentralen Egopunkt jedes einzelnen zur Quelle seiner fehlgeleiteten Handlungen werden lässt. Der Autor erzählt anhand eigener Erfahrungen, gestützt durch die Einbindung der Steine als Meditationsobjekte sowie als beispielhaftes Anschauungsmaterial, seinen Ausstieg aus dem vordergründig nur scheinbaren Vernunftverhalten namens Fortschritt, Leistung, Renommee, Karriere, Existenzsicherung u. ä. hin zum Einstieg in ein spirituelles Leben. Als Gerüst seiner Aufzeichnungen dienen chronologische, in Echtzeit ablaufende Gedankensequenzen, welche durch ihr ausdrucksstarkes und autonomes Gefüge tiefgründige sowie aufschlussreiche Einblicke in die Existenz sowohl des Seins als auch des Nichtseins gewähren.

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Seitenzahl: 403

Veröffentlichungsjahr: 2011

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Copyright © 2011 Berthold Sachsenmaier

Autor: Berthold Sachsenmaier

Umschlaggestaltung, Satz und Layout: Berthold Sachsenmaier

Lektorat: Birgit Schiller / Schiller-Korrektorat

Dunja Pöschl

Verlag: tredition GmbH

ISBN: 978-3-8424-0113-6

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Berthold

Sachsenmaier

STEINE

DENKEN

NICHT

Philosophische und sozialkritische Betrachtungen über das Sein im Dasein und das Dasein im Nichtsein

Inhalt

Begleitwort

1 Eine Wesensänderung bedingt eine Gedankenänderung bedingt eine Wesensänderung

2 Das eigene Selbstverständnis und die Wahrheit in uns

3 Für ein Dasein im Nichtsein dürfen die Gedanken nicht frei sein

4 Wie entstehen Unzufriedenheit und Ärger

5 Die Quelle des Geschehens

6 Unser Bewusstsein existiert im Hier

7 Ein Kommen und Gehen

8 Nur der Edle erkennt das wahrhaftig Edle

9 Den letzten Weg geht jeder mit sich allein

10 Interaktive Anhänglichkeiten mit und durch andere

11 Ein Gleichgewicht durch Wachstum entspricht einer Quadratur des Kreises

12 Klopfet an und es wird euch aufgetan

13 Einen steinigen Abschnitt durchquerend

14 Vater unser

15 Wir alle sind das Thema

16 Ohne Fortschritt kein Rückschritt

17 Lass die Welt, wie sie ist

18 Erst das Erkennen der Zwangsjacke befreit

19 Freudige Dankbarkeit

20 Weitergehen, leichter gehen mit weniger

21 Todessehnsucht

22 Absicht, Gedanken und Handlung

23 Zwänge passen schlecht zum Paradies

24 Wie oft noch

25 Der Zwang und die Entdeckung der Gesamtheit

26 Wo die Liebe entsteht, ist der Ursprung des Hasses oder Alles vereint ist gleich Vollkommenheit

27 Die Pflege des Gespürs

28 Werte und Maßstäbe einer Gesellschaft oder Wer wirft den ersten Stein

29 Die Natur braucht keine Norm

30 Und schon ist die Welt wieder in Ordnung

31 Die Rast

32 Erkennen kommt von Kennen

33 Das Urteil

34 Sein oder Nichtsein

35 Überdruss und Überfluss

36 Reduktion des Denkens, Weg in die Stille, Meditation

37 Den Steinen sei Dank

38 Ich bedeute mir nichts

39 Ja, aber

40 Eine Phase der Trennung

41 Der Mainstream der Massen

42 Wenn das rationale Denken geht und die Gefühle kommen

43 Amtsstubenkultur

44 Mehr als nur einen Schritt zurück

45 Schwäche zeigen erwünscht

46 Es wird

47 Was geschieht sei willkommen

48 Die Reform der Reformen -

49 Meine Suche nach Vollkommenheit liegt nicht mehr hier auf Erden

50 Durch Achtsamkeit und Gleichmut der Ich-Illusion entgegenwirken

51 Was hat Sinn

52 Freiheit, die ich meine

53 Ohne Titel

54 Real oder nicht real, das ist hier die Frage

55 Wertelos

56 Globalisierung, ein todbringendes Geflecht der Abhängigkeiten

57 Wo bleiben unsere Zeit, unsere Freiheit und unsere Muße zum Leben

58 Ein Stein ist, wie er ist

59 Der Glaubensweg

60 Was wäre, wenn?

61 Ich liebe mich

62 Erleiden, Erdulden oder Erleben

63 Die grenzenlose Macht der Dummheit

64 Unsere letzte Auszeichnung ist ein Stein

65 Zum Davonlaufen, bloß wohin?

66 Mehr Schein als Sein

67 Ich existiere und fühle mich gut

68 Fundamentales oder Über das Eintauchen in ein ewig fließendes Meer voller Leben

69 Alles ist vergänglich

70 Zu jeder Zeit an jedem Ort

71 Ich und alles andere sind unsere Welt

72 Steine, meine Objekte und Begleiter

Begleitwort

Nicht zuletzt und deshalb an dieser Stelle zuvorderst will ich mich bei den ehrwürdigen, mit Wissen und Weisheit beseelten Vordenkern, welche den Pfad zur reinen Wahrheit segensreich vorausmarschierten, bedanken. Ohne deren gnadenvolle Hilfe in Form übermittelter Weisheiten, ohne deren einsichtsvolle Antworten auf meine zielgerichteten Fragen würde ich immer noch festhängen auf unwägbarem Gelände.

Ihnen zu Ehren widme ich diese Niederschrift meiner Gedanken.

Davon abgesehen, dass so manch einer es rational auffasst als ein Unding, vielleicht sogar als Pamphlet abtut und die Inhalte meiner Gedankenwelt als vollständig realitätsfremd proklamiert, behalte ich meinen Einstieg indes unbeirrt unter dem Motto, es muss auch jemand geben, der das hypothetisch Weltfremde erkundet, bei:

Ohne Steine kann man sich unser irdisches Leben überhaupt nicht mehr vorstellen. Sie halfen schon zu Urzeiten den Menschen in vielerlei Dingen. Sie helfen uns heute darüber hinaus, wenn man es richtig betrachtet, zu überleben. Allein für unsere täglichen Bedürfnisse sind die Steine unverzichtbar geworden und nicht mehr wegzudenken.

Nur beispielhaft erwähnt sei hierzu deren Nutzung als Reiniger und Mineralienversorger unseres Trinkwassers, als allerlei Baubedarf in jeglicher Form, als Wärmespeicher und vieles andere mehr. Durch ihre Vielfalt in Form, Farbe und sonstiger Beschaffenheit haben wir die Steine als Dekorationselemente schätzen gelernt. Ihre imposante Ausstrahlung als Zierde von Bauten, Gärten, Wegen, Brücken und Denkmälern ist durch nichts anderes zu ersetzen und ganz besonders werden sie ohne Frage von den meisten Menschen durch ihren Wert, den sie in der Form von Edelsteinen zur Vervollkommnung von prunkvollem Schmuck finden, fast vergöttert.

Obwohl mich selbst von jeher weder materielle Bestandteile, Beschaffenheit, Verwendungszweck oder Vorkommen der Steine sonderlich interessiert haben, blieben meine Blicke im Laufe meines Lebens immer wieder mal an ihnen haften. Es waren aber nicht nur allein meine Augen, die sich gegebenen-falls an der Vielfalt ihrer Formen und Farben festklammerten und erbauten, nein, wie sich mit der Zeit herauskristallisierte, zogen die Steine vielfach dominierender meine Gedanken in ihren Bann. Die Gedanken öffneten für sich, auf sichere Art geleitet wie von fremder Hand, den Freiraum, den sie brauchten, um empfänglich für bisher von mir nie richtig wahrnehmbare Zusammenhänge zu werden sowie um die notwendige Entschlossenheit für das Erkunden bisher unbetretener Regionen zu finden. Ab einer gewissen Zeit in meinem fortgeschrittenen Leben ließ ich dies, innerlich inzwischen gereifter, beherzter und offener für alles, bereitwillig geschehen. Solchermaßen in Einklang mit den Steinen offenbarten sich mir vermehrt flüchtige Erkenntnisse, welche zugegeben nur sehr kurzzeitig und wissentlich schwer greifbar in mein Bewusstsein traten. Als mir andererseits, ja man kann sagen parallel dazu, infolge tiefer gehender Besinnung und anfänglicher Meditationsübungen das Tor zu der uneingeschränkten Bedeutsamkeit des „Jetzt, Hier und an diesem Ort“ als eine Art Arena des Lebens nachhaltig aufgestoßen wurde, erlernte ich sukzessive diese stets flüchtig auftauchenden Erkenntnisse kontinuierlich festzuhalten.

In richtiggehend beobachtender Manier, um nun etwas direkter anhand von Beispielen darauf einzugehen, wurde ich gewahr, wie die überwiegende Mehrheit der Menschen ihr ganzes Leben hindurch versucht ist, ausnahmslos alle Bereiche des Lebens betreffend, sei es Musik, Kunst, Architektur, durch Literatur ebenso wie in sämtlichen Belangen ihrer zwischenmenschlichen Beziehungen, Bleibendes zu schaffen und Erschaffenes zu bewahren, festzuhalten oder an sich zu binden, weil sie der durch Kultur und Obrigkeiten implizierten Überzeugung ist, nur durch diese Verhaltensweise und solches Vorgehen im Sinne des Beständigen Sicherheit für sich aufzubauen, Boden unter ihre Füße zu kriegen und Halt zu finden. Angstvoll klammern sich die Menschen allerorts an diese vorgegaukelten Strohhalme, welche jedoch von vornherein gleich einer vorbeihuschenden Illusion zum Umknicken verdammt sind.

Die aufgrund dessen geschaffenen Bezugspunkte, der heimatliche Rückhaltebunker, die in Beton gegossenen Meisterwerke der Geschichte, alle Dimensionen sprengende Bauwerke, einfühlsame Melodien jahrhundertealter Lieder oder die erlesensten kulinarischen Genüsse längst entschwundener Epochen, ja selbst die Interessens- und Glaubensgemeinschaften vergangener Tage und noch heute, sie und jegliche anderweitige Strohhalme menschlicher Festungen unterliegen in Wahrheit wie wir Menschen selber der Vergänglichkeit, auch wenn wir ungern darüber sprechen oder besser noch diese Tatsachen in aller Regel stillschweigend und ignorant abtun.

Diese fundamentale, über viele Generationen hinweg gewachsene Vorgehensweise menschlicher Handlungen geschieht also, fast könnte man sagen, unter absolutistischem Ausschluss des Todes. Ganz davon abgesehen, dass in manchen Kulturen selbst die Toten noch sozusagen „haltbar“ als Zeitepochen überdauernde Mumien eingebettet wurden, wird heutzutage der Tod verdrängt, man will ihn während der eigenen Lebenszeit immer weniger wahrhaben, um sich ungestört und ausgiebig dem „Leben“ widmen zu können, und entsprechend stellt man sämtliche Handlungen demgemäß darauf ein, nur Bleibendes zu schaffen, das Vergängliche in Form von Krankheit, Alter und allem, was damit zusammenhängt, zu meiden, zu verdrängen sowie sich dem zu entziehen.

Mittlerweile änderten sich durch Intensivierung der nach innen gerichteten Handlungen meine Empfindungen, klärte sich meine Geisteshaltung in demselben Maße wie meine Sichtweise, und daraus resultierend wurde mir gewahr, nur durch ernsthaftes und wahrhaftiges Loslassen aller weltlichen Illusionen entsteht wirkliches Leben, nur durch befreiendes Loslassen weltlicher Lasten wird man offen für Neues und betritt somit den Pfad einer einzigartigen Vielfalt.

Sich im täglichen Leben von innen heraus leiten lassen, sein Gedächtnis weitestgehend abschalten, nichts tun im Verbund mit den Gedanken an die Zukunft und ebenso wenig mit den Gedanken an das, was war und vorbei ist, handeln ohne bewusst geplante Absichten zu erzielen und Ähnliches mehr traten bei mir zunehmend in den Vordergrund. Dem entgegen drängte ich verstärkt sowohl die Zielsetzung, das Pensum und das Ergebnis als dahinter stehende Pflichtfaktoren sowie die inneren Beweggründe bzw. die äußeren Veranlassungen als Aufforderung mit relativ zu sehendem Zwang bei all meinem Tun in den Hintergrund. Die ungenießbaren Schalen des Wollens und auch des Nichtwollens bemühe ich mich seither beharrlich abzuschälen, um an die einzig übrig gebliebene, süße Frucht einer inneren Kraft zu kommen, die da heißt:

> Das Tun als Handlung im Jetzt. <

Und nur dies heißt intensives Leben.

Seit der Erkenntnis meines Einklangs mit den Steinen bis zur heutigen Stunde war und bin ich weiterhin bestrebt, mein Tun, mein Lassen und auch überhaupt mein Sein nicht nur in der Meditation, sondern übertragen auf alles, was im täglichen Leben geschehen mag, weitestgehend auf die Gegenwart zu konzentrieren, und die Erfolge blieben nicht aus. Dementsprechend bzw. in Abhängigkeit davon zeichnete sich mir, ähnlich einem Puzzle, welches sich wie von Geisterhand geführt selbst zusammenbaut, ein begehbarer Weg zum Nichtdenken auf und in geradezu evolutionärer Weise fortschreitend veränderte sich unter, für Außenstehende kaum glaubhafter, Mitwirkung der Steine an und in mir alles bisher Dagewesene. Für mich unbestritten deshalb, weil ich sie in ihrer Bedeutung als das, was und wie sie sind, wahrnahm, nämlich weder als verschiedene Mineralstoffe noch als andere, edlere Bestandteile, weder „sachwertvoll“ noch unbedeutend noch als sonstige Eigenschaft, nein, sondern einfach als Steine.

Heute weiß ich es; Steine sind zweifelsfrei in der Lage, jedem, dem es gelingen sollte, sich ihnen gegenüber zu öffnen und ihr schlichtes Dasein zuzulassen, sehr vieles zu zeigen, vieles zu lehren und unvergleichlich Erlesenes, was es sonst so in dieser Form schwerlich zum Aneignen gibt, zu übermitteln.

> Steine denken nicht. <

Sie sind da, begegnen uns wie ständige Beobachter ohne jegliche Sinnesorgane, sie lassen alles vorbeiziehen, alles geschehen, mit endloser Geduld, Demut und ewigem Gleichmut.

Rückblickend betrachtet richtete sich die beharrliche Suche nach einer für mich praktikablen Lebensweise, nach einer für mich geeigneten Lebensführung in punkto „Gott und die Welt“ als ein doch ständiger Gefährte und Begleiter auf meinem bisher vielfach steinigen Weg ein. Resultierend aus eigener Unzufriedenheit trat diese Suche, obwohl zuweilen unterdrückt und weggedrängt, latent in Erscheinung. Es formte sich eine Suche mit der Zielvorstellung einer für mich ohne viel Schnickschnack praktikablen Religion, welche mich sowohl weiterentwickeln als auch, etwas infantil ausgedrückt, Unangenehmes weitestgehend von mir fernhalten sollte. Und das Ganze dann bitte noch absolut unabhängig von all den unsäglichen und verdummenden Massenbewegungen, losgelöst und völlig eigenständig gegenüber dem Mainstream.

(s. Inhalt: Kapitel 41 - Der Mainstream der Massen ).

Betrachtet man diesbezüglich en gros die Geschichte der Menschen, sehe ich mich längst nicht als Einzigen mit solcherlei Bestreben. Da ich allerdings in dieser Richtung als praktizie-render Nicht-Wissenschaftler naturgemäß keine tiefgründige und solide Forschung betrieben habe, bleibt mir lediglich die Erwähnung des Philosophen und Naturwissenschaftlers Descartes möglich, dessen Vorgehensweise bzw. dessen Ansatz, so wie er grundlegend an die Sache der Welt heranging, meinen Empfindungen, meiner Denkweise und meiner Hand-lungsweise, um „etwas zu erschließen“, kurz gesagt meinem Typ vollauf entspricht. Für mein Dafürhalten erweist es sich als gar nicht so falscher Schritt, anfänglich erst einmal alles über Bord zu werfen, alles Angeborene, von der Gesellschaft Erworbene und sonstig Angeeignete von sich wegzutun, nicht nur anzuzweifeln, sondern zunächst das Gesamte, was uns umgibt, als falsch und unzulässig einzustufen, um demzufolge bei Punkt null anfangen zu können. Denn ist dieses fürs Erste als Sprungbrett eines grundsätzlich neuen Ausgangspunkts geschafft, wird es im Gefolge ermöglicht, einzig dies zuzulassen und anzuerkennen, was das eigene Individuum als wahr und tatsächlich richtig zu erkennen vermag.

In meinen Augen also entspricht gerade diese wohlbedachte Vorgehensweise vorbehaltlos der individuell unabhängigen und freien Erschaffung eines eigenen Weltbilds.

Meinen eigenen, anfangs doch sehr holprigen Anläufen, Recherchen, Unternehmungen und meiner weitergehend intensivierten Hingabe zu der Thematik „der Sinn des Lebens“, im Grunde genommen die Thematik, die permanent von existenzieller Bedeutung für mich war und weiterhin ist, kann das zielgerichtete Vorgehen von Descartes jedoch nicht vergleichend, geschweige denn ebenbürtig gegenübergestellt werden.

Erfolge, selbst kurzfristiger Art, blieben im anfänglichen Verlauf vorerst aus oder ließen auf sich warten. Es gab Zeiten, in denen ich demütig, gleichsam verzweifelt, machtlos, in mir vereinsamt und fast zur völligen Selbstaufgabe bereit feststellen musste, wie gewaltig, ja unerreichbar doch die Voraussetzungen zu sein schienen, um in das für mich doch glaubhaft existente Paradies, Nirvana, den 7. Himmel, Garten Eden oder wie auch immer es genannt werden will, eingehen zu dürfen, um eintreten zu dürfen in eine mir durchaus möglich erscheinende höhere Existenz, die höhere Existenz, von der so viele ausschließlich nur träumen, es aber aus welchen Gründen auch immer niemals wagen, sich damit konkret und frei von allen Zwängen auseinanderzusetzen. Bestimmt „wohlweislich“ bedacht, denn gibt man heutzutage offen zu, gleichwohl komparabel zur Exkarnation als Tabu-Thema, an eine Reinkarnation zu glauben, so wird man meist nur müde belächelt, bekommt einen mitleidsvollen Blick obendrein dazu, gerade so, als ob das Gegenüber lediglich tiefstes Bedauern für diesen „ach so Armen im Geiste“ übrig hat.

Hinsichtlich dieser theologischen Bezugspunkte und damit verwandter Aspekte gesellten sich nichts als Hindernisse und Zwänge zu meinen Erfahrungen. Ja selbst Ängste in Form von Eigengewächsen wurden durch mich selbst geschürt, Ängste, nicht die Erwartungen oder Vorgaben zu erfüllen, Ängste, zu schwach zu sein, Ängste, allem nicht genügen zu können.

Der Ausgangspunkt dafür lag mit Sicherheit darin begründet, dass die Messlatten der jeweiligen Organisationen, welche hinter den diversen Glaubensrichtungen stehen, für einen einfachen Menschen überwiegend viel zu hoch angesetzt werden. Schon allein die Voraussetzungen, um als wiederum nur simpler Glaubensbruder in eine jeweilige Gemeinschaft aufgenommen zu werden, setzt in den Regelwerken all dieser weitestgehend archaisch-hierarchisch organisierten und etablierten Kirchen- sowie Sektenkongregationen immense innere Kraft und bereitwillige Unterwürfigkeit voraus, allesamt Eigenschaften, die von mir kaum auf Dauer eingebracht werden können. Ich muss nicht zwanghaft eine dreijährige Rundreise als offiziell beglaubigter, am besten mit behördlichen Weihen und Urkunden versehener Bettelbruder im Sinne eines Postulats tätigen, um in diverser Hierarchie, von wem auch immer, ganz unten auf der Stufe eines Novizen vollauf dem Ritus entsprechend in die Ausübung einer Religion überhaupt erst einmal hineinschnuppern zu dürfen. Dass von nichts nichts kommen kann, ist mir dabei durchaus bewusst, kein Stein kommt ohne Anstoß ins Rollen. Darüber hinaus jedoch konstatierte ich in summa, weder Zeremonienmeister noch Endlos-Vorbeter werden jemals in der Lage sein, in mir selbst die richtigen Weichen zum Weg ins wahrhaftige und ewige Glück zu stellen.

Kurz und gut bzw. weniger gut, somit wurden von Anfang an all meine Hoffnungen und Bemühungen auf einen Weg hin zu einer möglichen Erlösung, auf einen Weg hin zum endgültigen Ausbruch aus dem Samsâra, dem ewigen Lebenskreislauf voller Leiden, zum gesammelten Scheitern verurteilt, wurden fürs Erste richtiggehend zunichtegemacht. Lange Zeit stand ich einer unüberwindbaren Mauer gegenüber, allerdings mit der, wie sich mir erst später eröffnete, doch sehr wertvollen und dienlichen Erkenntnis, dass die reine Wahrheit, die den meisten Weltanschauungen, Lehren und Religionen vorangeht, letzten Endes in der Praxis scheitert und verkümmert durch von Menschen geschaffene, weit überzogene, bisweilen ausufernde Vorgaben sowie Leitlinien bezüglich vorausbedingter Verhaltensweisen, durch den Erfindungsreichtum von Geboten und mehrzählig Verboten, welche nur Schrecken erzeugen und Ängste schüren, durch ihre Regelwerke, welche zahlenmäßig ins Unendliche führen, ebenso wie durch ihre Rituale, welche mehr verwirren als Klarsicht schaffen.

Nachfolgend, im Anschluss des Durchschreitens einiger tieferer Schluchten in meinem Leben, man könnte auch sagen einer Gratwanderung über das Verderben gleichkommend, begann ich damit, parallel zu einer erneuten Aufbauphase sowie unterstützt durch eingangs geschilderte Beziehung zu den Steinen, meine bisher nur sporadisch und daher wirkungslos gebliebenen Meditationsübungen zu vertiefen. Zugleich, um generell von meiner allgemeinen Oberflächlichkeit in Bezug der erweiterten Kenntnisnahme anderen Religionen gegenüber abzukommen, beschäftigte ich mich intensiv, zielgerichtet und dabeibleibend mit dem Buddhismus, einfach deshalb, weil diese Glaubensrichtung mit der Zeit in mir nicht nur vom Gefühl her, sondern auch durch die unmissverständliche Klarsicht und Anspruchslosigkeit, welche er in der Lage ist wirkungsvoll zu vermitteln, doch irgendwie ein Feuer befreiender Einsichten entfachte.

Währenddessen begab es sich (auch wenn es sich antiquiert und geschwollen anhören mag, ich drücke es trotzdem so aus), dass nun im Verbund mit beibehaltener, regelmäßiger Ausübung meiner angepassten Lebensweise, Offenheit und Gelehrsamkeit eine spürbare Änderung in mir vonstattenging; vergleichbar einer Offenbarung reflektierte sich in mir ein Weg, welcher in seiner Richtigkeit unumstößlich darauf hindeutete, dass der mittlere Pfad des Buddha meinem eigenen, weiteren Pfad von nun an seine Richtung vorgeben wird. Es tat sich, endlich muss ich hier hinzufügen, ein für mich begehbarer Pfad auf und festigte meine Überzeugung davon, die vorgegebenen, fundamentalen Weisheiten leichten, geläuterten Herzens in mir aufnehmen und auch umsetzen zu können.

Seit dieser Zeit gab und gibt es für mich nur noch eine einzige Richtung des Vorwärtskommens, von da an wusste ich um die Wichtigkeit einer permanenten Festigung auf dem Pfad der Wahrheit, von diesem Zeitabschnitt her rühren auch meine Gedankennotizen, und ebenfalls von dieser Zeit an empfand ich die ersten spürbaren Unterstützungen meiner Gedanken durch das Dasein der Steine, meiner Steine, die fortan zu meinen beständigen Wegbegleitern und Ratgebern wurden. Zusätzlich eröffnete sich mir plötzlich und ohne viel eigenes Zutun eine Möglichkeit, meiner Welt mit Worten Ausdruck zu verleihen, um meinen Gedanken damit so etwas wie Gestalt zu verleihen. Der Drang zum Schreiben war da, die Worte dazu waren da und ich besaß die Gewissheit, von nun an all dem, was so gesehen völlig frisch und wohlwollend in Form neuer Erkenntnisse auf mich einwirkte, die ihm angemessene Bedeutung zuordnen zu können.

Ohne Weiteres denkbar wäre unterdessen, dass es bezüglich meiner Lebensgestaltung sowie meiner Ansichten und Einsichten über jegliches Fehlverhalten erhabene Pharisäer gibt, welche in Hab-Acht-Stellung den Zeigefinger erheben oder die Hände über den Kopf schlagen und dabei sich fragen, mit welcher Naivität oder gar Frechheit ich es nur wagen kann, mir ohne jeweilige theologische, wissenschaftliche oder gar anderweitig geartete Absicherung über richtig bzw. falsch meine persönliche Weltanschauung herauszunehmen, mir anzueignen, zusammenzuschustern und zurechtzuschmieden? Nun, man muss schmieden, solange das Feuer heiß ist, hätte ich jetzt zur Antwort parat. Nichtsdestotrotz sind aufgrund meiner inzwischen erlangten Zuversicht und meines Vertrauens solcherlei Dispute vollkommen belanglos und ohne Wert. Ich bin es nun mal ganz meiner ultrapuristischen Grundgesinnung nach gewohnt, nicht nur Lehren, Weisheiten, Dogmen etc., sondern auch Auswüchse, Übel und Missstände an der Wurzel anzupacken, sie allesamt nicht, wie sonst weit verbreitet üblich, bis ins millionste Teil einzelner, spekulativ möglicher Auswirkungen zu diskutieren und dadurch im wahrsten Sinne des Wortes zu zerreden, sie zu zerfleddern.

Richtungsweisend für mein zukünftiges Fortschreiten galt die Prämisse, allemal und überall darauf zu achten, dass selbst dann, wenn von mir eigens das Bedürfnis entstehen sollte, Hilfe von anderen Personen, Gruppierungen oder gar Kirchengemeinschaften in Anspruch nehmen zu müssen, was ich vereinzelt auch tat, ich hierdurch nicht in einen Zustand einer Abhängigkeit, egal welcher Couleur, gerate. Mein ganzes Leben hindurch, in guten und in schlechten Zeiten, vertrat ich stets die Meinung, dass sich selbst und seine Freiheit zu bewahren oberstes Gebot sein muss, wenn es um die Pflege und den Er-halt der eigenen Unabhängigkeit sowie Selbstständigkeit geht, deshalb ist in allen Fällen ein kritischer Abstand bei zu enger Bindung anzuraten. Mit diesen Einsichten gewachsen versuche ich für mich selbst, wenn man so will, weitestgehend meine eigene Religion und meinen eigenen Staat zu leben, angelehnt an dieses oder jenes, bin darum bemüht, aus dieser für mich verpflichtenden Betrachtungsweise heraus mein inneres Heil zu finden, verbunden mit dem Willen, möglichst zum Wohle aller zu handeln, und für all dieses braucht es weder Namen noch Wappen oder sonstige Insignien.

Im Laufe der vergangenen Zeitalter hat sich ausnahmslos in allen Religionen vieles geändert, sind sogar verschiedene Richtungen entstanden, wodurch es immer mehr ein Ding der Unmöglichkeit wird, wirklich alles, was dadurch ohne jedweden erkennbaren Nutzen weiterhin wächst und wuchert, in die jeweils auszuübende Praxis mit einzubeziehen.

Ich für mich bin mittlerweile unumstößlich der festen Überzeugung, dass es durch die individuellen Verschiedenheiten aller Menschen samt ihrer divergierenden Kulturen absolut keine maßgeschneiderten Allgemeinrezepte zur Erlösung der Massen geben kann.

Zurückkehrend zu weiteren Kernpunkten meiner eigenen Veränderung schicke ich gewissermaßen als Info voraus, dass mein persönlicher Schwerpunkt sowie auch der Grundstock des Theravada-Buddhismus auf dem Befreiungsweg des Einzelnen, ausgehend von seiner eigenen Kraft, fundiert. Der Buddhismus ist bekanntlich ja keine Religion in vergleichbarem Sinne mit anderen Weltreligionen, welche jeweils ihre eigenen Götter verherrlichen, sondern zeichnet den Menschen Wege zur Erlösung auf, zum Entkommen aus dem Kreislauf des irdischen, mit Leid gefüllten Lebens, wobei er dabei keineswegs das Individuelle jedes einzelnen Menschen ausgrenzt. Allein mit diesem Fundament der individuellen Praxis gehe ich vollkommen konform. Die wahre Religion, davon bin ich felsenfest überzeugt, kann immer nur Hinweise geben für einen begehbaren Weg und nicht ein Götzenbild als Universal-Medizin vor sich hertragen. Sobald es dazu kommt, dass die Anbetung eines gottesähnlichen Wesens oder einer direkt als Gott bezeichneten Gestalt Voraussetzung ist, um in einer Religionsgemeinschaft Anerkennung und ein Zuhause zu finden, führt die Route weit, weit weg vom eigentlichen Ziel der eigenen, individuellen Entwicklung, welche unserem Leben den Sinn geben sollte.

Zur Umsetzung meiner Erkenntnisse will ich obendrein präziser erwähnt wissen, dass von mir nicht alles auf einmal 100%ig verbindlich und auf Anhieb erfolgreich ausgeübt wurde bzw. auch heute nicht wird. Dies betreffend ist in mir selber gleichermaßen alles im Fluss. Es gibt Höhen und Tiefen, Stolpern und zügiges Voranmarschieren; aber die Erkenntnis kommt, ist irgendwann einfach da und lässt sich mit etwas Übung und Beharrlichkeit erfolgreich einverleiben und umsetzen. Fundamentale Wahrheiten erkennt man. Man weiß, was notwendig ist, um sie für sich selbst zu verinnerlichen als Voraussetzung für eine erfolgreiche, sprich fruchtbare Lebensausrichtung, man weiß es einfach dann, wenn angesagt ist, was notwendig wird, um die einzig richtige Richtung zu gehen. Wer offenen Auges den Pfad beschreitet, trifft unterwegs auf so vieles, das wie von alleine vergegenwärtigt sich zeigt, das plötzlich da ist und sich einem in aller Offenheit und Ganzheit erschließt.

All dies zum gegebenen Zeitpunkt erkennen zu können, es dadurch erst zu ermöglichen, für sich das Bedeutsame herauszuschöpfen, ist absolut wichtig. Anderes, anderweitig Aufschlussreiches, kommt meist als „Selbstläufer“ sozusagen mit dazu, weil es sich notwendigerweise integrieren muss, in die Kette von allem, was wird, eingliedern muss und dies sozusagen in selbst erfahrender Weise, in demselben Maße, wie vieles nicht nur für sich allein Gültigkeit besitzt. Essenzielles, Unverzichtbares, Inhalt- und Formgebendes nimmt man von „unterwegs“ durch ausgeprägte Achtsamkeit auf, Fundamentales nimmt man als gegeben wahr und Richtungsweisendes nimmt man entlang des Weges mit.

Die eigene, nicht nur nach innen ausgerichtete Konzentration, die im Laufe der Zeit die Offenheit und Achtsamkeit zu meinen ständigen Begleitern werden ließ, wird von mir heute mehr denn je fortwährend gefördert, ausgehend von dem Ziel, stetig wachsender Perfektion näher zu kommen, hingegen von dem Wissen begleitet, die reine, perfekte Konzentration hier in unserem relativen Dasein nie und nimmer erreichen zu können.

Kennzeichnend, sozusagen als zweiter Faden, welcher sich in einem Teil meiner Gedanken widerspiegelt, ist neben dem religiösen Thema (mir fehlt leider ein aussagekräftiges Wort, welches die existenzielle Bedeutung von diesem Thema für mich zum Ausdruck bringen könnte) die sozialpolitische Gesellschaftsordnung, um nicht zu sagen die sozialpolitischen Zustände in Form von Missständen in unserer Zeit. Da ich indes bereits dabei bin, diese Thematisierung durch meinen allgemein erworbenen Gleichmut, angestachelt von der Erkenntnis einer Spiegelung meiner eigenen, inneren Beschaffenheit, sukzessive in den Hintergrund zu drängen, widme ich an dieser Stelle meinen Beweggründen im Hinblick darauf ein paar Worte:

Der Zwiespalt zwischen meiner spirituellen Entwicklung, die streng genommen ein Loslösen auch von Politik, Soziologie und der höchst ansteckenden Unmenschlichkeit unserer Wirtschaft unabdingbar mit einschließt, und der auf meine Lebenshaltung hartnäckig sowie nachhaltig einwirkenden Anhänglichkeit eben dieser Bereiche tritt in der hier von mir beschriebenen Phase meiner Gedankenwelt des Öfteren eklatant in Erscheinung. Durch diese in meinen Denkvorgängen doch noch häufige Wiederkehr und Anhaftung sozialer Missetaten innerhalb unserer Gesellschaft wird für mich nach wie vor ersichtlich, dass gerade auf diesem Gebiet bezogen auf mich selbst noch eine Menge von Hürden zu überwinden sind. Um dem eigentlichen Wohl meiner Mitmenschen, die ja in meiner Betrachtungsweise bzw. Wertschätzung allesamt in irgendeiner Weise für mich im Dasein existieren, die ihm angemessene Beachtung zu schenken, um meinen Mitmenschen den ihnen zustehenden Respekt zu zollen, wird es unumgänglich, mehr und mehr von den Leid verursachenden, gesellschaftlichen Institutionen jeglicher Art nicht nur emotional, sondern vor allem auch durch Entzug einer möglichen gedanklichen Einflussnahme auf mich selbst loszulassen.

Die Gesamtheit all dieser weltlichen Einrichtungen wird und soll auch für mich irgendwann völlig nachgeordnet, unmaßgeblich, gleichgültig, irrelevant, also wie so vieles andere als reine Illusion ohne jegliche Bedeutung sein.

So wie sie gekommen sind, werden sie gehen.

Vielleicht mag es ja darüber hinaus in meiner noch nicht so exorbitant fortgeschrittenen, besser gesagt noch nicht arg soliden, gefestigten Phase der spirituellen Ausrichtung mitunter vonnöten und auch angebracht sein, mir selbst unsere kranke, leidgeplagte Welt ungeschönt vor Augen zu führen, um die Gewissheit, dass diese unzulänglich eingerichtete, zerbrechliche, für uns zwingend zu erfahrende Schöpfung für sich allein stehend nie und nimmer das Nonplusultra sein kann, zu untermauern.

Zeitweise, für gewöhnlich bei Drohen eines gefährlich ansteigenden Blutdrucks, habe ich mich schon öfter hinterfragt, ob ich nicht wenigstens meinen Ton, speziell gegenüber diesen von mir angeprangerten sozialen Missständen, etwas zügeln und derartige, im Grunde genommen unabstellbare Gegebenheiten mit ein bisschen mehr Feingefühl und Distanz anspre-chen sollte? Aber den aus meinem Inneren hervordrängenden Gefühlen dazu folgend, werde ich mich weiterhin strikt weigern, betreffend Zügelung im großen Stile Überlegungen anzustellen. Zumindest will ich hier fürwahr nicht ausschließlich Andeutungen in den Raum stellen, ich bleibe dabei, lege mir nicht selbst irgendwelche Fesseln an, sondern will primär diese soziale Demontage und diese unmenschliche Missachtung todbringender Armut genau so anprangern, wie sie sich mir gegenüber zeigt, genau so brandmarken, wie sie mit all ihren bösartigen Auswirkungen auf mich und die Menschen in unserer Gesellschaft eindringt. Ich bleibe ohne jedwede beschönigende Rücksichtnahme dabei, diese Dinge bei dem Namen zu nennen, den sie auch verdienen.

Denn diejenigen, welche solche als Mensch unter Menschen nicht zu tolerierende Missstände verursachen, welche auf gewissenlose Art und Weise in der Lage sind, soziale Unausgewogenheiten zu forcieren und somit hemmungslos auf Kosten vieler anderer Menschen zu leben pflegen, agieren genauso wenig mit Samthandschuhen ausgestattet und deshalb ohne jegliches Feingefühl, im Gegenteil, ein Wort wie „Feingefühl“ entzieht sich meist ihrem ihrer raffgierigen Welt angepassten Sprachschatz.

Ich weiß sehr genau, ich lade mir eine zusätzliche Last auf, eine zusätzliche Last dadurch, dass mein Eingehen auf die Sache nachhaltig meine innere Kraft in Anspruch nimmt.

Trotz aller Bedenken will ich mein Verhalten mit dem winzig kleinen Steinchen im Schuh vergleichen, welches es trotz ansonsten mangelnder Größe schafft, zur Last zu werden und dem Schuhträger somit, um die Last, also das, was ihn ansonsten dauerhaft drückt, loszuwerden, nichts anderes übrig bleibt, als den betreffenden Schuh auszuziehen und nach dem Herausschütteln des Übeltäters den Schuh wieder anzuziehen. Mehr ist dazu nicht vonnöten, denn danach kehrt ein Gefühl des Durchatmens, der Ruhe und Befreiung ein.

Den Schuh jedoch wegzuwerfen oder zu vernichten, wäre zu viel, und dementsprechend weiß ich heute, dass in allen Fällen eine gewaltsame Rebellion letztendlich niemandem nützt, sondern den Menschen nur noch mehr Schaden zufügt, am meisten aber dem, der sie anzettelt.

Mein hier, so gesehen in authentischer Chronologie nachzulesendes Weltbild entstand durch meine gesammelten Erkenntnisse über den jüngsten Zeitraum meines Lebens hinweg, beginnend mit dem Abschied aus der Leistungsgesellschaft, wodurch ich allerdings mich selbst in keiner Weise als Aussteiger aus der gut bürgerlichen Gesellschaft abqualifiziert fühle, sondern diesen Schritt als den bis dato bedeutendsten Richtungswechsel meines menschlichen Daseins erachte und ihn somit als meinen Einstieg in den Strom des wirklichen Lebens bejahe und schätze.

Eine der elementarsten Bedeutungen für diese meine Entwick-lung ist die Erkenntnis unseres Leistungsprinzips als Suchtmittel und Gift für die Menschen, als Gift für die Tiere und Pflanzen, für die Umwelt, für die gesamte Natur und als Gift für die Schöpfung schlechthin.

Als Konsequenz meiner zukünftigen Enthaltsamkeit von all dem, was auch nur im Entferntesten nach Leistung riecht, ergibt sich für mich zunehmend die praktische Übung in der Kunst des Müßiggangs. Diese Kunst vermittelt unmittelbares Wohlsein. Sich wohlfühlen und die daraus resultierende innere Ruhe kennzeichnen den fruchtbarsten Boden, den man sich selbst einräumen kann, um sich auf den Pfad der Erkenntnis zu begeben.

Entsprechend konzentriert sich meine Lebensausrichtung möglichst geradlinig auf das „Danach“ im ewigen „Hier und Jetzt“, welches zu allen Zeiten in nicht gekannter Intensität und Erfüllung wirkliches, ewiges Dasein nicht nur verkündet, sondern einfach ist.

An dieser Stelle ist es mir, auch auf die Gefahr hin, mich teilweise zu wiederholen, ein wichtiges Anliegen, zum Ausdruck zu bringen, dass ich in keiner Weise beabsichtige, mithilfe meiner Ausführungen irgendwelche Rezepte in Form von Stimulanzien für die Seele zu verteilen, weil ich der Meinung bin, dass jeder sein eigenes, individuell auf sich zugeschnittenes Rezept zunächst einmal für sich selbst finden, erkennen und daraufhin entsprechend anwenden muss. Man kann x verschiedene Krücken herstellen, große, kleine, mittlere, nicht ganz so große, schwere, stabile, leichte, runde, eckige, schwarze, weiße, bunte und, und, und, die individuell passende muss jeder selbst auswählen.

In gleicher Weise lehne ich es für mich prinzipiell ab, alleinig durch Einfluss anderer Weltanschauungen und Religionen mein Heil zu suchen bzw. anders ausgedrückt vorgekaut als Fertigmenü eingetrichtert zu bekommen, denn ganz gemäß meiner vergangenen Erfahrungen war ich bisher stets auf Veranstaltungen, bei denen mir nichts anderes bewusst wurde, als dass ich das dort nicht bin.

Aber was interessiert mich heute Vergangenes, das alles ist nicht mehr. Ich bin das, was ich jetzt bin, und ich bin einer von denen geworden, die lernen wollen, ewig zu leben.

Um für sich selbst die „innere“ (diese rein örtliche Bezeichnung ist nur personell, körperbezogen zu sehen, das Geistige an sich ist überall und nirgends zugleich, also räumlich nicht zuzuordnen) sowie ewige Welt des Nichtseins zu erschließen, ist ein Abwenden und Loslösen von dem äußerlichen Sein inklusive dem eigenen „Ich“ unausbleiblich, ja absolute Voraussetzung.

Mag ja durchaus sein, dass nun nach und nach, so im Laufe der Zeit meiner inneren Wandlungen manch einer, vielleicht auch manch einer mehr, wahrscheinlicher aber viele mehr die nach außen hin auftretenden Veränderungen meiner Erscheinung und Ausstrahlung entlang einer, für mich inzwischen absolut fragwürdigen, gesellschaftlichen Werteskala zunehmend negativ taxieren und entsprechend wertschätzen, wenn nicht sogar demzufolge meine Person gänzlich übergehen mögen; bloß kann ich diesen Attitüden in Form menschlicher Irrung mit zurücklehnender Gelassenheit begegnen, weil mit Blindheit geschlagenen nolens volens keine Elektion differenzierter Blickwinkel zur Verfügung steht.

Ich für mich weiß, ich fühle mich gut, ich bin mit mir zunehmend zufriedener und ich erlebe mehr und intensiver Zeiten voller Glück.

Bevor ich nun in medias res gehe, möchte ich dies betreffend darauf hinweisen, dass ich letztendlich von einer formell korrekten Überarbeitung meiner Texte im Nachhinein, einzig um Ihnen eine weitläufig strukturierte, zusammenhängendere Fassung, sprich ganz dem preußischen Teamgeist entsprechend gegliedert und uniformiert, zu geben, so gut es ging abgesehen habe, weil es sich durchgehend um Gedankensplitter handelt, welche in meinem Kopf weder feinsäuberlich nach Themen mitsamt ihren Unterbereichen gegliedert ablaufen noch irgendeiner sonstigen Terminologie folgen:

Sie kamen und sie gingen, dabei wurden sie von mir sozusagen als Erkenntnisprozesse in chronologischer Echtzeitfolge dokumentiert.

Ob ich mich nun bezüglich der grammatikalischen Personen-Bezogenheit immer korrekt ausgedrückt habe, wage ich zu bezweifeln.

Aus diesem Grunde gilt:

Sollte eine Verallgemeinerung Einzug halten, wie beispielsweise „man müsste“ oder „man sollte“, ist auch dadurch der Bezug auf mich beibehalten; das heißt folglich, ich spreche mich selbst in meinen Gedanken gelegentlich auch mal neutral an, bisweilen sogar in der dritten Person.

STEINE

DENKEN

NICHT

Philosophische und sozialkritische Betrachtungen über das Sein im Dasein und das Dasein im Nichtsein

All meine mühseligen Versuche, im Sein meine Selbstverwirklichung zu finden, waren von vornherein zum Scheitern verurteilt und hinterließen oftmals nachhaltige, mit Schmerz und Leid verbundene Lasten. Jedweder Weg in die vermeintliche Realität nach außen hin führte unweigerlich weg von mir selbst. Die Erkenntnis, mein Selbst nur durch eine konsequente Kehrtwende von außen nach innen wahrzunehmen und dadurch zum Leben zu erwecken, geleitet mich fortan zielsicher zur Wahrhaftigkeit in der Leere des Nichtseins.

1     Eine Wesensänderung bedingt eine Gedankenänderung bedingt eine Wesensänderung ...

Am Rande frisch gemähter Wiesen, auf steinigen Feldwegen, bei Touren durch die Berge oder so wie heute an einem sonnigen Herbsttag entlang eines tief gepflügten Ackerbodens schweifte schon in jungen Jahren meine Blickrichtung für gewöhnlich nach unten. Nicht um die Schritte zu verfolgen, ein Stolpern zu vermeiden oder weil gar der Kopf zu schwer wurde, nein, sondern der Steine wegen. Mit suchenden Augen, die gelegentlich sogar zwischen beiden Seiten des Weges wechselnd Ausschau hielten, bewegte ich mich vorwärts, gleich einem in sich tief versunkenen Lustwandler.

Ab und zu hob ich auch einen Stein auf, dann etwa, wenn ein Sonnenstrahl mir das Funkeln von diesem entgegenblitzen ließ und somit ein dezentes, kaum vernehmliches Zeichen gab. Ich legte ihn aber stets unbeirrt zurück. Mitgenommen, was gleichzusetzen mit sich aneignen wäre, habe ich nicht einen von ihnen, warum auch? Ich ließ sie dort an Ort und Stelle auf mich wirken.

Dessen ungeachtet entdeckte ich, abgesehen von ansehnli-chen Formen und Farben, keinerlei anderweitige, spezielle Besonderheiten, meinte ich zumindest eine lange Zeitspanne, innerhalb derer meine Lebensjahre nur so dahinflogen. Ich wusste zudem nie so genau, was ich da suchte. Edelsteine? Verlorene Wertgegenstände oder Ähnliches? Nein, die materiellen Werte waren es beileibe nicht. Obwohl einige Steine von ganz besonderer Art waren, sehr schöne, außergewöhnliche Farbtöne und -muster besaßen oder sonst wie in ihrer Form einen Eindruck bei mir hinterließen, war dies ebenso wenig ein Anlass, welcher mein suchendes Verhalten während des Gehens zu einer sichtbaren Gewohnheit entwickelte.

Einfach aus meinem Inneren heraus zu dieser Eigenart angetrieben, wurde mir erst in späteren Jahren richtiggehend bewusst: Diese suchenden Blicke, auf die Steine gerichtet, aber dennoch des Öfteren ins Leere gehend, entsprangen meinen konstant präsenten Gefühlen der Unvollkommenheit, des Fehlerhaften, des Unvollständigen, daraus folgernd einer bedrückenden Unzufriedenheit, auch heute noch. All dem zu entgehen war für mich, zunächst in unerklärlicher Weise, Motivation genug, immer und an jedem Ort, überall und bei allem, was mir hilfreich schien, zu suchen.

Diese Empfindungen waren wie gesagt latent vorhanden, mal mehr und mal weniger intensiv, befielen mich insbesondere bei meinen Spaziergängen, welche ich doch gerade deshalb unternahm, um meine Gedanken zu ordnen, auszumisten, Platz zu schaffen, einen freien Kopf für eine mentale Neuorientierung zu bekommen.

Es gab Zeiten, verwirrende Episoden und Entwicklungsphasen, Irrwege, in denen ich mich mit fragwürdiger Gesellschaft, scheinbar Gleichgesinnten und zweifelhaften Vergnügungen ablenkte. Darüber hinaus kam aufgrund meiner unheilsamen Lebensweise hinzu und wirkte sich unausbleiblich negativ aus, dass die Gewohnheit der doch befreiend wirkenden Spaziergänge in den Hintergrund gedrängt, überdeckt und schließlich vergessen wurde durch die Wolllust und aufkeimende Gier in jeglicher Hinsicht. Dass dies jedoch auf die Dauer nicht gut gehen konnte, wusste ich ganz genau, und demzufolge bestätigte die harte und unbestechliche Natur des Lebens zwangsläufig mein Nicht-wahrhaben-Wollen gnadenlos.

In vergleichbarem Maße zunehmend, wie mich gegensätzlich die Falschheit und Verkommenheit der Gesellschaft anwiderte, ja im wahrsten Sinne des Wortes abstieß, erkannte ich den beachtlich tief greifenden, ja grundlegenden Wert der Einsamkeit, den Drang, ins Innere meiner selbst vorzurücken. Parallel dazu lebte in meinem suchenden Verhalten während meiner Spaziergänge, die ich inzwischen beiläufig wieder aufgenommen hatte, etwas gänzlich Neues, eine unbekannte Anwandlung auf, welche mir mehr und mehr nicht nur das Vorgefühl, sondern regelrecht ein Verlangen darauf vermittelte, mit den erneut in mein Bewusstsein getretenen Steinen eine Verständigung zu suchen.

Wie weit diese „Zwiegespräche“ sich noch in Form und Inhalt entwickeln und intensivieren sollten, zeigte sich ab dato bis fortlaufend.

Es ist nur scheinbar so, denke ich, während ich ein Bein vor das andere setze. Wir suchen ja eigentlich die Abwechslung, um der Tatsache, dass uns ständig die gleichen Gedanken verfolgen, regelrecht quälen, ja sogar so weit, dass das stete, hämmernde Denken nicht aufhört, zu entfliehen, wobei sich dann eher noch neue, lästige Gedanken hinzugesellen, sich schikanös festsetzen und den Kopf exorbitant belasten. Übles, Lästiges und Erschwerendes, meist gravierender als Erfreuliches, weil dies, wenn überhaupt vorhanden, dann doch schneller seine Bedeutung verliert, all dies brennt sich tiefer und tiefer ein, pocht im Hirn, prägt in Kombination das Gesamtbefinden und bildet ein übermächtiges Hindernis auf der Suche nach innerer Ruhe. Da tut dringendst Ablenkung Not, kann aber nie von Dauer sein beziehungsweise Bestand haben, weil das alltägliche Denken immer wieder unkontrollierbar eindringt und uns weiter verfolgt, uns im schlimmsten Fall sogar noch des Nachts keine Ruhe lässt, sodass der Schlaf nicht kommen will, wir infolge dessen gequält im Bett liegen, dabei der Kopf zu platzen droht und daraus eine Fortsetzung des Übels am nächsten Tag notgedrungen vorprogrammiert ist.

Ein Spaziergang wäre, so überlege ich, vergleichbar mit vielen anderen Freizeitaktivitäten, sonstigen Vergnügen oder Zerstreuungen ebenso nur eine zeitweise Ablenkung, entsprechend einem kurzen Innehalten von all dem, was wir als belastende, bedrückende und beeinträchtigende Denkvorgänge in unserem Alltag bewerten und somit erleiden.

Aber was ist das Wesentliche, das unser Denken beeinflusst, wo doch so vieles negativ beginnt, sich negativ fortsetzt und oft genug mit schlimmen Folgen endet, wenn überhaupt?

Das Wesentliche kommt von „das Wesen“ und in diesem Fall, denke ich weiter, spiegeln unsere Gedanken ganz einfach unser Wesen, so wie es sich uns jetzt darstellt, wider. Das heißt dann folglich auch, dass, so gesehen zusammenhängend, ohne eine Wesensänderung durch uns selbst, ohne eine Ände-rung unseres Selbst in demselben Maße keine Änderung in unseren Gedanken erfolgen kann.

Vielleicht hilft es mir fernerhin, wenn ich versuche, all diesen Gedanken ihre immense Bedeutung, die sie fürwahr nur scheinbar für sich in Anspruch nehmen, zu entziehen, sie somit links liegen lasse?

Speziell in überhandnehmenden Situationen, in denen es erforderlich wird, meinen Gedankenfluss zurück in erträglichere Bahnen zu lenken, habe ich seit geraumer Zeit den Einsatz von wenn auch banal klingenden, jedoch leicht einprägsamen Kurzkommandos für sehr bedeutsam, zweckmäßig und dienlich zu schätzen gelernt. Sollten zum Beispiel meine Gedanken gemäß einer mir zu eigen gewordenen Neigung ins Uferlose abgleiten, sodass überwiegend nur noch negatives Gedankengut (müsste eigentlich Gedankenschlecht heißen) die effektiveren und gehaltvolleren Denkprozesse bei mir faktisch blockiert, hilft ein kurzes und prägnantes „Hier und jetzt!“, um mich zurück- oder auch abzurufen, um mich konzentrierter in der Gegenwart festzuzurren. (Weitere, teils auch bekannte Kommandos wären zum Beispiel: ohne mich; nimm dich heraus; lass die Welt, wie sie ist; wenn nicht jetzt, wann dann u. ä.) Einem Fortsetzen der Gedankengänge kann ich erfolgreich begegnen, indem ich eine vertiefende Aufmerksamkeit sowohl auf meine Atmung und meine Gefühle als auch auf das, was mich umgibt, auf meine Situation im Jetzt lenke. Im Jetzt, in der punktuellen, sprich für sich einzig und allein stehenden Gegenwart verlieren sich sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft. Das Jetzt entzieht ihnen gänzlich und uneingeschränkt ihre Bedeutung. Dieses für ein vollkommenes Dasein an Bedeutung nicht zu übertreffendes Jetzt erfordert wie so vieles ein beharrliches Üben, ein Praktizieren, wann immer es geht. Es funktioniert, es funktioniert von Mal zu Mal besser. Wenn auch nicht in barer Münze, aber es zahlt sich aus.

Das Denken ausschalten, „die Steine denken nicht“, pocht es fast erregt in meinem Kopf. Das Denken ausschalten, heißt die Gegenwart wirken und walten lassen. Das Denken ausschalten, bedeutet die Zeit anhalten.

Heute kann ich, lächerlich hin oder hirnrissig her, mit Fug und Recht untermauern, dass diese Gedankenimpulse rückblickend als die ersten Anfänge meiner Kontakte zu den Steinen einzuordnen sind. Von da an war es mir vergönnt, mit und von ihnen aufrichtige und wahrhafte Verhaltensweisen ganz im Sinne von „heilsam“ zu erkennen und zu erlernen. Und gerade diese Verhaltensweisen, die mir zusätzliches, klarsichtiges Wissen vermittelten, stellten mir gegenüber kontinuierlich die Funktion der Steine als meine Ratgeber unter Beweis. Bis heute noch sind sie meine allzeit geschätzten Wegbegleiter und allein durch ihre bloße Anwesenheit ist es mir vergönnt, ihre edlen, wertvollen Weisheiten empfangen und in mich aufnehmen zu dürfen.

2     Das eigene Selbstverständnis und die Wahrheit in uns

Lehren, Lebenshilfen, Propheten, Leitbilder, Idole oder gar Ikonen, ob gut- oder böswillige, sind überall zu finden. Intensiv, tiefgründig, urteilsfrei, bedingungslos, unabhängig, nach allen Seiten offen und Ähnliches mehr sind hierfür ratsame, eigentlich schon eher vorauszusetzende Eigenschaften für den segensreichen Findungsprozess der eigenen, zufriedenstellenden Lebensphilosophie. Allenfalls solcherweise lässt sich das zutage fördern, was einem rein gefühlsmäßig entspricht, entgegenkommt, mit dem man sich identifizieren und deshalb auch frei, gelöst und unbeschwert, ja selbstgenügsam leben kann. Es ist sehr von Nutzen, dabei ein Gespür entwickeln zu können, welches einem das Gefühl des Vertrauens und der Sicherheit geben kann. Hingegen kann die Suche, einzig und allein begrenzt auf diese Richtung, nämlich Hilfe anderswo, bei anderen, also außerhalb, weg vom Selbst, nicht das Ein und Alles sein. Es kann sich nur als ein begleitendes Reichen einer hilfreichen Hand durch einen Weggefährten, der gewisse Schritte schon hinter sich gebracht hat und die eine oder andere Stolperfalle kennt, darstellen.

Ideale gibt es nicht, die wirkliche Suche danach beginnt im eigenen Selbst und endet im eigenen Selbst. Damit ist aber mit Gewissheit nicht das körperliche, allseits verherrlichte Ego angedacht, bloß weil dieses dazu verdammt ist, seine allem und allen überlegene Präsenz in der heuchlerischen Außenwelt passend dümmlich in Szene zu setzen. Ich möchte es hier mal soweit stehen lassen und davon ausgehen, dass das von mir angedachte Selbst einer Wahrnehmung über uns durch unser vorhandenes Bewusstsein, ohne jedoch die Substanz ins Zentrum zu setzen, gleichkommt.

Mangelndes, eigenes Selbstverständnis bewirkt Missverständnis durch andere und gleichermaßen, ich weiß, das hört sich zunächst einmal widersprüchlich an, durch das innere Selbstbewusstsein, welches jedem eigen ist. Durch diesen Mangel entstehen auf lange Sicht betrachtet diese Stolperfallen, die „worst case“ (ich mag diese englisch-neudeutschen, einem Einheitsallerweltssumpf nahestehenden Floskeln nicht und wollte dies hiermit zum Ausdruck bringen) fähig sind, bis zum absoluten und endgültigen Absturz zu führen, zumindest in diesem Leben. Ohne vollkommenes Selbstverständnis des vom eigenen Bewusstsein ausgehenden Seins, und dies im wahrsten Sinne des Wortes, welches zusätzlich zum „Selbst“ selbstredend sogar Verstand im Sinne von Verständnis beinhaltet, bleibt es unerreichbar, sowohl vollkommenes Verständnis für andere aufzubringen als auch, was für sich selbst das Wesentliche und Entscheidende ist, der Gefühle des vollkommenen Glücks, vollkommener Freiheit und vollkommener Zufriedenheit teilhaftig zu werden. Wenn das Missverständnis in einem selber rührt und rührt, klopft unweigerlich die Unzufriedenheit als dessen verwandter Begleiter an.

Die endgültige, reine Wahrheit ist jeder für sich selbst als Teil der Einheit. Völlig unabhängig von anderen Kreaturen, überdies sogar losgelöst, befreit von allem, was einen umgibt und bindet, muss die Selbstsuche vonstattengehen, um auf dem auserwählten Pfad weiter voranschreiten zu können. Wobei die wahrhaftige Entdeckung des Selbst nicht in einem einzigen Moment, sozusagen von einer Minute zur anderen, sich zutragen kann. Es ist ein Prozess, der begleitend zum Einschlagen des richtigen Lebenswegs angestoßen wird und bis zu einer gewissen angereicherten, umfassenden Erkenntnis bestenfalls schrittweise vorangetrieben werden kann, das heißt, abgesehen von diversen Rückschlägen in Form von Irrungen, welche immer mal unheilsamen Einfluss nehmen wollen, dass dieser Prozess nur, wie so oft und wie so vieles, durch beharrliches, geduldiges Üben und Lernen in seine richtige, Heil bringende Richtung mobilisiert werden kann.

In erster Linie, und dies hat nichts mit Egomanie am Hut, sich selbst in der Nichtgestalt des Geistes weiterzuentwickeln, sich auf diese Weise zu rüsten, sich allzeit bereit zu machen für einen Ausbruch aus dem gefängnisartigen, immer fortwährenden Kreislauf des Lebens, sollte unsere Devise, unsere Leitlinie sein. Warum sonst sollten wir hier auf Erden unser Dasein fristen, obendrein als ein in jeglicher Hinsicht höchst verletzliches Körperwesen? Nur dies kann ein wirklich erstrebenswerter Sinn unseres Lebens sein. Und was tun die meisten damit? Ohne mich, zumindest zu Zeiten früherer Lebensabschnitte, auszuklammern: Sie verschleudern die Gelegenheiten zugunsten fragwürdiger Vergnügen und krankhafter Machtgier, was weiterhin aufgrund dessen, krass ausgedrückt, für denjenigen, welcher nicht zurück auf den reinen, wahren Weg findet, letzten Endes die schleichend einhergehende Degeneration ad infinitum zur Folge hat.

Das Gefühl des Vertrauens und der Sicherheit steckt in jedem Menschen. Man kann erlernen, es zu spüren, zu erkennen und durch inneres „zum Erblühen bringen“ richtiggehend wahrzunehmen. Ich selbst wurde dieser Gefühle stets dann bewusst gewahr, wenn ich mit offener und demütiger Einsicht einer stützenden Begleitung und Hilfe bedurfte, um trotz mehrmaligen, schmerzhaften Stolperns nicht mehr allzu weit von meinem auserkorenen, für mich richtigen Weg abzukommen.

3     Für ein Dasein im Nichtsein dürfen die Gedanken nicht frei sein

Wer mit dem spirituellen Weg nicht nur liebäugelt, sondern für ihn bereit ist, der sollte sich wohlweislich ins Bewusstsein rücken, dass seine Gedanken keineswegs so frei sein dürfen, wie er es gerne hätte. Gehen wir davon aus, nur deshalb, weil ein anderer die Bedeutung meiner Gedanken, eigentlich als solches ein substanzloses Etwas, welches im Nichts, in der Leere da ist und in unserem Gehirn als solches abgespeichert wird, nicht erkennt, können wir ihnen freien, uneingeschränkten Lauf lassen, so ist dies eine gravierende, folgenschwere Fehleinschätzung. Gerade in so einem Fall kann das gesamte Potenzial von abgrundtiefem Schmutz und Schutt in unserer Seele hochkommen, gewissermaßen im Unterbewusstsein in Erscheinung treten und sich indirekt, aus den Tiefen unseres inneren Selbst in den Prozess des Werdens einfügen. Solcherweise werden, auf direkte Art jedoch so niemals gewollt, Ursachen in Kraft gesetzt, nehmen im Verlauf ihrer Entfaltung verheerende Formen an und entwickeln sich bis zu einer destruktiven, böswilligen Auswirkung.

Wenn wir der festen Überzeugung sind, es wird uns niemand wegen bisweilen sehr, sehr weit ausufernden Gedanken bestrafen, so ist dies genauso eine allgemein verbreitete Irrmeinung, denn wir bestrafen uns, ob wir es wollen oder nicht, selbst dafür. Der Denkzettel lässt in aller Regel verdientermaßen nicht lange auf sich warten.

Eine weitere, bedenkliche Fehleinschätzung ist die undifferenzierte Gleichstellung zwischen der Gedankenfreiheit und der Freiheit im Geiste. Um die wirkliche, absolute Freiheit im Geiste zu vollbringen, dürfen die Gedanken eben nicht freien, zügellosen Lauf haben. Diese absolute Freiheit im Geiste ist meiner Auffassung nach erst zu bewerkstelligen durch das erfolgreiche Absolvieren eines Befreiungsprozesses, im Sinne einer Gnade teilhaftig zu werden, und wäre als „Zielvorgabe“ gleichzusetzen mit dem Erreichen des Paradieses, über allem schwebend der wünschens- und erstrebenswerteste Bestimmungsort im Ganzen betrachtet, also das Ziel, welches diese reinste und uneingeschränkte Form der Freiheit mit Sicherheit nicht nur als einen Teil beinhaltet. Dagegen gehalten ist uns jederzeit das Geschehenlassen einer Freiheit der Gedanken als mögliche Verhaltensweise eingeräumt, kann von uns ungehindert und ungezwungen praktiziert werden und wird daher bestimmt auch viel zu oft betrieben, letztendlich folgend genauso unausweichlich zum eigenen Schaden.

Sich selbst und seine Gedanken im Griff zu haben, zudem noch weitestgehend im Sinne des Guten, der Freude und der Liebe zu denken und zu handeln, dies gilt es, sich stetig vor Augen zu halten. Darauf bezogen höchstes Ziel wäre es, die Gedanken des Leids, Übels und Bösen, die jederzeit aufkeimen können, schon im Kernstück eindeutig als das, was sie sind und zu was sie imstande sind, herauszulesen, zu erkennen und möglichst nicht zuzulassen. Selbst wenn es noch so schwerfallen sollte, ich wiederhole mich hierzu gerne: Beharrliche Übung in Verbindung mit Zuversicht, immer und überall, führt zum Ziel. Ich weiß inzwischen, dass es fruchtet. Ich erkenne bisweilen auch dieses oder jenes, das es zu unterbinden gilt, und wenn ich selbst noch einen weiten Weg vor mir haben sollte, um meine am höchsten gesteckten Ziele zu erklimmen, nehme ich jetzt in meinen Gedanken mit auf diesen Weg: Auch kleine Erfolge sind Erfolge und in der Summe nähert sich das Ziel.

Gehen wir ferner davon aus, dass wir beim Reden und Handeln nicht unbedingt gedankenfrei, sprich gedankenlos die Sache angehen, wir denken doch nach, sollte man zumindest erwarten können, bevor wir etwas in Worte fassen, ausdrücken oder etwas durch Handlungen beeinflussen und verändern wollen, so können wir genauso den Fall setzen, dass nicht sehr viel Sinnvolles geschieht, ohne vom Gehirn ausgehende, interpretierbare Impulse zu bekommen, denke ich.

Alles findet seinen Anfang in den Gedanken. Weiteres wird, wie wir alle wissen, dadurch in Gang gesetzt und nur wir selbst sind befähigt, entweder entsprechende Voraussetzungen zu schaffen für Fortentwicklungen dieser Gedanken im Sinne von „ins Leben rufen“ oder sie erst gar nicht zur Geltung kommen zu lassen, sie im Ursprung, in der Entstehung bereits zu ersticken. Diese Vorgehensweise freilich vollkommen zu beherrschen, wäre eine Idealvorstellung, würde vielmehr mit der Befähigung eines Buddhas gleichwertig einhergehen.