Sterben - Karl-Heinz Haselmeyer - E-Book

Sterben E-Book

Karl-Heinz Haselmeyer

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Beschreibung

Schon jenseits der durchschnittlichen Lebenserwartung denkt der Autor, ausgelöst durch den Tod seiner Schwester, über das Unausweichliche nach. In vergangenen Jahren musste er erleben, wie unterschiedlich das Sterben sein kann. Der Tod selbst, das Ende der eigenen Zeitlichkeit hat für den Autor keinen Schrecken, er sieht ihn als eine notwendige Symbiose des Lebens.

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Seitenzahl: 30

Veröffentlichungsjahr: 2026

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aufgeschrieben

im November 2022

erweitert im November 2025

Durch gefallene Blätter schreiten, den Winden lauschen und ziehende Wolken mit Wünschen beladen, das Leben genießen - wo beginnt das Sterben?

Jeder Anfang enthält ein Ende, eigentlich ist damit schon alles gesagt.

Wenn berichtet wird, dass ein Mensch im Sterben liegt, meint man, er ist am Ende seines Lebens. Das ist aber nur ein Teil der Bedeutung dieses Wortes. Sterben ist Teil des Lebens, ohne Leben ist kein Sterben und ohne Sterben ist kein Leben.

Das Sterben wie das Leben kann qualvoll sein, dennoch ist es unser einziger wirklicher Besitz.

Wie kommt es dazu, dass ich mir Gedanken über das Sterben mache? Es ist nicht die Nähe zum Tod, immerhin habe ich schon über 85 Jahre gelebt, bald sind es 86 Jahre, mehr als die durchschnittliche Lebenserwartung, aber ich fühle noch kraftvolles Leben. Dennoch bin auch ich in der meisten Zeit ein wenig gestorben. Es macht mich glücklich, dass trotz meines Alters das Leben noch überwiegt, dass ich mich lebendig fühle. Von mir aus kann der Tod noch sehr lange warten. Aber schrecken kann mich der Tod nicht, er gehört zum Leben und ist eine notwendige Metamorphose.

Zum wirklichen Begreifen müsste man die Zeit verstehen - wer kann das schon? Aber ich kann ein notwendiges Ende akzeptieren.

Die christliche Vorstellung von einem Jenseits als eine Unendlichkeit ist mir unannehmbar und das nicht nur, weil ich den Begriff „Unendlichkeit“, wie er dabei zum Ausdruck kommt, nicht anerkenne.

Anlass für meine Reflexionen war der Tod meiner Schwester. Wir standen uns recht nah. Sie war 4,5 Jahre älter als ich. In späteren Jahren realisierte ich, wie stark sie teilweise zurückgesetzt wurde und wie sehr ich von allen Familienmitgliedern bevorzugt wurde, von den Eltern, den Großeltern, aber auch von ihr selbst. Sie nahm es bescheiden und ohne Proteste hin, dass ihr kleiner Bruder meist im Mittelpunkt stand. In unserer Jugend, als ich mit 14 Jahren herangewachsen war, machten wir viele Radtouren zusammen und zelteten im Harz, an der Weser und am Edersee. Wir gingen gemeinsam zum Tanzen und der kleine Bruder brachte seiner großen Schwester das Tanzen bei. Bei der Gelegenheit lernte sie ihren späteren Mann kennen, und als sie dann heiratete, zog sie mit ihm in den Westen Deutschlands. Nun sahen wir uns nur noch bei einigen Besuchen, aber der Kontakt riss nie ab. Sie bekam drei Kinder und musste sehr viel mitarbeiten, sie hatte die größere Last zum Lebensunterhalt zu tragen. Ich hatte es sehr viel bequemer, dadurch ein viel gesünderes Leben und im Alter eine bessere Gesundheit. Nach Operationen und den damit verbundenen Vollnarkosen begann ihr Vergessen. Sie konnte sich kaum noch an ihre Jugend erinnern und wurde teilnahmslos. Ihr Sterben begann zu früh und sie begann, sich zu verlieren.

Meine Besuche bei meiner Schwester wurden mir zur Qual. Es bestand noch die alte Zuneigung, aber wir hatten uns nichts mehr zu sagen, sie hatte ihre Vergangenheit verloren und nahm Neues nicht mehr auf. An ihr machte ich meine Erfahrung, dass unser Sterben sehr viel früher einsetzt als kurz vor dem Tode.

Das Sterben kann ein leidvoller schwerer Kampf sein. Mein Vater hatte ein Pankreaskarzinom und verweigerte eine Operation. Er lebte mit seiner zweiten Frau fast 500 Kilometer von mir entfernt. Als er in eine Klinik eingeliefert wurde, war sein Blutzuckerspiegel völlig entgleist, was sich nur mit fehlender ärztlicher Kontrolle erklären lässt. Er war nicht mehr bei Besinnung und tobte so sehr, dass er fixiert werden musste. Kurz vor seinem Tode verlangte mein Vater nach seinem Sohn. Als ich