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Ist die Wirklichkeit unserer Erkenntnis zugänglich, oder formt unsere Wahrnehmung eine eigene persönliche Wirklichkeit? Diese Frage findez nach der dargelegten Autorenmeinung eine schlüssige Antwort, aus deren Perspektive Aspekte unserer Wahrnehmung eingehend geschildert werden.
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Seitenzahl: 39
Veröffentlichungsjahr: 2026
Ich habe mir dieses schwierige Thema nicht vorgenommen, weil ich meine, die nötige Kompetenz dafür zu haben, sondern weil mich diese Gedanken schon über viele Jahre beschäftigt haben. Aus Gesprächen weiß ich, dass auch andere Menschen mit den Grenzen unserer Begrifflichkeit Schwierigkeiten haben.
Das Wissen der Menschheit ist in wenigen Jahrzehnten exponentiell angewachsen und das hat dazu geführt, dass wir viele der Fachtermini nicht wirklich mit Inhalt füllen können. Wir leben in einer geistigen Welt, die sich unsere Sinne aufgebaut haben und die auf Begreifen angewiesen ist. Abgeleitete und komplexe Inhalte müssen wir uns in Bildern unserer Erfahrungswelt zugänglich machen. Aber das, was wir Wirklichkeit nennen, ist sehr viel komplexer, als unsere Bilder jemals fassen können.
Es müssen nicht gleich so abstrakte Bezeichnungen wie zum Beispiel die Unendlichkeit sein, die sich unserem Verständnis entziehen. Viele Begriffe verwenden wir in unserem täglichen Leben, ohne ihren Inhalt genau definieren zu können.
So gehört die Zeit zu den Grundbegriffen unserer Anschauungen, ohne dass jemand befriedigend erklären könnte, was Zeit ist. Fragen Sie einmal jemanden, wie lange eine Gegenwart dauert, wie schnell ein Wechsel zwischen Vergangenheit und Zukunft ist.
Für unsere eigene Existenz, für das Leben und den Tod, müssen wir uns einfache Analogien bilden. Religionen werden dazu herangezogen und geben Antworten in Bildern ihrer Glaubensvorstellungen.
Die Wissenschaften sind auf Modelle angewiesen, die sich unseren Sinnen nicht unmittelbar erschließen und sich erst durch Ableitungen in unsere Erfahrungswelt einordnen lassen.
Was sind „Felder,“ was sind „Wellen“, die auf Sichtschirmen so einprägsam anzusehen sind? Was ist Magnetismus? Was sind „Anziehung und Abstoßung“? Wir handhaben diese Begriffe mit Erfolg, verwenden sie, um unsere Technik auszubauen. Wir verstehen sogar, was damit gemeint ist, aber wirklich begreifen wir nur unsere abgeleiteten Analogien, unsere einfachen Modelle aus unserer Erfahrungswelt.
Sicher, wir haben diese Begriffe in unser Denksystem eingeführt und gebrauchen sie ganz selbstverständlich. Nur in seltenen Momenten spüren wir, dass wir gesicherte Begriffe verlassen haben und im Glauben gelandet sind. Verwirrt begreifen wir dann, dass wir oft selbst nicht ganz genau wissen, wovon wir reden.
Ein umfassender Ausdruck für alle Daseinsformen der Materie mit allen wirkenden Kräften ist Wirklichkeit.
Gibt es die Wirklichkeit und ist es unserer Erkenntnis möglich, zu ihr vorzudringen?
Statt diese Frage zu beantworten, sage ich:
Die Anschauung gibt die Bedeutung.
Das ist zunächst ein seltsamer Satz, dessen Sinn sich aber im Weiteren zeigen wird.
Ich vermute, nein, ich bin mir darin ganz sicher, ein Objekt ist auch dann da, wenn es nicht wahrgenommen wird. Da es dafür keinerlei Gegenbeweis gibt, ist es für mich ein Fakt.
Aber was nicht wahrgenommen wird, hat für unsere Erkenntnis keinerlei Bedeutung.
Erst in Verbindung mit einem Subjekt gewinnt ein Objekt Bedeutung.
Warum ist die Bedeutung so wichtig?
Wir wollen erkennen und im Erkennen bekommt das Objekt für uns eine Bedeutung. Anders gesagt, wir müssen Phänomene wahrnehmen, dann erlangen sie die uns gemäße Bedeutung.
Ist das verständlich?
Vereinfacht ausgedrückt: Ohne Subjekt kein Objekt. So verkürzt ist es sicher nicht mehr ganz richtig und gilt nur für den hier angeführten Kontext.
Oder noch einmal, weil Worte so redundant sein können, anders formuliert: Ein Objekt kann für unsere Erkenntnis keine Bedeutung haben, ohne dass wir diese a priori mit unserer Aufmerksamkeit hineingelegt hätten.
All diese Aussagen sagen dasselbe aus, aber sind sie richtig?
Könnte ein Objekt, ohne dass es wahrgenommen würde, eine Form haben?
Erst scheint es so, doch dann muss man feststellen, dass Formen etwas sind, was unsere Anschauung vorgibt.
Könnte es sein, dass ein Objekt einen Raum einnimmt?
Sicher, aber ein Raum ist eine von Menschen gedachte Dimension.
Länge, Breite, Höhe, Ausdehnung, alles das sind unsere Festlegungen.
Könnte ein Objekt auf ein anderes Objekt einwirken und mit ihm interagieren?
Auch das, aber damit das für uns eine Bedeutung hat, benötigt es unsere Anschauung.
Oft sind die Zusammenhänge zwischen Objekten und der Wahrnehmung sehr komplex. Für unsere Anschauung sind viele Festlegungen aus der menschlichen Erfahrungswelt notwendig, die einander gegenseitig bedingen (Masse, Bewegung, Impuls, Festigkeit, Raum und Zeit).
Aber Bewegungen und Übertragungen von Energie finden doch ohne unsere Aufmerksamkeit statt, müssen stattfinden, sonst gäbe es keine Veränderungen.
Auch das ist richtig, wir nennen es Leben, aber - wie nun schon oft gesagt - ohne unsere Wahrnehmung ist es für unsere Erkenntnis ohne Bedeutung.
Das ist nicht leicht zu akzeptieren, denn wir leben in einer Erfahrungswelt, eine andere Welt gibt es für unser Bewusstsein nicht.
Unsere Erfahrungswelt ist nicht deckungsgleich mit der Wirklichkeit. Es gibt sie, die Wirklichkeit, daran ist nicht zu zweifeln und sie wirkt fortlaufend, doch wenn wir sie nicht wahrnehmen, wirkt sie ohne unsere Erkenntnis.
Ist unsere Erfahrungswelt nicht Teil der Wirklichkeit?
Sie ist der Teil, den wir der Wirklichkeit hinzufügen, um sie uns zu erschließen.
