9,99 €
Die Frachterkapitänin Trilby Elliot rettet den Soldaten Rhis Vanur nach einer Notlandung auf einem unbewohnten Planeten. Schon bald stellt sich heraus, dass sie einen gemeinsamen Feind haben, der sie am liebsten tot sähe. Nur gemeinsam kann es ihnen gelingen, zu überleben. Und Trilby muss sich eingestehen, dass der attraktive Rhis sie alles andere als kalt lässt.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 597
Veröffentlichungsjahr: 2013
LINNEA SINCLAIR
Sternenjagd
Roman
Ins Deutsche übertragen von
Martin Grundmann
1
Die Alarmsirene der Careless Venture ging los und erfüllte die Höhle mit einem gellenden Heulton. Trilby Elliot sprang auf und stieß dabei versehentlich ihre provisorische Werkbank um. Das Ultraschallschweißgerät und die Kabel der Steuereinheit polterten krachend zu Boden.
Sie stürmte zur Rampe ihres Frachters. Über ihr geriet ein Nest aus dem Schlaf gerissener Blutfledermäuse in Aufruhr: Wie ledrige kleine Raketen schossen die Tierchen aus ihrer Felsspalte und wirbelten panisch um sie herum. Kreischend flohen sie dann durch die breite Höhlenöffnung in die lavendelblaue Dämmerung hinaus.
Als sie die Rampe erreichte, zischte am Himmel ein silbern blitzendes Objekt vorbei.
»Mist, Mist, Mist.« Ein anderes Schiff. Das bedeutete garantiert großen Ärger. Und selbst kleinen Ärger konnte sie im Moment ganz und gar nicht gebrauchen.
Sie sprintete durch die Luftschleuse.
Durch den Mittelgang des Frachters wand sich ein Gewirr schwarzer Kabelschlangen, buckelte über die offene Einstiegsluke und führte zur Brücke. Sie rannte hin, ohne auf die Kabel zu treten, und schlug auf einen Knopf. Der Alarm brach ab. Ein Druck mit dem Daumen aktivierte das Intracom. »Dezi, wir haben Besuch! Übernimm die Brücke.«
»Schon auf dem Weg, Captain.« Die gelassene Stimme kam von drei Decks tiefer, aus der Wartungseinheit.
Wenn Dezi sehen könnte, was sie hier oben sah …
Die Lichter flackerten in furiosem Stakkato auf dem Scannerschirm. Ominöse Datenreihen wanderten über den Monitor, doch sie blieben nervtötend lückenhaft. Das hereinkommende Schiff war offenbar klein, aber Trilbys fehlerhaftes Equipment verweigerte die Herausgabe genauerer Daten. Vielleicht war es ein konklavischer Aufklärer, es konnte aber auch eine Piratensonde sein. Oder die Vorhut eines Kriegsgeschwaders von Gott weiß woher.
Aus dem Gerätespind schnappte sie sich Fernglas und Lasergewehr und knipste das Intracom wieder an. »Der Hauptscanner streikt immer noch. Ich geh raus und schau mir das an.«
Gelassene Zustimmung, genau wie zuvor. Guter alter Dezi.
Eine Wand aus heißer Abendluft stemmte sich ihr entgegen, als sie durch die hohe Höhlenöffnung nach draußen trat. Sie hockte sich zwischen ein Geflecht aus verhakten Dornenpalmen und ein paar moosbedeckte Felsbrocken und scannte mit dem Fernglas den Himmel ab. Die blendenden Strahlen der bereits tief stehenden Sonne bissen ihr gnadenlos in die Augen.
»Verdammt!« Sie streifte mit dem Daumen über den Autofilter. Nichts geschah. Der Filter klemmte – mal wieder. Sie schlug sich das Fernglas kräftig gegen die Hüfte, dann versuchte sie es erneut.
Die Okulare wurden einen Moment lang trüb, dann justierte sich das Gerät. Sie schwenkte über den Horizont auf der Suche nach irgendetwas, was sich bewegte, und lauschte, ob was anderes zu hören war als das dichte Schweigen des Dschungels und ihr hämmerndes Herz. Fünf Minuten vergingen. Schweißflecken verpassten ihrem schmutzig-grünen T-Shirt ein Zufallsmuster.
Da! Ein Flackern, ein metallisches Schimmern. Sie hielt mit dem Fernglas drauf. Das Bild stellte sich schärfer, bis sie es erkennen konnte. Was sie sah, jagte ihr einen Schauer über die verschwitzte Haut. Ein Tark, ein hochgerüsteter ’Sko-Fighter. Seine unverwechselbare Silhouette mit den geschwungenen Flügeln zeichnete sich deutlich vor dem schwindenden Sonnenlicht ab.
Schnell machte sie einen 360er-Rundscan. Der Rest des Geschwaders musste hier auch irgendwo sein. Was heißen würde, dass es im Orbit ein Mutterschiff gab. Irgendwo. Und irgendwo war ein Ort, in dessen Umgebung man sich besser nicht aufhielt, wenn die ’Sko im Spiel waren.
Doch am rötlich eindunkelnden Himmel zeigte sich nichts. Nichts außer dem einsamen Tark.
Der ’Sko-Fighter blitzte hin und wieder zwischen den lavendelfarbenen Wölkchen auf, trudelte dahin wie ein verschrecktes Fabelwesen, das auf einer Eisscholle reitet. Selbst besoffen flog Trilby besser als der da. Dann trat der Fighter aus einer Wolkenbank hervor, und sie sah die unmissverständlichen Spuren von Lasereinschüssen an der Ladeflanke. Jetzt war klar, warum das Ding durch den Orbit eierte wie eine volltrunkene Möwe.
Das war gar kein Angreifer, das war die Beute.
Sie scannte ein weiteres Mal den Himmel ab. Eine konklavische Grenzpatrouille konnte ihre elektronische Signatur vermutlich orten. Dann würde sie einiges zu erklären haben. Und ganz zweifellos einen Batzen hinblättern müssen, den sie nicht hatte. Aber der Scan ergab nichts.
Auf einmal sackte der Tark so dicht auf den Dschungel hinab, dass sie unwillkürlich den Atem anhielt und auf das Geräusch des Aufschlags wartete.
Es kam als schrilles, kreischendes, berstendes Klanginferno – Metall auf feuchtem Holz, dann Metall auf Stein. Auf einem der wenigen Flecken, die nicht von Avanars berüchtigten Sümpfen bedeckt waren, kam der Fighter mit einem bohrenden Knirschen schließlich zum Halt. Trilby war aufgesprungen und beobachtete das Gelände mit ihrem Fernglas, jetzt auf Nachtsicht gestellt. Die ersten orangegelben Flämmchen züngelten in den Nachthimmel. Ein paar Minuten später roch sie eine Spur beißenden Qualms, unsichtbar im schwindenden Licht.
Noch einen 360er-Rundscan. Eine Patrouille der Konklaven wäre längst hier. Aber der Himmel war leer. Und ruhig.
Ihr Atem und ihr Herzschlag normalisierten sich. Ein verschlagenes Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Der Status des Tarks hatte gerade von Bedrohung auf Profit gewechselt.
Sie schätzte, die Absturzstelle war gut zwei Meilen entfernt. Weit, aber nicht zu weit. Nicht für eine Bergung. Bei einem konklavischen Schiff in Not hätte sie längst laut nach Dezi gebrüllt, er solle den Scooter mit einem Erste-Hilfe-Set beladen.
Das hier war ’Sko. Was, soweit sie und jeder andere Kapitän unabhängiger Frachter informiert waren, lediglich ein anderes Wort für intergalaktischen Müll war.
Zwar kostspieliger – und gefährlicher – intergalaktischer Müll, aber letztlich eben doch Müll.
Sie ging ihre Möglichkeiten durch. Die Sonne war gänzlich verschwunden, die Nachtluft strich feucht und schwer um ihre nackten Arme. Der erste der drei Monde Avanars ging auf, blass und träge.
Nicht die besten Bedingungen, um einen Bergungsversuch zu starten, insbesondere, da es sich um einen ’Sko-Fighter handelte. Wenn sie bis morgen wartete, wäre das Feuer an der zerstörten Seite des Tarks sicher erloschen, das Metall wäre schon abgekühlt. Und der ’Sko-Pilot, falls verletzt, würde dann stark geschwächt sein oder vorzugsweise tot. Tot wäre schön. Jeder wusste, dass ein verletzter ’Sko noch blutrünstiger war als ein gesunder. Sie sollte wirklich besser bis morgen warten, allerdings würde sie dann mit den unerbittlich hohen Temperaturen zu kämpfen haben.
Als sie wieder zum ’Sko-Fighter blickte, sah sie das Feuer ausgehen. Gelöscht, vermutlich von einem automatischen Brandschutzsystem.
Das war gut. Das war sogar besser als gut, korrigierte sie sich. Ihr wurde klar, dass sie sich gerade entschlossen hatte, dem abgeschmierten Tark umgehend einen Besuch abzustatten. Trotz der einbrechenden Nacht und des ungewissen Zustandes des Piloten.
Dies war die Lösung für all ihre Probleme. Da das Feuer gleich nach dem Absturz gelöscht worden war, sollte aus dem Tark noch einiges herauszuholen sein. Einiges, was sich in Port Rumor oder Bagrond verkaufen ließ. ’Sko-Komponenten waren schwer zu kriegen und brachten mehr als anständiges Geld, selbst wenn sie aus einer Bergung stammten.
Anständiges Geld aber war Trilby zurzeit nicht vergönnt. Und selbst die Versorgung mit unanständigem Geld befand sich auf gefährlich niedrigem Niveau.
Sie drehte sich um und sah das Blitzen von Dezis sehr menschlich geformter Metallhülle. Der DZ-9-Androide wartete am Fuß der Rampe der Venture. Der voluminöse Frachter wölbte sich fast schützend über ihn. Sie hatten mitten in Reparaturarbeiten gesteckt, als der Alarm einsetzte.
»Sieht aus, als könnten wir Beute machen«, erklärte sie dem Droiden, als sie die schwingende Metallrampe hochstapfte. »Mach zwei Transport-Scooter mit Ladepaletten bereit. Ich besorge uns noch was zum Einheizen, für den Fall, dass wir unerwünschten Besuch bekommen.« Sie klopfte ihm auf die angelaufene Schulter, als sie vorbeiging. »Danke, Dez.«
»Keine Ursache, Captain. Es ist mir immer ein Vergnügen.«
Sie duckte sich durch die Luftschleuse und musste grinsen, als Dezis Stimme in ihr nachklang. Noch vor vier Monaten hatten solche kleinen Höflichkeiten zu massiven Auseinandersetzungen mit Jagan geführt. Denn Jagan hatte sich immer an ihrer Angewohnheit gestört, Dezi zu danken. Aus seiner Sicht waren Droiden Dinge, und Dinge bedurften keiner Anerkennung.
Aber sie musste sich ja nicht länger mit Jagan Grantforths Ansichten beschäftigen, sondern konnte tun und lassen, was sie wollte, egal wie unbesonnen und unverantwortlich es war. Oder wie auch immer Jagan und seine Mutter ihre Art zu leben betitelt hatten.
Sie sah immer noch sein hübsches, arrogantes Gesicht in seiner letzten Nachricht vor sich: »Mutter hat es ja immer schon gesagt. Du bist nichts weiter als zweitklassiger Müll aus Port Rumor.«
Immer noch besser als erstklassiger Müll aus Bagrond, hatte sie ihm entgegnen wollen, es dann aber gelassen. Er hätte es nicht verstanden. An diesem Punkt ihrer Beziehung, so wurde ihr klar, sprachen sie nicht einmal mehr dieselbe Sprache.
Sie schüttelte die unangenehmen Erinnerungen energisch ab, zog ihre verschlissene Jacke aus dem Schrank und machte sich auf die Suche nach einer Laserpistole, die halbwegs funktionstüchtig war.
Dann eilte sie die Rampe hinunter und traf auf Dezi, der sich über den Zustand der Transport-Scooter beschwerte.
»Ich fürchte, Captain, die Standkufen dieser Einheit müssen dringend überholt werden. Sehen Sie nur diese Strebe, vollkommen verrostet. Wenn man sie mit etwas belastet, das schwerer ist als ich …«
Sie seufzte. »Ich setz es auf die Liste, okay? Aber die Scooter müssen warten, bis das Com-Pack wieder online und der Backbordscanner ausgetauscht ist. Scooterstreben nützen wenig, wenn es darum geht, möglichst alle ’Sko-Nester zwischen hier und Port Rumor zu meiden«, sagte sie und bestieg breitbeinig den klotzigen Scooter.
»Ich habe nur einen Vorschlag gemacht, Captain. Für die Zukunft, gewissermaßen.«
»Ich weiß deine Umsicht zu schätzen, glaube mir.«
»Vielen Dank. Ich bemühe mich immer …«
»Dezi.«
Der Droide richtete seinen mattierten Kopf auf und sah Trilby an. »Ja?«
»Lass uns loslegen. Auf uns wartet ein Wrack.«
»Oh, ja. Natürlich. Ich war ja auch gerade im Begriff …«
Aber Trilby hatte ihren Scooter bereits gestartet und aktivierte den Antischwerkraftantrieb. Dann flog sie über die Felsenklippe davon und war schon außer Sicht, als Dezi ihr noch erklärte, was er zu tun gedachte. Also tat er es.
Sie landete den Scooter so nah wie möglich bei dem schwelenden Wrack. Der ’Sko-Fighter hatte eine gut sechs Meter breite und an die fünfundzwanzig Meter lange Bresche in den Dschungel planiert, bevor ihn schließlich ein Wäldchen miteinander verknoteter Haarpalmen gestoppt hatte. Einer der bronzefarbenen Giganten war zur Seite geknickt, die lang herabhängenden Palmwedel rußig und angekokelt von den Flammen des ausgebrannten Tark-Triebwerks. Beim Näherkommen erhellte das Licht ihrer Kopflampe die Szene. Sie entsicherte ihre Pistole.
Der schnittige Fighter hatte sich in den weichen Boden gebohrt, die Steuerbord-Schwinge war vom Rumpf abgetrennt, die Backbord-Schwinge von ein paar weiteren Palmen durchbohrt worden. Aber davon abgesehen befand sich der Tark in erstaunlich gutem Zustand. Sie wusste nicht, ob sie dafür den Piloten oder die Flugautomatik loben sollte.
Sie schaltete ihre Lampe auf Flutlicht und leuchtete das Wrack ab. Dezi kam gerade recht.
»Du fängst achtern an. Ich schau mich hier um.« Sie schnappte sich eine Taschenlampe aus dem Werkzeugkoffer des Transport-Scooters und strahlte das Cockpit der Tark an. Das Kabinendach war abgefetzt, das Cockpit lag offen und ungeschützt da. Sie bereitete sich innerlich auf die unausweichliche Begegnung mit zerfleischten Überresten in einem Fliegeroverall vor. Sie konnte keinen Hinweis auf einen Notausstieg entdecken, der Pilot hatte offenbar keine Chance gehabt, dem Inferno zu entkommen.
Doch das Cockpit war leer. Ihre Gedärme schlugen einen Purzelbaum. »Na, toll«, fluchte sie leise. Dann rief sie: »Dezi, hierher, schnell!«
Sie hörte seinen stampfenden Schritt näher kommen. »Kann ich irgendwie helfen?«
»Gib mir Deckung.« Sie wechselte die Taschenlampe in die linke Hand und brachte mit der rechten die entsicherte Pistole in Anschlag. »Unser ’Sko-Pilot ist stiften gegangen.«
Der Droide trat einen Schritt näher und begutachtete die Leere im Cockpit. »Äußerst ungewöhnlich.«
»Erzähl das dem Piloten, wenn wir ihn finden. Da drin ist er nicht, was bedeutet«, sie fuchtelte mit der Taschenlampe in alle Richtungen, »dass er – oder sie – da draußen ist. Irgendwo.«
Die Nacht schien in sie einzudringen. Das fahle Gelb der drei Monde machte die Schatten lang, die im Licht der sich bewegenden Taschenlampe gespenstisch umhertanzten.
Irgendwer oder irgendwas war da draußen, und es war ’Skobewaffnet und ’Sko-ausgebildet. Sie lauschte angestrengt, ob sie außer ihrem Herzschlag und dem leisen Quietschen von Dezis Bolzen irgendetwas wahrnahm. Sie verfluchte sich, weil sie sich keinen Datalyzer an den Waffengürtel geklemmt hatte. Aber der Lebensform-Scanner gehörte zurzeit ohnehin eher auf den Haufen kaputter Ausrüstung.
Okay, Leben und Lernen. Hoffentlich blieb ihr genug von Ersterem für Letzteres.
Sie leuchtete ein weiteres Mal über das Gelände, ließ das Licht in die Nacht eindringen auf der Suche nach dem verräterischen Rot der ’Sko-Uniformen. Blutrot, wie die Gemetzel, die sie anrichteten, wenn sie Handelsstationen, Minenkolonien oder Frachtschiffe verwüsteten. Die ’Sko gewannen immer, weil sie ausnahmslos alles abschlachteten, was ihnen im Weg war, ihre eigenen Verwundeten eingeschlossen.
Trotz der heißen Nacht fröstelte sie ein wenig. Warum bist du nicht tot, du verdammte Ausgeburt irgendeines pillorischen Flittchens. Sie hatte den verdammten ’Sko schließlich nicht darum gebeten, in ihrem Vorgarten zu landen. Aber jetzt war er gelandet, und da Trilby, soweit sie wusste, das einzige fühlende Wesen auf dieser Welt war, lagen die Bergungsrechte unabdingbar bei ihr.
Wer’s findet, darf’s behalten. Das lohnte das Risiko.
Außerdem brauchte sie das Geld wirklich dringend. Nur die nackte Verzweiflung konnte jemanden dazu bringen, nachts im avarischen Dschungel herumzukriechen und nach einem – so Gott es wollte und sie Glück hatte – toten ’Sko zu suchen.
Zuerst entdeckte sie seine Stiefelsohlen. Reglos verharrte sie. Ein Mann, der Schuhgröße nach. Ihr Taschenlampenstrahl wanderte seine uniformierten Beine hinauf. Schwarz, die Uniform, nicht rot.
Die Gestalt rührte sich nicht.
»Dezi!«
Die dumpfen Schritte eilten herbei, diesmal deutlich schneller.
»Offenbar haben Sie ihn gefunden, Captain.« Der Droide leuchtete den Rücken des Mannes an und ließ den Lichtstrahl dann aufwärts wandern bis zu einem schwarz behaarten Kopf. Der Pilot schien aufs Gesicht gefallen zu sein, die Arme schräg nach oben ausgestreckt.
»Er ist doch tot, oder?«, fragte Trilby hoffnungsvoll.
Dezi beugte sich über den Kopf des Piloten. »Im Moment noch nicht. Es gibt schwache Anzeichen von Atmung.«
»Zur Hölle.« Trilby hockte sich neben den Piloten und betrachtete im fahlen Licht ihrer Lampe sein Profil. Das hohe Gras verdeckte fast alles bis auf eine dunkle Braue und ein geschlossenes Auge. Auf seinem Wangenknochen hatte sich bereits ein violetter Bluterguss gebildet.
Sie zerrte am dunklen Stoff des Jackenkragens und legte ein schwarzes T-Shirt frei mit edel grau schimmerndem Rautenmuster am Bündchen. Sie schob die Hand unter den Kragen und fühlte nach dem Puls. Er ging regelmäßig.
Wieder fluchte sie. Leise diesmal. »Ich kann … wir können ihn hier nicht einfach liegen lassen.«
»Captain, ich muss dringend davon abraten, einen Ycsko …«
»Das ist kein ’Sko.« So viel war sicher, da es sich offenkundig um einen Menschen handelte. Die ’Sko hingegen … nun ja, niemand wusste ganz genau, was die ’Sko eigentlich waren. »Das hier ist ein Zafharier, der Uniform nach zu urteilen.«
»Das Imperium. Ja, natürlich. Das ist etwas anderes.«
War es das tatsächlich?, fragte sich Trilby, als sie und Dezi den bewusstlosen Körper vorsichtig auf die ausgefahrene Ladefläche des Transport-Scooters hievten. Das Imperium und die Konklaven, zu deren Bürgern rein formal auch sie gehörte, waren Rivalen. Ihre offizielle Handelspartnerschaft erzeugte bloß eine dünne Lackschicht zivilen Umgangs miteinander. Davor aber waren sie erbitterte Feinde gewesen. Das Ende des Imperial-Konklav-Krieges lag erst drei Jahre zurück.
Sie war nicht sonderlich politisch, aber sie war auch nicht blöd. Das zafharische Imperium besaß gewaltige Macht. Wäre nicht der Aufstieg der ’Sko-Aggressoren dazwischengekommen, hätten sie schon vor Jahren das gesamte Konklaventum ausgelöscht.
Ein seit drei Jahren währender Waffenstillstand besagte, dass sie in dem Mann auf der Ladefläche keinen Feind mehr zu sehen hatte.
Aber sie konnte trotzdem vorsichtig sein. Sehr, sehr vorsichtig.
Er war ihr, ermahnte sie sich, immerhin direkt auf die Türschwelle gelegt worden, und zwar mit freundlichen Grüßen von den Ycsko. Das allein bedurfte schon einiger Erklärungen.
Das Medistat auf der kleinen Krankenstation der Venture diagnostizierte ihren Gast als »unbekannt, männlich, humanoid« und sonst fast nichts. Trilby verfolgte, wie Dezi die Daten von der kaum funktionierenden Einheit ablas.
»Wie übel ist der Kerl dran? Mir reicht ein grober Überblick«, fügte sie schnell hinzu, bevor Dezi loslegen konnte. »Ich weiß, es gibt keine genauen Angaben.«
»Ein paar Schnittwunden, aber es sieht nicht nach großem Blutverlust aus. Eine leichte Gehirnerschütterung. Und außerdem ein paar merkwürdig unregelmäßig verteilte innere Verletzungen, oder die Messungen sind falsch. Sein Gesamtzustand ist jedoch stabil.«
»Dann liegt es an der verdammten Medistat-Einheit. Irgendein Hinweis darauf, mit wem wir es hier zu tun haben?«
Dezi tippte auf eine Taste. »Mensch, männlich, Anfang vierzig, ein Meter neunzig groß, siebenundneunzig Kilogramm schwer. Keine Tattoos oder sichtbare Untergewebe-Chips, somit keinerlei ID.«
»Aha, der große Unbekannte, was? Zieh ihm die Stiefel aus. Ich übernehme Jacke und T-Shirt.« Die Kleidung befand sich in noch schlechterem Zustand als ihr Besitzer. Die Jacke hatte auf der ganzen linken Seite Laserverbrennungen, und durch das T-Shirt zog sich vorn ein langer Riss.
»Die Hose auch. Für die Regeneration muss er … oh! Möchten Sie lieber, dass ich den Patienten ausziehe, Captain?«
»Ich hab schon mal einen nackten Mann gesehen. Aber danke, dass du meine Jungfräulichkeit verteidigst.« Sie grinste den Droiden an. »Auch wenn das etwas zu spät kommt.«
So behutsam wie möglich streifte sie dem Piloten die Jacke herunter und zog ihm das T-Shirt aus. Eine Reihe dunkel angelaufener Quetschungen zierte seine linke Schulter und zog sich bis unter die dichten schwarzen Locken, die seinen Oberkörper umflossen. Die Blutergüsse verunstalteten einen gut muskelbepackten Körper, der wesentlich jünger wirkte, als das Medistat bestimmt hatte. In den dreiunddreißig Jahren ihres Lebens hatte sie reichlich Linien- und Frachtschiffoffiziere kennengelernt und wusste, dass es weder den Bauch flach noch die Schultermuskeln stramm hielt, stundenlang am Steuer zu sitzen – ganz zu schweigen von den noch viel mehr Stunden Wartezeit zwischen Flügen auf einem Barhocker an irgendeinem Tresen.
Sogar Jagan war mit achtunddreißig um die Mitte herum aus dem Leim gegangen. Allerdings bezweifelte sie, dass Jagan jemals auch nur ansatzweise einen so durchtrainierten Körper besessen hatte wie diesen hier.
Sie und Dezi schwenkten die Regenerationsglocke über den Körper des Piloten und richteten sie aus. Vermutlich hatte sich das Medistat vertan. Vielleicht war er ein jüngeres Crewmitglied und gar kein Offizier, wie die Uniform vermuten ließ. Weniger Verantwortung und ein geringeres Einkommen brachten Untergebene oft dazu, mehr Zeit im Gym-Raum zu verbringen als in hochpreisigen Cocktailbars und feinen Restaurants.
Aber halt. Die Fältchen um seine Augen deuteten auf Umgang mit Anspannung und Stress hin. Sein Gesicht mit dem markanten Kinn und den dichten dunklen Augenbrauen wirkte befehlsgewohnt und streng. Nicht unattraktiv. Aber letztlich war die Strenge wahrscheinlich das, woran sich die meisten erinnern würden. Von Lachfältchen keine Spur.
Sie strich ihm eine Locke aus dem Gesicht und entdeckte noch mehr Blutergüsse, die zu dem Striemen auf dem Wangenknochen passten. Die Augenlider flackerten. Rasch zog sie die Hand weg, überrascht, dass er ihre Berührung gespürt hatte. Oder doch nicht? Die Regenerationsglocke dürfte ihn längst mit Schmerzstillern vollgepumpt haben. Seine Reaktion war sicher nur Zufall.
Sie erwog, die Betäubungsdosis manuell einzustellen, um für eine etwas länger anhaltende Bewusstlosigkeit zu sorgen. Allerdings spürte sie, wie ihre Neugier größer wurde als ihre Angst vor diesem zafharischen Offizier, ihrem einstigen Feind.
Im Moment sah es nicht so aus, als würde er demnächst splitternackt aus der Krankenstation ausbrechen und sie ums Schiff jagen.
Trotzdem, ein bisschen Vorsicht war wohl angebracht. Zumal sie drüben bei dem Wrack auf die Schnelle noch das eine oder andere zu erledigen hatte. Sie knöpfte den Gewehrriemen ab und warf die Waffe Dezi zu. Der Droide fing sie vorsichtig auf.
»Stell ihn ruhig, so lange du kannst«, sagte sie. »Sollte er doch aufwachen, dann mach ihm klar, dass du keinen Spaß verstehst.«
»Sehr wohl, Captain.« Dezi nahm Habachtstellung ein, als Trilby an ihm vorbeiging. Draußen im Korridor hörte sie ihn noch fragen: »Aber welchen Spaß soll ich denn nicht verstehen?«
Die tiefe Nacht auf Avanar, Heimat unzähliger tödlicher, nachtaktiver Reptilien, eignete sich schlecht für weitere Bergungsarbeiten. Sie startete ihren Scooter, dessen Ladefläche sie mit verwertbaren Komponenten des ’Sko-Fighters schwer beladen hatte, und machte sich im Dunkeln auf den Rückweg zum Schiff. Dort angekommen, nahm sie sich die Zeit, alles abzuladen und gut zu verstauen, dann schaute sie auf der Krankenstation vorbei, um zu erkunden, ob ihr Gast noch am Leben war.
War er. Zufrieden stapfte sie auf die Brücke, um die letzten Transportanfragen durchzugehen, die sie noch hatte runterladen können, bevor ihr Com-Pack mal wieder den Geist aufgab.
Die Anfragen versiegten allmählich. Nur vier in der letzten Woche, erst elf im ganzen Monat. Noch vor einem Jahr hatte sie weit über vierzig Anfragen im Monat gehabt.
Das Kleintransporte-Geschäft war echt im Eimer. Eine Serie von ’Sko-Überfällen hatte die Frequenz lohnender Aufträge dezimiert und in letzter Zeit praktisch ausgelöscht. Kaum jemand riskierte es noch, seine Waren Kleinfrachtern mit ihrer vorsintflutlichen Navigation und so gut wie wirkungslosen Abwehr anzuvertrauen. Schon gar nicht auf Routen durch Quadranten wie Gensiira, wo die konklavischen Grenzpatrouillen unterbezahlt, unterbesetzt und somit bestenfalls dekorativ waren. Sofern man überhaupt mal eine antraf.
Folglich gingen die Aufträge nun an die teureren, aber besser geschützten Mittelstreckenfrachter großer Gesellschaften wie Rinnaker, Norvind oder Grantforth Galaktik. Die konnten es sich nämlich leisten, Frachter und Frachtgut von privaten Sicherheitsdiensten eskortieren zu lassen. Und drängten damit kleine Anbieter wie sie aus dem Geschäft.
Schon schräg, ging es ihr durch den Kopf, wie parallel diese Entwicklung mit dem Verlauf ihrer Beziehung zu Jagan verlief. Sie hatten sich kennengelernt, als die Zeiten gut fürs Geschäft waren und einem die stetig eintrudelnden Aufträge ein angenehmes Auskommen sicherten. Er hatte etwa genauso viel von ihrer Aufmerksamkeit beansprucht wie die Transportagenturen. Aber dann fingen die Überfälle an, und Stück für Stück begannen die Agenturen auf ihre Dienste zu verzichten.
Und Jagan fing an, Verabredungen abzusagen.
Dann, vor vier Monaten, kam der Tiefpunkt.
»Wir können nicht mehr mit Unabhängigen arbeiten«, hatten die Agenturen gesagt.
»Ich werde Zalia heiraten«, hatte Jagan ihr gestanden.
Sie lehnte sich im Sessel zurück und massierte ihren Nasenrücken. Zum Teufel mit Grantforth. Zum Teufel mit den ’Sko. Sie atmete tief durch und fügte grimmig hinzu: Und zum Teufel mit Zafharia. Der Krieg gegen das Imperium hatte nach Regierungsangaben praktisch das gesamte Haushaltsbudget verschlungen. Also belegten sie alles und jedes mit irgendwelchen Steuern und Abgaben und verlangten noch Zuschläge auf die ohnehin überzogenen Lagergebühren in Quivera und Bagrond, ja sogar in solchen heruntergekommenen Raumhäfen wie Port Rumor. Und wenn sie einen erwischten, der sein Schiff ohne Genehmigung mit besseren Abwehrsystemen ausgestattet hatte, kassierten sie richtig ab. Zum Beispiel für LD-5-Torpedos, die sie eigentlich unbedingt brauchte. Hätte sie welche, würde sich das unter den Händlern herumsprechen und ihre Chancen, an Aufträge zu kommen, deutlich verbessern.
Aber die Lady-Fives würden ihr rein gar nichts nützen, wenn sie ihren Com-Pack nicht wieder in Bereitschaft brachte. Ihre Ausstattung war sowieso illegal: Reichweiteverstärker und Übertragungsentstörgeräte waren strikt verboten, für das Überleben in Gensiira aber unerlässlich.
Sie brauchte das Zeug einfach. Ihre Kunden mussten sich darauf verlassen können, dass sie sowohl den ’Sko als auch der Regierung immer einen Schritt voraus war. Der Speditionsvertrag mit Techplat bewies es: In Bagrond wartete ein vollgepackter Container Frachtgut auf sie. Sie musste bloß endlich mit den Reparaturen fertig werden.
Diese Tour würde das Geld für den neuen Triebwerkvorschub reinbringen, den sie letzten Monat hatte einbauen müssen. Wer eigentlich wovon ihr neues Com-Pack bezahlen sollte, darüber dachte sie im Moment lieber gar nicht erst nach.
Die nächsten zwanzig Minuten verbrachte sie mit dem Versuch, ihr fehlerhaftes Com davon zu überzeugen, sich mit dem neuen Reichweiteverstärker zu verbinden. Der Lohn waren nur neue Probleme, ein Wadenkrampf eingeschlossen.
Sie schob sich umständlich aus dem engen Leitungsschacht hinaus und trottete zur Krankenstation.
Dezi war immer noch auf Posten.
»Irgendwas Neues?«
»Nein, Captain. Er macht Fortschritte. Seine Werte normalisieren sich stetig.«
»Das klingt doch ermutigend. Allerdings frage ich mich, ob wir …«
»Nav! S’viek noyet.« Eine heisere, tiefe männliche Stimme unterbrach sie.
Trilby beobachtete, wie sich der Kopf des Mannes langsam hin- und herbewegte. Seine Atmung war deutlich kräftiger geworden. Er murmelte noch irgendwas, diesmal ganz leise. Auf dem Heilkissen, das seine Brust bedeckte, blinkte eine Reihe Lämpchen erst grün, dann gelb, dann wieder grün.
»Er hat Albträume.«
»Vielleicht eine Reaktion auf die Betäubungsmittel. Die Werte zeigen nichts Bedrohliches an.«
»Vielleicht nicht für ihn, Dez. Aber ich erkenne Zafharisch, wenn ich es höre. Es hat nie gut geklungen und wird auch niemals gut klingen. Auch wenn ich nicht die geringste Ahnung habe, was er gerade gesagt hat.«
Eine weitere Bestätigung für die real existierende konklavische Gleichgültigkeit gegenüber den Bedürfnissen der eigenen Bevölkerung. Das dringend benötigte Übersetzungsprogramm »Zafharisch – Standard«, ohne das es fast unmöglich war, sich auf den weiten Flugbahnen im Grenzgebiet zu bewegen, ließ seit über zwei Jahren auf sich warten.
»Ich muss gestehen, auch ich habe nicht viel Zafharisch vorrätig. Doch ich glaube, nav heißt nein.«
»Und vad heißt ja, und dharjas taf, viek musst du sagen, wenn du ein kaltes Bier haben willst. Falls er kein Standard spricht, sehe ich den Vorrat meines Kneipenvokabulars bereits bei der Frage nach seinem Namen zur Neige gehen. Oder nach seinem Rang. Oder wieso zum Teufel er hier in einem ’Sko-Fighter gestrandet ist.«
Trilby warf einen Blick auf die ramponierte schwarze Uniform, die sie in dem kleinen Zeugspind hinter dem Untersuchungstisch verwahrte. Sie hatte sie hin- und hergewendet auf der Suche nach irgendeinem Hinweis auf seine Identität. Die eher unwahrscheinliche Möglichkeit, eine Belohnung könnte auf seinen Kopf ausgesetzt sein, war ihr plötzlich in den Sinn gekommen. Und je höher der Rang, desto höher die Belohnung. Immer vorausgesetzt, das Imperium wollte ihn überhaupt wiederhaben.
Es war jedenfalls verdächtig, dass jegliche Hinweise auf seine Identität fehlten.
In den folgenden Stunden spielten Trilby und Dezi verschiedene Theorien um die Frage durch, wie ein zafharischer Pirat an einen ’Sko-Tark gekommen sein mochte.
Denn das war gar nicht so einfach.
Diese zwei Lager hassten sich gegenseitig mindestens so sehr, wie die konklavischen Handelsgesellschaften sie beide verabscheuten. Wenn nicht noch schlimmer. Seit Ende des Krieges gab es jedoch immer wieder Gerüchte über einen Machtwechsel. Man munkelte von Persönlichkeiten an der Spitze des zafharischen Imperiums, die willens waren, sich mit gewissen hochgestellten Persönlichkeiten der Ycsko an einen Tisch zu setzen.
Im Großen und Ganzen schenkte man solchen Gerüchten keine große Beachtung. Die Beteiligten waren schlicht und einfach inkompatibel. Die Ycsko gestalteten ihren Regierungs- und Verwaltungsapparat genauso wahnwitzig wie ihre Überfälle. Die paramilitärische Both Niyil bekriegte sich mit dem Lager der religiösen Dakrahl, die hatten es wiederum auf alle sechs Beffa-Handelskartelle abgesehen. Hochgestellte Häupter wurden etwa so regelmäßig gekrönt, wie Trilby ihren Flugplan zusammenstellte.
Die Zafharier waren zwar deutlich besser organisiert, aber nicht weniger gefährlich. Eine gradlinige, patriarchale Gesellschaft. Das Haus Vanurin herrschte seit über achthundert Jahren. Der jetzige Kaiser Kasmov regierte bereits einunddreißig Jahre. Sein ältester Sohn und seine Tochter bekleideten hohe Positionen im Council of Lords.
Vanurisches Blut regierte auch in der zafharischen Luftflotte. Der Oberbefehlshaber Lord Admiral Neville Vanushavor war Kasmovs direkter Cousin. Zwei seiner Söhne dienten im Rang von befehlshabenden Captains. Noch mächtiger als Vanushavors Söhne war allerdings Kapitän Tivahr, genannt der Commodore. Laut Gerüchteküche war er ein brillanter, aber arroganter, kaltblütiger Mann, der keinerlei Furcht kannte. Und kein Erbarmen.
Eine Zusammenarbeit zwischen ’Sko und Zafhariern schien unmöglich. Allerdings verband sie ein gemeinsames Ziel. Beide eigneten sich gern konklavische Waren an und strebten, wie man so hörte, nach der endgültigen Vorherrschaft über den gesamten konklavischen Luftraum.
Nichts davon klang ermutigend für unabhängige kleine Raumspeditionen wie die von Trilby Elliot. Politische Intrigen, Grenzkonflikte und die ewigen Spionage-Spielchen zwischen ’Sko und Zafharien trugen noch kräftig dazu bei, die Situation einer ohnehin gerade gestrandeten Frachtpilotin zu verschlimmern. Was immer sie aus dem Wrack des Tarks bergen konnte, war ihrer Meinung nach ein längst überfälliger Ausgleich für ihre Unbill.
Und sollte das zafharische Imperium zufällig die Freundlichkeit haben, mit einer Belohnung in ihre Richtung zu winken, dann konnten die fünf Ladies, die sie so dringend brauchte, ihr gern als Ticket zur Glückseligkeit dienen.
Sofern sie sich nicht dafür entschied, Jagan Grantforth nachzujagen und die Ladies als Erstes an ihm auszuprobieren.
2
Er wusste, wo er war. Er erkannte die korrodierten Metallwände und den verdreckten Steinboden. Seine Zelle auf Szedcafar.
Aber diesmal saß Rafi da, in voller Uniform. Goldborte auf der Schulter, glänzende Medaillen auf der Brust. Und Malika, aufreizend in hautengem schwarzen Catsuit. Edelsteinschmuck baumelte an ihren Ohren und tanzte um ihre Handgelenke.
Und eine andere Frau, kleiner als Malika. Silberblondes Haar, verwaschener grüner Overall. Sie trug keine glitzernden Medaillen, keinen Schmuck. Doch neben ihrer Schlichtheit wirkte Rafi prahlerisch und Malika grell und aufgedonnert.
Das rote Glühen des Kraftfeldes pulsierte um sie herum. Sie waren Gefangene. Er wusste, dass sie fliehen mussten, aber Malika wollte nichts davon hören. Sie lachte ihn aus und streichelte neckend sein Gesicht.
Er schlug verärgert ihre Hand weg, dann sah er wieder die Frau in Grün. Sie stand auf der anderen Seite einer tiefen Schlucht, die mitten durch den Fußboden führte, und griff nach ihm. Sie erinnerte ihn an eine der Feen aus seinen Kindergeschichten. Oder an die Gelfaia-Elfen aus den Faytari-Legenden der Funkenwelten, angebetet von den ’Sko wegen ihrer fragilen Schönheit.
Er rief ihr etwas zu, aber sie schien ihn nicht zu hören. Jetzt wollte sie ihm helfen. Irgendwie spürte er das. Er versuchte an den Rand der Schlucht zu gelangen, aber Malika hielt ihn am Arm fest.
»Sie ist gewöhnlich«, zischte sie böse. »Von niederer Herkunft. Verunreinige dich nicht durch Berührung.«
»Sie kann helfen«, sagte er zu Malika und sah Rafi flehend an. Aber Rafi zuckte nur mit den Achseln und schaute weg.
Plötzlich waren die Ycsko da, sieben an der Zahl. Sie wirkten wie Skelette im Gegensatz zu ihren sich aufblähenden Umhängen. Die Funkenfee rief ihm kurz etwas zu. Es klang wie eine Warnung.
Neben ihm begann Malika erneut zu lachen, höher diesmal, fast hysterisch. Sie drückte dem rot gewandeten Ycsko irgendetwas in die Hand. Einen Zylinder. Ein Hypospray.
Er sah es näher kommen und wusste, wenn es erst mal seinen Nacken berührte, würden die Schmerzen beginnen, sich in seinem ganzen Körper ausbreiten und ihm schließlich den Verstand rauben. Er wollte, dass es aufhörte, mit der ganzen Kraft seines Willens stemmte er sich dagegen …
Er riss die Augen auf. Das gleißende Weiß der Wände drang auf ihn ein, blendete ihn. Er krümmte sich vor Schmerz, aber lautlos. Immer schön lautlos.
Dann verschlang ihn die Dunkelheit, und er schlief.
Einige Zeit später flatterten erneut seine Lider, diesmal behutsamer, sodass die Pupillen sich langsam an die Helligkeit gewöhnen konnten. Das Licht wirkte jetzt nicht mehr so grell wie vorhin, bohrte sich aber dennoch wie tausend Stecknadeln in sein Hirn.
Er zwang sich, alle Regungen seines langsam munter werdenden Körpers zu unterdrücken und nur Wahrnehmungen durchzulassen. Die Erinnerung an die kurze Gefangenschaft bei den ’Sko kehrte zurück, mit all den Schmerzen, den Drogen und Verhören. Dann nahmen seine Ohren ein tiefes Rauschen und Summen um ihn herum wahr. Das klang nicht nach dem hohen, hell erleuchteten Verhörzimmer, an das er sich erinnern konnte.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
