Stimmen des Himmels - Amara Yachour - E-Book

Stimmen des Himmels E-Book

Amara Yachour

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Beschreibung

Stimmen des Himmels Haben Sie auch das Gefühl, dass das Leben nach dem Tod nicht zu Ende ist? Spüren Sie manchmal vielleicht sogar die Präsenz eines Engels oder Verstorbenen? Sind Sie auf der Suche nach dem höheren Sinn Ihres Lebens? Lernen Sie die Zeichen der geistigen Welt zu verstehen und zu deuten. In diesem Buch finden Sie Antworten, Anregungen und weiterführendes Wissen aus der Praxis eines Mediums für Jenseitskontakte. und Channeling. Begleitende Übungen helfen Ihnen, Ihr eigenes mediales Potenzial zu entwickeln und zu leben, denn Medialität ist Ihr Geburtsrecht! Amara Yachour begann nach zwei Nahtoderfahrungen Ihren Weg als Medium und spiritueller Lehrer. Nach zahlreichen Ausbildungen in den Bereichen Jenseitskontakte, Heilung, Trance und physikalischer Medialität in England eröffnete Sie, auf Drängen der geistigen Welt, ihr eigenes mediales Ausbildungszentrum in Schleswig-Holstein und unterstützt in persönlichen Beratungen und Sittings tagtäglich Menschen medial auf ihrem Lebensweg. Ihre profunden Ausbildungen und ihre humorvolle, bodenständige Arbeit haben schon viele Menschen begeistert. Mehr über Ihre Arbeit erfahren Sie auf http://www.body-soul-centrum.de und http://www.mediumausbildung.de

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Seitenzahl: 209

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Amara Yachour

Die Stimmen des Himmels

© 2013 Amara Yachour

Erste Auflage

Herausgeber: Amara Yachour

Autor: Amara Yachour

Umschlaggestaltung: www.myprintdesign.tk

Lektorat, Korrektorat: www.lektorat-beyer.de

Verlag: salutano Verlag

ISBN: 978-3-943878-10-3

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zu-stimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Ver-breitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Natio-nalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Inhaltsverzeichnis

Mein Leben

Der Anfang

Die Reise ins Nichts

Das Ende

Die Wende

Die Entscheidung

Neuanfang

Das Licht

Vision

Die Reise ins Neue

2010 – Das Jahr der Veränderung

Medialität

Die Gabe der Medialität

Übung Seelenplan

Begriffsbestimmungen

Der Informationsstrom

Die Informationsfelder

Der Mentalkörper

Der Emotionalkörper oder Astralleib

Der Seelenkörper oder ätherische Körper

Der Lichtkörper

Die Seele

Liebe und Glaube

Die medialen Sinne

Hellsehen

Hellfühlen

Hellwissen

Hellriechen und Hellschmecken

Übung

Wahrnehmung und Achtsamkeit

Äußere Wahrnehmung

Achtsamkeit

Geistführer und geistiges Team

Übung: Sitting in der eigenen Power

Übung: Sitting in der Präsenz einer zweiten menschlichen Person

Übung: Sitting in der Präsenz eines Verstorbenen

Übung: Sitting in der Präsenz des Geistführers

Trance

Gott und seine Welten

Die Fackel entzünden

Die Arbeit als Medium

Das Medium

Warum wollen Sie ein Medium werden?

Medialer Kontakt

Woher kommt die Information?

Was sind Beweise?

Die Verbindung herstellen

Trance-Medium

Psychometrie – Lesen aus Gegenständen

Geschichte der Psychometrie

Übungen zur Psychometrie

Tranceheilung

Danke

Amara Yachour

Wie kann ich in Worte fassen, was nicht in Worte zu fassen ist?

Wie kann man jemals die Größe Gottes aufzeigen?

Wie kann man Menschen die unglaubliche Liebe

Jesus erfahren lassen?

Wie sollen Menschen sich die Majestät eines Engels vorstellen?

Und wie kann man Menschen die Liebe der geistigen Welt vermitteln?

Ich stehe vor dem fast aussichtslosen Unterfangen, genau dies zu tun und komme mir gerade sehr klein vor. Wie eine Ameise, die vor dem Himalaja steht und jetzt den schweren Aufstieg beginnt. Sie hat Angst, dass ihr auf halber Strecke die Luft ausgehen wird und sie das Unterfangen abbrechen muss. Und doch gibt es da tief in mir ein unerschütterliches Vertrauen, das wispert: „Fang an. Du wirst wachsen. Diese Aufgabe wird dich auf allen Ebenen deines Seins wachsen lassen. Das spüre ich genau.“ Ich weiß nicht, wo der Weg beginnt, aber eigentlich hat er bereits vor vielen Jahren begonnen, als tief in meiner Seele eine unstillbare Sehnsucht erwachte. Eine Sehnsucht, die mich auf die Suche nach der Wahrheit des Lebens und nach der Wahrheit über Wunder und Heilung schickte.

Egal, wie schwer mein Leben wurde, unbeirrbar stapfte ich diesem kleinen leuchtenden Funken hinterher und begab mich auf die Expedition, um jedes Wissen tief in mich einzusaugen, um am Ende doch wieder hungrig dazustehen.

Dieser Hunger ist nun gestillt, denn jetzt

Mein Leben

Mein täglicher Terminplan ist normalerweise randvoll und mein Tagesablauf sieht jeden Tag gleich aus und beginnt schon sehr früh. Ich stehe gegen sieben Uhr auf, weil mein geliebter Mann mir Kaffee ans Bett bringt. Ich liebe diese Geste und diese unglaubliche Vertrautheit zwischen uns. Er ist ein Engel und direkt aus den himmlischen Gefilden in mein Leben herabgestiegen. Das weiß ich und ich sage jeden Tag danke. Dieses Dankeschön kommt aus tiefstem Herzen, und ich schicke es in Gedanken an alle Stimmen des Himmels, die mich hören können und das sind, wie ich weiß, unglaublich viele.

Wo fange ich an zu erzählen, was lasse ich weg? Es sind so viele Menschen, denen ich begegnet bin, so viele kleine Wunder, die sich ereignet haben und alle sind wichtig. Doch letztendlich geht es nur um das Heilsein. Sich heil fühlen und sich heil für andere anfühlen.

Aus dieser Motivation heraus besuchte ich viele Jahre unzählige Ausbildungen. Ich lernte bei Schamanen aus allen Ländern, ich studierte fernöstliche Heilungstechniken. Amerikanische Quan-tenheilung und die russische Lehre halfen mir, immer mehr zu verstehen. Matrixheilung und viele Seminare berühmter Heiler besuchte ich und alles war neu und doch alt. Jeder brachte nur einen kleinen neuen Aspekt des Heilseins, und ich hatte das Gefühl, ich rückte der Erleuchtung immer näher. Bald schon, bald würde ich das fehlende Teil finden, das jedes weitere Lernen überflüssig machte. Ich ging viele Jahre ins Fernsehen und war dort in der Lebensberatung bei vielen Sendern tätig. In der Zwischenzeit las ich über zweitausend spirituelle Bücher, verschlang jeden spirituellen Film und dann passierte etwas, was ich für mich immer abgelehnt hatte.

Die geistige Welt entdeckte mich. Ich fing an, Gesichter zu sehen und dachte schon, ich wäre nun endlich vollkommen durchgedreht, doch die Erscheinungen der Gesichter hörten nicht auf.

Immer, wenn ich Menschen beriet, sah ich Gesichter. Irgendwann traute ich mich dann vorsichtig zu fragen: „Kennen sie vielleicht einen Mann oder eine Frau, die …?“ Und dann beschrieb ich die Personen. Fast immer brachen meine Klienten in Tränen aus, denn diese Gesichter und die Menschen, die dazugehörten, waren tot. Manche waren erst vor Kurzem verstorben und manche schon mehr als zehn Jahre und länger tot. Es war unglaublich. Es fing eines Tages an und hörte nicht mehr auf. Manchmal waren die Gesichter schon da, bevor der Klient da war und wiederum manche schienen einfach nur neugierig. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich in der Lage war, diese Ereignisse zu steuern und es machte mich verrückt.

Ich mag es nicht besonders, die Kontrolle zu verlieren und mein Mann hat mich wunderbar gestützt in dieser Zeit. Dann starb seine Mutter. In den letzten Wochen ihres langen qualvollen Kampfes gegen Krebs waren wir fast täglich bei ihr. Sie und ich führten viele wertvolle Gespräche über den Tod und das Sterben und ich erzählte ihr viel von meinen eigenen beiden Nahtoderfahrungen. Ich unternahm mit ihr schamanische Reisen und trotz der Krankheit war auch viel Lachen da. Sie wollte so gerne zu Hause sterben und wir alle wollten ihr diesen Wunsch ermöglichen. Doch kurz vor dem Ende wurde ihre Atmung instabiler und sie hatte Angst zu ersticken. Also brachten wir sie auf ihren eigenen Wunsch ins Krankenhaus.

Eines Tages war es dann soweit und es war eine Gnade, dabei zu sein. Der Tod ist nicht grausam. Es war ein Moment, wie in einer von Licht erfüllten Kathedrale zu stehen, in der gerade der letzte Schlussakkord eines imposanten Requiems verklingt. Es war ein Moment voller Andacht und Liebe. Mein Mann und ich spürten unabhängig voneinander die Präsenz von geistigen Wesen, die seine Mutter nach Hause brachten, in ein neues Leben ohne Schmerz. Auch auf ihrer Beerdigung konnten wir seine Mutter spüren und es war ein wunderbares Gefühl. Sie ließ uns wissen, dass es ihr gut geht und wir waren so getröstet, dass wir gar nicht wirklich trauern konnten.

In dieser Zeit verschlang ich jedes mediale Buch, das ich finden konnte, und lernte alles, was es über Medialität zu wissen gab. Ich las englische Bücher und alle Literatur über Jenseitskontakte und über alles, was auch nur entfernt damit zu tun hatte. Schließlich stieß ich in England auf ein spirituelles College und wusste, dort musste ich hin. Mein Mann begleitete mich und besuchte mit mir gemeinsam diese Ausbildung, der noch viele weitere folgen sollten.

Danach wusste ich: Ich war nicht verrückt und es gibt sie wirklich. Menschen, die gestorben sind und die mit uns sprechen möchten. Ich war endlich überzeugt, dass wir nie ganz gehen. Alle Menschen, die in einem Kontakt durchkamen, zeigten sich in ihrer vertrauten Umgebung. Sie erzählten und zeigten uns ihre Wohnungen, ihre Eigenheiten, ihren Charakter und sie teilten mit uns Erinnerungen. Wenn wir diese Informationen dann weitergaben, herrschte bei den Klienten oft ungläubiges Staunen. Und auch tiefe, namenlose Freude.

Dabei waren es die schönsten Momente, wenn diese Verstorbenen mit einem Duft kamen und sich das Zimmer mit einem Geruch nach Seife oder nach einem bestimmten Parfüm füllte. Mit diesem Geruch überkam mich oft ein Gefühl von tiefer Liebe und Freude aus der geistigen Welt, das dann auch auf den Klienten übersprang und dort wahre Sturzbäche von Tränen auslöste. Ich habe noch nie so viel geweint. Fast jeden Tag stehen mir die Tränen in den Augen, denn die Liebe der geistigen Welt zu spüren ist ein Ereignis, das einen auf immer verwandelt.

Niemals wieder werde ich Angst vor dem Tod haben. Wenn wir einst gehen, gehen wir mit all unseren Erinnerungen und unserem Wissen. Wir interessieren uns weiter für unsere Lieben auf der Erde und beobachten, wie es ihnen geht. Manchmal findet auch ein Kontakt zwischen beiden Dimensionen statt, und dann ist die Freude groß auf beiden Seiten.

Einige Zeit nach dem Tod der Mutter meines Mannes starb sein Vater. Wir kamen zu spät ins Krankenhaus und er lag still und klein, fast fragil, in seinem Bett und doch war eine unglaubliche Freude in diesem Zimmer. Es war Sommer und die Gardinen wehten ins Zimmer, von einer sanften Brise erfüllt. Fast überdeutlich nahm ich das Zwitschern der Vögel draußen auf einem Baum wahr. Mein Mann gab ihm einen Kuss und ich sagte mit aller Liebe: „Gute Reise, Mohammed.“

Mein Mann nahm mich an die Hand und wir beide waren von einem tiefen Frieden erfüllt. Dann musste ich auf einmal laut lachen und eine Krankenschwester steckte missbilligend den Kopf ins Zimmer und sagte: „Dies ist ein Totenzimmer!“ Wir waren nicht wirklich zerknirscht, denn wir spürten, dass Mohammed auf uns gewartet hatte; und er übermittelte uns beiden das gleiche Bild. Er zeigte uns den Feigenbaum, unter dem er jetzt in Algerien saß. Zurück in der Heimat saß er lachend und vollkommen zufrieden auf diesem Stuhl im Kreis der Männer, schwadronierte auf Arabisch und konnte endlich seinem Herzen freien Lauf lassen. Er zwinkerte uns zu. Eine sanfte Brise strich an uns vorbei und dann war das Zimmer leer. Er war gegangen. Er hatte solange gewartet, bis wir da sein konnten. Das war ein schönes Gefühl. Unabhängig voneinander hatten mein Mann und ich das gleiche Bild von ihm bekommen. Er ist immer noch oft bei uns und als erstes kommt das Bild des Feigenbaums. Das ist so etwas wie seine Erkennungsmelodie. Er ist oft bei uns und es sind immer Momente voller Freude.

Doch dieses Buch ist kein mediales Buch im üblichen Sinne. Es ist ein Buch über einen Versuch etwas oder jemandem gerecht zu werden, der sich jeder Wertigkeit durch seine Größe entzieht und ich fühle mich zu klein, dies zu tun und doch scheint es meine Aufgabe zu sein. Nebenbei: Eine solche Aufgabe selbst zu wählen, wäre mir im Traum nie eingefallen. Ich hätte bereits bei dem Gedanken gezittert und doch hat man mich dazu bestimmt. Bereits lange vor dem heutigen Tage. Jetzt weiß ich, dass mein Leben nur eine Vorbereitung war, um die Geschichte richtig erzählen zu können.

Ich habe nie schreiben gelernt und ich schreibe so, wie es aus meinem Herzen fließt und wenn ich meine Worte lese, dann frage ich mich wirklich manchmal, wer meine Feder geführt hat, oder wer mir diese Gedanken eingegeben hat. Halten Sie sich nicht mit meiner Person auf. Lassen Sie die Worte auf sich wirken und lesen Sie zwischen den Zeilen und spüren Sie mit Ihrem Herzen hinein. Ein offenes Herz wird diese Worte wie kostbare Tropfen klarsten, reinsten Wassers in sich aufnehmen. Es sind Worte der Hoffnung, Worte der Heilung, die Geschichte einer unglaublich großen Liebe und dazu die Geschichte eines Dirigenten, der jeden einzelnen Ton beherrscht und uns nun beibringen möchte, das gleiche Lied zu spielen. Ein Opus über unendliche Liebe, Gnade und Vertrauen in uns Menschen und der ewige Rhythmus der Schöpfung durch die unendlichen Weiten der Ewigkeit. Wir sprechen über die Welt Gottes.

Der Anfang

Ich frage mich oft, ab wann mein Leben sich änderte. Wann brach das Chaos in meinem Leben und in meinem Herzen los? Wann be gann die Spirale, die alles, aber auch alles, auf den Kopf stellte, die immer weiter abwärts führte in ein scheinbar bodenloses Tief? Ein Tief voll Angst und Entsetzen, ein Tief ohne Gefühle, aber voll Einsamkeit, wie ein todesähnlicher Fall. Nur, dass am Ende kein warmes, tröstendes Licht wartete, sondern die grauenhafte Angst, sich selbst im Dunkeln zu verlieren und das Licht am Ende des Tunnels nicht mehr erkennen zu können.

Welches war der letzte abschließende Schmerz, der das Fass zum Überlaufen brachte und den Zusammenbruch einläutete? Zurückblickend betrachtet, gab es keinen speziellen Moment. Die Fahrt ins Nichts begann in der Kindheit und die Zahl der Verletzungen, ob nun bewusst oder aus Unachtsamkeit, nahm zu. Heirat, Kinder und berufliches Burn-out-Syndrom machten die gemächliche Fahrt schnell zur Abschussfahrt.

Aber ich möchte am Anfang beginnen.

Kennen Sie das Gefühl, auf die Welt zu kommen und schon ein Außenseiter zu sein? Ich habe mir in meiner Kindheit oft vorgestellt, dass mich jemand aus Versehen auf die Türschwelle meiner Eltern gelegt hatte. Ich hatte niemals das Gefühl, bedingungslos geliebt zu werden. Die Betonung liegt hier auf dem Wort „bedingungslos“. Immer hatte ich das Gefühl, nur geliebt zu werden, wenn ich perfekt war. Man musste alles richtig machen, um ein Lächeln zu bekommen. Ein Lächeln war immer an Bedingungen geknüpft. Das Richtige tun war wichtig.

Dieses Dogma hat mich fast vierzig Jahre lang begleitet, bis ich es in einem kraftvollen Prozess loslassen konnte.

Sicherlich wollten meine Eltern das Beste für mich. Als selbstständiger Unternehmer in einem kleinen Ort muss natürlich nach außen alles bestens funktionieren. Das war für mich eines der ersten großen Probleme in meinem Leben.

Warum durfte ich niemals so sein, wie ich bin? Warum durfte man nie die Wahrheit sagen? Warum gab es zwei Welten oder Gesichter? Zum einen die Welt innerhalb der Familie und dann das völlig andere „Persil-geputzte“ Gesicht nach außen? Was war falsch daran, auch einmal nicht perfekt zu sein? Niemals habe ich auf diese Fragen Antworten bekommen. Ständig war ich im Konflikt mit mir selbst. Irgendwann fragt man dann auch nicht mehr. Immer wenn ich „meine Wahrheit“ verkündet habe, war ich unartig und undankbar.

Ich liebe meine Eltern und weiß, dass auch sie nur ein Produkt ihrer Erziehung waren, aber dieser Zwiespalt hat mich als Kind sehr einsam gemacht. Von klein auf habe ich gelernt, dass die Umwelt es erwartet, belogen zu werden und ich hatte sehr sensible Antennen dafür, wer ehrlich war und wer nicht.

Ich hatte nie das Gefühl, gut genug zu sein oder einfach nur geliebt zu werden, weil ich da war. Ich galt als schwierig. Ich galt als undankbar. Das ist bis heute so geblieben.

Vier Jahre später kam meine Schwester zur Welt. Sie war anders. Sie war der strahlende Sonnen-schein, sie bekam durch ihr strahlendes Lächeln alles, was sie wollte. Sie hatte das Vertrauen. Sie war offen und ging mühelos durchs Leben. „Schau dir deine Schwester an, sie hat so viele Freunde, wo sind denn deine?“, sagten meine Eltern und wieder saß ein kleiner Stachel mehr in meinem Herzen. Ich hatte Freunde, aber die habe ich immer verschwiegen. Meine Freunde waren immer älter. Weder konnte ich mit Gleichaltrigen noch mit Klassenkameraden etwas anfangen. Ich war in meiner geistigen Entwicklung so viel weiter, und ich liebte es, messerscharf zu diskutieren und den Dingen auf den Grund zu gehen.

Meine Einsamkeit wuchs. Damals entdeckte ich meine erste große Liebe … Bücher. Ich entdeckte eine vollkommen neue Welt, randvoll mit Liebe, Abenteuern und großen Gefühlen. Einer meiner liebsten Autoren war Karl May. Ich habe jedes Buch mehrfach gelesen und am meisten interessierte mich die Welt der Indianer. Mit dreizehn Jahren las ich dann Thomas Mann, Berthold Brecht, Kafka und viele andere. Ich konnte nie genug davon bekommen, in diese Welt einzutauchen.

Ich fand auf dem Dachboden kistenweise Bücher in der alten Sütterlinschrift. Mühsam habe ich mir diese beigebracht und dann auch diese Bücher verschlungen. Selbst heute bin ich noch ein Fass ohne Boden, was Bücher betrifft. Dort, wo ich wohne, habe ich jede Bücherei im wahrsten Sinne des Wortes leergelesen. Heute noch habe ich mindestens vier Stapel Bücher um mein Bett und lese im Durchschnitt mindestens zwanzig Bücher im Monat.

Der Abstand zu meiner Familie wurde immer größer, ich konnte ihnen nichts mehr recht machen und ich zog mich immer weiter emotional von ihnen zurück.

Ich lief weg von zu Hause, nicht nur einmal, sondern mehrmals. Aber natürlich waren das nur kindliche Erlebnisse, die aus Trotz passierten und mir eigentlich nur noch mehr Strenge und Unverständnis einbrachten. Meine Eltern durchwühlten meine Schränke und lasen meine Tagebücher. Aber niemand versuchte, mich zu verstehen. Man versuchte mich nur der gewünschten Form anzupassen und ich reagierte mit Schweigen, Rückzug, Aufsässigkeit und Trotz.

In dieser ganzen Zeit gab es dennoch drei Menschen, die mich annahmen, die mir immer das Gefühl gaben, für mich da zu sein und die mich eben ohne „Bedingungen“ akzeptierten.

Der erste war mein Großonkel, für die Welt ein verschrobener alter Kauz, für mich ein brummelnder gutmütiger Mann ohne viel Worte. Er war mit Leib und Seele Hufschmied und daher hatte ich als Kind immer die Chance, zu reiten und beim Beschlagen der Pferde zu helfen. Er nahm mich mit auf Reitturniere und oft war ich nach der Schule mit ihm unterwegs, um Pferde zu beschlagen. Eine meiner größten Seligkeiten war, wenn ich in seine Wohnung durfte. Das war eine Ehre, denn zeitweise durfte außer mir niemand dort hinein.

Im Prinzip war mein Großonkel ein Menschenfeind und ein Eigenbrötler. Seine Wohnung quoll über von alten Zeitungen und interessanten Kisten mit Dingen aus seiner Vergangenheit. Münzen, Kriegsutensilien aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, verblichene Fotografien von Vorfahren in Sepiatönen und andere wunderbare Dinge, die meine Fantasie anregten.

Die ganze Wohnung war schmutzig, nie gelüftet, aber für mich roch es nach Abenteuer. Eine meiner größten Freuden war es, wenn ich bei ihm Spiegeleier bekam, auf dem Herd in einer uralten Emaillepfanne mit blau-weißen Sprenkeln gebacken, die, wenn sie fertig waren, die Form kleiner Bälle hatten. Dazu gab es einen abgesäbelten Kanten Brot und einen echten Bohnenkaffee. Das war ein ganz besonderes Ritual für mich.

Wenn Onkel Franz gnädig gestimmt war, durfte ich sogar die Kaffeebohnen in der hölzernen Kaffeemühle mahlen. Wir saßen dann in einträchtigem Schweigen am großen Esstisch zusammen. Links türmten sich die Streichholzschachteln, beschriftet mit den Maßen der Hufeisen seiner Kunden, und rechts von mir ein Stapel Tageszeitungen, der in meinen Augen bis zur Nachkriegszeit reichte. Als er dann starb, war dies meine erste Begegnung mit einem Toten. Er lag auf der Seite, seinen Zigarrenstumpen noch im Mund, die Zeitung umklammert.

Damals habe ich mich gefragt, warum mir der Anblick eines Toten keine Angst machte. Ich empfand eigentlich nur den Frieden, der von diesem Toten ausging. Für mich war dies ein herber Verlust. Ich hatte diesen Mann immer geliebt. Später fand ich dann Briefe von ihm an eine Frau. Es war die Tragik einer unerfüllten Liebe, die ihn zu einem solchen Menschen gemacht hatte. Einsam gelebt und einsam gestorben. Die Tiere liebten ihn sehr und auch ich habe eine starke Verbindung zu meinen schamanischen Tiergefährten.

Die zweite Person in meinem Leben, die ich geliebt habe, war mein Opa väterlicherseits. Von Beruf Handwerker und von allen Menschen geliebt … außer von meiner Oma. Er war der typische Vereinsmensch, ein großartiger Handballer in seiner Jugend, engagiertes Mitglied im Männergesangsverein und immer hilfsbereit. Er hatte nie den Ehrgeiz etwas zu werden, etwas darzustellen. Er war zufrieden mit seinem ruhigen, beschaulichen Leben.

Ein Spaziergang mit Opa Willi im Ort dauerte Stunden. Jeder kannte ihn. Und immer wieder blieben wir zu einem Schwätzchen stehen. Opa Willi war ein einfacher Mensch und dafür schämte sich meine Oma, eine Tochter aus studierten Kreisen. Sie hat sich hinter ihren Krankheiten verkrochen und ist verbittert gestorben, aber eigentlich hat sie ihren Mann verachtet und war sehr unglücklich. In Erinnerung geblieben sind für mich viele schöne Spaziergänge im Wald und der anschließende Frühschoppen in der Waldgaststätte mit Solei. Mir hat es auf der Beerdigung fast das Herz gebrochen.

Der dritte Mensch, den ich über alles geliebt habe, war meine Oma mütterlicherseits. Auf dem Land lebend und einen kleinen Landbetrieb mit Hühnern, Rindern und Schweinen und einem Gemüsegarten. Diese Frau hatte so viel Liebe für mich, und einige meiner schönsten Erinnerungen sind die Ferien bei ihr. Es gab immer Katzen dort, die ums Haus strichen und für mich war es ganz toll, aus dem in den Fels eingehauenen Eiskeller die Butter holen zu können oder im Rauchfang den Schinken. Alles, was es dort gab, wurde selber hergestellt oder getauscht. Eier gegen Butter. Nur die Milch kam vom Milchmann. Meine Oma hatte sieben Kinder und keine leichte Ehe. Als mein Opa starb und morgens nach dem Aufstehen neben dem Bett tot umfiel, waren ihre einzigen Worte: „Jetzt ist er auch noch gegangen, ohne sich zu verabschieden.“

Liebe hat meine Oma nie viel erfahren in ihrer Ehe. Mein Opa war ein harter Mann, hart zu ihr und zu seinen Kindern. Ich war sehr gerne bei ihr und ich habe sie geliebt. Sie war einfach, sehr gläubig und ihr Weltbild war dementsprechend. Aber bei ihr konnte man Mensch sein. Rückblickend waren es immer die einfachen Menschen, die mich angezogen haben. Menschen, die durch und durch authentisch und wahrhaftig waren und nicht falsch. Menschen, die einfach das gelebt haben, was in ihrem Herzen war.

Meine Oma ist noch heute mein größtes Vorbild, und sie wird immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen haben. Ich bedauere zutiefst, dass sie im Leben nur so wenig Liebe erfahren durfte. Dort habe ich die Liebe zum Land entdeckt, dass der Boden uns nährt, aber dass wir auch den Boden nähren, indem wir zurückgeben, was nicht mehr gebraucht wird, und so zum endlosen Kreislauf von Leben und Vergehen beitragen.

Ich schloss meine mittlere Reife mit „Sehr Gut“ ab und ging anschließend zur Ausbildung zur Deutschen Bank. Und wieder eckte ich an. Kunden wurden nicht der Reihe nach bedient, sondern nach Bankkonto. Das wiederum löste in mir regelrechte Aggressionen aus. Warum war ein Mensch mit Geld wichtiger, als jemand, der bereits eine halbe Stunde vor dem Schalter gewartet hatte? Heimlich, so dachte ich jedenfalls, habe ich versucht, die Dinge so zu regeln, dass ich damit leben konnte. Am Ende der Ausbildung stellte die Bank dann fest, dass man nicht mit mir leben konnte. Es war wie eine Befreiung und ich ging ohne Bedauern.

Mittlerweile war ich verheiratet und wir bauten ein Einfamilienhaus. Beruflich engagierte ich mich im Betrieb der Eltern, wo ich die Finanzbuchhaltung und die Werbung übernahm. In den nächsten siebzehn Jahren bekamen wir vier Töchter und mein Leben verlief zwar mit viel Arbeit, aber ich entdeckte auch meine große Liebe zur Musik. Mein Mann und ich waren leidenschaftliche Hob-bymusiker und fast jedes Wochenende waren entweder Auftritte mit der Rockband oder Auftritte als Trio auf Hochzeiten und anderen Festen angesagt. Gesang war für mich ein Mittel, um meine Gefühle auszudrücken. Das ist es auch heute noch, wo ich nicht mehr auf der Bühne stehe. Langsam zogen die Jahre ins Land und hier und da gab es auch etwas Freiraum, um mich den Dingen zu widmen, die mich interessierten.

Und eins dieser Dinge, die mich interessierten, war die Magie. Schon als Jugendliche hat mich alles Magische „magisch“ angezogen. Immer wieder geriet meine magische Sehnsucht durch die Forderungen in den Hintergrund, die das Leben nun mal an einen hat; aber ein Buch, ein Artikel reichte oft schon, um diesen unbändigen Wissensdurst nach mehr erneut zu entfachen. Mein ganzes Leben ist gezeichnet von diesem unbändigen Lernhunger und der Suche nach der Wahrheit hinter den Dingen. Ich konnte auch nie einfach glauben, was man mir erzählte, sondern ich glaubte erst, wenn ich selbst die entsprechende Erfahrung machen konnte. Ich musste etwas fühlen, riechen und schmecken können, bevor ich es als wahr ansehen konnte.

Genauso ging es mir mit meinem Glauben. Ich musste ihn erst selbst leben als Mitglied im Pfarrgemeinderat und als Katechetin, um meinen persönlichen Zugang zum Glauben wiederzufinden. Trotzdem fand ich auch hier nicht meinen spirituellen Hunger gestillt. Meine Suche ging also weiter. Die ersten Hexenbücher inspirierten mich, amüsierten mich aber mehr. Es lag eine Ahnung darin, aber eben auch nur eine Ahnung. Dann packte mich der Alltag und die Dinge gerieten wieder in Vergessenheit.

Die Reise ins Nichts

Im Sommer 1995, ich war 31 Jahre alt, kam dann der Anfang vom Ende. Ich bekam eine Lungenembolie. Zuerst war es nur ein kurzer Schmerz im Brustkorb, aber dann konnte ich nicht mehr richtig atmen. Ich ging zum Arzt, damals eine Urlaubsvertretung. Dieser diagnostizierte eine Rippenfellentzündung und gab mir eine unglaubliche Menge an Schmerztabletten mit, von denen ich bei Bedarf bis zu zehn Stück nehmen sollte. Mir ging es immer schlechter. Von Tag zu Tag wurde ich kränker und apathischer und bekam kaum noch Luft.

Der Arzt fand die Rippenfellentzündung zwar hartnäckig, aber er hielt mich auch für eine Simulantin. Drei Wochen später lag ich dann zu Hause auf dem Sofa, ganz allein. Mein Mann war mit den Kindern zum Geburtstag meines Vaters gefahren.

Meine Atmung wurde ständig schlechter und ich hatte nicht mehr die Kraft aufzustehen und ein Telefon zu erreichen. Ich hatte Todesangst. Ich begann, ganz langsam zu ersticken. Damals habe ich unablässig gebetet: „