Stirb & Erwache - Cat Avalon - E-Book

Stirb & Erwache E-Book

Cat Avalon

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Beschreibung

Die Autorin, Spirituelle und studierte Geisteswissenschaftlerin, skizziert in ihrem Erwachensroman die Transformation einer jungen Frau, Maggie, die gefrustet von ihrem banalen Leben und bedeutungs-armen Männerkontakten nach spürbarer Sinnlichkeit sucht. Getrieben von der Frage nach dem wahren Sein begibt sie sich auf eine lange Reise, die ihre Lebenssituation und sie selbst von Grund auf verändert. Eine Reise, die sie in die Tiefen ihrer Seele, zu verschiedenen spirituellen Meistern und einer ganz besonderen Liebe führt, um letztlich das Tor zum eigenen Sein zu offenbaren. Ihre frühere Vorliebe zum sexuellen Spiel verkehrt sich dabei mehr und mehr zum sinnlichen Gewahrsein in der Natur und gewährt ihr im ästhetischen Raum ein Erleben des Jetzt. Hier findet sie Antwort auf ihre Frage und zu sich selbst. Das Alte in ihr muss sterben, damit das Neue erwachen kann. Die Autorin nutzt hierfür eine ungewöhnliche, sinnlich-deskriptive Schreibart zum Transport von Gegen-wärtigkeit und liefert damit den Lesern ein Medium des Erwachens.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 88

Veröffentlichungsjahr: 2015

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www.tredition.de

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© 2014 Cat Avalon

Umschlag, Illustration: Cat Avalon

Lektorat, Korrektorat: Cat Avalon

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

Paperback

978-3-8495-8220-3

Hardcover

978-3-8495-8221-0

e-Book

978-3-8495-8222-7

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Kapitel 1

S Tille.

Zumindest im Außen.

Der Regen hat nachgelassen und einzelne Tropfen fließen entlang der Blätter auf den modrigen Waldboden.

Kein Wind.

Kein störendes Geräusch.

Nichts.

Bloß die erfrischende Klarheit, die sich an einem überhitzten Sommertag nach einem energiegeladenen Gewitter einstellt.

Befreiend.

Maggie befindet sich kniend am Fuße eines alten Nadelbaumes.

Hier ist es trocken geblieben, da das emporragende Geäst genügend Schutz bietet. Regungslos und etwas abwesend nimmt Maggie das Wetterschauspiel wahr.

Sie liebt die Natur.

Irgendetwas ist anders hier.

Wenn die künstlichen Klänge der Zivilisation verstummen und eine Art Urton an die Oberfläche dringt, so ein Ton, den man nicht hört, den man nur fühlt, wenn man genau hin spürt.

Dieser Ton, der alles beinhaltet was Maggie sich insgeheim wünscht, ohne, dass sie es je in Worte hätte fassen können. Hier fühlt sie sich zuhause, so von Grund auf geborgen. Irgendetwas lässt sie hier aufatmen.

Beruhigend.

In ihrem Inneren hingegen herrscht alles andere als Stille. Hier ist es betäubend laut.

Lärm.

Die Gedanken drehen sich im Kreis.

Unaufhörlich ziehende Kreise.

Die übliche Schallmauer aus Gedankenpartikeln, die gar nicht mehr sonderlich registriert werden, da sie zur benebelnden Gewohnheit mutiert sind. Gefangen ohne sich der Fesseln bewusst zu sein.

Doch Maggie hat bereits deren Knoten gelockert.

Lichte Momente werden häufiger.

Solche Momente, in denen Maggie treibende Gedankenwellen beobachtet. Momente, in denen sie sich des Raumes zwischen den einzelnen Fragmenten bewusst wird.

Stille.

Der heutige Ausflug in die Natur endet abrupt. Zeit scheint hier nicht existent. Maggie aber hat Termine, Termine mit der zivilisierten Welt. Und deren regelkonforme Struktur duldet keine Unpünktlichkeit aufgrund zeitloser Erlebnisse.

Arbeit nennt sich das für gewöhnlich.

In einem kleinen roten Blumenladen in unmittelbarer Nähe der örtlichen Kirche verbringt Maggie die Zeit, die sie opfern muss um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Behutsam geht sie mit den Pflanzen um.

Jeder Arbeitsschritt, jede Berührung ist für Maggie eine Art bewegte Meditation. Die bedächtigen, wachsamen Bewegungen lassen sie innehalten. Ihre Konzentration ist dabei voll und ganz auf die Form und die Struktur der Pflanzen gerichtet. Maggie spürt genau, wie sie sich anfühlen, glatt, rau, pelzig oder weich. Ihr Geruch ist betörend, ob fruchtig, lieblich oder streng, jeder ist einzigartig und anmutiger als jedes ihr bekannte Parfum.

Und die Geometrie ihrer Beschaffenheit hat Maggie schon immer fasziniert.

Das ist Schönheit in Perfektion.

Gewöhnlich betrachtet man Blumen als Gebrauchsgegenstände, doch für Maggie sind es Lebewesen. Und irgendwie scheinen die Pflanzen das zu spüren. Maggie spürt, dass sie sich wohlfühlen. Der bewusste Umgang mit ihnen bedeutet für sie ein ständiges Dankbarsein dem Lebendigen gegenüber.

Besondere Erfüllung bereitet ihr die Arbeit aber nicht.

Sie spürt das Verlangen nach mehr.

Den Ruf des Herzens, der dieser unendlichen Leere entstammt. Die Leere, die man empfindet, wenn man sich in der Form verliert.

Doch was um alles in der Welt kann diese Leere ausfüllen?

Nichts.

Auf dem Weg nachhause in ihr kleines Appartement, am Waldrand gelegen, muss Maggie zwangsläufig durch den dröhnenden Verkehr der nächstgelegenen Großstadt. Betonlawinen mit stoisch dreinblickenden menschlichen Hüllen, die auf irgendeine Art und Weise funktionieren. Wirklich lebendig scheinen sie nicht zu sein.

In der Metro sitzend, ist Maggie wahrhaft von dem inhaltslosen Treiben absorbiert.

Sie fühlt sich wie einer der zahllosen grauen Lemminge, die auf der Suche nach Nahrung ihre Seele betrügen und blind vor Stumpfsinn in die Irre laufen, den Halt verlieren, abstürzen, ohne es je zu bemerken.

Um den Kreislauf geringfügig zu durchbrechen, schenkt Maggie spontan der ihr gegenübersitzenden alten Frau mit Hut ein herzöffnendes Lächeln. Und merkwürdigerweise – obwohl in öffentlichen Transportmitteln der unausgesprochene Kodex der Nicht-Persönlichkeit vorherrscht, niemand grundlos angesprochen, geschweige denn angelächelt werden darf – erwidert die alte Dame das Lächeln.

Offenheit.

Maggie fühlt sich bestätigt.

Nichts ist wie es scheint.

Angekommen in ihrer kleinen Oase, ihrer persönlichen Welt des Soseins, muss Maggie erstmal den Dunst der Materialität loswerden und nimmt ein, auf allen Ebenen reinigendes, Duschbad.

Mit Patschuliduftöl und einem rosafarbenen Badeschwamm.

Maggie liebt die Sinnlichkeit. Ästhetische Momente, erlebt in Berührung, Betrachtung, Klang führen sie hinaus aus den alltäglichen Routinen.

Prinzipiell löst die jeder Existenz innewohnende Ästhetik bei Maggie eine gewisse Wahrnehmungsveränderung aus. Die Zeit hält an, die Welt verstummt. Maggie berührt für einen Moment ihr eigenes Sein.

Verstärkte Aufmerksamkeit.

Gesteigerte Empfindung.

Völlige Präsenz.

Nur das, und genau jetzt.

«Wer bin ich?» fragt dieser leicht verwirrt umherblickende junge Mann im Ratespiel einer seichten Fernsehsendung.

«Dabei sieht er nicht danach aus, als ob er selbst die Antwort darauf wüsste.

Aber wer weiß so was schon!?»

Maggie stellt den flimmernden Kasten aus und denkt darüber nach.

Nein, sie meditiert darüber, denn das hat Maggie in ihren diversen esoterisch anmutenden Entspannungskursen bereits mitbekommen: die Gedanken müssen ruhiger werden.

«Aber wie? Und wenn, wer sagt mir dann, wer ich bin?»

Maggie findet keine Antwort.

Unruhe.

Auf bewegungsloses Rumsitzen hat Maggie auch überhaupt keine Lust gerade. In ihr drin scheint alles unruhig zu sein.

Ein erholsames Bad, ein meditatives Philosophieren und doch ist da irgendwie dieses gestresste Unwohlsein.

Zuviel Kaffee den Tag über, Grübeleien, die ständigen inhaltslosen Gespräche mit irgendwelchen Leuten, mit denen Maggie eigentlich gar nicht reden würde wollen.

All das.

Dieses innere Gehetztsein, dieses Außersichsein und Nebensichstehen. Nichts hilft, je mehr Maggie dagegen anzukommen versucht, desto schlimmer wird dieses Gefühl.

Maggie ist genervt.

Und diese Frage lässt sie nicht los:

«Wer bin ich wirklich?» grübelt Maggie,

«Keine Ahnung!

Etwa die kleine, zierliche Maggie Sullivan, die mit ihrem pelzigen Mischlingshund Charlie in einem etwas abgelegenen Appartement am Stadtrand lebt?

Bin ich die schüchterne Blumenverkäuferin, die sich täglich diese grüne Schürze umbindet und dazu die langen, roten Locken hochsteckt?

Bin ich die Tochter meiner Eltern, die Schwester von Karen, die Freundin, die sich viel zu selten in die Unternehmungen ihres Freundeskreises einklinkt?

Bin ich die Frau, die sich selbst zu viele sinnlose Fragen stellt?

Im Moment fühl ich mich mir selbst gerade völlig fremd.»

Das unerwartete Klingeln an der Wohnungstür reißt Maggie aus ihren Gedanken.

«Ach Karen, gut, dass du mich ablenkst, ich frage mich die ganze Zeit, wer ich denn in Wahrheit bin, weißt du, so wirklich meine ich! Aber irgendwie fühlen sich all meine Antworten darauf falsch an, so inhaltslos, so oberflächlich, einfach nicht stimmig, weißt du was ich meine?»

Den etwas wunderlichen und genervten Gesichtsausdruck ihrer Schwester kennt Maggie bereits.

Karen besitzt so ein ganz anderes Wesen als Maggie, man könnte sagen, sie schwingen auf einer völlig unterschiedlichen Frequenz. Karen hat eine sehr rationale Art und Weise die Dinge zu betrachten, sie ist pragmatisch in ihrem Handeln und beruflich und lebenspraktisch sehr zielorientiert. Das sinnlich-verspielte Wesen ihrer Schwester Maggie ist für sie befremdlich und mit den lebensphilosophischen Fragen, die Maggie sich gerade stellt, kann sie nichts anfangen. Mehr noch, sie findet die ihrer Meinung nach weltfremden und abgehobenen Ansichten von Maggie völlig skurril.

«Ach Maggie» seufzt Karen, «komm endlich mal auf den Boden der Tatsachen und hör mit diesem Unsinn auf.

Das führt doch zu nichts.

Wen interessiert denn so was überhaupt?

Geh mal wieder mit deinen Freunden aus, sieh zu, dass du etwas Spaß im Leben bekommst, eben das, was alle machen!»

Maggie kannte die Antwort eigentlich, es war ja nicht das erste Mal, dass ihre Schwester derart reagierte.

Es wäre einfacher, sich zu verstellen, sich anzupassen, etwas gesellschaftskonformer zu denken, zu handeln, zu sein.

Aber irgendwie muss Maggie sich selbst treu sein, das spürt sie deutlich.

Kongruent sein, im Denken, Handeln und den gesprochenen Worten.

Friede im Innern.

«Karen meint es ja nur gut», denkt Maggie,

«sie will ja nur mein Bestes.

Aber was ist das Beste?

Warum soll ich tun, was alle tun?»

Karen scheint in ihrer Angepasstheit glücklich.

Zumindest zufrieden.

Sie erfüllt die gesellschaftlichen Normen, tut was von ihr erwartet wird. Sie hat diese gewisse beruhigende, Sicherheit vermittelnde Ausstrahlung, die man oft bei Menschen beobachten kann, die alles zu regeln versuchen und am besten auch noch gleichzeitig. Sie regelt ihren Job, ihre Familie, ihre Schwester Maggie, die Nachbarn, sich selbst und die ganze Stadt. Ohne Verschnaufen.

Den Schein wahren, ein Lächeln auf den Wangen, auch wenn sie innerlich weint.

Ein nettes Wort, selbst für den verhassten Exmann.

Künstliches Dasein, Selbstentfremdung.

Sie merkt es nicht einmal.

Dieses diffuse Gefühl von Unwohlsein, die Leere, die sie manchmal einholt, wenn die Kinder im Bett sind, der Fernseher verstummt ist und es im Außen still wird. Wenn nichts mehr da ist, um das sie sich kümmern kann, wenn sie nicht mehr gebraucht wird. Nichts, dass sie noch ablenkt, keine Information, die ihr Hirn mehr betäubt.

Aber diese Momente sind selten.

Dafür sorgt Karen unbewusst.

Maggie will raus.

Nur noch raus.

Am liebsten aus Allem, aus dem tristen Dasein, dem lieblosen Miteinander, raus aus der stillen Einsamkeit, die am deutlichsten hervorkommt, wenn sie in Gesellschaft Anderer ist, die sie nicht sehen, nicht sehen wer sie in Wahrheit ist.

Raus aus den Ketten ihrer Vergangenheit.

Innere Kälte.

Erstmal raus aus der Wohnung und in die Stille der Natur.

Zuflucht suchen.

Verschnaufen.

Kapitel 2

Die Abenddämmerung macht sich breit und taucht den Horizont in ein liebliches Rot.

Die Luft ist klar und noch sommerlich erwärmt.

Ein angenehmes Gefühl auf der Haut.

Freiheit.

Maggie spürt intensiv wie sich der Windhauch in ihren glänzenden Haaren verfängt und sie sanft umspielt.

Durchatmen.

All die Enge loslassen, die sich angesammelt hat.

Nicht erst seit dem Zusammentreffen mit ihrer Schwester Karen.

Nein, die innere Gefangenheit ist schon sehr alt.

Uralt.

Wirklich frei fühlt sich Maggie nie. Irgendwie ist da, ein Angehaftetsein, eine Starrheit, die sie innerlich einschnürt.

Unsichtbare Ketten, die sich wie ein straffes Band um ihre Fesseln winden und sie am Voranschreiten hindern.

Sie will gehen und kann es nicht.

Eine bedrückende Energie, klebrig und fest. Daraus konnte sie sich noch nie befreien.

«Lass mich los!»

Die Dunkelheit hat Maggie in ihrer Kindheit gelebt.

Ihre genetischen Eltern hat sie nie wahrgenommen. Bereits früh wurde sie in ein Kinderheim gegeben und später von einem freundlichen, aber gefühllosen Arbeiterehepaar aufgenommen.

Alleingelassen.

Abgeschoben.

Nicht gewollt.

Dieser Schmerz hat sich tief in Maggies Kinderherz gefressen.

Ihre Gefühle waren lange Zeit erstarrt.

Zu Eis gefroren.