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Peter Baaks trifft auf seiner Reise die junge 22jährige Malerin Johanna. Eine wundersam, skurrile Geschichte beginnt…
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Stoffwechsel
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Seitenzahl: 133
Veröffentlichungsjahr: 2012
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von
Gerald Uhlig-Romero
Copyright: © 2011 Gerald Uhlig-Romero
published by epubli GmbH, Berlin, www.epubli.de
Kapitel 1: Später Nachmittag im März
Kapitel 2: Baaks hatte einen ganzen Zugwaggon für sich allein gebucht
Kapitel 3: Der kleine Junge draußen am Gang vor Peter Baaks Abteil
Kapitel 4: Baaks erinnerte sich an seine Schulzeit
Kapitel 5: Die Mutmaschine
Kapitel 6: Peter Baaks begab sich in den Speisewagen
Kapitel 7: Peter Baaks verließ den Speisesaal
Kapitel 8: Peter Baaks beerdigte seine Mutter
Kapitel 9: Peter Baaks arbeitete als Friedhofsgärtner
Kapitel 10: Peter Baaks war unermesslich reich
Kapitel 11: Die Fotografen krähten wie Hühner auf dem Schlachthof
Kapitel 12: Die neue Generation
Kapitel 13: Johanna
Kapitel 14: Johanna sprach zu Peter Baaks
Kapitel 15: Johannas Poesie
Kapitel 16: Johanna streifte das Sommerkleid von ihrem Körper
Kapitel 17: Johannas Poesie II
Kapitel 18: Ein gewaltiges Bremsen stoppte den Zug in wenigen Minuten
Kapitel 19: Peter Baaks fand Johannas Abschiedsbrief
Kapitel 20: An Peter Baaks
Kapitel 21: Erinnerung
Kapitel 22: Herbst/Winter ...
Kapitel 23: Er lief, bis er zum Speisewagen kam
Kapitel 24: Robert Feldman betrat den Speisewagen
Kapitel 25: Wo starke Sehnsucht herrscht, ist immer schon ein Markt da!
Kapitel 26: Feldman bestellte ebenfalls einen Whisky beim Kellner
Kapitel 27: Feldman legte plötzlich eine Smith & Wesson .44 Magnum auf den Tisch
Kapitel 28: Feldman wollte aus seinem zwanghaften Leben raus
Kapitel 29: Die Illusion des Mr. Feldman
Kapitel 30: Feldman redete mit Baaks über Märkte
Kapitel 31: Johanna ist ein Produktionsegoist gewesen
Kapitel 32: Johannas Brief an Feldman
Kapitel 33: Peter Baaks wollte schreien
Kapitel 34: Die Pharmaunternehmerin
Kapitel 35: Die Transplantation
Kapitel 36: Johanna, die Dame Evolution
Kapitel 37: Die Versteigerung
Kapitel 38: Baaks und Feldman steigerten um Johannas Bild
Kapitel 39: Teuerstes Bild aller Zeiten für über eine Milliarde Dollar ersteigert (dza-presseagentur)
Kapitel 40: Das weiße Museum
Kapitel 41: Und Peter Baaks sprach leise zu sich, sprach leise zu dem Bild
Johanna, 22 Jahre
„Warum hat sie sich getötet?!“, schreit Baaks, dessen dunkelbraunes Haar von einer Sekunde auf die andere schneeweiß wurde. Weil sie das Talent hatte, glücklich zu sein.
Ich bin nur ein Schriftstehler der Dinge!
Peter Baaks schaute hinaus auf die Landschaft. Die Blätter trugen das junge, frische Hellgrün. Es war ein später Nachmittag im März. In Baaks Zugabteil herrschte eine Ruhe, in der es gleichgültig war, ob man einer Bestimmung folgte oder dem Zufall. Die Landschaften näherten und entfernten sich, bis sie sich verflüchtigten, um in späteren Zeiten in anderer Form wieder aufzutauchen. Baaks ließ sich durch diese Landschaften treiben, bis die letzten Gedanken einer Illusion aus seinem Kopf verschwunden waren.
Die Nähe zu anderen Menschen und deren Stoffwechselgeschehen konnte Peter Baaks mit den Jahren immer schwerer ertragen. Bei Waldspaziergängen hielt er so lange die Luft an, bis die schwitzenden Jogger, deren Körper meistens unangenehme Gerüche abgaben, an ihm vorbeigeeilt waren. Für Baaks wirkten diese erschöpften, zwanghaften Körper noch entstellter, als es die Zeit mit ihnen getan hatte. Auch konnte er die immergleichen und banalen Gesprächsfetzen, die ihm bei seinen Spaziergängen entgegenkamen, nicht mehr hören: verlassene oder neu zu findende Männer oder Frauen, Sehnsucht nach Liebe und deren romantischen Verklärungen, das ständige Scheitern der Illusionen, Rente, Zukunftsängste, Krankheiten, die Unerträglichkeit des Alterwerdens, Tod ... immer und überall die gleichen Gespenster.
In seinem Abteil stellte Baaks sich die Frage, ob er nun auch zu einem dieser Misanthropen geworden war (ein Bewohner der Misan-Tropen), der sich am liebsten ins Labor seiner eigenen Welt zurückzog, um in seinen Gedanken mit den 115 chemischen Elementen, aus denen die Welt und das Leben gemacht ist, so lange zu spielen und sie so lange neu zu ordnen, bis sich vielleicht ein besserer Homo sapiens herauskristallisierte.
Niemand wird Peter Baaks auf seiner heutigen Reise belästigen. Kein Journalist, kein Autogrammjäger, kein gieriges Geldvermehrungsvolk. Auch keiner von denen, die ständig das Zeichen der Aufklärung vor sich hertragen, und keiner jener Zeitgenossen, die immer behaupten, den Beruf des Engels auszuüben, und dabei pausenlos über das Heil der anderen nachdenken, nur weil sie sich selbst nicht aushalten können.
Baaks saß in seinem Abteil, draußen herrschte mildes Licht und es galt nichts zu beweisen, mit niemandem zu reden, die Dinge geschahen einfach.
Sonnenstrahlen drangen durch die Scheibe des Zugs. Baaks empfindliche Augen begannen zu tränen. Er wich dem starken Licht aus, indem er die Hand an seine Stirn hielt. Eine Minute später wendete Baaks seinen Kopf ganz vom Licht der Sonne ab. Er schaute auf den Gang des Zuges und sah dort einen kleinen Jungen stehen, der einen dunkelroten Anzug trug mit einer gelben Fliege um seinen Hals. Einen Augenblick blieb der kleine Junge dort stehen, starrte durch die Glastür in das Abteil von Peter Baaks. In dem Moment, als Baaks aufstehen wollte um zu ihm zu gehen, war er auch schon verschwunden. Baaks blickte weiter dorthin, wo der kleine Junge gestanden hatte, und musste plötzlich an seine Schulzeit denken, in der er gelitten hatte wie so viele andere Kinder auch, und eine Wut aus jungen Tagen fiel ihn an.
Ist Schule nicht dieser Ort, der doch eigentlich für Kinder geschaffen wurde, um ihnen Mut zu machen, um sie beim Aufblühen zu stärken, um sie von der Angst zu befreien, anstatt diese zu befördern, um ihnen liebevolle Anerkennung zu schenken, anstatt sie zu erschrecken. Was wurde ihm täglich an kalter Ansammlung von meist nutzlosem Wissen in den Kopf geschaufelt. Wie ungeschickt hatten seine Lehrer ihn auf eine Zukunft vorbereitet, die so nie kam! Peter Baaks hatte damals viele Fragen gestellt und gehofft, die Erwachsenen könnten sie ihm beantworten. Aber das war ein Trugschluss gewesen. Seine Lehrer hatten nur den Adlerblick auf das Unwesentliche, und je genauer er sich die Erwachsenen ansah, umso mehr wurde ihm klar, dass keiner von ihnen zum Vorbild oder gar zum Helden taugte. Diese Erwachsenen waren in Wirklichkeit völlig verunsicherte Menschen, und sie gaben den Kindern vor allem eines weiter: diese verfluchte Unsicherheit. Später in seinem Leben kam Baaks sich häufig vor wie ein Gast, der auf eine Abendgesellschaft kam, zu der er gar nicht geladen war. Diese verfluchte falsche Scham. Ohne ein Gramm Selbstvertrauen kann nichts aus einem jungen Leben entstehen! Nur ein Lehrer voller Lebenslust hätte genügt, um Baaks Neugierde zu beflügeln, um ihn zu entzünden, ihn zu erretten, die Schule, das Lernen lieben zu lernen, nur ein klein wenig Interesse an seiner kleinen Person, um ihn aus dem Schlamm dieses bestimmten Gefühls — er sei ein Nichts, eine Nullnummer der Schöpfung, ein Loch in der Natur — herauszuziehen. Und diese Zeit, in der Baaks sich als Fremder in sich selbst fühlte, dauerte einfach zu lange. Er wusste damals nicht so richtig, was er mit seinem Leben tun sollte. Er sehnte sich nach nichts anderem, als nach einer Gebrauchsanweisung für sein Leben. Aber wer hatte die schon? Und wer konnte einem sagen, was ein richtiges Leben war und wie es funktionierte. Immer wieder unternahm Baaks den hoffnungslosen Versuch, sich selbst zu verstehen. Sein Selbst zu verstehen! Niemand hatte einen gefragt, ob man überhaupt geboren werden wollte, niemand, ob man mit den Eltern, die man zugewiesen bekommen hatte, einverstanden war. Mit niemandem konnte man über Chancen, gesunde Gene, Anlagen und Talente, die einem geliefert worden waren, verhandeln. Verdammt blöde, wenn man später bemerkt, dass sie einen den anderen gegenüber auch noch benachteiligen. Man kämpft und kümmert sich um einen Platz in der Welt, rennt jedem möglichen Erfolg hinterher und hofft auf Anerkennung und versucht die Erwartungen zu bedienen. Bei diesem Hamsterlauf kann man schnell verkümmern und er fühlte sich verloren wie ein Zigeunerkind am Rande eines kalten Universums.
Nein, er kannte sich nicht besonders gut aus bei sich selbst, er hatte nur verschwommene Ahnungen, wer er eigentlich war, und noch keine, wer er sein wollte. Als junger Mann war Baaks häufig aggressiv, wütend, unzufrieden, er teilte übel aus, er war gefangen in schlechter Laune, er hatte sich nicht gut dabei getan, er hatte wenig Zuneigung zu sich selbst, und seine Ängste waren gewuchert wie Unkraut.
Peter Baaks zündete sich eine Zigarette an und noch immer war sein Blick hinaus auf den Gang des Zuges gerichtet, wo er den kleinen Jungen hatte stehen sehen.
Sollte er in seiner damaligen Not Erfinder werden? Um sich zum Beispiel ein eigenes Ich zu erfinden? Für ihn als Kind wirkte die Welt damals so gewaltig, so groß, perfekt, so be-drohlich. Alle Gedanken waren gedacht, die Natur der Dinge erforscht. Die Weltbilder der Philosophie, der Religionen, der Wissenschaften, die auch noch gegenseitig in Kriegen lagen, alles war bereits da! Was sollte er nur tun in dieser Welt, in die er ungefragt geworfen worden war?
Wie sollte er ihr begegnen? Die anderen würden schnell spüren, wenn man sich in Richtung Verzweiflung begeben würde, denn keiner will es mit einem verzweifelten Menschen zu tun haben. Ein starkes Ich muss her, dazu verdammt viel Glück, verdammt viel Zufall und eine gute Gesundheit. Was aber Baaks vorzuweisen hatte, war nichts als eine schwache Ausstattung. Welcher Ausweg würde sich ihm bieten?
So hatte sich der kleine Peter Baaks eine Mutmaschine erfunden. Er wusste in diesem Augenblick, dass er durch sie die Kraft bekommen würde, sich in jedem Augenblick seines Lebens zurechtzufinden, ja neu zu erfinden. Er würde sich ein Selbst aus dem Staub der Dinge erschaffen, ein Selbst, das all dem gewachsen sein würde. Als Erster würde er anklopfen, als Erster würde er eintreten. Das hatte er sich selbst bereits beigebracht. Weiter würde er sich selbst ein Haupt aufsetzen und groß denken und durch diese Selbstbehauptung Aufmerksamkeit erzeugen und alle würden begeistert sein von ihm und seiner charmanten Selbstbehauptung. Mit seiner Mutmaschine würde er sich auch das Gefühl erfinden, mittendrin zu sein, von allen geachtet, bewundert. Er würde im Varieté des Lebens auftreten und die kleinen Komplikationen seines erfundenen Selbst in Unterhaltung verwandeln. Nicht im Käfig der zoologischen Gärten, wo sich die meisten aufhalten, ohne Tänze, ohne die Farbspiele unter den Röcken der Poesie. Auf der Bühne seines Varietés würde er schreien, wenn dem Außergewöhnlichen wieder und wieder die Handschellen angelegt würden und das Mittelmaß zum Maß aller Dinge ausgerufen würde. Aus geistigen Einbahnstraßen würde Baaks Durchfahrtstraßen bauen, und sein Kopf würde ein Vulkan sein, mit dem er seine brennende Sehnsucht gegen eine abgelebte, verkrustete Welt spuckte. Oder sollte er sich später in seinem Leben als Schriftstehler versuchen, den ererbten und weiterentwickelten Wahnsinn seines Lebens abschreiben und ihn als Literatur zwischen zwei Buchdeckel quetschen? Würden die Menschen ihn lieben, wenn er mit seinem Stift den Nebel ihrer Spiegel abkratzen würde! Nein, sie würden ihn nicht lieben. Niemand will etwas mit einem verzweifelten Menschen zu tun haben, schon gar nicht mit einem verzweifelten Dichter. Nein, seine Mutmaschine wird es nicht zulassen, dass er ein verzweifelter Mensch wird. Sie wird ihm immer wieder helfen, sich ein neues Immunsystem zu schaffen, damit er die Schlachten der lauen Temperaturen inner- und außerhalb seines Körpers gewinnen würde.
Baaks öffnete die Tür zu seinem Abteil. Er lief hinaus auf den Gang in der Hoffnung, den Jungen zu sehen, aber er konnte ihn nicht mehr sehen. Stattdessen stand der Schaffner da. Er fragte Baaks, ob er einen Wunsch hätte. Zuerst verneinte Baaks, doch dann verspürte er Appetit. Der Schaffner zeigte ihm den Weg zum Speisewagen, und obwohl Baaks jede Ansammlung von Menschen zuwider war, entschied er sich, den Speisewagen aufzusuchen.
Als Peter Baaks den Speisewagen betrat, war dieser voller Menschen. Es war laut, es roch nach schlechtem Essen, verbrauchter Luft und dieser gewissen geistigen Enge. Die Ather-schwingungen dieses Raumes behagten ihm nicht, es ekelte ihn eher an und Baaks wollte sofort umkehren, zurück in die Abgeschiedenheit und Ruhe seines Zugabteils. Aber plötzlich sah er die Kellnerin, und es war ihm unmöglich, diesen Ort zu verlassen. Baaks suchte nach einem freien Platz, aber er konnte keinen finden. Er stand eine Weile mitten im Speisewagen. Blicke waren auf ihn gerichtet, die er so nie gewollt hatte. Aber er konnte nicht gehen. Die Kellnerin ließ es nicht zu. Er musste in ihrer Nähe bleiben. Nach langen acht Minuten wurde ein kleiner Tisch frei und Baaks setzte sich.
Er sah in die Speisekarte, die auf dem Tisch lag, und er wartete. Er wartete, bis die Kellnerin zu ihm kam. Sie lächelte ihn an und Baaks lächelte zurück und seit langem fühlte er wieder seinen Herzschlag. Er bestellte einen kleinen Espresso, dazu ein Glas stilles Wasser. Ihre Frage, ob er etwas essen wolle, verneinte Baaks. Da stünde nichts auf der Karte, was ihm behagen würde. Die Kellnerin ging. Es dauerte fünf Minuten und sie kam mit einem silbernen Tablett zurück, auf dem die Espressotasse stand und daneben das Glas mit stillem Wasser. Sie stellte das Tablett auf seinem Tisch ab. Sie lächelte und Baaks lächelte schüchtern zurück. Sie ging. Sie ging fort von ihm und Baaks blickte ihr nach. Und in seinem Blick lag die gesamte Klaviatur seiner Gefühle und er war überwältigt davon, dass er noch die Fähigkeit besaß, diese zu spüren. Auf dem hellbraunen Zuckertütchen stand in Handschrift geschrieben, dass der Tod der einzige Unsterbliche sei. Das sei sehr ungewöhnlich für eine Werbung auf einem Zuckertütchen, dachte Baaks. Oder hatte sie das geschrieben? Für ihn? Und wieder beobachtete er, wie die Kellnerin die Bestellungen aufnahm, wie sie die Getränke und Speisen servierte. Er sah die geilen Blicke der Männer und Frauen, die auf die schöne Kellnerin gerichtet waren, und Baaks war eifersüchtig auf diese Blicke und er dachte, dass nur er diese Frau anschauen dürfe, dass sie nur für ihn da sei. Sie ähnelte ein wenig einer Schauspielerin, deren Namen ihm nicht einfiel. Aber die Filmszene, in der diese Schauspielerin vorkam, war ihm vor Augen. Sie stand am Abgrund einer Schlucht und flüsterte einem Mann zu:
„Wollen wir sterben oder ficken?“
Baaks öffnete das Zuckertütchen, das er noch in seiner Hand hielt. Er gab das fein gemahlene Weiß auf seinen Löffel. Wie durch eine Sanduhr ließ Baaks den Zucker nun auf die schwarze Oberfläche rieseln, bis auf ihr ein kleiner Zuckerberg entstanden war, der bald versank und sich löste tief unten im Schwarz. Jetzt erst wurde Baaks wieder bewusst, dass er sich in diesem Speisewagen aufhielt, mit diesen vielen Stimmen, die alle durcheinander durch den Raum schwirrten. Dieser Ort hier kam ihm vor wie ein tausendköpfiger Drachen, der mit
1.000 falschen Zungen sprach. Warum gaben sich die Gäste hier alle so aufgeregt, so überwichtig, und Baaks beschlich ein Gefühl, als wären diese Menschen in Wirklichkeit alle die Gefangenen ihrer selbst, in selbst gebauten Käfigen, in die sie sich im Laufe ihres Lebens eingesperrt hatten. Auch die Luft, die verbrauchte, abgestandene, machte ihm wieder zu schaffen wie schon am Anfang, als er den Speisewagen betreten hatte. Die Gäste hier schienen blind für die eigentlichen Fragen ihres Lebens und Baaks dachte, dass für diese Menschen hier diese
Blindheit auch noch normal sei. Waren sie hier nicht alle Opportunisten aus Überzeugung, humorlos, farblos, Menschen, die immer alles verachteten, was aus ihrem engen Käfigrahmen herausfiel. Baaks nahm einen nächsten Schluck aus seiner Espressotasse und schaute auf seine Uhr. Wann käme die Kellnerin zurück, zurück zu ihm? Wann würde sie ihn von hier erlösen? Sein Blick schweifte unruhig durch den Saal. Er suchte die Kellnerin, ihr Lächeln, ihre Schönheit, ihre Kraft. Aber Baaks konnte sie im Moment nicht finden. Und Baaks Gedanken holten ihn wieder ein.
