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Mark Ammern kombiniert in „Storming“ Sprechtheater, Musik und Performance. Das Stück spielt in einem ehemaligen Theater und richtet sich gegen die ‚neoliberale Revolution‘ und die Menschen, die sie betreiben bzw. erdulden. Die gesellschaftliche Veränderung wird im Gespräch bis in die Utopie, das ‚Reich Gottes‘ verfolgt, den Tod, das verbliebene ‚mysterium tremendum‘ einer scheinbar aufgeklärten Welt. Das Stück ist sprachanalytisch inspiriert und kritisch gehalten. Die ungewohnte Sichtweise kann befremden, weil es nicht primär um psychische Ereignisse wie Denken und Bewusstsein geht, sondern direkt um Sprache und ihre Bezüge. Gleich zu Beginn wird ein relevanter Fall erörtert: Worauf bezieht sich umgangssprachlich ‚Musik‘, wenn nicht über Musik, sondern über Empfindungen gesprochen wird? Im gesamten Stück bleibt ungewiss, ob es sich bei den Personen um Menschen oder um Aliens handelt. Im Gespräch macht sich eine Distanz zu den Menschen bemerkbar. Es könnte sich auch um Weltraumnomaden handeln, die schauen wollten, was aus den Menschen geworden ist. Die konzeptionell integrierte Musik stammt von Helge Bol und ist in ungewohnter Weise skalenbasiert. Eine unkonventionelle Choreographie von Bewegungen ist vom jeweiligen Theater zu entwickeln.
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Seitenzahl: 41
Veröffentlichungsjahr: 2015
Mark Ammern
AutorenVerlag Matern
Mark Ammern kombiniert in „Storming“ Sprechtheater, Musik und Performance. Das Stück spielt in einem ehemaligen Theater und richtet sich gegen die ‚neoliberale Revolution‘ und die Menschen, die sie betreiben bzw. erdulden. Die gesellschaftliche Veränderung wird im Gespräch bis in die Utopie, das ‚Reich Gottes‘ verfolgt, den Tod, das verbliebene ‚mysterium tremendum‘ einer scheinbar aufgeklärten Welt. Das Stück ist sprachanalytisch inspiriert und kritisch gehalten. Die ungewohnte Sichtweise kann befremden, weil es nicht primär um psychische Ereignisse wie Denken und Bewusstsein geht, sondern direkt um Sprache und ihre Bezüge. Gleich zu Beginn wird ein relevanter Fall erörtert: Worauf bezieht sich umgangssprachlich ‚Musik‘, wenn nicht über Musik, sondern über Empfindungen gesprochen wird? Im gesamten Stück bleibt ungewiss, ob es sich bei den Personen um Menschen oder um Aliens handelt. Im Gespräch macht sich eine Distanz zu den Menschen bemerkbar. Es könnte sich auch um Weltraumnomaden handeln, die schauen wollten, was aus den Menschen geworden ist. Die konzeptionell integrierte Musik stammt von Helge Bol und ist in ungewohnter Weise skalenbasiert. Eine unkonventionelle Choreographie von Bewegungen ist vom jeweiligen Theater zu entwickeln.
1. Auflage 2015, Version 1.3 Copyright © 2015 AutorenVerlag Matern Cover-Bild: Alyssa L. Miller, „Rain Drops on Skyscraper Window“ (Ausschnitt), CC-Lizenz (BY 2.0) [http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de aus der kostenlosen Bilddatenbank www.piqs.de] Schriften: www.linuxlibertine.org, www.softmaker.de (Cover) ISBN 978-3-929899-23-8 (ePub) ISBN 978-3-929899-24-5 (Kindle)
Die meisten Szenen spielen im schwarz ausgehangenen Bühnenraum. Tisch und Stühle, Gläser, Flaschen, mehr ist als Ausstattung vielfach nicht erforderlich. Wie aber der Bühnenraum beschaffen ist, kann dem jeweiligen Haus überlassen bleiben. Der Hinweis, dass es sich um ein ehemaliges Theater handelt, reicht vermutlich aus. Es wäre durchaus möglich, einen verwahrlosten, ja sogar einen baufälligen Zustand zu präsentieren.
Der Ort des Geschehens: Ein ehemaliges Theater.
Gesamtbedarf in „Storming“ an Personen: Personen 1-4 (Karl, Betty, Peter, Jens); jemand aus der Kneipenszene, ein Pizzabote, können von derselben Person gespielt werden; eine Gruppe, ebenfalls aus der Kneipenszene. Die vier Hauptpersonen (Personen 1-4) lassen im Gespräche unterscheidbare primäre Interessensbereiche erkennen: Karl ist Musiker, Betty hat ein besonderes Interesse an Sprache und Literatur, Peter, derjenige, der zum Treffen eingeladen hat, findet seine Themen in Wirtschaft und Gesellschaft, Jens in der Gesellschaft, der sogenannten Kultur und den Künsten.
Das Thema des Stücks wird durch eine Frage von Person 3 (Peter) gefasst: „ob jemandem angesichts der neoliberalen Revolution, die nicht bloß eine ökonomische ist, sondern eine gesellschaftliche, etwas einfällt, etwas, das man tun kann“.
Musik: Helge Bol („Modular“, „Mood I+II“), konventionelle Pop-Musik beim Auftritt der Kneipenszene. Wie man die Kneipenszene auftreten lassen möchte, bleibt dem jeweiligen Theater überlassen. Zur Präsentation der Musik durch Karl (Person 1) sind jedoch einige weitere Hinweise erforderlich: „Modular“ ist ein sechsteiliges Stück, das aus Multiskalen und Synthesizerklängen besteht. Einspielbare Audios liegen vor. Als Hardware dient fiktiv ein sogenanntes Modular-System − bereits in der Produktion wurde nur ein E-mu Hardware Sampler eingesetzt −, das auf der Hinterbühne installiert ist. Der fiktive Charakter des Modular-Systems kann gerne betont werden, z.B. durch aberwitzige Hochbauten mit bereitgestellter Leiter, aber blinkende Lampen und Anzeigen würden die Herkunft der Klänge unterstreichen, sogar eine laborhafte Atmosphäre. Die Bauten sind an der / einer Rückwand aufgebaut, davor steht eine Sitzgelegenheit mit einer Tastatur. Karl spielt fiktiv mit dem Rücken zur Bühne und zum Publikum. Als weitere Anzeigen bieten sich zwei Monitore an, die der Sache nach dasselbe anzeigen: je ein Spektrogramm. Einer der Monitore könnte auf der Hinterbühne postiert sein, zur Bühne ausgerichtet, und den Frequenzverlauf der Musik zweidimensional in schwarz / weiß anzeigen, der andere Monitor auf einer seitlichen Vorbühne, zum Publikum ausgerichtet, und den Frequenzverlauf der Musik sogar dreidimensional in Farbe anzeigen. Ich überlasse die Entscheidung der jeweiligen Produktion. „Mood“ hingegen ist ein zweiteiliges Stück für klassische Gitarre solo. Karl spielt es bereits mächtig angetrunken. Auch dafür liegen Audios vor. Der Klang resultiert allerdings nicht aus dem Zustand des Spielers, sondern aus der ungewöhnlichen skalenbasierten Komposition. In diesem Fall gibt es ein Video, das per Monitor präsentiert werden kann und das das Instrument in verwaschenen, hochskalierten Detailaufnahmen zeigt. Die Konzertgitarre erscheint plötzlich, erst als Karl sie von der seitlichen Hinterbühne aufgegriffen hat, und bildet einen Kontrast zum Modular-System.
Musik-Set-Link (Soundcloud): Modular (Helge Bol)
Video-Link (Youtube): Mood I+II (Helge Bol / Reinhard Matern)
Tanz / Bewegungen: Eine vom jeweiligen Theater einzubringende Choreographie wäre hilfreich. Die Bewegungen sollten nach Möglichkeit unkonventionell sein, sowohl im Hinblick auf klassischen / modernen Tanz als auch auf pophafte Bewegungen.
Als Beispiele für zweidimensionale Spektrogramme in schwarz / weiß, die über Monitor laufen könnten, während „Modular“ erklingt, habe ich vier Grafiken vom Anfang des Stücks ausgewählt. Die erste Grafik zeigt den Beginn von „Modular“ (1.1). Zu dieser Zeit ist die Herkunft der Musik noch fraglich, die Sicht auf den Monitor der Hinterbühne versperrt. Ob das Publikum durch einen vorderen Monitor bereits eine Ansicht erhält, bleibt der Produktion überlassen:
Die folgende Grafik zeigt mittig den Übergang vom ersten zum zweiten Teil innerhalb von „Modular 1“ (1.2). Der Hauptvorhang öffnet sich. Der Entstehungsort der Musik, die Hinterbühne, ist jedoch weiterhin verschlossen:
In der dritten Grafik ist relativ links der Beginn des dritten Teils innerhalb von „Modular 1“ (1.3) zu sehen. Im Stück wird der auf der Hinterbühne plazierte Monitor sichtbar:
Schließlich wird grafisch der Beginn von „Modular 2“ (2.1) gezeigt:
Die Aufnahmen entstanden durch die Bildschirmdruckfunktion eines Rechners, die eine Visalisierung innerhalb des freien Audioplayers „foobar2000“ aufzeichnete.
Ausstattung: Tisch, 3 Stühle, 3 Gläser, einige Flaschen, schwarz ausgehangen Beteiligte: Personen 1-3
[Nach einem langen Schweigen (und Herumhantieren)]
Person 1 (männlich): Nehmen wir Musik …
Person 2 (weiblich): Wie - und wohin?
Person 1 (männlich): Darf ich hier nicht normal sprechen?
Person 2 (weiblich): ‚Normal sprechen’? Was könnte dies sein? Das umgangssprachliche Geschehen, das verlautet, als hätte jemand etwas gesagt?
Person 3 (männlich): So kommen wir nicht weiter, im Gespräch. Nicht mal zu einem Anfang!
Person 2 (weiblich): Weshalb wäre anzufangen? Und wie, ohne Sprache.
Person 3 (männlich): Sollten wir uns anschweigen? Ist denn Umgangssprache nicht besser als gar keine?
Person 1 (männlich): Wäre es verfehlt, zum Beispiel über Musik zu sprechen? Wäre dies angemessener formuliert? Es gibt genug, das mich nervt, ich will nicht noch über Wörter streiten.
Person 2 (weiblich): Erst durch Worte wäre erfahrbar, worüber gesprochen wird, oder gesprochen werden könnte. Eventuell besteht lediglich die Möglichkeit zu raunen und zu jaulen? Sogar davon verstehen wir nichts, berücksichtigten wir die übrige Tierwelt. ‚Normal‘ zu sprechen unterliegt den schwierig zu vermittelnden Konventionen, die völlig unerheblich sein könnten. Nehmen wir Musik: Für die meisten Menschen ist dies kaum mehr als ein Bauchgefühl, egal ob ein pophafter Bass die Magenwände vibrieren lässt oder romantische Streicher das Hirn vernebeln. Konventionell gibt es gar keine Musik, ist von Musik nicht Rede …
Person 3 (männlich): Ich schätze, Karl wollte auf Ähnliches hinaus. Um dies mal zu erläutern: Die Leute sprechen nicht über Musik, die ist für sie gar nicht fassbar, lediglich über ihre Gefühle, ihr Erleben.
Person 1 (männlich): Niemand muss mich erläutern. Zeitgenössische Musik ist öffentlich nur noch in mitternächtlichen Radioprogrammen zu hören, weil kaum jemand etwas damit anfangen kann, allenfalls einige aussterbenden Fach-Redakteure, die mal studiert hatten.
Person 2 (weiblich): Und wer weiß etwas über Sprache? Ich höre allenfalls DUDEN, DUDEN. Als sei der für irgendetwas gut! Wie könnte über Musik gesprochen werden, wenn von Sprache nichts bekannt ist, bestenfalls ein paar redaktionell aufbereitete Vokabeln und Regeln.
Person 3 (männlich): Hat die Bildung versagt?
Person 1 (männlich): Seien wir doch ehrlich: Es gibt gar keine. Alle kindliche Neugierde wird in vermittelten Konventionen erstickt. Wenn dies Bildung wäre, müsste über ein Plattkloppen gesprochen werden. Nur dies ist, darin ist sich die Politik weitgehend einige, gesellschaftlich nutzbringend. Gestritten wird über das Wie.
[Schweigen]
