Strandfunde - Frank Rudolph - E-Book

Strandfunde E-Book

Frank Rudolph

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Beschreibung

Nach dem Erfolgsband "Strandsteine" widmet sich Frank Rudolph in diesem Buch Dingen, denen man auf Strandwanderungen am Spülsaum von Nord- und Ostsee, an der Steilküste oder im Wattenmeer begegnet. Dieses Sammel- und Bestimmungsbuch ermöglicht dem an der Natur interessierten Laien, dem Urlauber, Lehrer, Schüler und dem Liebhaber des Meeres die leichte Identifikation der eigenen Funde. Ein Foto zeigt die Muschel, die Alge, die Strandkrabbe, die glibberige Qualle usw. genau so, wie sie am Strand aufgesammelt werden kann. Wissenswerte Detailinformationen, wie Größe, Beschreibung der typischen Merkmale, Häufigkeit sowie kleine Karten zum geographischen Vorkommen der jeweiligen Spezies liefern weitere Hinweise zur Bestimmung der heimischen marinen Flora und Fauna.

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Strandfunde

Sammeln & Bestimmenvon Pflanzen und Tierenim Spülsaum an derNord- und Ostseeküste

von

Frank Rudolph

E-ISBN 978-3-529-09264-0

Alle Rechte, auch die des auszugsweisen Nachdrucks, insbesondere für Verfielfältigungen, der Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie der photo-mechanischen Wiedergabe und Übersetzung vorbehalten.

1. Auflage 2018

© Wachholtz Verlag, Neumünster

Inhaltsverzeichnis

Ein Wort vorweg

Einführung

Eine kleine Meereskunde der Nordsee

Eine kleine Meereskunde der Ostsee

Der Spülsaum

Algen

Blütenpflanzen

Schwämme

Quallen

Ringelwürmer

Muscheln

Schnecken

Tintenfische

Krebse

Moostierchen

Stachelhäuter

Manteltiere

Fische

Säugetiere

Spuren

Fossilien

Verschiedenes

Anhang

Ein Wort vorweg

Die frische Luft, die Weite des Meeres und die Schönheit der Natur locken Strandwanderer besonders in den Sommermonaten scharenweise an die Küste von Nord- und Ostsee. Aber auch die unbändige Gewalt der Stürme in der kalten Jahreszeit übt einen besonderen Reiz auf jeden Naturliebhaber aus. Manch einer lässt den Blick in die Ferne schweifen, beobachtet die vorüberziehenden Wolken und die weißen Segel am Horizont. Andere hingegen laufen am Spülsaum entlang und betrachten die Dinge, die die Wellen an den Strand geworfen haben. Die Hoffnung, einen Bernstein zu finden, lädt zu stundenlangen Spaziergängen ein. Der Blick nach unten offenbart dabei aber auch Zeugen einer überaus reichen Fauna und Flora. Die Vielzahl der angespülten Algen-Arten ist überraschend groß. Farbenfrohe Muscheln wandern als Dekorations-Objekte für das heimische Badezimmer oder die Vitrine im Wohnzimmerschrank in die Jackentasche. Plötzlich keimen Bastelideen auf, denn aus den leeren Muschelschalen lassen sich kleine Kerzen herstellen. Die Kinder sammeln Schalen mit einem kleinen Loch im Wirbel oder abgerollte Schneckenhäuser, um daraus wertvolle Schmuckobjekte zu gestalten. Interessiert betrachtet man die leeren Krebspanzer und die mächtigen Scheren und freut sich, dass man diesen Kameraden nicht im Wasser begegnet ist. Um die glibberigen Quallen macht man lieber einen weiten Bogen. Und mit der Zeit wächst das Bedürfnis, mehr über die Bewohner des nassen Elementes zu erfahren. Wie und wo leben die Tiere und Pflanzen, die nun vor unseren Füßen liegen? Wie kann man sie erkennen und bestimmen?

Hier soll das vorliegende Buch Hilfestellung geben. Es zeigt Pflanzen und Tiere, denen man bei Strandwanderungen am Spülsaum, an der Steilküste oder im Wattenmeer begegnet. Die Fotos bilden dabei Fundstücke so ab, wie sie am Strand aufgesammelt werden können. Und ein paar wissenswerte Dinge über Strandkrabbe, Schlickkrebs und Bohrmuschel ergänzen Hinweise zur Bestimmung der Funde. Kennen Sie das „singende Watt“, wenn Millionen von kleinen Krebschen in lauen Sommernächten mit ihren Antennen den Schlick nach Nahrhaftem durchkämmen? Wussten Sie, dass der „Schiffsbohrwurm“ in Wirklichkeit eine Muschel ist und das Wrack der ‘Wasa’ vor Stockholm nicht angegriffen wird, weil der Salzgehalt für diese Tiere hier zu gering ist. Und so gibt es manche Geschichte zu erzählen, die die „toten“ Strandfunde mit Leben füllen können.

Dem Touristen, Strandurlauber und dem an der Natur interessierten Laien, dem Lehrer, Schüler und Liebhaber von Nord- und Ostsee möge dieses Buch eine Hilfe bei der Bestimmung eigener Funde sein und vielleicht auch einige interessante oder neue Informationen über die heimische marine Fauna und Flora vermitteln.

Einführung

Für das Buch wurden solche Objekte ausgewählt, die am Spülsaum von Nord- und Ostsee, an der Steilküste oder im Wattenmeer aufgesammelt werden können. In der Regel handelt es sich dabei um die Überreste abgestorbener Tiere und Pflanzen. Abgesehen von einigen Petrijüngern wird kaum jemand einen lebenden Dorsch zu Gesicht bekommen. Schuppen oder Skelettelemente hingegen sind häufige Funde im Spülsaum. Nur wer tiefe Löcher in den Schlick gräbt, wird einen Wattwurm finden, seine Kothäufchen aber kennt jeder. Das Buch legt also solche Funde zugrunde, die man ohne Taucherausrüstung, Kescher, Spaten oder spezielle Fangtechnik sammeln kann. Und doch erzählen die leere Muschelschale, der Krebspanzer oder eine Spur im feuchten Sand viel über das einstige Leben der Organismen. Aus der Größe einer Mantelbucht bei Muschelschalen kann der Kenner darauf schließen, wie tief das Tier im Sediment lebt. Weist die Muschelschale ein kleines, kreisrundes Loch auf, so ist das Tier Opfer einer Raubschnecke geworden. Und über die Berippung einer Schale kann man auf die Grabtätigkeit der lebenden Muschel schließen.

Ein Foto zeigt die Funde so, wie sie am Strand gemacht werden können. Bei der Größe werden Maximalwerte angeführt, die eigenen Funde bleiben zumeist kleiner. Unter Wissenswertes werden typische Merkmale für die Bestimmung von Pflanzen und Tieren genannt. Wo nötig werden Unterscheidungskriterien zu ähnlichen Arten aufgezeigt. Ergänzend werden Lebensraum und Lebensweise von Pflanzen und Tieren vorgestellt. Die Angaben zur Häufigkeit sind relativ. An einigen Küsten Nord-Jütlands können die nordische Purpurschnecke (S. 102) oder der Pelikanfuß (S. 96) relativ häufig vor. Nach Stürmen kann man hier angespülte Entenmuscheln (S. 120) finden. Derartige Funde sind an anderen Stränden sehr selten. Muscheln sind an der Westküste Jütlands sehr viel seltener als im Wattenmeer. Blasentang, Miesmuscheln und Strandschnecken sind an der Ostseeküste sehr häufig. Die Ostasiatische Seescheide (S. 132) ist an den südwestlichen Stränden des Limfjordes häufig zu finden, man wird sie andernorts meist vergeblich suchen. An Steinstränden der Ostsee kann man hervorragend Flohkrebse beobachten. Der Lebensraum einer Art, die Strömungsverhältnisse, Küstenformen und auch die Jahreszeit spiegeln sich in der Häufigkeit der Funde wider. Einige Algen-Arten wie die Zottige Meersaite (S. 26) findet man nur im Frühjahr. Quallen trifft man hingegen erst im Spätsommer an. Wenn man weiß, wo und wie eine Art lebt, kann man gezielt nach ihr suchen und wird sie in der Regel auch finden. Die Fundhäufigkeit einer Art ist somit auch abhänging von der Kenntnis ihrer Biologie. Auf kleinen Karten ist das geographische Vorkommen der beschriebenen Spezies dunkelblau eingefärbt. Die gezeigten Verbreitungsgrenzen dürfen jedoch nicht als absolut angesehen werden. Wenn für eine Art als östliche Verbreitungsgrenze „westliche Ostsee“ angegeben ist und die Karte bei Rügen eine Linie zeichnet, so kann die Art durchaus noch im Greifswalder Bodden vorkommen oder sie reicht eben nur bis Fehmarn. Durch Strömungen können organische Überreste zudem über weite Strecken verdriftet werden. Funde sind also auch fernab des eigentlichen Lebensraumes möglich. In einem Glossar (S. 164) werden die wichtigsten Fachbgriffe erläutert.

Grundlagen

Eine kleine Meereskunde der Nordsee

Vor rund 50.000 - 70.000 Jahren, zum Höhepunkt der letzen Eiszeit, bedeckten gewaltige Gletscher Nordeuropa. Der skandinavische Schild war von bis zu 3.000 Meter mächtigen Inlandeismassen bedeckt. Rund 70.000.000 Kubikkilometer Wasser, so die Schätzungen, waren weltweit in weichseleiszeitlichen Gletschern gebunden - etwa dreimal so viel wie heute. Die Folge: der Meeresspiegel lag rund 80 - 100 Meter unter dem heutigen Niveau. Die Nordsee war ausgetrocknet, der Weg nach England frei. Als sich die nordischen Gletscher vor etwa 14.000 Jahren zurückzogen, drang das Schmelzwasser in das Nordseebecken ein. In den folgenden 5.000 Jahren stieg der Meeresspiegel um 50 Meter an. Vor 9.000 Jahren erstreckte sich die Küstenlinie von der Humbermündung an der Ostküste Mittelenglands bis nach Eiderstedt. Ein weiterer Anstieg des Wasserspiegels machte aus der Doggerbank vor der englischen Küste eine Insel. Hier fanden zahlreiche Tiere Zuflucht, konnten aber der fortschreitenden Überflutung ihres Lebensraumes nicht entkommen. Schleppnetz-Fischer fördern noch heute aus 13 - 16 Metern Tiefe zahlreiche Knochen von Mammut, Hirsch, Rind, Pferd und anderen eiszeitlichen und nacheiszeitlichen Großsäugern zutage. Vor 5.000 Jahren lag der Meeresspiegel noch 10 Meter unter dem heutigen Niveau. Schließlich wurde mehr Sediment eingetragen, als durch eindringendes Wasser ausgeglichen werden konnte. Der Meeresboden fällt nur um wenige Zentimeter pro Kilometer ab. Auf diesen weiten Flächen konnten sich die feinen Sand- und Tonpartikel ablagern. Vor rund 4.000 Jahren ist somit der Beginn in der Entstehung des Wattenmeeres gelegt. Heute ist die Fläche zwischen dem Ijsselmeer in den Niederlanden bis zur Fanøbucht in Dänemark das größte Wattengebiet der Erde. Ebbe und Flut und damit das regelmäßige Trockenfallen weiter Meeresgebiete charakterisieren einen Lebensraum der Extreme. Und dennoch leben im Wattenmeer rund 4.000 Tier- und Pflanzen-Arten. Viele davon sind endemisch, d. h. sie kommen nur in diesem Ökosystem vor.

Die Nordsee ist ein flaches Schelfmeer. Sie hat eine durchschnittliche Wassertiefe von 40 Metern, die aber im Norden auf mehr als 200 Meter absinken kann. Im Skagerrak wurde sogar eine Tiefe von 700 Metern festgestellt.

Geologisch gesehen ist die Nordsee schon 180 Millionen Jahre alt. In dieser Zeit war der Nordseeraum regelmäßig vom Meer überflutet, ist aber genauso häufig auch landfest gewesen.

Der Salzgehalt in der Nordsee beträgt 30 - 34 Promille. Der Wassereinstrom aus dem Atlantik erfolgt in der Haupsache von Norden her; aber auch über den Ärmelkanal erreicht frisches Wasser die Nordsee. Durch Sonneneinstrahlung entsteht in den Sommermonaten in 30 - 40 Metern Wassertiefe eine Sprungschicht, die das warme Oberflächenwasser von dem kühleren Tiefenwasser trennt und eine Durchmischung verhindert. Erst im Herbst sinkt das nähr- und sauerstoffreiche Oberflächenwasser ab.

Eine kleine Meereskunde der Ostsee

Der vorrückende Gletscher der Weichsel-Eiszeit erreichte vor etwa 25.000 Jahren Schleswig-Holstein. Als diese Gletscher vor etwa 14.000 Jahren abzutauen begannen, füllte sich das heutige Ostseegebiet zwischen den Moränen im Süden und dem Eispanzer im Norden mit Schmelzwasser. Das entstandene Becken wird als Baltischer Eisstausee bezeichnet. Vor etwa 10.000 Jahren zog sich das Eis bis nach Mittelschweden zurück. Durch den ansteigenden Meeresspiegel brach Salzwasser über den Skagerrak auf breiter Front ein. Auch zum Weißen Meer im Norden bestand eine schmale Verbindung. Als Leitform dieses brackig-salzigen Gewässers dient die Muschel Portlandia arctica, früher als Yoldia bekannt. Dieses Yoldia-Meer hatte bis etwa 9250 vor der heutigen Zeit Bestand. In diesen 750 Jahren hat sich das von der Last des Eises befreite Land so weit gehoben, dass sich die Verbindung zum Ozean wieder schloss. Für rund 2000 Jahre war die heutige Ostsee dann wieder süß und wird nach dem Vorkommen einer Schnecke als Ancylus-See bezeichnet. Der Baltische Schild hob sich weiter und große Flüsse trugen aus dem Süden große Wassermassen in das Becken ein. Dies führte vor rund 7.000 Jahren zur Überflutung der Beltsee im Westen und zum Eindringen von salzigem Nordseewasser. Es entstand das bis heute größte Brackwassermeer der Erde. Dieses Stadium wird als Littorina-Meer bezeichnet. Vor 4.000 Jahren setzte eine leichte Aussüßung ein, die Schnecke Limnea ovata hielt Einzug (Limnea-Meer). Seit 1500 Jahren breitet sich die Sandklaffmuschel in der Ostsee aus, man spricht seitdem vom Mya-Meer. Die Ostsee hat heute einen durchschnittlichen Salzgehalt von 15 - 25 Promille im südwestlichen Oberflächenwasser. In der mittleren Ostsee beträgt er noch 6 - 8 Promille, im Finnischen und Bottnischen Meerbusen kann der Salzgehalt auf unter 2 Promille sinken. Die durchschnittliche Wassertiefe liegt bei 52 Meter. Die mit 459 Metern tiefste Stelle befindet sich zwischen Gotland und Stockholm. In dieser Tiefe findet auch bei Sturm kein Wasseraustausch mehr statt.

Typisch für die Ostsee sind stabile Sprungschichten. Im Winter liegt eine etwa 60 Meter mächtige, kalte und salzarme Wasserschicht über dem wärmeren und salzreicheren Tiefenwasser. Im Sommer entsteht durch Erwärmung in 20 - 30 Metern Wassertiefe eine weitere Sprungschicht, während die darunter liegende Zwischenschicht die winterlichen Temperaturen hält.

Vor allem das Brackwasser ist für die artenarme Fauna verantwortlich. Die meisten Organismen sind aus der Nordsee eingewandert, ihre Zahl nimmt mit sinkendem Salzgehalt nach Osten und Norden deutlich ab.

Der Spülsaum

Der Spülsaum markiert den höchsten Wasserstand der letzten Flut bzw. die Linie, bis zu der die Wellen gelaufen sind. Man bezeichnet ihn auch als Flutsaum. Hier wird alles das zusammengeschwemmt, was im Meer treibt. Leider sind dies an einigen Stränden eine Unmenge von leeren Flaschen, Schuhe, Gemüsezwiebeln, zerrissene Netze, alte Seilschaften, durchlöcherte Fischkisten und weitere ausgesonderte Bestandteile der Wohlstandsgesellschaft. Besonders nach Stürmen werden vor allem große Algenteppiche angelandet, die die Wellen vom Untergrund losgerissen haben. An anderen Stränden überwiegen lose Muschelschalen oder Schneckengehäuse, die aus dem Sand ausgespült wurden. Der Spülsaum offenbart immer das, was vor der Küste lebt. Aber nicht ausschließlich, denn Reste von Pflanzen oder Tieren können vom Meer über weite Strecken transportiert werden, besonders wenn diese Schwimmkörper besitzen. Entenmuscheln heften sich an Treibholz an. Es sind Hochseebewohner, die nur selten nach auflandigen Winden zusammen mit ihrem Floß an den Strand geworfen werden. Der Schulp vom Gemeinen Tintenfisch ist von Natur aus so leicht, dass er aufschwimmt und häufig im Spülsaum anzutreffen ist. Je nach Jahreszeit kann man unterschiedliche Tiere und Pflanzen im Angespül (so der Fachbegriff) finden. Im Frühjahr und Sommer häuten sich die Krebse, ihre leichten Häutungsreste liegen massenhaft im Spülsaum. Im Spätsommer, wenn ihre Entwicklung abgeschlossen ist, findet man oft massenhaft Quallen, die vom Wind in den engen Förden zusammengetrieben werden. Zu den seltenen Funden im Angespül gehören höhere Wirbeltiere wie Schweinswal oder Seehund.

Ein frischer Spülsaum ist wie eine Schatzkammer. Man läuft mit dem zurück -weichenden Wasser am Flutsaum entlang und staunt über die Vielfalt der angelandeten Organismen. Auch am selben Strand wird man immer unterschiedliche Fundstücke bergen können. Einmal sind es leere Seeigelgehäuse, ein anderes Mal Sepia-Schalen oder hunderte von kleinen Seestachelbeeren, die dem Strandwanderer zu Füßen liegen.