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Weihnachten war und ist für mich immer ein ganz besonders Fest. Es lässt Raum für Träume, Sehnsüchte und Wünsche. Noch heute, mit siebzig Jahren, stellt sich dieses wunderbare Gefühl pünktlich jedes Jahr zur Weihnachtszeit wieder bei mir ein und bringt mich ohne große Umschweife, zurück in meine glückliche Weihnachtskindheit.
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Seitenzahl: 93
Veröffentlichungsjahr: 2022
Birgit Bohrer
Süßer die Glocken …
Birgit Bohrer
Süßer die Glocken …
Erzählungen, Gedichte und Gedanken zur Weihnachtszeit
© 2022 Birgit Bohrer
Umschlaggestaltung, Illustration: Birgit Bohrer
Verlag und Druck:
tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
ISBN Hardcover: 978-3-347-64620-9
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung
Dieses Buch widme ich der Liebe zur Schöpfung der Liebe zu den Menschen und der Hoffnung auf ewigen Weltfrieden
Weihnachten, endlich Weihnachten
Mein namenloser Engel
Der Fremde
Weihnachtspunsch für die Großen
Pfälzisches Krippenspiel in mehreren Katastrophen
Der geheimnisvolle Laden
Weihnachtspunsch für die Kleinen
Martha und der liebe Gott
oder “Die letzte Chance”
die etwas andere Geschichte
Das Apfelbäumchen
Das Haus vom Nikolaus
Geheimnisvoller Winterwald
Amelie und Anton
Kindergebete
Auf dem Weihnachtsmarkt
Überraschung, Überraschung
Süßer die Glocken nie klingen
Viel Freude beim Lesen und Vorlesen
Weihnachten, endlich Weihnachten
Jetzt werden Kinderträume wieder wahr. Eine Zeit der Glückseligkeit ist angebrochen. Der Duft von Plätzchen liegt vielversprechend in der Luft, man schreibt Weihnachtsbriefe und bastelt Sterne für den Christbaum. Des Nachts geschehen geheimnisvolle und sonderbare Dinge im Haus. Ein Flüstern und Wispern schleicht sich leise und sacht ans Kinderohr. Die Träume sind angefüllt mit unbegreiflichem, verwirrend und wunderschön zugleich. Die Phantasie bringt die tollsten Blüten und Wünsche hervor und diese gehen dann mit den Sehnsüchten auf große Reise. Die Tage ziehen allerdings zäh ins Land und lassen sich auch durch größte Anstrengungen nicht wirklich ab- kürzen. Es herrscht Betriebsamkeit und jeder gibt sein Bestes, so dass pünktlich zum “Heiligen Abend” alles vorbereitet ist. Die letzten Stunden vor der Bescherung sind endlich angebrochen. Alles liegt oder steht an seinem richtigen Platz. Das Haus ist festlich geschmückt und die Tür zum Wohnzimmer ist, wenn Sie es noch so handhaben, wie ich es in meiner Kindheit erlebt habe, verschlossen. Alle sind voller Vorfreude, voller Hoffnung, dass es auch dieses Jahr wieder eine schöne Bescherung geben wird. Frisch gebadet und weihnachtlich frisiert sitzen wir erwartungsfroh in der warmen Stube und hören aufmerksam zu, was uns die Mutter jetzt noch aus dem alten herbeigeholten Weihnachtsbuch vorlesen wird.
…..es war einmal zur Weihnachtszeit.
Wie lange das allerdings schon her ist, weiß man nicht mehr so genau. Es gab nämlich mal eine Zeit, als die Welt noch träumen konnte, die Kinder ans Christkind glaubten, die Menschen zusammenhielten, das Wenige, das sie besaßen, miteinander teilten und man von Selbstgebasteltem strahlende Augen bekam. Wo Dankbarkeit noch großgeschrieben wurde und man keine wirklichen Erwartungen bezüglich der Geschenke hatte. Das Weihnachtsessen aus dem Notwendigsten, das man beschaffen konnte, bestand und trotzdem köstlich schmeckte. Alt und Jung danach glücklich zusammen saßen, sich daran erfreuten, dass sie einander hatten, Weihnachtslieder sangen und die Geburt von Jesus Christus noch etwas ganz Besonderes war. Man stellte Kerzen in die Fenster für alle bereits Verstorbenen. Die Vorfreude auf das Wenige, das einem die Bescherung brachte und das unbeschreibliche Glücksgefühl, einem Anderen auch etwas Kleines schenken zu können. Erinnern Sie sich auch noch daran, wie das damals war, als Weihnachten geheimnisvoll und von keinem anderen Fest übertroffen wurde. Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, ob es nicht lohnenswert wäre, es wieder zum dem zu machen, was es einmal war, nämlich das Fest der köstlichsten Träume und der Geburt von Jesus Christus.
Mein namenloser Engel
Ich weiß nicht, wie du wirst gerufen
Ich kann es selbst einmal versuchen
Dich mit einem Namen zu benennen
So als würde ich dich kennen.
Schon seit frühesten Kindertagen
Sind wir miteinander gut gefahren
Warst bei mir an meiner Seit’
Immer schützend dein Geleit
Wie auf Omas altem Bild
Einen Blick unendlich mild
Schützend hieltest du die Wacht
Über beide Kinder sacht
Dieses Bild hat mich berührt
Und mich dann zu dir geführt
Bleib mir treu, geleite mich
Sei mein Engel und beschütze mich
Hab’ den Weg zu dir gefunden
Meine Seele wird gesunden
Wenn du in meiner Nähe bist
Weil du niemals mich vergisst
Ich kann immer auf dich bauen
Keinem kann ich so vertrauen
Bist bei mir zu jeder Stund’
Ob ich krank, ob ich gesund
Fühle mich durch dich geborgen
Nimmst mir viele meiner Sorgen
Lässt mein Herz befreiter schlagen
Bist bei mir an allen Tagen
Alles was ich will bist du
Hüllst mich ein, schenkst mir die Ruh’
Bleib mir treu, geleite mich
Sei mein Engel und beschütze mich
Will nicht ohne dich hier sein
Ich bin dein und du bist mein
Kann mit sicherem Schritte wandeln
Brauch ums Glück nicht zu verhandeln
Lass mich einfach mit dir treiben
Will an deiner Seite bleiben
Bin dir nahe und doch fern
Hab dich ungesehen gern
Wünsche mir, dass dieses Band hält fest
Dass wir zwei auch bis zum Rest
Uns die Treue stetig halten
Darfst auch meine Zukunft weiterhin
gestalten
So wie du’s für richtig findest
Mich von mancher Last entbindest
Bleib mir treu geleite mich
Sei mein Engel und beschütze mich!
Der Fremde
Viele Jahrzehnte sind seither vergangen, und trotzdem erinnere ich mich noch ganz genau an diesen besonderen Weihnachtsabend. Es sind nur ein paar kleine Schritte in meinen Erinnerungen und schon bin ich an diesem Punkt, den ich euch jetzt gerne erzählen möchte, angekommen.
Die Nacht ist frostig kalt. Ein Hauch von zartem Nebel, schwebt über den schneebedeckten Baumwipfeln. Leise und unaufhörlich rieseln Schneeflocken vom Himmel, so als wollten sie die ganze Welt schützend unter einer großen Daunendecke verbergen. Der Mond inmitten der Sternenschar, blickt erwartungsfroh auf die Erde und in seinem schwachen Licht funkeln die unzähligen Eiskristalle, die der Frost in der letzten Nacht mit magischer Hand hervorgezaubert hat. Die Straßen menschenleer, Lärm und Hektik des verklungenen Tages sind wie von Zauberhand einer wohltuenden Ruhe gewichen. In den festlich geschmückten Fenstern der Häuser stehen die Kerzen und warten nur darauf, endlich angezündet zu werden, um ihr Licht in dieser besonderen Nacht an all jene zu verschenken, die bereits den langen Weg in die Ewigkeit angetreten haben. In der Stube ist es warm und gemütlich, so wie ich es gerne mag. Alles ist vorbereitet und wir warten aufs Christkind. Ich schaue schon eine ganze Weile, eingehüllt in glückselige Geborgenheit, durch die Fensterscheibe in die dunkle, geheimnisvolle Weihnachtsnacht. Wie oft habe ich in den vergangenen Jahren hier schon gestanden und gedankenverloren in die immer gleiche Finsternis geblickt, während die Jahre meiner Kindheit unaufhaltsam vorbeieilten. Doch diese eine Nacht ist unter den vielen vergangenen Nächten etwas ganz Besonderes, was ich allerdings in diesem Moment noch nicht wusste. Da tritt plötzlich ohne Vorwarnung ein Mensch in mein Blickfeld und reißt mich aus meinen Träumen. Er durchschneidet die einsame, frostige Dunkelheit und bei jedem seiner Schritte weht ihm weißer Atem wie eine Fahne voraus, so als wollte diese ihm den richtigen Weg zeigen. Er hat eine alte, längst aus der Mode gekommene Strickmütze auf und trägt dazu einen Mantel, der beileibe auch schon besser Tage gesehen hat. Die Schuhe sehen aus, als seien sie nicht in der Lage, die Füße wirklich warm zu halten, und werden sich schon sehr bald von ihrem Besitzer verabschieden. Bis zu den Knöcheln, die zum Glück noch vom Stoff der ausgebeulten Hose bedeckt sind, reicht der Schnee und hält sich hartnäckig am Saum in unzähligen gefrorenen Eisteilchen fest. Er hat den Kragen hochgeschlagen, die Schultern angespannt und die Hände tief in die Manteltaschen vergraben und geht mit gesenktem Kopf und verhaltenen Schritten die schwach beleuchtete, menschenleere Straße entlang. Ich kann meinen Blick einfach nicht von ihm wenden. Wo kommt er her und wo geht er um diese Zeit wohl noch hin? Wird er vielleicht irgendwo bereits erwartet? Ich habe ihn hier in unserem Ort noch nie gesehen. Seine zögerlichen Schritte lassen allerdings auf kein eiliges Ziel schließen. Plötzlich und unverhofft dreht er sich zu mir um und schaut mir direkt in die Augen. Ich erschrecke fast zu Tode, weil ich mich ertappt fühle, obwohl es sicherlich kein Vergehen ist, einen Fremden etwas genauer zu betrachten. Mein Herz pocht wild in diesem Moment. Sein Blick ist weder fremd, noch feindselig, sondern weich und freundlich, er wirkt vertraut und passt so gar nicht zu seinem ärmlichen Erscheinungsbild. Der Mann bleibt stehen und verharrt auf der Stelle und während er auch mich ohne Unterlass, mit einer immer gleichbleibenden Gelassenheit anschaut, strahlen seine Augen und alle negativen Empfindungen und voreiligen Schlüsse, die meinen Kopf besiedeln wollen, schweben in diesem Moment engelsgleich davon. Ich stehe wie eingefroren, wie erstarrt am Fenster, obwohl es wunderbar warm hier drinnen ist, kann ich mich weder bewegen, noch von seinem Blick lösen. Ich bin noch nicht einmal fähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Da nimmt er ohne Vorwarnung und wirkliche Eile die Mütze vom Kopf, macht eine kleine, etwas ungeschickt wirkende Verbeugung zu mir herüber und legt für einen kurzen Augenblick seine rechte Hand zielsicher auf sein Herz und geht dann, so als wäre sein Handeln das Selbstverständlichste auf der Welt, lächelnd und wortlos seines Weges. Dabei setzt er die alte Strickmütze ungeschickt mit den klammen Fingern wieder auf die ungekämmten, etwas zu lang geratenen Haare, steckt die Hände erneut tief in die Manteltaschen und schon ist er aus meinem Blickfeld entschwunden. Ich schaue immer noch in die Richtung, in die der fremde Mann gelaufen ist, und erforsche mit den Augen die Dunkelheit, die ihn einfach so, ohne Vorwarnung, verschluckt hat. Jetzt geht alles ganz schnell. Ich löse mich aus meiner Starre, greife, ohne lange darüber nachzudenken, von der Garderobe meine Winterjacke und die gefütterten Stiefel und spurtete die Haustüre hinaus, die ich in der Eile sogar vergesse zu schließen. Hinter mir höre ich noch den lauten, überraschten Ruf meiner Mutter. Als ich mich kurz zu ihr umdrehe, steht sie mit erhobenen Händen in der Tür und schüttelt nur ungläubig den Kopf. Ich bin aber in der Zwischenzeit “Gott sei Dank” schon außer Reichweite und kann somit ihre Aufregung straffrei ignorieren. Ich laufe schnellstmöglich zur nächsten Kreuzung, schaue nach links und nach rechts, doch keine Menschenseele ist zu sehen. Soweit kann er in der Kürze der Zeit doch nicht gekommen sein, denke ich bei mir. Ich überlege angestrengt, ob ich ihm nachrufen soll. Aber was soll ich rufen, oder wen soll ich rufen, ich kenne ja noch nicht einmal seinen Namen. Alles andere, was ich ihm durch die Nacht nachschicken könnte, würde wahrscheinlich mehr als peinlich klingen. Wenn ich jetzt pfeifen könnte, dafür würde ich alles geben, ja sogar auf die langersehnten Weihnachtsgeschenke gerne verzichten. Ich versuche es trotzdem. Was allerdings dabei herauskommt, ist nur ein kläglicher, lauer, nichtssagender Luftstrom, der keine Menschenseele wirklich erschrecken, geschweige einen Fremden zum Innehalten bewegen kann. Also dann nochmal die Beine in die Hand genommen und durchgestartet. So sehr ich mich auch anstrenge, weit und breit ist niemand zu sehen. Nur eine eisige Kälte und unendliche Stille sind in dieser Nacht meine einsamen Begleiter. Ich gehe mutlos
