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"Männer fallen nicht vom Himmel!" Das Internet ist geduldig. Somit lernen Vic und ihre Freundin die Herren der Schöpfung nicht nur von ihrer besten Seite kennen. Die beiden jagen von Date zu Date und lernen auf der Suche nach Mr. Perfekt ganz neue Seiten an sich und dem männlichen Geschlecht kennen. Sie suchen über Kontaktanzeigen, landen beide im Swinger-Club und stolpern von einem verrückten Abenteuer ins nächste, was nicht immer ungefährlich ist und gleichzeitig zu urkomischen, skurrilen Erlebnissen führt. Mit viel frivolem Humor und frecher Situationskomik meistern die zwei ihren Alltag, um zwischen Küche, Job und Kindern ihren Traummann zu finden. Ein gefühlvoller, erotischer Roman mit mitreißenden Dialogen und Tempo, gespickt von Witz und Humor.
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Seitenzahl: 379
Veröffentlichungsjahr: 2016
www.tredition.de
Angela Döding
www.tredition.de
© 2016 Angela Döding
Verlag: tredition GmbH, Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-7345-1982-6
Hardcover:
978-3-7345-1983-3
e-Book:
978-3-7345-1984-0
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Marc
Schwer atmend lag ich nassgeschwitzt in einem fremden Bett. Der Mann, der mich glücklich streichelte, war mir allerdings bekannt, zwar erst kurz, aber immerhin bekannt. Ich lächelte scheu zurück. Dies war nicht mein erstes Treffen mit einer Internetbekanntschaft. Ich war ein wenig traurig. Denn dies würde das letzte Stelldichein mit Marc sein. Der Mann war Hammer, ein Gedicht, ein wahres Leckerchen, doch leider wird dieses Abenteuer genau hier enden, was so wunderbar begann…
Die Minuten krochen wie zähes, klebriges Harz über das Zifferblatt. Nervös blickte ich immer wieder auf die Uhr. Unruhig lief ich zwischen den Regalen der kleinen, aber feinen Boutique, in der ich auf 450 Euro Basis, zuzüglich großzügiger Verkaufsprovision arbeitete, umher. Ich kam mir vor wie ein Zombie, fremdgesteuert, nicht Herr meiner Sinne und Handelns. Völlig entnervt und gleichzeitig euphorisch. Auf… ab, hin… her. Ich zählte die Kästchen auf dem Teppichboden. Bei siebenundvierzig kam ich mir unendlich blöde vor. Automatisch begann ich zu hüpfen, erst auf dem linken Bein, dann auf dem rechten. Die Zeit musste doch irgendwie tot zu schlagen sein. Bravo, jetzt klopfte mein Herz wie nach einem Marathonlauf, ich war völlig außer Atem und schwitzte wie ein Schwein. Mein Deo versagte. Vic, lobte ich mich, du hast es echt drauf. Vorsichtig äugte ich durch das Schaufenster. Hoffentlich hatte mich niemand beobachtet. Schaut nur, da springt die Verrückte durch ihren Laden… was sie wohl hat…?
Ein Blick in den Spiegel genügte jedoch, um mich halbwegs auf den Boden der Tatsachen zurück zu bringen. Meine Haare hingen wie altes Sauerkraut um meinen Kopf. Pappig und völlig aus der Form geraten. Das hatte man nun davon, wenn man es besonders gut meint und sich statt der üblichen Portion, eine Überdosis Haarschaum auf die Birne knallte. Ein wenig Haarlack hob das Ganze, fragte sich nur wie lange die Frisur der Last standhielt, bevor sie endgültig kapitulierte und gänzlich in sich zusammenbrach. Wütend betrachtete ich mein Spiegelbild. Es gab Tage an denen ich lediglich zu Aldi und zur Post fuhr und an solchen Tagen zierte kein Pickel mein Gesicht, die Haare saßen, als würde man zur Gala erwartet, die Augen strahlten mit der Sonne um die Wette… und für wen? Für die Kassiererin, die einem mürrisch das Wechselgeld reichte… ?
Weit und breit kein attraktiver Mann, der dieses Aussehen bemerken und bewundern könnte. Aber heute, heute, an diesem überaus wichtigen Tag, brach das Immunsystem schier grundlos und ohne Vorwarnung in sich zusammen… Pickel, Pusteln und Augenränder zierten mein Gesicht. Ich sah blass und abgekämpft aus, völlig übernächtigt… Oh Gott… Wütend starrte ich meinem Spiegelbild entgegen. Das Leben war so ungerecht. Seit Monaten setzte ich alles daran, nicht als vertrocknete Dörrpflaume in die Geschichte einzugehen und heute, heute war der Tag, Tag aller Tage und ich sah aus, als hätte ich die Rallye Paris – Dakar zu Fuß bewältigt. Panisch versuchte ich die sich ausbreitenden hektischrote Flecke zu kaschieren, doch je mehr Make-up ich darüber verteilte, umso verheerender sah es aus. Ich wischte, tupfte und rieb. Lass es ruhen… ein gegarter Hummer ist blass gegen dich! Entmutigt drehte ich meinem Spiegelbild den Rücken zu. Aufgeregt wie ein überdrehter Teenager war ich einfach nicht fähig klar zu denken, geschweige denn konzentriert zu arbeiten. Vor lauter Verzweiflung begann ich sämtliche T-Shirts neu zu falten und zu sortieren, völlig unnötig, aber einigermaßen automatisiert. So überforderte ich wenigstens nicht mein hormonverseuchtes Gehirn… sehr schön und es verstrichen wieder ganze 15 Minuten… Erschöpft und völlig fertig mit den Nerven… die Anspannung zerrte an ihnen, wie an einer störrischen Kuh auf der Weide, hockte ich mich in ein stilles Eckchen des Ladens und hoffte, dass alle gestressten Kunden mich für heute in Ruhe ließen. Energisch klimperte ich kämpferisch mit den Lidern gegen die aufkommenden Tränen an.
Ich hatte dieses verdammte, einsame, überaus schmerzhafte Singleleben gründlich satt. „Weißt du, was das aller Schlimmste daran ist, betrogen und verlassen zu werden?“, fragte ich Eva gestern. „Es ist kein Schwanz mehr in greifbarer Nähe?“ witzelte sie zynisch. „Nein“, sagte ich, „das aller Schlimmste daran ist, dass die Andere nun genau all das bekommt, was ich mir immer gewünscht habe. Sie wird dann die witzigen Seiten an ihm entdecken. Sie wird Orte mit ihm besuchen, an die ich immer wollte… sie wird in Stellungen Orgasmen bekommen, denen ich noch bis heute hinter her lechze…“ „Hey Vic“, unterbrach Eva mich, „deine Trennung liegt Lichtjahre zurück… sag nicht, du trauerst deinem Ex noch nach?“ „Nein, ich habe einfach Zukunftsängste. Ich sehe Nebel, nichts als dicken, klebrigen, grauen Nebel.“ Meine beste Freundin lachte verlegen.
Ich legte meine heiße Stirn ans kühle Schaufensterglas. Noch höchstens zwei Stunden und ich würde ihm wieder in die Arme fallen…so hoffte ich zumindest. Ich sah aus dem Fenster und ertränkte meine Sehnsucht in realistisch anmutenden Tagträumen…
…Sehnsüchtig beobachtete ich den Verkehr auf der belebten Straße. Endlich sah ich seinen tiefschwarzen BMW um die Kurve biegen. Mein Herz machte einen Sprung. Er hatte Glück und fand direkt vor dem Eingang der kleinen Boutique einen Parkplatz. Ich strich mir den hautengen Rock glatt, setzte mein sexy-hexi Lächeln auf und öffnete ihm strahlend die Türe… freie Fahrt für die großen Gefühle. Cool überquerte er überaus männlich die Straße. Allein sein Anblick raubte mir sämtliche Sinne und verursachte Puddingbeine und Gänsehaut. Er war groß, schön groß… schöne 1,88 m… seine blonden Haare strich er sich mit einer sinnlichen Bewegung aus der Stirn, die breiten Schultern unter seiner Lederjacke ließen mich erschaudern und ich musste an unsere erste gemeinsame Nacht denken. Die enge Jeans betonte seinen kleinen Knackarsch und ließ meine Fantasie auf Wanderschaft gehen. Er sah unverschämt gut aus… Mein Kopf dröhnte und die elektrische Ladung breitete sich hinunter bis in meinen Schritt aus.
„Hallo… ” Seine dunkle Stimme erregte mich zusätzlich. „Hi.” Nur ein heiseres Krächzen verließ meinen Hals.
„Ich habe dich so vermisst.” Er stand vor mir. Ich ertrank im schweren Duft seines Aftershaves. Schmerzlich langsam nahm er mich in seine starken Arme, hielt mich endlich fest an sich gedrückt und hauchte mir winzige, zärtlich Küsse in meinen Nacken. Ich stöhnte leise auf und schloss selig die Augen. Nicht aufhören… bitte nicht aufhören…, hörte ich mich betteln. Zärtlich knabberte er an meinem Ohrläppchen, saugte zart daran, ich spürte seinen heißen Atem und stöhnte leise auf, als ich seine Männlichkeit an meinem Oberschenkel spürte.
Die Türglocke riss mich unerbittlich und brutal aus meinem Traum. Es dauerte einen Augenblick, bevor ich mich in der Realität wieder fand. Ich schüttelte hastig und verlegen den letzten Rest Fantasie ab, hoffte nicht nach Sex zu riechen, was natürlich Quatsch war, denn ich hatte ja keinen gehabt, und widmete mich schweren Herzens der Kundin. Die hatte mir gerade noch gefehlt… so eine vom Typ späte Übermutter mit ihren zwei rotznäsigen Kleinkindern an der Hand. Sie versuchte verzweifelt die Kleinen zur Ruhe zu ermahnen.
„Setzt euch hier hin.”, wies sie mit der freien Hand, in der anderen trug sie bereits mehrere Einkaufstüten, auf den Rand der Schaufensterbegrenzung.
„Hinsetzen und nichts anfassen… NICHTS anfassen, habe ich gesagt! Das kann doch nicht so schwer sein… Himmel, Jan… halt doch deine Händchen brav bei dir… och, Janilein… nun schau doch was du getan hast. Der schöne Rock… nun ist die Schaufensterpuppe ganz traurig. Pass doch auf, das Eis läuft schon, nun leck doch mal schneller. Janilein, das kann doch nicht so schwer sein. Nun bleib ganz lieb da sitzen, ja? Sonst ist die Mami schrecklich traurig.” Sprach’s, drehte sich um und überließ die Kinder, sowie die Einrichtung einem ungewissem Schicksal. Ich kniff missmutig die Augen zusammen… ich hasste kleine Kinder… nicht im Allgemeinen, aber in meiner Boutique. So konnte ich nach Feierabend noch eine unbezahlte Extra Schicht in punkto Reinigung dran hängen. Entweder quengeln die Kids in einer Tour, so dass Muttern völlig aufgelöst und mit dem Nerven am Ende, wieder fluchtartig, ohne etwas gekauft zu haben, das Geschäft auf nimmer Wiedersehen verließ oder sie kümmerte das Geschrei der Kleinen nicht im geringsten und probierten mit einer Engelsgeduld stundenlang die gesamte Kollektion. Es interessierte diese Damen nicht die Bohne, dass die Kleinen währenddessen Fangen um die Kleiderständer spielten, sich dabei an den Hosen und Blusen festhielten, sie zu Boden rissen und ich mich redlich bemühte sie abzulenken, während ich gleichzeitig hastig versuchte die verstreuten Kleidungsstücke wieder einzusammeln. Bevor ich dann kurz vor dem Nervenzusammenbruch stehe, drückt mir die liebe Mama etliche probierte, zerknitterte und als ein Haufen gesammelte Klamotten in den Arm, um dann süffisant zu säuseln:
„Ich komme noch einmal wieder, wenn ich mehr Zeit habe, danke. Es war auch nicht das Richtige dabei, vielleicht beim nächsten Mal… Kinder… kommt… sind sie nicht süß? Und immer sooo brav. Haben Sie auch Kinder? Auf wiedersehen.”
Bitte nicht! Auf solche Kunden konnte ich leicht verzichten. Ich überlegte ernsthaft ein Schild mit dem Konterfei solch kleinen, unausstehlichen Nervensägen an die Türe zu nageln, mit dem Hinweis: „Wir müssen draußen bleiben”. Ein zusätzlicher Haken an der Wand, samt Leine und allen war geholfen.
Ich fischte ein gebrauchtes Tempo aus meiner Hosentasche und versuchte das Übel in Form klebriger Patschehändchen zu mildern, denn abzuwenden war es schon nicht mehr… ein unschöner Klecks Schokoeis zierte den Saum des Rockes im Schaufenster. Im Januar Eis, unverständlich und unverschämt, die Kinder mit diesem Horror eines jeden Ladenbesitzers laufen zu lassen. Der Kleine quittierte meine Fürsorge mit Gebrüll und versetzte meinem Schienenbein einen schmerzhaften Tritt… unglaublich wie viel Kraft in Schuhgröße 25 stecken konnte.
„Janilein… Mami kommt gleich… nicht weinen… bin ja gleich wieder da…Haben Sie diese Bluse eine Nummer größer? Ich glaube, sie fällt ein bisschen klein aus. Sind das italienische Größen? Diese Südländer sind ja die reinsten Püppchen. Wie sollen wir nordischen Europäer in so was nur rein passen?…”
Sie hielt mir mit ausgestrecktem Arm die Bluse durch den Vorhang der Umkleidekabine. Abschätzend sah ich auf die Größe… 38… für ein Pferd… lächerliches Wunschdenken und ein beneidenswert gesunder Überschuss Selbstbewusstsein. Wütend hing ich das Stück zurück auf den Ständer und suchte Größe 42 raus, ohne dabei die kleinen Monster aus den Augen zu lassen… gar nicht so einfach, denn eins fehlte bereits.
„Bitte… ich denke damit müsste es klappen!” Honigsüß reichte ich ihr das gute Stück zwischen den Vorhängen hindurch und lächelte ihr aufmunternd zu.
Los, kauf es, damit sich die ganze Aufregung wenigstens lohnt. Grimmig drehte ich mich wieder den Kindern zu und schnitt eine verachtende Grimasse. Es gab Tage, da waren mir alle Leute zuwider. Doch Janilein - Dreikäsehoch bemerkte mein Gesicht und streckte mir die Zunge raus. Schokospucke drohte aus seinem Mund zu sabbern. Meine Augen verengten sich zu Schlitzen. Ich verspürte unsagbare Lust dem Bengel eins hinter die Löffel zu geben.
„Mami, die Tante hat mich böse angeguckt… die mag mich nicht! Mami, ich will nach Hause!!” schrill brüllte Janilein quer durch den ganzen Laden. Nur die Ruhe, Nerven behalten, ermahnte ich mich, ganz ruhig, auch dieser Tag geht vorüber… jetzt nur keine Krise bekommen.
„Du bist aber ein ganz aufgewecktes Kerlchen. Möchtest du ein Bonbon?” Alarmiert versuchte ich die Situation zu retten.
„Komm, wir sehen mal nach deiner Schwester.” Aufmunternd hielt ich ihm meine Hand hin, in die er herzhaft biss.“ Autsch, du kleines Bist, na warte…” zischte ich leise und drohend.
„Haben Sie etwas gesagt?”, säuselte die Stimme aus der Kabine.
„Ähmm… kommen Sie zurecht? Stimmt die Größe?” Ich versuchte mich zu beherrschen, ihr die zwei Monster nicht umgehend in die Kabine zu werfen. Die kleine Schwester lag bäuchlings unter einem der Regale und beobachtete die Szene ängstlich. Gott sei Dank hatte sie keinen weiteren Blödsinn im Kopf, sie zog lediglich ihren Lutscher als Flusenfänger in leichten Bögen über den Teppichboden. Endlich verließ die Kundin mit gerötetem Gesicht die enge Umkleide. Sie schwitze stark und verströmte einen unangenehmen Schweißgeruch, Marke vergorene Süßmilch.
„Tja, ich weiß nicht recht… Also, gepasst hat sie ja, aber ich weiß nicht, ob das Blumenmuster nicht ein wenig aufträgt. Also, ich weiß nicht. Oder sollte ich doch die Gestreifte mal versuchen?” Bloß nicht! Ein ruiniertes Teil, das ich jetzt kräftig mit Febréze auffrischen durfte, langte mir für heute voll und ganz.
„Oh, das tut mir Leid, die haben wir leider nicht mehr in Ihrer Größe vorrätig.”, hörte ich mich lügen.
„Aber mit dem floralen Muster sind Sie gut beraten, absolut trendy… und ganz neu aus Mailand… Sie wissen doch… die italienischen Größen.” versuchte ich ihr Honig um’s Maul zu schmieren. Ich lächelte ihr aufmunternd zu und betete sie würde endlich zahlen und verschwinden. Und siehe da, sie tat mir den Gefallen, nachdem ich ihr zusagte, dass sie das gute Stück, in dem sie jeder bewundern würde, ja auch bei Nichtgefallen des holden Gatten, umtauschen konnte. Mit dieser Aussage gab sie sich zufrieden, zahlte glücklich und verließ endlich, mit den Zwergen im Schlepptau, mein Geschäft. Ein Blick auf die Uhr verriet, dass das ganze Prozedere nicht mehr als fünfzehn Minuten in Anspruch genommen hatte, die mir allerdings wie eine halbe Ewigkeit vorkamen.
Entschlossen griff ich zum Telefon, um der Zeit mit ein wenig Geplauder endgültig den Garaus zu machen.
„Hi, ich bin’s…”
„Ich hör’s… aber du klingst ein wenig verstimmt, alles klar bei dir oder schon wieder Männerstress?” Eva kicherte in den Hörer.
„Ich werde noch irre. Er ist noch nicht da, aber die verdammte Zeit macht mir echt zu schaffen. Das kann doch einfach nicht sein, dass dieser blöde Zeiger sich nicht von der Stelle bewegt, oder?”
Eva war wie immer bestens informiert. Immerhin verband uns nun seit mehr als vierzehn Jahren eine wunderbare Freundschaft. Es gab kaum ein Geheimnis voreinander. Wir telefonierten fast täglich, um die neusten Ereignisse auszutauschen und uns gegenseitig zu unterstützen, um gute Ratschläge zu erteilen, gemeinsam zu lachen und zu weinen. Wir teilten eine gemeinsam unschöne Vergangenheit, wurden beide von unseren Männern betrogen und verlassen. Seitdem versuchten wir uns mehr recht als schlecht mit jeweils zwei halbwüchsigen Kindern durchs Leben zu schlagen und Ausschau nach Mr. Right zu halten. Da die häusliche Umgebung nicht allzu viel Frischfleisch zu bieten hatte, versuchten wir seit geraumer Zeit, mehr oder weniger erfolgreich, Männer in diversen Internet Plattformen kennen zu lernen.
„Wann wollte er denn da sein?”
„Er sagte gegen fünf… oh nein… fünf Uhr. Wir haben erst viertel vor vier und ich stehe jetzt schon kurz vor nem Herzinfarkt vor lauter Aufregung. Sind wir eigentlich total bescheuert uns wegen nem Kerl so verrückt zu machen? Ich kann es nicht begreifen. Man benimmt sich echt wie fünfzehn. Kann nicht schlafen, nicht klar denken. Ich habe sogar wieder zwei Kilo abgenommen. Los, sag mir, dass ich komplett bescheuert bin.”
„Vic, du bist total bescheuert!!! So, geht es dir jetzt besser?”
„Nicht wirklich… nein.” , jammerte ich ins Telefon.
„Shit! Wann hört das endlich auf? Ich werde echt noch wahnsinnig über diese Jagd nach einem bisschen Glück. Sind wir denn wirklich so unrealistisch? Ich meine, es kann doch nicht so schwierig sein, einen Mann kennen zu lernen, bei dem man endlich mal zur Ruhe kommen kann. Seit über zwei Jahren suchen und finden wir ja auch. Aber was? Alles Schrott. Alles verkappte Existenzen. Hier ne Macke, da nen Schaden….. Altlasten….. hängen noch an ihren Frauen oder sind pleite bis zum Anschlag. Lauter Blockflöten. Läuft denn nichts Gescheites mehr durch die Gegend. Ich hab’s echt bald Leid immer wieder auf die Schnauze zu fallen.”
„Hey, Vic, mach mal langsam. Du bist ja völlig durch den Wind, muss ich mir Sorgen machen? Noch ne gute Stunde. Ich denke Marc ist doch ein Versuch wert, oder?”
„Ja, eigentlich hast du Recht, aber ich mache mir nichts vor. Ich meine, er ist acht Jahre älter als ich und wohnt über hundert Kilometer entfernt. Eigentlich hat er dort sein Leben und ich hier. Ich werde der Kinder wegen nicht umziehen…unmöglich. Also, was soll ich mit ihm?”
„Na und! Er ist 45. Das ist doch nicht alt! Okay, die Entfernung ist ein Problem, das sehe ich auch so. Aber ich denke er gefällt dir und ist ne Kanone im Bett. Also, was soll’s… nimm ihn als Zwischenmahlzeit, mach dir ne schöne Zeit und las doch einfach mal laufen. Ich denke, wenn der Richtige an der Türe klopft, bleibt immer noch genügend Zeit andere Baustellen zu beenden.”
„Ja, sicher, aber jede auch noch so kurze Beziehung hinterlässt Spuren. Positive, wie negative. Ich habe Angst einfach kalt und abgeklärt zu werden. Wie verbringen wir denn jede freie Minute? Wir sitzen gierig vor dem Computer, durchforsten eine Singlebörse nach der anderen und bestellen uns Männer wie aus dem Katalog. Das ist doch irgendwie pervers! Findest du nicht?”
„Naja, was heißt da pervers? Die Romantik bleibt irgendwie auf der Strecke, das stimmt.
Aber die Nummer, dass man den Prinzen bei Aldi an der Kühltheke entdeckt und sofort Telefonnummern austauscht ist doch auch nur Illusion. Ich meine, so schlecht ist die Sache im Internet doch gar nicht. Zumindest kann man erst einmal herrlich anonym bleiben, trotzdem Gedanken austauschen oder später in Ruhe telefonieren. Man kann das Foto sehen, die Stimme hören, den Steckbrief studieren und vieles mehr. Sicher hat es etwas von einem Katalog, aber ich stell mich doch nicht jeden Abend in ne andere Kneipe, um von Rentnern lüstern begafft zu werden, außerdem will ich keinen Kneipengänger.” Eva sprach aus Erfahrung.
Mich nervte die Sucherei tatsächlich manchmal mehr, als ich zugeben mochte. Seit circa zwei Jahren vertrieb ich mir meine Zeit im Internet. Anfangs fand ich es hochinteressant und wahnsinnig spannend. Es eröffneten sich ganz neue bis dahin ungeahnte Möglichkeiten Männer kennen zu lernen. Geradezu paradiesisch. Doch die meisten Treffen endeten entweder in einer riesen Enttäuschung oder in einer Katastrophe. Manche Geschichten waren so verrückt, dass ich oft dachte, ich spiele eine Rolle in einer Seifenoper.
„Ja, genau, also weiter Katalog blättern. Ich schau schon immer mal bei Neckermann oder Quelle rein, aber irgendwie vergessen sie immer die Bestellnummern neben die schönen Männer zu schreiben. Ich wollte schon bei der Hotline anrufen und mich beschweren: keine Beschreibung, keine Bestellnummer, aber Hauptsache sie machen einen den Mund wässerig.”
„Schöne Schweinerei, ich weiß, vor allem sollte man auf ein Rückgaberecht von 30 Tagen bestehen… zumindest Umtauschrecht mit Gefühl-zurück-Garantie!”
„Das wäre klasse! Einen Mann zum Ausprobieren, einen Test-Mann sozusagen. Kann er reden, zuhören, mit Kindern umgehen, spülen… ist er gut im Bett… spendabel… galant… hat er Manieren? Hach, welch nette Vorstellung. Und wenn sich rausstellt er ist ne Niete, dann ab in den Karton und Rücksendeschein ausfüllen. Folgende Angaben bitte ankreuzen: „Warum senden sie diesen Artikel zurück?” …zu groß, zu klein… zu dick, zu dünn… zu geizig… zu blöd… zu wenig Gefühl, Schwanz zu klein…” Ich kicherte. Hach tat das gut, solch einen Schwachsinn von sich zu geben.
„Das hätte was? Vielleicht ist das noch ne echte Marktlücke. Weißt du eigentlich wie viele unglücklich suchende Singles es gibt? Meinst du es hätte Sinn so eine Firma ins Leben zu rufen um dicke Kohle damit zu verdienen?” Ich lobte mich insgeheim für diese überaus brillante Idee.
„Klar! Musst du nur die richtigen Typen finden, die da mitmachen. Ansonsten sicher keine schlechte Idee! Aber so lange müssen wir uns wohl irgendwie anders über Wasser halten.”
„So, nun haben wir schon kurz vor fünf, ich denke wir legen mal auf. Lass uns morgen noch mal quatschen… ich berichte dir dann von meiner heißen Nacht! Hihi.”
„Hach, du hast es echt gut. Ich befürchte irgendwann noch Spinnweben zwischen den Beinen zu bekommen, obwohl ich dich nun nicht gerade um Marc beneide. Okay, sein Body mag ne Sünde wert sein, aber so, als Typ, nee, nicht wirklich mein Fall… trotzdem hätte ich nicht das Geringste gegen eine geile Nacht einzuwenden.“ Eva stöhnte theatralisch in den Hörer.
„Hör auf… Mensch, bist du peinlich!” „Wieso? Hört jemand mit?”
„Nein, heute ist echt ein toter Tag hier im Laden, trotzdem… ein wenig Feingefühl, bitte schön! Weißt du was? Genau so sieht es aus. Ich mache mir ein nettes Wochenende und danach stopfe ich ihn in meine große Schublade mit der Aufschrift „Erfahrung”, denn die ist erst gut zur Hälfte gefüllt.”
„Alles klar. Ich denk an dich und wünsch dir ne scharfe Nacht. Meld dich morgen. Ich erwarte Bericht, wie es war… wie ER war!” Lachend verabschiedete sie sich.
Hastig kontrollierte ich noch einmal mein Gesicht im Spiegel. Nun ja, der Hummer war gewichen. Zurück blieben noch ein paar hektische Flecke am Hals, aber das konnte ich leicht mit den Haaren verdecken. Ich versteckte mich hinter einer Schaufensterpuppe mit Blick auf die Straße. Ich wollte seine Ankunft auf gar keinen Fall verpassen, denn allein wie er sich aus dem Auto schälte, war Erotik pur. Die Zeit kroch dahin. Nervös kaute ich auf meiner Unterlippe. Sicherlich war sie schon dermaßen angeschwollen, dass ich aussah, als hätte ich sie mir zur Feier des Tages noch fix mit Silikon aufspritzen lassen. Reiß dich endlich zusammen! Es ist weder das erste Treffen mit ihm, noch das erste Date überhaupt, also was soll bitte schön die ganze Aufregung?
Du benimmst dich wie die Jungfrau vor dem ersten Stich.
Viertel nach fünf legte sich schlagartig meine Unruhe. Meine innere Stimme versuchte mir weiß zu machen, dass er das Date nicht einhalten würde. Warum auch immer, aber mein Bauch signalisierte mir deutlich: zu früh gefreut. April, April… er wird nicht kommen. Ach Quatsch, er ist erst achtzehn Minuten überfällig. Bei einer Strecke von 100 Kilometern kann so etwas leicht passieren. Also entspann dich… alles wird gut!
Doch nichts wurde gut. Er ließ mich hängen. Meine Enttäuschung schlug in Wut um. Im Zeitalter des Handys war es sicherlich nicht zu viel verlangt, sich zu entschuldigen und eine Erklärung abzugeben. Männer! Doch die nächste Kundin nahm mich in Beschlag und erlöste mich von meiner Grübelei. Fast dankbar überschlug ich mich vor Freundlichkeit. Froh, nicht weiter über mein Elend nachdenken zu müssen, bemühte ich mich um die Dame, als hinge mein Leben davon ab.
Die Freundlichkeit zahlte sich aus. Strahlend verließ die letzte Kundin der Boutique, sie hatte sich komplett neu eingekleidet. Na wenigstens hatte sich der Tag in dieser Hinsicht noch als erfolgreich erwiesen. Wäre Marc schon hier gewesen, hätte ich sicher versucht die Kundin schnell abzuwimmeln und eine fette Provision wäre mir durch die Lappen gegangen. Das wäre er gar nicht wert gewesen. Es schien doch noch Gerechtigkeit auf dieser Welt zu geben.
In diesem Augenblick klingelte mein Handy.
„Hallo…Vic?”
„Ja, sicher! Wer denn sonst?” Ups, jetzt bloß nicht pampig werden, reiß dich zusammen.
„Ja, hi… ich bin’s… Marc.”
„Ja, sicher, für den Weihnachtsmann bist du mehr als nur ne Stunde zu spät!!”, dachte ich, verdrehte wütend die Augen und schnitt stellvertretend dem Hörer eine Grimasse. Irgendwie hatte ich mich deutlich abgekühlt. Die Vorfreude war dahin und die Schmetterlinge hatten sich auch vom Acker gemacht.
„Sorry, meine Süße”, säuselte er „Ehrlich, es tut mir echt Leid, aber ich komm hier nicht weg. Wir haben gleich noch ein wichtiges Meeting. Es sollte eigentlich Montag stattfinden, wurde aber auf heute vorverlegt, frag mich bitte nicht warum. Mir stinkt das gewaltig. Bist du sauer?”
Sauer? Wie könnte ich sauer sein? Auf was, auf wen? Seine wunderbare weiche, dunkle Stimme lullte mich sofort ein und ich schwebte wie eine Elfe durch das Hier und Jetzt. Alle Schmetterlinge bevölkerten urplötzlich wieder meine Magengegend, als seien sie nie fort gewesen, die kleinen Schlingel. Meine Stimme klang glockenhell.
„Hey, kein Thema. Mach dir bitte keine Gedanken! Ich war den ganzen Tag über im Dauerstress. Der Laden war brechend voll. Ich habe auch völlig die Zeit vergessen. WAS? Sooo spät ist es schon? Himmel, ich habe ja schon Feierabend. Gut, dass du angerufen hast, ich hätte glatt Überstunden gemacht. Der Tag verging heut wie im Flug. Ich hätte keinen Augenblick Zeit gehabt mich um dich zu kümmern. Also, bitte kein schlechtes Gewissen, es besteht kein Anlass dazu.” Ich werde den Teufel tun und dir auf die Nase binden wie ich gelitten habe… Idiot!
„Na dann bin ich ja beruhigt. Hör mal, es geht los. Ich denke in einer Stunde kann ich hier weg. Ist das okay für dich. Ich melde mich, wenn ich im Hotel bin. Bis dann.” Klick. Er hatte einfach aufgelegt. Auch gut. Ich atmete tief durch. Vic, du bist spitze, lobte ich mich selbst. Gib den Männern niemals das Gefühl, sie seien Mittelpunkt der Erde, alles drehe sich um sie und bitte, bitte niemals zugeben… ich habe die Sekunden gezählt… mich vor Sehnsucht verzehrt, gelitten wie ein Hund und bin vor lauter Aufregung wie ein Jojo durch die Bude gehüpft, habe mich total zu Affen gemacht und geheult wie ein Kater unter Baldrian. NEIN, nie, niemals zugeben!! Männer sind Jäger… nach wie vor! Okay, sie tragen mittlerweile Anzug statt Lendenschurz, aber tief in ihnen schlummert noch der Neandertaler, obwohl sooo tief nun auch wieder nicht.
Missmutig schloss ich den Laden zu und machte mich auf den Heimweg. Genervt leerte ich meinen Briefkasten. Nichts als Werbeflyer vom 37. Pizzadienst in unserer Gegend und das hundertste Schreiben vom Versandhaus mit dem Versprechen ein teures Auto oder die Luxusreise gewinnen zu können. Eilig lief ich die Treppen bis zu meiner gemütlichen Dachgeschosswohnung hinauf. Die Kinder schliefen vorsorglich auswärts, was sich aber nun als völlig unnötig erwies. „Männer!“ schimpfte ich laut vor mich hin. „Es ist einfach nicht zu glauben, wie naiv ich mich manchmal anstellen kann. Ich quartier die Kinder aus und hätte fast den Babysitterjoker verballert. Noch einmal hätte mir Mona diesen Dienst diese Woche sicherlich nicht erweisen. Verdammter Mist! Hoppla, sorry, ich habe Sie gar nicht gesehen.“ Fast wäre ich mit dem neuen Mieter aus dem zweiten Stock zusammengeprallt. „Kein Problem! Es ist ja nichts passiert. Sie scheinen ja ein wenig in Gedanken zu sein!“ Er strahlte mich an, als sei ich der Hauptgewinn in der Lotterie. „Tja, es gibt Tage, an denen sollte man lieber im Bett bleiben.“ „Falls Sie da Hilfe brauchen sollten…“ „Bitte? Wie sind Sie denn drauf?“ Ich musterte meinen neuen Nachbarn eingehend. Auf den ersten Blick wirkte er sehr jung. Oder einfach nur spitzbübisch jungenhaft? Ich konnte dies jetzt nicht einschätzen. „Oh nein.“, lachte er. „Verstehen Sie das bitte nicht falsch. Ich habe aus Ihrem Selbstgespräch nur die Information über den fehlenden Babysitter mitbekommen. Ich wollte Sie nicht belauschen, aber Sie waren ja auch nicht zu überhören.“ Strahlend weißes Zahnpastalächeln strahlte mir entgegen. Einen kleinen Augenblick verlor ich mich in seinen katzengrünen Augen. Sie hatten einen schwarzen Rand um die Iris. Interessant! „Hendrik Baumeister. Ich habe gerade Semesterferien.“ Hörte ich diesen wundervoll geschwungenen Mund sagen. „Bitte? Was? Ich meine: wie bitte?“ Himmel, er musste ja denken, eine komplett übergeschnappte, schwerhörige, Selbstgespräche führende Irre vor sich zu haben. „Ich lass Sie jetzt lieber in Ihre Wohnung gehen. Rufen Sie mich einfach an, falls Sie Hilfe benötigen.“ Er steckte mir eine Visitenkarte zwischen meine Zähne, da meine Hände bereits in Beschlag mit Werbepost und Handtasche waren. „Danneschöhn“, nuschelte ich schnell und verschwand eiligst nach oben. Missmutig warf ich die Post plus angeweichte Nachbarschaftsbotschaft auf die Küchenzeile. Nicht nur, dass sich mein Date in Luft aufgelöst hatte, nein, jetzt hatte ich auch noch den Volldeppen gegeben. Wie war das mit dem ersten Eindruck und die einzige Chance? Egal. Was ging mich der junge Schnösel an? An diesem Abend ahnte ich noch nicht, welche Rolle er eines Tages in meinem Leben spielen würde.
Das warme Wasser in der Badewanne besänftigte mich ein wenig. Ein Glas Rotwein beschleunigte das Ganze. Ich stürzte das edle Gesöff mit einem Schluck hinunter. Was soll der Geiz? Ein Mitbringsel meines letzten Verehrers. Meine Stimmung hellte sich deutlich auf, denn so hatte ich wenigstens noch genügend Zeit mich wieder auf Vordermann zu bringen. Ganz ohne Zeitdruck und Anspannung konnte sich meine Haut ein wenig regenerieren. Energisch versuchte ich meine Haare von der klebrigen Pampe zu befreien. Ich schüttelte den Kopf, für nichts und wieder nichts die ganze Aufregung und Unruhe. Nicht zu fassen!
Mein erstes Treffen mit Marc drang in mein Bewusstsein…
Wieder einmal verbrachte ich den Abend schlecht gelaunt vor dem PC. Der Rosamunde Pilcher Film hatte mir gründlich die Laune verdorben. Diese Happyend Schnulzen töteten mir momentan den letzten Nerv. Wie sollte man sich auch fühlen, wenn man seit über zwei Jahren mehr oder weniger als Single durchs Leben tigerte… immer auf der Suche nach dem großen Glück und echten Gefühlen. Seit der schmerzhaften Trennung von meinem, nun Gott sei Dank zwischenzeitlich geschiedenem Mann, hielt ich verzweifelt Ausschau nach Mr. Perfekt. Denn wenn nicht jetzt, wann dann? Nun hatte ich doch die Zeit und Gelegenheit mich in aller Ruhe umzusehen, zu vergleichen, auszuprobieren, analysieren und meinen Spaß zu haben. Bitte nicht wieder auf so eine egoistische, kalte Flachbirne hereinfallen.
Leichter gesagt als getan. Wo waren nur all die Prachtexemplare, die uns von Plakaten und Hochglanzmagazinen vielversprechend entgegen grinsten, uns das Wasser im Munde zusammen laufen ließen, die Sehnsucht nach Geborgenheit und Leidenschaft entfachten. Wo nur? So frei und anspruchslos das Leben als Single auch sein mochte, einfach war es nicht. Also nutzte ich auch an diesem Abend, ohne ein Fünkchen Hoffnung, die Internetplattformen und ackerte mich zum tausendsten Mal durch diverse Singlebörsen. Müll… alles Müll, Schrott und Verrückte! Es war manchmal der absolute Wahnsinn, wer bzw. was sich dort alles anbot und welches Gegenstück gesucht wurde. Jeder bezeichnete sich als treu, humorvoll, zärtlich, spontan, ehrlich und gut aussehend… bitte, warum sind nur all eure Beziehungen gescheitert, wenn ihr euch doch nur aus solch qualitativ hochwertigen Eigenschaften zusammensetzt? Es war mir unverständlich! Okay, ein Blick sagt mehr als tausend Worte. Sah man sich die Fotos an, blieb noch ein kläglicher Rest attraktiver Männer übrig.
Ich weitete mein Suchgebiet aus. Beschäftigte ich mich bis jetzt überwiegend mit der näheren Umgebung, klickte ich „Suche im Umkreis von 100 km” an. Warum auch nicht? Es gibt Telefone und jeder ist heut zu Tage mobil. Fernbeziehungen die Norm.
Ups… mein Herzschlag beschleunigte sich. Warum schickt Gott alle Schmachthäppchen nach Köln? Lauter schöne Männer. Hach, richtige Leckereien. Auf den Schreck öffnete ich erst einmal meine letzte einsame Flasche Rotwein. Wenn das kein passender Anlass war, dann weiß ich auch nicht. Ich war schon lange nicht mehr in diesen Genuss gekommen, denn einsam trinken ist nur halb so schön, aber jetzt Auge in Auge mit der Creme de la Creme war ich alles andere als allein.
Ich arbeitete mich durch die Profile und mein Genusswein wurde zum Frustwein. Je mehr Profile ich durch las, umso übler wurde meine Laune. Tja, was hatte ich denn erwartet? Alle Städter warteten auf geschiedenes Landei mit zwei Kindern? Wütend über meine eigene Naivität und Euphorie kippte ich den Wein wie Wasser hinunter. Beim Anblick der Fotos wurde ich vom Gefühl her immer nüchterner und vom Rotwein immer betrunkener. Genervt las ich die Texte:
Kinderwunsch: NEIN …Suche Frau ohne eigene Kinder… Kinderwunsch: NEIN… Suche Frau ohne Anhang… Suche ungebundene Frau, die mit mir die Welt erobert… Suche Frau, die bereit ist mit mir auszuwandern… Kinderwunsch: NEIN… Frau ohne Altlasten gesucht…
Bezeichnete man heute Kinder als Altlasten? Na Bravo!
Lohnte es sich zu lügen? Kinder zu verheimlichen? Nein, keine gute Idee.
Ich hatte schon vor mich völlig frustriert zu verabschieden, die Flasche war fast leer, als ER mir förmlich ins Auge sprang. Er lächelte sein wohl schönstes lächeln nur für mich. Blond, groß, trainiert, Nichtraucher, 40 Jahre alt, geschieden, kinderlieb, frei und bereit für die große Liebe. Hach, das Leben konnte so spannend sein.
Ich versuchte einen nicht allzu aufdringlich wirkenden Text in das dafür vorgesehene Feld zu tippen. Sonst fiel es mir doch ganz leicht ein paar Floskeln zu formulieren, doch bei diesem Prachtexemplar von Traummann hatte ich echt Angst es zu vergeigen. Ich schrieb einen in meinen Augen recht neutralen Text, klickte auf versenden und starrte wie gebannt auf den Bildschirm. Ich versuchte förmlich ihn zu hypnotisieren… los! Antworte… JETZT!! Nix! Ich wartete ganze fünf Minuten, die mir vor kamen wie mindestens acht. Nuckelte an dem letzten Rest Wein und wurde zusehends mutloser. Meine Blase schrie: Voll! Ich versuchte den Druck zu ignorieren, um seine Antwort nicht zu verpassen, als wenn sie sich innerhalb von Sekunden, wie Zaubertinte, wieder von meinem Monitor verschwinden könnte. Ich hockte wie ein Häufchen Elend, mit angezogenen Knien in rhythmischen Schaukelbewegungen, vor dem Computer und betete inbrünstig um Erhörung.
Ich schrieb meine unlogische Starrsinnigkeit dem Alkohol zu, denn normalerweise war ich doch realistisch genug um zu wissen, das Antworten schon einmal bis zu zwei Tagen auf sich warten ließen, denn es verbrachte nicht jeder so viel Zeit, wie ich im Internet.
HALLO!? Ist da jemand? Bist du da? Huhu… Nichts… Mist. Ich kam mir vor, als hätte mir jemand gerade die letzte Designerbluse in meiner Größe im Schlussverkauf vor meiner Nase weggeschnappt. Was, wenn er gerade eine andere Anfrage bearbeitet? Nur nicht daran denken!!
DA… jetzt aber, es öffnete sich ein kleines Kästchen mit der Einladung zum Chat. Nein, es war nicht ER. „Große Hoffnung64” lautete der Nickname meines Chatpartners. Nun gut, warum sollte ich seine Hoffnung im Keim ersticken, sitze eh hier in der Warteschleife, dann kann ich die Zeit auch mit harmlosen Geplänkel überbrücken. So dachte ich zumindest, aber denken sollte man den Pferden überlassen, denn sie haben die größeren Köpfe oder zumindest sollte man annähernd nüchtern sein.
Die ersten Zeilen flogen über den Äther… hin… her… hin… her… blabla… wie alt, wie groß, welche Konfektionsgröße, immer der gleiche Sülz. Aber dann legte große Hoffnung los.
„Ich steh auf pralle Brüste! Welche Körbchengröße trägst du?” Och, das Internet ist geduldig und verzeiht auch große Lügen. Ich nannte ihm seine Wunschgröße und grinste in mich rein, so ein Vollpfosten.
Doch richtig nett wurde es dann, als er ein Treffen bei ihm zu Hause vorschlug, scheinbar gefielen ihm meine Phantasiebrüste, zum Eier kraulen… da stand ihm nämlich jetzt der Sinn nach. Schön! Und mir stand allmählich der Sinn danach mich postwendend zu übergeben. Ich hasste chatten!! Ohne zu antworten schmiss ich ihn aus meiner Liste und sperrte ihn. Entnervt schaltete ich den PC aus, um endlich mit zusammen gekniffenen Beinen aufs Klo zu humpeln. Um mich abzulenken und den aufkommenden Ekel über die der großen Hoffnung zu verdrängen, zappte ich mich durch die Fernsehprogramme. Gott sei Dank sendeten sie keine Liebesschnulzen mehr, nein, eher die grausame Wahrheit in Form einer Reportage über Scheidungskinder. Genau das, was ich jetzt zum Abkühlen brauchte. Der Wein war leer, der Kopf war voll. Voller wirrer Gedanken und Gefühle, traurig und hohl, verstärkt vom Alkohol, doch gleichzeitig nicht mehr wirklich greifbar.
Scheinbar musste ich eingeduselt sein, ich träumte schlecht. Es drangen Stimmen wie Reibeisen an mein Ohr, die verlangten, ich solle sie anrufen. Große Hoffnung drang in meine Erinnerung zurück. Stöhnend versuchte ich die Lage zu peilen. Auf dem Bildschirm räkelte sich eine üppige Blondine, steckte sich die Finger in den Mund, wie ein Kleinkind, das sich verletzt hatte und wiederholte die 0190er Nummer sooft, bis auch der letzte Depp es verstanden haben musste. Angewidert schaltete ich den Fernseher aus. Sex, Sex, wohin man auch sah. Ich hatte schon länger keinen mehr. Noch nicht einmal schlechten, obwohl ich den auch nicht wirklich brauchte. Doch dann war ich plötzlich hellwach. Ich sah auf meine Uhr: nach zwei. Umständlich schälte ich mich aus der Wolldecke, setzte mich auf, brauchte eine Weile bis das Zimmer wieder still stand. Verdammter Mist, elender Rotwein. Du blöder Raum, halt endlich still. Unsicher wankte ich in Richtung Computer. Völlig fertig ließ ich mich auf den Stuhl plumpsen. Mein Kopf hämmerte und ich hatte statt einer Zunge eine alte Wolldecke im Mund. Schnell warf ich den PC an. Warum dauerte es immer so endlos lange, bis das Programm hochgefahren war. Nervös trommelte ich mit den Nägeln auf der Tischplatte. Mach schon!! Sooo jung bin ich auch nicht mehr.
„Sie haben Mail”, ertönte eine blecherne Stimme. Jaha… ich habe Pohost!! Klick, klick, klick, das Postfach geöffnet und meine Augen strahlten. ER hat tatsächlich geantwortet:
„Nun ja, du wohnst nicht gerade um die Ecke, aber dein Profil gefällt mir. Vielleicht kann man sich ja langsam annähern und die 100 Kilometer werden zum überbrückbaren Hindernis. LG Marc.” Für die drei Worte hatte er die halbe Nacht gebraucht? Egal!!
Marc… Marc… es rauschte in meinen Ohren… ein Name wie Musik. Schnell hackte ich eine Antwort in die Tastatur.
„Ich freue mich über deine prompte Antwort (Naja, prompt wäre schneller gewesen, aber man musste ja höflich bleiben). Sicher haben wir alle Zeit der Welt um uns näher kennen zu lernen. (schleim), momentan bin ich auch nicht auf der Suche nach einer festen Beziehung (lüg), aber man weiß ja nie was sich so ergibt (hoffe doch viel). Ich freue mich über deine Antwort, mach dich nicht verrückt damit, denn ich habe Zeit und bin selbst sehr beschäftigt. (bitte schreib noch heute Nacht, lechz)…. Liebe Grüße und morgen einen schönen Tag, Vic. (sülz).
Abschicken!
Selig ging ich ins Bett und träumte von einer großen Hochzeit.
Am nächsten Morgen gähnte mich ein leeres Mailfach an. Mist!! Aber wie blauäugig war ich eigentlich. Wer wartete schon bis halb drei morgens auf ne stinknormale Mail und hatte nichts Besseres zu tun, als umgehend zu antworten? Außer mir natürlich. Ich weckte die Kinder, machte ihnen das Pausenbrot und schlich noch einmal ins Bett. Meine Kinder waren zum Glück mit zwölf und vierzehn Jahren schon recht selbständig und hingen nicht mehr nur an meinem Rockzipfel. Wie ein nasser Sack stand ich um neun Uhr unter der Dusche, um zehn musste ich in der Boutique sein. Man sollte sich die Nächte nicht mit Phantommännern um die Ohren schlagen, schließlich hatte man nicht mehr die Kondition einer Dreißigjährigen. Zum Frühstück genehmigte ich mir großzügig zwei Aspirin. Auf dem Weg zum Laden besorgte ich mir noch zwei Hefeteilchen aus der Bäckerei. Sollte ich mir vielleicht abgewöhnen, der Sommer kam schneller als gedacht und die hässlichen kleinen Dellen an den Oberschenkeln waren nicht gerade förderlich um den Traummann kennenzulernen.
Den Tag verbrachte ich mehr schlecht als recht. Ständig sah ich auf die Uhr und sehnte meinen Feierabend herbei. Die Hoffnung auf eine nette Mail machte mich ganz hibbelig.
Post… Sie haben Mail! Noch in Jacke und die Tasche unter dem Arm, klickte ich mein Postfach an. Ja! Er hatte geschrieben.
„Hallo Unbekannte… was treibst du nachts am PC? Rechtschaffende Frauen gehören um diese Zeit ins Bett! (Ach du lieber Gott! Was musste er einen Eindruck von mir haben… aber, was soll ich denn alleine im Bett?) Ich bin ein ziemlicher Schreibmuffel, lass uns doch heute mal telefonieren, falls du Zeit und Lust hast. Anbei meine Nummer.
Liebe Grüße Marc”
Dieser Mail, dieser läppische Antwort hatte ich nun den ganzen Tag entgegen gefiebert, wie ein Kind der Bescherung an Weihnachten, und wurde nun erneut mit einem Zweizeiler abgespeist… toll! Ich lernte es einfach nicht.
Aber ich hatte seine Telefonnummer! Ich schrieb sie bedächtig in Schönschrift auf die Rückseite eines Kassenbons. Mehr hatte ich gerade nicht zur Hand. In der Panik, der Computer könnte vielleicht genau in diesem überaus wichtigem Augenblick abstürzen, blieb keine Zeit einen vernünftiges Stück Papier aufzutreiben. Ich faltete den Zettel bedächtig zusammen und schob ihn wie einen Schatz vorsichtig in die Hosentasche. Der Abend war gerettet! Und kein Wein im Haus. Schlecht, ganz schlecht! Ein bisschen Mut könnte sicherlich nichts schaden. Gut, dass ich noch in Schuhen und Jacke steckte. Ich spurtete los. Im Supermarkt besorgte ich das Abendessen für die Kinder und einen kleinen Weinvorrat für mich, wer weiß, wie oft wir telefonierten. Für mich reichte der Alkohol, denn mein Magen schlug Purzelbäume und war nicht in der Lage halbwegs feste Nahrung zu sich zu nehmen. Nicht wirklich gesund, aber sicherlich auch kein Dauerzustand.
Mit einer Tüte Nachos und dem guten Tropfen machte ich es mir auf dem Sofa bequem. Die Kinder waren versorgt und sahen in ihren Zimmern fern. Unentschlossen knetete ich den Zettel mit seiner Nummer in meiner Hand. Wenn ich noch eine Minute so weiter machen würde, bräuchte ich mir keine Gedanken mehr über den bevorstehenden Anruf zu machen, denn dann hatte mein Schweiß den Zahlen endgültig den Garaus gemacht. Wie konnte man nur so nervös sein. Mit zittrigen Fingern wählte ich seine Nummer. Ich ließ achtmal läuten. Langsam zählte ich mit, bevor ich völlig enttäuscht wieder auflegte. Diese Nummer zu wählen kostete mich fünf Kilo Überwindung und drei Zentner Mut und der Typ war gar nicht zu Hause. Ja, glaub ich’s denn? Erst machte er mich mit der Nummer ganz kirre um mich dann eiskalt hängen lassen? Wie war der denn drauf? Na, ob das ein gutes Omen war?
Endlich! Um halb zehn nahm er den Hörer ab. Seit über einer Stunde versuchte ich ihn nun ununterbrochen zu erreichen. Meine Fantasie bestrafte mich und jubelte mir Treffen mit anderen Frauen unter. Eigentlich durfte er momentan nur mit einem Reserviert-Schild um den Hals das Haus verlassen. Er gehörte nämlich mir! Jawohl!! Zumindest momentan… zumindest so lange, bis ich ihn abservierte… denn das war bislang mein Part.
„Hallo, ja schön dich zu hören. Ich hoffe du hast nicht schon länger versucht mich zu erwischen. Ich war noch unterwegs.” So, so… unterwegs… aha.
„Hi, ach was, nein.”, versicherte ich glaubwürdig. ”Ich bin immer wahnsinnig beschäftigt und auch eben erst die Tür rein. Aber nun habe ich Feierabend, liege gemütlich mit nem Gläschen (Flasche… aber was geht dich das an) Wein auf dem Sofa und da fiel mir ein, dass wir ja telefonieren wollten.”
„Na, dann bin ich ja beruhigt. Hatte schon Angst, du würdest kneifen.” Sein Lachen jagte mir eine prickelnde Gänsehaut über den Rücken. Ich schloss verzückt die Augen… Erotik pur! Ups, ein fast vergessenes Prickeln jagte mir zwischen die Beine. Es fühlte sich sogar irgendwie feucht an. Hoffentlich kein Angstschweiß, sondern das Zeichen, dass die Kleine noch lebte.
Die Zeit verging wie im Flug. Als wir uns endlich voneinander lösen konnten, war es schon halb eins. Aber nun hatte ich doch einige Infos mehr. Völlig aufgedreht stand ich im Bad und studierte mein Spiegelbild. Gefällt er dir? Ja, ich denke schon. Ich nickte mir aufmunternd zu und strahlte. So ein paar männliche Hormone können um Jahre verjüngen. Mein Spiegelbild zwinkerte mir verschwörerisch zu. Ich wollte eigentlich früh zu Bett gehen, nun ja. Morgen war auch noch ne Nacht. Konnte ich ahnen, dass wir die nächste Nacht noch länger telefonieren würden? Ich fühlte mich wie erschlagen, aber happy! DAS könnte doch mal ein Treffer sein. Seine männliche, angenehme Stimme verfolgte mich den ganzen Tag und ließ mich immer wieder erschreckend scharf werden. Er konnte zuhören, aber ebenso gut selbst interessant erzählen, mochte Kinder und war gespannt mich zu sehen.
Noch 48 Stunden, dann hatte ich auch ein Gesicht und Körper zu der Stimme. Wir waren zum Essen verabredet. Es war seine Idee, er wollte mich unbedingt kennen lernen. Ich kannte zwar sein Konterfei aus dem Internet, aber die Wahrheit sah manchmal doch ein wenig anders aus. Soviel Erfahrung besaß ich bereits, denn er war nicht mein erstes Date.
Also waren noch ganze zwei lange Tage mit dem Kopf voller Fantasie zu überstehen.
Den einzigen Wermutstropfen den ich zu verdauen hatte, war, dass er böse geschummelt hatte. Er hat sich mal eben um fünf Jahre verjüngt. Wie einfach, Papier ist ja bekanntlich geduldig. Also traf ich mich mit einem 45jährigen Mann, ganze sieben Jahre älter und vor allem erfahrener als ich. Meine Vorfreude hatte einen dicken Dämpfer bekommen. Wenn ich jemanden kennen lernen möchte, der Mitte vierzig ist, schreibe ich jemanden in diesem Alter an und erwarte keine getürkten Fakten.
„Aber ich sehe aus wie vierzig… ehrlich… sonst hätte ich es nicht so geschrieben. Ich kann mit den älteren Frauen einfach nichts anfangen. Ich brauche keine Faltenröcke und Dauerwellen. Ich bin jung im Kopf und mein Körper ist topp in Form… ganz bestimmt!!!”
Nun ja, er hatte sich zumindest Mühe gegeben sich zu rechtfertigen. Die Details würde ich mir genauer ansehen. Allerdings saß ich am Abend zuvor doch ein wenig geschockt vor dem Fernseher und verfolgte einen wohl bekannten Werbespot, den ich nun allerdings in einem völlig neuen Licht betrachtete.
Sie zeigten einen Mann, der sich bückte um seine Schuhe zu zubinden. Um seine Hände frei zu haben, legte er zuvor seine Aktentasche auf ein Autodach, just in dem Moment fuhr der Wagen los. Er spurtete ganz lässig hinter dem Auto her, holte es lächelnd ein und griff nach seiner Tasche. Die Musik setzte ein… „Bumm, bumm…er ist 47, bumm, bumm, er hat die Kraft der zwei Herzen, bumm, bumm, Doppelherz, die Kraft der zwei Herzen.“ Völlig entgeistert starrte ich auf die Mattscheibe. Ups, spätestens in zwei Jahren lagen Klosterfrei Melissengeist, 4711 und die Kraft der zwei Herzen unterm Weihnachtsbaum. Als ich jetzt auch noch die Worte Granufink und Blasenschwäche vernahm, wechselte ich irritiert den Sender. Danke, ich hatte genug von dieser Art Zukunftsmusik.
Unsicher wartete ich auf dem Parkplatz des Restaurants. Ich war zwanzig Minuten zu früh. Vor lauter Aufregung und Spannung hatte ich es zu Hause einfach nicht mehr ausgehalten. Nun stand ich hier in der Kälte und hielt Ausschau nach Mr. Perfekt…..perfekt geschummelt.
