Summer Haven - Kristyn Heger - E-Book

Summer Haven E-Book

Kristyn Heger

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Beschreibung

Madison fährt nach Summer Haven, einem kleinen Küstenort in Maine, um Abstand von ihrem alten Leben zu gewinnen. Nach einer toxischen Beziehung mit Charles, die ihr nicht nur emotional, sondern auch kreativ zugesetzt hat, hofft sie, dort Frieden zu finden und ihre Freude am Schreiben wiederzuentdecken. Summer Haven ist für sie ein vertrauter Ort, an dem sie als Kind viele glückliche Sommer mit ihrer Familie, besonders ihrem Bruder Steven, verbracht hat, der vor zwei Jahren bei einem Autounfall ums Leben kam. Mit einem Funken neuer Zuversicht setzt sich Madison schließlich hin und beginnt wieder zu schreiben. Summer Haven wird für sie nicht nur ein Ort der Erinnerung, sondern auch der Heilung und des Neuanfangs.

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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SUMMER HAVEN SEASON___________________________________

Episode 1 – Willkommen in Summer Haven

Madison saß hinter dem Steuer ihres Wagens, die Hände fest um das Lenkrad geklammert, während der Wind vom Meer durch das offene Fenster wehte. Es war Mitte September, und die sanften Farben des Spätsommers tauchten die Küstenstraße, die sie nach Summer Haven führte, in ein warmes, goldenes Licht. Der vertraute Geruch von Salz und Kiefernnadeln erfüllte die Luft, und zum ersten Mal seit Monaten spürte Madison eine leise Ruhe in sich aufsteigen. Sie hatte Boston hinter sich gelassen – die Stadt, die voller Erinnerungen an Charles und das Chaos ihrer Beziehung war.

Vor drei Monaten hatte sie die Tür zu dieser toxischen Episode ihres Lebens endgültig geschlossen. Charles, mit seinem manipulativen Charme, war wie ein Schatten über ihr gehangen, bis sie endlich den Mut gefunden hatte, sich zu befreien. Doch der Preis war hoch: Madison hatte ihre Freude am Schreiben verloren. Jede Seite blieb leer, als hätte Charles nicht nur ihr Herz, sondern auch ihre Kreativität vergiftet.

Jetzt lag Summer Haven vor ihr, ein verschlafener Küstenort in Maine, wo die Zeit langsamer zu vergehen schien. Die Reise hatte nur zwei Stunden gedauert, doch es fühlte sich an, als hätte sie Welten hinter sich gelassen. Die kleinen, weiß gestrichenen Holzhäuser mit ihren weiten Veranden und das Rauschen des Ozeans im Hintergrund wirkten wie ein Versprechen – ein Versprechen auf Frieden und Neuanfang.

Madison bog in eine kleine Seitenstraße ein, die sie zu dem Cottage führte, das sie für die kommenden drei Monate gemietet hatte. Es war klein, aber gemütlich, versteckt hinter einem Wäldchen mit Blick auf das Meer. Sie stellte den Wagen ab und stieg aus, ließ die salzige Luft tief in ihre Lungen strömen und spürte, wie die Spannung allmählich aus ihren Schultern wich.

Dies sollte ihr Ort der Heilung werden. Kein Druck, keine Erwartungen – nur sie, das Rauschen der Wellen und die Seiten, die sie füllen wollte. Sie hoffte, dass Summer Haven ihr die Freude am Schreiben zurückgeben würde. Der kleine Ort schien der perfekte Zufluchtsort zu sein – fernab von allem, was sie festgehalten hatte.

Madison schloss die Augen und ließ die vertrauten Geräusche und Gerüche von Summer Haven in sich wirken. Es fühlte sich an, als wäre sie in die Zeit ihrer Kindheit zurückversetzt worden. Sie war oft hier gewesen – mit ihren Eltern und ihrem älteren Bruder Steven. Diese kleinen Auszeiten an der Küste waren für sie die glücklichsten Momente ihrer Kindheit. Sie konnten tagelang am Strand toben, Muscheln sammeln und gemeinsam die Wellen beobachten, während die Abendsonne den Horizont in Rosa- und Orangetönen färbte.

Madison erinnerte sich an die Sommerabende, an denen sie alle zusammen auf der Veranda des Ferienhauses saßen, Limonade tranken und Geschichten erzählten. Ihr Vater, immer mit einem Schmunzeln auf den Lippen, hatte sie und Steven mit alten Seemannsgeschichten begeistert, während ihre Mutter lachend den Kopf schüttelte, weil sie wusste, dass er alles frei erfand.

Jetzt, so viele Jahre später, kam sie an diesen Ort ihrer Kindheit zurück. Madison stand allein vor dem alten Cottage, in dem sie nun ihre eigenen Geschichten schreiben wollte. Die Erinnerungen schmerzten ein wenig, doch sie hatten auch etwas Beruhigendes. Summer Haven war immer ein Ort des Friedens gewesen, ein Zufluchtsort. Hier würde sie es schaffen, alles hinter sich zu lassen und zu heilen.

Sie schob ihre Sonnenbrille ins Haar und öffnete die Tür zum Cottage. Der Geruch von frischem Holz und Meer erfüllte den Raum, und das sanfte Licht, das durch die Fenster fiel, wirkte einladend. Madison ließ ihre Tasche auf den Boden fallen und ging zum Fenster, das einen weiten Blick auf das Meer bot. Die Wellen schlugen sanft gegen die Felsen und der Wind wehte ein paar vereinzelte Blätter über den Rasen.

Sie dachte an Steven. Wie sie zusammen am Strand entlanggerannt waren, die Füße nass vom kalten Wasser. Sie hatten gelacht, gestritten, sich versöhnt – so wie Geschwister eben sind. Madison wusste, dass Steven sich gefreut hätte, wenn er wüsste, dass sie hierher zurückgekommen war. Er hatte immer gesagt, dass Summer Haven der perfekte Ort sei, um zur Ruhe zu kommen und den Kopf freizubekommen.

Vielleicht war es genau das, was sie brauchte: die Erinnerungen, die sie mit der Gegenwart verbanden, die alten Geschichten, die Platz machten für neue. Summer Haven hatte immer eine besondere Magie gehabt. Und jetzt war es Zeit, diese Magie für sich selbst wieder zu entdecken.

Als Madison ihre letzten Sachen abgeladen hatte, schnappte sie sich ihren Wollpullover und machte sich auf den Weg zum Strand. Der vertraute Pfad, gesäumt von Gräsern, die sich im Wind wiegten, führte sie hinunter zu dem Ort, der so viele Erinnerungen für sie barg. Der Himmel war klar, und die Sonne stand tief, warf lange Schatten über den Sand und das glitzernde Meer.

Während sie barfuß durch den weichen Sand ging, fühlte sie, wie die Wellen der Vergangenheit langsam auf sie zukamen. Sie dachte an Steven. Es waren erst zwei Jahre vergangen, seit er bei diesem schrecklichen Autounfall gestorben war. Zwei Jahre, in denen der Schmerz nicht weniger, sondern nur stiller geworden war. Ihre Verbindung zu ihm war immer stark gewesen – fast wie bei Zwillingen, die nicht ohne den anderen sein konnten. Mit nur zwei Jahren Altersunterschied hatten sie praktisch alles gemeinsam gemacht: die Sommer hier in Summer Haven, die Geheimnisse, die sie sich anvertraut hatten, und die Träume, die sie teilten.

Madison spürte, wie die Tränen hinter ihren Augen brannten, als sie an diese Momente dachte. Sie blieb stehen und blickte aufs Meer hinaus, das leise an die Küste schlug. Vor ihrem inneren Auge tauchte plötzlich eine lebhafte Erinnerung auf – sie war etwa acht Jahre alt, und Steven hatte ihre mühsam gebaute Sandburg zerstört, indem er mit einem breiten Grinsen quer hindurchgelaufen war. Sie war so wütend auf ihn gewesen, dass sie einen halben Tag lang nicht mit ihm gesprochen hatte. In ihren kindlichen Augen war es das schlimmste Vergehen überhaupt gewesen.

Jetzt, im Rückblick, wirkte diese Erinnerung beinahe zärtlich. Sie sah sich und Steven in Gedanken am Strand spielen, hörte sein Lachen, fühlte die Unbeschwertheit dieser Zeit. Und dann kam die Realität zurück – die Tatsache, dass er nicht mehr da war, dass sie diese Momente nie wieder gemeinsam erleben würden.

Die Tränen, die sie die ganze Zeit zurückgehalten hatte, fanden nun ihren Weg. Sie ließ sich auf den Sand sinken und weinte leise, den Blick immer noch auf das Meer gerichtet. Es war, als ob Summer Haven ihr erlaubte, all das loszulassen, was sie seit seinem Tod in sich verschlossen hatte. Die Erinnerungen an Steven waren überall hier, und obwohl sie schmerzhaft waren, fühlte sich Madison plötzlich nicht mehr ganz so allein.

Madison wischte sich die Tränen aus den Augen und schaute in die Ferne, dorthin, wo Himmel und Meer eins wurden. Der sanfte Wind trug den salzigen Duft der Wellen zu ihr, und trotz der Schwere in ihrem Herzen konnte sie nicht anders, als ein wenig zu lächeln. Es war ein bittersüßes Lachen, eines, das zwischen Schmerz und Hoffnung pendelte.

Ihre Beziehung zu Charles war vorbei, die Wunden von Stevens Verlust noch immer da, und doch war da etwas in ihr – ein kleiner Funke Zuversicht. Wie ein leises Flüstern, das sie an die Schönheit des Lebens erinnerte, selbst wenn es manchmal unerträglich schwer war. Sie hatte es geschafft, Charles hinter sich zu lassen, auch wenn die Narben tief saßen. Und jetzt war sie hier, in Summer Haven, an diesem Ort, der so viel von ihrem alten Leben in sich trug und gleichzeitig so viel Heilung versprach.

Madison legte ihre Arme um ihre Knie und seufzte tief. Es war, als ob sie all das Alte loslassen konnte, um Platz für das Neue zu schaffen. Trotz allem, was passiert war – Stevens Tod, das Ende der Beziehung – spürte sie, dass Summer Haven ihr eine neue Chance geben würde. Sie vertraute darauf, dass das Leben sie nicht im Stich lassen würde. Dieses Vertrauen war leise, aber es war da, ein ständiger Begleiter, der sie durch die dunkelsten Zeiten geführt hatte.

„Du schaffst das“, flüsterte sie sich selbst zu, während sie den Blick über das unendliche Meer gleiten ließ. Summer Haven würde sie retten, das wusste sie jetzt. Vielleicht würde es Zeit brauchen, vielleicht würde es Tage geben, an denen der Schmerz sie wieder einholen würde. Aber hier, an diesem Ort, wo so viele Erinnerungen schlummerten und so viel Raum für Neues war, konnte sie sich selbst wiederfinden.

Madison stand auf, schüttelte den Sand von ihren Beinen und machte sich auf den Weg zurück zum Cottage. Jeder Schritt fühlte sich leichter an als der vorherige. Sie war bereit, diesen neuen Anfang anzunehmen – bereit, das Leben wieder in die Hand zu nehmen.

Als Madison kurze Zeit später zurück zum Cottage ging, sah sie eine kleine, ältere Frau, die gerade mit einem Teller in der Hand vor ihrer Tür stand. Die Frau lächelte warm und winkte ihr freundlich zu. Madison bemerkte sofort die herzliche Aura, die sie umgab. Sie war klein und hatte das Aussehen einer liebevollen Oma, wie man sie sich in den schönsten Kindheitserinnerungen vorstellt.

„Ach, Liebes, du musst Madison sein“, sagte die Frau, während sie den Teller in ihre Richtung hielt. „Ich bin Olivia.“

Madison lächelte überrascht. „Oh, hallo! Ja, ich bin Madison“, antwortete sie und konnte ihren Blick nicht von dem köstlich aussehenden Apple Pie abwenden, den Olivia in den Händen hielt.

„Hier, Liebes, der ist für dich. Herzlich willkommen in Summer Haven“, sagte Olivia mit einem sanften Lächeln. Madison lachte leise, als sie das Stück Kuchen entgegennahm. „Oh, ist der für mich? Der sieht aber wirklich gut aus.“ Olivia strahlte. „Danke, danke. Man nennt mich auch die Martha Stewart von Maine“, sagte sie mit einem Augenzwinkern.

Madison spürte, wie ihre Anspannung weiter nachließ. Die Wärme dieser fremden Frau, die so plötzlich Teil ihrer neuen Welt wurde, ließ sie sich geborgen fühlen. Summer Haven hatte schon begonnen, sie mit offenen Armen zu empfangen.

„Dann bin ich wohl in den besten Händen“, erwiderte Madison lächelnd, während der süße Duft des Kuchens ihre Sinne umspielte. „Das hoffe ich doch“, sagte Olivia mit einem kleinen Lachen. „Wenn du irgendetwas brauchst, Liebes, ich wohne gleich die Straße runter. Du bist hier nicht allein. Oh, und übrigens, das Cottage gehört mir. Es ist mein kleines Juwel, und ich freue mich, dass du hier bist“, fügte sie hinzu, während sie ihre Hände in die Schürzentaschen steckte.

Madison war überrascht. „Du besitzt dieses Cottage? Es ist wunderschön! Ich fühle mich schon jetzt richtig wohl hier.“

Olivia winkte ab, als wäre es nichts Besonderes. „Ach, das ist nur ein kleines Häuschen, aber es hat viel Seele. Viele Leute, die hierherkommen, finden in Summer Haven das, was sie suchen – auch wenn sie manchmal noch gar nicht wissen, dass sie danach suchen.“ Sie lächelte und legte Madison sanft eine Hand auf den Arm. „Du wirst sehen, Liebes, das Leben hier heilt so manches.“

Madison lachte leise und sagte: „Ich habe dieses Cottage über einen gewissen Chris gebucht, so stand es zumindest bei Airbnb.“ Olivia zwinkerte ihr zu. „Ach, Liebes, weißt du, das ist mein jüngster Sohn. Er kümmert sich um alles, was mit dem Internet zu tun hat, weil ich davon überhaupt keine Ahnung habe. Ich bin eher der Typ für Kuchen und Gartenschere.“ Madison musste erneut lächeln. „Dann danke ich deinem Sohn und natürlich dir für diesen tollen Empfang.“

Olivia lächelte warm und sah Madison mit einem Hauch von Stolz an. „Du solltest Chris unbedingt mal kennenlernen. Er ist so ein netter junger Mann und seit dem Tod meines Mannes vor einem Jahr immer für mich da.“ Ihre Augen schimmerten kurz, aber sie hielt ihre Stimme sanft und positiv. „Ich weiß nicht, was ich ohne ihn tun würde.“

„Und ach, Liebes, am Wochenende ist das große Apfelfest bei Millers Apfelfarm. Es ist eine schöne Tradition hier in Summer Haven. Wenn du Lust hast, komm doch vorbei. Es gibt frische Äpfel, Musik, leckeres Essen und vieles mehr – du wirst es lieben.“

„Das klingt großartig! Ich werde auf jeden Fall vorbeischauen“, antwortete Madison mit einem dankbaren Lächeln.

Madison nahm einen tiefen Atemzug, als sie Olivia dankend zunickte. „Ich freue mich schon darauf“, sagte sie und spürte, wie der Gedanke an das Apfelfest eine leichte Vorfreude in ihr weckte. Es klang nach genau dem, was sie brauchte – eine kleine Ablenkung, etwas Leichtigkeit und die Möglichkeit, die Menschen von Summer Haven besser kennenzulernen.

„Dann bis dahin, Liebes“, sagte Olivia und machte sich langsam auf den Weg. „Und wenn du vorher noch etwas brauchst, du weißt ja, wo ich bin.“ Mit einem freundlichen Winken verabschiedete sie sich und Madison blieb allein vor dem Cottage zurück.

Sie sah ihr kurz nach und fühlte eine sanfte Wärme in sich aufsteigen. Olivia war eine dieser Menschen, die sofort ein Gefühl von Geborgenheit ausstrahlten. Ihre Anwesenheit machte es Madison leichter, sich in diesem kleinen Ort willkommen zu fühlen.

Als sie wieder ins Cottage trat, stellte sie den Teller mit dem Apfelkuchen auf den kleinen Esstisch und ließ sich auf die Couch sinken. Ihre Gedanken kreisten wieder um die Erinnerungen an Steven. Ein leichtes Ziehen durchlief sie, aber es war anders als zuvor. Vielleicht hatte Olivia recht – vielleicht konnte Summer Haven wirklich etwas Heilsames bieten. Sie spürte, wie der Ort sie langsam aufzufangen begann, mit seiner Ruhe und den herzlichen Menschen.

Madison griff nach ihrem Notizbuch, das auf dem Couchtisch lag, und öffnete es vorsichtig. Die leeren Seiten wirkten einladend, als wollten sie gefüllt werden. Der Gedanke ans Schreiben brachte ein leises Kribbeln in ihre Finger. Sie wusste, dass es nicht sofort einfach sein würde, aber vielleicht konnte sie hier wieder die Freude am Schreiben finden – und vor allem sich selbst.

Sie nahm den Stift zur Hand, atmete tief durch und begann zu schreiben: „Summer Haven – der Ort, an dem alles enden und neu beginnen soll…“

 

 

 

 

 

 

 

 

Episode 2 – Apple Pies & Starry NightsAn einem kalten, aber klaren Dezembermorgen war die Luft in Summer Haven erfüllt von einer Ruhe, die nur der Winter bringen konnte. Die Wintersonne, tief am Horizont, tauchte die verschneite Küste in ein sanftes, goldenes Licht. Unter Madisons Schritten knirschte der Schnee, und ihr Atem verwandelte sich in kleine Wölkchen, die in der klaren Luft verwehten. Es war einer dieser Tage, an denen die Welt wie verzaubert wirkte – still, glitzernd, einladend. Madison war auf dem Weg zum kleinen Weihnachtsdorf auf dem Marktplatz von Summer Haven, einem alljährlichen Highlight, das die Bewohner des Küstenstädtchens seit Generationen mit Vorfreude erfüllte. Schon ihre Eltern hatten sie als Kind hierher mitgenommen, und jedes Jahr schien der Markt aufs Neue ein Stück Magie in den Winter zu bringen. Die Stände, liebevoll dekoriert mit Tannenzweigen, roten Schleifen und glitzernden Lichterketten, reihten sich wie ein kleines Dorf rund um den zentralen Weihnachtsbaum. Der Markt war nicht nur ein Ort, um einzukaufen – er war ein Treffpunkt, an dem Geschichten geteilt, Traditionen gepflegt und die winterliche Gemeinschaft gefeiert wurden.

Schon von Weitem hörte sie die leise Musik, die über den Weihnachtsmarkt trieb. Der Duft von Zimt und frisch gebackenen Keksen lag in der Luft, gemischt mit dem würzigen Aroma von heißem Glühwein.

Ihr erster Halt war bei Henrys Redwood & Oak Butchery. Bereits vor dem Stand konnte sie den vertrauten Duft von Eichenholz und Gewürzen wahrnehmen. Henry, groß, bärenhaft und mit einem Lächeln, das selbst die kälteste Winterluft erwärmte, stand hinter dem Grill und winkte ihr zu.

„Madison!“ rief er, während er mit einer Zange ein saftiges Stück Schinken wendete. „Hast du heute Appetit auf ein kleines Probierstück? Ich habe gerade ein neues Rezept ausprobiert – eichenholzgeräucherter Schinken mit einem Hauch von Ahornsirup. Passt perfekt zur Weihnachtszeit, sag ich dir!“

„Da sag ich nicht nein, Henry,“ erwiderte sie und trat näher. Der Stand, dekoriert mit Tannenzweigen und kleinen Lichterketten, schien ebenso liebevoll gestaltet wie die Köstlichkeiten, die er anbot. Madison nahm die kleine, glänzende Scheibe Schinken, die er ihr reichte, und kostete. Der Geschmack war eine perfekte Balance aus rauchiger Würze und der sanften Süße des Ahornsirups.

„Das ist unfassbar lecker, Henry! Du hast dich selbst übertroffen,“ sagte sie mit einem anerkennenden Nicken.

„Wenn du das sagst, weiß ich, dass es gelungen ist!“ strahlte er. Sie lachten gemeinsam, während im Hintergrund Weihnachtslieder spielten und der Duft von Rauch und Gewürzen die Luft erfüllte.

Madison ließ sich treiben, den warmen Geschmack noch auf der Zunge, und wanderte weiter durch die festlich geschmückten Gassen des Marktes. Vor ihr glitzerten rote Äpfel in Körben, und das frische Tannengrün daneben verströmte einen harzigen Duft, der die Winterstimmung perfekt machte.

Ein paar Schritte weiter entdeckte sie ein vertrautes Gesicht. Betty stand hinter einem kleinen, wettergegerbten Schild, das den Namen ihres Standes verkündete: „Betty’s Vintage Garden – Alte Sorten, neu entdeckt.“ Ihre kinnlangen braunen Haare lugten unter einer gestrickten Mütze hervor, und ihr Lächeln ließ ihre Augen funkeln.

„Madison, schön, dass du da bist!“ rief Betty und streckte die Hand aus, um sie zu begrüßen. „Heute hab ich ein paar richtig spannende Winterköstlichkeiten. Hast du Lust, was Neues zu entdecken?“

„Immer!“ erwiderte Madison lachend. „Bei dir fühlt es sich immer an, als würde ich kleine Schätze finden.“

Betty hob eine tiefviolette Knolle in die Höhe, deren Farbe selbst in der Wintersonne leuchtete. „Das hier ist eine Purple Viking Potato. Perfekt für einen weihnachtlichen Auflauf oder als Beilage. Außen lila, innen zart und cremig. Sieh sie dir an – ist sie nicht wunderschön?“

„Die sieht aus wie ein kleiner Schatz aus dem Wintergarten,“ sagte Madison, während sie mit den Fingern über die raue Schale fuhr. „Du hast wirklich ein Händchen dafür, Dinge zu finden, die etwas Besonderes sind.“

Betty grinste. „Das ist mein Ding, Madison! Und schau mal, ich habe auch noch Red Russian Kale – perfekt für winterliche Salate oder als würzige Beilage. Ich liebe es, ihn mit etwas Knoblauch und Olivenöl in der Pfanne zu schwenken. Das bringt die Aromen richtig zur Geltung.“

Madison nahm das dunkelgrüne Gemüse in die Hand, strich mit den Fingern über die zarten Blätter und lächelte. „Du machst einem das Kochen so leicht, Betty. Mit deinen Zutaten wird selbst ein einfaches Abendessen zu etwas Besonderem.“

„Warte,“ sagte Betty plötzlich und bückte sich unter ihren Stand. Nach einem Moment tauchte sie mit einem kleinen Zettel auf, der handgeschrieben und mit kleinen Doodles verziert war. „Hier, ein Rezept für Grünkohlchips mit Meersalz und Olivenöl. Perfekt für einen entspannten Abend. Die sind bei mir zu Hause ein Dauerbrenner.“

Madison nahm den Zettel mit einem Lächeln entgegen und betrachtete die geschwungenen Buchstaben, die Bettys Handschrift so unverwechselbar machten. „Das klingt genau nach dem, was ich heute Abend brauche. Danke, Betty.“

„Vergiss nicht, sie schön knusprig zu backen!“ rief Betty, während Madison die Tüte mit ihren Einkäufen füllte. „Und wenn du noch mehr Inspiration brauchst, komm einfach vorbei. Ich hab noch ein paar Tricks auf Lager.“

Madison lachte leise und drückte Bettys Hand. „Das werde ich auf jeden Fall. Du bist wie immer meine Rettung, wenn es um gutes Essen geht.“

Mit der Tüte voller frischer Zutaten und einem warmen Gefühl im Herzen machte Madison sich auf den Weg zum nächsten Stand, den Blick noch einmal über Bettys liebevoll dekorierten Stand gleiten lassend. Die kleine Begegnung hatte ihren Tag auf wundervolle Weise bereichert.

Ein großer, festlicher Strauß bei Wildflowers & Evermore zog Madisons Aufmerksamkeit plötzlich auf sich. Die roten Amaryllis, kombiniert mit frischem Eukalyptus, Tannenzweigen und zarten weißen Beeren, schimmerten im sanften Licht der Weihnachtslichter. Hinter dem liebevoll geschmückten Stand stand Lily Mae Whitfield, deren warmes Lächeln die Winterkälte vergessen ließ.

„Madison! Schön, dass du vorbeischaust,“ rief sie und hob den prächtigen Strauß an. „Ich habe an dich gedacht, als ich ihn zusammengestellt habe – Amaryllis, Eukalyptus und ein Hauch von Winterbeeren. Ich finde, er passt perfekt zu dir.“

„Lily Mae, der ist wirklich wunderschön. Er sieht aus, als hätte er all die besten Seiten der Weihnachtszeit eingefangen.“, erwiderte Madison Lily Mae lächelte zufrieden. „Das ist immer mein Ziel. Die Blumen sollen nicht nur schön aussehen, sie sollen ein Gefühl mitbringen – ein Stück Wärme für Zuhause.“

Mit dem duftenden Bouquet von Wildflowers & Evermore fest in der Hand ließ Madison sich von der festlichen Stimmung des Marktes treiben. Die Stimmen der Besucher und das sanfte Knistern des Schnees unter den Füßen mischten sich mit den würzigen Düften, die aus den Ständen aufstiegen.

---ENDE DER LESEPROBE---