Super Papa! - Miroslav Bebic - E-Book

Super Papa! E-Book

Miroslav Bebic

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Beschreibung

Eigentlich sollte der Alltag wie von selbst weiterlaufen, wenn man zum zweiten Mal Vater wird. Die Frau ist im Krankenhaus, um das zweite Kind zur Welt zu bringen und der Ehemann nimmt sich vor, erst einmal zu chillen und danach auszuruhen. Aber die Woche ohne Frau im Haus läuft völlig aus dem Ruder! Wie schafft man es, hochkant aus dem Kreißsaal zu fliegen? Was passiert, wenn man nur so vor handwerklicher Inkompetenz strotzt und die Decke des Badezimmers trotzdem neu streichen möchte? Und wer zum Kuckuck ist Tante Aurelia? Und warum möchte sie das komplette Krankenzimmer erst einmal Feng Shui-konform machen und beim Neugeborenen eine Teufelsaustreibung vornehmen?

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MOBI

Seitenzahl: 66

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Super Papa!

Angelina, Angelina!Bis jetzt ist noch kein Kind drinnen geblieben.Schwere GeburtDer Papa macht das schon!Die Geschichte des O.Der NotfallTotal im FlowTante des GrauensIch will mich aber da jetzt reinsteigern!Nutella ist mein GemüseProjektwocheKühlschranktetrisImpressum

Angelina, Angelina!

Die Tatsache, dass Angelina Jolie mich ohrfeigte, fand ich nicht schlimm. Im Gegenteil. Angelina konnte und durfte mir so oft eine Ohrfeige verpassen, bis ich das Gefühl hatte, die Erdachse hätte sich verschoben. Wer kann denn schon von sich behaupten, von niemand Geringerer als Brad Pitts Frau geschlagen worden zu sein!Gut, ich muss zugeben, sie war etwas grob, aber auch das war nicht schlimm.Schlimmer war, dass ich das nur geträumt hatte. Und noch schlimmer war, dass ich Angelinas Namen rief. Als ich kurz darauf erwachte, sah ich aus verquollenen Augen in das erzürnte Gesicht meiner Frau, der Mutter meiner bald zwei Kinder. Sie zupfte an meinen Schultern.Das sanfte Schaukeln der Schultern ging in ein heftiges Schütteln über, das sich wie ein auf hoher See treibendes Holzfloß anfühlte. Mit Windstärke 9.„Ich weiß nicht, wer oder was eine Angelina ist, aber hier spricht deine Frau!“Sie musste mich wohl schon eine ganze Weile durchgeschüttelt haben, denn das Rütteln hatte inzwischen Erdbebenstärke erreicht, und ihre Lautstärke war ohrenbetäubend geworden.„Sie bekommt gleich ihr zweites Kind! Wenn du nichtsofortaufstehst, waten wir hier bald knöcheltief in Fruchtwasser!“Ich schreckte auf. „Was? Zweites Kind? Jetzt schon?“Ich blickte auf den kleinen Wecker auf meinen Nachttisch. Drei Uhr nachts.

„Ja, jetzt schon! Tut mir leid, wenn es dem Herr zeitlich nicht ganz genehm ist.“ Sie formte nun aus ihren Händen ein kleine Tröte, die sie sich vor den Mund hielt und sprach mit einem Akzent, den ich spontan dem Schwedischen zugeordnet hätte: „Das kleine Baby möchte aus dem Babybauchparadies abgeholt werden. Ich wiederhole: Das kleine Baby möchte gerne aus dem Babybauchparadies abgeholt werden!“Ich hatte das Szenario in Gedanken schon ein Dutzend Mal durchgespielt. In den letzten Wochen hatte ich gefühlte vier Millionen Merkzettel, To-Do-Listen und Post-its geschrieben, die ich gezielt quer über die gesamte Wohnung verteilte, damit ich auch ja nichts vergaß. Obwohl sich natürlich die Frage stellte, ob es sinnvoll war, einige der Listen mangels Platzangebot an die Zimmerdecken zu tackern. Egal. Die Hauptsache ist doch, dass ich beim Verfassen meiner Zettelflut immer hochkonzentriert und zu einhundert Prozent fokussiert war. Okay, manchmal hatte ich mich zu kleinen Unterbrechungen hinreißen lassen. Lustige Katzenvideos auf Youtube sind nun einmal sehr verlockend, wenn man etwas ganz Wichtiges zu erledigen hat.Ich schwang - immer noch auf dem Bett sitzend - meinen halbwachen Körper nach links und stützte mich kräftig mit beiden Händen an der Bettkante ab. Da mein Muskeltonus um drei Uhr morgens grundsätzlich sehr der Konsistenz eines drei Tage alten Wackelpuddings ähnelt, versuchte ich, diesen Makel einfach mit etwas mehr Schwung auszugleichen, um am Ende dieser kleinen Turnübung stramm wie ein Soldat neben meinem Bett zu stehen. Ich bin bereit, den Aufgaben eines werdenden Vaters mit Motivation und Tatendrang entgegen zu sehen, sagte ich mir zackig. Doch meine Füße verhedderten sich in der Bettdecke, und ich plumpste wie ein nasser Sack auf den Bettvorleger.

3 Uhr. Morgens. Grundsätzlich eine Uhrzeit, bei der man durchaus mal aufstehen kann. Wenn es unbedingt sein muss. Zum Beispiel, wenn´s brennt. Oder wenn man als Mann mal „müssen muss“. Oder wenn man zum zweiten Mal Vater wird. Nicht so gut, also gar nicht gut ist es aber, wenn man bis weit nach Mitternacht „World of Warcraft“ spielt, sich dann ins Bett legt und keine drei Stunden später im Begriff ist, Vater zu werden.

Aber für solche Fälle hat man ja Checklisten. Und kleine Post-its, auf die man schreibt, wo welche Checklisten hängen. Da kann gar nichts, wirklich gar nichts schiefgehen! Außer man findet die Post-its für die Checklisten nicht mehr. 

Panisch durchwühlte ich die Nachttischschublade. „Wo sind denn meine ganzen Post-its hin?“

„Meinst du die kleinen Zettelchen, die hier überall herumlagen?“, kam es knapp aus dem Flur zurück.

„Ja, genau. Hast du die etwa alle weggeworfen?“. Mein Ton war nun sehr schrill und könnte ohne Weiteres Gläser zerspringen lassen. Ich machte mir nun Sorgen um meine Post-itsundum meine McDonald’s-Coca-Cola-Glas-Sammlung auf dem Kühlschrank in der Küche.

„Nein, weggeworfen habe ich die Post-its nicht.“

Puh. Erleichterung.

„Dein Erstgeborener hat sie bis zur Unkenntlichkeit gelocht, um daraus Konfetti herzustellen.“

Ich bekam einen Schluckauf. Sodbrennen stieg brennend meinen Schlund hinauf.

„Wenn du deine Checkliste suchst“, ihren leicht hämischen Ton konnte sie nicht verbergen, „die hängt an der Wohnungstür. Du hast die ja extra dort angebracht, damit du nicht lange suchen musst.“   

Ich hastete zur Wohnungstür, ignorierte den genervten Blick meiner wartenden Frau und riss die Liste ab, die ich ja extra an der Wohnungstür angebracht hatte, um nicht lange suchen zu müssen. 

Meine Frau hielt mir eine Tasse Kaffee unter die Nase (wo hatte sie die so schnell hergezaubert?). Ich ignorierte Tasse nebst Gattin, denn ich war ganz damit beschäftigt, meine unleserliche Schrift zu entziffern. Außerdem schärfte ich mir ein, bei der nächsten Geburt eine leserlichere Checkliste zu erstellen. Oder sie gleich am Computer zu schreiben.

„Okay“, murmelte ich suchend vor mich hin, „gepackter Koffer fürs Krankenhaus?“

„Im Ankleideschrank.“

Ich ging zum Schrank. Tatsächlich. Da stand der Trolley, bereit zur Abfahrt. Ich nahm ihn heraus und schob ihn zur Wohnungstür.

„Stillkissen?“

„Im Auto.“

„Wirklich?“

„Ja, wirklich. Auf der Rückbank.“

„Kosmetiktasche?“

„Im Trolley. Und der steht ja, falls du ihn suchen solltest, schon an der Wohnungstür. So, können wir jetzt endlich einmal losfahren?“

„Wenn wir ‚schnell-schnell’ machen und nicht die nötige Zeit in das Abchecken der Liste investieren, wird sich das später noch rächen! Glaube mir.“

„Gut. Wie viel Zeit müssen wir denn deiner Meinung nach noch investieren?“

„Also, wenn wir die derzeitige Geschwindigkeit beibehalten können, es keine Unterbrechungen oder unnötig lange Verzögerungen gibt, keiner von uns auf die Toilette muss und alle Sachen griffbereit liegen, also dann könnten wir es unter Umständen … “

„HERRGOTT NOCHMAL! WIE VIEL ZEIT BENÖTIGEN WIR FÜR DIESE VERDAMMTE CHECKLISTE?“

„27 Minuten.“

„WAS?“

„Und das auch nur, wenn du mich nicht ständig unterbrichst! Ordnung muss nun einmal sein. Auf dem Raumschiff Enterprise können die ja auch nicht einfach ohne Checkliste losfliegen. Der Warp-Antrieb muss geprüft, die Abwehrschilde kontrolliert werden. Selbst die Toiletten-Absaugfunktion muss getestet werden, bevor die Crew das Schiff aus dem Hangar fliegt.“

Als ich draußen eine Autotür laut zuknallen hörte, wurde mir klar, dass mir meine Frau beim letzten Teil meines Satzes nicht zugehört hatte. Ich rannte hinterher und riss die Beifahrertür auf.

„Wo willst du denn hin? Wir sind doch noch gar nicht am wichtigsten Punkt der Liste angelangt: den Elektrogeräten! Oder willst du während der Entbindung darüber nachdenken müssen, ob das Bügeleisen noch an ist?“

„Ich fahre jetzt ins Krankenhaus! Mit dir oder ohne dich!“, entgegnete sie aufgebracht. „Und außerdem habe ich seit einer Woche nicht mehr gebügelt. Das Bügeleisen kann überhaupt nicht an der Steckdose angeschlossen sein!“

Angelina Jolie hätte bestimmt nicht so empfindlich reagiert, dachte ich, während wir Richtung Krankenhaus fuhren. Angelina wäre mit mir bestimmt die gesamte Liste durchgegangen. Auch die Elektrogeräte.

Bis jetzt ist noch kein Kind drinnen geblieben.

Nachdem ich in persönlicher Bestzeit alle elektrischen Geräte unserer Wohnung grob durchgecheckt und unseren Erstgeborenen bei einer Freundin untergebracht hatte, fuhren wir also durch die nächtliche Stadt zum Krankenhaus.

Vom Beifahrersitz vernahm ich in immer kürzeren Abständen Stöhngeräusche, die denen einer Elchkuh während der Paarungszeit sehr ähnlich waren. Ich rekapitulierte, was wir alles im Geburtsvorbereitungskurs gelernt hatten.

Wir hatten schon vor der Geburt des ersten Kindes einen solchen Kurs besucht. Vor dem zweiten Kurs war ich davon ausgegangen, dass sich in drei Jahren nach dem ersten Kurs nichts Weltbewegendes auf dem spannendem Gebiet der Geburtshilfe geändert hatte. Doch ich wurde eines Besseren belehrt. Um es kurz zu machen: Vor dem zweiten Kurs befand ich mich in dem fatalen Irrglauben, dass es egal sei, auf welche Weise der von Blähungen geplagte Babybauch beruhigt werden könne.

Diesen Irrtum bemerkte ich, als ich mit meiner Äußerung, dass es doch völlig gleichgültig sei, ob man nun sanftgegenoderimUhrzeigersinn massiere, eine merkwürdige Stille im Geburtsvorbereitungskurs auslöste. „Sollen wir vielleicht noch gleichzeitig im fahlen Licht des Vollmondes um ein Feuer tanzen?“, fügte ich lachend hinzu. „Oder ein Schaf opfern?“ Ich klopfte mir vor Lachen auf die Oberschenkel. „Oder sogar beides gleichzeitig?“ Ich konnte nicht mehr und lag vor Lachen auf dem Boden. Nach drei Minuten blickte ich auf und sah in die Runde.