Tagträumer - Kai Robin Bosch - E-Book

Tagträumer E-Book

Kai Robin Bosch

0,0

Beschreibung

In 20 Texten resümiert der baden-württembergische U-20-Meister im Poetry Slam 2015 seine ersten 20 Lebensjahre. Vom Singlesein und der Suche nach der Unbekannten X (die ihn wohl nicht nur im Mathe-Unterricht antrieb) über gefallene Engel, gebrochene Herzen bis hin zum All-Inclusive-Urlaub – Seite für Seite ordnet der wache Tagträumer Kai Bosch sein Herz- und Kopfchaos in doppelgereimten Anekdoten und selbstironischer Prosa zu Momentaufnahmen. Herausgekommen ist eine vielschichtige Antwort auf die Frage, was es denn eigentlich bedeutet, heute jung zu sein.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 64

Veröffentlichungsjahr: 2016

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Kai Robin Bosch

Tagträumer

#kopfchaosundso

Erste Auflage 2016

Alle Rechte vorbehaltenCopyright 2016 by

Lektora GmbHKarlstraße 5633098 PaderbornTel.: 05251 6886809Fax: 05251 6886815www.lektora.de

Coverfoto: Chris CocksCovermontage: Olivier KleineLektorat: Lektora GmbHLayout Inhalt: Marvin Ruppert

ISBN: 978-3-95461-087-7

Für meine Eltern und den Engel, der keiner ist.

Wenn Sie möchten, besuchen Sie mich auf Facebook unter https://www.facebook.com/kaibosch.poetryslam oder schreiben Sie eine E-Mail an [email protected].

Inhalt20 Lebensjahre, 20 Texte

Ich bin Single

Engel

Lebendige Droge

Orientierungslos auf sämtlichen Ebenen

Tagträumer

Schöne Jugend

Flucht vor dem Grau des Alltags

Der All-Inclusive-Wahnsinn

Das X, das ich nicht finde, nervige Fernsehwerbung und irgendwie auch ein bisschen Peter Zwegat

Das Motivations-Zeit-Problem und die Revolte meines linken Zeigefingers

Das Wichtigste

Die Zugabe, die irritierenderweise schon mittendrin kommt

Feelings im Hinterkopf

Im Gedenken an meine Brille, mein Handy und alle weiteren Gegenstände, die ich im Laufe der Zeit verloren, verlegt oder zerstört habe

Gesellschaftliche Winternacht

Zum Ende hin

Deutschrapbeziehung

Jetzt bin ich 18!

Der durchbohrte, engelsgleiche Teufelskreis

Das, was ich erlebt hab’, kann mir keiner mehr nehm’

Der fast schon zu pathetische Epilog, der voraussetzt, dass du die vorherigen Texte aufmerksam gelesen hast

Ich bin Single

Es gibt 4 Arten von Singletypen:

1. Den überzeugten Single, der ganz froh darüber ist, sich nicht binden zu müssen, und der nachts vermutlich wesentlich mehr Spaß hat als tagsüber.

2. Den Papst.

3. Den Single, der am Boden zerstört ist, weil er sich gerade frisch getrennt hat.

4. Den Single, der das Pech hat, immer wieder aufs Neue abzublitzen und stattdessen dauernd in der »Du-bist-ja-sooo-ein-guter-Kumpel«-Schublade landet. Bei dieser bemitleidenswerten Gruppe Mensch habe ich anscheinend, ohne es zu wissen, von Geburt an ein lebenslanges Abo gebucht. Während meine Kumpels also am Wochenende mit ihren Freundinnen die Discos erobern, sitze ich daheim, langweile mich und wünsche mir, ich hätte eine Freundin, mit der ich die Discos erobern könnte.

Es ist mal wieder Samstag. Für den Großteil der Bevölkerung ist es der schönste Tag der Woche … Nicht für mich!

Ich mag Montage. Da sind alle so mies drauf. Damit kann ich mich voll identifizieren. Da fühl’ ich mich in meinen Gedankengängen bestätigt. Ja, da bin ich voll am Start! Aber es ist eben Samstag. Während meine Klassenkameraden die Woche heute Abend entweder bei ihrem Partner oder auf einer Party ausklingen lassen, hat für mich mal wieder niemand Zeit. Nach und nach schreibe ich meine Jungs an und erhalte jede Menge interessanter Absagen.

»Hey, ich hab’ sturmfrei, willst du vorbeikommen?«

»Sorry, ich muss mich mental auf Montag vorbereiten!«

»Hey, ich hab’ sturmfrei, willst du vorbeikommen?«

»Sorry, ich muss meine Bücher nach Farbe sortieren.«

»Hey, ich hab’ sturmfrei, willst du vorbeikommen?«

»Sorry, bin auf ’ner Party. Aber ich wünsch’ dir viel Spaß!«

Frustriert denke ich mir: Auf einer Party? Das ist ja so schön für dich. Reib’ es mir ruhig unter die Nase! Spaß, den werde ich garantiert haben – mithilfe von drei Flaschen Lachgas. Oder ich sortiere einfach meine Bücher nach Farbe! Ha!

Aus Verzweiflung sortiere ich sie wirklich nach Farbe. Als ich damit fertig bin, wird mir klar, von welcher Armseligkeit mein Werk zeugt. Somit breche ich weinend zusammen und beschließe, mich zu betrinken. Doch im Keller finde ich nur Black-Forrest-Wasser und leere Bierkästen. Am Boden zerstört versuche ich, mich vor dem TV abzulenken. Aber es kommt mal wieder nur Müll und selbst die Typen, die auf ARTE eine Doku über die afrikanische Schnitzkultur von 1648 moderieren, haben mehr Spaß als ich. Gegen 23 Uhr merk’ ich, wie mein Hintern so langsam mit der Couch verwächst. Über Whatsapp trudeln laufend Nachrichten von betrunkenen Leuten ein, die jetzt den Abend genießen, was meine Laune auch nicht gerade bessert:

»Feiern mit den Besten!«

»Partytime!«

Das Bild meines Tequila Sunrise schlürfenden Kumpels, der von drei äußerst attraktiven Blondinen umarmt wird, gibt mir den Rest und ich beiße in die Tischkante – was rein gar nichts bewirkt, bis auf Zahnweh. Ich hatte wahrlich schon bessere Ideen – und gehe ins Bett. Bevor ich die Augen schließe, denke ich noch: Immerhin, nur noch zweimal schlafen. Dann ist endlich wieder Montag!

Engel

Hey ja, ich sag’ dir was,

das ist krank und abgefahr’n,

aber ich muss es dir erzählen,

das war mir klar:

Es geht um mich

und die profane Menschheit:

Sorry, doch ich kann

kein normaler Mensch sein.

Dazu sind sie und ich

einfach viel zu verschieden,

dafür bin ich schlicht

und einfach viel zu sensibel.

Viel zu verletzlich,

als ob ich Glasknochen hätte,

bin broke,

doch muss nicht in der Sparversion texten,

Ist okay, ich versuche,

meinen Traum zu leben.

Mein Traum, der bist du,

du bist meine Auserwählte,

zwar bist du meine beste Freundin,

jedoch auch seine,

doch baust du mich immer wieder auf

wie Lego-Bausteine.

Nur du bist so unendlich,

unendlich kostbar.

Ich bin der jubelnde Groupie

und du bist der Rockstar.

Nein, der Vergleich,

den ich für uns beide verwende:

Ich bin ein Mensch

und du der heilige Engel.

Die Menschheit ist zu mir

keine liebe Spezies!

Egal, was ich sage und wie ich es meine,

nie versteht sie es,

doch ich zieh’ auf der Erde

längere Runden, da

ich in dir jetzt

meinen Engel gefunden hab’!

Die Menschheit ist zu mir

keine liebe Spezies!

Egal, was ich sage und wie ich es meine,

nie versteht sie es,

doch ich zieh’ auf der Erde

längere Runden, da

ich in dir jetzt

meinen Engel gefunden hab’!

Mit dir kann ich lachen,

denn du bist so wunderbar.

Doch leider bist du vergeben,

leider ist jetzt nicht unser Jahr,

denn: Ich mach’ den Fehler,

mich meinen Träumen hinzugeben,

obwohl sie, aufgrund deines Freundes,

keinen Sinn ergeben.

Dein Ausseh’n, dein Lachen,

alles an dir ist engelsgleich,

zum Fliegen brauchst du nicht mal Weed –

sendereif!

Deine Augen sind Waffen –

Gangsterstyle.

Und die Zähne wie die Haare eines Rentners –

weiß.

Jeder Tag, an dem wir uns sehen,

ist ein geiler Tag.

Ob du das auch so empfindest,

hab’ ich mich schon die ganze Zeit gefragt.

Doch das Wichtigste an dir

ist deine Art,

immer, wenn ich down bin,

meinst du: »Bleib’ jetzt stark!«

Heute schäm’ ich mich dafür,

wie ich einst die Erde sah.

Zwar komme ich nicht

mit allen Menschen klar,

dennoch bleib’ ich

gerne länger da,

weil ich hier schließlich

meinen Engel hab’.

Die Menschheit ist zu mir

keine liebe Spezies!

Egal, was ich sage und wie ich es meine,

nie versteht sie es,

doch ich zieh’ auf der Erde

längere Runden, da

ich in dir jetzt

meinen Engel gefunden hab’!

Die Menschheit ist zu mir

keine liebe Spezies!

Egal, was ich sage und wie ich es meine,

nie versteht sie es,

doch ich zieh’ auf der Erde

längere Runden, da

ich in dir jetzt

meinen Engel gefunden hab’!

Lebendige Droge

Sie ist ein Suchtstoff für mich,

eine lebendige Droge, die

das Verlangen nach mehr weckt –

es geht nicht ohne sie.

Sie macht mich verrückt,

drum widme ich ihr ständig meine Poesie

und sie ist schuld,

wenn ich bald dem Liebestod erlieg’.

Sie ist ein Suchtstoff für mich,

eine lebendige Droge, die

das Verlangen nach mehr weckt –

es geht nicht ohne sie.

Sie macht mich verrückt,

drum widme ich ihr ständig meine Poesie

und sie ist schuld,

wenn ich bald dem Liebestod erlieg.

Gestern war sie

wieder da

und wieder ist mir

leibhaftiges Glück widerfahr’n:

wieder gelacht,

wieder geflachst,

die gleichen Fehler

gestern Abend wieder gemacht:

wieder in Gedanken versunken,

wieder auf dem Bett gechillt,

wieder gefühlt wie der erstklassige Hauptdarsteller

eines zweitklassigen Actionfilms.

Es war einfach so wie immer –

es war ’n perfekter Abend.

Doch die ganze Zeit über

hat die Trauer im Eck gewartet.