Tanz am Meer - Anneliese Leding - E-Book

Tanz am Meer E-Book

Anneliese Leding

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Beschreibung

"Vollmond", eine Grusel-Geschichte, lässt den Leser bis zum Schluss im Unklaren über den Ausgang. Eine andere Kurzgeschichte, mit autobiographischen Zügen, erzählt von einem "Besonderen Paket", in welchem der literarische Schatz eines Verwandten gefunden wird. Auch überaus romantische Erzählungen kommen aus ihrer Feder. "Tanz am Meer", die Titel-Story lässt uns an einer Liebes-Romanze teilhaben.

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Seitenzahl: 102

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhaltsverzeichnis

Das Foto

Das besondere Paket

Der Waldspaziergang

Der Schwarze Heinrich

Der Schweineöhrchen-Kater

Die Sonnenbergs

Ein Leben nach der Uhr

Familienausflug

Frühstück am Sonntag

Glück im Unglück

Der Mountain-Biker

Rendezvous

Schickimicki

Nichts ist mehr, wie es war

Treppenhausgespräche

Halt die Klappe, Omi!

Unsere kleine Bar

Vollmond

Tanz am Meer

Das Foto

„Sag mal alter Junge, was ist zurzeit mit dir los? Du bist so unkonzentriert, gibt es etwas, was ich nicht weiß?“

Gequält schaute Markus seinen Freund an und nahm einen kräftigen Schluck aus seinem Glas.

„Alex, ich habe mich total verliebt.“

„Das ist doch toll! Wer ist denn die Glückliche, kenne ich sie?“

„Nein, ich kenne sie auch nicht persönlich.“

Jetzt wurde Alex neugierig. Er kannte seinen Freund nun schon ein halbes Jahrhundert, aber so hatte er ihn noch nicht erlebt.

„Soll das heißen, dass du SIE noch nie gesehen hast?“

„Ich habe sie im Internet kennen gelernt.“

„Durch´s Internet? Auch das noch! Etwa durch ein Partnerschaftsportal? Das kann doch alles nicht wahr sein!“

„Nein, natürlich nicht. Ich lese ab und an in dem Schriftstellerforum. Dort ist sie mir mit ihren Krimi-Kurzgeschichten aufgefallen und dann habe ich ihren Namen bei Google eingegeben und Fotos von ihr gesehen. Ich weiß auch nicht wie so etwas geschehen konnte, aber wir haben so einen anregenden E-Mail-Kontakt und sie gefällt mir so sehr, dass ich schon immer sehnsüchtig auf Antwort von ihr warte und ohne nicht einschlafen kann.“

Alex sah seinen Freund an und schüttelte mit dem Kopf, er konnte es nicht glauben, was ihm Markus da erzählte.

„Mensch Markus, komm mal auf den Boden der Tatsachen zurück! Man kann sich doch nicht in eine Person verlieben, die man nur von Fotos und Mails kennt. Du kennst ihre Stimme nicht, du weißt nicht wie sie riecht, du weißt nicht einmal ob sie verheiratet ist oder in einer Beziehung lebt. Du warst noch nicht mal mit ihr in der Kiste und dann sprichst du von Liebe? Man, was machst du nur für dumme Sachen. Du bist doch keine 18 mehr! Vielleicht spielt die Dame ja nur mit dir und lacht sich ins Fäustchen, wenn du ihr mit schmachtenden Worten schreibst. Weiß sie denn wenigstens wie du aussiehst?“

Markus senkte seinen Blick, als er antwortete: „Nein, sie weiß auch nicht mein Alter. Ich habe ihr erzählt, was ich beruflich gemacht habe und dass ich sehr sportlich bin. Nach einem Foto von mir hat sie nie gefragt.“

„Sag mal Alter, merkst du es noch? Die will doch nix von dir. Die benutzt dich doch nur für eine neue Geschichte. Und du fällst auf so ein Luder herein?“

„Alex, jetzt mach aber mal einen Punkt. Unsere EMail-Gespräche sind so intensiv und voller Poesie. Du hast überhaupt keine Ahnung von solchen Gefühlen.“

„Ha Markus, wenn die Gespräche so intensiv wären, dann wüstet ihr mehr voneinander. Ach übrigens, wie lange geht denn das schon mit euch?“

Markus überlegte kurz und sagte dann: „Es werden jetzt sieben Monate.“

„Was, sieben Monate!? Und wie oft schreibt ihr euch so in der Woche?“

„Mehrmals am Tag.“

„Ja sag einmal, wenn du so verknallt bist, warum habt ihr euch dann noch nicht getroffen? „

„Liebend gern, aber wie soll ich das machen? Sie ist immer viel auf Reisen und hat wenig Zeit. Mein sehnlichster Wunsch ist, SIE, endlich kennenzulernen.

Alex war jetzt aufgestanden und ging im Raum hin und her. Krampfhaft überlegte er, wie er seinem Freund dabei helfen könnte.

„Du Markus, weißt du, wann und wo ihre nächste Lesung stattfindet?“

„Ja, das hat sie mir vorgestern geschrieben, dass sie ihr neues Buch „Liebe ohne Wiederkehr“ vorstellen wird. Jetzt in der Vorweihnachtszeit hat sie mehrere Lesungen.“

„Na, dann werde ich dich zu einer dieser Lesungen begleiten. Da sie dich ja nicht kennt, können wir ganz ungezwungen mit ihr in Kontakt treten und mit ihr über ihr Buch diskutieren. Was hältst du davon?“

„Mensch Alex, das ist die Idee!“ sagte Markus freudestrahlend.

„Ja, und überhaupt ist das die Chance für dich, mal endlich in die Pötte zu kommen! Sollte dir die Krimi-Tussi nicht gefallen, dann musst du ihr ja auch nicht mehr schreiben.“

Am 6. Dezember war es dann soweit. Die Freunde waren auf dem Weg zur Lesung von Laura Herbst. Markus wurde immer einsilbiger und Alex flachste herum. Nach einer Stunde Fahrt hatten sie das Stadt-Café erreicht. Sie stellten das Auto ab und gingen in das weihnachtlich geschmückte Café. Die kleinen Tische waren mit Kaffeegeschirr eingedeckt und jeder konnte sich am Kuchenbuffet selbst bedienen. Vorne war ein kleines Podium mit einem roten Ledersessel, einem kleinen Tischchen und Mikrofon aufgebaut. Die Caféhaus-Lesungen waren sehr beliebt und wurden in der Vorweihnachtszeit sehr angenommen. Markus war sichtlich nervös und er schaute sich ständig um, in der Hoffnung, Laura zu entdecken. Sie bedienten sich am Kuchenbuffet, als Laura auf ihren High Heels an ihnen vorbeirauschte. Sie ging geradewegs aufs Podium zu. Sie trug ein auf Taille geschnittenes dunkelrotes Kostüm mit kurzem engen Rock. Markus bekam seinen Mund nicht wieder zu und Alex war auch hin und weg. Jetzt konnte er seinen Freund verstehen. Donnerwetter! Die Frau könnte ihm auch gefallen.

Laura nahm auf dem roten Sessel Platz, schlug ihre schlanken Beine übereinander und nahm das Mikrofon in die Hand, begrüßte die Zuhörer ganz herzlich und erzählte einiges von sich privat, bevor sie mit der Lesung begann. Die Freunde bekamen von der Lesung nichts mit, sondern starrten fasziniert auf die Autorin.

In der kleinen Pause, meinte Alex, dass es jetzt doch mal an der Zeit wäre mit dem heißen Weib ins Gespräch zu kommen. Er hatte den Satz noch nicht ganz ausgesprochen, als Laura lächelnd vor ihrem Tisch stand und sagte: „Guten Tag Markus, schön dass wir uns so einmal kennen lernen.“

Den Freunden verschlug es die Sprache.

Dann stotterte Markus: „Du, du kennst mich? Ich habe dir doch nie ein Foto von mir geschickt.“

„Ach Markus, du glaubst doch wohl nicht, dass ich mich monatelang mit einem Mann schreibe, dessen Äußeres ich nicht kenne. Da du mir von deinem Beruf und sportlichen Aktivitäten am Anfang geschrieben hast, war es für mich nur ein kleines, über die Suchmaschine Google ein Foto von dir heraus zu bekommen.“

Jetzt ging sie auf Alex zu und lachend fragte sie: „Und wer sind Sie?“

„Alex Augen blitzten, als er antwortete:“ Ich bin Markus sein alter Weggefährte.“

„Wie schön auch Sie kennenzulernen.“

Laura hakte sich bei Alex ein und fragte, ob er ein Gläschen Schampus mit ihr trinken würde. Sie drehte sich zu Markus um und zeigte in Richtung einer kleinen, korpulenten Frau, die gerade den Autorentisch aufräumte. Das ist Frau Schön, sie ist meine Sekretärin. Sie beantwortet meine Post und schreibt auch die E-Mails für mich.

Das besondere Paket

Es kam mit der Morgenpost: ein ganz normal aussehendes Paket in braunem Packpapier und verschnürt mit derber Doppelschnur. Es unterschied sich in nichts von den tausenden anderen Paketen, wie sie die Postboten tagtäglich austragen. Mit diesem aber hatte es eine besondere Bewandtnis – eine ganz besondere…

Barbara Stern, noch müde von der Geburtstagsparty ihres Sohnes, nahm das gewichtige Paket mit in die unaufgeräumte Küche und stellte, nachdem sie das schmutzige Geschirr beiseite geräumt hatte, auf den Tisch. Vergebens suchte sie nach einem Absender. Sie nahm die Schere zur Hand und schnitt den groben Bindfaden durch. Vorsichtig öffnete Barbara das Paket und zum Vorschein kamen alte abgewetzte schwarze Kladden und eine vergilbte Mappe mit Briefen. Obenauf lag ein Brief ihrer Großtante Luise.

„ Liebe Barbara.

wie Du ja weißt, bin ich inzwischen über achtzig Jahre alt und darum möchte ich meinen Nachlass ordnen. Viel habe ich nicht. Sechzig Jahre lang habe ich die Gedichte und Briefe meines verstorbenen Bruders Fritz heimlich aufbewahrt. Meine Eltern und Geschwister - Gott hab‘ sie selig - wussten nichts davon. Heute übergebe ich sie Dir, weil ich davon überzeugt bin, dass Du sie, liebe Barbara, nicht auf den Müll wirfst. Du wirst die richtige Entscheidung treffen... “

Barbara las den Brief zu Ende und wusste nicht so recht, was sie davon halten sollte.

Im Verlauf der nächsten Wochen war es Barbara zur lieben Gewohnheit geworden, allabendlich in den alten Kladden und Briefen zu lesen. Sie lernte einen sensiblen, unglücklichen Menschen kennen, der offenbar eine außergewöhnliche Begabung hatte und der mit Gott und der Welt in Missklang stand. Anerkennung seiner Dichtkunst fand Fritz Möller nur im Kreise seiner wenigen Freunde, aber nicht im Elternhaus. Damals nannte man das: brotlose Kunst. Einige Monate im Jahr verbrachte er auf der Insel Borkum. Dort entstanden Dichtwerke über die Menschen, das Meer und den Wind, auch Bühnenstücke und Kurzgeschichten. Mit nur 29 Jahren setzte er seinem Leben ein Ende, in dem er sich erschoss. Seine Schwester Luise wurde von der Familie, für die der Freitod ihres Sohnes eine Schande war, auf die Insel geschickt, um die Formalitäten einer Bestattung vor Ort zu regeln. So kam sie in den Besitz seines Nachlasses.

Barbara fragte sich: Warum sollten nicht auch andere Menschen Gefallen an den lyrischen Werken finden und ließ sich im Literaturbüro einen Termin geben, um einmal fachmännischen Rat einzuholen.

Das Büro befand sich im obersten Stockwerk, unter dem Dach der Landesbibliothek. Frau Dr. Eggers – Lektorin und Buchautorin – nahm sich viel Zeit zum Lesen der Gedichte. Dann meinte sie: „Wissen Sie eigentlich, Frau Stern, dass sie einen Schatz geerbt haben?“

„Wie meinen Sie das?“

„Ich habe in den letzten Jahren schon sehr viel Lyrik zu Gesicht bekommen“ sagte die Lektorin, „aber diese hier stellen alles in den Schatten. Ich bin ganz begeistert! Der Verfasser war seiner Zeit weit voraus und die Prosadichtung passt sogar in unsere schnelllebige Zeit.“

„Was kann ich denn tun, Frau Dr. Eggers?“

„Wir müssen einen Verleger finden, der bereit ist, ein Buch mit einer Kurzbiographie über Fritz Möller herauszubringen, um es der breiten Öffentlichkeit vorzustellen.“

Spontan bot die Lektorin ihre Hilfe an, sich um alles Weitere zu kümmern.

Drei Wochen später erhielt Barbara Stern die Zusage eines großen hiesigen Verlages, die Werke Ihres Großonkels zu drucken. Mit Volleifer wurde fast ein Jahr an dem Buch gearbeitet und Barbara durfte an der Biographie mitwirken.

Endlich war es soweit, Weihnachten stand vor der Tür, als das Buch „Gedichte aus der Heimat“ in sämtlichen einheimischen Buchhandlungen zu erhalten war. Auch die Presse hatte in ihrer Kulturausgabe nicht mit Lob und Anerkennung gespart und einen ausführlichen Bericht über den „Heimatdichter“ verfasst.

Im überfüllten Saal der Stadthalle hatten sich Menschen von Rang und Namen eingefunden, um an der offiziellen Ehrung des Dichters teilzunehmen. Auch Tante Luise war gekommen. Der Direktor der Landesbibliothek ließ es sich nicht nehmen, in seiner Ansprache darauf hinzuweisen, dass die Werke von Fritz Möller nur durch einen glücklichen Zufall gerettet werden konnten. Wörtlich meinte der Direktor: „Diese Werke sind ein Stück ländlicher Kultur- und Literaturgeschichte, deren Pflege dem Landesverband in besonderem Maße aufgetragen ist. Das Literaturarchiv unserer Bibliothek hier, ist der legitime und würdige Aufbewahrungsort des schriftstellerischen Nachlasses von Fritz Möller.“

Ergriffen fasste Tante Luise Barbaras Hand und flüsterte ihr zu: „Mein Paket war doch etwas ganz Besonderes…“

Der Waldspaziergang

Jeden Sonntagmorgen – bei Wind und Wetter – machte Papa Friedhelm einen Spaziergang mit seinen Söhnen durch Wald und Flur. So war es auch an einem Sonntag im August.

In der Nacht hatte es heftig geregnet, dadurch war der Waldboden aufgeweicht und am Boden stieg Dunst empor, der alles in Nebel einhüllte. Der Tannenhäher flog von Ast zu Ast und ließ seinen Warnruf ertönen.

Stefan und Christian gingen einige Meter voraus, blieben abrupt stehen und machten ihren Vater auf ein merkwürdiges Geräusch aufmerksam. Alle drei horchten sie. Und richtig: das blecherne Geräusch kam vom Hügel herüber. Sie schlichen durch das Unterholz auf die kleine Anhöhe und sahen durch das Buschwerk, wie zwei Männer, mitten in einer Tannenschonung, Nummernschilder von einem neuen Auto abmontierten. Ein Motorrad, mit einheimischem Nummernschild, stand etwas abseits.

Stefan, der Ältere, fragte: „Papa, was sollen wir tun?“ „Ich glaube, wir müssen die Polizei verständigen, denn an der Sache ist was faul.“

Christian war ganz aufgeregt: „Polizei? Dann müssen wir uns aber beeilen, bevor die weg sind!“