Tapferkeit ist nicht immer gut - Friederike von Buchner - E-Book

Tapferkeit ist nicht immer gut E-Book

Friederike von Buchner

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Beschreibung

Diese Bergroman-Serie stillt die Sehnsucht des modernen Stadtbewohners nach einer Welt voller Liebe und Gefühle, nach Heimat und natürlichem Leben in einer verzaubernden Gebirgswelt. Auf sehr spezielle, romantische Weise findet Toni, der Hüttenwirt seine große Liebe in einer bezaubernden Frau, die aus einer völlig anderen Umgebung stammt als der markante Mann der Berge. Sie lernt durch ihn Schönheit und Idylle seiner Heimat kennen und lieben. Gemeinsam eröffnen die beiden allen Besuchern die Werte und Besonderheiten ihres Lebens auf der Alm. Romantik, Beschaulichkeit, dramatische Spannung und feinsinnige Gespräche: Das ist die Welt von Toni, dem Hüttenwirt, der sich niemand entziehen kann. Katja und Martin waren in der großen Wohnküche. Katja goss die Blumentöpfe auf der Fensterbank. Martin las die Zeitung. »Martin, Martin! Schau mal aus dem Fenster, das musst du dir ansehen! Das ist ein Bild für Götter: Walli am Arm von Pfarrer Zandler. Und Zandler führt Coco an der Leine.« Dr. Martin Engler sah aus dem Fenster, er lachte. »Walli humpelt«, sagte er, »vielmehr, sie tut so.« »Wie meinst du das?« »Das werden wir gleich sehen.« Martin ging zur Haustür. »Haben Sie sich die Walli als Freundin angelacht, Herr Pfarrer?«, fragte er scherzhaft. »Nun, wenn Walli einige Jahrzehnte jünger wäre und ich kein Geistlicher und Walli ungebunden, würde ich darüber nachdenken«, erwiderte Zandler. »Sie hat unterwegs Schmerzen in der Hüfte bekommen. Es kam ganz plötzlich, da musste ich sie stützen.«

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Toni der Hüttenwirt Extra – 4 –

Tapferkeit ist nicht immer gut

Albert will durchhalten

Friederike von Buchner

Katja und Martin waren in der großen Wohnküche. Katja goss die Blumentöpfe auf der Fensterbank. Martin las die Zeitung.

»Martin, Martin! Schau mal aus dem Fenster, das musst du dir ansehen! Das ist ein Bild für Götter: Walli am Arm von Pfarrer Zandler. Und Zandler führt Coco an der Leine.«

Dr. Martin Engler sah aus dem Fenster, er lachte. »Walli humpelt«, sagte er, »vielmehr, sie tut so.«

»Wie meinst du das?«

»Das werden wir gleich sehen.« Martin ging zur Haustür. »Haben Sie sich die Walli als Freundin angelacht, Herr Pfarrer?«, fragte er scherzhaft.

»Nun, wenn Walli einige Jahrzehnte jünger wäre und ich kein Geistlicher und Walli ungebunden, würde ich darüber nachdenken«, erwiderte Zandler. »Sie hat unterwegs Schmerzen in der Hüfte bekommen. Es kam ganz plötzlich, da musste ich sie stützen.«

»Walli, ich hole den Rollstuhl für dich«, rief Katja aus dem offenen Fenster.

»Schmarrn, so gebrechlich bin ich noch nicht«, antwortete Walli.

Katja kam aus dem Haus und sah Walli sehr besorgt an.

»Ich werde dich gleich untersuchen«, entschied Doktor Martin Engler.

»Das lässt du schön bleiben! Ich will mich nur einen Augenblick setzen und andere Schuhe anziehen. Katja, kannst du mir dabei helfen?«

Katja ergriff Wallis Arm und die Hundeleine. Ihr fiel auf, dass Walli kein Wort mit Pfarrer Zandler wechselte. Sie bedankte sich nicht bei ihm, noch verabschiedete sie sich.

Kaum hatte Walli die Haustür des Altenteils hinter sich und Katja geschlossen, grinste sie über das ganze Gesicht. »Lass meinen Arm los, Katja! Mir geht es gut. Nix ist mit meinem Fuß. Ich musste mir einen Trick einfallen lassen, um Zandler zu euch zu lotsen. Er wollte gleich zurück ins Pfarrhaus. Das ist mir gut gelungen. Meinst du nicht auch?« Walli blinzelte verschmitzt.

»Ja, das hat ziemlich echt ausgesehen.«

»Katja, geh rüber! Martin soll mit Zandler über das gestohlene Auto reden. Ich bat Zandler, die Polizei anzurufen. Aber er hatte kein Handy dabei. Außerdem meinte er, dass sich der Besitzer selbst um seinen Wagen kümmern würde. Sicherlich wäre der Besitzer des Fahrzeugs zur Tankstelle gelaufen, damit jemand das Auto mit dem Abschleppwagen aus dem Graben ziehe. Zandler wollte einfach nicht bei der Polizei anrufen, Katja.«

»Verstehe! Deshalb hast du ihn hierhergelockt.«

»Jetzt könnt ihr euer Glück versuchen, du und Martin. Ich dachte, wenn ein Geistlicher den Fund meldet, schöpft niemand den Verdacht, er wäre in einen Autodiebstahl verwickelt. Dabei wissen wir ja, dass es kein Diebstahl ist. Doch das ist eine andere Geschichte, wie du weißt.«

Katja musste lachen. »Ja, ich verstehe. Das hast du dir ganz schön raffiniert ausgedacht.«

»Haltet ihn auf und bringt ihn dazu, dass er bei der Polizei anruft, Katja. Los geh! Ich warte noch ein bisserl, ziehe meine Pantoffel an und komme dann rüber.«

»Vergiss nicht, dabei zu humpeln«, sagte Katja mahnend.

Sie eilte davon.

Martin Engler und Heiner Zandler standen noch auf dem Hof und sprachen miteinander.

Martin sah, dass Katja ein Schmunzeln zu verbergen suchte.

»Du musst dir um Walli keine Sorgen machen, Martin. Sie hat ein bisserl übertrieben. Dass ihr mal die Knochen wehtun, ist in ihrem Alter verständlich. Außerdem hatte sie ein Steinchen im Schuh. Sie wollte von Ihnen hergebracht werden, Herr Pfarrer.«

»So etwas habe ich mir schon gedacht. Walli hat ein bisserl geschauspielert. Richtig?«

»So kann man es auslegen. Aber sie tat es für einen guten Zweck.«

Der Geistliche blickte abwechselnd zwischen Martin und Katja Engler hin und her. »Mei, jetzt bin ich neugierig. Seit wann muss mir jemand etwas vormachen, wenn er etwas auf dem Herzen hat. Walli hätte doch mit mir reden können, statt mir solch ein Theater vorzuspielen«, bemerkte Zandler.

»Im Prinzip schon«, sagte Martin, »aber das hätte nicht ins Drehbuch gepasst.«

»Das wird ja immer schöner! Jetzt wüsste ich aber gern, was hier gespielt wird.«

»Dem kann abgeholfen werden. Kommen Sie mit hinein«, sagte Martin.

Zandler folgte Martin und Katja in die Wohnküche.

»Wollen Sie einen Kaffee?«

»Danke! Zuerst will ich mehr über das Theaterstück wissen. Ist es eine Komödie? Oder ist es eine Tragödie?«, fragte Pfarrer Zandler.

Martin und Katja warfen sich Blicke zu.

Martin rieb sich das Kinn. »Ob man das Stück als ›Tragödie‹ bezeichnen kann, das weiß ich nicht.«

»Das kann man, Martin«, sagte Katja mit fester Stimme. »Für Moni ist es eine Tragödie und was für eine!«

»Also, jetzt will ich den Kern der Angelegenheit wissen. Und wer ist diese Moni?« Pfarrer Zandler bemühte sich um Geduld, trotzdem schwang in seiner Stimme Ungeduld mit.

Katja schenkte sich und Martin Kaffee ein. »Ist Liebeskummer nicht immer eine Tragödie?«

»Da hast du zweifellos recht. Wer davon betroffen ist, empfindet es ganz bestimmt als eine Tragödie. Viele haben mir schon ihr Herz ausgeschüttet. Von welcher Moni sprecht ihr?«, fragte Zandler. »Hier in Waldkogel gibt es mehrere Madln, die Moni gerufen werden.«

»Die Moni, von der wir sprechen, kommt aus München. Mit vollem Namen heißt sie Simone Stegmüller. Sie hat Liebeskummer und hat sich nach Waldkogel verirrt«, erklärte Martin Engler. Er seufzte. »Es hängt mit dem Auto zusammen«, erklärte er weiter, dabei wurde seine Stimme etwas leiser.

»Du sprichst von dem Auto, das beim Bruchweg halb im Graben hängt?«, fragte Zandler nach.

Martin nickte.

»Das Madl hat das Auto in den Graben gefahren«, schloss Zandler.

»So fing es an«, sagte Martin. »Aber ich habe es mit jemandem zusammen aus dem Graben gezogen. Das war keine gute Idee, wie es sich herausstellte. Doch das konnte niemand wissen. Also waren wir gezwungen, das Auto später zurückzubringen und wieder in den Graben rollen zu lassen.«

Pfarrer Zandler machte große Augen. »Das verstehe, wer will, ich nicht. Oder doch? Langsam, ganz langsam, dämmert es mir. Walli wollte mich überreden, dass ich die Polizei in Kirchwalden anrufe und das Auto melde. Doch warum sollte ich das tun?«

Martin Engler atmete tief ein. »Sie sollen die ganze Geschichte gleich hier hören, denn das spart mir die Beichte. Also! Das Auto ist auf Monis Exfreund, Arnold Lehmann, zugelassen. Er ist so ein reicher Schickimicki-Heini aus München.«

»Der extravagante Sportwagen passt zu einem solchen Burschen«, sagte Zandler.

»Jedenfalls durfte Moni damit fahren, sooft sie wollte. Jetzt, da Moni fort ist, hat er das Auto als gestohlen gemeldet. Er hat eine Anzeige bei der Polizei gemacht und behauptet, Moni hätte das Auto gestohlen.«

»Gütiger Himmel!«, seufzte Zandler. »Hat sie das getan?«

Martin und Katja schüttelten den Kopf.

»Moni sagt, sie habe es nicht getan. Wir glauben ihr. Sie ist davongerannt und in den falschen Wagen gestiegen. Wolfi hat sie am Bruchweg gefunden. Das Madl saß hinter dem Steuer und war völlig aufgelöst. Wolfi hat mich angerufen. Ich fuhr mit meinem Notarztwagen hin und holte sie. Sie hatte einen Nervenzusammenbruch. Sie hat den Burschen verlassen. Endgültig und holterdiepolter. Deshalb hat sie auch kein Gepäck dabei und weder Papiere noch eine Kreditkarte. Sie hatte heimlich Geld gespart, zu ihrer Sicherheit. Was richtig war, wie sich jetzt zeigte. Katja war mit ihr in Kirchwalden einkaufen. Das war riskant, da Moni zur Fahndung ausgeschrieben ist. Aber ich denke, es wird mehr nach dem Auto gesucht. Egal, jedenfalls hoffen alle, wenn der Bursche seinen Luxusschlitten zurückbekommt, dass er die Anzeige gegen Moni zurücknimmt.«

»Mm«, brummte Pfarrer Zandler vor sich hin. »Das ist gut möglich. Wahrscheinlich ist ihm das Auto mehr wert, als sein Madl es jemals gewesen ist. Solche Burschen soll es geben. Eigentlich sollte ich das nicht sagen. Aber der Gedanke drängt sich auf. Ein Auto als gestohlen zu melden ist eine Sache. Eine Strafanzeige wegen Autodiebstahl gegen die Exfreundin ist eine ganz andere Sache.«

»Sie sagen es, Pfarrer Zandler. Außerdem ist er wohl beleidigt, dass Moni sich seine Affären nicht mehr gefallen lässt. Er will sich rächen, denke ich. Es geht ihm nicht so sehr darum, sein Auto zu bekommen, als Moni eins auszuwischen. In meinen Augen ist er ein Dreckskerl«, schimpfte Katja. »Moni hat mir so einiges angedeutet. Dass sie es so lange bei ihm ausgehalten hat, grenzt an ein Wunder. Sie hätte vor Jahren schon einen Schlussstrich ziehen sollen.«

»Katja«, sagte Martin, »es gibt Burschen, die schaffen es immer wieder, Madln zu umgarnen und sie abhängig zu machen. Dass Moni heimlich Geld zur Seite legte, lässt darauf schließen, dass sie sich doch irgendwie gewehrt hat. Schlimm ist in solchen Situationen, dass die Madln die Burschen lieben, obwohl sie wissen, dass sie ihnen nicht guttun und sie sich trennen sollten. Es ist das altbekannte Muster. Sie klammern sich an die Hoffnung, der Bursche könnte sich ändern. Er verspricht es, immer und immer wieder. Er beteuert in höchsten Tönen, dass er nur sie liebe und so weiter. Wir wissen, wie so etwas abläuft. Nur dieses Mal ist Moni nicht mehr darauf hereingefallen. Sie hat die Flucht ergriffen.«

Martin stand auf und holte die Flasche mit dem Obstler und Gläser.

»Wir dachten, es wäre gut, wenn eine neutrale Person den Wagen findet und es meldet. Walli wollte es machen. Dann kam sie auf die Idee, dass es noch besser wäre, wenn Sie die Polizei informieren würden. Es ist nämlich so, dass Moni eine Nacht auf der Krankenstation verbracht hat und wir sie jetzt versteckt haben. Wir möchten verhindern, dass die Polizei uns befragt«, fuhr Martin fort.

»Wobei wir natürlich hoffen, dass der Bursche die Anzeige zurücknimmt«, fügte Katja hinzu. »Der Kerl muss ein Unmensch sein.«

So langsam formte sich ein Bild der Zusammenhänge in Pfarrer Zandlers Kopf. Er seufzte hörbar. »In einen Kriminalfall war ich noch nicht verwickelt«, murmelte er.

»Das glauben wir Ihnen«, sagte Martin. »Dem Madl geht es schlecht, körperlich. Es hat schlimme Wochen hinter sich und ist abgemagert. Es muss sich erst einmal erholen und wieder zu Kräften kommen. Dann will Moni sich neue Papiere besorgen und sich um Arbeit und Unterkunft bemühen. Moni ist Tierarzthelferin.«

»Beate und Carl würden sich vielleicht über Hilfe in der Praxis freuen«, sagte Zandler. »Und Fellbacher kann sicher etwas mit den Papieren machen.«

Martin Engler schüttelte den Kopf. »Ersteres ist sicherlich leichter zu erreichen als Letzteres«, dämpfte er die Hoffnung des Geistlichen. »Vergessen Sie nicht, Simone Stegmüller, also Moni, ist zur Fahndung ausgeschrieben. Da sollten besser keine Papiere angefordert werden. Damit will ich nichts gegen Bürgermeister Fellbacher sagen. Aber er muss es weitermelden, und dann schnappt die Falle zu.«

»Das stimmt«, sagte Heiner Zandler. »Daran habe ich jetzt nicht gedacht.«

Martin nickte. Er warf Katja einen Blick zu. »Es gibt noch etwas, was Sie in dem Zusammenhang wissen sollten. Dass Sie es diskret behandeln, steht außer Frage. Wolfi hat sich auf den ersten Blick in das Madl verliebt. Da wusste er noch nichts von ihr. Er hat sie gesehen, und sein Herz schmolz dahin. Es war nicht nur Mitleid, es war Liebe. Und da hat er einfach ›vergessen‹, eine Aktennotiz zu machen und so weiter. Er hat das Wochenende frei. Deshalb hat er die Sache nicht weitergemeldet. Und er ist fest entschlossen, es auch am Montag nicht zu tun. Oder vielmehr, er wird nicht auf die Fahndung reagieren, wenn sie auf seinem Schreibtisch landet.«

»Wie habt ihr erfahren, dass nach Moni als Autodiebin gefahndet wird?«, fragte Zandler.

»Das war so«, erzählte Martin, »Moni wollte nicht, dass Angehörige informiert wurden. Da es ihr wirklich schlecht ging und Wolfi sehr besorgt war, ließ er heimlich, über Kollegen, die Autonummer überprüfen. Dabei kam es heraus, dass nach Moni gefahndet wird. Das war ein Schock für Wolfi. Er will sie schützen. Das ist verständlich, denn er ist in sie verliebt.«

»Herr im Himmel steh uns allen bei, Maria und Josef, das wird immer verwirrender. Ich freue mich für Wolfi, auch wenn ich ihm gewünscht hätte, dass die Liebe nicht so kompliziert beginnen würde. Und jetzt erwartet ihr von mir, dass ich zum Telefon greife und die Polizei informiere über ein Auto, das ich im Graben entdeckt habe?«

Es wurde ganz still in der großen Wohnküche. Nur das Ticken der Wanduhr war zu hören. Sie schlug zur vollen Stunde.

Nachdem die Töne verklungen waren, schwieg Pfarrer Zandler immer noch.

Die alte Walli kam herein.

»Geht es dir wieder besser?«, fragte Katja Engler.

»Natürlich geht es mir besser. Und wenn Pfarrer Zandler sich jetzt erbarmen lässt, zu telefonieren, dann werde ich mich jung und frisch fühlen.«

»Walli, du hast gelauscht«, stellte Martin fest.

»Ja, das habe ich.« Walli holte einen Becher. Sie nahm sich Kaffee, gab viel Milch dazu und Zucker. Sie rührte um. Dabei warf sie Pfarrer Zandler immer wieder einen kurzen Blick zu.

»Walli«, sprach sie der Geistliche an, »warum hast du es mir nicht erzählt?«

»Mei, ich dachte, wenn Sie nach Moni gefragt würden, dann hätten Sie lügen müssen. Das wollte ich nicht verantworten.«

»Du bist eine gute Seele, Walli«, schmunzelte Zandler. Er sah Martin und Katja an. »Und wo steckt Moni jetzt?«

Martin lächelte. »Wo wird sie schon sein? Sie ist oben auf der Berghütte, bei Anna und Toni. Dort ist sie sicher, bis sich der Sturm gelegt hat. Jedenfalls hoffen wir es. Wenn dieser Arnold, so heißt Monis Ex, sein Auto wiederhat, dann gibt er vielleicht Ruhe. Er könnte die Anzeige zurückziehen.«

»Ob das so einfach geht, das weiß ich nicht«, bemerkte Zandler. »In diesen Dingen kenne ich mich nicht aus.«

»Ach, er könnte doch so tun, als hätte er sich geirrt«, meinte Katja.

Martin schüttelte den Kopf. »Hören wir damit auf! Es ist müßig, darüber zu spekulieren, Katja. Wenn es so ist, wird Wolfi es erfahren. Bis dahin heißt es: Abwarten und einen Weg finden, damit Arnold Lehmann seinen Luxusschlitten bekommt.« Bei den letzten Worten warf er Pfarrer Zandler einen Seitenblick zu.

Der rieb sich das Kinn. »Darf ich mal telefonieren?«, fragte er.

Martin und Katja nickten.

Sie hofften, dass Zandler die Polizei anrufen wollte. Das Gespräch würde automatisch bei der Dienststelle in Kirchwalden eingehen, da die Polizeistation in Waldkogel an diesem Wochenende nicht besetzt war.

Zandler ging zum Telefon. »Träutlein, ich bin bei den Englers. Ich habe mein Handy auf dem Schreibtisch liegen lassen. Kannst du es mir sofort herbringen, bitte? Es ist dringend. Ich warte. Danke, Träutlein!« Er legte auf.

Martin, Katja und Walli sahen sich an und wunderten sich.

»Mei, jetzt müsstet ihr eure Gesichter sehen!«, lachte Zandler. »Ich kann von hier aus nicht die Polizei anrufen. Das könnte eine Spur legen. Oh Herr, in was verstricke ich mich da?« Pfarrer Zandler faltete die Hände und schaute zur Zimmerdecke hinauf, meinte aber den Himmel.

»Daran haben wir nicht gedacht. Sie haben recht«, stimmte ihm Martin zu. »Die moderne Technik hinterlässt Spuren.«

Es dauerte nicht lange, dann kam die Haushälterin Helene Träutlein und brachte das Handy.

Als sie mit dem Fahrrad auf den Hof fuhr, ging Zandler hinaus.

Durch die Fenster sahen Martin, Katja und Walli, wie er es entgegennahm und seine Haushälterin sofort heimschickte.

Dann lief Zandler auf dem Hof, zwischen dem Haupthaus, in dem Martin und Katja wohnten und wo die Praxis mit der kleinen Bettenstation untergebracht war, und dem Altenteil auf der anderen Seite der gepflasterten Fläche, auf und ab. Er telefonierte.

Es dauerte nicht lange, bis er wieder hereinkam. »So, jetzt kannst du mir einen Obstler anbieten, Martin.«

Martin schenkte Zandler ein.

»Sie haben angerufen, richtig?«, fragte Katja.